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Bildung ist Bürgerrecht

19. Oktober 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Bildung ist Bürgerrecht

Wer wollte da ernsthaft widersprechen? Erst in der Konkretion zeigt sich, was gemeint ist.

In Bildung massiv investieren, in die Zukunft der Jugend und des Landes investieren, Bürokratie abbauen, neues Lernen iniziieren – die FDP hat jetzt ihre Chance auf Bundesebene als auch als Verantwortliche im Schulbereich wie z.B. in Hessen. Was ist bisher geschehen?

Wie heißt es doch schon in Goethes Faust im Vorspiel auf dem Theater: Direktor: „Der Worte sind genug gewechselt/ Lasst mich auch endlich Taten sehn!/ Indes Ihr Komplimente drechselt/ Kann etwas Nützliches geschehen.“

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Tags: Bewusstsein · Bildung · Bildungsgipfel · Unterricht

Profi-Englisch für Kinder – kostenfrei!

31. Oktober 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Profi-Englisch für Kinder – kostenfrei!

Man könnte auch sagen: Just for fun and play and learn.

Wo gibt es so etwas? Selbstverständlich im Internet.

Die Profis von British Council (British Council is the United Kingdom’s international organisation for educational opportunities and cultural relations) bieten ein differenziertes Panorama an Möglichkeiten die englische Sprache zu lernen. Von Kinderliedern zum Anhören und Ausdrucken bis hin zu einer Palette von Online-Spielen, Animationen, Quiz und einem großen Themenspektrum mit interessanten Fragestellungen. Keine Abzocke, sondern einfach guten und kostenfreien Service.

Zur Illustration eine kleine Auswahl:

1. Are you ready for the dinosaur challenge?

2. Insect world: 90% of the world’s animals are insects. You can find them everywhere – in your garden, in ponds, in rainforests, and even in the desert.

3. How much do you know about music? Try a quiz and see how well the animal band plays!

4. Print and do: Harry Potter or Winnie the Witch? Try this quiz about famous witches and wizards.

5. How many Olympic sports do you know?

6. The bookworm is really hungry. He needs to eat some letters.

Näheres unter:

http://www.britishcouncil.org/kids-games-fun.htm

Sehr zu empfehlen für Kinder von 5 bis 12 Jahren; selbstverständlich für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher. Frage: Schöpft z.B. die Schule solche professionellen Angebote aus? Ein Austausch von Erfahrungsberichten aus Schulen und Kindergärten wäre sinnvoll, meint der Bildungswirt.

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Minister-Erkenntnisse 2008 zur eigenverantwortlichen Schule – Erhellendes nebenbei

30. September 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Minister-Erkenntnisse 2008 zur eigenverantwortlichen Schule – Erhellendes nebenbei

„Ich will versuchen, sie ein wenig zu bespaßen“ (…)

1. Die „finanziellen Ressourcen sind zu wenig“, es wird „neue Verteilungsdiskussionen geben“ und „mit der demografischen Rendite allein“,(…) „ wird nicht der Bedarf zu decken sein“.

2. „Albträume von Politikern“– „Macht nach unten abgeben zu müssen“, d.h. die Zügel loslassen und nicht durch die Hintertür wieder einführen, denn „auch ein goldener Zügel ist ein Zügel“.

3. „Beim Aufbau neuer Kompetenzstrukturen haben wir offensichtlich ein Zuviel an Verwaltungsstrukturen und Kontrollstrukturen reingegeben“.

4. Der Begriff der eigenverantwortlichen Schule sollte besser in selbständige Schule gewandelt werden. „Denn Schulen sind nicht eigenverantwortlich, sondern der Gesellschaft gegenüber verantwortlich“.

5. Die Budgethoheit sollte bei denen liegen, die dies „am klügsten verwalten und effizient einsetzen können“, und das sind die Schulen vor Ort.

