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Kontroverse Schuldebatte 2009

8. September 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Kontroverse Schuldebatte 2009

Im neuen linksorientierten Medienprojekt „der Freitag“ (Verleger J. Augstein) schlagen zurzeit die Wellen zur Schulpolitik hoch. Der taz-Redakteur Christian Füller eröffnete mit „Lasst die Schulen los“ und erzeugte eine große Debatte. Der Bildungswirt erweiterte um die pädagogische Dimension „Der gute Lehrer – ein Phantom?“

Alle Bilder sind durch anklicken zu vergrößern!

Die Themenliste ist lang und kann beliebig verlängert werden: u.a.

Bildungstheorien, Hintergrundtheorien, Bildungsphilosophien, Bildungspolitiken, Machtpolitiken, Föderalismusgestrüpp, nationale Bildungsstiftung, Finanzierungsmodelle, Bildungsbudget, Organisationsentwicklung, Lehreraus- und -fortbildung, Didaktik, Methodik, Berufsbeamtentum, Schulrecht, zentrale Prüfungen, Vergleichsarbeiten, Bildungsstandards, Kompetenzmodelle, Schulinspektion (Schul-TÜV),PISA, TIMSS, Demokratie in der Schule – Erwartungen, Visionen, empirische Resultate, „Starke Schulleiter“ – zwischen Notwendigkeit und Ideologie, Elternbeteiligung – eine Mär?, Arbeitsweisen der Kultusbürokratie konkret? Bedeutung der KMK? Landesabitur in den einzelnen Bundesländern, Zentralabitur für ganz Deutschland?

Wir reden über eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen überhaupt: Ca. 12 Millionen Schülerinnen und Schüler (9,2 Millionen in allgemeinbildenden Schulen und 2,8 Millionen im beruflichen Schulwesen) und etwa 700.000 Lehrerinnen und Lehrer sind Beteiligte, Betroffene, manchmal Leidgeplagte, auch Millionen Eltern. Es zeugt von Interesse und Sensibilität, dass hier im FREITAG die Wogen höher schlagen.

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Öffentlich-rechtliches Fernsehen und Bildungsauftrag

21. Mai 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Öffentlich-rechtliches Fernsehen und Bildungsauftrag

Fragen über Fragen:
Was leistet eigentlich das Fernsehen?
Was sind die nachvollziehbaren Qualitätsmaßstäbe, der gesellschaftliche Bildungsauftrag für ein demokratisches Gemeinwohl?

Gilt auch bei den gebührenfinanzierten TV-Anbietern ARD und ZDF nur noch die Quote, der alles umwirkende Tanz ums Goldene Kalb?

Kann bei der sich seit Jahren abzeichneten „zweiten Bildungskatastrophe“(nach Georg Pichts festgestellter Bildungskatastrophe von 1963) das Fernsehen einfach nach Gutdünken wegblenden und die Großbaustelle „Bildung und Erziehung“ der „Super-Nanny“, den Dschungel-Camps und den fragwürdigen Quizsendungen überlassen?

Was könnte das öffentlich-rechtliche Fernsehen zur Behebung der Bildungskrise tun?

Szenenwechsel
Ein jungdynamischer Vorstand einer großen internationalen Werbeagentur, mehrere Fernsehleute und ich diskutieren in der Kneipe Odyssee Kult, was denn die Kreativen und Medienverantwortlichen tun könnten, um Schwung in die zähe Schuldebatte zu bringen, um aus dem klebrigen parteipolitischen Schuldzuweisungs-Reformverhinderungs-Spiel auszubrechen. Was wäre ein sinnvoller Beitrag für die junge Generation, der medial öffentlichkeitswirksam begleitet wird?  Mehr dazu vom Bildungswirt im FREITAG-Blog. Diskutieren Sie mit!

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FDP – Beweglichkeit in der Bildungspolitik?

14. Mai 2009 · von Miller · 3 Kommentare

FDP – Beweglichkeit in der Bildungspolitik?

