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Bildungsplanung, Datentäuscher und absurdes Theater

16. Dezember 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Bildungsplanung, Datentäuscher und absurdes Theater

oder der aktuelle Bildungsgipfel 2009
Seit der Bankenpleite schwirrt dem Bürger der Kopf, täglich mit neuen Meldungen aus dem Zocker-Casino. Da purzeln die Millionen, gar Milliarden, eben auch mal Billionen Euro nur so durch die Medien. Virtuelle Welt, reale Welt – keiner weiß es mehr so ganz genau im gigantischen Datensalat. Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast, ist inzwischen Gemeinplatz. Warum nicht auch in anderen politischen Handlungsfeldern? Ja, die Ausgaben für Bildung sollen steigen, meinen alle, auch die Parteien und heute sowieso! Neue Steuerpolitik? –  nein danke, wir wollen doch alle entlasten, den Haushalt sanieren und Rekordverschuldung generieren;  aber das spielt im Prinzip alles keine Rolle. Es geht voran im Land. Zahlen eben die Kinder der Kinder oder eben nicht. Politik ist Seiltänzerei, bei Absturz wird für Politiker der inzwischen bekannte Banken-Schirm aufgespannt. Man fällt weich.

Im Jahr 2008 hatten Bund und Länder vereinbart, bis 2015 zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Wert aller Waren und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft in Euro) in Bildung und Forschung zu investieren. Als grobe Prognose etwa 3 Billionen BIP, d.h. etwa 300 Milliarden für Bildung und Forschung. Keiner weiß, woher das Geld kommen soll, die Kassen sind leer. Im Jahr 2011 könnte man z.B. meinen: wir haben neu gerechnet und beraten und sind jetzt klüger geworden. Alles April, April oder: „Was kümmert uns unser Geschwätz von gestern“. Wir erfinden einfach die Datenbezugsgröße neu und lassen mal einige Kalkulationsprogramme heiß laufen, z.B. werden 4000 Millionen Pensionslasten für Beamte mal als Bildungsausgabe gebucht. Warum nicht? Oder wie wär’s mit mit fiktiven Unterbringungskosten für Hochschulen, Schulen und Kitas? Schätzen wir einfach einmal 10.000 Millionen. Könnte aber bei Bedarf nochmal um 3457 Millionen nach oben korrigert werden. Interessant wären doch auch die Einrechnung von Steuerentlastungen für Bildungsspenden – warum nicht? Fünf parallele Bund-Länder-Datentäuscher-Kommissionen werden weitere Bildungs-Kreativ-Vorschläge sammeln, analysieren, die Worte auf der Zunge prüfen und ins Medienmeer zur Erquickung des Volkes senden. Was sollte daran absurd sein? Alles wird „brutalstmöglichst“ aufgeklärt.

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Gymnasium abschaffen? Das deutsche Gymnasium – ein Fels in der Brandung

17. Dezember 2008 · von Miller · 5 Kommentare

Gymnasium abschaffen? Das deutsche Gymnasium – ein Fels in der Brandung

„Wer das Gymnasium abschaffen will, wird abgewählt“, sagt der Bildungsforscher Wilfried Bos im aktuellen Spiegelinterview.
Bos: (…) Außerdem haben wir in Deutschland eine ständestaatliche Tradition mit einer Schulform, die ziemlich gut funktioniert und die niemand abschaffen können wird: das Gymnasium.
SPIEGEL ONLINE: Und weil das Gymnasium sakrosankt ist, wird sich nie grundlegend etwas ändern?
Bos: Jedenfalls nicht am Gymnasium. Alle Eltern, die etwas zu sagen haben, die kampagnenfähig sind, schicken ihre Kinder aufs Gymnasium – die werden den Teufel tun, diese Schulform abzuschaffen. Die Diskussion ist schlicht müßig.
SPIEGEL ONLINE: Also resignieren Sie?
(…)

Nur wer will in Deutschland die beste Schulform ernsthaft abschaffen? Das Gymnasium ist die moderne Volksschule des 21. Jahrhundert! Bis zum Jahr 2020 brauchen wir eine 75%-Abiturientenquote pro Jahrgang. Das ist möglich, wenn ein ernsthafter neuer bildungspolitischer und pädagogischer Aufbruch nicht behindert sondern gefördert wird. Das ist „Dienst“ am Individuum und seinem Recht auf Bildung. Gleichzeitig ist es „Dienst“ für Deutschland in einer globalisierten Welt. Das Gymnasium ist effizient, wandlungsfähig, potenziell integrationsfähig und zukunftsorientiert. Wer will hier guten Gewissens widersprechen? Frohlocken nicht nur unterm Weihnachtsbaum.

