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Bildungsreform auf gut hessisch: „Ein Eingang – zwei Ausgänge“ (Roland Koch)

1. März 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Bildungsreform auf gut hessisch: „Ein Eingang – zwei Ausgänge“ (Roland Koch)

Der schleichende Tod der Hauptschule soll gestoppt und an der Viergliedrigkeit des Schulwesens festgehalten werden. Ganz einfach, man erfindet eine neues Etikette: Mittelstufenschule in der Sekundarstufe – volle Fahrt voraus, das ist man den Eltern schuldig. Ministerpräsident Koch: “ Grundüberzeugung unserer Vision für die Schule von morgen ist der Erhalt von Schulvielfalt und Schulfreiheit.“  Das ist eine bahnbrechende Erkenntnis und Förderung pur – jedem das Seine. Demnächst werden zukunftsweisend wahrscheinlich wieder die alten eindeutigen Begriffe eingeführt und die Ausgänge streng bewacht:  Sonderschule, Volksschule, Mittelschule, Oberschule, damit es auch keine Verwechslungen geben kann.

Aus Hamburg kann man zusätzlich lernen …

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Tags: Bewusstsein · Bildung · Gymnasium · Hauptschule

Deutschunterricht: Sprache und Vernunft 2009 – drei kreative Stunden

25. September 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Deutschunterricht: Sprache und Vernunft 2009 – drei kreative Stunden

Da in der Berliner Republik, nicht nur im Bundestags-Wahlkampf 2009, ein Strom von Gefasel und gestanzten Textbausteinen medial in ohrenbetäubender Weise abgesondert wird, könnte man fast annehmen, Sprache und Vernunft hätten nichts mehr miteinander gemein. Angesichts eines polit-technokratischen Neu-Sprechs aus – „wir haben die Kraft“, „wir halten Wort“, „wir sind die Mitte“ bis hin zu „Nullwachstum“, „Rettungsschirm“ und „Abwrackprämie“, „die Reform der Reform der Reform“, die „kontinuierlichen Strukturentwicklungsprozesse“, „die Rentendämpfungs- und Lohnanpassungsformeln“, alles aus „fester Überzeugung ohne Wenn und Aber“ und „zunächst einmal wollen wir den Wählerinnen und Wählern danken“, „den Menschen draußen im Land“- lohnt sich ein Moment der Besinnung, der Erinnerung, als Sprache und Vernunft noch göttlich zusammen gedacht wurden.

Im Berlin von 1766 veröffentlichte Johann Peter Süßmilch seine Sprachursprungstheorie. In der Vorrede komprimiert er die Essenz: „Mein ganzer Beweis beruhet auf wenigen Sätzen und lasset sich leicht einsehen. Mein erster Satz ist: Die Sprache ist das Mittel, zum Gebrauch der Vernunft zu gelangen, ohne Sprache oder andre gleichgültige Zeichen ist keine Vernunft (…) Wer also Werke des Verstandes will hervorbringen, der muss sich im Gebrauch der Sprache befinden. Der zweite Satz ist: Die Sprache oder der Gebrauch der lautbaren Zeichen ist ein Werk des Verstandes, und zwar eines sehr großen und vollkommenen Verstandes, der alle Zwecke übersehen und der das ganze Sprachgebäude nach selbigen einrichten können, welches aus Vollkommenheit der Ordnung der Sprache unleugbar erhellet: Folglich hat derjenige, welcher die Sprache gebildet hat, sich schon im Gebrauch einer Sprache befinden müssen. Könnte der Mensch für den Erfinder angenommen werden, so müsste er sich schon vor der Erfindung der Sprache in dem Gebrauch der Sprache befunden haben, der Mensch müsste ohne Sprache klug und vernünftig gewesen sein, welches doch als unmöglich erwiesen ist. Daher bleibt uns nichts als der göttliche Verstand übrig.“

Das waren noch Zeiten! Gott und Logik. Fast wäre man geneigt auszurufen: Herr, warum hast du uns verlassen? Medien als Systemselbstläufer errichten den nächsten (realen und virtuellen) Turmbau zu Babel, ohne es selbst noch zu bemerken. „Die schwarze Milch der Frühe“ (Celan) versteht dann keiner mehr.

Aufgaben/ Fragen
1. Notieren Sie ihren ersten Eindruck zur verwendeten Sprache im  Wahlkampf der Parteien.

