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Gorleben wird leben – der Unruh 2.Teil

28. November 2008 · von Leo · Keine Kommentare

Gorleben wird leben – der Unruh 2.Teil

Wie bereits erwähnt, entwickeln sich in jedem Salzstock – sogar in „jungfräulichen“ wie in Gorleben – erhebliche Fortpflanzungaktivitäten, die das ganze Gebilde des so genannten Forschungslagers nach wenigen Jahrzehnten undicht werden lassen. Gerade noch rechtzeitig also, um vergreiste, mit Müll reich gewordene Ex-Kommandierende und deren Schergen an diversen Forschungsendlagern ihr verdientes Erbe verzehren zu lassen. Während sich die wackeren Zonenrandenkel mit verseuchtem Grundwasser, wertlosen Gutshöfen, Leukämieraten und Polizeiknüppeln beschäftigen, wird es auch für die anderen Enkel am Starnberger See langsam unruhig. Erste Anzeichen dafür ließen sich bereits aus den beunruhigten Stellungnahmen so genannter Betreiberfirmen herauslesen. Nun, wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zum Prophet:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,576304,00.html

So kommt dann zum nicht mehr jungfräulichen Bergwerk auch noch ein väterlicher Erzengel dazu, der seinen Wahlkreis zudem mitten im Atomklo hat. Dass der Engel früher manch Dolch im Gewande des Landesvaters trug, schon vergeben und vergessen. Schnell die Aufsicht verstaatlichen, der Bund wird es schon richten: Yes, he can! Frei übersetzt: Hey Boss, ich brauch mehr Geld.
Also raus mit den 126 000 Fässern? Wieder einmal auf der Suche nach dem geeigneten Standort Deutschland, wer macht diesmal das Geschäft?
Vielleicht mal dahin, wo es schön hart und wasserfest ist? Granit, genau. Wie wäre es mit Mittelbau-Dora? Ganz in der Nähe der Asse, bestens erschlossen, sehr ruhig und idyllisch am Harz gelegen, dazu noch im Osten: bestens subventioniert, keine aufsässigen Anwohner – was will man mehr?

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Gorleben wird leben – von wegen Ruh‘

23. November 2008 · von Leo · Keine Kommentare

Gorleben wird leben – von wegen Ruh‘

Überall Ruh in Deutschland: Ruh über dem Bildungsgipfel, Ruh in Hessen und – nach dem kurzzeitigen Aufheulen des Castor-Gegenwindes – ist jetzt auch über den Wendländer Wipfeln erst wieder einmal Ruh eingekehrt. Ruhe in Frieden, deutsches Atomklo!
Die aufgeweckten Kleinen aus den Anti-AKW-Elternhäusern wollten ja wieder einmal wissen, was da so vor sich ging im erdverwachsenen Niedersachsen. Was sagt der Lehrer? Fragt Papi, das reicht. Aber halt! War da nicht doch noch was Neues zwischen Harz und Emsland? Ein kleines Salzbergwerk, das nicht aufhört, den Eindringlingen weiterhin Widerstand zu leisten? Richtig, die Asse im Industriegebiet zwischen Salzgitter und Buschhaus bei Helmstedt, die Tochter aus gutem Hause, Stiefschwester des bösen DDR-Morsleben. Jahrzehnte war Ruh und jetzt das: Auferstanden aus Ruinen, der Salzstock löst sich auf! 126000 Fässer in 500 –750 m Tiefe, das Grundwasser ist bedroht, die Immobilienpreise im Sinkflug.
Angeblich läge die Undichtigkeit an dem alten Bergwerk, in das die Fässer eingelagert wurden, im jungfräulichen Gorleben sei indes alles besser, so der Leiter des Instituts für Endlagerforschung der TU Clausthal-Zellerfeld noch vor 2 Monaten in der Braunschweiger Zeitung.
http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/7534512/artid/9113368

Leider hat er wohl vergessen, dass diese dicke Salzschicht thermische Eigenschaften entwickelt, die jede Thermoskanne irgendwann zum Platzen bringt. Dazu kommt die Wasserlöslichkeit von Salz, was zu Rissen und Verschiebungen führt. Auch ein Salzstock pflanzt sich fort. Also von wegen Ruh überall – auch Gorleben wird leben, und das schon bald!