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Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage

10. November 2008 · von Miller · 7 Kommentare

Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage

Freies Denken in Hessen 2008, Foto Miller

Im Artikel „Abitur verkauft – 8. Nachlese“ sagte ich zu, richtungweisende Handlungsschritte und Lösungen betreffend einer „öffentlichen Zugänglichkeit von zentralen Prüfungen“ anzubieten. Dazu ist es notwendig, bisherige Positionen des hessischen Kultusministeriums näher zu analysieren und die Plausibilität der vorgebrachten Gründe zu prüfen. Textgrundlage sind somit die parlamentarische Anfrage der Grünen (des Abgeordneten Mathias Wagner) und die 10 Antworten des geschäftsführenden Kultusministers Jürgen Banzer.

Drei Voraussetzungen / Unterstellungen werden meinerseits getroffen:
1. Dass es um die bestmögliche Bildung und Ausbildung der Schülerinnen und Schüler geht; dies beinhaltet auch eine optimale Prüfungsvorbereitung und die Bereitstellung der erforderlichen Mittel im öffentlichen Schulwesen
2. Dass der „zwanglose Zwang des besseren Arguments“ grundsätzlich gilt, also Lernfähigkeit und Lernbereitschaft im Dialog gegeben sind und gemeinsam um die sinnvollste Lösung gerungen wird
3. Dass das ökonomische Prinzip grundsätzlich gilt, d.h. dass sich einfachere, effizientere und kostengünstigere Verfahren gegenüber umständlicheren und kostenintensiveren durchsetzen.

Als thematischer Hintergrund wird auf die gesamte Artikel-Serie „Abitur verkauft“ im Bildungswirt rekurriert (vgl. die entsprechenden Hinweise unter ähnliche Artikel am Schluss). Dazu gehören selbstverständlich auch die dargestellten Positionen der Parteien im hessischen Landtag, der Lehrerverbände und die zahlreichen engagierten Kommentare von Bloggern / Lesern.

Fangen wir an:
1. Zunächst ist richtig, das es sich um ein komplexes Vorhaben handelt: „...jährlich etwa 300 Aufgaben in 43 Fächern“(Banzer) und Regelungen des Urheber-Gesetzes (Copyright-Problem) zu berücksichtigen sind. Niemand kann das mit guten Gründen bezweifeln. Nur welche Analyse wird angestellt, welche Interpretation favorisiert und welche Schlüsse werden gezogen? Verschaffen wir uns ein differenziertes Bild zur Struktur der Fächer. Drei Aufgabenfelder mit zugeordneten Fächern liegen vor:
a) das sprachlich-literarisch-künstlerische Feld mit Deutsch, Kunst, Musik, Darstellendes Spiel und den Fremdsprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Latein, Altgriechisch, Russisch, Chinesisch, Japanisch (unter bestimmten Bedingungen können noch weitere Fremdsprachen an den Schulen angeboten werden)
b) das gesellschaftswissenschaftliche Feld mit Geschichte, Politik und Wirtschaft, Wirtschaftswissenschaften, Erdkunde, Rechtskunde, Philosophie, Ethik, evangelischer und katholischer Religion
c) das mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Feld mit Mathematik, Biologie, Chemie, Physik und Informatik

Aus dem beruflichen Gymnasium kommen noch weitere Fächer mit Schwerpunktsetzungen in den gewählten Fachrichtungen hinzu wie z.B. Maschinenbau, Elektrotechnik, Bautechnik, Wirtschaftslehre, Agrarwirtschaft, Ernährung und Hauswirtschaft. Aus den Schulen für Erwachsene gibt es noch ergänzend „Exoten“ wie „Historisch-politische Bildung“ und „Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“ (thematisch und methodisch ein etwas anderer Zuschnitt als das Fach „Politik und Wirtschaft“ oder „Geschichte“). Ergänzend wären noch allgemein das Fach Sport und „Bilingualer Unterricht“ zu nennen und zum Teil noch eine Differenzierung zwischen Grundkursfach und Leistungskursfach zu berücksichtigen. Zugegeben, insgesamt ein weites komplexes Feld. Was ist zu tun?

Jeder vernünftige Mensch, der Prüfungsaufgaben dokumentieren und Lernprozesse fördern will, konzentriert sich angesichts der Fülle auf das Wesentliche: Was ist definitiv vorgeschrieben (Pflichtfach) und was wird von den Schülern schwerpunktmäßig im Abitur gewählt? Daraus ergibt sich für alle als 1. Staffel: Deutsch, Englisch, Mathematik, Politik und Wirtschaft und Biologie. 2. Staffel: Geschichte, Französisch, Spanisch, Latein, Chemie, Physik und Religion. Alles Weitere wäre wünschenswert und ist abhängig von den eingesetzten Ressourcen. Aus den angeblich 43 Fächern reduziert sich das Ganze auf ein MUSS von 5 Fächern (1.Staffel) und max. 7 Fächern (2.Staffel). Das Wedeln mit 43 Fächern lenkt also unnötig vom Kern des Problems ab.

