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Dreamteam Deutschland: Osterrede 2009

11. April 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Dreamteam Deutschland: Osterrede 2009

Es gibt bedeutende Reden von Spitzenpolitikern aus dem Dreamteam, die einfach immer aktuell bleiben, ob zum Osterhasen, Christkind oder zur Fasnacht. Überzeugen Sie sich selbst!

Bis zur Bundestagswahl werden wir noch zahlreiche Varianten solcher Spitzenleistungen hören. Frauen und Männer schenken sich dabei nichts.

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Bildung und Gastronomie (3)

4. Februar 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Bildung und Gastronomie (3)

oder SPD, Ypsilanti-Sturz und Kneipe

Die Kneipe gehört zu den bedeutendsten sozialen und kulturellen Institutionen des gesellschaftlichen Lebens. In ihr wird nicht nur politisiert, sondern auch regelmäßig Politik gemacht; Entscheidungen fallen im kleinen Kreis, in gut informierten informellen Zirkeln – vieles muss dann auch ritualisiert begossen werden. Das gilt für alle politischen Felder. Auch „werte Genossinnen und Genossen“  haben definitiv den Ypsilanti-Sturz in der Kneipe vorbesprochen. Wo? Das bleibt vorerst ein Geheimnis.

Ab morgen ist jedenfalls in Hessen wieder eine gewählte Landesregierung mit satter CDU-FDP-Parlamentsmehrheit im Amt. Und die SPD? Die mitgenommene Truppe sitzt im politischen Keller und leckt sich ihre Wunden ob des autoaggressiven Verhaltens. Sie rätselt über ihre meisterhafte Selbstzerlegung. Ein Trost: Der Aufwind kommt bestimmt und auch der politische Gegner macht in Zukunft strategische Fehler.

Was lernt daraus der Oberstufenschüler im Politikunterricht? Beschäftige dich frühzeitig mit der „Gewissensfreiheit“ der Parlamentarier. Wie funktionieren die strategischen Spiele auf der politischen Bühne? Und : „Ein gutes Mitglied des Parlaments zu sein ist keine leichte Aufgabe; besonders in dieser Zeit, in der eine starke Neigung besteht, sich in einen gefährlichen Grad von sklavischer Willfährigkeit oder zügelloser Popularität zu stürzen.“  (Edmund Burke: 1729 – 1797)

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Wünschelruten in der Bildungspolitik

21. Januar 2009 · von Miller · 4 Kommentare

Wünschelruten in der Bildungspolitik

In Hessen sind die politischen Würfel gefallen, in einigen Tagen liegt sicher ein „zukunftsweisender Koalitionsvertrag CDU/FDP“ vor, am neuen Regierungstisch nehmen neue und alte Köpfe Platz. Auch in den Ministerien werden einige Stühle gerückt; nicht unerheblich, wer die Ministerialdirigenten-Riege stellt. Die bildungspolitische Programmatik der Regierungspartner scheint kompatibel, die Schlüsselbegriffe wie Schulvielfalt (viergliedriges Schulsystem) erhalten, G8/G9 flexibel gestalten, mehr Lehrer einstellen, Ganztagsschulen ausbauen, selbstverantwortliche Schule entwickeln, fördern und fordern, Schulsanierungen voranbringen etc. sind mehrheitsfähig ausgependelt. Nur zwischen den Wünschen, Träumen, Absichten einerseits und den tatsächlich praktischen Umsetzungen, den konkreten Ausgestaltungen vor Ort andererseits klafft ein tiefer Spalt, auf dem bildungspolitisch verminten hessischen Gelände allemal. Ohne differenziertes Know-how und spürbare Begeisterung für eine neue Schulpolitik, ohne „Bürger-Engagement vor Ort“ läuft fast gar nichts. Dann ist Wiesbaden bisweilen so weit weg wie Wladiwostok. Selbst ein großer Geldregen und mehr Lehrer an den Schulen werden dann einfach unverbindlich, emotionslos und effektlos hingenommen.