2. Sammeln Sie „Textbausteine“ aus politischen Reden/Interviews , die (fast) immer passen, d.h. zu jeder Gelegenheit eingesetzt werden können. Recherchieren Sie im Netz arbeitsteilig in verschiedenen Medien.

3. Entwerfen Sie eine Kurzrede zu einen politischen Thema und verwenden Sie solche „Textbausteine“. Tragen Sie diese im Kurs vor.Wenn möglich, drehen Sie ein Video für „You tube“ – sachlich, heiter, satirisch, zynisch …?

4. Diskutieren Sie Alternativen zu diesem weitverbreiteten „politischen“ Jargon.

5. Wie interpretieren Sie  die Achse – Gott, Logik, Sprache – ?

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Tags: Übungsstunde · Berufsschule · Bewusstsein · Bildung · Dunkelkammer · Feuchtgebiete · Gesamtschule · Gymnasium · Hauptschule · Unterricht

Die Superlehrer und Sat1

16. Juni 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Die Superlehrer und Sat1

Die_Superlehrer_Sat1_2009_Juni

Fernsehen, Sat1, gestern, 20.15 – startete die neue Serie „Die Superlehrer“, die sich als Teil des neuen pädagogischen Montagabend-Programms versteht. Praktische Lebenshilfe für gestrandete Jugendliche soll angeboten werden. „Ich will kein Hartz-IV-Empfänger werden“ – das ist Marvins erklärtes Ziel und sein Ansporn, doch noch einen Hauptschulabschluss zu machen. Genau wie 15 andere Jugendliche zwischen 16 und 22 Jahren nimmt auch er am Sat.1-Dokutainment-Projekt teil. Vier Lehrer und eine Sozialpädagogin wollen die Jugendlichen in nur 14 Wochen an ihr Ziel bringen: den wertlosen Hauptschulabschluss und damit auch eine größere Chance, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Um was geht’s eigentlich? Weiter hier…

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Aus der Vorstellung des Projekts (pdf).

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Tags: Hauptschule · Literatur / Film

Positive Aspekte von Computerspielen

24. Mai 2009 · von Tobias Bevc · 2 Kommentare

Positive Aspekte von Computerspielen

Teil 2 der Artikelserie „Computerspiele“:
Um den negativen Schlagzeilen, die die Berichterstattung über die Wirkung von Computerspielen dominieren, etwas entgegenzusetzen, werde ich heute über die positiven Aspekte schreiben, die die Nutzung von Computerspielen zeitigen können.

Zunächst einmal sind folgende Punkte zentral für die positive Bewertung von Computerspielen:
Sie machen Spaß, und zwar sowohl Mädchen als auch Jungen, und sie sind in allen Bildungsschichten beliebt. Hierbei ist zu bemerken, dass es zwischen den Geschlechtern Unterschiede in den bevorzugt gespielten Genres gibt (Details hierzu wieder die Kim und Jim-Studien). Der Spaß eine intrinsische Motivation zur Folge, sich mit diesem Medium auseinanderzusetzen – d. h. alle weiteren positiven Aspekte werden daher freiwillig und frohgemut aufgenommen.

Die freiwillige Auseinandersetzung mit den Strukturen und Inhalten von Computerspielen (wohlgemerkt: bei reinen Unterhaltungsspielen!) können also durchaus positive „Nebenwirkungen“ haben, wie in der Forschung immer wieder hervorgehoben wird. Dazu muss man nicht in die angelsächsischen Länder gehen (z.B. James Paul Gee, um einmal den bekanntesten zu nennen. Ein exemplarischer Text von ihm: „Good Video Games and Good Learning“. Auch hierzulande gibt es durchaus einige Vertreter, die aus (medien-)pädagogischer Perspektive den Computerspielen Positives abgewinnen können. Mit einer Forschergruppe des JFF kann man feststellen, dass Computerspiele durchaus kompetenzförderliche Potentiale haben (Kurzfassung, Langfassung). So werden dort zum Beispiel Adaptivität, Motivationsförderung und die Möglichkeit des Probehandelns positiv hervorgehoben. Johannes Fromme von der Universität Magdeburg betont zunächst, dass für Computerspiele dasselbe gilt wie für andere Medien: Im Umgang mit ihnen (also in der Mediensozialisation) erwerben die Spieler auf die Medien selbst bezogene Kompetenzen. Insofern, so Fromme und Biermann in ihrem Aufsatz „Identitätsbildung und politische Sozialisation“ (in Druck), erwirbt man durch das Spielen von Computerspielen „computer literacy“ (wobei, wie die Autoren anmerken, es noch diskussionswürdig ist, ob man hier von einer allgemeinen Computer-Literarität sprechen kann, oder nur von einer „Computerspiel-Literarität“). Diese lasse sich von der durch die Printmedien geprägten Literarität dadurch unterscheiden, dass sie eher „visuell-räumlich“ als „verbal-symbolisch“ geprägt sei. Dem möchte ich nur hinzufügen, dass sie vor allem auch noch „visuell-symbolisch“ geprägt ist, wie auch schon die anderen visuellen Medien wie TV und Film. Dabei handelt es sich keinesfalls um eine triviale Literarität, sondern um eine, die in der heutigen Welt – in der nun mal vorrangig visuell kommuniziert wird – durchaus entscheidend.

