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Was der hessischen Bildungspolitik fehlt (5)

3. Juni 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Was der hessischen Bildungspolitik fehlt (5)

Zündende Ideen, Konzepte, Voodoo, Motivationsstrategien & Praxis-Power
Musikalisch gewendet etwa so:

Dagegen ist die hessische Bildungspolitik eher auf dem Niveau von Hänsel & Gretel, Fuchs & Has‘ oder Heino und seiner schwarzbrauen Haselnuss.
Die auserkorenen, von der Regierung selbst ernannten zwei Vorzeigeprojekte „Selbständige Schule“ und neue Wege der Unterrichtsverbesserung durch moderne  „Bildungsstandards“ und neue Lehrerbildung dümpeln vor sich hin, werden im pädagogischen Feld inzwischen eher milde belächelt. Einem fundierten didaktischen Diskurs stellen sich die Verantwortlichen erst gar nicht. Die neuen Bildungsstandards mit sog. Kerncurricula (Primarsatufe und Sekundarstufe I, für Sek.II liegt noch nichts vor) werden keinen spürbar erfolgreichen Beitrag zur Unterrichtsverbesserung leisten. Gut gemeint und doch daneben. 50 Seiten und mehr pro Fach, überschwengliche Wolkenformulierungen, kaum neue didaktisch-methodische Erkenntnisse. Schmuckstücke in Schulordnern, abgeheftet unter „unbestimmte Wiedervorlage“.

Insgesamt: Man verwechselt didaktische Kommunikation mit Anordnung, verkennt den Kern von Bildung als Angebot. Man bläht zudem die umstrittene Schulinspektion systematisch auf und schmilzt die Lehrerfortbildung weiter ab bzw. verkauft halbtägige sog. Info- und Jubelveranstaltungen als Lehrerfortbildung.

Die Selbständige Schule ist in der jetzigen Form ein unbeholfener Werbegag. Von „Freiheit und Verantwortung“ (eine gern strapazierte Formel) für die Akteure vor Ort kann ernsthaft nicht die Rede sein. Nennenswert größere Protestformen gegen diese „Reformprojekte“ blieben bisher aus. Das wird von der Regierung fälschlicherweise als halbe, im Überschwang als ganze Zustimmung gedeutet. Ein fataler Irrtum. Rückzug aus verstärktem Engagement, Resignation und innere Emigration sind deutlich verbreiteter als direkt sichtbar.

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Verkauf von Abituraufgaben – CDU: echt „ätzend“

20. April 2010 · von Miller · 5 Kommentare

Verkauf von Abituraufgaben – CDU: echt „ätzend“

In Deutschland 2010 wird „Abitur geschrieben“ – für die Ministerial-Organisatoren ist das ein monopolisierter hoheitsstaatlicher Akt der Durchführung von Landesprüfungen, für die Schülerinnen und Schüler eine enorme Leistunganstrengung, eine Pflichterfüllung, ein Kampf um Punkte, manchmal auch mit Angstschweiß und Tränen verbunden.


Diese schriftlichen Abiturprüfungen sind z.B. in Hessen gerade abgeschlossen und z.B. in Baden-Württemberg und Bayern noch voll im Gange. Nach Abschluss dieser „Prüfungskampagnen“ stellen sich jedes Jahr neu die brennenden Fragen:

* Was passiert mit den verbrauchten Abituraufgaben?

* Warum werden diese nicht im Internet veröffentlicht, für jedermann kostenfrei zugänglich?

* Warum werden die Aufgaben mit Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln/Steuern finanziert und anschließend an private Verlage für ein paar Euro verkauft?

Die Ministerien bleiben eine schlüssige Antwort schuldig, verstecken sich hinter einem „Urheberrecht“, das sie zum Monster künstlich aufbauen und gleichzeitig, wie eine mystische Monstranz vor sich hertragen. Die herbeigespielten Argumente sind dürftig und im Kern alle widerlegt, dennoch geht eine Politik der Abschottung weiter, ziehen die Ministerien ihre selbstreferenziellen Kreise.

Was sagen dazu unsere Volksvertreter in den Landtagen?
Werfen wir einen aktuellen Blick, z.B. nach Hessen. Im Kulturpolitischen Ausschuss des Landtags wurde am 25.Februar 2010 die Frage erneut behandelt. Hier einige Auszüge aus der öffentlichen Debatte und kurze Kommentierungen durch den Bildungswirt:

Abg. Barbara Cárdenas (Die Linke):
(…) Das erste landesweit einheitliche Abitur startete in Hessen im Frühjahr 2007 (erster Bildungsweg) sowie im Herbst 2007 (zweiter Bildungsweg). Damit verbunden war die Abschaffung des bisher üblichen dezentralen schriftlichen Abiturs an jeder Einzelschule, bei dem die Fachlehrerinnen und Fachlehrer die Aufgaben für ihren jeweiligen Kurs erstellten. Frühzeitig dokumentierte das Hessische Kultusministerium deshalb im Internet die Hintergründe der Entscheidung und entwickelte Musteraufgaben für alle Fächer. Als Service konnten Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern die Aufgaben vom hessischen Bildungsserver kostenfrei downloaden. In einer Nacht- und Nebelaktion des Hessischen Kultusministeriums wurden später jedoch alle bisherigen Abituraufgaben ohne stichhaltige Begründung wieder aus dem Internet genommen. Gleichzeitig wurden die Prüfungsaufgaben an private Verlage verkauft. Aus der Sicht dieser ein lukratives Geschäft, vor allem, wenn bei fest kalkulierbarer Nachfrage – die nächste Abi-Generation klopft schon an die Tür – gezielte Angebote unterbreitet werden können. Der damalige Landesschulsprecher kommentierte den Skandal denn auch präzise und poentiert: „Es kann nicht sein, dass eine Kommission aus Lehrern auf Kosten des Steuerzahlers Prüfungs- und Übungsaufgaben erstellt, die das Kultusministerium dann an einen Verlag verscherbelt und die wir uns für viel Geld zurückkaufen müssen.“ Genauso verhält es sich aber bis zum heutigen Tage: Ohne jedwede stichhaltige Begründung – geschweige denn Notwendigkeit – hat das Land, und es tut dies weiterhin, die zentralen Prüfungsaufgaben, für die es jährlich bis zu 2,5 Millionen € an Personalkosten ausgibt, gegen eine Verwaltungskostenpauschale von 100 € pro Aufgabenset an private Verlage verkauft. Unsere Forderung ist daher: weiterhin kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben mit Lösungshinweisen sowohl für die gymnasiale Oberstufe als auch für den Haupt- und Realschulbereich, am liebsten natürlich per Internet.

Die Volksvertreterin hat sich mit der Materie eingehend beschäftigt, die dargebotenen Informationen sind korrekt; wo sie recht, hat sie recht. Was soll hier sachlogisch eingewendet werden?

Abg. Mario Döweling (FDP):
(…) „ Ein Abiturplaner mit Abituraufgaben vom Cornelsen Verlag kostet 9,95 €. Ich glaube, 9,95 € sind nicht wirklich die Welt. Wenn sich ein Schüler das kaufen will, dann ist das, denke ich, okay. Es gibt daran eigentlich nichts mehr zu kritisieren. Frau Ministerin Henzler hat dies voll und ganz erklärt. Ich muss sagen: Ihre Große Anfrage und vor allen Dingen Ihre Quelle, die Sie da benennen, nämlich eine ominöse Internetquelle, entbehrt irgendwie jeglicher Grundlage.“

Ja, was kann von diesem Volksvertreter anders erwartet werden, als dass er seiner FDP-Ministerin beispringt? Die Abiturienten müssen zwangsweise diese Abiturplaner kaufen, da es keine Internetveröffentlichungen gibt. Das bringt den Verlagen hunderttausende Euro in die Kasse. Nur, ist der Volksvertreter den Verlagen oder den Schülern und Eltern verpflichtet?
Die „ominöse Internetquelle“ ist öffentlich und kostenfrei zugänglich, heißt Bildungswirt und wird umfangreich, auch von Parteien und Organisationen, genutzt. Zudem beinhaltet die Internetseite die derzeit umfangreichste Recherche und Dokumentation zu diesem Thema, Kategorie: „Abitur verkauft“; alle Aussagen sind mehrfach geprüft und abgesichert. Dem Abgeordneten fehlt offensichtlich die nötige Sachkompetenz. Die regelmäßige Nutzung der „ominöse Internetseite“, auch für Abgeordnete kostenfrei, könnte Abhilfe schaffen.

Abg. Dr. Norbert Herr (CDU):
(…) Es wäre wohl ein bisschen unzumutbar, wenn man die ganzen Vorschläge kontrollieren und feststellen wollte, wo ein Urheberrecht besteht oder nicht. Insofern ist das das richtige Verfahren. Die Nutzungsrechte sind auch geregelt – ein Mustervertrag. Das Entscheidende ist eigentlich, dass es keine Lösungs- und Beratungshinweise gibt. Genau da liegt das Benutzerrisiko. Ein Schüler, der das kauft, kann überhaupt nicht sicher sein, dass er das Richtige trifft. Da müsste er zufällig genau das haben; und das ist eben nicht gegeben. Der Mut zur Lücke besteht also. Die inhaltliche Verantwortung obliegt den Verlagen. Das ist für den Nutzer ganz entscheidend. Es besteht keine Notwendigkeit, etwas zu tun. Das ist Meterware. Ich habe allein für meine Fächer mindestens noch 1 m zu Hause stehen – für Leistungskurse, Grundkurse und das nur für zwei Fächer, und zwar von Baden-Württemberg und Bayern. Jetzt haben Sie selbst gesagt, die anderen Bundesländer hätten dies auch, sodass ich dies also eigentlich alles kaufen müsste. Wenn ich das als Schüler alles „reingezogen habe“, dann bin ich fit und habe von vornherein 15 Punkte. Dann brauche ich eigentlich gar nichts mehr zu machen. Aber dazu ist keiner in der Lage. Das ist doch völlig weltfremd. Man muss also den Mut zur Lücke haben.

Der Volksvertreter scheint etwas verwirrt. Der Schüler soll ein „Benutzerrisiko“ im wahrsten Sinne des Wortes in Kauf nehmen, obwohl dem Land die Originallösungen kosten- und urheberrechtsfrei vorliegen? Er will den Schülern ungeprüfte „Meterware“ zumuten? Den „Mut zur Lücke“ hat der Abgeordnete bei sich selbst vielleicht zu wörtlich genommen?