6. „Juristische Selbstständigkeit ist nicht für jeden Schultyp der 2000 Schulen geeignet, hier müssen wir noch intensiv diskutieren.“

(aus dem Vortrag des Staatsministers Jürgen Banzer am 29. September 2008: Fachtagung des HKM, IQ und AfL Eigenverantwortung in der Praxis. Was brauchen eigenverantwortliche Schulen in Hessen?
Der gelungene Einstieg hatte etwas von der Tiefe eines Karl Valentin im Sinne von – nehmt euch nicht immer ganz so ernst – , womit der Redner sicher richtig lag. Bleibt zu hoffen, dass sich die Politiker von ihren Albträumen schnell erholen und in heiteren Tagträumen den Weg zur ‚Selbständigen Schule’ ebnen. Auch bei der juristischen Selbständigkeit, sprich Rechtsfähigkeit, liegt der Minister goldrichtig. Lassen wir doch z.B. die Grundschulen damit in Ruhe, beginnen aber endlich bei den Berufschulen, Gymnasien und großen Gesamtschulen (auf freiwilliger Basis). Geredet worden ist in den letzten 3 Jahren genug, Taten sind gefragt.

Als lockere Assoziation will ich noch eine fast 100-jährige literarische Textstelle hinzufügen: (…) „Eingewurzelte Rechte und Überlieferungen der Trägheit widerstanden jeder Neuerung. Findet man ängstliche Philister und arbeitsscheue Brotsitzer dort, wo die Kunst ihre Stimme erheben soll, so gibt es keinen Aufschwung mehr, sondern nur noch bürgerliche Pflichten. Da welkt die Blüte, da verkümmert der Traum, da muss der freigeborene Geist gegen alle Dämonen der Kleinlichkeit und Mittelmäßigkeit in Waffen stehen, oder er wird niedergeschlagen.“
aus: Jakob Wassermann, Das Gänsemännchen, 1912/1914)

Link: Pressemitteilung des HKM

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Hauptschule stärken? – SchuBidubi 2008

25. September 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Hauptschule stärken? – SchuBidubi 2008

Ableben aufgeschoben: Wenn ein schon todkranker Patient im künstlichen Koma am Leben erhalten wird, weil die (Erb)Folge noch nicht geregelt ist, bemühen sich zahlreiche Gesundbeter darum, durch die Magie eines neuen Namens den Patienten noch einmal wiederzubeleben.
So soll auch dem potentiellen Koma-Patienten „Hauptschule“, durch einen neuen Namen eine neue Identität verschafft und quickdynamische Lebensgeister eingehaucht werden. (So ist das jüngst in Frankfurt auf dem großen, kostspieligen Hauptschultag versucht worden.) Auch wenn dann Altes im Gewand des Neuen auferstehen soll, darf der neue Name natürlich nichts beschönigen oder verschleiern.
Damit die Wiederauferstehung auch gelinge, empfehlen wir, Anregungen aus dem Bereich der christlichen Heilslehre zu holen, z. B.:

· Frohe-Botschaft-Schule (FBS) oder
· Himmelfahrtsschule (HS) oder
· Glaube-Liebe-Hoffnung-Schule (GLHS)

In Anspielung auf die Strapazierfähigkeit des pädagogischen Objekts der Begierde könnte man im neuen Namen auch die neue humane Qualität aufscheinen lassen und damit auch einen reibungsloseren Übergang in eine weiter führende Schule erleichtern

· Laminatgymnasium als konzeptionelle Weiterentwicklung des
· Brettergymnasiums im Übergang zur
· Baustellen-Schule mit höherer Anschlussfähigkeit an das
· Internationale Parkett-College

Oder erfolgreich aus der

· Förderschule (Pardon, Name ist ja bereits vergeben) in die
· Förder-duch-Forder-Schule weiter in das
· Trostpreisgymnasium

Man könnte sich bei der neuen Namensgebung aber auch stärker an der Lebensweltnähe bzw. der Bildungsbiografie seiner Nutzer orientieren:

· Restvolksschule oder
· Überlebenskampfschule oder
· Charles-Darwin-Schule oder
· Empowerment College

Für alle Schüler, deren Illusionen trotzdem platzen, bleibt am Ende noch die

· April-April-Schule

P.S. Und immer wieder muss es betont werden:
Nicht in der Hauptschule, sondern in jedem Hauptschüler wohnt ein Zauber inne, man sollte ihn nur erkennen wollen! Der bevorstehende nationale Bildungsgipfel am 22.10. liefert hier bestimmt bahnbrechende Erkenntnisse aus der Tiefe des Raums.

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Bernhard Bueb – Allmachtsphantasien aus der Mottenkiste

8. September 2008 · von Miller · 6 Kommentare

Bernhard Bueb – Allmachtsphantasien aus der Mottenkiste

Die Republik diskutiert ernsthaft über Bildung; Bund und Länder bereiten sich auf den nationalen Bildungsgipfel vor, die Bundeskanzlerin reist bildungsbeflissen durchs Land (reisen soll bekanntlich bilden) und Massenblätter lancieren ihre Positionen und pädagogischen Lieblinge. Die FAZ – wie könnte es anders sein – puscht den Disziplinmatador und ehemaligen Internatsleiter Bernhard Bueb. „Deutschlands strengster Lehrer“ (die Bildzeitung über Bueb) wiederholt, was er seit Jahren vertritt in neuem Gewand. Aus der Buebschen Mottenkiste wird im Jahr 2006 zuerst Lob der Disziplin hervorgeholt und jetzt, im September 2008, mit dem neuen Buch Von der Pflicht zu führen. Neun Gebote der Bildung nachgeladen.

Warum nicht gleich 10 Gebote, in Stein gemeißelt, vom Bueb-Moses-Internat zur erzieherischen Heilung der deutschen Jugend? In L.d.D. waren noch Entgleisungen zu lesen wie „Die Menschen klären, die Sachen stärken“ (Bueb, 10. Aufl., S. 164). Korrekt heißt es selbstverständlich bei Hartmut v. Hentig: „Die Menschen stärken, die Sachen klären“. Der Freudsche Versprecher (von Autor und Lektor!) läßt tief blicken. Besonders peinlich ist diese Entgleisung auch deshalb, weil Bueb zuvor explizit von Hentig hervorhebt. „Der große Unruhestifter in Sachen Bildung und Erziehung der Nachkriegszeit und Nestor pädagogischer Theorie und nachdenkender Praxis, Hartmut von Hentig, hat es verdient, schon wegen seiner genialen Formel zur Beschreibung der Tätigkeit aller Lehrer und Erzieher in den pädagogischen Olymp aufzusteigen.“(S.164). Dann diese fundamentale Patzer! Von dort ist es nicht weit zur neuen Verpackung: Alle Macht den Schulleitern! , so der FAZ-Vorabdruck aus den neun Geboten.

Erziehung ist für Bueb wesentlich Führung und Gefolgschaft, immer mit den besten Absichten, versteht sich von selbst. Ansonsten tischt Bueb Binsenweisheiten und oberflächlichen bildungspolitischen Konsens auf. „Kinder und Jugendliche brauchen gestaltete Gemeinschaften.“ Dissens bricht bei klugen Pädagogen jedoch sofort auf, wenn er ständig betont „unter Führung von Erwachsenen.“ Bueb fordert die Ganztagsschule – wer inzwischen eigentlich nicht? Dann kommt die spezielle Buebsche Variante: „Als wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Ganztagsschule gilt, dass dieselben Erwachsenen, die morgens unterrichten, nachmittags als Partner im Spiel auftreten – nämlich die Lehrer.“ Fürchterlich. Dann gäbe es für Schüler kein Entrinnen mehr: die durchgeplante Lehrerschule als überwachendes Erziehungs-Gesamtprogramm. Der eingepasste Lehrer als 7.00 bis 17.00-Arbeitnehmer für die Erziehungsanstalt der Zukunft?
Und das soll der Ausweg aus der „Erziehungs- und Bildungskrise“ sein? Mit Bueb zurück in die Führungszukunft?

Wir brauchen stattdessen starke selbstverantwortliche Schulen (sprich: Schulgemeinden aus Lehrer, Schüler, Eltern und Schulleiter mit demokratischer Schul- und Lernkultur) mit Personal- Budget- und Programmhoheit. Wir brauchen die Auflösung bürokratisch-ministerialer Gängelungen (da hat Bueb im Grundsatz recht), die schnelle Beseitigung der Überregulierungen im Schulalltag. Muss deshalb das Berufsbeamtentum für Lehrer abgeschafft werden? Ein alter Vorschlag, den Bueb erneut aufwärmt und glaubt, dass sich die Lehrer dafür selbst einsetzen müssten. Wo lebt der Mann?
Nehmen wir einmal an, dass die Lehrer tatsächlich sagen würden: Warum nicht? – so schlage ich vor: Als Pilotprojekte sollten zuerst die Kultusministerien und Schulämter dienen; denn Führung heißt Vorbild sein für mehr Flexibilität, Kreativität und Zivilcourage. Das wäre der Praxistest der Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit zur beamtenrechtlichen Reform. Gut, dass wir uns noch unseres eigenen Verstandes bedienen und diesen nicht beim Pförtner, pardon „Führer“, abgeben. Von dem einstigen Reformpädagogen Bernhard Bueb ist nicht mehr viel geblieben.

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Nationaler Bildungsgipfel – Milliardenforderungen!

26. August 2008 · von Miller · 1 Kommentar

Nationaler Bildungsgipfel – Milliardenforderungen!

Der Berliner Tagesspiegel freut sich über eine griffige Headline:
„ Zöllner will zehn Milliarden mehr für Bildung“
Die Akteure des nationalen Bildungsgipfels am 22. Oktober positionieren sich, stecken ihr Terrain ab und tragen z.B. als Kultusminister eines Bundeslands Milliarden-Forderungen an den Bund ran.
Der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner versucht als einer der ersten im “Tagesspiegel” Klartext zu sprechen. Ich will das kommentierend etwas systematisieren:

1. “Der Bildungsgipfel ist der Glaubwürdigkeitstest für die Bundeskanzlerin”, meint Zöllner. Recht hat er; nur vergisst er, dass dies für die Landesfürsten ebenso gilt. ”Sonntagsreden sind genug gehalten”, meint er. Stimmt, aber auch von vielen Ministerpräsidenten und Kultusministern. Nur mal locker in die Runde „5 bis 10 Milliarden“ (Zöllner) zu fordern ohne konkrete Anbindung an exakt ausgewiesene Inhalte / Forderungen ist allerdings unprofessionell (wo bleibt ein nachprüfbarer Finanzierungs- und Zeitplan für konkrete Projekte wie z.B. frühkindliche Musikförderung, Spracherziehung, Sportförderung, Medieninitiative in der Realschule, neue Lehrerausbildung, Ausbau der Ganztagsschulen, sukzessive Steigerung der Abiturientenquote auf 75% bis 2020, Reduktion der studentischen Abbrecherquote an Unis und Fachhochschulen um 50% bis 2013 etc.). Die Forderung, 5 bis 10 Milliarden so mal unreflektiert in den öffentlichen Raum gestellt, grenzt an rhetorisches Blendwerk; als ob 5 Milliarden Differenz in der Bildungspolitik nicht Welten bewegen könnten. Stellen wir uns nur vor, dass der Bildungsgipfel tatsächlich 5 Milliarden ausschließlich für ein ehrgeiziges Großprojekt 2009-2013 beschlösse: „20% ige Steigerung der hermeneutischen Kompetenz in Verbindung mit Internetkompetenz“ für die Schülerinnen und Schüler der 7. bis 10. Klasse aller Schulformen. Dazu ein Eliteprojekt mit 5000 Oberstufenschülerinnen und –schülern, das als Referenzprojekt und Meilenstein zukünftig für alle Schüler Richtlinie sein könnte. Bund und Länder ziehen an einem Strang. Zu schön, um wahr zu sein. Oder stellen wir uns vor: Bundesweit 50.000 neue Bewegungsassistenten verändern den Schulsport (täglich mindestens 1 Std. Bewegung und nicht 1 x pro Woche 2 Std.). Sie rücken der bedrohlich wachsenden Fettleibigkeit und der falschen Ernährung auf den Leib, motivieren Schüler ganz praktisch zur Übernahme von Selbstsorge, animieren zur Arbeit am eigenen SELBST! Sie kreieren zusammen mit den Schülern ein neues Bewegungsgefühl, eine neue Bewusstheit durch Bewegung!

