Der Bildungswirt

Bildung Schule Kultur Wirtschaft

Der Bildungswirt header image 4

Hauptschule stärken? – SchuBidubi 2008

25. September 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Hauptschule stärken? – SchuBidubi 2008

Ableben aufgeschoben: Wenn ein schon todkranker Patient im künstlichen Koma am Leben erhalten wird, weil die (Erb)Folge noch nicht geregelt ist, bemühen sich zahlreiche Gesundbeter darum, durch die Magie eines neuen Namens den Patienten noch einmal wiederzubeleben.
So soll auch dem potentiellen Koma-Patienten „Hauptschule“, durch einen neuen Namen eine neue Identität verschafft und quickdynamische Lebensgeister eingehaucht werden. (So ist das jüngst in Frankfurt auf dem großen, kostspieligen Hauptschultag versucht worden.) Auch wenn dann Altes im Gewand des Neuen auferstehen soll, darf der neue Name natürlich nichts beschönigen oder verschleiern.
Damit die Wiederauferstehung auch gelinge, empfehlen wir, Anregungen aus dem Bereich der christlichen Heilslehre zu holen, z. B.:

· Frohe-Botschaft-Schule (FBS) oder
· Himmelfahrtsschule (HS) oder
· Glaube-Liebe-Hoffnung-Schule (GLHS)

In Anspielung auf die Strapazierfähigkeit des pädagogischen Objekts der Begierde könnte man im neuen Namen auch die neue humane Qualität aufscheinen lassen und damit auch einen reibungsloseren Übergang in eine weiter führende Schule erleichtern

· Laminatgymnasium als konzeptionelle Weiterentwicklung des
· Brettergymnasiums im Übergang zur
· Baustellen-Schule mit höherer Anschlussfähigkeit an das
· Internationale Parkett-College

Oder erfolgreich aus der

· Förderschule (Pardon, Name ist ja bereits vergeben) in die
· Förder-duch-Forder-Schule weiter in das
· Trostpreisgymnasium

Man könnte sich bei der neuen Namensgebung aber auch stärker an der Lebensweltnähe bzw. der Bildungsbiografie seiner Nutzer orientieren:

· Restvolksschule oder
· Überlebenskampfschule oder
· Charles-Darwin-Schule oder
· Empowerment College

Für alle Schüler, deren Illusionen trotzdem platzen, bleibt am Ende noch die

· April-April-Schule

P.S. Und immer wieder muss es betont werden:
Nicht in der Hauptschule, sondern in jedem Hauptschüler wohnt ein Zauber inne, man sollte ihn nur erkennen wollen! Der bevorstehende nationale Bildungsgipfel am 22.10. liefert hier bestimmt bahnbrechende Erkenntnisse aus der Tiefe des Raums.

[Weiter hier... →]

Tags: Bildung · Bildungsgipfel · Dunkelkammer · Hauptschule

Hauptschule, Jugendkriminalität und Medien

23. August 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Hauptschule, Jugendkriminalität und Medien

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsens hat jüngst eine neue Studie zu Jugendgewalt und Jugenddeliquenz vorgelegt, die in Fachkreisen bekannte Einsichten noch einmal empirisch stützt.

Der Zusammenhang von – niedriger Schulbildung, gesellschaftlichen Integrationsproblemen und Jugendkriminalität – wird evident. Die Studie, gestützt auf eine intensive Befragung von 5000 Schülern in Hannover, nimmt zusätzlich Vergleiche zu den anderen Landeshauptstädten wie München und Stuttgart auf. Rabold/Baier/Pfeiffer kommen u.a. zu folgendem Ergebnis: „ Die Hauptschule ist im Verlauf der letzten zehn Jahre schrittweise zu einem eigenständigen Verstärkungsfaktor der Jugendgewalt geworden. Da in ihrer Schülerschaft der Anteil der familiär und sozial erheblich belasteten Jugendlichen stark gewachsen ist, haben sich negative Aufschaukelungs- und Ansteckungseffekte ergeben, denen die Schulen nur schwer entgegensteuern können.“

Konsequente moderne Schulpolitik seit 1998 zeige jedoch in Niedersachsen Wirkung. So ist der Anteil türkischer Jugendlicher, die ein Gymnasium besuchen, um drei Viertel angestiegen (von 8,7 auf 15,3%), während die Quote der Hauptschüler stark zurückging (47,1% auf 32,5%) (…) Der Anteil der Hauptschüler ist insgesamt von 22,6% auf 16,7% gesunken, die Quote der Gymnasiasten ist von 35,0 auf 40,5 gestiegen… Eine vergleichbare Entwicklung hat es weder in Stuttgart noch in München gegeben.“ (…) Der in Hannover festzustellende Trend zu höherer Schulbildung korrespondiert mit einer rückläufigen Deliquenzbereitschaft.“
Die Forscher stellen desweiteren fest: Die Gewaltrate der Migrantenjugendlichen fällt umso niedriger aus, je höher die Quote der deutschen Freunde ist. Je mehr die Migrantenjugendlichen dagegen „unter sich“ bleiben, umso stärker entwickelt sich eine delinquente Peer-Kultur von Außenseitern, die von einem Gefühl der Benachteiligung geprägt ist und aggressive Tendenzen gegen „die Deutschen“ entwickelt. In den Haupt-und Realschulen outen sich 28% der Schüler als „ausländerfeindlich“, in den Gesamtschulen liegt ihr Anteil bei 19 %; bei Gymnasien und Waldorfschulen liegt der Wert bei 14 %.
Die politische Richtung kann deshalb nur konsequente Integrationspolitik heißen und damit Verhinderung von Parallel-Gesellschaften.

Die Forscher sehen auch einen Zusammenhang zwischen extensivem Medienkonsum, Gewaltdarstellungen in den Medien und tatsächlicher Gewaltausübung. „Generell hat sich gezeigt: (1) Je mehr Zeit Schüler mit Medienkonsum verbringen und je brutaler die Inhalte sind, umso schlechter fallen die Schulnoten aus. (2) In Verbindung mit anderen Belastungsfaktoren erhöht der Konsum exzessiver Mediengewalt das Risiko beträchtlich, dass Jugendliche Gewalt ausüben. (3) Ein beachtlicher Teil der männlichen Jugendlichen gerät in suchtartiges Computerspielen.“

Die Studie plädiert unmissverständlich für den Ausbau unserer Schulen zu echten Ganztagsschulen. „Diese Lösung erscheint als einziger Ausweg aus der vor allem die Jungen aus sozialen Randlagen betreffenden, krisenhaften Zuspitzung ihrer Situation.“ Das programmatische Motto soll heißen: „Lust auf Leben wecken durch Sport, Musik, Theater und soziales Leben.“
Schulpolitisch ist der Trend klar: Das Auslaufmodell Hauptschule ist nicht zu retten. Auch das Bayerische Kultusministerium, das noch verbissen an der Hauptschule festhält, wird das spätestens in 8-10 Jahren einsehen. Wie lange der Lernprozess in Hessen noch dauern wird, ist zurzeit noch ungewiss. Hauptschule ade heißt trotzdem: In jedem Hauptschüler wohnt ein Zauber inne, man muss ihn nur entdecken (wollen). Auch viele sog. „Hauptschüler“ könnten mit neuer Pädagogik und Didaktik einen gymnasialen Abschluss erwerben.

PS. Apropos „gefühlte Kriminalitätstemperatur“.
Zwar gehe die schweigende Mehrheit der Bevölkerung davon aus, dass die Kriminalität während der
Jahre 1993 bis 2005 insgesamt „stark zugenommen“ habe, alles krimineller werde (die Jugendlichen so wieso) – man spüre es, kenne die Geschichten, lese aufmerksam die Boulevardpresse und sehe die spezifischen TV-Sender. Nur hat das alles mit den Fakten wenig zu tun.Tatsächlich, so die Forscher, seien schwere Delikte wie Mord, Wohnungseinbruch, Bankraub oder Autodiebstahl seit 1993 um 40 bis 80 Prozent zurückgegangen. Allerdings sei nur einem von zehn Bundesbürgern dieser Umstand bewusst.

[Weiter hier... →]

Tags: Allgemein · Bildung · Dunkelkammer · Gymnasium · Hauptschule

Die Crux mit den Bildungsstandards (1)

18. Juni 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Die Crux mit den Bildungsstandards (1)

Bildungsstandards sind in aller Munde. Sie gelten als Fixsterne für eine neue Schulpolitik; weg von den alten Lehrplänen und der sog. Inputsteuerung, hin zu neuen Bildungsstandards und der sog. Outputsteuerung. In fast jeder Rede von Bildungspolitikern, aber auch in Broschüren der Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, tauchen sie auf.

