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Kafka und moderne Pädagogik

7. Januar 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Kafka und moderne Pädagogik

oder Schule, Mütter und Evaluationsagenturen
Wenn irgendein anscheinend vom Leben unbeleckter Knirps mit vollgestopfter Schultasche in der staatlich verordneten Gehirnerweiterungsmanege von nahezu unermüdlichen, nur das Beste wollenden pädagogischen Vorturnern monatelang ohne Unterbrechung systematisch belehrt würde, unentrinnbar begleitet von gierigen aalglatten Evaluationsagenturen mit immer neuen Aufgabensettings, Testreihen und auf jedes Detail fixierten Videoaufzeichnungen seiner mühevollen, aber erfolgsgetäfelten Genese, er, der Knirps, geschmacksneutrale Antidepressiva jeden Morgen schluckend , Zähne zusammenbeißend zu immer noch größeren, fast unglaublichen Leistungssteigerungen sich antreiben lassend, ständig begleitet vom immer wieder neu anschwellendem Beifallsklatschen der Professoren mit den grünen Gläsern und den extensiven Bildungsstandards in alleswissenden gestempelten Dokumenten verpackt, er, der Candide, unter heftigen Leibschmerzen sich krümmend, sich den schon völlig verwirrten Kopf haltend — ja, vielleicht eilte dann eine junge Mutter, begleitet von vielen anderen, in die angsteinflößende Anstalt des öffentlichen Rechts, risse alle Türen des pädagogischen Grauens auf und riefe das: Halt! unbeeindruckt von vordergründig trüben Blicken einer nicht genau zu identifizierenden Schulmasse.

Da es aber nicht so ist; ein freudestrahlender Götterfunken-Jüngling wie naturgegeben die frische freie Luft des Lernangebots einatmet, selbst in tiefere Gefilde mit seinem ganz eigenen Rhythmus eintauchend; hingebungsvoll unterstützt von an der Sache und dem Jüngling gleichermaßen interessierten weitblickenden Pädagogen; die großzügig angelegte, in animierende Farbenspiele getauchte bahnbrechende Architektur des Gebäudes geradezu zu Lernexperimenten, Dialogen und vielfältigen Kooperationen einlädt, gleichzeitig Rückzugsbereiche für Schüler und Lehrer mit individuellen Gestaltungsmöglichkeiten ausweist; die vorbildliche Teamarbeit schon beim Betreten dieses wunderbaren Gebäudes jedem Beobachter buchstäblich ins Auge springt; der Direktor sich in fast schon übermenschlicher Aufopferung um die bestmöglichen Rahmenbedingungen des Lernens, um „Geschichte und Eigensinn“, um Tradition und Innovation kümmert; Wissenschaftler nicht nur ihre geschliffenen Gläser auf eine breite Palette unterschiedlicher Farbfilter hin prüfen, sondern in einer weltoffenen und wertsensiblen Haltung ständig auf Interdisziplinarität und west-östliche Perspektivwechsel bedacht sind, auch nicht zu schade, in brenzligen Situationen, die Ärmel aufkrempelnd, selbst in die Schülermanege zu steigen und, falls notwendig, auch Hausmeister zu peinlichster Achtsamkeit für Schülerbelange zu ermahnen; der Schüler, der Jüngling, der Knirps geradezu wertgeschätzt wird, dass professionelle Pädagogen jedes Jahr von neuem, durch diesen von der Gesellschaft finanzierten Traumberuf, mit der nachwachsenden Generation zusammen arbeiten und lernen dürfen — da dies so ist, liegen viele junge Mütter in wattebepolsterten Hängematten, ihr ganz eigenes Mantra murmelnd, in einem rätselhaften Traum versinkend, das Gesicht vornüber gebeugt, mit schweren Tränen in ihren Augenwinkeln, die sie nicht wirklich bemerken.