Die neue Regierung wird wohl noch längere Zeit mit der zauberkräftigen Wünschelrute herumlaufen und z.B. die Anziehungskräfte und Ausstrahlungen der Hauptschule suchen. Ihr partieller Irrglaube verhindert den realistischen Blick: Längst sind viele Hauptschüler fortgelaufen, haben die Eltern mit den Füßen abgestimmt: Hauptschule ade. Der Aufbruch in ein zweigliedriges allgemeinbildendes Schulsystem – Gymnasium und Neue Schule (Gesamtschulen und Verbundschulen mit Varianten) – wird sich mittelfristig als historischer Kompromiss in Deutschland durchsetzen.

Aber auch die Opposition läuft ordentlich mit der Wünschelrute durchs Land. Zitternd schlägt der verborgene Goldschatz – „Eine Schule für alle“ – aus und wenn man gräbt bleibt Sand, auf den es sich nur sehr begrenzt bauen lässt. Bei der kleinen, sich noch selbst suchenden Linkspartei schlagen die Quellenspürer um in „Einheitsschule“ und Zwangsbeglückung für alle. Da helfen auch keine Dementis. Das politische Gespür und die Differenzierungsleistung des Volkes sind meist feiner als Politiker vermuten. Auch SPD und Grüne, gleichwohl sie im Grunde die Zweigliedrigkeit akzeptieren, erreichen mit ihrer Wünschelrute des gemeinsamen Lernens bis Klasse 10 nur die eigenen Anhänger. Nach 40-jährigem Kampf ist die Gesamtschule/ Gemeinschaftsschule in Hessen (wie auch immer die Wortakrobatik aussehen mag) nicht gescheitert, aber doch auf sehr begrenzter Reichweite vermessen. Der Platzhirsch, der Liebling ist das Gymnasium; auch hier hat die Bevölkerung längst mit den Füßen abgestimmt. Das Gymnasium ist die moderne Volksschule des 21. Jahrhunderts, das erfolgreiche Gymnasium garantiert am besten einen zukünftig angenehmen Status in der Gesellschaft und legt wesentliche Netze einer Bildung als angestrebte Selbstverwirklichung. Das Faktum der systematischen Ausgrenzung und Aussonderung vieler Kinder und Jugendlichen bleibt als Stigma (Tenorth-Interview) trotz alledem. Eine neue, erfolgreiche und heitere Unterwanderungsstrategie der aktuellen Schulpolitik ist jedoch noch nicht gefunden worden. Mit der Wünschelrute wird es nicht funktionieren, schon eher mit einer innovativen Internetpolitik, die die Zeichen und neuartigen Pfade einer komplexen Wissensgesellschaft verstanden hat. Bis dahin halten wir uns an Eichendorffs traditionsmächtige Wünschelrute von 1835:

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort.
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

Was könnte eine neue Dingpolitik sein? Das Dichterwort allein wird’s nicht richten können.

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Das Banzer-Wagner-Duell der hessischen Bildungspolitik

10. Januar 2009 · von Miller · 4 Kommentare

Das Banzer-Wagner-Duell der hessischen Bildungspolitik

Wer hat die besseren Konzepte für die Schule von Morgen? – so das Veranstaltungsthema.

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von links: Mathias Wagner (Grüne), Marcus Bocklet (Grüne, Moderation), Jürgen Banzer (CDU) Foto: Bildungswirt

Was hatten die Duellanten – Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) und Mathias Wagner (Grüne, bildungspolitischer Sprecher) – gestern vor 100 Zuhörern in Frankfurt, in der grünen Hochburg, mitten im hessischen Wahlkampf zu bieten?
Zunächst bescheinigten sie sich wechselseitig, dass man einen „neuen Politikstil der Offenheit“ wolle und sich für „dialogfähig“ halte. Banzer löste dies insofern vorab ein, dass er den Grünen-Moderator Bocklet ohne Vorbehalte akzeptierte und sich der grün dominierten Zuhörerschaft stellte. Man war auf dem Podium höflich, man kennt sich seit vielen Jahren, mischte Anekdotisches bei.
Im Eingangsstatement betonte Banzer drei Punkte zukünftiger Schulpolitik: mehr Selbständigkeit der Schulen (1), mehr Qualität und Unterrichtsverbesserung (2), mehr Ressourcen (3). Er will Schulen auf freiwilliger Basis in „Körperschaften des Öffentliche Rechts“ verwandeln, ihnen Budget- und Personalhoheit geben. Pädagogische Selbständigkeit wird den Schulen gewährleistet, damit sie sich optimal um die Kompetenzen jedes einzelnen Schülers kümmern können. Zentrale Landesprüfungen und Bildungsstandards genügen weitgehend als staatliche Vorgaben.

