Maradona weint. Argentinien geschlagen, am Boden zerstört. Deutschland in Hochstimmung, das zweite Wunder im Visier. Alles ist möglich. Deutschland wird Fußballweltmeister 2010. Deutschland schlägt Spanien und im Finale Holland. So könnte es werden, Merkel mitten drin, jubelt unseren Jungs zu, klatscht auf ihre ganz besondere Art Beifall im roten Jacket. Ein nationales Sommermärchen im politischen Sommerloch. Merkel ist die Mitte. “Wir sind die Mitte” und alles flach durch die Mitte. Auch der neue Bundespräsident schaut zu, klatscht, freut sich für Deutschland und die Republik wird doch nicht vergauckelt.
Schon vor zwei Jahren, zur Fußball-Europameisterschaft, gab es im Bildungswirt tiefschürfende Erkenntnisse rund ums heißbegehrte Leder, dazu Metaphernfeuerwerke. Fußball ist eben immer brandaktuell, das Spiel der Spiele.
Fußballerisches Gelingen und in Hessen erholsame Ferien wünscht das Bildungswirt-Team. Der Bildungswirt geht selbst in die kreative Sommerpause bis Mitte August.
Das Spiel gegen Spanien am Mittwoch (7.7.) und das Endspiel am Sonntag (11.7.) wird selbstverständlich auf der Großleinwand im Frankfurter Nordend geschaut.
Nachtrag, 11.Juli:
Neidlose Anerkennung: Die Spanier waren eben doch die beste Mannschaft des Turniers und zurecht Weltmeister 2010. Die Holländer hielt ganz gut mit, flüchteten sich aber zunehmend in bitterböse Fouls. In der 116. Minute war die Niederlage besiegelt: Spanien – Holland 1:0.
Aber “unsere Jungs” waren als Dritter auch nicht schlecht. Deutschland – Uruguay 3:2.
WM 2014 in Brasilien kommt Deutschland ins Finale!
“Wir pfeifen nicht nach ihrer Tanze” …Politik ist Entertainement, wenn es gerade nicht um Lobbyismus und Interessensdurchsetzungen geht.Vernunft ist in der Welt, selten herrscht sie.
Sprache ist Manipulations- und Befreiungsinstrument zugleich. Sprache ist Spiegel der Welt. Sprache ist geronnene Erfahrung.
Die Sprache der Politik, ihre besondere Rhetorik ist immer eine Beschäftigung wert.
10 goldene Regeln für den professionellen Sprecher
Der neue Bericht “Bildung in Deutschland 2010″, morgen mit Inbrust der neuen Erkenntnis im Auftrag der Bundesregierung vorgetragen, wird übermorgen die Zeitungen füllen, mal als Neuheit, mal als Kalauer.
Eine nahezu ausweglose Situation: Hochverschuldet, durch internationale Spekulation weiter verschärft. Wirtschaftskrise, Stagnation bei gleichzeitig hartem Sparprogramm. Der Kollaps steht bevor. Die Rettungspakete von 45 Milliarden Euro ab 19.Mai durch die EU und den Internationalen Währungsfond verschaffen nur kurzfristig Luft.
Nach dem Aufstand am 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbandes
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, dass das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch doppelte Arbeit
Zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte einfach ein Anderes?
Bertolt Brecht, 1953
Die DDR ist eingemeindet, wen interessiert da noch der Aufstand vom 17.Juni 1953? Die Integration ist abgeschlossen, blühende Landschaften, soweit die Brille hält. Jetzt wird ab 2009 und zukünftig so lange gewählt, bis uns das Ergebnis in Gesamtdeutschland passt. Wollt ihr die Große Koalition? Genau, so geht’s weiter im Land.
Lösen Sie sich auf oder kommentieren Sie z.B. im Bildungswirt. Was meint hier das Volk?
Es gibt bedeutende Reden von Spitzenpolitikern aus dem Dreamteam, die einfach immer aktuell bleiben, ob zum Osterhasen, Christkind oder zur Fasnacht. Überzeugen Sie sich selbst!
Bis zur Bundestagswahl werden wir noch zahlreiche Varianten solcher Spitzenleistungen hören. Frauen und Männer schenken sich dabei nichts.
Man kennt die vielen Beamtenwitze: Wie nennt man einen Beamtenwindhund?
– Eine Schildkröte. Was haben Sie eigentlich gegen Beamte? – Die tun doch gar nichts. Was ist Beamtenmikado? – Wer sich zu erst bewegt, hat verloren.