Bildungsstandards werden als flexible Voodooformeln gehandelt , die etwas Gutes zu signalisieren scheinen und mit nahezu beliebigen Zielen und Inhalten gefüllt werden können. „Bildung“ & „Standard“ haben positive Konnotationen (fast jeder bekennt sich zum humanistischen Erbe der Menschen-Bildung und will dafür gültige Standards, so, wie wir auch im Gesundheitswesen z.B. „Qualitätsstandards“ erwarten oder im Hotelgewerbe). Bildungsstandards sollen den Unterricht qualitativ verbessern, d.h. Schüler sollen, im Niveau aufsteigend, vielfältige Kompetenzen entwickeln. Interessant und angestrebt ist das tatsächliche Können (pragmatischer Output) des Lernenden zu einem bestimmten Zeitpunkt und weniger das nur passive abfragbare Wissen. Insofern sind Bildungsstandards im Kern Leistungsstandards und Kompetenzstandards.

Bildungsstandards dienen als diagnostische Bezugsgröße für individuellen Förderbedarf und sind Referenzsystem zur Vergleichbarkeit von Leistungen der Schulen, des jeweiligen Lernstandes und der entsprechenden Abschlüsse. Wenn zu den Bildungsstandards noch die Megaformel „neue Lernkulturen“ hinzu kommt (dreifach positive Konnotation: „neu“, “Kultur“, “lernen“), sind sie als Allzweckwaffe kaum noch zu schlagen. Hieraus erklärt sich ihr Beliebtheitswert.

Verdeutlichen wir uns die Entwicklung der letzten 10 Jahre:

In den 90er Jahren taucht verstärkt der Begriff des Standards im Bildungsbereich auf (das ist aber eher etwas für historische Feinschmecker)

PISA 2000 verursacht in Deutschland ein mittleres Erdbeben (so gut, wie wir uns bisher eingebildet hatten, waren die Vergleichdaten eben nicht. Deutschland spielte in der 2. Liga, da half auch beschwichtigende Rhetorik nichts mehr. Der Ruf nach Bildungsstandards, Tests und Evaluation wird unüberhörbar: Jetzt müsse endlich gehandelt werden, jawohl, und zwar sofort, so der Tenor.)

2003 erscheint die Klieme-Expertise „Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards“ (Frohlocken, ein großer analytischer Wurf der deutschen Bildungsexperten mit eindeutigen Forderungen, z.B. nach Mindeststandards in der Schule und nach mehr Bildungsgerechtigkeit. Die KMK bedankt sich und beschließt gleichzeitig einen anderen Kurs. Applaus für die Wissenschaftler und die Zusage, auch weiterhin Gutachteraufträge zu erhalten. Wohlfeiles Verhalten versteht sich von selbst.)

2003/2004 erscheinen die ersten Bildungsstandards für den Mittleren Bildungsabschluss für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch (weitgehend unabhängig von Klieme & Co. werden von der KMK in hektischer Betriebsamkeit Bildungsstandards für die Mittelstufe (ergänzend in Biologie, Physik und Chemie, und später auch für die Haupt- und Grundschule vorgelegt).

2004/5 bzw. 2006/7 werden die Bildungsstandards von einzelnen Bundesländern zum Schuljahresbeginn verbindlich eingeführt. Viel Papier und wenig praktische Relevanz, so könnte man die Wirkung an den Schulen zusammenfassen.
(Von einigen positiven Veränderungen abgesehen, handelt es sich weitgehend um umgeschminkte Lehrpläne in neuem Sprachduktus. Bis 2008 wollen alle Bundesländer die KMK-Vorgaben in länderspezifische Varianten umgeformt haben, möglicherweise mit sog. Kerncurricula unterfüttern. Von einem tatsächlichen pädagogischen Neuaufbruch durch Bildungsstandards kann derzeit nicht ernsthaft gesprochen werden, weitgehend handelt es sich um Selbstbeschäftigungstherapien einer aufgeblähten, ineffizienten Bildungsverwaltung.)