2. Sprachförderung und Integrationspolitik: „Soll der Bund doch zeigen, was er kann!“, sagte Zöllner. Stimmt schon wieder. Dann müssen die Länder aber auch die Effizienz ihrer Bildungspolitik und die Ausgestaltung ihrer Reformvorschläge auf den Prüfstand stellen, z.B. auch die Effizienz ihres “Vermittlerorgans”, die KMK. Altbundeskanzler Helmut Kohl meinte schon 1997: “Die reaktionärste Einrichtung der Bundesrepublik ist die Kultusministerkonferenz; im Vergleich dazu ist der Vatikan noch weltoffen.” Wer ständig das Förderalismusprinzip in Deutschland betont und die “Zuständigkeitsfrage” anmahnt, soll auch endlich mit dem Wettbewerb der Länder um die beste Bildungspolitik beginnen (und eben keine Gremiendeals einer privilegienvergebenden Hinterzimmerpolitik fördern).

3. Zöllner fordert den Bund zu mehr Engagement auf: „Wo sind die Weiterbildungs-Konzepte des Bundes?“ Recht hat er, der Bund hat eher etwas von einem lahmen Esel als von einem kreativen Innovationszentrum (Wären Google und Microsoft so vorgegangen, würden sie immer noch in der Garage sitzen und Bedenken prüfen). Fakt ist, dass entgegen der Weiterbildungsrhetorik und der ständigen Betonung der Wichtigkeit, die realen Ausgaben in den letzten 10 Jahren gesunken sind. Das gilt sowohl für die öffentlich geförderte als auch für die private Weiterbildung. (Hier sollten die Akteure den jüngst vorgelegten Bildungsbericht 2008 genau lesen! Die Faktenlage ist eindeutig!)

4. Zöllner fordert des Weiteren einen „Bildungs-TÜV“, indem jedes Gesetz und jede staatliche Investition überprüft werden, ob sie dem Ziel einer Bildungsreform genügen. Hört sich oberflächlich gut an ; der alte Lenin winkt aus dem Grab: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Und das Krebsgeschwür der Bürokratie freut sich, die Aktendeckel wachsen….Ob das der richtige Weg ist? Sollte nicht endlich Geld und Zuständigkeit unbürokratisch an die seit 10 Jahren vielbeschworene „Selbstverantwortliche Schule“ fließen? Kein Brosamen, sondern tatsächlich verfügbare zweckgebundene Finanzmittel, die die Schule für ihren pädagogischen Gestaltungsprozess einsetzen können. Eine Vertrauenskultur entwickeln heißt hier auch Entscheidungen der Schulen vor Ort zu akzeptieren, die nicht unbedingt jedem Ministerialbeamten passen. Zusätzlich bedarf es der Schaffung von Konkurrenzinstituten der schulischen Qualitätsentwicklung, die mit den Schulen zusammenarbeiten. Ein Landesinstitut pro Bundesland, bestückt mit Landesbeamten, ist zu schwach und nicht kreativ genug wirklich neue Lernwelten zu entwickeln, um den komplexen internationalen Anforderungen zu genügen.

5. Last but not least: Die Bereitschaft zu einer Grundgesetzänderung (Artikel 115 GG) kann zum Lackmustest für das Gelingen einer Bildungsreform werden. Da hat Zöllner einfach Recht! Neue Verschuldungskriterien sind zu definieren, damit Bildungspolitik nicht gegen Straßenbau ausgespielt werden kann. Freuen wir uns auf den nationalen Bildungsgipfel am 22.10. und hören gespannt darauf, “was hinten raus kommt” (Helmut Kohl).

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G8/G9 – eine schräge Debatte (4)

27. Mai 2008 · von Miller · 2 Kommentare

G8/G9 – eine schräge Debatte (4)

Bewegung im Spiel – Notreparatur vorerst abgeschlossen

„In mir ist in den letzten Wochen mehr und mehr die Erkenntnis gereift, dass wir uns seitens des Landes darauf beschränken sollten, den Schulen einen klaren Rahmen für G8 zu geben. Innerhalb dieses Rahmens sollten wir den Mut haben, loszulassen und somit den Schulen die Freiheit zu geben und das Vertrauen zu schenken, für sich als Schulgemeinde vor Ort in Wahrnehmung ihrer ganz unmittelbaren Verantwortung und Interessen eigene Entscheidungen treffen zu können“, erklärte Jürgen Banzer.

