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Abitur verkauft – 6. Nachlese

15. Oktober 2008 · von Miller · 2 Kommentare

Abitur verkauft – 6. Nachlese

Das letzte schriftliche Abitur in Hessen wurde im April 2008 abgeschlossen. Bis heute gibt es:

keine Veröffentlichung der Prüfungsaufgaben im Internet

– keine zugesagten CDs im 1. Bildungsweg

– keine zugesagten CDs im 2. Bildungsweg (obwohl die Master-CD seit Monaten vorliegt)

– keine Beantwortung der parlamentarischen Anfrage der Grünen durch die Landesregierung

 

Wiesbaden hüllt sich in Schweigen. Man braucht offenbar sieben Monate für eine CD-Produktion. Im Copy-Shop an der Ecke funktioniert das in 48 Stunden! Wer will dieses Schneckentempo der jungen Generation, den Eltern und Lehrern vor Ort erklären?

Gleichzeitig spricht man auf jeder pädagogischen Fachtagung, jedem Symposium von den neuen „Unterstützungssystemen“ und den neuen „Supportstrukturen“ im Bildungsland Hessen. Hessen ist inzwischen bundesweit nicht Vorreiter, sondern Schlusslicht in der Abitur-Dokumentation!

Ein bundesweiter Überblick in Sachen Abiturprüfungen wird in den nächsten Tagen im Bildungwirt zu lesen sein.

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GEW Hessen zu „Abitur verkauft“ – 5. Nachlese

29. September 2008 · von Miller · 4 Kommentare

GEW Hessen zu „Abitur verkauft“ – 5. Nachlese
GEW Hessen spricht Klartext und erhebt ebenfalls die vernünftige Forderung:
Vom: 29. September 2008

Abituraufgaben müssen kostenfrei zur Verfügung stehen

„Für alle hessischen Schülerinnen und Schüler wird via Internet ein kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben mit Lösungshinweisen gewährleistet. Dies gilt für die gymnasiale Oberstufe (Abitur) genauso wie für die Haupt- und Realschulprüfungen.“

Herr Banzer, korrigieren Sie diese dicken Fehler Ihres Ministeriums! Hessen als „Bildungsland Nr.1″ ist kein Kiosk, der Prüfungssonderangebote an privat verscherbelt!

Die Antwort des Kultusministers auf die parlamentarische Anfrage der Grünen ist inzwischen überfällig.

Es gilt von Seiten des Bildungswirts weiterhin das Angebot, eines schnelle Lösung der Misere im Konsens mit zu entwickeln. Wenn der Verantwortliche will, so ist die Lösung in 4 Wochen erreichbar. (Klar sollte jedoch sein, dass diejenigen in der Bildungsverwaltung, die für diese Fehlentscheidung mit zuständig waren, nicht gleichzeitig mit der Lösung beauftragt werden können).
Dem gesamten hessischen Landtag wäre gedient, vor allem dem Ansehen in der Öffentlichkeit, insbesondere bei der betroffenen jungen Generation. Gegen „Politikverdrossenheit“ hilft nur Einsicht in begangene politische Fehler und Bereitschaft, diese zu korrigieren. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Politiker können sich hier als lernfähige Subjekte in der Gestaltung des Gemeinwohls erweisen.

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Abitur verkauft – 3. Nachlese

28. August 2008 · von Miller · 7 Kommentare

Abitur verkauft – 3. Nachlese

Manchmal bewegt sich doch etwas. Starre, nicht haltbare Positionen werden abgestreift. Auch die Fraktion DIE LINKE im hessischen Landtag ist über die Beiträge im Bildungswirt seit dem 04. Juni informiert und durch drei Mails erinnert worden. Jetzt haben sie reagiert, wollen sich aktiv einmischen – und das ist gut so!

Hier Ihr Rundbrief:

Priorität: hoch! 27.08.08 12:22
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
(…), liebe Landesschulsprecherin, liebe „Bildungswirte“,

ich bin soeben auf die Artikel

http://www.bildungswirt.de/2008/06/04/19
http://www.bildungswirt.de/2008/06/16/66
http://www.bildungswirt.de/2008/08/20/124

hingewiesen worden und möchte dieses Thema gern auch für die Fraktion DIE LINKE im Hessischen Landtag nicht nur „bearbeiten“, sondern auch voranbringen, um den vorhandenen Problemen ggf. Abhilfe zu schaffen.