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3. Opernabend – live im Odyssee Kult

16. November 2008 · von Miller · Keine Kommentare

3. Opernabend – live im Odyssee Kult

Aufgrund der großen Nachfrage ist es wieder soweit: Opernsänger kommen am Samstag, den 22.November um 20.00 Uhr in unsere Kneipe und gestalten einen unterhaltsamen Abend. Wo? Odyssee Kult, Weberstraße 77 im Frankfurter Nordend. Ansprechpartner und Reservierungen: Michael Kubala. Tel. 069-90500995.

PS. In drei Tagen löst sich der hessische Landtag selbst auf. Die politische Bühne knipst sich vorübergehend das Scheinwerferlicht aus. Der Vorhang fällt, die Vorsänger treten ab, viele Landtagsabgeordnete fühlen sich heimatlos, von Zukünftsängsten heimgesucht, einige werden ausgeschlossen, andere schielen auf das Wahlvolk am 18. Januar. Wie wird sich der freundlich unkalkulierbare Hesse an sich entscheiden?

Vorschlag: Gehen Sie wieder mehr in die Kneipe, halten Sie Ihr Ohr an den Puls der Kneipenkommunikation, erden Sie sich neu. Beim Bildungswirt ist jeder Gast willkommen; Dienstleistung und Diskussion schließen sich nicht aus. Unsere weltoffene Kneipe ist eben kein politischer Sperrbezirk mit Freund-Feind-Zuordnung. Das gilt übrigen für alle fünf Parteien in Hessen, für NGO-Organisationen, freischwebenden Bürgerbewegungen und selbstverständlich für den Ortsbeirat der Nordendler.

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Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage

10. November 2008 · von Miller · 7 Kommentare

Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage

Freies Denken in Hessen 2008, Foto Miller

Im Artikel „Abitur verkauft – 8. Nachlese“ sagte ich zu, richtungweisende Handlungsschritte und Lösungen betreffend einer „öffentlichen Zugänglichkeit von zentralen Prüfungen“ anzubieten. Dazu ist es notwendig, bisherige Positionen des hessischen Kultusministeriums näher zu analysieren und die Plausibilität der vorgebrachten Gründe zu prüfen. Textgrundlage sind somit die parlamentarische Anfrage der Grünen (des Abgeordneten Mathias Wagner) und die 10 Antworten des geschäftsführenden Kultusministers Jürgen Banzer.

Drei Voraussetzungen / Unterstellungen werden meinerseits getroffen:
1. Dass es um die bestmögliche Bildung und Ausbildung der Schülerinnen und Schüler geht; dies beinhaltet auch eine optimale Prüfungsvorbereitung und die Bereitstellung der erforderlichen Mittel im öffentlichen Schulwesen
2. Dass der „zwanglose Zwang des besseren Arguments“ grundsätzlich gilt, also Lernfähigkeit und Lernbereitschaft im Dialog gegeben sind und gemeinsam um die sinnvollste Lösung gerungen wird
3. Dass das ökonomische Prinzip grundsätzlich gilt, d.h. dass sich einfachere, effizientere und kostengünstigere Verfahren gegenüber umständlicheren und kostenintensiveren durchsetzen.

Als thematischer Hintergrund wird auf die gesamte Artikel-Serie „Abitur verkauft“ im Bildungswirt rekurriert (vgl. die entsprechenden Hinweise unter ähnliche Artikel am Schluss). Dazu gehören selbstverständlich auch die dargestellten Positionen der Parteien im hessischen Landtag, der Lehrerverbände und die zahlreichen engagierten Kommentare von Bloggern / Lesern.