Wagner betonte in seinem Eingangsstatement folgende drei Punkte: mehr Zeit (1), mehr Freiheit (2), mehr Unterstützung/Förderung (3). Zuerst müsse „Stress und Hektik aus der Schule weg“ und eine „bessere Lehrerversorgung – 105% Zuweisung her“; des weiteren eine Ausweitung der Ganztagsschulen auf freiwilliger Basis. Er setze auf „pädagogische und organisatorische Freiheiten“, eine „andere Lehreraus- und Lehrerfortbildung“ und will mehr Integration von Behinderten in der Regelklasse. Grundsätzlich stehe man zur G8 –Verkürzung im Gymnasium, wolle aber die Beibehaltung der 6-jährigen Mittelstufe und dafür die 2-jährigen Oberstufe. Wagner und Banzer waren sich einig, dass G9 für die kooperative Gesamtschulen gilt und dass es bei G8 noch enormen Diskussionsbedarf (Organisationsoptimierungen, Stoffentfrachtungen) unter Einbeziehung der Schulen gebe. Auch bei der Ganztagsschule gab es Annäherung (im Grundsatz sind alle dafür), lediglich bei der konkreten Ausgestaltung und beim Tempo der Realisierung waren Differenzen erkennbar.

Plakat zur Veranstaltung

Plakat zur Veranstaltung

Zwischendurch fragte sich der geneigte Zuhörer, worin überhaupt die wirkliche Differenz bestehe? Im Grundsatz meinte man Ähnliches und schmückte dies mit geschmäcklerisch, aufgebauschten Varianten einer Klientel-Rhetorik. Ein Duell der Pistolen war das sicher nicht, eher eines der weichen Gummi-Schwerter unter Verwandten zweiten Grades. Sollte es ganz knapp doch nicht für Schwarz-Gelb am 18. Januar reichen– und beim freundlich unkalkulierbaren Hessen weiß man nie – so war der Geruch von Jamaika (Schwarz-Gelb-Grün) förmlich in der Luft. Es soll auf jeden Fall 1000 Lehrerstellen mehr geben und 1,2 Milliarden Euro aus dem Konjunkturprogramm des Bundes. Die Investitionen sollen vor allem in die Schulgebäudesanierung fließen. Der ernsthafte Dialog, der „runde Tisch“ mit den Schulträgern sei zwingend nötig, so Wagner und Banzer unisono. Beide Duellanten begaben sich auch in der kurzen Publikumsdiskussion nirgends aufs Glatteis; Banzer hatte offensichtlich noch einmal seinen John Stuart Mill gelesen, argumentierte flexibel, immer auf individuelle Freiheit und „Freiwilligkeit“ bedacht. Schulen wolle man nichts „überstülpen“ und könne Schulreform nur mit den Beteiligten auf freiwilliger Basis erreichen, so auch Wagner.

Die beiden Duellanten, besser Feldspieler im politischen Raum, trennten sich 3:3 unentschieden, trotz grünem Platzvorteil.

PS. Es war ein bisschen wie bei der Frankfurter Eintracht im Waldstadion. Super vorbereitet, hoch motiviert, eigenes Publikum, Schiri wohlgesonnen und doch reichte es mal wieder nur zu einem zittrigen Unentschieden. Es fehlte doch einiges an Neuerungen und Leidenschaft a la Klinsmann. Auf das politische Feld übertragen: Es fehlt den Grünen etwas von einer guten Tugend: kritische Metareflexion und kreative Phantasie, die sich direkt, situativ, im Strategiespiel zeigt. Die CDU hat jedenfalls mit der Führungsfigur Banzer, nach der letzten hessischen Wahlschlappe, erheblich strategisch und taktisch dazu gelernt.