Meine diesbezügliche Bitte, mein diesbezügliches „Angebot“ an Euch wäre nun: Wärd Ihr bitte so nett, die Situation aus Eurer (Betroffenen-)Sicht einmal in einer Text-Skizze zu formulieren und mir und uns somit eine „Vorlage“ zu liefern, die nicht nur den einfachen „parlamentarischen Blick“ (Sicht auf die „Sachlage“, wie sie sich von außen darstellt), sondern auch den gesellschaftlichen, außerparlamentarischen Blick mit in die Fraktion und hiernach dann in den Landtag zu bringen?

Hierüber würde ich und würden wir uns sehr freuen. Auch, weil ich der Meinung bin, eine Partei bzw. parlamentarische Kraft ist nur so gut, wie Sie anderen das Wort erteilt und nur so stark, wie auch außerhalb des Parlamentes „Opposition“ gegen Probleme vorhanden ist: Ohen die Studierendenproteste in Hessen wären, so meine und unsere Meinung, so „trotz“ SPD, Grünen und LINKEN in Hessen wohl nie die Studiengebühren abgeschafft worden – zu einfach ist es, den vermeintlichen Sachzwängen anheim zu fallen, wenn diese nicht (auch) von außen in Frage gestellt werden.

Also: Über Eure Unterstützung würde ich mich sehr freuen; gern in Text- oder E-Mailform; ggf. auch in Form eines Treffens zwischen unseren BildungspolitikerInnen und Euch. Auf jeden Fall sichere ich zu, Euch zu informieren, wenn die Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage der GRÜNEN zum Thema eingegangen ist (das muss nach Geschäftsordnung in spätestens 5 Wochen soweit sein).

(…)

Danke und beste Grüße,
Jens Wernicke

Fassen wir die Gesamtlage zusammen:

1. Alle sind informiert, es fehlt nur noch die sinnvolle Tat im Sinne der seit Monaten bekannten Forderung:

„Für alle hessischen Schülerinnen und Schüler wird gewährleistet:
Kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben (mit Lösungshinweisen!) via Internet. Dies gilt für die gymnasiale Oberstufe genauso wie für den Haupt- und Realschulbereich.“ …

„Herr Banzer, korrigieren Sie diese dicken Fehler im HKM. Hessen als „Bildungsland Nr.1″ ist kein Kiosk, der Prüfungssonderangebote an privat verscherbelt. Schüler, Eltern und Lehrer werden Ihnen die notwendige Korrektur danken.“

2. Die SPD zeigt sich offen, will durchaus eine Lösung ( vgl. 1.Nachlese), die FDP hat das Problem wahrgenommen, will intern beraten (2. Nachlese), die Grünen setzen sich aktiv für eine gute Lösung ein und starten ein parlamentarische Anfrage (vgl. 2. Nachlese). Die LINKE will sich ebenfalls in der Sache engagieren. Es fehlt nur noch die CDU mit Jürgen Banzer an der Spitze. Er könnte diese Fehler der Vergangenheit schnell korrigieren.

3. Möglicherweise ist das Abitur 2008 schon wieder verkauft worden (vielleicht aufgrund amateurhaft juristischer Folgebindungen im Vertrag)? Hier muss schnell Klarheit geschaffen werden. Sollte der Verkauf 2007 ein einmaliger Akt als Ausrutscher gewesen sein, so sind sämtliche Landesprüfungen bis November 2008 zu veröffentlichen. Genügend Zeit, um einige Copyright-Probleme zu lösen. Die reibungslose Veröffentlichungen des Landesabiturs 2009 und der Landesprüfungen AHRS-Bereich im Internet sind sicherzustellen.

4. Last but not least: Für das Landesabitur der Schulen für Erwachsene (gleichwertiges, aber nicht gleichartiges Abitur in Hessen) gelten die gleichen Veröffentlichungsregelungen. Bisher wurde die Veröffentlichung der Prüfungsaufgaben mit Lösungen vom HKM untersagt. Eine längst fertig produzierte Master-CD mit den Prüfungen 2007 und 2008 sollte stattdessen in einer Auflage von 1000 Stück herausgegeben werden. Dies ist bis heute nicht erfolgt.