Wenn man großzügig sein möchte, dann kann man also sagen, dass die „computer literacy“, die durch Computerspiele gefördert wird, durchaus als Medienkompetenz firmieren kann. Denn – selbst wenn man die „computer literacy“ nur als Computerspiel-Literarität“ auffasst – die Spieler tummeln sich heutzutage in einem Kosmos, der alle Medien umfasst, vielleicht abgesehen von den ganz traditionellen Printmedien. Sie lesen Foren, Wikis und Blogs, sind mitunter aktiv daran beteiligt, schauen sich Videos auf YouTube an oder veröffentlichen gar selbst welche , verfassen/lesen „Walkthroughs“, „Cheats“ und Tipps – kurz, um die meisten Spiele finden sich im Internet ganze Universen an „Sekundärliteratur/-filmen“ die voraussetzen, dass man alle Möglichkeiten von Computer und Internet ausnutzt.

Hier lässt sich gleich der nächste Punkt anknüpfen: viele der Seiten sind auf Englisch. Nun will ich nicht behaupten, dass Computerspieler durch das Spielen ihrer Spiele und den Besuch der damit zusammenhängenden Internetseiten lupenreines Schulenglisch lernen, doch immerhin so viel, um sich zu informieren und manchmal auch genug, um zu kommunizieren. Immerhin ist es in den meisten MMORPGs wie „World of Warcraft“ oder „Eve-Online“ unumgänglich mit anderen Spielern sich abzusprechen. Zugegeben, es gibt bei vielen MMORPGs auch deutschsprachige Server, doch gibt es auch rein englischsprachige.

Die Bereitschaft, sich mit englischsprachigen Spielen auseinanderzusetzen, hängt sicherlich auch vom je schon vorhandenen Schulenglisch ab und von der Motivation des jeweiligen Individuums … wissenschaftliche Untersuchungen kenne ich hierzu leider keine – es wäre gut, wenn das mal einer unter die Lupe nehmen würde.

Hier zeigt sich aber m. E. sehr schön, dass ein hinreichendes Maß an intrinsischem Interesse erstaunliche Lernbereitschaft zu Tage fördern kann.

Aber auch in anderen Spielen, wie z.B. dem Browserspiel „Power of Politics“ wird jedem ernsthaft interessierten Spieler schnell klar, dass er Erfolge und einen Aufstieg in der parteiinternen Hierarchie nur erreichen kann, wenn er sich sinnvoll und mit guten Argumenten im Forum präsentiert. Analphabeten mit primitiven Rumgeprole werden dort – wenn nicht gemobbt, so doch mit Verachtung gestraft. Neue Spieler erkennen das relativ schnell und bemühen sich daraufhin, gut strukturiert und nachvollziehbar zu argumentieren. Freiwillig! Selbst auf die Rechtschreibung wird auf einmal geachtet. Hier hilft es zu wissen, dass man seinen Forumsbeitrag erst in Word schreiben und mit der Rechtschreibhilfe korrigieren lassen kann, um ihn dann mit Copy & Paste ins Forum zu stellen! Gerade auch für englische Beiträge liefert Word geradezu umwerfende Ergebnisse … und wenn man es oft genug getan hat, wird man merken, dass man als halbwegs aufmerksamer Verfolger der Word-Korrekturen, die Wordhilfe immer weniger benötigt. Spätestens hier ergibt sich eine Schnittmenge von „Computerspiel-“ und „Computer-Literarität“.