Links: M. Wagner bei Kandidatenwatch; J. Banzer bei Kandidatenwatch;

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Politisch neu wählen und der freundlich unkalkulierbare Hesse

7. November 2008 · von Miller · 10 Kommentare

Politisch neu wählen und der freundlich unkalkulierbare Hesse

Ein kurzer, heftiger Wahlkampf bis zum 18. Januar steht in Hessen bevor. Um die Gunst des Wahlvolks, die freundlich unkalkulierbaren Hessinnen und Hessen, bewerben sich die Spitzenkandidaten Mani Schaub (SPD), Roland Koch (CDU), Tarek Al-Wazir (Grüne), Jörg-Uwe Hahn (FDP) und Willi van Ooyen (Die Linke). Keine Partei im Fünf- Pateien-System kann sich sicher sein, dass ihre Kandidaten, ihre Programmatik und ihre politische Rhetorik am Wahltag die ersehnten Stimmen einfahren. Gesteuerte Meinungsumfragen und das tatsächliche Wahlergebnis waren in Hessen immer schon zwei Paar Schuhe.

Nur CDU und die Linke schließen sich wechselseitig aus. Ansonsten ist nur klar, dass diesmal ausgeschlossen wird, dass man im politischen Farbenspiel nichts ausschließt. Immerhin! Klar dürfte auch sein, dass der Hesse an sich keine deutsche graue Grummelgriesgram-Politik gebrauchen kann. Er braucht aber auch keinen Rückgriff auf amerikanisches Gestammel vom Schlage „all is nice, beautiful, wonderful, I like it, I love you with fast food, coke and icecream, enjoy your meal ..“ Nein, ein amerikanischer Konformismus der Sprechblasen- und Esskultur braucht in Europa niemand. Zurzeit von Amerika lernen, nicht nur von der Lichtgestalt Obama, könnte heißen: mehr Begeisterung in der Politik, Demokratie wagen. Oder wie es die 106-jährige Amerikanerin Ann Nixon Cooper als Geheimnis ihres langen Lebens sagt: „Dont worry, be happy und immer eine dicke Lippe riskieren.“ Der Hesse an sich ist dafür empfänglich von Heppenheim über Frankfurt bis Eschwege.

In der Bildungs- und Schulpolitik sollte vor allem eins von allen Parteien besser verstanden werden: 20.000 Lehrerinnen und Lehrer gehen in den nächsten Jahren in die verdiente Pension. Deshalb brauchen wir endlich eine neue Strategie der Personalgewinung und der innovativen Lehrerausbildung. Auf den Lehrer kommt es an – ein Loblied auf die pädagogische Vernunft, die das 21. Jahrhundert im Blickfeld hat.

Nachtrag am 8.November: Aus dem Hut gezaubert: Thorsten Schäfer-Gumbel als neuer unbekannter SPD-Spitzenkandidat. Opferkandidat und doch politisches Talent? Mehr dazu in den Kommentaren.

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Der Hesse an sich bleibt unkalkulierbar

3. November 2008 · von Miller · 3 Kommentare

Der Hesse an sich bleibt unkalkulierbar
Paul Weber: Der Schlag ins Leere (1934/1951); Quelle: A. Paul Weber - Museum

Paul Weber: Der Schlag ins Leere (1934/1951); Quelle: A. Paul Weber - Museum

Jeder Polit-Zocker muss auch verlieren können. Sind nun die vier SPD-Abweichler die Helden oder die Huren von Hessen? Wer verkauft hier eigentlich wen oder was?

Die Begriffe Gewissen, Glauben, Grundüberzeugung, Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Treue werden schwer geschunden; jeder Akteur der Stunde ganz inbrünstig, zeitvergessen, in seiner dünnwandigen Egotrip-Blase gefangen. Anfangskapitel einer neue politischen Kultur der schwadronierenden Kaltschnäuzigkeit?

Nach dem großen Suff im Vorhof der Macht und der ex ante –Verteilung der Posten kommt naturgesetzlich der schwere Kater. Morgen, beim 2. Katerfrühstück, bleiben erneut die pragmatischen Fragen: Wie weiter in den nächsten vier Monaten? Augen-zu-Durchhalte-Abgrenzparolen? Notwendiger Haushaltsbeschluss im Landtag? Neuwahlen? Und weiter Narrenspiele?
„Jeder Fehler erscheint unglaublich dumm, wenn andere ihn begehen.“ Und: „Ordnung führt zu Tugenden! Aber was führt zur Ordnung?“ (Lichtenberg)
Gute Nacht Hessen – und morgen geht die Sonne wieder auf.

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Abitur verkauft – 8. Nachlese

1. November 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Abitur verkauft – 8. Nachlese

Die Antwort des geschäftsführenden Kultusministers, Jürgen Banzer (CDU), auf die parlamentarische Anfrage der Grünen „Zugänglichkeit aller zentralen Prüfungsaufgaben“ liegt endlich vor. Sie steht allen Internetnutzern im Landtagsinformationssystem in vollem Wortlaut, DRS/17/2/00522.pdf, kostenfrei zur Verfügung.

Erinnern wir uns noch einmal, worum es in der Sache „Skandal: Abitur verkauft“ ging und immer noch geht:

„Für alle hessischen Schülerinnen und Schüler wird gewährleistet:
Kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben (mit Lösungshinweisen!) via Internet. Dies gilt für die gymnasiale Oberstufe genauso wie für den Haupt- und Realschulbereich.“ …

„Herr Banzer, korrigieren Sie diese dicken Fehler im HKM. Hessen als „Bildungsland Nr.1″ ist kein Kiosk, der Prüfungssonderangebote an privat verscherbelt. Schüler, Eltern und Lehrer werden Ihnen die notwendige Korrektur danken.“ (vgl. die gesamte Artikel-Serie „Abitur verkauft“ 2008 im Bildungswirt)

Die generelle Antwort der Landesregierung lässt sich im Sinne der angeblichen Komplexität der markerschütternden Herausforderung (Landesprüfungen veröffentlichen!) und der „drohenden Gefahren“ etwa so zusammenfassen:

Wir – die Landesregierung, der Kultusminister – würden ja gern, aber das UrheberGesetz §53 ff verbietet uns jede Veröffentlichung, ja wir stehen in der Gefahr (wie die Video-Piraten und die entsprechenden Spots, die wir angsteinflößend aus dem Kino kennen) „eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren“ (§106 UrhG) zu riskieren. Man sieht förmlich schon den Kultusminister und Spitzenbeamte des HKM hinter schwedischen Gardinen und auch die fragenden Landtagsabgeordneten zucken zusammen, ob der Tragweite des Ersuchens nach einer Veröffentlichung von Landesprüfungen im Internet. „Zustimmungen zu Internetveröffentlichungen sind nur sehr schwierig zu erreichen“, behauptet der Minister,  und „angesichts der sehr hohen Zahl von Aufgaben sowie angesichts des erforderlichen personellen uns sächlichen Aufwandes“ (sprich: das kann alles nicht vom HKM geleistet werden, 43 Fächer und über 300 Aufgaben) gibt es stattdessen 2 CDs pro Schule. Na, wenn das mal kein Service für die interessierte Öffentlichkeit darstellt. Diese CDs unterliegen selbstverständlich dem „Kopierschutz“, aber für „unterrichtliche Zwecke“ dürfen von Lehrern „Aufgaben in Textform kostenfrei vervielfältigt werden.“ (Hoffentlich stimmt das Arbeitsklima und der Kopieretat der Schule, damit auch bei den Lernern etwas ankommt. Versuchen Sie doch mal als Eltern an die Aufgaben für ihren Nachwuchs ranzukommen! Im 1. Bildungsweg liegen für 2008 noch keine CDs vor; im 2. Bildungsweg gibt es 15 CDs pro Schule seit Mitte Oktober).