Die 100 Tage Schonfrist der neuen CDU-FDP-Regierung sind heute vorbei. Wie nicht anders zu erwarten, kommt die Regierung zu einer weitgehend positiven Einschätzung der bisher geleisteten bzw. initierten Arbeit und die Opposition zu einer weitgehend negativen.  Das bekannte Hase-Igel-Spiel; das Wahlvolk weiß zwischendurch gar nicht mehr, wer denn der Hase und wer die Igel sind. Hauptsache, es geht irgendwie weiter und weiter und weiter.

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Was tut sich in der Bildungspolitik?
Bisher nicht viel. Viel Tretminen, Pannen, unverbindliche Absichtserklärungen im „Traumjob“ am Wiesbadener Luisenplatz. Die FDP hat mit 16 Prozent Wählerstimmen im Rücken das Kultusministerium als ein Schlüsselministerium von der CDU übernommen. Die Kultusbürokratie ist aber weitgehend CDU-infiltriert, geschickt über 10 Jahre eingefädelt.

Was zieht die FDP-Ministerin daraus für Schlüsse? Welche Innovationen, auch innerbehördlich,  sollen zügig angegangen werden?

Die Leitlinie  „Selbstverantwortliche Schule“ hat zurzeit eher etwas von einer ungeliebten grauen Maus. Selbst SVplus als kleines, aber ambitioniertes Reformprojekt im Berufsschulbereich kommt nicht richtig voran, die bürokratischen Hürden sind immer noch zu hoch, taktische Hinhaltespiele, Verrenkungen überall, kaum Wertschätzung für die Engagierten vor Ort.

Was tut sich in der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung? De facto steht Hessen nach 10 Jahren CDU vor einem Scherbenhaufen. Qualitative Lehrerfortbildung vor Ort, in der Region gibt es kaum noch. Wunschdenken und Nebelbildungen finden sich in zahlreichen Eigenlobreden der angeblich „neuen Qualitätsoffensiven“ – wenig seriöse Analysen und konkrete Konzepte mit ausreichender Finanzierung. Oder wird da einiges unter Veschluss gehalten?

Worin zeigt sich ein differenziertes FDP-Profil? Das ist die große Frage, 12 Uhr hat es längst geschlagen. Auch Gutmütige schauen inzwischen skeptisch auf die Uhr.

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Gewalt und Bildungsniveau an Schulen?

11. Mai 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Gewalt und Bildungsniveau an Schulen?

Gewalt an Schulen ist ein großes Thema, die Suche nach dem Bildungsniveau – ja wo steckt es denn? –  ein noch größeres. Man kann sicher sagen: BILDUNGS-NIVEAU, das Dauerthema.

Die mündliche Rede, zumal die satirisch-beißende, ist dem normalen schriftlichen Text hier überlegen. Das Video ist tatsächlich eine tolle Errungenschaft und Dank Web 2.0 lässt es sich schnell in einen Blog einbauen.

Schauen wir doch, was Satiriker Georg Schramm zu diesen beiden Themen für ein Feuerwerk der Sprache und des Geistes entfacht. Vergleichen Sie mit Ihren eigenen Schulerfahrungen.

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Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht

6. März 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht

An vielen Schulen und in zahlreichen Abschlussprüfungen – vor allem im Fach Englisch, zum Teil auch in Französisch und Spanisch – wird eine alte, sehr sinnvolle Aufgabenform neu entdeckt: die Sprachmittlung. Sinn einer Sprachmittlung ist es, jemandem wesentliche Aspekte aus einem gesprochenen oder geschriebenen Text zu vermitteln, dessen Sprache er nicht versteht; d.h., den wesentlichen Inhalt, das Wichtige oder für den anderen Interessante aus einem deutschen Text sinngemäß – also in der Regel nicht wörtlich übersetzt – in Englisch wiederzugeben. Oder auch umgekehrt: Wesentliches aus einem englischen Text sinngemäß auf Deutsch zusammenzufassen.

Konkretes Beispiel gefällig?

Welchen konkreten Anwendungsbezug Sprachmittlung haben kann, soll im Folgenden eine Sprachmittlungsaufgabe verdeutlichen, die sich auf den Zornausbruch des damaligen Trainers von Bayern München, Giovanni Trapattoni, auf der berühmten Pressekonferenz am 10. März 1998 bezieht. Auch hier gilt es aus einer – allerdings nicht eindeutig zu bestimmbaren – Fremdsprache in sinnvolles Deutsch zu vermitteln:

Aufgabe: Fassen Sie zusammen, was Trapattoni sagt und was er eigentlich meint.

Giovanni Trapattonis Rede:
„Sind Sie bereit?
Stellen mir die Fragen, wenn hören o verstehen schlecht meine Wörter, bitte. Es gibt im Moment in diese Mannschaft, oh, einige Spieler vergessen ihnen Profi was sie sind. Ich lese nicht sehr viele Zeitung, aber ich habe gehört viele Situationen.

Erstens. Wir haben nicht offensiv gespielt. Es gibt keine deutsche Mannschaft spiel offensiv und die Name offensiv wie Bayern. Letzte Spiel hatten wir in Platz drei Spitzen: Elber, Jancka und dann Zickler. Wir mussen nicht vergessen Zickler. Zickler ist eine Spitzen mehr, Mehmet e mehr Basler. Ist klar diese Wörter, ist möglich verstehen, was ich hab‘ gesagt? Dann. Offensiv, offensiv ist wie machen in Platz.

Zweite. Ich habe erklärt mit diese zwei Spieler: Nach Dortmund brauche vielleicht Halbzeit Pause. Ich habe auch andere Mannschaft gesehen in Europa nach diese Mittwoch. Ich habe gesehen auch zwei Tage de Training.

Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sei … sehen was passieren in Platz. In diese Spiel es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer! (…)“ (ohne Gewähr)
(Den Rest bitte selbst raushören und sprachmitteln … viel Spaß)

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Alles neu im Abitur!

22. Februar 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Alles neu im Abitur!

„Ich bin die Abrissbirne für die deutsche Seele“ – alles glänzt so schön neu; passt sicher auch auf die „verstaubte“ pädagogische Luft, meint nicht nur Peter Fox.
Zuerst aber einige Lockerungsübungen für aufgeschlossene Ministerialräte,  Schulaufsichtsbeamte und Fachkommissionen zur Vorbereitung der Prüfungsaufgaben für das Abitur 2010!

Video 1: Peter Fox, Alles neu with Lyrics

Video 2: Peter Fox, Stadtaffe

Aufgaben
1. Schau und genieße! Etwas klickt immer im Kopf und in den Beinen.

2. Analysiere die beiden Videos hinsichtlich verwendeter Sprache, musikalischer Qualität und filmisch-ästhetischer Präsentation. Schreibe einen Kommentar für den Blog.

3. Produziere ein eigenes Video zu Schule, lernen, Lernförderung und Lernbehinderung.

4. Hast du überhaupt zu gar nichts Lust, bleib‘ im Bett, schlaf‘ weiter und nerve nicht deine Mitmenschen.

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Von der kindlichen Neugier – was die Schule verstehen sollte (1)

18. Februar 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Von der kindlichen Neugier – was die Schule verstehen sollte (1)

Kinder sind geballte Kreativitätsbündel, fast immer zur Aktion bereit. Nichts ist vor ihnen sicher – das gilt für die elegante Tischdecke, die teure Blumenvase, Papas Lieblings-CDs, die geordneten Bücher in den untersten Regalbrettern genauso wie für spontane Ideen, alltägliche Handlungen, eingefleischte Gewohnheiten von Erwachsenen – ihr Entdeckergeist kennt erst mal keine Grenzen. Wenn das ›erwachsene Nein‹ sparsam eingesetzt wird, sprudelt die Quelle ›Originalität und Phantasie‹ unerschöpflich.

Kinder sind Sprachschöpfer, Wortspieler, ja Wortakrobaten, schwingen sich auf zu neuen Wahrnehmungsfähigkeiten, wechseln die Rollen, schreiben sich selbständig neue Rollen nach Belieben zu, sprengen ihre Welt und fragen schon frühzeitig nach dem, »was die Welt im Innersten zusammenhält.« Ihr faustscher Drang will hoch hinaus, will erforschen, ergründen, wissen. Die Warum-Frage will selbst kurz vor dem Schlafengehen nicht enden. Erst wenn die Augen buchstäblich zufallen, erholt sich kurzfristig das Kind (und die Eltern). Und am nächsten Morgen geht es weiter.
Die Kreativität meiner Kinder, ihre Ideen und unkonventionellen Illustrationen haben aktiv dazu beigetragen, dass ich Ausdehnung und Tiefe des Sprachuniversums einigermaßen verstanden habe und nicht nur »sprachphilosophischen Untersuchungen« (Wittgenstein) gefolgt bin. Dieses Sowohl-als-auch, die zahlreichen Variationen, Modulationen, Metamorphosen, dieses Nichts-bleibt-wie-es-ist, haben Kinder intuitiv begriffen. Erst die ständige Ja-Nein-Konstellation von Erwachsenen zwingt ihren Geist in spanische Stiefel – meist viel zu früh. Nicht aus Unkenntnis, sondern aus Lust und Tollerei kann der rote Elefant fliegen, schleudert die schlaue Maus das böse Krokodil durch die Luft, ist die liebe Emma die einzige Lokomotive, die fast alle Hindernisse auch ohne Schienen überwinden kann. Natürlich ist der rote Elefant im wirklichen Leben grün, kann sich ganz klein machen, wenn er denn will, fährt Auto, träumt sich nach Afrika, kennt auch die grauen ›Ganz Großen‹ mit den ganz ganz großen Ohren und natürlich die Arbeitselefanten in Indien und Colonel Hathi, den Chef der Elefantenkompanie aus dem Dschungelbuch. Mühelos kann das Kind hin und her switchen, mannigfaltige Wirklichkeiten existieren nebeneinander, mal so, mal anders. Es kann sich auch nach dem Elefantenspiel in einen Flugdinosaurier verwandeln, der als lachender Delphin wieder auftaucht und sprechen kann. Sprechen können dann fast alle Tiere, und lustig, traurig, böse, gut können sie sein. Wenn das Kind will, kann es sehr treffsicher unterscheiden, kann die Szene und die Sprache wechseln. Wenn der Faden des Spiels mal reißen sollte, wird irgendwann später wieder problemlos angeknüpft. Sollte die Lust in Frust umschlagen – manchmal reichen eben die Fähigkeiten noch nicht aus – so ist das ein vorübergehendes Phänomen. Frust muss dann leidvoll ertragen werden, Tränen und vielfältige Gefühlsausbrüche gehören kurzfristig dazu. Handeln, Fühlen, Denken sind eine untrennbare Einheit, die Erlebnisfähigkeit eine Ganzheit. Diese kleinen Subjekte sind in den ersten Jahren ihrer Persönlichkeitsentwicklung (bis weit in die Grundschule hinein) im Prinzip quirlige Musiker, sie haben den Jazz im Blut – vorausgesetzt, man lässt ihnen große Spielräume und unterbreitet gleichzeitig gezielte Angebote.

Was heißt hier ›den Jazz im Blut‹? Im Kern ist es die hohe Kunst der Improvisation, die gelungene Art, Geschichten zu erzählen, Bilder, Figuren, Farben, Empfindungen in vielfältigen Formen und Formationen zur Welt zu bringen. Der Trompeter Chet Baker (oder Miles Davis) kann uns mit seinen Ton-Geschichten zu Tränen rühren, emotionale Gerüste erschüttern oder auf Wolke sieben schweben lassen. Der Kopf, die Ohren, das Herz müssen aber bewusst geöffnet werden, eben keine Berieselungsmusik im Hintergrund.