Fangen wir an:
1. Zunächst ist richtig, das es sich um ein komplexes Vorhaben handelt: „...jährlich etwa 300 Aufgaben in 43 Fächern“(Banzer) und Regelungen des Urheber-Gesetzes (Copyright-Problem) zu berücksichtigen sind. Niemand kann das mit guten Gründen bezweifeln. Nur welche Analyse wird angestellt, welche Interpretation favorisiert und welche Schlüsse werden gezogen? Verschaffen wir uns ein differenziertes Bild zur Struktur der Fächer. Drei Aufgabenfelder mit zugeordneten Fächern liegen vor:
a) das sprachlich-literarisch-künstlerische Feld mit Deutsch, Kunst, Musik, Darstellendes Spiel und den Fremdsprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Latein, Altgriechisch, Russisch, Chinesisch, Japanisch (unter bestimmten Bedingungen können noch weitere Fremdsprachen an den Schulen angeboten werden)
b) das gesellschaftswissenschaftliche Feld mit Geschichte, Politik und Wirtschaft, Wirtschaftswissenschaften, Erdkunde, Rechtskunde, Philosophie, Ethik, evangelischer und katholischer Religion
c) das mathematisch-naturwissenschaftlich-technische Feld mit Mathematik, Biologie, Chemie, Physik und Informatik

Aus dem beruflichen Gymnasium kommen noch weitere Fächer mit Schwerpunktsetzungen in den gewählten Fachrichtungen hinzu wie z.B. Maschinenbau, Elektrotechnik, Bautechnik, Wirtschaftslehre, Agrarwirtschaft, Ernährung und Hauswirtschaft. Aus den Schulen für Erwachsene gibt es noch ergänzend „Exoten“ wie „Historisch-politische Bildung“ und „Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“ (thematisch und methodisch ein etwas anderer Zuschnitt als das Fach „Politik und Wirtschaft“ oder „Geschichte“). Ergänzend wären noch allgemein das Fach Sport und „Bilingualer Unterricht“ zu nennen und zum Teil noch eine Differenzierung zwischen Grundkursfach und Leistungskursfach zu berücksichtigen. Zugegeben, insgesamt ein weites komplexes Feld. Was ist zu tun?

Jeder vernünftige Mensch, der Prüfungsaufgaben dokumentieren und Lernprozesse fördern will, konzentriert sich angesichts der Fülle auf das Wesentliche: Was ist definitiv vorgeschrieben (Pflichtfach) und was wird von den Schülern schwerpunktmäßig im Abitur gewählt? Daraus ergibt sich für alle als 1. Staffel: Deutsch, Englisch, Mathematik, Politik und Wirtschaft und Biologie. 2. Staffel: Geschichte, Französisch, Spanisch, Latein, Chemie, Physik und Religion. Alles Weitere wäre wünschenswert und ist abhängig von den eingesetzten Ressourcen. Aus den angeblich 43 Fächern reduziert sich das Ganze auf ein MUSS von 5 Fächern (1.Staffel) und max. 7 Fächern (2.Staffel). Das Wedeln mit 43 Fächern lenkt also unnötig vom Kern des Problems ab.

(Bedenke, geneigte Leserin, geneigter Leser: dein im Moment vollzogener Leseakt ist ein kreativer konstruktiver Prozess und befördert eigene, ergänzende Lösungen des Problems, z.B. in welchen Fächern aufgrund ihrer „Exotik“ nur dezentral zu prüfen wäre? Bitte an den Bildungswirt schreiben oder gleich direkt an das HKM, Luisenplatz 10, 65185 Wiesbaden)

2. Bei der Dokumentation von Prüfungen ist zu unterscheiden in: a) Aufgabenstellungen, b) Material, also Texte, Bilder, Grafiken und c) Lösungen, Hinweise, Bewertungsmaßstäbe. Für a) und c) gibt es kein Copyright, da Aufgaben und Lösungen von Lehrerinnen und Lehrern im hessischen Schuldienst erstellt und i.d.R. durch Deputatstunden (Unterrichtsentlastung) vergütet wurden. a) und c) könnten für alle Fächer kostenfrei und problemlos im Internet zur Verfügung gestellt werden. Der Schüler hat zeit- und ortsungebunden ein Recht darauf, zu erfahren, was von ihm im „öffentlichen Prüfungsakt“ verlangt wird. Wir sind inzwischen – auch wenn der ein oder andere noch beängstigend und rückwärtsgewandt dreinblickt – im Internetzeitalter angekommen.