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Homo symbolicus-ökologicus als neues Leitbild

22. Juni 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Homo symbolicus-ökologicus als neues Leitbild

Die alten drei Kantschen Fragen – Was kann ich wissen?, Was soll ich tun?, Was darf ich hoffen? – die in der vierten Frage kumulieren: Was ist der Mensch? – stellen sich heute vornehmlich nicht mehr als anthropologische Fragen, sondern als Fragen nach einer kommunikativen und ökologischen Ethik. Der Homo symbolicus-ökologicus als pädagogisch-gesellschaftliches Leitbild braucht eine ausgewiesene ethische Fundierung. Für ein solches Ethik-Verständnis ist Ausgangspunkt die Durchbrechung einer strengen Anthropozentrik und die kulturelle Einsicht der Notwendigkeit einer co-existenzialen Moral.
Denn: Die Natur selbst lehrt gar nichts, nur wir als denkende, fühlende, wollende Kulturwesen zerstören oder erhalten die Mitwelt.
Der Bildungswirt hat dazu im FREITAG eine Debatte angestoßen. Mehr …

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Frank Schirrmacher, Ludwig Börne und die deutsche Bildungspolitik

9. Juni 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Frank Schirrmacher, Ludwig Börne und die deutsche Bildungspolitik

Der FAZ-Herausgeber und Feuilleton-Chef Frank Schirrmacher erhielt gestern in Frankfurt den Ludwig-Börne-Preis 2009. Die alleinige Jurorin Necla Kelek verglich in ihrer Laudatio das publizistische Engagement Schirrmachers mit jenem des jüdischen Frankfurter Kritikers Ludwig Börne (1786-1837), dem Begründer des scharfzüngigen politischen Feuilletons. Es brauche den „radikalen Diskurs“, „um Debatten über Strittiges zu entfesseln“. Diese „Risikobereitschaft im Dienste der gesellschaftlichen Aufklärung“ verkörpere auch Schirrmacher. Mit dem Börne-Preis werden herausragende Leistungen auf den Gebieten Essay, Kritik und Reportage seit 1992 ausgezeichnet. So weit, so gut! Angeblich bedeutende Preise gibt es in der Republik jeden Tag, in regelmäßigen Kartellen wechseln sich Ausgezeichnete und Auszeichnende ab, vielfältige Meriten-Sammelstellen. Was ist hier bedeutsam? Was hat Frank Schirrmacher gesagt?

Ich nehme es allgemein vorweg: Gescheites, Bahnbrechendes, für Deutschland Revolutionäres:
Solidarität mit dem jungen Deutschland.
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Negative Aspekte von Computerspielen

5. Juni 2009 · von Tobias Bevc · 3 Kommentare

Negative Aspekte von Computerspielen

Teil 1: Machen Computerspiele süchtig?

Einer der Einwände gegen Computerspiele, der m. E. sehr schwer wiegt, ist wohl ihr Suchtpotential. Dieses Suchtpotential haben aufgrund der sozialen Komponente vor allem die MMORPGs, in geringerem Maße aber auch Einzelspielerspielen. Ob die Computerspielsucht tatsächlich als Sucht im medizinischen Sinne gelten kann, darüber streiten Experten.

Der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann ist der Auffassung, dass Computerspieler süchtig werden können und nennt dafür in seinem mit Gerald Hüther geschriebenen Buch „Computersüchtig“ eine Reihe von Gründen: die Möglichkeit Anerkennung zu finden, Kontakt zu Gleichgesinnten zu haben oder aber Abenteuer zu erleben, wird als dermaßen attraktiv empfunden, dass das Spielen zur Sucht werden kann. Denn Computerspiele seien Bedürfnisbefriedigungsmaschinen.

In einem Beitrag der BBC wird hingegen das Argument stark gemacht, dass viele der Spieler, die zu viel spielen, nicht als Süchtige zu bezeichnen sind, sondern als „compulsive Players“, also als Gewohnheitsspieler bzw. als zwanghafte Spieler. Solche Spieler benötigten eine andere Therapie als für Süchtige. Dennoch, darin sind sich die Experten einig, geht eine nicht zu unterschätzende Anziehungskraft von Computerspielen aus, die gerade Jungen gefährdet.
Spricht man mit Lehrern (das ist nun nicht repräsentativ!) hört man oft die Klage, dass die Schüler (nota bene: die männlichen Schüler) eigentlich nur noch ein Thema haben: Computerspiele. Und, dass sie den Eindruck haben, dass viele ihrer Schüler nur noch Computerspiele spielen in ihrer Freizeit.
Lassen wir einmal die Zahlen sprechen: laut JIM Studie 2008 liegt die durchschnittliche tägliche Spielzeit am Computer bei den Jungen wochentags bei 91 Minuten und am Wochenende bei 2 Stunden. Dazu kommt die Zeit, die diese Spieler verwenden, um entsprechende Zeitschriften zu lesen, einschlägige Internetseiten zu besuchen und eventuell selbst tatkräftig in Foren und Wikis aktiv zu sein. Also in der Tat ein zeitintensives Hobby.

Selbst wenn Computerspiele also nicht süchtig machen, rauben sie – so die Kritiker – also viel Zeit, die auf andere Weise vielleicht sinnvoller zu nutzen wäre: Schulaufgaben machen, Musizieren, Sport treiben etc. (dieses Argument wird vor allem von Prof. Pfeiffer angeführt). Aber wer bestimmt eigentlich, was sinnvoll(er) ist?

Die entscheidende Frage ist daher m.E.:
Was macht das reale Leben so unattraktiv, dass man sich derart intensiv ins Virtuelle stürzen muss?
Vielleicht kommt man der Antwort auch auf die Spur, indem man andersherum fragt: Was macht Computerspiele so attraktiv? Der Versuch, darauf Antworten zu geben, folgt in Teil 3. Das nächste Mal geht es erst einmal um einige weitere negative Aspekte von Computerspielen.

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Öffentlich-rechtliches Fernsehen und Bildungsauftrag

21. Mai 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Öffentlich-rechtliches Fernsehen und Bildungsauftrag

Fragen über Fragen:
Was leistet eigentlich das Fernsehen?
Was sind die nachvollziehbaren Qualitätsmaßstäbe, der gesellschaftliche Bildungsauftrag für ein demokratisches Gemeinwohl?

Gilt auch bei den gebührenfinanzierten TV-Anbietern ARD und ZDF nur noch die Quote, der alles umwirkende Tanz ums Goldene Kalb?

Kann bei der sich seit Jahren abzeichneten „zweiten Bildungskatastrophe“(nach Georg Pichts festgestellter Bildungskatastrophe von 1963) das Fernsehen einfach nach Gutdünken wegblenden und die Großbaustelle „Bildung und Erziehung“ der „Super-Nanny“, den Dschungel-Camps und den fragwürdigen Quizsendungen überlassen?

Was könnte das öffentlich-rechtliche Fernsehen zur Behebung der Bildungskrise tun?

Szenenwechsel
Ein jungdynamischer Vorstand einer großen internationalen Werbeagentur, mehrere Fernsehleute und ich diskutieren in der Kneipe Odyssee Kult, was denn die Kreativen und Medienverantwortlichen tun könnten, um Schwung in die zähe Schuldebatte zu bringen, um aus dem klebrigen parteipolitischen Schuldzuweisungs-Reformverhinderungs-Spiel auszubrechen. Was wäre ein sinnvoller Beitrag für die junge Generation, der medial öffentlichkeitswirksam begleitet wird?  Mehr dazu vom Bildungswirt im FREITAG-Blog. Diskutieren Sie mit!

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Gewalt und Bildungsniveau an Schulen?

11. Mai 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Gewalt und Bildungsniveau an Schulen?

Gewalt an Schulen ist ein großes Thema, die Suche nach dem Bildungsniveau – ja wo steckt es denn? -  ein noch größeres. Man kann sicher sagen: BILDUNGS-NIVEAU, das Dauerthema.

Die mündliche Rede, zumal die satirisch-beißende, ist dem normalen schriftlichen Text hier überlegen. Das Video ist tatsächlich eine tolle Errungenschaft und Dank Web 2.0 lässt es sich schnell in einen Blog einbauen.

