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Alternativer Bildungsgipfel – Wo sind die Alternativen?

16. Oktober 2008 · von frankmackay · Keine Kommentare

Alternativer Bildungsgipfel – Wo sind die Alternativen?

Die Veranstalter fordern von der Bundesregierung und den Länderparlamenten:

1. den kostenfreien Besuch aller Bildungsinstitutionen – die sofortige Abschaffung von Kitagebühren, der (Zu)zahlung für Schulbücher und Verpflegung an Schulen sowie von Studiengebühren, Studienkonten und anderer Entgelte, Beiträge oder Gebühren für Aus- und Weiterbildung.

2. eine bedarfsgerechte und von den Eltern unabhängige Finanzierung von Studium, Schulbesuch und Ausbildung.

3. bundesweit allgemein verbindliche tarifliche sowie personalvertretungsrechtliche Beschäftigungsstandards

4. das Recht auf paritätische Mitbestimmung und eine freie Meinungsäußerung ohne Angst vor Zensur, Kriminalisierung oder Kündigung.

Reclaim your Brain – für öffentliche und (kosten-)freie Bildung

Gemeinsam den Gipfel gestalten – Bildet euch und bildet andere !

Link: http://wiki.bildung-schadet-nicht.de/index.php/Alternativer_bildungsgipfel_2008

Alles prima Klima. Nur wo bleiben die konkreten Vorschläge zur Finanzierung und zu zukunftsweisenden Lernkulturen? Was heißt „bedarfsgerecht“? Welche konkrete Qualität haben die „Beschäftigungsstandards“? „Freie Meinungsäußerung“ – längst gesichert, Art.5 Grundgesetz; der Rest ist Kampf um Durchsetzung, Kampf um Definitionsmacht, da wird einem auch in der Demokratie nichts geschenkt. Angst ist da ein schlechter Ratgeber. „Kostenfreie Bildung“? Welche Qualität, welche Prüfkriterien, welcher Bildungsbegriff? Fragen über Fragen, wo bleiben die Antworten?

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Der gute Lehrer…

8. Oktober 2008 · von Miller · 2 Kommentare

Der gute Lehrer…

… in Ergänzung zu den 10 Prüfsteinen eines guten Unterrichts .

Miller 2007, Lehrerrollen - Erwartungen, Visionen. Aus Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft 2008
Miller 2007, Lehrerrollen – Erwartungen, Visionen. Aus: Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft 2008

Der gute Lehrer ist vornehmlich nicht mehr reduzierter Fachexperte (»Wissensvermittler«) mit dem Nürnberger Trichter im Gepäck, sondern vor allem Initiator, Berater und Organisator von neuen Lernkulturen. Wenn es komplexe Aufgabenstellungen auf schwierigem Gebiet erfordern, kann auch alle zwei Monate der pointierte Lehrervortrag (Vorlesungscharakter) zum neuesten Forschungsstand gehalten werden. Der gezielte Lehrervortrag ist eine Methode unter vielen. Aktives Zuhören, Mitschriften und anschließend vertiefende Erörterungen gehören zwingend ab der 7. Klasse ins feste Repertoire. Das Ziel der gemeinsamen Sache, die bisher zurückgelegten Wege bedürfen der wiederholenden Reflexion in der Gruppe.
Des Weiteren gibt es andere wichtige Lehrerrollen: immer mal wieder Moderator und Entertainer sein, der angenehme Atmosphären schafft. Einfaches Kriterium: Wenn es in einem Unterricht über längere Zeit nichts zu lachen gibt, läuft etwas total falsch! Die dicke Luft ist dann buchstäblich zu riechen. Vergessen wird vom Lehrer: Der Mensch ist ein emotionales und lachendes Wesen und kein kognitiver Maschinenkrüppel.

(Textauszug: Michael Miller 2008, Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft . Alle reden von Schule, was ist zu tun, S. 57)

Weitere Links: Vortrag Dr. Miller – Führungskräfte in der eigenverantwortlichen Schule – Neue Lernkulturen 16.11.2007

http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb04/download/Rauin_Studierverhalten.pdf
Bei Prof. Rauin, Uni Frankfurt, wäre zugespitzt zu fragen: Hat er mit seiner aufwendigen Lehrerstudie Recht oder will wer nur geschickt provozieren? Der Bildungswirt wird demnächst solche Fragen und mögliche Antworten prüfen.

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Bildungswirt zelebrierte ein öffentliche Lesung im Odyssee Kult: „Der Mensch ist ein emotionales und lachendes Wesen und kein kognitiver Maschinenkrüppel“

1. Oktober 2008 · von frankmackay · Keine Kommentare

Bildungswirt zelebrierte ein öffentliche Lesung im Odyssee Kult: „Der Mensch ist ein emotionales und lachendes Wesen und kein kognitiver Maschinenkrüppel“

In der gut besuchten Kneipe im Frankfurter Nordend stellte der Bildungswirt – alias Dr. Michael Miller – am Samstagabend sein bildungspolitisches Buch vor:Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft. Alle reden von Schule – was ist zu tun? Ansichten eines Kneipenbesitzers.
Zum Einstieg entfachte er ein buntes Feuerwerk aus Helmut Kohl, der Matrix-Trilogie (blaue und rote Pille), Goethe, Schiller und Medea, bevor er dann in mehr geordneten Bahnen zur Analyse des schulpolitischen Waterloo kam: „rasender Stillstand bei eingebildeter Beweglichkeit“.

Neben Leseproben sprach Miller immer wieder frei, bildreich erläuternd zu „von der kindlichen Neugier zum gelangweilten Schüler“, vom „Lernen als Konstruktionen im Kopf und Vorfreude im Leib“ bis hin zur Notwendigkeit von „Bildungsstandards für Lehrer“. Das Personal in der Schule sei der entscheidende Faktor, um qualitativ hochwertige Lernprozesse zu initiieren und Lernerfolge zu garantieren. Er schrieb den Lehrern ins Stammbuch, „dass der Mensch ein emotionales und lachendes Wesen und kein kognitiver Maschinenkrüppel sei“ und dass mit der „Individualität eines jeden Schülers“ behutsam umgegangen werden muss. „Wichtigen Bildungsfragen nachspüren“ heißt bei ihm auch, „das Ohr am Puls der Kneipenkommunikation zu haben.“ Der gehobene Stammtisch sei besser als sein Ruf und „politische Entscheidungen werden oft genug im kleinen Kreis in der Kneipe gefällt“. Er geißelte die ineffiziente Instruktionspädagogik, die Mythen und Legenden der Unterrichtsoptimierung und rief zu vielfältigen Lernkulturen auf. Das Prüfungswesen, z.B. das Landesabitur mit angestrebt hochwertigem Kompetenzprofil müsste neu bedacht werden. Das Publikum hatte genügend zu lachen und zu schmunzeln, insbesondere als die hohe Kunst des Bedenkentragens der Bürokraten plastisch zur Sprache kam. Insgesamt ein kurzweiliger, runder Abend und das bei einem eher trockenen Thema wie Schulpolitik. Abschließend zitierte Miller die weise Meinung von Jean Paul: „Was alles Böses gegen das Bier bei Philosophen gesagt wird, gilt nicht bei mir.“ Kleine Grüppchen diskutierten noch bis Mitternacht.

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Bildungswirt liest pädagogisch-gastronomische Vernunft

12. September 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Bildungswirt liest pädagogisch-gastronomische Vernunft

Öffentliche Lesung im Odyssee Kult

Der Bildungswirt alias Dr. Michael Miller liest aus seinem neuen Buch „Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft – Alle reden von Schule – was ist zu tun?“

Er beschäftigt sich mit den »heißen Eisen« der Bildungspolitik und unterzieht sie einem ständigen Szenenwechsel. Wichtigen Bildungsfragen nachspüren heißt auch, das Ohr am Puls der Kneipenkommunikation zu haben. Die Kneipe als eine der bedeutendsten sozialen und kulturellen Institutionen des gesellschaftlichen Lebens wird präsentiert als Ort, von dem die Schule und der nationale Bildungsgipfel lernen können.

Wo? Odyssee Kult, Weberstr.77 Frankfurt-Nordend
Reservierungen:Tel. 069- 90500995

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Nationaler Bildungsgipfel – Milliardenforderungen!