2007 : Die KMK beschließt ergänzend die Entwicklung von Bildungsstandards für die gymnasiale Oberstufe „nach Möglichkeit bis 2010/2011“. (von 2003 bis 2007 glaubte man ohne Bildungsstandards auszukommen. Man habe ja die Einheitlichen Prüfungsanforderungen für die Abiturprüfung (EPAs, plus die entsprechenden FAPAs der Länder), damit sei alles geregelt. Das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Berlin solle auf der Grundlage der EPA und der Berücksichtigung der Konstruktionsprinzipien der Bildungsstandards in der Mittelstufe eine Vorlage entwickeln. Bundeskommissionen werden berufen, keine eigenen Konturen in den Ländern, trotz ständiger Betonung des Förderalismusprinzips. Auch Hessen als "Bildungsland Nr.1" leistet sich keine vorwärts treibenden, eigenen Lösungen).

2008-2010/11 , warten auf das IQB Berlin? Weitgehender Konsens besteht darin, dass gravierende Schulreformen und Bildungsstandards auf allen Schulstufen notwendig seien. (Das gegliederte deutsche Schulsystem und seine Leistungsfähigkeit geraten zunehmend in die Kritik. Hauptschulen auflösen, kooperative Verbundschulen und Gesamtschulen stärken, Gynmnasien verändern– hier bricht der Konsens schon zusammen. Eine Bildungsstandard-Debatte sollte aber diese Begleitmusik mithören).

Für das Gymnasium heißt das auch Schulzeitverkürzung mit einer kontroversen G8/G9 –Debatte. Lehrplankürzungen als Übergangslösung sind weitgehend konsensual durchsetzbar und dann: zügige Einführung von Bildungsstandards für alle Fächer, auch in der gymnasialen Oberstufe. Die Konsequenzen (u.a. Zeitplanung, Finanzierung, Didaktik, Fortbildung) sind bisher wenig bedacht worden. Damit verbunden geht es um die Realisierung eines modernen kompetenzorientierten Unterrichts. Will man aber gleichzeitig den einzelnen Schüler „fördern und fordern“ und "keiner soll abgehängt werden"( wird auf jedem Symposium von Bildungspolitikern und Wissenschaftlern betont), kommt man mit Allerweltsreden nicht weiter. In der Frage der Operationalisierung trennt sich die Spreu vom Weizen.
Der übergeordnete Referenzpunkt im Abstraktionsnebel ist schnell die Sicherung der internationalen Konkurrenzfähigkeit Deutschlands in der globalisierten Welt und – fast hätte ich es vergessen – die Stärkung der Persönlichkeit (was auch immer das sein soll): Bildung ist wichtiger Standortfaktor, Voraussetzung für Wachstum und Wohlsstand.
Der Dissens lugt wieder um jede Ecke, die Lobbygruppen positionieren sich, argumentative Scheuklappen sind schwer zu entfernen, bildungspolitische Hearings werden durchgeführt und Masterpläne geschmiedet.

Grundlegend bleibt die Frage wie Bildungsstandards, neuen Lernkulturen, Subjektorientierung und eine neue Prüfungsdidaktik in eine Gesamtschau eingebunden werden können. Auf der organisationspolitischen Ebene wird parallel und ergänzend das Konzept der "eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Schule" diskutiert. Fast schon pathetisch könnte man ausrufen: „Operator – we need solutions.“
Weg von der Anstalt, hin zur lebendigen Schule, Abschied vom Lernvollzugsbeamten, hin zum Lernberater, Organisator und Arrangeur komplexer Lernsituationen. Weg von hausbackenen Prüfungen und Bulimielernen, hin zu einer modernen kompetenzorientierten Prüfungsdidaktik.

Fortsetzung folgt …

zum Kompetenzbegriff, zu neuen Lernkulturen und Operationalisierungsvorschlägen von Unterrichtsprinzipien, zu Bildungsstandards konkret für fachliche und überfachliche Kompetenzen, zur Notwendigkeit einer neuen Prüfungsdidaktik, zur Dimension von Web 2.0 und der innewohnenden Sprengkraft für die traditionelle Fächer-Ordnung der Schule.

 

[Weiter hier... →]

Tags: Abitur · Berufsschule · Bildung · Bildungsgipfel · Bildungsstandards · Gesamtschule · Grundschule/Kindergarten · Gymnasium · Hauptschule · Unterricht

Geldverschwendung – Wirtschaft und Hauptschule

25. Mai 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Geldverschwendung – Wirtschaft und Hauptschule

Geldverschwendung – konkrete Verhandlungen mit Unternehmen führen

Die Paradoxie ist schwer zu überdecken. Die Bildungs- und Ausbildungskrisen sind seit langem bekannt, die Ursachen erforscht. Vor allem Hauptschüler bleiben auf der Strecke: unterqualifiziert, so nicht einsetzbar. Deshalb will die Bundesregierung an ausbildungswillige Unternehmen Geld verschenken, bis zu 6000.-Euro pro Lehrling. Im Rahmen ihrer neuen „Qualifizierungsinitative“ (s. Seite 23 Broschüre „Aufstieg durch Bildung“ [pdf] ) stehen bis zu 450 Millionen Euro als „Ausbildungsbonus“ zur Verfügung.

Die Pointe: Die Unternehmen wollen laut einer großangelegten Umfrage des Industrie und Handelstags (DIHT) dieses Geld gar nicht. „Der Ausbildungsbonus ist Geldverschwendung“, sagt Ludwig Georg Braun vom DIHT. Sollte das Geld jedoch zur Verfügung stehen, wird es stillschweigend mitgenommen. Für 85% der befragten Unternehmen hat der „Bonus“ keinen nennenswerten Einfluss auf ihre Ausbildungsentscheidungen. Die Unternehmen fordern stattdessen besser schulische Vorbildung der Bewerber. Recht haben sie!

Fragen: Was wird die Bunderegierung 2008 tun? Hört sie auf das einsichtige Votum der Arbeitgeber? Werden die Geldverschwendung gestoppt und Alternativen schnell korrigierend in die Wege geleitet? Sind Kultusministerien/ Wirtschaftsministerien der Länder zur schnellen Kooperation mit dem Bundesarbeitsministerium und dem Bundeswirtschaftsministerium fähig?

Einen kleinen Teil der 450 Millionen in sozialpädagogische Betreuung zu stecken ist sicher angemessen, nur wie könnten sonst Alternativen aussehen?

Vorschläge und Annahmen:
1. Mit Unternehmen in konkrete Verhandlungen eintreten, was sie an konkreten Qualifizierungsprofilen wollen – eben kein unverbindlicher Dialog des Symposiums. Nicht nur mit den Lobbyorganisationen verhandeln, sondern mit zukunftsorientierten Unternehmen in der Region. Regionale Wirtschaftsförderung und regionale Bildungsförderung sollten gemeinsam neue unkonventionelle Wege finden. Eine Lösung in Fulda kann eben ganz anders aussehen wie in Frankfurt/M. oder in Frankfurt/Oder.

2. Schulischen Muff abschaffen, zuviel Vorschriften und Gängelungen. Da müssen sich die einzelnen Bundesländer bewegen und nicht hinter KMK-Schwerfälligkeiten verstecken. Oft genug wollen Lehrer vor Ort etwas ändern, wollen sich öffnen für neue Anforderungen und Herausforderungen, dürfen aber nicht. Die Verordnung, der Erlass, das Ministerium, das Schulamt etc. – zum Schluss ist keiner mehr verantwortlich für die ausgeprägte Handlungsstarre.

3. Hauptschüler mit neuen Lernkulturen motivieren. Der Hauptschulabschluss ist keine Perspektive, die Richtung heißt Fachabitur. Und das ist möglich. Zuerst müssen die Lernblockaden weggeräumt werden, die die Schule mitverantwortlich selbst geschaffen hat. Auch Hauptschüler können mehrheitlich in 2 bis 3 Jahre zum Fachabitur gebracht werden. Die gleichzeitige Arbeit an der Persönlichkeit setzt allerdings professionelles Know-how voraus und eine Abkehr von der vorherrschenden Instruktionspädagogik. Lehrer haben hier einen pädagogisch-didaktischen Nachholbedarf und brauchen eine neue Art von professioneller Fortbildung. Die Wirtschaft wird sicher innovative Wege unterstützen.

4. Schulischen Wettbewerb zu fairen Bedingungen organisieren. Was staatliche Schule nicht können oder können dürfen, muss durch privaten Initiativen angegangen werden. Der Fokus der Zukunft heißt mehr Orientierung an personalen Kompetenzen (skills, competencies, knowledge) und weniger Orientierung an formalen Abschlüssen.