3. Kommen wir zum heiklen Punkt: b) Material. Hier gilt es zu unterscheiden zwischen kostenfreiem und i.d.R. frei verwendbarem Material einerseits und kostenpflichtigem und zustimmungsabhängigem Material andererseits. Diese Copyright-Prüfung kann durch alle Fächer ohne großen Arbeitsaufwand durchgeführt werden, vorzugsweise bei den 12 genannten Fächern (1. und 2. Staffel). Exemplarisch will ich das an einigen Fächern zeigen. Der Grundsatz gilt: Alle Texte, die älter als 70 Jahre sind, können von jedermann frei verwendet werden, unterliegen also keinem Copyright! Aus der vorgeschriebenen Leseliste im Fach Deutsch folgt, dass fast alle Texte copyrightfrei sind, z.B. Goethe, Schiller, Fontane, Büchner,…Analog gilt das für Texte in Geschichte und Latein zu 95%. Besondere Schlauberger kommen allerdings auf die „Geschäftsidee“ zu sagen: ja, die Texte sind copyrightfrei, aber nicht mein Layout. Dann nimmt man eben den Text, bastelt sich in 10 Minuten sein eigenes Layout und schon ist das Problem gelöst. In den Fächern Mathematik, Chemie und Physik ist das Copyright marginal. Fast alles ist von den Lehrerinnen und Lehrern selbst erstellt, z.B. Formeln, Symbolketten, einfache Grafiken, Versuchsbeschreibungen. Zusätzlich gibt es – wie jetzt schon üblich – netzveröffentlichte Handreichungen.

4. Kommen wir zum verbleibenden kleinen Kern des kostenpflichtigen Problems. Autoren und Verlagen werden in Bezug auf das Copyright verzerrt wahrgenommen und falsch eingeschätzt. Autoren und Verlage haben kein Interesse an Konflikten mit staatlichen Institutionen. Sie haben Interesse an Kooperation, an Werbung für den eigenen Namen und ihre Produkte und selbstverständlich immer an Geschäften. Schulbuchverlage erfüllen eine wichtige Unterstützungs- und Begleitfunktion für Unterricht, sind hoch kooperativ, flexibel und gesprächsbereit. Die Autoren sind in der großen Mehrheit selbst Lehrerinnen und Lehrer im Schuldienst oder Hochschuldienst (oder Pensionäre). Ein geschicktes staatliches Management bindet sie in längerfristige Entscheidungen ein und sorgt für eine Win-Win-Situation. Oft erhält man kostenfrei (oder für einen kleinen symbolischen Obolus) Abdruckrechte für Texte, Bilder, Grafiken, wenn selbstverständlich die Quelle und „mit freundlicher Genehmigung des XY-Verlags“ genannt wird. Schulbuchverlage haben ein hohes Interesse daran, dass ihre Produkte an den Schulen vor Ort im Gespräch sind und auch immer wieder bestellt werden. Grundsätzlich gilt die gleiche Einschätzung zu kooperativem Verhalten auch bei großen Medien wie z.B. der FAZ, der FR, der Zeit oder dem HR, wenn z.B. auf aktuelle Berichterstattung zurückgegriffen wird. Die Abdruckrechte für „typische Zeitungsartikel“ zu erhalten, eingesetzt z.B. im Fach Politik und Wirtschaft, ist wirklich kein ernsthaftes Problem. Zudem gibt es die Möglichkeit, über eine geringfügige, einmalige Jahreszahlung pauschal Abdruckrechte für „aktuelle Berichterstattungen“ und die Verwendung zum „Abiturzweck“ zu erhalten. Flexible Amtsjuristen könnten mit VG-Wort Verträge/ Pauschalen über die Nutzungsrechte aushandeln, zumal die Textlänge im Abitur i.d.R. nicht 900 Worte übersteigen darf. Auf Einzelnachweise wird dann im Vorfeld verzichtet; nach dem Abitur kann Bilanz gezogen werden. Insgesamt dürften sich die Zusatzkosten für Dokumentation und Präsentation auf nicht mehr als 1% (ein Prozent!) der öffentlichen Gesamtkosten der Abiturerstellung belaufen.