26. August 2008 · von Miller · 1 Kommentar

Nationaler Bildungsgipfel – Milliardenforderungen!

Der Berliner Tagesspiegel freut sich über eine griffige Headline:
„ Zöllner will zehn Milliarden mehr für Bildung“
Die Akteure des nationalen Bildungsgipfels am 22. Oktober positionieren sich, stecken ihr Terrain ab und tragen z.B. als Kultusminister eines Bundeslands Milliarden-Forderungen an den Bund ran.
Der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner versucht als einer der ersten im “Tagesspiegel” Klartext zu sprechen. Ich will das kommentierend etwas systematisieren:

1. “Der Bildungsgipfel ist der Glaubwürdigkeitstest für die Bundeskanzlerin”, meint Zöllner. Recht hat er; nur vergisst er, dass dies für die Landesfürsten ebenso gilt. ”Sonntagsreden sind genug gehalten”, meint er. Stimmt, aber auch von vielen Ministerpräsidenten und Kultusministern. Nur mal locker in die Runde „5 bis 10 Milliarden“ (Zöllner) zu fordern ohne konkrete Anbindung an exakt ausgewiesene Inhalte / Forderungen ist allerdings unprofessionell (wo bleibt ein nachprüfbarer Finanzierungs- und Zeitplan für konkrete Projekte wie z.B. frühkindliche Musikförderung, Spracherziehung, Sportförderung, Medieninitiative in der Realschule, neue Lehrerausbildung, Ausbau der Ganztagsschulen, sukzessive Steigerung der Abiturientenquote auf 75% bis 2020, Reduktion der studentischen Abbrecherquote an Unis und Fachhochschulen um 50% bis 2013 etc.). Die Forderung, 5 bis 10 Milliarden so mal unreflektiert in den öffentlichen Raum gestellt, grenzt an rhetorisches Blendwerk; als ob 5 Milliarden Differenz in der Bildungspolitik nicht Welten bewegen könnten. Stellen wir uns nur vor, dass der Bildungsgipfel tatsächlich 5 Milliarden ausschließlich für ein ehrgeiziges Großprojekt 2009-2013 beschlösse: „20% ige Steigerung der hermeneutischen Kompetenz in Verbindung mit Internetkompetenz“ für die Schülerinnen und Schüler der 7. bis 10. Klasse aller Schulformen. Dazu ein Eliteprojekt mit 5000 Oberstufenschülerinnen und –schülern, das als Referenzprojekt und Meilenstein zukünftig für alle Schüler Richtlinie sein könnte. Bund und Länder ziehen an einem Strang. Zu schön, um wahr zu sein. Oder stellen wir uns vor: Bundesweit 50.000 neue Bewegungsassistenten verändern den Schulsport (täglich mindestens 1 Std. Bewegung und nicht 1 x pro Woche 2 Std.). Sie rücken der bedrohlich wachsenden Fettleibigkeit und der falschen Ernährung auf den Leib, motivieren Schüler ganz praktisch zur Übernahme von Selbstsorge, animieren zur Arbeit am eigenen SELBST! Sie kreieren zusammen mit den Schülern ein neues Bewegungsgefühl, eine neue Bewusstheit durch Bewegung!

2. Sprachförderung und Integrationspolitik: „Soll der Bund doch zeigen, was er kann!“, sagte Zöllner. Stimmt schon wieder. Dann müssen die Länder aber auch die Effizienz ihrer Bildungspolitik und die Ausgestaltung ihrer Reformvorschläge auf den Prüfstand stellen, z.B. auch die Effizienz ihres “Vermittlerorgans”, die KMK. Altbundeskanzler Helmut Kohl meinte schon 1997: “Die reaktionärste Einrichtung der Bundesrepublik ist die Kultusministerkonferenz; im Vergleich dazu ist der Vatikan noch weltoffen.” Wer ständig das Förderalismusprinzip in Deutschland betont und die “Zuständigkeitsfrage” anmahnt, soll auch endlich mit dem Wettbewerb der Länder um die beste Bildungspolitik beginnen (und eben keine Gremiendeals einer privilegienvergebenden Hinterzimmerpolitik fördern).