Das quirlige Kind lässt, wie bereits erwähnt, den roten Elefanten fliegen, ist in Stimmung (»in the mood«) und wechselt abrupt den Erzählkurs, wechselt die Tonart, modelliert, variiert, bringt neue rhythmische Ideen, Phrasen, Verzierungen, Akzentuierungen … und plötzlich trifft der rote Elefant den lieben Gott und fragt nach dem Sinn des Todes: »Warum müssen wir alle sterben?« »Sehe ich Opa im Himmel wieder?« … und kommt dann doch zum Ende seiner Improvisation, kommt vielleicht zurück zum Grundthema: Der Elefant in Afrika oder im Zoo. Erwachsene (Lehrer und Eltern) sollten den Kindern mehr zuhören, sie in ihren Improvisationen und Interpretationen der Welt
fördern und sie weniger belehren wollen.

Wie geht z.B. ein Jazzer vor? Er hört ein brillantes, aber schwieriges Solo auf einer CD und will es transkribieren – also abhören, notieren, analysieren. Er springt hin und her, notiert Anfang und Endpunkt einer Phrase, vielleicht die Töne auf dem beat und sucht nach wiedererkennbaren Skalen oder Arpeggien. Vielleicht beginnt er auch mit dem, was ihm persönlich leicht von der Hand geht, er lässt sich vom groove tragen, er zerlegt das Stück (eine längere Phrase, einen Melodiebogen) in abgegrenzte Einheiten, erfasst die vorgezogenen Noten, die off-beats; erst anschließend beschäftigt er sich mit den exakten Tönen und Tonhöhen. Der Musiker beginnt die Melodiebögen und die grooves zu singen, zu summen, zu klatschen – greift sich sein Instrument und spielt, trifft bewusst das Original oder variiert, geht seinen eigenen Weg. Der Musiker imitiert, assimiliert, experimentiert mit dem gegebenen Material und schafft möglicherweise bahnbrechende Innovationen. Ähnlich gehen im Prinzip Kinder vor. Die Begeisterung für Geschichten, für spannende Bücher schlägt schnell um in Selbstwollen, selbst lesen, selbst ausprobieren, selbst schreiben, selbst rechnen. Symbolische Darstellungen wie Noten, Buchstaben, Zahlen, Grafiken, Bilder werden von den Kindern schnell begriffen, wenn begeisternd der Funke, der Nutzen, der Zusammenhang ersichtlich bleiben.

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KIM-Studie 2008:Kinder und Medien, Computer und Internet

13. Februar 2009 · von Miller · Keine Kommentare

KIM-Studie 2008:Kinder und Medien, Computer und Internet

Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland
Herausgeber: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Febr. 2009

Die repräsentative KIM-Studie erfasst den gesamten Medienumgang von Kindern, also Fernsehen, Radio, MP3, Lesen, Computer, Internet und Handy. Weiter werden Themeninteressen, Freizeitverhalten, Medienbindung und Vorbilder erfragt. Die Besonderheit der KIM-Studie ist, dass auch die Haupterzieher, in der Regel die Mütter, mit einem schriftlichen Fragebogen einbezogen werden. Somit können ergänzend zu den Angaben der Kinder Informationen zur Mediennutzung der Haupterzieher, zu deren Einstellungen und zum Medienverhalten in der Familie erfasst werden.

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / KIM-Studie 2008 / www.mpfs.de

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / KIM-Studie 2008 / www.mpfs.de

Link zur Orginal pdf-Datei.

Mit zunehmendem Alter ändern sich die Interessen der Kinder. Vor allem die Medienthemen „Computer“, „Computerspiele“, „Handy“ und „Kino/Filme“ werden vermehrt interessant, auch „Kleidung/Mode“, „Musik“ und „Musikstars/Bands“ werden wichtiger. Am deutlichsten verlieren bei älteren Kindern die Themen „Schule“ und „Tiere“.Im Vergleich zur KIM-Studie 2006 zeigen Kinder 2008 weniger Interesse für Kino und Filme, Stars aus Musik, Film und Fernsehen sowie für die Themen „Technik“, „fremde Länder“ und „Autos“. Dagegen begeistert das Thema „Internet“ zunehmend mehr Kinder.