(Bedenke, geneigte Leserin, geneigter Leser: dein im Moment vollzogener Leseakt ist ein kreativer konstruktiver Prozess und befördert eigene, ergänzende Lösungen des Problems, z.B. in welchen Fächern aufgrund ihrer „Exotik“ nur dezentral zu prüfen wäre? Bitte an den Bildungswirt schreiben oder gleich direkt an das HKM, Luisenplatz 10, 65185 Wiesbaden)

2. Bei der Dokumentation von Prüfungen ist zu unterscheiden in: a) Aufgabenstellungen, b) Material, also Texte, Bilder, Grafiken und c) Lösungen, Hinweise, Bewertungsmaßstäbe. Für a) und c) gibt es kein Copyright, da Aufgaben und Lösungen von Lehrerinnen und Lehrern im hessischen Schuldienst erstellt und i.d.R. durch Deputatstunden (Unterrichtsentlastung) vergütet wurden. a) und c) könnten für alle Fächer kostenfrei und problemlos im Internet zur Verfügung gestellt werden. Der Schüler hat zeit- und ortsungebunden ein Recht darauf, zu erfahren, was von ihm im „öffentlichen Prüfungsakt“ verlangt wird. Wir sind inzwischen – auch wenn der ein oder andere noch beängstigend und rückwärtsgewandt dreinblickt – im Internetzeitalter angekommen.

3. Kommen wir zum heiklen Punkt: b) Material. Hier gilt es zu unterscheiden zwischen kostenfreiem und i.d.R. frei verwendbarem Material einerseits und kostenpflichtigem und zustimmungsabhängigem Material andererseits. Diese Copyright-Prüfung kann durch alle Fächer ohne großen Arbeitsaufwand durchgeführt werden, vorzugsweise bei den 12 genannten Fächern (1. und 2. Staffel). Exemplarisch will ich das an einigen Fächern zeigen. Der Grundsatz gilt: Alle Texte, die älter als 70 Jahre sind, können von jedermann frei verwendet werden, unterliegen also keinem Copyright! Aus der vorgeschriebenen Leseliste im Fach Deutsch folgt, dass fast alle Texte copyrightfrei sind, z.B. Goethe, Schiller, Fontane, Büchner,…Analog gilt das für Texte in Geschichte und Latein zu 95%. Besondere Schlauberger kommen allerdings auf die „Geschäftsidee“ zu sagen: ja, die Texte sind copyrightfrei, aber nicht mein Layout. Dann nimmt man eben den Text, bastelt sich in 10 Minuten sein eigenes Layout und schon ist das Problem gelöst. In den Fächern Mathematik, Chemie und Physik ist das Copyright marginal. Fast alles ist von den Lehrerinnen und Lehrern selbst erstellt, z.B. Formeln, Symbolketten, einfache Grafiken, Versuchsbeschreibungen. Zusätzlich gibt es – wie jetzt schon üblich – netzveröffentlichte Handreichungen.

4. Kommen wir zum verbleibenden kleinen Kern des kostenpflichtigen Problems. Autoren und Verlagen werden in Bezug auf das Copyright verzerrt wahrgenommen und falsch eingeschätzt. Autoren und Verlage haben kein Interesse an Konflikten mit staatlichen Institutionen. Sie haben Interesse an Kooperation, an Werbung für den eigenen Namen und ihre Produkte und selbstverständlich immer an Geschäften. Schulbuchverlage erfüllen eine wichtige Unterstützungs- und Begleitfunktion für Unterricht, sind hoch kooperativ, flexibel und gesprächsbereit. Die Autoren sind in der großen Mehrheit selbst Lehrerinnen und Lehrer im Schuldienst oder Hochschuldienst (oder Pensionäre). Ein geschicktes staatliches Management bindet sie in längerfristige Entscheidungen ein und sorgt für eine Win-Win-Situation. Oft erhält man kostenfrei (oder für einen kleinen symbolischen Obolus) Abdruckrechte für Texte, Bilder, Grafiken, wenn selbstverständlich die Quelle und „mit freundlicher Genehmigung des XY-Verlags“ genannt wird. Schulbuchverlage haben ein hohes Interesse daran, dass ihre Produkte an den Schulen vor Ort im Gespräch sind und auch immer wieder bestellt werden. Grundsätzlich gilt die gleiche Einschätzung zu kooperativem Verhalten auch bei großen Medien wie z.B. der FAZ, der FR, der Zeit oder dem HR, wenn z.B. auf aktuelle Berichterstattung zurückgegriffen wird. Die Abdruckrechte für „typische Zeitungsartikel“ zu erhalten, eingesetzt z.B. im Fach Politik und Wirtschaft, ist wirklich kein ernsthaftes Problem. Zudem gibt es die Möglichkeit, über eine geringfügige, einmalige Jahreszahlung pauschal Abdruckrechte für „aktuelle Berichterstattungen“ und die Verwendung zum „Abiturzweck“ zu erhalten. Flexible Amtsjuristen könnten mit VG-Wort Verträge/ Pauschalen über die Nutzungsrechte aushandeln, zumal die Textlänge im Abitur i.d.R. nicht 900 Worte übersteigen darf. Auf Einzelnachweise wird dann im Vorfeld verzichtet; nach dem Abitur kann Bilanz gezogen werden. Insgesamt dürften sich die Zusatzkosten für Dokumentation und Präsentation auf nicht mehr als 1% (ein Prozent!) der öffentlichen Gesamtkosten der Abiturerstellung belaufen.