5. Sollte ein „Platzhirsch“ am Markt im Einzelfall eine unangemessen hohe Summe für Abdruckrechte wollen, so schlägt man das Angebot aus und ignoriert ihn. Zahlreiche qualitativ hochwertige Autoren und Verlage springen gerne ein, wären froh, wenn sie beim Abitur „berücksichtigt“ werden würden. Für diesen Werbeeffekt sind sie bereit einiges zu tun. Ebenso muss ein Ministerium bereit sein, kreative und effiziente Lösungen zu suchen.

6. Noch weitgehend ungenutzt sind kostenfreie Quellen bei Text- und Bildmaterial, die das Internet anbietet. Hier wäre eine qualifizierte Schulung der Lehrerkommissionen zur Aufgabenerstellung anzuraten. Das Internet-Polyversium ist doch deutlich weiter, tiefer und reichhaltiger als die meisten Zeitgenossen meinen.

7. Das Ministerium vertritt in diesem Fall einen seltsam verengten Begriff von Öffentlichkeit bzw. von „öffentlichem Zugriff“. Dem gegenüber muss betont werden, dass eine schul- und bildungspolitische Öffentlichkeit aus Schülern, Lehrern, Eltern, lokalen Schulträgern, universitärer Fachöffentlichkeit und den Medien besteht. Mit zwei CDs pro betroffener Schule (oder eine CD für einen besonders privilegierten Journalisten) kann das nicht geleistet werden. Das angemessene Medium ist das Internet.

Insgesamt komme ich zum Ergebnis: Die von der Gymnasialabteilung des HKM vorbereiteten und vom Minister vorgebrachten Antworten sind wenig gestützt auf gute Gründe, sondern haben wesentlich die Form von luftigen Begründungen.

Es bleibt die berechtigte, seit Monaten bekannte Forderung:
“Für alle hessischen Schülerinnen und Schüler wird gewährleistet:
Kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben (mit Lösungshinweisen!) via Internet. Dies gilt für die gymnasiale Oberstufe genauso wie für den Haupt- und Realschulbereich.”

Zum Schluss noch ein persönliches Wort an den Minister. Herr Banzer, der Kultusbereich bereitet Ihnen nach Ihren eigenen Worten Freude und ist für Sie eine große Herausforderung. Nutzen Sie deshalb nebenbei den „Obama-Effekt“ auch in Hessen und auch im Kleinen – change (!), yes we can. „Change“ klingt in der deutschen Übersetzung mit „Wechsel“ zu technisch, gar etwas hölzern. Übersetzen wir Change doch auch noch mit der Obertonreihe: Wandel durch Mut, Begeisterung und Engagement. Eine Stunde „Change“ und das Problem wäre gelöst; der Rest ist professionelle Routine. Es liegt allein in Ihrer Hand. Schüler, Eltern und Lehrer werden Ihnen die notwendige Korrektur danken.

PS. Die an den „hessischen Verhältnissen“ aufgezeigten Problemlösungen gelten im Grundsatz auch bundesweit! Von allen Schulministerien kann in der Abiturproblematik mehr Sorgfalt, Dokumentationsbereitschaft und Engagement erwartet werden. Wie heißt die viel zitierte Formel in der Schule: „Fördern und Fordern“! Das gilt für alle Beteiligten.
In Korrespondenz dazu kann auch mein Beitrag „Abitur in Deutschland (1)“ gelesen werden.

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Abitur verkauft – 6. Nachlese

15. Oktober 2008 · von Miller · 2 Kommentare

Abitur verkauft – 6. Nachlese

Das letzte schriftliche Abitur in Hessen wurde im April 2008 abgeschlossen. Bis heute gibt es:

keine Veröffentlichung der Prüfungsaufgaben im Internet

– keine zugesagten CDs im 1. Bildungsweg

– keine zugesagten CDs im 2. Bildungsweg (obwohl die Master-CD seit Monaten vorliegt)

– keine Beantwortung der parlamentarischen Anfrage der Grünen durch die Landesregierung

 

Wiesbaden hüllt sich in Schweigen. Man braucht offenbar sieben Monate für eine CD-Produktion. Im Copy-Shop an der Ecke funktioniert das in 48 Stunden! Wer will dieses Schneckentempo der jungen Generation, den Eltern und Lehrern vor Ort erklären?

Gleichzeitig spricht man auf jeder pädagogischen Fachtagung, jedem Symposium von den neuen „Unterstützungssystemen“ und den neuen „Supportstrukturen“ im Bildungsland Hessen. Hessen ist inzwischen bundesweit nicht Vorreiter, sondern Schlusslicht in der Abitur-Dokumentation!

Ein bundesweiter Überblick in Sachen Abiturprüfungen wird in den nächsten Tagen im Bildungwirt zu lesen sein.

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1. Blogger erhält Nobelpreis für Wirtschaft – Paul Krugman

14. Oktober 2008 · von Miller · Keine Kommentare

1. Blogger erhält Nobelpreis für Wirtschaft – Paul Krugman

Der international bekannte amerikanische Ökonom, Paul Krugman erhält den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaft. Der regelmäßige Blogger, der Kolumnist in der New York Times spricht politisch Klartext: Er geißelt vor allem die völlig verfehlte Wirtschafts- und Sozialpolitik der USA und des Präsidenten Georg W. Bush. Er zeigt immer wieder in seinen Blog-Beiträgen, dass die soziale Ungleichheit politisch von den Konservativen gewollt ist. Die Titel heißen z.B. „Stranded in Suburbia, Don’t Cry for Me, America oder Trouble with Trade“. Ein breites Publikum feiert ihn als politisch-ökonomischen „Pop-Star“, der den Neo-Liberalismus in die Schranken weist,d.h. vor allem die blinde Herrschaft der Finanzmärkte brechen will. Seine Vision: ein gerechtes Amerika der sozialen Marktwirtschaft mit geregelter Globalisierung.

Die Akademie würdigte die Arbeit des Preisträgers: «Er hat die separaten Forschungszweige über den internationalen Handel und die Wirtschaftsgeographie zusammengeführt», die bisher anerkannte „Theorie der komperativen Kostenvorteile“ essenziell weiterentwickelt.

Auch die FAZ würdigt den Vordenker, den Visionär Paul Krugman. Es schreibt der Herausgeber, Frank Schirrmacher, höchstpersönlich! Irgendwie ist ein neuer milder und kritischer Geist in ein Stockwerk der FAZ eingezogen. „Ein deutscher bürgerlicher Liberalismus, der auf sich hielte, sähe in diesem Nobelpreisträger seine Zukunft.“

Also, liebe Blogger: Ihr seid alle potenziell preisverdächtig. Es muss doch nicht immer gleich Alfred Nobel sein und 1 Million Euro auf’s Konto. Vielleicht geht auch etwas dazwischen: ein paar grüne Scheine, Ruhm und Ehre, nicht nur in der Blogosphäre.

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Reich-Ranicki, Heidenreich und die Blogosphäre

13. Oktober 2008 · von Miller · 1 Kommentar

Reich-Ranicki, Heidenreich und die Blogosphäre

MRR verteilte ein paar ordentliche Watschen an die Fernsehmacher, geißelte die grenzenlose Flachheit der Programme (nur Arte und ein bisschen 3Sat lobte er), war offensichtlich auf der falschen Veranstaltung, spürte vor seiner verbal-affektiven Entladung stundenlang den harten Holzstuhl, quälte sich in seinem Hirn mit dem dargebotenen „preisgekrönten Niveau“, schaute ungeduldig mehrfach auf die Uhr, kann es nicht mehr aushalten und findet doch nicht den optimalen Abgang.

Die Situation wurde vorher vergeigt. Er wusste, das er den Preis „für sein Lebenswerk“ erhalten sollte. Warum sagte er den Machern, wortgewaltig wie üblich, nicht einfach: Jungs, hört mal zu: Kein schlääächtes Buch, keinen schlääächten Film und kein eeeeeewiges Warten. Nehmt mich als ERSTEN dran, damit ich auch als Erster wieder gehen kann. Mein alter Leib diktiert zwischen durch meinem junggebliebenen Kopf, wann es genug ist.