Die 450 Millionen der Qualifizierungsinitiative sollten nicht in unproduktiven Känalen versickern. Das sind wir den Jugendlichen schuldig. Mehr Beweglichkeit und innovative Ideen braucht das Land, Ministerien haben ein Lerndefizit, das sie schnell beheben sollten. Berechtigte Hoffnung auf Besserung besteht. Wer Lösungen will findet Wege, wer keine will, der (er)findet Gründe und neue Gremien.

[Weiter hier... →]

Tags: Hauptschule · Unterricht · Wirtschaft

Hauptschule ade!

19. Mai 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Hauptschule ade!

Den Tod der Hauptschule pfeifen die Spatzen schon längere Zeit von den Dächern. Doch halbtaube Ohren können oder wollen nichts hören, verteidigen automatenhaft die Bedeutung der Hauptschule. Für wen? – das bleibt im Nebel.
Die Hauptschüler selbst wissen es schon seit einigen Jahren: Mit diesem Abschluss ist am Arbeitsmarkt kein Blumentopf zu gewinnen. Warum überhaupt noch anstrengen, ‚ist eh alles für die Katz’. Diese Gesellschaft braucht uns nicht. Die Letzten beißen die Hunde.
Gegen diese Erfahrung der Deklassierung und Demütigung helfen auch keine noch so gut gemeinten Sozialarbeitersprüche. Gesellschaftlich anerkannte und benötigte Qualifikationen verbunden mit hochwertigen Schulabschlüssen sind gefragt. Ein gestärktes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein entsteht nur in Korrespondenz mit anerkannten, hochwertigen Qualifikationen/ Zertifikaten.
Wer schickt schon freiwillig sein Kind auf die Hauptschule? Die Schülerzahlen sinken rapide – und das ist gut so!

Vor den Sommerferien haben einige Frankfurter Hauptschulen Angst vor Schließung, sie können keine 5. Klasse mehr bilden. Sie fordern ganz offen Bestandschutz. Blankes Entsetzen habe sie ergriffen. Nur warum? Es ist wohl verständlich, dass sich die Hauptschule (vorwiegend die Lehrer und Schulleitungen) selbst erhalten will – alle Systeme neigen dazu – nur mit welcher Legitimation? Die Lehrerbeamten haben eine Arbeitsplatzgarantie bis zur Pension; eine starkes Privileg, das sie öffnen sollte für neue Arbeitsplätze an einer Kooperativen Gesamtschule oder an neu entstehenden Verbundschulen. Raus aus der Nische, rein in größere Systeme mit Dynamik und Flexibilität – wäre das nicht ein guter Start ins neue Schuljahr und ein klares Zeichen für Hauptschüler? In jedem Neuanfang wohnt ein Zauber inne, man muss ihn nur erkennen.

Hat sich dies bis zum Bundesarbeitsministerium herumgesprochen? Die Möglichkeit Schulabschlüsse nachzuholen, gehört zukünftig verstärkt zum arbeitsmarktpolitischen Instrumentarium. 80.000 Schulabbrecher jährlich und „junge Ungelernte“ in den Blick zu bekommen ist politisch längst überfällig. Im neuen Gesetzentwurf ist vom „nachträglich Erwerb des Hauptschulabschlusses“ die Rede.

Sehr gehrter Herr Arbeitsminister, lieber Olaf Scholz, wer hat Ihnen diesen Floh ins Ohr gesetzt? Recht auf Abschluss mit gleichzeitiger beruflicher Qualifizierung ist okay, nur welche Qualität, welche Perspektive? Vergessen Sie den Hauptschulabschluss! Die Orientierung muss Richtung Fachhochschulreife zeigen. Mutig wäre gewesen: Vision 2020: Bund und Länder ziehen an einem Strang: Abitur für jedermann! Ärmel aufkrempeln, durchdachte Konzepte nutzen und jetzt starten. Auch in fast jedem Schulabbrecher wohnt ein Zauber inne, man muss in nur entdecken und wecken.

PS: Im Zweiten Bildungsweg das „Angebot Hauptschulabschluss“ überhaupt noch zu fördern ist schlichter Anachronismus. Realschulabschluss ist für junge Erwachsene das absolute Minimum, ansonsten erfolgt eine falsche Orientierung, Zeitverschwendung. Da sollten sich die entsprechenden Schulen in Hessen etwas NEUES einfallen lassen. Je früher, um so besser.

[Weiter hier... →]

Tags: Allgemein · Hauptschule