5. Sollte ein „Platzhirsch“ am Markt im Einzelfall eine unangemessen hohe Summe für Abdruckrechte wollen, so schlägt man das Angebot aus und ignoriert ihn. Zahlreiche qualitativ hochwertige Autoren und Verlage springen gerne ein, wären froh, wenn sie beim Abitur „berücksichtigt“ werden würden. Für diesen Werbeeffekt sind sie bereit einiges zu tun. Ebenso muss ein Ministerium bereit sein, kreative und effiziente Lösungen zu suchen.

6. Noch weitgehend ungenutzt sind kostenfreie Quellen bei Text- und Bildmaterial, die das Internet anbietet. Hier wäre eine qualifizierte Schulung der Lehrerkommissionen zur Aufgabenerstellung anzuraten. Das Internet-Polyversium ist doch deutlich weiter, tiefer und reichhaltiger als die meisten Zeitgenossen meinen.

7. Das Ministerium vertritt in diesem Fall einen seltsam verengten Begriff von Öffentlichkeit bzw. von „öffentlichem Zugriff“. Dem gegenüber muss betont werden, dass eine schul- und bildungspolitische Öffentlichkeit aus Schülern, Lehrern, Eltern, lokalen Schulträgern, universitärer Fachöffentlichkeit und den Medien besteht. Mit zwei CDs pro betroffener Schule (oder eine CD für einen besonders privilegierten Journalisten) kann das nicht geleistet werden. Das angemessene Medium ist das Internet.

Insgesamt komme ich zum Ergebnis: Die von der Gymnasialabteilung des HKM vorbereiteten und vom Minister vorgebrachten Antworten sind wenig gestützt auf gute Gründe, sondern haben wesentlich die Form von luftigen Begründungen.

Es bleibt die berechtigte, seit Monaten bekannte Forderung:
“Für alle hessischen Schülerinnen und Schüler wird gewährleistet:
Kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben (mit Lösungshinweisen!) via Internet. Dies gilt für die gymnasiale Oberstufe genauso wie für den Haupt- und Realschulbereich.”

Zum Schluss noch ein persönliches Wort an den Minister. Herr Banzer, der Kultusbereich bereitet Ihnen nach Ihren eigenen Worten Freude und ist für Sie eine große Herausforderung. Nutzen Sie deshalb nebenbei den „Obama-Effekt“ auch in Hessen und auch im Kleinen – change (!), yes we can. „Change“ klingt in der deutschen Übersetzung mit „Wechsel“ zu technisch, gar etwas hölzern. Übersetzen wir Change doch auch noch mit der Obertonreihe: Wandel durch Mut, Begeisterung und Engagement. Eine Stunde „Change“ und das Problem wäre gelöst; der Rest ist professionelle Routine. Es liegt allein in Ihrer Hand. Schüler, Eltern und Lehrer werden Ihnen die notwendige Korrektur danken.

PS. Die an den „hessischen Verhältnissen“ aufgezeigten Problemlösungen gelten im Grundsatz auch bundesweit! Von allen Schulministerien kann in der Abiturproblematik mehr Sorgfalt, Dokumentationsbereitschaft und Engagement erwartet werden. Wie heißt die viel zitierte Formel in der Schule: „Fördern und Fordern“! Das gilt für alle Beteiligten.
In Korrespondenz dazu kann auch mein Beitrag „Abitur in Deutschland (1)“ gelesen werden.

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Nationaler Bildungsgipfel, Milliarden und Zen

17. Oktober 2008 · von Miller · 5 Kommentare

Nationaler Bildungsgipfel, Milliarden und Zen

Wenn der Bildungsgipfel am 22.10. keine traurige Lachnummer werden will, so bedarf es konkreter Beschlüsse mit klaren Zielen, Zeitplänen und solider finanzieller Unterfütterung. Dies dürfte jedem einigermaßen erfahrenden Menschen unmittelbar einleuchten.

Schwebend dem Gipfel entgegen, Miller 2008

Schwebend dem Gipfel entgegen, Foto: Miller 2008

Die bisher zirkulierenden bildungspolitischen Papiere aus der KMK, aus Ministerien und Lobbyverbänden lassen allerdings wenig Erfreuliches ahnen: Formelkompromisse, Wortakrobatik, Bund-Länder-Gezänk, Fassadenbeschlüsse, Aussitzen, wenig Konkretes. Dies hängt mit der grundsätzlichen Werthaltung vieler professioneller „Verantwortungsträger“ gegenüber der jungen Generation zusammen. Im Grunde interessieren Personen von 0 bis 23 Jahren nicht wirklich. Wenn diese Haltung, dieser eingewurzelte Habitus nicht geknackt wird – die nächste Bundestagswahl, Landtagswahl kommt bestimmt und die Mehrheit der über 50-Jährigen bedenke noch einmal gründlich, über welche Zukunft sie entscheiden – scheinen bildungspolitische Fortschritte im Interesse der jungen Generation nicht möglich.

Wir haben kein Analyseproblem und kein Erkenntnisproblem – seit vielen Jahren ist die chronische Unterfinanzierung im Schul- und Hochschulbereich genauso bekannt wie klare Alternativen zu schlechter Lehre – sondern ein Megaproblem der nicht eingeleiteten Handlungen mit großer Vision. Wir haben es mit einem bürokratischen Politikertypus zu tun, der kumuliert in der Variante: hohe verbale Offenheit und Wortakrobatik bei gleichzeitig ausgeprägter Handlungsstarre.

Prinzipiell ist Politik in Not aber handlungsfähig. Ein 400- Milliarden- Rettungspaket allein in Deutschland in einer Woche zu schnüren, um das Bankensystem zu stabilisieren, war durchaus eine Meisterleistung. (Ähnliches bei unseren europäischen Nachbarn). „Alle sind bereit in der Bildungsrepublik, Bildung für alle, Wohlstand für alle“.(Bundeskanzlerin Merkel im Gipfel-Vorab-Video, Sept.2008)

Und jetzt beim nationalen Bildungsgipfel? Wäre man souverän genug, die „Formelkompromiss-Papiere“ einfach in den Papierkorb zu werfen und ein konkretes 100 Milliarden-Bildungsprogramm mit gewichteten konkreten Zielen bis 2016 zu beschließen. (In meiner Kritik an Zöllner „Nationaler Bildungsgipfel und Milliardenforderungen“ hatte ich dazu Konkretes angedeutet).
Nehmen wir als weitere Illustration drei Punkte:

      Hochschulbereich: Wenn der Wissenschaftsrat erneut ein seriöse Rechnung vorlegt und 1,1 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich zur Verbesserung der Lehre fordert, so gibt es da nichts mehr zu relativieren, sondern nur ohne eingebaute Fallstricke zu beschließen und tatkräftig anzugehen. Bei wachsenden Studierendenzahlen beläuft sich dieses Teil-Programm bis 2016 auf 13-15 Milliarden.

      Wenn wir uns seit vielen Jahren über die zunehmende Bewegungsarmut und damit der erschreckenden Zunahme von Fettleibigkeit schon im Kindergarten und in der Schule wundern (die Datenlage ist erdrückend, die Milliarden-Folgekosten absehbar), so müssen wir eine zügige Ausbildung von 50.000 Bewegungsassistenten (1.Staffel) und deren Einsatz in der Schule, im Kindergarten vorantreiben.

      Wenn wir wirklich neue Lernkulturen wollen, müssen wir die überkommene Prüfungsdidaktik (auch beim Zentralabitur der einzelnen Bundesländer) einer gründlichen Revision unterziehen und die Lehrerbildung neu denken. Persönlichkeiten braucht die Schule, keine ferngesteuerten Modulrealisierer, Erbsenzähler und Paragraphenreiter. Bei dieser Haltung geht es mehr um Geist und weniger ums Geld! Wer Bildungsstandards auf der Höhe der Zeit will, muss die jämmerlichen KMK-Vorlagen seit 2003/2004 und die hilflosen sog. „Implementierungsversuche“ stoppen. Mit neuen Lernkulturen (und einem Aufbruch in die Selbstverantwortliche Schule) hat das fast nichts zu tun. Alternativen gibt es. Wer will, der findet Wege, wer nicht will, der findet Begründungen (warum alles nicht geht). Vertrauen gewinnen, heißt auch wahrhaftige Aussagen machen, den Betroffenen zuhören und sie ernsthaft beteiligen. Ohne Aufbruchbewegung von unten läuft gar nichts. Die KMK kann dies nicht leisten, zu schwerwiegend sind die seit vielen Jahren produzierten Rohrkrepierer.

Noch ein unkonventioneller  Vorschlag zum Schluss: Wenn der nationale Bildungsgipfel eben kein absurdes Theater werden will, so muss er sich in durchaus heiterer Gelassenheit gründlich neu besinnen. Die „Verantwortungsträger“, die Journalisten, die Kameraleute könnten sich, wenigstens kurzfristig, aus ihren starren Ritualen und Zuständigkeitsabgrenzungen befreien, ten jin – Denken verbreiten, Bewusst-Sein spüren und mit dem großen OOOMMMM beginnen.

Als kleine Selbstprüfung für dynamisch-flexible Gipfelteilnehmer schlage ich das Gespräch zwischen Tao-kwang und einem Zen-Meister vor.
Zen-Anekdote
Tao-kwang, ein buddhistischer Philosoph, kam zu einem Zen-Meister und fragte: »Mit welcher Haltung sollte einer sich in der Wahrheit üben?«
Der Zen-Meister antwortete: »Es gibt keinen Geist, der in Haltung zu bringen wäre, noch irgendeine Wahrheit, in der man sich üben könnte.«
»Wenn es keinen Geist gibt, der zu erziehen, noch eine Wahrheit, die zu üben wäre, warum hast du dann täglich eine Versammlung von Mönchen um dich, die Zen studieren und sich in der Wahrheit
üben?«

Der Meister antwortete: »Ich habe nicht einen Zoll Raum zu vergeben, wo sollte ich eine Versammlung von Mönchen unterbringen? Ich habe keine Zunge, wie wäre es mir möglich, andere zu veranlassen, zu mir zu kommen?«
Der Philosoph rief aus: »Wie kannst du mir eine solche Lüge ins Gesicht sagen?«
»Wenn ich keine Zunge habe, um andere zu unterweisen, wie wäre es mir möglich, eine Lüge auszusprechen?«
Worauf Tao-kwang verzweifelt ausrief: »Ich kann Eurer Rede nicht folgen.«
»Ich verstehe mich selbst ebenso wenig«, schloß der Zen-Meister.
(Verfasser unbekannt, Aus: Michael Miller 2008, Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft, S. 93)

 

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Alternativer Bildungsgipfel – Wo sind die Alternativen?

16. Oktober 2008 · von frankmackay · Keine Kommentare

Alternativer Bildungsgipfel – Wo sind die Alternativen?

Die Veranstalter fordern von der Bundesregierung und den Länderparlamenten:

1. den kostenfreien Besuch aller Bildungsinstitutionen – die sofortige Abschaffung von Kitagebühren, der (Zu)zahlung für Schulbücher und Verpflegung an Schulen sowie von Studiengebühren, Studienkonten und anderer Entgelte, Beiträge oder Gebühren für Aus- und Weiterbildung.

2. eine bedarfsgerechte und von den Eltern unabhängige Finanzierung von Studium, Schulbesuch und Ausbildung.

3. bundesweit allgemein verbindliche tarifliche sowie personalvertretungsrechtliche Beschäftigungsstandards

4. das Recht auf paritätische Mitbestimmung und eine freie Meinungsäußerung ohne Angst vor Zensur, Kriminalisierung oder Kündigung.

Reclaim your Brain – für öffentliche und (kosten-)freie Bildung

Gemeinsam den Gipfel gestalten – Bildet euch und bildet andere !

Link: http://wiki.bildung-schadet-nicht.de/index.php/Alternativer_bildungsgipfel_2008

Alles prima Klima. Nur wo bleiben die konkreten Vorschläge zur Finanzierung und zu zukunftsweisenden Lernkulturen? Was heißt „bedarfsgerecht“? Welche konkrete Qualität haben die „Beschäftigungsstandards“? „Freie Meinungsäußerung“ – längst gesichert, Art.5 Grundgesetz; der Rest ist Kampf um Durchsetzung, Kampf um Definitionsmacht, da wird einem auch in der Demokratie nichts geschenkt. Angst ist da ein schlechter Ratgeber. „Kostenfreie Bildung“? Welche Qualität, welche Prüfkriterien, welcher Bildungsbegriff? Fragen über Fragen, wo bleiben die Antworten?