Und Elke Heidenreich? haut in der FAZ von heute mit der verbalen Bratpfanne richtig zu: „unfähiges, unzumutbares Gestammel …endloser Unsinn, …wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich“. Einfach eine „grottendumme Veranstaltung“. Ihre ganze Sensibilität, ihr gewohnter Charme, ihr Differenzierungsvermögen blockierten am Samstag/Sonntag. Einfach die blanke Wut gegen die „verknöcherten Bürokarrieristen“ und die klatschenden, sattcool-selbstgefälligen Mitmacher. Nur der „Lichtblick“ MRR und seine Preisverweigerung rettete ihren versauten Abend.

Und wie geht’s weiter in der Matrix? Keiner steigt wirklich ganz aus, alle beruhigen sich wieder und viele stellen fest: Recht hatten sie mit ihrer Grundsatzkritik und doch ist nicht alles so schlecht, wie sie meinen. In Besinnung erinnern sie sich an Goethes Faust Vorspiel auf dem Theater – die alte Auseinandersetzung um Kunst, Kultur und Unterhaltung, Kommerz – zwischen dem Direktor, dem Dichter und der lustigen Person. Und wie sagt die lustige Person so treffend: (…)“Greift nur hinein ins volle Menschenleben/ Ein jeder lebt’s, nicht vielen ist’s bekannt/ Und wo ihr’s packt, da ist’s interessant./ In bunten Bildern wenig Klarheit/ Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit/ So ist der beste Trank gebraut/ Der alle Welt erquickt und auferbaut“ (…)

Weitere Links oder die Blogosphäre tobt – und wird sich auch wieder beruhigen:

Rivva (Blogsuchmaschine), Handelsblatt, FAZ u. Elke Heidenreich, DWDL.de (Das Medienmagazin), S. Niggemeier, Spreeblick, Medienlese, Miriam Meckel (sehr ausführlich)

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Reich-Ranicki bei ZDF-Gala: Hirnlos durch die mediale Hemissphäre

12. Oktober 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Reich-Ranicki bei ZDF-Gala: Hirnlos durch die mediale Hemissphäre

Skandale gehören selbstverständlich auch zum medialen System; manchmal platzt einen überspannten Subjekt einfach der Kragen ob der organisierten Hirnlosigkeit. Und schon rechnen die Interpreten die Rendite: "Gerechnet hat sich der Adrenalinschub in dieser ansonsten vollkommen beliebigen Preisabwurfparade nun sowohl für Reich-Ranicki als auch für Gottschalk selbst. Wie die ZDF-Verantwortlichen noch in der Nacht mitteilen ließen, werde man an einem Format arbeiten, in dem der Bücherpapst und der Quotenzampano gemeinsam übers Medium reflektieren werden. Aber mal ganz ehrlich, welche Inhalte könnten da ausgetauscht werden?" (Spiegel Online, 12.10.) Oder war vieles geistreicher um die Ecke gedacht, als es RR mit klassisch-literarischem Kopf verstehen konnte? Kleine Aussetzer der sensiblen Wahrnehmung aufgrund überflutender Reizspektakel? Wie dem auch sei:

Keiner kann aus der Quoten-Paranoia aussteigen. Auch der Chef-Kritiker ist "log in", es gibt in dieser Matrix keinen Ausstieg. Selbst der Aussteiger wird noch medial wieder ins Bild gesetzt. Der große Alte zeigt Kante, das ist man von ihm gewohnt, nur das ändert nichts am System und den immanenten Spielregeln. Die einzige Chance der großen Besinnung könnte in der großen Verweigerung bestehen. Als Test: einen Tag den Stecker ziehen, alles schwarz; kein Bild, kein Ton, keine Interviews, keine Reportagen, einfach mediales Nirgendwo!

Wie wäre es mit dem 11.11., dem Beginn des Narrenspiels?!
Schulen haben selbstverständlich auch frei – auch pädagogisch gesteuerte Kommunikation braucht eine echte Auszeit.

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