Abg. Brigitte Hofmeyer (SPD):
(…) Wir sehen, dass die Abiturienten nicht die Möglichkeit haben, sich einfach und kostenlos auf die Prüfungen vorzubereiten. Die Praxis aus dem Jahr 2007 hat auch gezeigt, dass man die Prüfungen durchaus ins Internet stellen könnte. Frau Ministerin Henzler, entgegen Ihrer Ausführungen eben und auch der Aussagen von Experten liegen uns Aussagen vor, die besagen, dass ca. 80 % der Materialien frei von Urheberrechten sind und dass diese somit auch im Internet für alle zugänglich sein könnten. Das belegt wie gesagt auch die Tatsache, dass das bis zum September 2007 so möglich war. Was ebenso ein wenig zu bedauern ist, ist die Aussage der Landesregierung, dass den Schulen selbstverständlich alle Materialien zur Verfügung gestellt würden. Aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage, die ein Jahr zuvor vonseiten der Landesregierung gegeben wurde, wird aber deutlich, dass diese Aufgaben den Schulen nur auf zwei CDs zur Verfügung gestellt werden und dass diese auch noch dem Kopierschutz unterliegen. Daher kann sich jeder vorstellen, dass es in der Praxis überhaupt nicht möglich ist, dies an die Schülerinnen und Schüler einfach so weiterzugeben. Die Praxis zeigt dann auch, dass diese natürlich in die Buchhandlungen gehen und sich das entsprechend erwerben müssen.

Die Volksvertreterin hat sich mit der Materie beschäftigt und die Problematik erkannt. Es fehlt ergänzend nur die Aussage, dass – für die Schüler entscheidend – Aufgabenstellungen und Lösungshinweise/Erwartungshorizonte im Kultusministerium schon vorliegen und copyrightfrei sind. Einer Veröffentlichung steht also nichts im Wege. ‚Der 80% – Orientierungswert zu den verwendeten Materialien ist korrekt; dieser kann mit wenig Aufwand auf 95% gesteigert werden.

Abg. Mathias Wagner (Grüne):
(…) Der erste Punkt ist die Frage: Wie gehen wir als Staat eigentlich mit Werken um, die mit Steuergeldern erstellt worden sind? Würde daraus nicht auch folgen, dass die Öffentlichkeit ein Anrecht darauf hat, dass diese Materialien, die mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger erstellt worden sind, auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen? – Ich finde, dass dies eine sehr legitime und berechtigte Frage ist. Wir diskutieren auch in anderen Politikbereichen die Frage: Welches Anrecht haben die Bürgerinnen und Bürger darauf, dass Verwaltungshandeln transparent ist und dass von Verwaltungen erstellte Leistungen auch tatsächlich für die Bürgerinnen und Bürger zugänglich sind. Ich finde, diese Frage kann man hier ohne Schärfe diskutieren, und diese ist auch interessant. Wenn natürlich Belange des Urheberrechts dem entgegenstehen, ist dies selbstverständlich auch zu berücksichtigen. Aber der grundsätzliche Gedanke, dass Abiturprüfungen, nachdem sie geschrieben worden sind, die mit öffentlichen Geldern erstellt worden sind, auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen müssten, finde ich jetzt nicht so ungewöhnlich, wie das zum Teil einige Vorredner dargestellt haben.

Der Volksvertreter hat sich mit der Materie beschäftigt und stellt angemessen kluge Fragen. Die Art des Fragens legt die Vermutung nahe, dass er für Transparenz und die Veröffentlichung der Abituraufgaben eintreten will. Fragen des Urheberrechts, hier angewendet auf das Streitobjekt, sind ihm weniger geläufig. Was fehlt sind jedoch klare eigene Antworten und Forderungen an die Landesregierung.

Abg. Barbara Cárdenas (Die Linke):
(…) Ich finde es sehr wichtig, was gesagt worden ist, dass Schülerinnen und Schüler nämlich ein Recht darauf haben, dass öffentlich erstellte und bezahlte Leistungen auch frei zugänglich sind. Ich denke, dass DIE LINKE an diesem Punkt wieder darauf hinweisen kann, dass es richtig ist, auch wieder zu sagen, dass es in der Regel in letzter Zeit sehr stark darum geht, Kosten zu sozialisieren, aber Gewinne zu privatisieren. Das ist ein Beispiel dafür, wo wir das wieder nachweisen können. – Ich bedanke mich.
(Abg. Hans-Jürgen Irmer (CDU): ätzend!)

Die Volksvertreterin weist auf eine bekannte Aussage der Linken zu Kosten und Gewinne hin, deren Evidenz im vorliegenden Fall nicht leicht von der Hand zu weisen ist. Nur was meint der CDU-Abgeordnete mit seinem Einwort-Zwischenruf oder Abschlusskommentar: „ätzend“? Findet der Volksvertreter es ätzend, das die Kosten sozialisiert und die Gewinne privatisiert werden? Will er der Abgeordneten von der Linken beipflichten, sozusagen in blitzartiger Eingebung tieferer Erkenntnis? Oder meinte er die Abgeordnete persönlich oder ihre Danksagung zum Schluss? Wäre Letzteres der Fall, hätte der Ausschussvorsitzende energisch eingreifen und den CDU-Abgeordneten zur Ordnung rufen müssen.

Vorsitzender Abg. Dr. Michael Reuter (SPD):
Vielen Dank. – Die Verfahren in den beiden genannten Bundesländern – Brandburg und Sachsen-Anhalt – werden im Protokoll nachgereicht. Frau Ministerin, wollen wir so verfahren? (Ministerin Dorothea Henzler: Ja!) – Okay, dann bedanke ich mich. Im Folgenden fasst der Ausschuss den Beschluss: KPA/18/14 – 25.02.2010 Der Kulturpolitische Ausschuss hat die Antwort der Landesregierung zur Großen Anfrage besprochen. (einvernehmlich) Das Ministerium sagt weitere Informationen zu.(Schluss des öffentlichen Teils; es folgt der nicht öffentliche Teil)

Die Debatte wird mit Sicherheit fortgesetzt, das nächste Abitur kommt bestimmt. Die Forderung nach kostenfreiem Zugang zu den verbrauchten Abituraufgaben im Internet bleibt in allen Bundesländern auf der Agenda.

Peinlich bleibt, dass die sog. „Qualitätsjournalisten“ bisher dieses Thema verdrängen, gleichwohl jedes Jahr mehr als 300.000 Schülerinnen und Schüler direkt betroffen sind. Indirekt betroffen sind Eltern, Lehrer und die Fachöffentlichkeit. Die Zuständigen der Lehrerausbildung an allen deutschen Universitäten haben offiziell keinen Zugang zu den Aufgaben. Eine Prüfungsdidaktik-Debatte findet nicht statt.

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Bildungsreform auf gut hessisch: „Ein Eingang – zwei Ausgänge“ (Roland Koch)

1. März 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Bildungsreform auf gut hessisch: „Ein Eingang – zwei Ausgänge“ (Roland Koch)

Der schleichende Tod der Hauptschule soll gestoppt und an der Viergliedrigkeit des Schulwesens festgehalten werden. Ganz einfach, man erfindet eine neues Etikette: Mittelstufenschule in der Sekundarstufe – volle Fahrt voraus, das ist man den Eltern schuldig. Ministerpräsident Koch: “ Grundüberzeugung unserer Vision für die Schule von morgen ist der Erhalt von Schulvielfalt und Schulfreiheit.“  Das ist eine bahnbrechende Erkenntnis und Förderung pur – jedem das Seine. Demnächst werden zukunftsweisend wahrscheinlich wieder die alten eindeutigen Begriffe eingeführt und die Ausgänge streng bewacht:  Sonderschule, Volksschule, Mittelschule, Oberschule, damit es auch keine Verwechslungen geben kann.

Aus Hamburg kann man zusätzlich lernen …

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Kulturpolitischer Ausschuss im hessischen Landtag

24. Februar 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Kulturpolitischer Ausschuss im hessischen Landtag

Die Einladung zur 16. Sitzung des Kulturpolitischen Ausschusses.

Ankündigung Kulturpolitischen Ausschuss 25.2.2010 - anklicken

Große Anfrage  der Fraktion DIE LINKE  betreffend Verkauf der Rechte am Landesabitur

Im Bildungswirt wurde der Verkauf des Landesabiturs immer wieder aufgegriffen.

Man wird sehen, inwieweit die Landesregierung lernfähig ist und die Zeichen der Zeit versteht. Das Internet mit entsprechender Computertechnologie ist die bedeutendste Revolution der Neuzeit. Warum will man diese Potenziale nicht auf allen Ebenen ausnutzen? Eine großzügige Veröffentlichung von Lernmaterialien – selbstverständlich auch von allen verbrauchten Prüfungen – gehört zum Mindesstandard der Unterstützung von Bildungsanstrengungen.

Im Kulturpolitischen Ausschuss werden die Positionen der fünf Lantagsparteien deutlich werden.

Übrigens: Was sagen eigentlich die Lehrerverbände und Elternvereine in der Sache?

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Verkehrte Welt im hessischen Landtag oder Kultusministerium? Teil 1

28. Oktober 2009 · von Miller · 13 Kommentare

Verkehrte Welt im hessischen Landtag oder Kultusministerium? Teil 1

oder der müßige Streit um die verbrauchten Abiturprüfungsaufgaben

Kostenfreier-Zugang-zu-Abituraufgaben

„Kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben (mit Lösungshinweisen!) via Internet“ ist immer noch die unerfüllte Forderung für die gymnasiale Oberstufe genauso wie für den Haupt- und Realschulbereich. Der aktuelle Streit in Hessen um die sinnvolle Verwendung von verbrauchten Abitur-Prüfungsaufgaben zeigt sich in neuem Licht. Er hat bundespolitische Bedeutung, da bisher in keinem anderen Bundesland eine vernünftige Gesamtregelung vorliegt.

Die Linken haben sich in ihrer Großen Anfrage vom 07. April 2009 in der Sache verstärkt auf vielfältige Darlegungen des Bildungswirts gestützt, bis hin zur Übernahme ganzer Textteile in die offiziellen 22 Fragen an die Landesregierung.
Die Linken hatten vorher höflich gefragt. Man sollte wissen, dass auch allen anderen Landtagsfraktionen umfangreiche Infos und Einschätzungen aus Blog-Beiträgen und Artikeln zur Verfügung gestellt wurden und entsprechend kommuniziert wurde (nur die CDU äußerte sich nicht).
Seit dem 08. September 2009 sind die 22 Antworten der Landesregierung, nach 154 Tagen Bearbeitungszeit, im Landtagsinformationssystem veröffentlicht.
Höchstwahrscheinlich wird der Streit auf der nächsten Plenarsitzung des Landtags, 17. bis 19. November 2009, verhandelt. Differenzierter Sachverstand und Fingerspitzengefühl im Interesse der Jugend wird allen fünf Parteien und ihren Volksvertretern unterstellt.

In der Großen Landtagsanfrage der Fraktion Die Linke betreffend Verkauf der Rechte am Landesabitur (Drucksache 18/338) heißt es zur Genese des Konflikts in der Vorbemerkung der Fragestellerin:
„Im Oktober 2008 hatte sich die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit einer Kleinen Anfrage betreffend die Zugänglichkeit zu zentralen Prüfungsaufgaben (Drucksache 17/522) an die Landesregierung gewandt. Die Antworten derselben liegen inzwischen vor, sind jedoch zum einen reichlich unbefriedigend und zeugen zum anderen von einem naiv-fragwürdigen Umgang mit der einschlägigen Rechtsmaterie.
So behauptet der ehemalige Kultusminister Banzer (CDU) beispielsweise, die Abituraufgaben könnten durch das Ministerium nicht im Internet veröffentlicht werden, weil sie Zitate von urheberrechtlich geschützten Werken enthielten, deren allgemeine Zugänglichmachung durch § 53 des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urhebergesetz, UrhG) verboten sei. Deshalb sei die Veröffentlichung aller Prüfungsaufgaben unmöglich. Diese Aussage hält einer juristischen Prüfung keineswegs stand und ist bezüglich ihres Wahrheitsgehaltes als falsch anzusehen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Land Hessen 2 bis 2,5 Millionen Euro pro Jahr für die Erstellung zentraler Prüfungsaufgaben ausgibt, hiernach jedoch lediglich „für die Bereitstellung der verwendeten Abituraufgaben eines Jahres eine Verwaltungskostenpauschale in Höhe von 100 Euro pro Aufgabenset (3 Aufgaben)“ von den entsprechenden Verlagen erhält, nicht akzeptabel: Das Land hat aus dem Verkauf eines Wertes in Höhe von 2 bis 2,5 Millionen Euro im Jahr 2007 4.400 Euro und im Jahr 2008 5.700 Euro eingenommen – und diesen somit mit jeweils durchschnittlich rund 99,8 v.H. „Verlust“ verkauft.“

Pointiert dargelegt wird der bisherige Streit u.a. in folgendem Interview:

Das seltsame Geschäft mit den Abituraufgaben – Der Bildungswirt im Lehrerfreund-Interview

Der Lehrerfreund berichtet über den Bildungswirt

Der Lehrerfreund berichtet über den Bildungswirt

Die juristischen Belange wurden im Bildungswirt ausführlich schon vor einem Jahr in Abituraufgaben und die Copyrightfrage erörtert.

Am 10. November 2008 schrieb der Bildungswirt zur Dokumentation von Prüfungsaufgaben: „Drei Voraussetzungen / Unterstellungen werden meinerseits getroffen:
1. Dass es um die bestmögliche Bildung und Ausbildung der Schülerinnen und Schüler geht; dies beinhaltet auch eine optimale Prüfungsvorbereitung und die Bereitstellung der erforderlichen Mittel im öffentlichen Schulwesen
2. Dass der „zwanglose Zwang des besseren Arguments“ grundsätzlich gilt, also Lernfähigkeit und Lernbereitschaft im Dialog gegeben sind und gemeinsam um die sinnvollste Lösung gerungen wird
3. Dass das ökonomische Prinzip grundsätzlich gilt, d.h. dass sich einfachere, effizientere und kostengünstigere Verfahren gegenüber umständlicheren und kostenintensiveren durchsetzen.“

aus : http://www.bildungswirt.de/2008/11/10/abitur-verkauft-9-nachlese-und-die-copyrightfrage/
Das gilt auch heute noch unverändert.

Die 22 Antworten der Landesregierung werden im Folgenden in Auszügen bzw. punktuell zusammenfassend dargestellt und hinsichtlich Logik, inhaltlicher Verflechtung und Angemessenheit (Praxisnähe) kommentiert:

Antwort 1: „Die Landesregierung verfolgt mit der Bereitstellung von Aufgaben aus den schriftlichen Prüfungen des Abiturs keinerlei kommerzielle Interessen.“
Antwort 5: „ Die Erstellung von Abituraufgaben erfolgt in Erfüllung elementarer gesetzlicher Aufgaben der Schulverwaltung, nämlich zur Durchführung der landesweiten Abiturprüfung in hessischen Schulen im Interesse der Schülerinnen und Schüler. Sie dient nicht in erster Linie der Schaffung wirtschaftlicher Werte, die unter maximaler Gewinnerzielung weiter veräußert werden sollen.“

Große Einigkeit, was sonst? Wer für 5000 Euro pro Jahr ohne Not Aufgaben verkauft und mindestens zwei Millionen (!) Euro für die Erstellung ausgibt, kann keine kommerziellen Interessen verfolgen, andernfalls müsste am Verstand des Verkäufers ernsthaft gezweifelt werden.

Antwort 1: ….“ Die hessischen Schulen erhalten nach Abschluss der jährlichen Prüfungen alle
verwendeten Aufgaben und die dazugehörigen Materialien sowie Lösungs- und Bewertungshinweise kostenfrei zur weiteren unterrichtlichen Verwendung und als Übungsmaterial für Schülerinnen und Schüler.“
Antwort 9: „Schülerinnen und Schülern hessischer Schulen entstehen zur Beschaffung hessischer Abituraufgaben keinerlei Kosten, da die Aufgaben mit den Materialien und den dazugehörigen Lösungs- und Bewertungshinweisen kostenfrei in ihrer Schule zur Verfügung stehen.“

Man merkt die komplette Praxisferne dieser Aussagen. Formal korrekt erhalten tatsächlich die Schulleiter im Bereich der gymnasialen Oberstufe meist 1 CD (!) mit der Dokumentation der Abituraufgaben, Materialien und Lösungen. Das heißt noch lange nicht, dass diese Lern-Materialien tatsächlich bei den Schülern ankommen, geschweige den Eltern bzw. einer interessierten Fachöffentlichkeit zur Verfügung stehen. Was sind die praktischen Konsequenzen aus so einem dilettantischen, für die Schulen umständlichen Verfahren?

a) Die Aufgaben liegen auf dem Rechner des Schulleiters – Zugang nur für besonders Privilegierte.
b) Oder Schulen müssen mühsam „unter großer Verschwiegenheit, nur für Unterrichtszwecke“ weitere CDs in eigner Regie brennen, damit überhaupt die Lehrerinnen und Lehrer versorgt werden können.
c) Oder aber die Aufgaben werden ausgedruckt und in meterlanger Leitzordneranreihung im Lehrerzimmer oder in der Lehrerbibliothek abgeheftet. Dann wird daraus wieder mühsam – wenn der Lehrer denn will – für Schüler kopiert.
d) Nicht einmal die Schülervertretung bekommt eine CD zur Verfügung gestellt.
e) Eltern sind als Erziehungsberechtigte von diesen „Lernmaterialen“ komplett abgeschnitten.
f) Universitäten, Lehramtstudenten, die gesamte Fachöffentlichkeit und die Medienvertreter werden faktisch ausgeschlossen.

Wir fragen umgekehrt, unter Berücksichtigung des ökonomischen Prinzips: Was ist einfacher, effizienter, nerven- und kostensparender als eine kostenfreie Veröffentlichung der Aufgaben im Internet? Jeder Interessierte kann ortsungebunden und zu jeder Zeit nach seinen Bedürfnissen zugreifen. Erreicht man 20.000 Schüler leichter über das Internet oder über ein paar gebrannte CDs mit eindeutig selektiver Funktion?
Will man Selektion und Lernbarrieren oder Integration und Subjektförderung?
Hat ein Verantwortlicher im Ministerium schon von der zeitgemäße Antwort – „Web 2.0 als große pädagogische Aufgabe und Chance“ – gehört? Oder erfreut man sich an Potemkinschen Dörfern, ist ständig auf Sendung — Empfang hingegen auf breiter Front gestört?

Antwort 9: „Es steht natürlich jedem frei, weitere Übungs- und Vorbereitungshefte auf dem Büchermarkt zu erwerben. Eine Notwendigkeit dazu besteht jedoch aus genannten Gründen nicht.“
Antwort 12: „Die Verlage erhalten lediglich die Aufgaben, keine Lösungs- und Bewertungshinweise. Inwieweit Verlage aus den Prüfungsaufgaben zum Landesabitur Bewertungsschemata entwickeln, obliegt den Verlagen in eigener Verantwortung. Seitens der Verlage besteht diesbezüglich keine Informationspflicht gegenüber dem Land Hessen.“

Hier sind Logikschwäche und Praxisferne kaum noch zu überbieten. Wenn ich schon die Prüfungsaufgaben an private Verlage symbolisch verkaufe, de facto verschenke, warum nicht gleich alles im Interesse der Schüler offenlegen? Die Lösungen und Bewertungshinweise liegen doch von den Fachkommissionen ausgearbeitet vor. Warum sollen die Verlage diese noch einmal selbst entwickeln? Warum sollen die Schüler nicht gleich das Original bekommen? Hat man Angst zu zeigen, was man kann?
Übungs- und Vorbereitungshefte der Verlage werden massenhaft von Schülern gekauft, zum Teil sind sie Gegenstand des Unterrichts. Selbstverständlich wird man sanft zum Kauf, zur optimalen Vorbereitung „gezwungen“. Wer will schon das Risiko einer schlechten Vorbereitung eingehen, da ein Ministerium nicht alles veröffentlicht?

Antwort 13: „Der im Artikel „Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage“ (vgl. http://www.bildungswirt.de/2008/11/10/192) unter Punkt 1 dargestellte
Sachverhalt ist rechtlich nicht haltbar. Gemäß § 24 Abs.2 S.1 Nr.1 und 2 der Oberstufen- und Abiturverordnung vom 20. Juli 2009 (OAVO) sind Fächer der schriftlichen Abiturprüfung die beiden von der Schülerin oder dem Schüler gewählten Leistungsfächer (erstes und zweites Prüfungsfach) sowie ein von der Schülerin oder dem Schüler gewähltes Fach (drittes Prüfungsfach). Die drei schriftlichen Prüfungsfächer müssen mindestens zwei der drei Aufgabenfelder im Sinne von § 7 OAVO abdecken, vgl. § 24 Abs.2 S.2 OAVO. Eine Konzentration der Prüfungsvorbereitung bzw. einer Dokumentation der Prüfungsaufgaben im Sinne einer „Staffelbildung“ verbietet sich mit Blick auf § 24 Abs.2OAVO. Erfahrungen mit der Fächerwahl der Schülerinnen bzw. Schüler, die im Übrigen divergieren kann, können nicht Maßstab für die Prüfungsvorbereitung sein.“
[BW: Für die bessere Lesbarkeit Verlinkungen eingefügt]

Hier wird juristisch Paragraphen-Wind erzeugt, der bei näherer Betrachtung nichts anderes als „heiße Luft“ darstellt. In der OAVO ist zur Dokumentationsfrage einer Landesregierung von verbrauchten Abituraufgaben gar nichts geregelt. Niemand bezweifelt die allgemeine Gültigkeit der OAVO. Im Ursprungstext des Bildungswirts, den die Landtagsfraktion übernommen hatte, hieß es: „Jeder vernünftige Mensch, der Prüfungsaufgaben dokumentieren und Lernprozesse fördern will, konzentriert sich angesichts der Fülle auf das Wesentliche: Was ist definitiv vorgeschrieben (Pflichtfach) und was wird von den Schülern schwerpunktmäßig im Abitur gewählt? Daraus ergibt sich für alle als 1. Staffel: Deutsch, Englisch, Mathematik, Politik und Wirtschaft und Biologie. 2. Staffel: Geschichte, Französisch, Spanisch, Latein, Chemie, Physik und Religion. Alles Weitere wäre wünschenswert und ist abhängig von den eingesetzten Ressourcen. Aus den angeblich43 Fächern reduziert sich das Ganze auf ein MUSS von 5 Fächern (1. Staffel) und max. 7 Fächern (2. Staffel). Das Wedeln mit 43 Fächern lenkt also unnötig vom Kern des Problems ab.“

Selbstverständlich kann die Landesregierung alle 43 Fächer ausführlich dokumentieren. Auch kann sie nur für einen Kernbestand zentrale Landesprüfungen ansetzen (sagen wir ca. 15 Fächer) und den Rest nach landesweiten Vorgaben dezentral prüfen lassen. Sie hat dabei einen enormen Gestaltungsspielraum, den die Bundesländer sehr unterschiedlich auslegen und nutzen.
Entgegen der erkennbaren Meinung der Juristen geht es in der Schule vorwiegend um pragmatische Lösungen. Wenn man anfängt, dokumentiert man zuerst die Pflichtfächer und dann die am häufigsten angewählten Fächer; so erreicht man die maximale Breitenwirkung. Insofern sind empirische „Erfahrungen mit der Fächerwahl der Schülerinnen bzw. Schüler“ entscheidend. Diese sind selbstverständlich dem HKM bekannt! Nur praxisfremde „Experten“ kommen hier auf verzwirbelte Scheinlösungen.

Teil 2  und Teil 3 unserer Kommentierungen der Antworten der Landesregierung erscheinen in Kürze.

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Wahlkampfarena 2009 – Raum für politische Debatten im Netz

16. Juli 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Wahlkampfarena 2009 – Raum für politische Debatten im Netz

Da sage mal keiner mehr: Die Studenten studieren, forschen, experimentieren nicht mehr. Hier ein attraktives Theorie-Praxis-Projekt, eine bundesweite Trendsetter-Aktion. Nachahmung und Mitmachen empfohlen (siehe rechte Spalte im Bildungswirt).
Die Wahlkampfarena ist eine Debattierplattform für Politikinteressierte und Politiker, die von einem studentischen Projektteam der Universität der Künste Berlin konzipiert wurde. Als Partner für das Projekt konnte das Meinungsmedium „der Freitag“ (J. Augstein) gewonnen werden, so dass das Konzept der Wahlkampfarena gemeinsam umgesetzt werden konnte,  ein Wettstreit der Meinungen bis zur Bundestagswahl am 27. September! Mehr …

Der Bildungswirt legt mal eine kreative Pause ein. Sommerferien in Hessen. Ab Mitte August sind wir wieder mit Volldampf da. Die linke Spalte „aktuell gefiltert“ bringen trotzdem immer mal ein Schmankerl.

Und immer wieder mal bei der Wahlkampfarena vorbeischauen. Wie lautet nochmal Deine  ganz persönliche Frage?

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Neues in der hessischen Schulpolitik?

7. Juli 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Neues in der hessischen Schulpolitik?

Wir gestehen freimütig: Ratlosigkeit beim Bildungswirt. Neues in der hessichen Schulpolitik 2009? Ja, da war doch was? Was war es denn? Parteienstreit – Positionskämpfe, Selbstverantwortliche Schule? Schäume, Blasen?

Wir haben’s glatt vergessen. Dämmerungen? Kann jemand weiterhelfen?