Na bitte, geht doch. Der neue Kultusminister ist als Krisenmanager schneller als alle bisher glaubten und bringt mit seinen 11-Punkte-Programm Bewegung ins Spiel. Jetzt sind die Schulen dran. Es wird sich in Kürze zeigen, ob das Drehen an verschiedenen schulischen „Stellschrauben“ für die Schüler einen positiven Effekt haben wird.

Bei Punkt 9 „Sonderprogramm für Schulbücher“ sollte nochmal gründlich nachgedacht werden. Wenn es um die „Ausstattung aller Schülerinnen und Schüler mit möglichst aktuellen Lernmitteln“ geht, dann ist die Fixierung auf Schulbuchverlage und „Bücherpools“ zu wenig. Bei einem Gesamtvolumen von 25 Mio. Euro sind neue kostenfreie Lernmittel über eine Internetplattform zu installieren. Der hessische Bildungsserver z.B. müßte generalüberholt und deutlich schülerfreundlicher gestaltet werden. Hier schlummern noch riesige, ungenutzte Potenziale. Die Zukunft liegt im Netz und nicht in Bücherpools.

Zu fragen wäre noch, warum Banzer ausgerechnet ein 11-Punkte-Programm entwickelt hat. Wahrscheinlich hatte er sich in ‚relaxed buddhistischer Dalai-Lama-Position‘ an den ollen Marx erinnert: auf die Zahl 11 kommt es an, vor allem auf die 11. These (zu Feuerbach):

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“

Mit der Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 im elften Punkt des Programms wird nicht nur verschieden interpretiert, sondern eine differente Praxis eingeleitet, die zuvor schon vom hessischen Landtag beschlossen wurde.

Die G8/G9-Schieflage ist damit noch lange nicht beendet. Die grundlegendere Debatte um notwendige Bildungsstandards und neue Lernkulturen hat erst begonnen.

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Gymnasium: G8/G9 – eine schräge Debatte (1)

4. Mai 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Gymnasium: G8/G9 – eine schräge Debatte (1)

Babygesicht

Quelle: Graffiti von Helge „Bomber“ Steinmann

Fast alles ist politisch längst entschieden: 14 der 16 Bundesländer haben seit 2001 sukzessive auf G8 umgestellt. Die beiden Schlusslichter Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz werden nächstes Jahr folgen. Für Thüringen und Sachsen war das nur eine amüsante Geisterdebatte: sie hatten immer nur 12 Jahre bis zum Abitur. (Nirgends ist bekannt, dass Thüringer und Sachsen schlechtere Leistungen bringen, im Gegenteil.) Europaweit ist 12 Jahre bis zum Abitur die Norm. Im Ausland wird unsere Debatte kaum verstanden.

Wozu der ganze Streit, der in allen Medien breitgewalzt wird, der gar Landtagswahlen entscheidet wie jüngst in Hessen? Welche Interessenslagen sind erkennbar, welche Lobbyisten sind am Werk? Wie könnte man aus diesem verminten Gelände tatsächlich eine blühende Schullandschaft schaffen? Wer räumt die Minen weg?

Verschaffen wir uns erst mal einen groben Überblick:


Gruppe 1:
Die Rationalisierer: Wir brauchen kürzere Bildungszeiten, eine europäische Normierung, eine Stärkung unserer internationalen Bildungs-Wettbewerbsfähigkeit Stichwort: Der Chinese schläft nicht. Die Mehrheit der Politiker und Unternehmerverbände sieht das so. Viele verstehen sich weniger als Rationalisierer sondern als Modernisierer. Strategie: Erst mal auf die Schnelle das sog. Turboabitur durchsetzen, bei Protest nachbessern, sich gesprächsbereit zeigen, Lehrpläne entrümpeln, an G8 unbedingt festhalten….