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Abitur verkauft – eine 2. Nachlese

20. August 2008 · von Miller · 4 Kommentare

Abitur verkauft – eine 2. Nachlese

In „Skandal: Landesabitur verkauft“ (Beitrag vom 4. Juni) analysierte ich den ungewöhnlichen Sachverhalt hessischer Bildungspolitik. Zusätzlich wurde eine klare Forderung an den neuen Minister gestellt:

„Für alle hessischen Schülerinnen und Schüler wird gewährleistet:
Kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben (mit Lösungshinweisen!) via Internet. Dies gilt für die gymnasiale Oberstufe genauso wie für den Haupt- und Realschulbereich.“ …

„Herr Banzer, korrigieren Sie diese dicken Fehler im HKM. Hessen als „Bildungsland Nr.1″ ist kein Kiosk, der Prüfungssonderangebote an privat verscherbelt. Schüler, Eltern und Lehrer werden Ihnen die notwendige Korrektur danken.“

In „Abitur verkauft – eine 1. Nachlese“ (Beitrag vom 16. Juni) dokumentierte ich die Antworten von SPD, GEW und VBE.

Inzwischen gibt es weitere Reaktionen:
Die FDP-Fraktion im hessischen Landtag antwortete:

Sehr geehrter Herr Dr. Miller,
vielen Dank für Ihre Mail an Frau MdL Henzler zu dem Beitrag auf www.bildungswirt.de bzgl. des Verkaufs der Prüfungsaufgaben des Landesabiturs. Uns liegen dazu keine näheren Informationen vor. Wir werden dies prüfen. Ihre Forderung nach einem kostenfreien Zugang zu zentralen Prüfungsaufgaben für alle Bildungsgänge werden wir in unsere internen Beratungen aufnehmen.

Die Grünen im hessischen Landtag antworteten am 19. August:

Sehr geehrter Herr Miller,
im Auftrag des bildungspolitischen Sprechers unserer Fraktion, Mathias Wagner, darf ich Ihnen anbei die Kleine Anfrage zusenden, die er betreffend des Verkaufs der Abiturprüfungsaufgaben bzw. der Zugänglichkeit aller zentralen Prüfungsaufgaben gestellt hat.

Kleine Anfrage
des Abg. Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
betreffend Zugänglichkeit aller zentralen Prüfungsaufgaben

Vorbemerkung:
Seit September 2007 sind die Beispielaufgaben und Prüfungsaufgaben des hessischen Landesabiturs vergangener Jahre nicht mehr Teil des Internetauftritts zum Landesabitur. Den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, die zum Abitur führen wurden die im Landesabitur 2007 verwendeten Prüfungsaufgaben aller Unterrichtsfächer lediglich als CD zur Verfügung gestellt. Auch die Aufgaben der zentralen schriftlichen Abschlussarbeiten für die Bildungsgänge der Hauptschule und der Realschule werden nicht im Internet veröffentlicht. Somit ist eine kostenfreie, standortunabhängige und leichte Zugänglichkeit der Übungsmaterialien nicht gegeben. Das Kultusministerium verweist auf seinen Seiten auf die Möglichkeit, die einschlägigen Veröffentlichungen über den Buchhandel zu beziehen.
Ich frage die Landesregierung:

1. Aus welchen Gründen stellt die Landesregierung die Beispiel- und Prüfungsaufgaben zu den zentralen Abschlussprüfungen und zum Landesabitur nicht kostenlos im Internet zur Verfügung?

2. Wie begegnet die Landesregierung dem Vorwurf, dass diese Aufgaben, die unter Einsatz öffentlicher Mittel entwickelt wurden, durch diese Entscheidung dem öffentlichen Zugriff entzogen sind?

3. Welche Maßnahmen hat die Landesregierung getroffen, um zu gewährleisten, dass dennoch alle Schülerinnen und Schüler, die sich auf ihre Abschluss- oder Abiturprüfung vorbereiten, kostenfreien und unkomplizierten Zugang zu den Aufgaben erhalten?