Darüber hinaus loben Fromme/Biermann Spiele wie Civilization für ihre ungeheure Komplexität hinsichtlich des politischen Handelns, das in diesen Spielen dann auch je nach Art und Weise des Handelns unterschiedlichen Konsequenzen nach sich ziehe. Dies könne sowohl zu einem verstärkten Interesse an Politik führen und als auch das Verständnis für ihre Komplexität wecken. Vor allem heben die Autoren mit Gee hervor, dass Computerspiele systemisches Denken und die Berücksichtigung von Wechselwirkungen verschiedener Teilbereiche von den Spielern verlangen und dieses Denken bei den Spielern fördern.

Gee betont, dass dieses Denken von nahezu allen Computerspielen gefordert wird unabhängig von den spezifischen Inhalten.

Insofern kann man bis hierher zusammenfassend festhalten, dass die positiven Eigenschaften von Computerspielen in einem Kompetenzerwerb jenseits spezifischer Inhalte liegen (also kein positives Wissen produzieren). Sie fördern Techniken der Kommunikation, des Sozialverhaltens und Denkweisen, die in der heutigen Gesellschaft unabdingbar sind.

Allerdings, um die positiven Seiten nicht überzustrapazieren: Oft gibt es in den angeführten Foren, Wikis und Chats natürlich auch sogenannte Flame Wars, die deutlich zeigen, dass es mit dem Sozialverhalten oft genug nicht weit her ist. Dass es mit der Rechtschreibung und Grammatik oft nicht wirklich klappt, zeigt sich auch deutlich in vielen der Seiten mit „User-Generated Content“. Insofern denke ich, dass die intrinsische Motivation, die ja gerade anfangs dieses Artikels betont wurde, durchaus von der Unterweisung einer Lehrkraft profitieren kann. Außerdem, zu guter letzt: Eine Studie über das „Medienhandeln in Hauptschulmilieus“ hat in Bezug auf Computerspiele deutlich gezeigt, dass viele Hauptschüler mit den komplexen Zusammenhängen in vielen Computerspielen deutlich überfordert sind. Dies führt jedoch, so die Studie, nicht unbedingt zu einem Spielabbruch, sondern zu individuellen Umgangsweisen mit dem jeweiligen Spiel. Meist besteht diese individuelle Umgangsweise in drastischer Komplexitätsreduzierung. Insofern scheint eine gewisse Skepsis angebracht, was die oben beschriebenen positiven Eigenschaften von Computerspielen, auf die Gesamtheit aller Spieler bezogen, angeht.

Dazu mehr in Teil 3!

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Weltfinanzkrise und Musik-Charts der Aktienkurse – Politik- und Wirtschaftsunterricht einmal anders

1. Februar 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Weltfinanzkrise und Musik-Charts der Aktienkurse – Politik- und Wirtschaftsunterricht einmal anders

Aktienkurse purzeln, Blasen platzen, Musik liegt in dicker Luft, Gierhälse und Wendehälse schütteln Hände, Banken werden verstaatlicht, Politiker ringen nach neuen Worten und der Steuerzahler weint am Billionen-Grab. Da könnte der Unterricht, z.B. im Fach „Politik und Wirtschaft“ auch mal anders aussehen.

Kreative Übung: Zweimal das Video ansehen und gedanklich frei assoziierend Notizen anfertigen, 30 Minuten den eigenen Text nachbessern und im Kurs vorlesen oder im Blog veröffentlichen.

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Wünschelruten in der Bildungspolitik

21. Januar 2009 · von Miller · 4 Kommentare

Wünschelruten in der Bildungspolitik

In Hessen sind die politischen Würfel gefallen, in einigen Tagen liegt sicher ein „zukunftsweisender Koalitionsvertrag CDU/FDP“ vor, am neuen Regierungstisch nehmen neue und alte Köpfe Platz. Auch in den Ministerien werden einige Stühle gerückt; nicht unerheblich, wer die Ministerialdirigenten-Riege stellt. Die bildungspolitische Programmatik der Regierungspartner scheint kompatibel, die Schlüsselbegriffe wie Schulvielfalt (viergliedriges Schulsystem) erhalten, G8/G9 flexibel gestalten, mehr Lehrer einstellen, Ganztagsschulen ausbauen, selbstverantwortliche Schule entwickeln, fördern und fordern, Schulsanierungen voranbringen etc. sind mehrheitsfähig ausgependelt. Nur zwischen den Wünschen, Träumen, Absichten einerseits und den tatsächlich praktischen Umsetzungen, den konkreten Ausgestaltungen vor Ort andererseits klafft ein tiefer Spalt, auf dem bildungspolitisch verminten hessischen Gelände allemal. Ohne differenziertes Know-how und spürbare Begeisterung für eine neue Schulpolitik, ohne „Bürger-Engagement vor Ort“ läuft fast gar nichts. Dann ist Wiesbaden bisweilen so weit weg wie Wladiwostok. Selbst ein großer Geldregen und mehr Lehrer an den Schulen werden dann einfach unverbindlich, emotionslos und effektlos hingenommen.