3. Zöllner fordert den Bund zu mehr Engagement auf: „Wo sind die Weiterbildungs-Konzepte des Bundes?“ Recht hat er, der Bund hat eher etwas von einem lahmen Esel als von einem kreativen Innovationszentrum (Wären Google und Microsoft so vorgegangen, würden sie immer noch in der Garage sitzen und Bedenken prüfen). Fakt ist, dass entgegen der Weiterbildungsrhetorik und der ständigen Betonung der Wichtigkeit, die realen Ausgaben in den letzten 10 Jahren gesunken sind. Das gilt sowohl für die öffentlich geförderte als auch für die private Weiterbildung. (Hier sollten die Akteure den jüngst vorgelegten Bildungsbericht 2008 genau lesen! Die Faktenlage ist eindeutig!)

4. Zöllner fordert des Weiteren einen „Bildungs-TÜV“, indem jedes Gesetz und jede staatliche Investition überprüft werden, ob sie dem Ziel einer Bildungsreform genügen. Hört sich oberflächlich gut an ; der alte Lenin winkt aus dem Grab: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Und das Krebsgeschwür der Bürokratie freut sich, die Aktendeckel wachsen….Ob das der richtige Weg ist? Sollte nicht endlich Geld und Zuständigkeit unbürokratisch an die seit 10 Jahren vielbeschworene „Selbstverantwortliche Schule“ fließen? Kein Brosamen, sondern tatsächlich verfügbare zweckgebundene Finanzmittel, die die Schule für ihren pädagogischen Gestaltungsprozess einsetzen können. Eine Vertrauenskultur entwickeln heißt hier auch Entscheidungen der Schulen vor Ort zu akzeptieren, die nicht unbedingt jedem Ministerialbeamten passen. Zusätzlich bedarf es der Schaffung von Konkurrenzinstituten der schulischen Qualitätsentwicklung, die mit den Schulen zusammenarbeiten. Ein Landesinstitut pro Bundesland, bestückt mit Landesbeamten, ist zu schwach und nicht kreativ genug wirklich neue Lernwelten zu entwickeln, um den komplexen internationalen Anforderungen zu genügen.

5. Last but not least: Die Bereitschaft zu einer Grundgesetzänderung (Artikel 115 GG) kann zum Lackmustest für das Gelingen einer Bildungsreform werden. Da hat Zöllner einfach Recht! Neue Verschuldungskriterien sind zu definieren, damit Bildungspolitik nicht gegen Straßenbau ausgespielt werden kann. Freuen wir uns auf den nationalen Bildungsgipfel am 22.10. und hören gespannt darauf, “was hinten raus kommt” (Helmut Kohl).

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Geist und Gehirn denken – auch mit der FAZ

25. Juli 2008 · von Miller · 18 Kommentare

Geist und Gehirn denken – auch mit der FAZ

Elektronengehirn von fuchur 2007 bei Flickr Puzzlebrain auf Flickr von fuchur 2007

Seit 19. Juli läuft in der FAZ die alte/neue „Geist-Gehirn-Debatte“ und am 25. Juli kumuliert die Sache vorläufig in: „Vor dem Richterstuhl der Vernunft„. Um was geht es?

Auf der personalen Ebene: Singer gegen Janich.
Der international bekannte Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer steht gegen den renommierten Marburger Philosophen Peter Janich im Streit um Ergebnisse und Interpretationen der neuesten Hirnforschung. Der abgedruckte Briefwechsel löste wiederum eine Flut von qualifizierten Leser-Bloggerbeiträgen aus.