4. Werden allen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, die zum Abitur führen, auch die im Landesabitur 2008 verwendeten Prüfungsaufgaben aller Unterrichtsfächer als CD zur Verfügung gestellt? Falls nein, warum nicht?

5. Werden allen Schulen, die Hauptschul- oder Realschulabschlussprüfungen durchführen, ebenfalls die bisher verwendeten Prüfungsaufgaben aller Unterrichtsfächer als CD zur Verfügung gestellt? Falls nein, warum nicht?

6. Wie sind die Rahmenbedingungen der Nutzung gestaltet? Wie viele Exemplare wurden den Schulen jeweils zur Verfügung gestellt? Dürfen die CDs vervielfältigt und an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben werden? Welche Restriktionen gibt es für die Nutzung und Weitergabe der Daten?

7. Welche Einnahmen hat die Landesregierung bei den Verlagen erzielt bzw. erzielt sie weiterhin, die auf Grundlage der hessischen Abiturprüfung Übungsmaterialien entwickelt haben, die nun im Buchhandel angeboten werden? (Bitte differenzieren nach Verlagen, Jahren und Einnahmearten)

8. Gibt es nach Kenntnis der Landesregierung auch Verlage, die auf Grundlage der hessischen zentralen Abschlussprüfungen für Haupt- und Realschulen Übungsmaterialien entwickelt haben oder entwickeln wollen, die im Buchhandel angeboten werden?

9. Falls ja, welche Einnahmen hat die Landesregierung bei den Verlagen erzielt bzw. erzielt es weiterhin, die auf Grundlage der hessischen zentralen Abschlussprüfungen für Haupt- und Realschulen Übungsmaterialien entwickelt haben, die nun im Buchhandel angeboten werden? (Bitte differenzieren nach Verlagen, Jahren und Einnahmearten)

10. Sind alle Schulen kostenlos mit diesen von Verlagen erstellten Übungsmaterialien versorgt worden und falls ja, in welchem Umfang? Falls nein, warum nicht?

Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) schweigt bisher. Es wäre für ihn ein leicht lösbares Problem – keine umständlichen oder auch geschmeidig weichgespülten Ausreden von Amtsjuristen und Pressesprechern mehr – sondern konkretes Handeln im Interesse der zukünftigen Aiturienten und Lehrer. In der Sache ist der Bildungswirt gern behilflich!

PS. Die Fraktion „Die Linke“ im hessichen Landtag schweigt zur Sache trotz dreimaliger Nachfrage – Gründe unbekannt! Von einer angeblich „neuen politischen Kraft“ ist hier nichts zu spüren. Und die Lehrerverbände? Nichts Neues, sie sind offensichtlich mit sich selbst beschäftigt.

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Skandal: Landesabitur verkauft

4. Juni 2008 · von Miller · 5 Kommentare

Skandal: Landesabitur verkauft

Gaffiti-von-Helge-Bomber-Steinmann

Das Abitur 2008 ist so gut wie gelaufen, alle schriftlichen Prüfungen korrigiert und die letzten mündlichen Prüfungen und Präsentationen werden von den Schülerinnen und Schülern überstanden. In gut einer Woche halten sie stolz ihre Hochschulreife in den Händen. Partytime. Raus aus der Anstalt. Neuland.

Wichtige Fragen für die nächsten Abituranwärter der Klasse 12 und die Eltern bleiben offen:
Was passiert mit den schriftlichen Prüfungsaufgaben?
Werden sie zeitnah und kostenfrei im Internet veröffentlicht?
Oder werden sie klammheimlich vom Ministerium verkauft wie 2007?
Wo werden die besten Präsentationen als lehrreiches Anschauungsmaterial kostenfrei veröffentlicht?

Das erste landesweit einheitliche Abitur wurde in Hessen im Frühjahr 2007 (1. Bildungsweg) und im Herbst 2007 (2. Bildungsweg) eingeführt. Damit verbunden war die Abschaffung des bisher üblichen dezentralen schriftlichen Abiturs an jeder Einzelschule, von jedem Fachlehrer in seinem Kurs. Als breit angelegte Information wurden deshalb vom Kultusministerium frühzeitig Hintergründe der Entscheidung und Musteraufgaben aus allen Fächern im Internet (hessischer Bildungsserver) dokumentiert. Als Service konnten Schüler, Lehrer, Eltern die Aufgaben kostenfrei downloaden. So sollte Vertrauen und Transparenz geschaffen werden; insgesamt eine durchdachte Strategie. Geworben wurde mit dem Slogan:

„Hessen fördert so die Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit des Abschlusses und wertet diesen für seine Schülerinnen und Schüler auf.“

Leisten wir uns einen kurzen Rückblick:

Eine Nacht- und Nebelaktion aus dem Hessischen Kultusministerium: Alle bisherigen Abituraufgaben wurden ohne stichhaltige Begründung aus dem Internet genommen. Selbst sonst gut informierte Kreis im HKM waren von der Aktion überrascht. Gleichzeitig wurden die Prüfungsaufgaben an den Stark-Verlag verkauft. Preis unbekannt! Aus der Sicht des Stark-Verlags ein gutes Geschäft, vor allem dann, wenn bei fest kalkulierbarer Nachfrage (die nächste Abigeneration klopft schon an) gezielte Angebote unterbreitet werden können.

Der Landesschülersprecher Kaweh Mansoori kommentierte den Skandal so: „Es kann nicht sein, dass eine Kommission aus Lehrern auf Kosten des Steuerzahlers Prüfungs- und Übungsaufgaben erstellt, die das Kultusministerium dann an einen Verlag verscherbelt und die wir uns für viel Geld zurückkaufen müssen“.
Die Pressesprecherin des HKM wies den Vorwurf zurück und meinte, dass keine kommerziellen Interessen im Spiel seien, sondern dass dies aus Gründen des Copyright notwendig wäre. „Wir als Kultusministerium können das für den Fall einer Veröffentlichung nicht im einzelnen prüfen“.

Soweit ich sehe, hat nur Peter Hanack in einem kurzen Beitrag in der Frankfurter Rundschau vom 11.März 2008 die delikate Sache zur Sprache gebracht. (Bis Anfang Mai war diese Beitrag im Netz kostenfrei vorhanden, jetzt nur noch im kostenpflichtigen Archiv ). Andere Medien schliefen oder es schien ihnen keiner Recherche wert.

Kalkulieren wir in einer ersten Überschlagsrechnung die Kosten, die aus öffentlichen Steuermitteln in das Abitur investiert werden. In Hessen sind für das Abitur (Gymnasium, berufliches Gymnasium, Gesamtschule mit Oberstufe, 2.Bildungsweg) ca. 50 Kommissionen eingerichtet, die für die einzelnen Fächer schriftliche Prüfungen erstellen. Nehmen wir an, dass jede Kommission aus nur 5 Mitgliedern besteht und 2 Stunden Entlastung pro Mitglied erhält, so ergibt sich daraus: 50 x 5 x 2 = 500 Entlastungsstunden. Jede Entlastungsstunde kostet ca. 4000.-Euro im Jahr. Daraus folgt: 4000 x 500 = 2 Millionen Euro pro Jahr.
Dazu kommen mehrere Beamte in der Bildungsverwaltung (HKM und SSA), sagen wir nochmal 500.000.-Euro (Weitere Kosten für Tagungen, Fahrtkosten, Materialen, HZD etc. lasse ich hierbei noch unberücksichtigt). Eine angemessene Investition für ein gutes Landesabitur, aber kein Grund dieses dann an privat zu verkaufen, im Gegenteil. Service und kostenfreie Downloads für die jungen Bürger wären das Gebot der Stunde.

Warum soll also diese 2,5 Millionen- Investition überhaupt verkauft werden?

Angeblich großes Copyright-Problem. Ein schnell zu lösendes Problem, z.B. Deutsch: Für die Klassikern gibt es kein Copyright, die Aufgaben wurden durch die Kommission entwickelt, wo bitte ist das Problem? Nächstes Scheinproblem: Aktuelle Tagespresse – i.d.R. kostenfrei, wenn die Quelle genannt wird. Kosten für Texte und Bilder liegen im Peanutsbereich. Aufgaben in Mathematik- gibt es fast nie ein Copyrightproblem.
Die Zuständigen im Ministerium wissen offensichtlich nicht, wovon sie reden. Wer will, der findet Wege, wer nicht will, der findet Gründe oder hinterwäldlerische Begründungen.