Schauen wir doch, was Satiriker Georg Schramm zu diesen beiden Themen für ein Feuerwerk der Sprache und des Geistes entfacht. Vergleichen Sie mit Ihren eigenen Schulerfahrungen.

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Lernen: Konstruktionen im Kopf (1)

12. Dezember 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Lernen: Konstruktionen im Kopf (1)

Folgendes Interview stammt von brainlogs.de und ist mit Prof. Henning Scheich vom Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg.


Braincast 139 – Henning Scheich über Lernen from Anita Leyh on Vimeo.

“Mund, Auge und Penis sind nur Organe und nicht die Subjekte dieser Tätigkeiten – wie jedermann weiß.” Schreibt lisarosa in ihrem Blogbeitrag vom 9.12.2008

2. Teil folgt aus “Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft”.

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Geist und Gehirn denken – auch mit der FAZ

25. Juli 2008 · von Miller · 18 Kommentare

Geist und Gehirn denken – auch mit der FAZ

Elektronengehirn von fuchur 2007 bei Flickr Puzzlebrain auf Flickr von fuchur 2007

Seit 19. Juli läuft in der FAZ die alte/neue “Geist-Gehirn-Debatte” und am 25. Juli kumuliert die Sache vorläufig in: “Vor dem Richterstuhl der Vernunft“. Um was geht es?

Auf der personalen Ebene: Singer gegen Janich.
Der international bekannte Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer steht gegen den renommierten Marburger Philosophen Peter Janich im Streit um Ergebnisse und Interpretationen der neuesten Hirnforschung. Der abgedruckte Briefwechsel löste wiederum eine Flut von qualifizierten Leser-Bloggerbeiträgen aus.

Auf der inhaltlichen Ebene: unterschiedliche Wissenschaftsverständnisse und komplexe Sprachspiele.
Singer ist argumentationsmüde und will den eher zermürbenden Austausch von Argumenten ersetzen durch ein “gemeinsam konzipiertes und gemeinsam durchgeführtes Experiment” mit der Pointe an Janich: “Bitte schlagen Sie ein Experiment vor, mit dem die These falsifiziert werden kann, dass alle (“geistigen”) Phänomene auf neuronalen Prozessen beruhen und folglich diesen nach- und nicht vorgängig sind.” Im Klartext: Am besten, du Philosoph, lass dich in den Tomographen schieben und wir werden sehen, ob es einen “immateriellen Agenten” gibt, dessen “Gedanken und Entscheidungen neuronale Prozesse im eigenen Gehirn anstoßen” oder ob doch aller Geist auf der materiellen Basis “Gehirn” beruht. Janisch wiederum kontert, indem er Singer vorwirft, dass er nicht verstehe, was er eigentlich tue. “Nicht Hirne erforschen Hirne durch bloße neuronale Aktivität, sondern da muss in die Welt der Dinge mit Händen eingegriffen werden, und zwar nach Regeln.” Er verweist auf Singers ungeklärtes Lieblingswort “beruhen” und will ihn, Wittgenstein geschult, auf eine Sprachreflexionsebene locken. Er weist zudem moralisch entrüstet den Vorschlag zurück, ihn “persönlich zum Objekt Ihrer Laborverfahren zu machen.”
Petra Gehring, Philosophieprofessorin, springt in ihrem Beitrag “Was der Neurowissenschaftler Singer nicht gelernt hat” (24.07.) sprachphilosophisch und wissenschaftstheoretisch Janich bei und prangert die “gnadenlose Naivität des Neurowissenschaftlers” frech-forsch an. Hans J. Markowitsch, Professor für physiologische Psychologie, versucht vermittelnd mit seinem Beitrag “Ohne Gehirn kein Denken” (22.07.) einzugreifen, indirekt aber mehr Singer zu stützen.
Naja, “Ohne Gehirn kein Denken”, da wären wir aber selbst nicht drauf gekommen und schöne Glasperlenspiele gibt es fast überall. Zu allem gibt es eine Menge qualifizierter Beiträge aus der Leserschaft oder Blogosphäre. Stellvertretend will ich die Beiträge von Uwe Paulsen (Wohlmeinender) hervorheben, die zusätzlich in die Welt der Thermodynamik einführen und die These von der “seamless web of cause and effect” scharf zurückweisen. Eine Gegenposition bezieht wiederum Heinz Georg Schuster “Ideen haben eine materielle Basis im Gehirn”.
Wie auch immer neuronale Aktivierungsmuster beobachtet und beschrieben werden, das Hirn-Energiegestöber via FAZ scheint zu funktionieren; das gilt für die Kontrahenten und die Mit-Diskutanten.