Das Land Hessen gibt etwa 2 bis 2,5 Millionen Euro pro Jahr für zentrale Prüfungen aus. Da man sich nicht in der Lage sieht, im Internet kostenfrei zu veröffentlichen, verkauft man an verschiedene Verlage und „erhält für die Bereitstellung der verwendeten Abituraufgaben eines Jahres eine Verwaltungskostenpauschale in Höhe von 100 Euro pro Aufgabenset (3 Aufgaben).“  Das Land hat aus dem Verkauf im Jahr 2007 4.400 Euro und Jahr 2008 5.700.-Euro eingenommen. Vergleicht man die Einnahmen mit den geschätzten Kosten, so kann jedermann sofort erkennen, dass hier wirklich Profis am Werk sind; sozusagen aktive Beiträge zur Haushaltskonsolidierung und Bürgerservice in einem!

„Die Verlage erhalten (aber) nur die Aufgabenstellungen, keine Lösungs- und Bewertungshinweise.“ (Da fragt man sich: warum eigentlich? Wenn man die Abituraufgaben an die Verlage de facto verschenkt, die Schüler dann  einzelne Aufgabensets privat kaufen sollen/können, wäre es doch sinnvoll, gleich die Lösungen mitzuliefern. Oder getraut man sich das nicht? Sind diese nicht veröffentlichungsfähig? Warum den Verlagen die Arbeit unnötig schwer machen? Warum Häppchen und nicht das ganze Mahl?)

Letztlich verschanzt sich das Kultusministerium hinter der anscheinend unüberwindbaren Mauer des Urheberrechts und der Fülle des zu bearbeitenden Materials.

Der Bildungswirt wird in einem weiteren Beitrag konkret zeigen, dass dieses „windige Mäuerchen“ leicht zu überspringen wäre, wenn man denn wollte. Der Bildungswirt wird richtungsweisenden Handlungsschritte aus solidarischem Bürger-Engagement für die junge Generation und deren Lernbedingungen unterbreiten. Er verzichtet vorab auf jedes Beratungshonarar, was ihm normalerweise das HKM zahlen müßte. Die „Abiturfrage“ ist insgesamt zu wichtig und bedarf einer sinnvollen Lösung.

Dies ist alles unabhängig davon, wer in Wiesbaden regiert. Der Appell geht deshalb vor der Ypsilanti-Koch-Abstimmung am 04. November an alle fünf Parteien im hessischen Landtag, sich endlich im Interesse der Schüler, Eltern und Lehrer zu engagieren. Auch in Wiesbaden zieht bald wieder mehr Ruhe und Gelassenheit ein, damit wieder etwas für die Bürgerinnen und Bürger gearbeitet werden kann. Zudem wäre es wünschenswert, wenn sich in Hessen die großen Medien wie FAZ, FR und HR dieser Abiturproblematik annehmen würden. Die Hoffnung bleibt …

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Abitur verkauft – 6. Nachlese

15. Oktober 2008 · von Miller · 2 Kommentare

Abitur verkauft – 6. Nachlese

Das letzte schriftliche Abitur in Hessen wurde im April 2008 abgeschlossen. Bis heute gibt es:

keine Veröffentlichung der Prüfungsaufgaben im Internet

– keine zugesagten CDs im 1. Bildungsweg

– keine zugesagten CDs im 2. Bildungsweg (obwohl die Master-CD seit Monaten vorliegt)

– keine Beantwortung der parlamentarischen Anfrage der Grünen durch die Landesregierung

 

Wiesbaden hüllt sich in Schweigen. Man braucht offenbar sieben Monate für eine CD-Produktion. Im Copy-Shop an der Ecke funktioniert das in 48 Stunden! Wer will dieses Schneckentempo der jungen Generation, den Eltern und Lehrern vor Ort erklären?

Gleichzeitig spricht man auf jeder pädagogischen Fachtagung, jedem Symposium von den neuen „Unterstützungssystemen“ und den neuen „Supportstrukturen“ im Bildungsland Hessen. Hessen ist inzwischen bundesweit nicht Vorreiter, sondern Schlusslicht in der Abitur-Dokumentation!

Ein bundesweiter Überblick in Sachen Abiturprüfungen wird in den nächsten Tagen im Bildungwirt zu lesen sein.

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