Gruppe 2:
Die Status-quo-Verteidiger: Eine 9-jährige Gymnasialzeit ist gut, das war schon immer so, wir stehen in einer großen Bildungstradition. Deutschland ist Deutschland, was interessiert uns Europa. Die Lehrerverbände müssen schon deshalb für 9 Jahre sein, da es auch um die Bestandssicherung von Arbeitsplätzen geht.
Strategie: Schlampereien der Hauruck-G8-Reform aufdecken, Verunsicherung bei Eltern schüren, stellvertretend für Eltern und Schüler agieren, Entrümpelungsdiskussion der Lehrpläne stoppen, die gymnasiale Allgemeinbildung festrednerisch loben….


Gruppe 3:
Wie Gruppe 2, allerdings ohne taktische Lobbyistenargumente, eben aufrichtig humanistisch geprägt, um das Wohl der Kinder besorgt. Forderung: „Hände weg von unserer Kindheit!“. Strategie: keine….


Gruppe 4:
Wie Gruppe 2, aber letztlich kompromissbereit. Handwerkliche Fehler von G8 beheben, einige Privilegien verteidigen, auch die Wahlfreiheit G8 oder G9 zulassen. Die Schulen soll per Antrag entscheiden können.
Strategie: Verunsicherung innerhalb der Gruppe 1 ausnutzen und sie zu Zugeständnissen zwingen. Entrümpelungsdiskussionen zur Stoffülle führen, aber immer auf Zeitgewinn spielen, neue Kommissionen einsetzen….


Gruppe 5:
Heerschar der Gutachter-Wissenschafter. Sie finden wir in allen Lagern als ausgewiesene Sachverständige, die die jeweilige Gruppenmeinung empirisch, historisch, wissenschaftstheoretisch, pädagogisch, psychologisch medienwirksam zur Geltung bringen will.
Strategie: Angesichts der komplexen Gemengenlage im Geschäft bleiben, neue Gutachten, neue Forschungsaufträge und bildungspolitische Beraterverträge. Ohne wissenschaftliche Legitimation läuft gar nichts mehr.


Gruppe 6:
Journalisten, Medienvertreter: Ähnlich wie Gruppe 5. Dabei sein ist alles. Strategie: Auflagen/ Quoten steigern, zuspitzen und gleichzeitig wieder weichspülen, Klientel bedienen, Stimmungen beeinflussen. Zwischendurch erkennbar aufklärerischer Habitus.


Gruppe 7:
Schüler, Eltern und Lehrer ohne Verbandsorganisation und dadurch mit scheinbar geringem politischen Gewicht. Vorstechendes Merkmal: Verunsicherung, Äußerung subjektiver Betroffenheit, die gern von allen Gruppen instrumentalisiert wird. In den Medien tauchen sie auf in Form von Kurzbefragungen in Reportagen oder Leserbriefen. In ihrer Suche nach klarer Orientierung entdecken sie das verminte Gelände. Angst hat vor allem Gruppe 1, wenn die „Betroffenen“ in der Rolle des mündigen Bürgers wählen gehen. Dem Volk ist eben zunehmend weniger zu trauen. Wie stimmen die Unentschlossenen am Tag X ab?
Strategie: keine; mal Lust, mal Frust, mal Wechselwähler.


Gruppe 8:
Die Surfer durch alle Lager und Gruppen, wechseln schnell das Hemd, werden auch als Wendehälse bezeichnet, über Nacht sind sie immer klüger geworden …
Strategie: Vorn dabei sein, flexibel, mobil, dynamisch, zahlt sich aus. Manchmal kreieren sie tatsächlich auch mal eine gute Lösung.

Ja, ich weiß. Selbstverständlich werden die professionellen Kritiker aus den betroffenen Lagern einwenden: Alles ist viel komplizierter, das müßte man differenzierter sehen und zuerst in den vielen hochrangigen Expertenkommissionen und Verbandsgremien weiter diskutieren. Genau deshalb will ich einige Thesen mit in die Debatte einbringen:

  1. Man kann in der Schule unabhängig von G8 und G9 viel Unsinn und totes Wissen „lernen“; dann doch lieber G8. Der Zeitverschwendung für Schüler wird verkürzt.

  2. Die Diskussion um das 265 Wochenstunden Pflichtminimum der Kultusministerkonferenz ist pure Ideologie. Es ist die alte Inputsteuerung. Man setzt willkürlich ein Quantum an Stunden fest und glaubt an den Umschlag in Qualität. Ein Aberglaube, der spätestens seit den schlechten PISA-Ergebnissen beerdigt werden sollte. Entscheidend ist der Output, das, was Schüler wirklich können. Das setzt vor allem neugiergeladene Lernatmosphären voraus.

  3. Die Entrümpelung-Diskussion der alten Lehrpläne lenkt vom eigentlichen Thema ab. Im schulischen Alltag haben Lehrpläne noch nie eine große Rolle gespielt. Vorschlag: Lehrpläne entsorgen („Entsorgt die Lehrpläne!“ Süddeutsche Zeitung vom 7.4.2008) und an ihre Stelle zügig knappe, verständliche Bildungsstandards setzen.

  4. Knappe, outputorientierte Bildungsstandards (3 bis 5 Seiten pro Fach) haben nur dann Relevanz, wenn sie durch Arbeits- und Neugierpläne der Einzelschulen konkretisiert werden. Dazu brauchen die Schulen Freiheiten und solide Finanzierung. Ein Schulministerium sollte sich bei Konkretisierungen raushalten; es besteht die Gefahr der Verschlimmbesserung.

  5. Ohne die gezielte Förderung von neuen Lernkulturen, d.h. auch die Abschaffung der alten Instruktionspädagogik, wird es keinen nennenswerten Lernfortschritt bei Schülerinnen und Schülern geben. Die G8/G9-Debatte ist weitgehend zeitlich und organisatorisch verkürzt.

  6. Die Qualität der Abiturprüfungen muss selbst auf den Prüfstand. Entspricht die praktizierte Prüfungsdidaktik tatsächlich einem modernen kompetenzorientierten Unterricht?

  7. Die Lobbyisten können das Problem nicht lösen. Neue Mitspieler sollten auf die Bühne, um zuerst alte Minen abzuräumen.

Konkretisieren wir das Problem am Beispiel Hessens. Roland Kochs Problemfrau von der Tankstelle ist nach dem CDU-Wahldebakel abgetreten, das macht die Sache etwas einfacher. Sie hat viele Reformen an den Schulen losgetreten (durchaus mit ehernen Motiven, z.B. „Verlässliche Schule“), aber nicht professionell zu Ende gedacht. Die G8-Debatte wurde in ihrer Sprengkraft völlig unterschätzt. Mitschuld trifft eine Kultusbürokratie, die die ehemalige Ministerin mangelhaft beraten und handwerkliche Fehler nicht gesehen hatte. Was macht in dieser Situation die geschäftsführende Regierung Koch nach der Hessenwahl? Welche Konsequenzen zieht sie? Roland Koch präsentiert Jürgen Banzer (CDU) als Doppelminister Justiz und Kultus. Der gewiefte ehemalige Landrat macht auf dem neuen Parkett eine gute Figur, er zeigt sich „gesprächsbereit, pragmatisch, offen“. „Vor Ideologie wird allseits gewarnt“, kooperative Gesamtschulen in Hessen sollen G8 oder G9 frei wählen können. Die hessische CDU will eine „neue Beweglichkeit“ . Die Bildungsexpertin der FAZ, Jacqueline Vogt kommentiert dazu, dass „Ruhe das Gebot der Stunde wäre“ und stellt gleichzeitig fest, das „mit einem großen Wurf ein anderes Schulsystem zu installieren noch bei niemanden auf der Agenda steht“. Ihre Ruhe-Empfehlung hat einige Berechtigung bezogen auf die dilletantischen Rohrkrepiererreformen. Sie ist deplaziert angesichts des tatsächlichen Reformstaus an den Schulen. Produktive Unruhe wäre das Gebot der Stunde. Der große Wurf der Schulreform sollte gewagt werden, mehr wegweisende Leuchtturmprojekte der Pädagogik vor Ort und eine neue Abitur-Prüfungsdidaktik wären ein erster Schritt.

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