Auf der inhaltlichen Ebene: unterschiedliche Wissenschaftsverständnisse und komplexe Sprachspiele.
Singer ist argumentationsmüde und will den eher zermürbenden Austausch von Argumenten ersetzen durch ein „gemeinsam konzipiertes und gemeinsam durchgeführtes Experiment“ mit der Pointe an Janich: „Bitte schlagen Sie ein Experiment vor, mit dem die These falsifiziert werden kann, dass alle („geistigen“) Phänomene auf neuronalen Prozessen beruhen und folglich diesen nach- und nicht vorgängig sind.“ Im Klartext: Am besten, du Philosoph, lass dich in den Tomographen schieben und wir werden sehen, ob es einen „immateriellen Agenten“ gibt, dessen „Gedanken und Entscheidungen neuronale Prozesse im eigenen Gehirn anstoßen“ oder ob doch aller Geist auf der materiellen Basis „Gehirn“ beruht. Janisch wiederum kontert, indem er Singer vorwirft, dass er nicht verstehe, was er eigentlich tue. „Nicht Hirne erforschen Hirne durch bloße neuronale Aktivität, sondern da muss in die Welt der Dinge mit Händen eingegriffen werden, und zwar nach Regeln.“ Er verweist auf Singers ungeklärtes Lieblingswort „beruhen“ und will ihn, Wittgenstein geschult, auf eine Sprachreflexionsebene locken. Er weist zudem moralisch entrüstet den Vorschlag zurück, ihn „persönlich zum Objekt Ihrer Laborverfahren zu machen.“
Petra Gehring, Philosophieprofessorin, springt in ihrem Beitrag „Was der Neurowissenschaftler Singer nicht gelernt hat“ (24.07.) sprachphilosophisch und wissenschaftstheoretisch Janich bei und prangert die „gnadenlose Naivität des Neurowissenschaftlers“ frech-forsch an. Hans J. Markowitsch, Professor für physiologische Psychologie, versucht vermittelnd mit seinem Beitrag „Ohne Gehirn kein Denken“ (22.07.) einzugreifen, indirekt aber mehr Singer zu stützen.
Naja, „Ohne Gehirn kein Denken“, da wären wir aber selbst nicht drauf gekommen und schöne Glasperlenspiele gibt es fast überall. Zu allem gibt es eine Menge qualifizierter Beiträge aus der Leserschaft oder Blogosphäre. Stellvertretend will ich die Beiträge von Uwe Paulsen (Wohlmeinender) hervorheben, die zusätzlich in die Welt der Thermodynamik einführen und die These von der „seamless web of cause and effect“ scharf zurückweisen. Eine Gegenposition bezieht wiederum Heinz Georg Schuster „Ideen haben eine materielle Basis im Gehirn“.
Wie auch immer neuronale Aktivierungsmuster beobachtet und beschrieben werden, das Hirn-Energiegestöber via FAZ scheint zu funktionieren; das gilt für die Kontrahenten und die Mit-Diskutanten.

Zum vorläufigen Abschluss greift Michael Pawlik, Professor für Strafrecht, mit seinem Beitrag „Vor dem Richterstuhl der Vernunft“ (25.07.) in die Debatte ein. Ja, das Verfahrensrecht und das komplexe Elend der Beweislast, ja, so richtert die Vernunft durchs Wissenschaftsland.
Nur, was tun, wenn sich die Kontrahenten nicht auf das Verfahren der „Beweise“ einigen können, sich auf andere, inkommensurable Wissenstraditionen stützen und den wechselseitigen Geburten, manchmal Ungeheuern der Vernünfte nicht trauen?
Pawlik ist sichtlich bemüht „ein ernsthaftes Gespräch über den wissenschaftstheoretischen Status der experimentellen Hirnforschung“ zu initiieren, denn „beide Seiten könnten zu lernen haben.“ Wohl wahr! Nur lassen dies die Eigenschwingungen der interaktiven neuronalen Erregungsnetze zu? Wenn es denn wider erwarten doch zum Prozess kommen sollte, so hat den Richtervorsitz – so mein Vorschlag – der Kollege Humor inne. Beisitzer in den Verhandlungen sind: a) Vernunft 1, b) Vernunft 2, c) Kollege Körperfreuden mit ausgedehnten Hirnfunktionen.
Bei einer Pattsituation der Entscheidung wird das Verfahren auf unbestimmte Zeit vertagt. Unterhändler beider Seiten könnten sich in der Zwischenzeit an Traditionstexten der Philosophie abarbeiten, z.B. an Friedrich Nietzsche (1878/1886), Menschliches, Allzumenschliches, Zweiter Band, Zweite Abteilung: Der Wanderer und sein Schatten, insbesondere Bemerkung (21) Der Mensch als der Messende, (23) Ob die Anhänger der Lehre vom freien Willen strafen dürfen? und (24) Zur Beurteilung des Verbrechers und seines Richters.
Im Gegenzug beschäftigen sich die Unterhändler mit „Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog: Wolf Singer/ Matthieu Ricard, 2008″. Der buddhistische Mönch Ricard hat sich Dank seines buddhistischen Grundlächelns in der Welt auch im Singer’schen Labor eingefunden und bereitwillig seine neuronalen Aktivitätsmuster während der Meditation aufzeichnen lassen. Für ihn, der sich seines reinen Gewahrseins sicher ist, bestätigen die Maschinenmessungen (z.B. Zunahme synchroner Gamma-Oszillationen) nur das, was eine 2500-jährige Tradition eh schon weiß: Meta-Bewusstsein durch Introspektion ist real herstellbar als absolute Aufmerksamkeit, gerichtet auf hirninterne Vorgänge. Durch Meditation können neue mentale Zustände hergestellt und gelernt werden, die auch später willentlich wieder aktiviert werden können. Also, es gibt ihn doch den „freien Willen“, die willentliche Selbstreferenzialität der Gehirnschleifen, aufgelöst im Meta-Bewusstsein. Die bewusste Herstellung klarer und stabiler Geisteszustände ist eben etwas anderes als das interne (unbewusste) Geplapper neuronal messbarer Aktivitätsmuster. Geist ist nicht identisch mit Gehirn und Weisheit hat eben andere Kriterien als Wissenschaft. Wolf Singer dürfte das (inzwischen?) auch so sehen!