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Bildungswirt liest pädagogisch-gastronomische Vernunft

12. September 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Bildungswirt liest pädagogisch-gastronomische Vernunft

Öffentliche Lesung im Odyssee Kult

Der Bildungswirt alias Dr. Michael Miller liest aus seinem neuen Buch „Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft – Alle reden von Schule – was ist zu tun?“

Er beschäftigt sich mit den »heißen Eisen« der Bildungspolitik und unterzieht sie einem ständigen Szenenwechsel. Wichtigen Bildungsfragen nachspüren heißt auch, das Ohr am Puls der Kneipenkommunikation zu haben. Die Kneipe als eine der bedeutendsten sozialen und kulturellen Institutionen des gesellschaftlichen Lebens wird präsentiert als Ort, von dem die Schule und der nationale Bildungsgipfel lernen können.

Wo? Odyssee Kult, Weberstr.77 Frankfurt-Nordend
Reservierungen:Tel. 069- 90500995

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Bernhard Bueb – Allmachtsphantasien aus der Mottenkiste

8. September 2008 · von Miller · 6 Kommentare

Bernhard Bueb – Allmachtsphantasien aus der Mottenkiste

Die Republik diskutiert ernsthaft über Bildung; Bund und Länder bereiten sich auf den nationalen Bildungsgipfel vor, die Bundeskanzlerin reist bildungsbeflissen durchs Land (reisen soll bekanntlich bilden) und Massenblätter lancieren ihre Positionen und pädagogischen Lieblinge. Die FAZ – wie könnte es anders sein – puscht den Disziplinmatador und ehemaligen Internatsleiter Bernhard Bueb. „Deutschlands strengster Lehrer“ (die Bildzeitung über Bueb) wiederholt, was er seit Jahren vertritt in neuem Gewand. Aus der Buebschen Mottenkiste wird im Jahr 2006 zuerst Lob der Disziplin hervorgeholt und jetzt, im September 2008, mit dem neuen Buch Von der Pflicht zu führen. Neun Gebote der Bildung nachgeladen.

Warum nicht gleich 10 Gebote, in Stein gemeißelt, vom Bueb-Moses-Internat zur erzieherischen Heilung der deutschen Jugend? In L.d.D. waren noch Entgleisungen zu lesen wie „Die Menschen klären, die Sachen stärken“ (Bueb, 10. Aufl., S. 164). Korrekt heißt es selbstverständlich bei Hartmut v. Hentig: „Die Menschen stärken, die Sachen klären“. Der Freudsche Versprecher (von Autor und Lektor!) läßt tief blicken. Besonders peinlich ist diese Entgleisung auch deshalb, weil Bueb zuvor explizit von Hentig hervorhebt. „Der große Unruhestifter in Sachen Bildung und Erziehung der Nachkriegszeit und Nestor pädagogischer Theorie und nachdenkender Praxis, Hartmut von Hentig, hat es verdient, schon wegen seiner genialen Formel zur Beschreibung der Tätigkeit aller Lehrer und Erzieher in den pädagogischen Olymp aufzusteigen.“(S.164). Dann diese fundamentale Patzer! Von dort ist es nicht weit zur neuen Verpackung: Alle Macht den Schulleitern! , so der FAZ-Vorabdruck aus den neun Geboten.

Erziehung ist für Bueb wesentlich Führung und Gefolgschaft, immer mit den besten Absichten, versteht sich von selbst. Ansonsten tischt Bueb Binsenweisheiten und oberflächlichen bildungspolitischen Konsens auf. „Kinder und Jugendliche brauchen gestaltete Gemeinschaften.“ Dissens bricht bei klugen Pädagogen jedoch sofort auf, wenn er ständig betont „unter Führung von Erwachsenen.“ Bueb fordert die Ganztagsschule – wer inzwischen eigentlich nicht? Dann kommt die spezielle Buebsche Variante: „Als wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Ganztagsschule gilt, dass dieselben Erwachsenen, die morgens unterrichten, nachmittags als Partner im Spiel auftreten – nämlich die Lehrer.“ Fürchterlich. Dann gäbe es für Schüler kein Entrinnen mehr: die durchgeplante Lehrerschule als überwachendes Erziehungs-Gesamtprogramm. Der eingepasste Lehrer als 7.00 bis 17.00-Arbeitnehmer für die Erziehungsanstalt der Zukunft?
Und das soll der Ausweg aus der „Erziehungs- und Bildungskrise“ sein? Mit Bueb zurück in die Führungszukunft?