Schön wäre es, wenn der Witz zutreffen würde. Vieles wäre leichter zu reformieren. Doch in einem Kultusministerium und in Oberschulämtern (oder vergleichbarer Behörde) weht oft genug ein anderer Wind. Hektische Betriebsamkeit, Zuständigkeitsmarathon, Dauerstress für viele, Berge von Akten, Tausende von Mails, Konferenzen, Beratungen, Telefonate, Stellungnahmen, Berichte, Vorlagen – für den Minister, den Staatssekretär, den Ministerialdirigenten, den Leitenden Ministerialrat, den Amtsjuristen, den Referatsleiter, die hierarchische Hühnerleiter hoch und wieder runter. Dazu Anfragen von Landtagsabgeordneten, Lobbyisten, Personalräten, der Presse, engagierten Eltern – und das ganze Karussell von neuem. Die entscheidenden Fragen, ob das ganze Unterfangen sinnvoll und noch zeitgemäß ist, der Arbeitsaufwand sich rentiert, die Organisation und Zuständigkeitsbereiche sachlogisch sind, stellt in diesem latent angstbesetzten Hamsterrad kaum noch jemand – dafür ist keine Zeit vorgesehen. Zur persönlichen Entlastung werden aber raffinierte Strategien der Arbeitsabwälzung entwickelt …mehr dazu: Hier
Die Bundesrepublik Deutschland wird 60, die Mauer ist durch Massenproteste und einen gewieften Einheitskanzler Kohl vor 20 Jahren gefallen. Im Jubel des ganzen Jahres 2009 (ja wo laufen denn die jubelnden, heiteren, befreiten Menschen in Ost und West?) wird nebenbei 1945-49 vergessen. “Mein Deutschland” heißt die große Serie in der ZEIT, die gestern gestartet wurde.
Was der Bildungswirt dazu u.a. meint, lesen Sie hier.
Der Politapparatschik Günter Schabowski stammelte am 09.Nov. 1989 zur Maueröffnung: “Das trifft nach meiner Kenntnis … ist sofort, unverzüglich.” Die ZEIT meint doch, dass er “Weltgeschichte” geschrieben hätte. Mit Verlaub, 3 Tage später wäre ein anderer SED-Betonkopf gekommen … Der Treppenwitz-Geschichtsgestalter kommt zur späten Einsicht: “Letztlich hatte der Mauerfall neben seinem weltverändernen Impuls auch den Beton in einem Parteikopf bersten lassen – in meinem eigenen.” Immerhin. In den nächsten Monaten werden vielschichtige Versionen der Geschichte auf uns niederrieseln. Auch Bert Brechts “Fragen eines lesenden Arbeiters” könnte mal wieder herausgezogen werden.
Aufgabe: Untersuchen Sie das dargebotene Bildmaterial. Schreiben Sie Ihre Ergebnisse in den Kommentar.
Hausaufgabe: Deutschland wohin? Freie Textproduktion und Kreativität
Nein, es geht nicht primär um Schule und Schüler. Auch Politiker, Manager, Aufsichtsräte, Lehrer oder Spitzenbeamte in weitverzweigten Institutionen sollen doch ihre überfälligen Hausaufgaben machen. Grundlegende Probleme im gesellschaftlichen Raum schreien geradezu nach angemessenen Lösungen.
Jeder kann mit seinem Einfallsreichtum – ohne Noten und Selektionsdruck – in freier Textproduktion seine Lösungen zur Geltung bringen. Als warming-up, als Lockerungsübung für Abiturienten (und die es noch werden wollen oder schon sind) stellt sich folgende Aufgabe: Formuliere einen politischen Text deiner Wahl und benutze dabei mindestens 10 der angebotenen Wörter/ Wortfetzen:
Finanzkrise – kommunikativer Sound der Worttäuscher – Freiheit und Verantwortung – Marktwirtschaft – Inkompetenzkompetenzkompetenz – Dada – finanzpolitische Hasardeure und Kriminelle – Wegschaukünstler – schlafende Hunde – Lufthunde – Skandal – wirtschaftspolitische Tiefflieger – Spekulantenkabinette – Superhirne – Hoffnungsschimmer – Hausaufgabenverweigerer – kompetenzgeschwängerte Schlüsselqualifizierte – Bildungsgipfel – blaue Briefe – Internetabstinenzler – Nobelpreisverdächtige – Narrenschiffsüchtige – mit dem Kopf durch die Wand – aus dem Häuschen geraten - auf Sicht fahren- American Dream – Obama-Effekt – nach unten offene Peinlichkeitsskala – Globalisierung - Vaterland – Muttersprache - Deutschland
Bedenke dabei: Welche Textsorte strebst du an, z.B. Bericht, Essay, Satire, Glosse, Kommentar, Pressemitteilung, Tagebucheintrag, Gedicht, Popsong? Wer ist die Zielgruppe? Wie lange soll dein Text werden?
Wenn du Lust hast, kannst du auch direkt im Blog unter „Kommentar“ deinen Text veröffentlichen.
Bei Bedarf noch eine kleine filmische Anregung, Beispiel Finanzkrise: