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Karl Marx – brandaktuell oder ein toter Hund?

8. Juni 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Karl Marx – brandaktuell oder ein toter Hund?

Bildung heißt im Kern eigene Urteilsfähigkeit entwickeln.
Und das in der Schule? In der gymnasialen Oberstufe, in der Berufsschule, in der Gesamtschule?

Prüfe selbst die drei Videos:
Was ist die Botschaft? Erkennbare Thesen, Argumente? Welcher Ideologiebegriff wird verwendet? Gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Marxschen Ideen und der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise?



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Lehrer und Materialsuche – der etwas andere Blog

13. Oktober 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Lehrer und Materialsuche – der etwas andere Blog

Lehrer sind Sammler und Jäger; regelmäßig auf der Suche nach neuen Unterrichtseinheiten und geeigneten Materialien. Zunehmend wird das Internet in seiner galaktischen Größe mit unendlichen Informations- und Meinungsströmen entdeckt. Warum nicht auch einmal, ab vom mainstream, in clever gemachte Blogs reinschauen.

Hier habe ich einen der etwas anderen Art gefunden: Witzige Sachen, Politikwissenschaft und Populismus – der etwas andere Webblog:
http://www.literaturasyl.de/

Kostprobe zur Finanzkrise in sprachlich sehr salopper Form:
„Alles hat vor ein paar Jahren ganz langsam angefangen, als  die ganzen Spekulanten ein bisschen frustriert von neuen Markt waren und nicht mehr jede Aktie die ein Dot, Com, De oder sonstwas enthielt 2000% Gewinn pro Tag abwarf. Enttäuscht wendete man sich ab und sucht nach neuen Möglichkeiten Geld zu generieren, wo eigentlich gar keins ist. Man kam auf die Idee wieder bodenständige Anlagen ins Programm aufzunehmen und so fand man den amerikanischen Privatmenschen. Diese bauen wie die Menschen hier gerne ein Eigenheim und daran ist absolut nichts verwerfliches. Man schuftet und holt sich für den Rest einen Kredit bei der Bank und stottert diesen dann im Laufe der Jahre wieder ab. Der Kredit wird über das Haus abgesichert durch eine Grundschuld oder eine Hypothek. Ein schlaues und sicheres System. Na ja, vielleicht nicht ganz so sicher, wie man immer dachte,…
Mehr: http://www.literaturasyl.de/?p=650

Wer ebenfalls einen besonderen Blog vorstellen will, einfach mal beim Bildungswirt melden.

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FDP – Beweglichkeit in der Bildungspolitik?

14. Mai 2009 · von Miller · 3 Kommentare

FDP – Beweglichkeit in der Bildungspolitik?

Die 100 Tage Schonfrist der neuen CDU-FDP-Regierung sind heute vorbei. Wie nicht anders zu erwarten, kommt die Regierung zu einer weitgehend positiven Einschätzung der bisher geleisteten bzw. initierten Arbeit und die Opposition zu einer weitgehend negativen.  Das bekannte Hase-Igel-Spiel; das Wahlvolk weiß zwischendurch gar nicht mehr, wer denn der Hase und wer die Igel sind. Hauptsache, es geht irgendwie weiter und weiter und weiter.

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Was tut sich in der Bildungspolitik?
Bisher nicht viel. Viel Tretminen, Pannen, unverbindliche Absichtserklärungen im „Traumjob“ am Wiesbadener Luisenplatz. Die FDP hat mit 16 Prozent Wählerstimmen im Rücken das Kultusministerium als ein Schlüsselministerium von der CDU übernommen. Die Kultusbürokratie ist aber weitgehend CDU-infiltriert, geschickt über 10 Jahre eingefädelt.

Was zieht die FDP-Ministerin daraus für Schlüsse? Welche Innovationen, auch innerbehördlich,  sollen zügig angegangen werden?

Die Leitlinie  „Selbstverantwortliche Schule“ hat zurzeit eher etwas von einer ungeliebten grauen Maus. Selbst SVplus als kleines, aber ambitioniertes Reformprojekt im Berufsschulbereich kommt nicht richtig voran, die bürokratischen Hürden sind immer noch zu hoch, taktische Hinhaltespiele, Verrenkungen überall, kaum Wertschätzung für die Engagierten vor Ort.

Was tut sich in der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung? De facto steht Hessen nach 10 Jahren CDU vor einem Scherbenhaufen. Qualitative Lehrerfortbildung vor Ort, in der Region gibt es kaum noch. Wunschdenken und Nebelbildungen finden sich in zahlreichen Eigenlobreden der angeblich „neuen Qualitätsoffensiven“ – wenig seriöse Analysen und konkrete Konzepte mit ausreichender Finanzierung. Oder wird da einiges unter Veschluss gehalten?

Worin zeigt sich ein differenziertes FDP-Profil? Das ist die große Frage, 12 Uhr hat es längst geschlagen. Auch Gutmütige schauen inzwischen skeptisch auf die Uhr.

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Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht

6. März 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht

An vielen Schulen und in zahlreichen Abschlussprüfungen – vor allem im Fach Englisch, zum Teil auch in Französisch und Spanisch – wird eine alte, sehr sinnvolle Aufgabenform neu entdeckt: die Sprachmittlung. Sinn einer Sprachmittlung ist es, jemandem wesentliche Aspekte aus einem gesprochenen oder geschriebenen Text zu vermitteln, dessen Sprache er nicht versteht; d.h., den wesentlichen Inhalt, das Wichtige oder für den anderen Interessante aus einem deutschen Text sinngemäß – also in der Regel nicht wörtlich übersetzt – in Englisch wiederzugeben. Oder auch umgekehrt: Wesentliches aus einem englischen Text sinngemäß auf Deutsch zusammenzufassen.

Konkretes Beispiel gefällig?

Welchen konkreten Anwendungsbezug Sprachmittlung haben kann, soll im Folgenden eine Sprachmittlungsaufgabe verdeutlichen, die sich auf den Zornausbruch des damaligen Trainers von Bayern München, Giovanni Trapattoni, auf der berühmten Pressekonferenz am 10. März 1998 bezieht. Auch hier gilt es aus einer – allerdings nicht eindeutig zu bestimmbaren – Fremdsprache in sinnvolles Deutsch zu vermitteln:

Aufgabe: Fassen Sie zusammen, was Trapattoni sagt und was er eigentlich meint.

Giovanni Trapattonis Rede:
„Sind Sie bereit?
Stellen mir die Fragen, wenn hören o verstehen schlecht meine Wörter, bitte. Es gibt im Moment in diese Mannschaft, oh, einige Spieler vergessen ihnen Profi was sie sind. Ich lese nicht sehr viele Zeitung, aber ich habe gehört viele Situationen.

Erstens. Wir haben nicht offensiv gespielt. Es gibt keine deutsche Mannschaft spiel offensiv und die Name offensiv wie Bayern. Letzte Spiel hatten wir in Platz drei Spitzen: Elber, Jancka und dann Zickler. Wir mussen nicht vergessen Zickler. Zickler ist eine Spitzen mehr, Mehmet e mehr Basler. Ist klar diese Wörter, ist möglich verstehen, was ich hab‘ gesagt? Dann. Offensiv, offensiv ist wie machen in Platz.

Zweite. Ich habe erklärt mit diese zwei Spieler: Nach Dortmund brauche vielleicht Halbzeit Pause. Ich habe auch andere Mannschaft gesehen in Europa nach diese Mittwoch. Ich habe gesehen auch zwei Tage de Training.

Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sei … sehen was passieren in Platz. In diese Spiel es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer! (…)“ (ohne Gewähr)
(Den Rest bitte selbst raushören und sprachmitteln … viel Spaß)

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Abitur 2009 – 2011 in Deutschland (2)

16. Februar 2009 · von Miller · 13 Kommentare

Abitur 2009 – 2011 in Deutschland (2)

In Abitur in Deutschland (1) formulierte ich einleitend am 26. Oktober 2008: Von einem der auszog, professionelle Suchmaschinen bediente, Abiture (Abiturkonzeptionen, Abituraufgaben und Abiturlösungen) suchte, Vergleiche anstellte und 2008 das Fürchten lernte.
Nehmen wir an, dass ein junger unerschrockener Abiturient ins Netz tief eindringt und sich richtig schlau machen will. Sein Ziel: angemessene Abiturvorbereitung, bundesweite Transparenz und Überblick zu den gestellten Erwartungen. Was ist sein Ergebnis? Welcher Service wird ihm geboten? Was ist los in der Bildungsrepublik Deutschland?

Die ministerial geschaffene Unübersichtlichkeit und die sehr unterscheidlich ausgeprägte Regelungswut (oder Sehnsucht) erschweren den Durchblick. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Was hat sich 2009 geändert und wie sieht der Ausblick „Abitur 2011″ aus?

Von München bis Flensburg und Berlin wird das hohe Lied auf Bildungsstandards, Kompetenzorientierung und selbstgesteuertes Lernen  gesungen; korrespondierend setzen die bildungspolitisch Verantwortlichen auf die gepriesene ‚ Selbstverantwortliche Schule‘,  auf das Engagement der Schulgemeinde – Schüler, Lehrer, Eltern. Das Abitur – inzwischen in 15 Bundesländern zentral gestellt – gilt immer noch als Aushängeschild, als Gipfel des deutschen Schulwesens. Gerade deshalb bedarf es dringender Korrekturen beim Zentralabitur, wenn man auf der Höhe der pädagogisch-didaktischen Diskussion sein will.
Machen wir uns das am SchlüsselFach Deutsch näher klar, schauen wir uns etwas in Hessen, NRW und Niedersachsen 2008 bis 2011 um.
Die verordneten Pflichtlektüren, Willkürlisten der Vor-Vorgestrigen, die für neue Lehrer von Altlehrern und deren Altlehrern gemacht wurden, lassen für subjektive Präferenzen der Lernenden kaum eine Option offen. In Hessen z.B. schrieb das Kultusministerium für das Landesabitur 2007 und 2008 (Unterricht der gymnasialen Oberstufe) folgende Lektüre zwingend vor: Lyrik der Klassik und Romantik; Schiller: Don Carlos; Hoffmann: Der Sandmann; Büchner: Woyzeck und Briefe; Fontane: Effi Briest, Kafka: Kurze Prosa; Gedichte des Expressionismus; Dürrenmatt: Die Physiker; Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen (nur im Leistungskurs); Kafka: Die Verwandlung (nur im Leistungskurs); Frisch: Homo faber (nur Leistungskurs). Zusätzlich wird für die im »Abschlussprofil des Leistungskurses geforderte größere literarische Belesenheit« erwartet: Brecht: Leben des Galilei; Eichendorff: Das Marmorbild; Th. Mann: Buddenbrooks. Nach zahlreichen Protesten von Lehrern und Eltern wird Dürrenmatt: Die Physiker und Eichendorff: Das Marmorbild wieder gestrichen und gleichzeitig das Abschlussprofil des verbindlichen Unterrichtsinhalts »Reflexion über Sprache« gesetzt. Dazu gehört dann unter anderem – »Das Zusammenwirken von psychischen, sprachlichen, ästhetischen, situativen und normativen Faktoren beim Austausch von Sachverhalten und Informationen erkennen und analysieren, Formen sprachlicher Beeinflussung und manipulativen Sprachgebrauchs erkennen«, aber auch »schriftlich orthographisch und grammatikalisch normgerecht formulieren«.

Schüler und Lehrer geraten unter unnötigen Dauerstress durch diese reglementierenden Erlasse. Das Leseprogramm wird im Stakkato durchgenommen und in die sogenannte Freizeit der Schüler abgedrängt. Von Lehrerseite heißt es dann: »Im Unterricht haben wir dazu nur begrenzt Zeit, wir Lehrer können nichts dafür, das wird vom Ministerium vorgegeben« – Paradebeispiele für Motivationskiller durch abstrakte Autoritäten. Verschärfend kommt noch hinzu:

Literatur nach 1960? Fehlanzeige! 50 Jahre literarische Blackbox: junge deutsche und internationale Autoren sind de facto in der Schule exkommuniziert. Für 2009 und 2010 muss es dann eine neue ministerielle Willkürliste geben, da fast alles in den Schulen und spezifischen Internetseiten schon durchgekaut wurde und die gähnende Langeweile kaum zu unterdrücken sein wird. Im alten Schema verstrickt, würde das dann beispielsweise bedeuten, dass man Fontanes Effi Briest eben durch Irrungen, Wirrungen ersetzt und Schillers Don Carlos durch Die Räuber etc.pp.
In der Tat, es ist für jedermann im Internet nachzulesen: Für das Landesabitur 2009 gelten neu: Lyrik der Klassik gestrichen; Gedichte des Expressionismus durch Lyrik des Expressionismus ersetzt; statt Schillers Don Carlos nicht, wie ich vermutete, Die Räuber, sondern Maria Stuart; statt Fontanes Effi Briest nun Irrungen und Wirrungen; Dürrenmatts: Die Physiker ersatzlos gestrichen; ebenso Frischs: Homo faber und Schillers: Über die ästhetische Erziehung des Menschen. Der große Rest von 2007 bleibt weiter verpflichtend vorgeschrieben. Wer soll diese Willkür begreifen? Warum verschwindet die hochgeschätzte »Effi« jetzt in der Mottenkiste? Noch zwei Jahre zuvor meinte man in weitblickender »abendländischer Tradition« diese Lektüre den Schülern aufs Auge drücken zu müssen. Warum werden Dürrenmatt und Frisch gleich mit erledigt? Fragen über Fragen. Die Verantwortlichen im Ministerium schwimmen in dürren Begründungen, ahnen um den brüchigen Grund, wollen aber an der Pflichtlektüre festhalten, komme, was da wolle. In ihrer Verzweiflung klammern sie sich an ihre beschwörenden Rechts-Voodoo-Sätze wie: »Verpflichtung der Lehrkraft: Jede prüfende Lehrkraft ist verpflichtet, sich gründlich mit dem Inhalt der fachspezifischen Lehrpläne auseinanderzusetzen (§27 (2) VOGO/BG)« und »Grundlage sind die verpflichtend zu behandelnden Inhalte des Lehrplans«.

In anderen Bundesländern sieht es kaum besser aus: In NRW z.B. war für das Abitur 2008 gesetzt: Lessing: Emilia Galotti; Fontane: Irrungen und Wirrungen; Gegenwartsliteratur bis 1960: Lyrik der Nachkriegszeit 1945-1960 (nur für Grundkurs) und Bernhard Schlink: Der Vorleser. Für den Leistungskurs: Lyrik des Barock. Für das Abitur 2009 und 2010 Schiller: Don Carlos, dann mal wieder Fontane: Effi Briest; Büchners Dantons Tod. Gegenwartsliteratur: Lyrik der Nachkriegszeit 1945-1960, aber Schlink: Der Vorleser wird gestrichen und dafür mal Christa Wolf: Kassandra unter Einbeziehung der Frankfurter Poetik-Vorlesungen gesetzt. Für das Abitur 2011 bleibt Schillers Don Carlos, bei Büchner wird zu Woyzeck gewechselt und mit Schnitzlers Traumnovelle garniert. Als „Gegenwartsliteratur“ wird Wolfgang Koeppens Tauben im Gras hervorgeholt und Kassandra wieder abgesetzt. Dazu wird  progressiv „Liebesgedichte in Romantik und Gegenwart (1980-2010)“ verordnet. Für den Leistungskurs wird aber auf die Liebeslyrik mit „Schwerpunkten in den Epochen Barock, Romantik (unter Einbezug von Heine) und in der zweiten Hälfte des 20.Jhs.“ bestanden. Welch fortgesetzte Willkür von Bürokraten, Zwangsbeglückungsprogramm für die deutsche Jugend!

In  Niedersachsen ticken die Uhren wiederum ganz anders. Im Abitur 2009 werden verbindlich drei thematische Schwerpunkte gesetzt: „1. Literaturkritik, 2. Natur und Transzendenz in der Romantik, 3. Soziales Drama.“ Dann erfolgt eine extrem kleinschrittige Festlegung der verbindlichen Lektüre. Beim Schwerpunkt „Literaturkritik“ müssen alle „Die Besten 2004, Klagenfurter Texte“ lesen, dazu werden die Seitenzahlen, z.B. S. 232-237 oder 255-258 bestimmt. Im 2. Schwerpunkt werden gar einzelne Gedichte festgelegt, z.B. Eichendorffs ‚Wünschelrute‘. Für den LK selbstverständlich (?) Karoline von Gründerode und Heinrich von Kleist. Im Schwerpunkt 3: Hauptmann: Die Ratten und Horvath: Geschichten aus dem Wiener Wald. Für das Abitur 2011 sieht man das aber alles wieder anders. Die thematischen Schwerpunkte heißen dann: „1. Deutsche Sprache der Gegenwart, 2. Heinrich von Kleist, 3. Wissen und Verantwortung.“ Im 3. Schwerpunkt wird als verbindliche Lektüre festgelegt: Dürrenmatt: Die Physiker, Ibsen: Ein Volksfeind, Helmut Schmitt – einer seiner vielen „Zeit“-Artikel und als Krönung J.W. Goethe: Der Zauberlehrling. Mit dem „Zauberlehrling“ und dem Nicht-abstellen-Können der Breimaschine werden zu einem Ministerium ungeahnte paralelle Spuren erkennbar, zum Glück nicht interpretativ abiturrelevant. Bertolt Brecht – Lob des Lernens, Lob des Zweifels – wird abschließend für den Leistungskurs zur verbindlichen Lektüre erklärt; der Grundkurs wird davon „befreit“, wer braucht da schon Brecht? „Fragen eines lesenden Arbeiters“ von B.B. sollte man deshalb für alle auf die Internetseiten des deutschen Bildungsservers stellen.

Tiefer nachdenken könnten alle Bildungsinteressierten auch mal über die obligatorische ministeriale Setzung für das Abitur 2009: »Über das Verhältnis von Sprechen, Denken und Wirklichkeit nachdenken: Sprachkritik, Sprachskepsis, Sprachnot (Grund- und Leistungskurs)«. Diese Prüfung sollte auch für Ministerialbeamte und die untere Schulaufsicht eingeführt werden mit Veröffentlichung der Ergebnisse im Internet! Des Weiteren kann niemand mit guten Argumenten erklären, warum im Abitur 2008 »Strukturen der Sprache als System und Funktion ihres Gebrauchs in Texten und Kommunikationssituationen: Rhetorik – öffentliche Rede« noch verpflichtend gesetzt, aber in Hessen für 2009 und 2010 gestrichen wird. Sind öffentliche Kommunikationssituationen nicht mehr von Bedeutung? Warum werden grundlegende Themen wie »Spracherwerb und Sprachentwicklung« nur für den Leistungskurs gesetzt? Ministeriale Willkür, so weit das Auge reicht.

Für Abiturregelungen und Abituraufgaben in Deutschland habe ich eine spezielle Blogroll (rechte Spalte im Bildungswirt) zusammengestellt. Viel Spaß beim Abi-Surfen.

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Bildungsstandards konkret (1): Fach Englisch Gymnasiale Oberstufe

7. Februar 2009 · von Miller · 3 Kommentare

Bildungsstandards konkret (1): Fach Englisch Gymnasiale Oberstufe

Den Orientierungsrahmen für konkrete, knapp gefasste Bildungsstandards bildet die Artikelserie Die Crux der Bildungsstandards (1 bis 6) im Bildungswirt. In Crux (1) wurden Bildungsstandards als flexible Voodooformeln mit großem Beliebtheitswert im historischen Rückblick erklärt und der Zielkorridor für eine ernsthafte Debatte ausgeleuchtet. Crux (2) diskutierte die Sinnhaftigkeit und Plausibilität des Kompetenz- und Standardbegriffs. In Crux (3) und Crux (4) fragten wir nach Leistungen von Bildungsstandards, nach unterschiedlichen Wissensarten und fächerübergreifenden Kompetenzbereichen. In Crux (5) wurden – in einer grafischer Darstellung – die drei Felder von fachspezifische Standards durch alle drei Fachbereiche, z.B. der gymnasialen Oberstufe angeboten. Crux(6) thematisierte die Notwendigkeit konkreter Umsetzungen von knapp gefassten Bildungsstandards (3-bis 5 Seiten pro Fach!) vor Ort.

Hier der bundesweit erste Entwurf von knapp gefassten Standards für die gymnasiale Oberstufe. Der Entwurf ist kompatibel mit den bundesweit einheitlichen Prüfungsanforderungen für das Abitur (EPA) und mit dem Europäischen Referenzrahmen Sprachen. Die KMK will ihre Überlegungen bis 2010/2011 vorlegen. Soll man aber wirklich so lang warten und zum Schluss wieder unverrückbare 50 Seiten pro Fach (!) präsentiert bzw. verordnet bekommen?

Zur Vergrößerung einfach ins Bild klicken!

Bildungsstandards konkret: Englisch (gymnasiale Oberstufe)

Bildungsstandards konkret: Englisch (gymnasiale Oberstufe)

Bildungsstandards konkret: Englisch (gymnasiale Oberstufe)

Bildungsstandards konkret: Englisch (gymnasiale Oberstufe)

Bildungsstandards konkret: Englisch (gymnasiale Oberstufe)

Bildungsstandards konkret: Englisch (gymnasiale Oberstufe)

Englischlehrerinnen und -lehrer, was meint ihr? Ist der Entwurf aus eurer Sicht für den Unterricht ein klarer Orientierungsrahmen? Welche Plausibilitäten zeigen sich?
Oberstufenschülerinnen und -schüler. Helfen euch kurze Standards als Überblick, als Transparenzfolie und als Kontrollinstrument für den Unterricht?