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Julia Klöckner rechnet mit den professionellen Schmierfinken ab

3. Mai 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Julia Klöckner rechnet mit den professionellen Schmierfinken ab

Eine Frau sieht rot. Nein, im Gegenteil? Sie ist politisch schwarz, couragiert und denkt laut nach. Julia Klöckner, CDU-Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz, sortiert aktuell die Medienlandschaft der Berliner Republik, insbesondere die professionellen „Schmierfinken“. Sie fasst ein heißes Eisen ein: Hinterlist, Opportunismus, Schleimerei, Sensationsgeilheit von Hauptstadtjournalisten.

„Jeder kennt jeden, jeder braucht jeden – und einige brauchen sich eben mehr. Die treffen sich dann zu Kamingesprächen. Mitunter werden daraus passable Zweckbeziehungen. Nicht unbedingt fürs Leben, aber doch für die Legislatur. Im Habitus sind gestresste Hauptstadtjournalisten und der gehetzte Bundestagsabgeordnete oft kaum zu unterscheiden: Termine, Anrufe, Absprachen, Hintergrundgespräche, Empfänge – das ganz normale Grundrauschen einer „nervösen Zone“ Nichts löst so starke Panikattacken aus wie dessen plötzliches Verstummen. Nicht mehr mittendrin, sondern nur dabei. Ein Albtraum.“

Klöckner will das Amalgam aus Politik und Medien, die Mediendemokratie analysieren, den Kampf um Deutungsmacht und Einfluss auf wichtige politische Entscheidungen ausleuchten. Ob ihr das gelingt? Sie wirft bestimmten „Schmierfinken“, der „Medienmeute“ „Lust am Krawall“ vor. Ihre eigene Semantik greift nassforsch in die Diffamierungskiste. Sie unterscheidet drei Typen:
„Der Quäler“(Typ 1), immer auf Sensation und Enthüllung aus. Er will entlarven, nicht verstehen oder erklären. Politiker sollen in den Medien, am besten im Fernsehen, vorgeführt werden. Der Journalisten-Inquisitor will nach oben: Starjournalist als Hansdampf-in-allen-Berliner-Gassen- Medien-und-Hinterzimmern-die-ultimative-Story-am Hacken-und-immer-weiter.
„Der Schleimer“(Typ 2) will einfach nur zuhören, nickt beim Gespräch immer freundlich, will „nur“ berichten, was er als Infos erfahren hat.“Der trickreiche Schleimer dagegen baut ein perfides Netz aus Gefälligkeiten und Aufmerksamkeiten auf, für das er allerdings eines Tages den Preis verlangt.“
„Der Kompetente“(Typ 3) versteht sein Handwerk, ist souverän, interessiert, schreibt eben qualifizierte Beiträge, aus denen bisweilen auch Politiker lernen können.

Nächsten Monat erscheint das Buch von Julia Klöckner: „Schmierfinken: Politiker über Journalisten“. Sicher interessanter als vieles andere, was von Volksvertretern in ihrem Neusprech so abgesondert wird. Allerdings über die platte Zuschreibung – „Medien erzeugen erst die Hinterzimmerpolitik, die sie kritisieren“ – sollte sie noch einmal in Ruhe nachdenken. Ein Vorabdruck kann im Cicero 05/2009 nachgelesen werden. Zu welchen „Berliner Schmierfinken“ würde Cicero zugeordnet werden? Darüber schweigt sie. Immerhin wird sie offen von Cicero unterstützt.
Auf ihrer Internetseite meint sie zu ihren besonderen Stärken:

„Ich liebe es zu lachen. Ich denke, ich habe einen gesunden Humor, der mir schon so manche schwere Situation erträglich und stressvolle Momente aufgelockert hat. Humor gibt Distanz und entkrampft. Da ist viel Wahres dran. Andererseits bin ich Winzertochter und als solche kernig und belastbar. Mich haut so schnell nichts um. Und ich empfinde mich als flexibel, konsequent und lebensfroh.“

In ihrem Blog beim Focus schreibt sie aktuell:

Abwrack-Prämie ist schlechter als ihr Ruf
Da haben wirs: Da ist der kleine Hyundai mit 662 Prozent-Verkaufssteigerung der große Gewinner der Abwrack-Prämie. So hatte ich mir das als Parlamentarierin nicht gedacht. Erstens sollten wir mit unseren Steuergeldern unsere Produktion unterstützen. Die Kleinwagen sind meist importiert.(…)“

Na, da deutschtümmmmmmelt es ganz ordentlich. Raus mit den Asiaten? Deutsche – schützt eure Arbeitsplätze!
Den gesunden Humor und ihrer Lieblings-Weißwein wird sie im Jahr 2009 besonders brauchen. Wäre Klöckner als aufstrebende CDU-Frau nicht in Berlin oder Rheinland-Pfalz könnte sie in Hessen bei der CDU zur programmatischen Erneuerung bzw. zur Mehltaubeseitigung aktiv beitragen.Vielleicht eine „Abwrackprämie“ in der Politik einführen? Prognose für Julia Klöckner: demnächst Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

UPDATE:

Das Buch „Schmierfinken – Politiker über Journalisten“ stammt nicht von Frau Klöckner, Herausgeber sind Maybrit Illner und Hajo Schumacher. (Hinweis von Frau Klöckner selbst)

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