Zum vorläufigen Abschluss greift Michael Pawlik, Professor für Strafrecht, mit seinem Beitrag “Vor dem Richterstuhl der Vernunft” (25.07.) in die Debatte ein. Ja, das Verfahrensrecht und das komplexe Elend der Beweislast, ja, so richtert die Vernunft durchs Wissenschaftsland.
Nur, was tun, wenn sich die Kontrahenten nicht auf das Verfahren der “Beweise” einigen können, sich auf andere, inkommensurable Wissenstraditionen stützen und den wechselseitigen Geburten, manchmal Ungeheuern der Vernünfte nicht trauen?
Pawlik ist sichtlich bemüht “ein ernsthaftes Gespräch über den wissenschaftstheoretischen Status der experimentellen Hirnforschung” zu initiieren, denn “beide Seiten könnten zu lernen haben.” Wohl wahr! Nur lassen dies die Eigenschwingungen der interaktiven neuronalen Erregungsnetze zu? Wenn es denn wider erwarten doch zum Prozess kommen sollte, so hat den Richtervorsitz – so mein Vorschlag – der Kollege Humor inne. Beisitzer in den Verhandlungen sind: a) Vernunft 1, b) Vernunft 2, c) Kollege Körperfreuden mit ausgedehnten Hirnfunktionen.
Bei einer Pattsituation der Entscheidung wird das Verfahren auf unbestimmte Zeit vertagt. Unterhändler beider Seiten könnten sich in der Zwischenzeit an Traditionstexten der Philosophie abarbeiten, z.B. an Friedrich Nietzsche (1878/1886), Menschliches, Allzumenschliches, Zweiter Band, Zweite Abteilung: Der Wanderer und sein Schatten, insbesondere Bemerkung (21) Der Mensch als der Messende, (23) Ob die Anhänger der Lehre vom freien Willen strafen dürfen? und (24) Zur Beurteilung des Verbrechers und seines Richters.
Im Gegenzug beschäftigen sich die Unterhändler mit “Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog: Wolf Singer/ Matthieu Ricard, 2008″. Der buddhistische Mönch Ricard hat sich Dank seines buddhistischen Grundlächelns in der Welt auch im Singer’schen Labor eingefunden und bereitwillig seine neuronalen Aktivitätsmuster während der Meditation aufzeichnen lassen. Für ihn, der sich seines reinen Gewahrseins sicher ist, bestätigen die Maschinenmessungen (z.B. Zunahme synchroner Gamma-Oszillationen) nur das, was eine 2500-jährige Tradition eh schon weiß: Meta-Bewusstsein durch Introspektion ist real herstellbar als absolute Aufmerksamkeit, gerichtet auf hirninterne Vorgänge. Durch Meditation können neue mentale Zustände hergestellt und gelernt werden, die auch später willentlich wieder aktiviert werden können. Also, es gibt ihn doch den “freien Willen”, die willentliche Selbstreferenzialität der Gehirnschleifen, aufgelöst im Meta-Bewusstsein. Die bewusste Herstellung klarer und stabiler Geisteszustände ist eben etwas anderes als das interne (unbewusste) Geplapper neuronal messbarer Aktivitätsmuster. Geist ist nicht identisch mit Gehirn und Weisheit hat eben andere Kriterien als Wissenschaft. Wolf Singer dürfte das (inzwischen?) auch so sehen!

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