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Weltfinanzkrise und Musik-Charts der Aktienkurse – Politik- und Wirtschaftsunterricht einmal anders

1. Februar 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Weltfinanzkrise und Musik-Charts der Aktienkurse – Politik- und Wirtschaftsunterricht einmal anders

Aktienkurse purzeln, Blasen platzen, Musik liegt in dicker Luft, Gierhälse und Wendehälse schütteln Hände, Banken werden verstaatlicht, Politiker ringen nach neuen Worten und der Steuerzahler weint am Billionen-Grab. Da könnte der Unterricht, z.B. im Fach „Politik und Wirtschaft“ auch mal anders aussehen.

Kreative Übung: Zweimal das Video ansehen und gedanklich frei assoziierend Notizen anfertigen, 30 Minuten den eigenen Text nachbessern und im Kurs vorlesen oder im Blog veröffentlichen.

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Bildungsstandards, Kompetenzen – Crux (5)

15. Dezember 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Bildungsstandards, Kompetenzen – Crux (5)

In Crux (1) wurden Bildungsstandards als flexible Voodooformeln mit großem Beliebtheitswert im historischen Rückblick erklärt und der Zielkorridor für eine ernsthafte Debatte ausgeleuchtet. Crux (2) diskutierte die Sinnhaftigkeit und Plausibilität des Kompetenz- und Standardbegriffs.
In Crux (3) und Crux (4) fragten wir nach Leistungen von Bildungsstandards, nach unterschiedlichen Wissensarten und fächerübergreifenden Kompetenzbereichen.

In Crux (5) werden – in einer grafischer Darstellung – die drei Felder von fachspezifische Standards durch alle drei Fachbereiche, z.B. der gymnasialen Oberstufe angeboten.

A) Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch ,…)

B) Mathematik und Naturwissenschaften (Mathe, Biologie, Chemie, Physik, Informatik)

C) Gesellschaftswissenschaften (Politik und Wirtschaft, Geschichte, Ethik, Philosophie, …)


Instrumentelle und sprach-kommunikative Kompetenzen werden in allen drei Fachbereichen, d.h. auch in allen Einzelfächern zentrale Orientierung sein. Sie sind jeweils vernetzt mit den spezifisch inhaltlichen Dömanen (Content).
Im Vorgriff auf die in ab Januar 2009 veröffentlichten knappen Fachstandards (ausgewiesene Kompetenzen, die errreicht werden sollen) einige Beispiele zur Illustration:

sprachlich-kommunikative Kompetenzen:
– Differenz von Gesagtem und Gemeintem beschreiben und an kurzen Texten herausarbeiten
– einen bewussten Wechsel der Sprachebenen in fiktionalen und nicht-fiktionalen Texten analysieren (z.B. Witz, Polemik)
– eigene Texte sprachlich optimieren und Wirkungsabsichten prüfen

literarisch-kulturelle Kompetenzen:
– einen Text kreativ umgestalten
– Symbolik in der Bild- und Filmsprache zur Deutung heranziehen
– literarische Text seit der Aufklärung im Hinblick auf Ich-Bild, Ich-Identität und Krise des Ich analysieren.

Strukturprägend sind diese Standards mit den reflektierten Aufgabentypen und dem Operatorenrad verknüpft. Desweiteren soll innerhalb der Fächer selbstverständlich auch der Aufbau von überfachliche Kompetenzen bei Schülern gefördert werden.(vgl.  Crux 3 und 4).
Fachstandards sollten nicht länger als 3-4 Seiten pro Fach sein. In der Kürze und Prägnanz liegen ihre steuernde Funktion. 40 – 50 Seiten pro Fach (im Duktus von KMK-Vorgaben unter Berücksichtigungen der vorvorgestrigen Papiere) sind zum Scheitern verurteilt, d.h. weitgehend wirkungslos wie die alten Lehrpläne. Auch gut organisierte Jubelveranstaltungen werden diese Praxislücken nicht wegreden können. Illusionsblasen werden einfach ganz unspektakulär platzen und die Karawanen ziehen weiter – auf zum nächsten Irrtum.

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