Die neue Regierung wird wohl noch längere Zeit mit der zauberkräftigen Wünschelrute herumlaufen und z.B. die Anziehungskräfte und Ausstrahlungen der Hauptschule suchen. Ihr partieller Irrglaube verhindert den realistischen Blick: Längst sind viele Hauptschüler fortgelaufen, haben die Eltern mit den Füßen abgestimmt: Hauptschule ade. Der Aufbruch in ein zweigliedriges allgemeinbildendes Schulsystem – Gymnasium und Neue Schule (Gesamtschulen und Verbundschulen mit Varianten) – wird sich mittelfristig als historischer Kompromiss in Deutschland durchsetzen.

Aber auch die Opposition läuft ordentlich mit der Wünschelrute durchs Land. Zitternd schlägt der verborgene Goldschatz – „Eine Schule für alle“ – aus und wenn man gräbt bleibt Sand, auf den es sich nur sehr begrenzt bauen lässt. Bei der kleinen, sich noch selbst suchenden Linkspartei schlagen die Quellenspürer um in „Einheitsschule“ und Zwangsbeglückung für alle. Da helfen auch keine Dementis. Das politische Gespür und die Differenzierungsleistung des Volkes sind meist feiner als Politiker vermuten. Auch SPD und Grüne, gleichwohl sie im Grunde die Zweigliedrigkeit akzeptieren, erreichen mit ihrer Wünschelrute des gemeinsamen Lernens bis Klasse 10 nur die eigenen Anhänger. Nach 40-jährigem Kampf ist die Gesamtschule/ Gemeinschaftsschule in Hessen (wie auch immer die Wortakrobatik aussehen mag) nicht gescheitert, aber doch auf sehr begrenzter Reichweite vermessen. Der Platzhirsch, der Liebling ist das Gymnasium; auch hier hat die Bevölkerung längst mit den Füßen abgestimmt. Das Gymnasium ist die moderne Volksschule des 21. Jahrhunderts, das erfolgreiche Gymnasium garantiert am besten einen zukünftig angenehmen Status in der Gesellschaft und legt wesentliche Netze einer Bildung als angestrebte Selbstverwirklichung. Das Faktum der systematischen Ausgrenzung und Aussonderung vieler Kinder und Jugendlichen bleibt als Stigma (Tenorth-Interview) trotz alledem. Eine neue, erfolgreiche und heitere Unterwanderungsstrategie der aktuellen Schulpolitik ist jedoch noch nicht gefunden worden. Mit der Wünschelrute wird es nicht funktionieren, schon eher mit einer innovativen Internetpolitik, die die Zeichen und neuartigen Pfade einer komplexen Wissensgesellschaft verstanden hat. Bis dahin halten wir uns an Eichendorffs traditionsmächtige Wünschelrute von 1835:

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort.
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

Was könnte eine neue Dingpolitik sein? Das Dichterwort allein wird’s nicht richten können.

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Creative Commons – Kreatives Allgemeingut nicht beim Bundesverband der deutschen Industrie

4. Dezember 2008 · von frankmackay · 1 Kommentar

Creative Commons – Kreatives Allgemeingut nicht beim Bundesverband der deutschen Industrie

1. Eine Grafik

Quelle: Bundesarchiv - ADN-ZB Grafik 18.6.87-hee-Lesefreudigkeit der Schuljugend

2. Ein Film:

Team Deutschland – Münte aktuell: Das Gejammer muss aufhören!

3. Ideenliebe im Land der Ideen

Ideenliebe - Eine Kampagne des BDI

Ideenliebe - Eine Kampagne des BDI

Frage: Welche der 3 Medienangebote sind Creative Commons („Kreatives Allgemeingut“)?

Die erste Grafik (aus dem Jahr 1987 und der DDR) stammt vom Bundesarchiv und wird seit heute mit der Wikimedia als CC veröffentlicht. Dabei sind einige Spielregeln der Creative Commons zu beachten: Die Grafik kann verändert, vervielfältigt und verarbeitet werden, im weiteren muss der Rechteinhaber genannt werden. Das Bundesarchiv ist eine Einrichtung des Bundes, die mit Steuermitteln finanziert wird, der Münte Comic stammt von der nächsten öffentlichen Anstalt, dem Norddeutschen Rundfunk. Dieser stellt diese Comic Produktion zum freien Download bereit und informiert sehr ausführlich über die Möglichkeiten von CC.