Wir brauchen stattdessen starke selbstverantwortliche Schulen (sprich: Schulgemeinden aus Lehrer, Schüler, Eltern und Schulleiter mit demokratischer Schul- und Lernkultur) mit Personal- Budget- und Programmhoheit. Wir brauchen die Auflösung bürokratisch-ministerialer Gängelungen (da hat Bueb im Grundsatz recht), die schnelle Beseitigung der Überregulierungen im Schulalltag. Muss deshalb das Berufsbeamtentum für Lehrer abgeschafft werden? Ein alter Vorschlag, den Bueb erneut aufwärmt und glaubt, dass sich die Lehrer dafür selbst einsetzen müssten. Wo lebt der Mann?
Nehmen wir einmal an, dass die Lehrer tatsächlich sagen würden: Warum nicht? – so schlage ich vor: Als Pilotprojekte sollten zuerst die Kultusministerien und Schulämter dienen; denn Führung heißt Vorbild sein für mehr Flexibilität, Kreativität und Zivilcourage. Das wäre der Praxistest der Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit zur beamtenrechtlichen Reform. Gut, dass wir uns noch unseres eigenen Verstandes bedienen und diesen nicht beim Pförtner, pardon „Führer“, abgeben. Von dem einstigen Reformpädagogen Bernhard Bueb ist nicht mehr viel geblieben.

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FAZ blubbert bildungspolitisch durchs Land

4. September 2008 · von Miller · 1 Kommentar

FAZ blubbert bildungspolitisch durchs Land

Auf der Titelseite der Print-FAZ von heute ist groß zu lesen : „Bildungspolitik braucht ehrgeizige Ziele“. Wohl wahr! Nur welche ehrgeizigen Ziele sind das? Mit welchen Inhalten und Ausgestaltungen? Durch welches Personal umgesetzt? Wie finanziert? Welcher Zeitplan liegt vor? Der Leser erfährt nichts. Stattdessen fließt ein großes Geblubber durch den deutschen Wald der Binsenwahreiten. Die Kanzlerin „rückt das Bildungsthema ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit“, setzt sich für den nationalen Bildungsgipfel am 22.10. in Szene. „Das ärgert die Ministerpräsidenten“, es gibt eine „zusätzliche Verstimmung“ wegen der Merkelschen Bildungsreise. „Das Vorpreschen der Bundesregierung stärkt nicht die Solidarität unter den CDU-Ministerpräsidenten“ und „die Ministerpräsidenten haben zur Bildungspolitik fast immer ein ambivalentes Verhältnis“. Die unionsgeführten Länder „verspielen leichtfertig ihren bildungspolitischen Kompetenzvorsprung“ und so weiter, bla und blubb. Im ersten Fazit versteigt sich die Chefkommentatorin zur verwegenen These, dass die Ministerpräsidenten „aber mit ihren Kultusministern auf Kriegsfuß stehen.“ Prüfen wir das einmal am Beispiel Hessens. Roland Koch und Jürgen Banzer auf Kriegsfuß? Was würde da der gemeine Hesse antworten, z.B. der klar denkenden Bauer aus der Wetterau? „Ei, was en Geschwätz, die sind doch en Kopp un en Arsch.“ Koch und Banzer verfolgen selbstverständlich, Schulter an Schulter, die gleichen Ziele, was sonst?

Weiter faselt der Kommentar im Neusprech von der „demographischen Rendite“, hört sich einfach schick an. Gemeint sind die Finanzmittel, die durch den starken Rückgang der Schülerzahlen eingespart werden können (weniger Personalkosten, weniger Lehr- und Lernmittel, weniger Schulträgerkosten). Keine konkreten Zahlen des Schülerrückgangs, keine Bezifferung des Sparpotenzials und alternativer Verwendungsmöglichkeiten. Armselig! Angedeutet werden „verabredete Forderungen wie verpflichtende Sprachstandsfeststellungen und Förderunterricht vor Schulbeginn oder Aufstiegsstipendien für Nichtabituriennten“.

Nebulös geht’s weiter mit: „Viele knüpfen an vorhandene Projekt an und sollen sie strategisch verbinden, weitere sollen neu hinzukommen.“ Nicht fehlen darf der Hinweis auf die „Initiative Abschluss und Anschluss“, der gebetsmühlenartige Verweis auf den Fachkräftemangel bei den Ingenieurberufen und die Senkung der Quote der Schulabbrecher. Mit Verlaub, alles alte Kamellen, seit vielen Jahren bekannt, zig-fach angemahnt und bildungspolitisch durchgewunken: Schön, dass wir wieder einmal darüber reden konnten. Doch bei Bildungslaien, auch bei Journalisten, die gerne Pressemitteilungen abschreiben, immer noch gut genug für wichtigtuerische Zeilen. (Als Gegengift empfehle ich heute den Bildungsbericht 2008). Zum Schluss wird dann noch die obligatorische „tiefe Vertrauenskrise, in der das Bildungssystem steckt,“ konstatiert, die „halbherzigen Schritte“ kritisiert und – den Blick nach vorn gerichtet – „die Chance einer gemeinsamen Initiative von Bund und Ländern“ naiv beschworen. Was ein Finale, die Sprechblasen-Dreschmaschinen ziehen ihre medialen Kreise. In der FAZ hatte ich schon Besseres gelesen.

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