Verantwortliche im HKM meinen des Weiteren, dass die veröffentlichten Beispielaufgaben und Prüfungsaufgaben des Vorjahres ohnehin nicht mehr den aktuellen prüfungsdidaktischen Schwerpunktsetzungen entsprechen würden. Wie bitte? Schon nach 1 bis 2 Jahren eine neue Didaktik und Prüfpraxis in 25 Fächern? Fehlanzeige. Reine Schutzbehauptungen ohne Substanz – man kann‘ s ja mal probieren.

Ja, es stimmt: Es gibt auf der HKM-Internetseite die Rubriken „Materialien“ und „Handreichungen“, sozusagen als Service für Schüler, Eltern und Lehrer. Bei Materialien bitte klicken – dann Griff ins Nirvana, nur nicht ganz so schön, nämlich gähnende Leere. Sog. Handreichungen gibt es nur für 15 % (!) der Fächer:Mathematik, Physik, Chemie und Biologie. Und diese sind auf der Ebene von Präzisierungen des Lehrplans, Formelsammlungen, Erklärung von Symboliken. Von Handreichung als illustrative Hilfen weit entfernt. Für alle anderen Fächer , darunter Schwergewichte wie Deutsch, Englisch, Politik und Wirtschaft- erneut ein Griff in die gähnende Leere, NADA!

Ja, es stimmt, das HKM verschickt nach Ende der Abiturprüfung die jeweils aktuellsten Aufgaben auf einer CD an alle Schulen (zumindest war das 2007 so). Mit der einen CD sei nach Meinung des Ministeriums der kostenfreie Zugang zu den Aufgaben sichergestellt. Mit Verlaub, das klingt verdammt nach ehemaliger DDR: Hallo, lange Schlange bilden, stundenlanges Anstehen, es gibt Bananen aus dem Westen.

Eine klare Forderung an den neuen Minister:

Für alle hessischen Schülerinnen und Schüler wird gewährleistet:
Kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben (mit Lösungshinweisen!) via Internet. Dies gilt für die gymnasiale Oberstufe genauso wie für den Haupt- und Realschulbereich.

Herr Banzer, korrigieren Sie diese dicken Fehler im HKM. Hessen als „Bildungsland Nr.1″ ist kein Kiosk, der Prüfungssonderangebote an privat verscherbelt. Schüler, Eltern und Lehrer werden Ihnen die notwendige Korrektur danken. Private Schulbuch-Verlage haben eine wichtige Begleit- und Unterstützungsfunktion für den täglichen Unterricht, nicht mehr und nicht weniger. Der hoheitsstaatliche Prüfungsakt und der kostenfreie Informationszugang mit Servicefunktionen zu diesem Ritual sollten davon für alle Bürgerinnen und Bürger unberührt bleiben.

Herr Banzer, in der G8/G9-Debatte hatten Sie mit Ihrem 11-Punkte-Programm schnell korrigierend agiert. In Punkt 9 geht es u.a. um die Versorgung der Schüler „mit aktuellen Lernmitteln“. In Klasse 12 und 13 gehören kostenfreie „abiturrelevante Prüfungsaufgaben“ selbstverständlich dazu. Dies könnte schnell auf den Weg gebracht werden.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Blogger-Communitiy,
wenn ihr diese Forderung – Kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben (mit Lösungshinweisen!) via Internet – für sinnvoll erachtet, wendet euch direkt an den neuen Kultusminister Jürgen Banzer, die bildungspolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen, die Lehrerverbände oder an die hessischen Elternvereine.

Mailt eure Meinungen und Einschätzungen!

Bildungspolitische Sprecherinnen und Sprecher:
Hans-Jürgen Irmer (CDU), Heike Habermann (SPD), Dorothea Henzler (FDP), Mathias Wagner (Die Grünen), Barbara Cárdenas (Die LINKE)

Hessischer Elternverein
, Elternbund Hessen , GEW Hessen , Verband Bildung und Erziehung ,

Sie können sich aber auch an die Presse oder den Hessischen Rundfunk wenden.

Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Neue Presse

Graffiti von Helge „Bomber “ Steinmann

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