Die Alternative: Creative Commons

Wer stattdessen kreative Werke nutzt, die unter einer Creative-Commons-Lizenz stehen, hat diese Probleme nicht. Creative Commons (CC, etwa „kreatives Allgemeingut“) ist eine Art Urheberrecht des Internet-Zeitalters, das auf die Herausforderungen der digitalen Technologien antwortet und eine flexiblere Handhabung von Urheberrechten erlaubt.

Selbst dieser zitierte Text steht unter CC. Aber hierbei kann das Werk nicht verändert werden, denn es steht unter 2.0 CC. Das bedeutet wir hören und sehen Münte bei YouTube nicht mit der Stimme von Schröder!

Wenn, denn, dann – denn Deutschland liegt bekanntlich im Land der Ideen. Die Kampagne läuft auch 2009 wieder und wie die Adventskalender zu Zeit, öffnet sich ab 1. Januar 2009  jeden Tag eine neue Idee – sehr schön in dieser Datei zusammengefasst. Neben der Bundesregierung ist der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) einer der Initiatoren und dieser rief auch die Initiative: „Ideenliebe“ im Frühjahr 2008 ins Leben. Letztlich geht es wohl darum, auch mit Unterrichtsmaterial, die Schüler anzuhalten geistiges Eigentum in ihrem Wert schätzen zu lernen und nicht zu klauen. Denn:

Gute Ideen sichern Deutschlands Zukunft. Oft fehlt jedoch der Respekt vor geistigem Eigentum. Fälscher schädigen Unternehmen und auch die Verbraucher, die nicht mehr zwischen Original und Kopie unterscheiden können. Der bundesweite Wettbewerb „Ideenliebe“ bringt das Thema in die Klassenzimmer: Schüler der Klassen 8 bis 10 sind aufgerufen, kreative Beiträge zum Schutz von Ideen zu entwickeln.

Man darf gespannt sein, welche Ergebnis ab Januar 2009 gezeigt werden. Das Medienecho bei Google ist eher gering. Nur beim SPIESSER, einer Jugendzeitschrift, tat sich eine Diskussion auf, warum der BDI mit seiner „Initiative“ den SPIESSER mit Inhalten unterstützt und dazu Onno am 20.11.2008:

Moin,
Ich finde in der Schule abschreiben hat wenig mit Ideenklau zu tun wie Pan es andeutet: Das Thema ist vorgegeben und es geht eigentlich nur darum es mit eigenen Worten wiederzugeben. […]

Mmh, ich denke, vielleicht beginnt ja der Nutzen
einer Idee bei einem selbst und wird so überhaupt erst für andere erkennbar und erhält so ihren Wert.?

Fazit: Ideenliebe im Land der Ideen ist kein kreatives Allgemeingut und der BDI keine öffentliche Einrichtung, aber ein Verein, der die öffentliche Meinung beeinflusst.

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Abitur verkauft – 7. Nachlese

21. Oktober 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Abitur verkauft – 7. Nachlese

Die hessichen Mühlen mahlen langsam oder stehen zurzeit still. Folgender neuer Sachstand:

1. Die Antwort der Landesregierung zur parlamentarischen Anfrage „Abitur verkauft“ wurde angeblich am 10.10. auf den Weg gebracht. Bis heute ist sie jedoch nicht bei der Parlamentariern angekommen. Irgendwo zwischen HKM, Staatskanzlei und Landtag schwirrt sie durch die Lüfte. Mal sehen, wann sie landet?

2. Internetveröffentlichungen von Abiaufgaben und Lösungen gibt es nach wie vor nicht. Bis dato auch keine zugesagten CDs für die Schulen im ersten 1. Bildungsweg.

3. Kleiner Lichtblick: Mit dem heutigen Tag haben die Schulen für Erwachsene (2. Bildungsweg: Abendgymnasien, Hessenkollegs, Abendhaut- und Abendrealschulen) je 15 CDs pro Schule bekommen: Landesprüfungen 2007 und 2008 mit Aufgaben, Materialien und Lösungshinweisen und das für das Abitur, den Hauptschul- und den Realschulanschluss. Spät, aber immerhin. Das deckt wohl nicht den Bedarf, ist aber zumindest ein bemerkenswerter Anfang. Weiter so, geht doch!

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