Kinder kommen heute ganz selbstverständlich mit Computern in Kontakt. In 88 Prozent der Haushalte, in denen 6- bis 13-Jährige leben, gibt es mindestens einen Computer oder Laptop. Ein Viertel der Kinder hat ein eigenes Gerät zur Verfügung, sei es in Form eines speziellen Kindercomputers (12 %) oder in Form eines gewöhnlichen Computers, wie ihn auch Erwachsene benutzen (15 %). Entsprechend weisen mehr als drei Viertel (78 %) der Kinder Erfahrungen im Umgang auf (Nutzung zumindest selten). Mädchen (76 %) zählen zu einem etwas geringeren Anteil als Jungen (80 %) zu den Nutzern. Und während bei den 6- bis 7-Jährigen jedes zweite Kind zumindest selten einen Computer nutzt, gehört der Computer bei nahezu allen 12- bis 13-Jährigen zum Alltag (95 %). Im Vergleich zu 2006 stagniert der Anteil der Kinder mit Computererfahrung. Die Befürchtung, dass schon die Jüngsten in immer stärkerem Maße mit dieser Technologie in Berührung kommen, scheint also unbegründet. Da es selbst für den spielerischen Umgang gewisser kognitiver und motorischer Fertigkeiten bedarf, scheint hier eine mehr oder weniger natürliche Grenze gesetzt zu sein.

Wenn Computer in der Schule genutzt werden, dann ist dies bei 46 Prozent der Kinder im Fach Deutsch, 43 Prozent bestätigen dies für den Mathematikunterricht. Mit Abstand folgen Fremdsprachen (35 %), Sachkunde (23 %), Erdkunde (19 %), Biologie (17 %) und Informatik (16 %). Interessanterweise geben Jungen in Mathematik (47 %, Mädchen:38 %), Sachkunde (26 %, Mädchen: 19 %) und Erdkunde (24 %, Mädchen: 15 %) eine intensivere Nutzung an, in den restlichen Fächern liegen die Geschlechter gleichauf.
Betrachtet man den Computereinsatz nach Altersgruppen, werden die Unterschiede zwischen Grundschülern und Schülern weiterführender Schulen und der damit verbundene erweiterte Fächerkanon deutlich. Computereinsatz im Mathematikunterricht spielt besonders für die Schulanfänger eine Rolle, bei den Sprachen und den naturwissenschaftlichen Fächern kommt er verstärkt bei den ab-10-Jährigen zum Einsatz. Im Deutschunterricht geht der Computereinsatz nach der Grundschule dagegen deutlich zurück.

Jenseits des Fachbezugs stellt sich die Frage, welche konkreten Anwendungen mit dem Computer in der Schule im Mittelpunkt stehen. Betrachtet man hier die Tätigkeiten, die mindestens einmal pro Woche von den Kindern in der Schule ausgeübt werden, dann steht die Nutzung von Lernprogrammen an der Spitze (66 %). Recherchen im Internet (58 %) stehen ebenso häufig auf dem Programm wie das Schreiben von Texten (55 %). Weniger verbreitet ist das konkrete Lernen einer Software wie Word oder Powerpoint (36 %) oder die Durchführung von Berechnungen mittels des Computers (33 %). 16 Prozent erstellen einmal pro Woche oder häufiger eine Präsentation oder ein Referat.

Anmerkung: Die Computernutzung in der Schule ist nach Fächern und Intensität noch sehr unterschiedlich entwickelt. Trotz einiger Fortschritte besteht noch erheblicher Handlungsbedarf. Nicht eindeutig ist aus der Studie die tatsächlich Intensität nachgewiesen. Eine Nutzung von mindestens einmal in der Woche würde bedeuten, dass die Schule faktisch den Computer und das Internet als Lernmedien ignoriert. Einfache Modellrechnung: 30-35 Std. Unterricht pro Woche  – unterstellte Computernutzung 1-2 Std. würde eine ca. 5% Nutzungsdauer ergeben. Ein Armutszeugnis.

Kostenfreier Download der KIM-Studie 2008 unter : www.mpfs.de

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