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Erhellendes nebenbei gefunden (6)

18. Juni 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Erhellendes nebenbei gefunden (6)

In einer sehr staubigen Ecke der Dunkelkammer hab‘ ich sie gefunden:
Die Kompetenzkompetenz, die VIELE leidenschaftlich als Standard anstreben.

Deshalb brauchen wir Leitfiguren, die Kompetenzkompetenzberatungskompetenz besitzen. Ein Meister dieser Klasse kann dann z.B. Sätze formulieren wie

Regelungen in Deutschland

„Dann hätte man für Deutschland eine Regelung, hätte keine regellose Regelung und die Länder, die … die das nicht regeln wollen, die ham ham dann die Bundesregierung und die Länder, die das … regeln wollen, können dann das für sich regeln.“

Als Übungsmaterial für Lehrlinge, Gesellen und Meisteranwärter eignet sich auch die berühmte „Hauptbahnhof-Rede“.

Bei jedem Kompetenzstreit im Zuständigkeitsgerangel gibt es dann immer wieder Leute, die meinen, dass wir einzig und allein die Inkompetenzbeseitigungskompetenz bräuchten.

( Der geniale Bayer Edmund Stoiber ist so ein Meister der Kompetenzkompetenz, eine Lichtgestalt der Wortakrobatik. Deshalb bringt er zurzeit auch seine Beratungskompetenz zum Bürokratieabbau in Brüssel ein.
Als Wortschöpfer der Inkompetenzbeseitigungskompetenz gilt wahrscheinlich der Philosoph Odo Marquard, ein Traditionsmodernist, schon in den 70er Jahren. Wahrscheinlich handelte es sich um einen philosophischen Beißreflex gegen die aufkommende Schwämme der Schlüsselqualifikations-Kompetenzen-Debatte, ausgelöst durch Dieter Mertens vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Anfang der 70er Jahre.

Wer weiß mehr zum Thema in der Dunkelkammer?

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Der Bildungswirt bekommt Zuwachs

11. Juni 2008 · von frankmackay · Keine Kommentare

Der Bildungswirt bekommt Zuwachs

frankmackay-blogt

In Hessen gibt es [fast] keine Studiengebühren (Gegner-Sprech) oder Studienbeiträge (Befürworter-Sprech) mehr. Vielleicht aus diesem Anlass (mehr Zeit) oder weil Frank Mackay mit dem Bildungswirt im Kaffeesatz stochern möchte… Auf jeden Fall freue ich mich eingeladen zu sein, hier meinen kleinen Kosmos auszulegen. Einige Gründe dafür gibt es bereits hier . Auch wenn es nicht unbedingt eskapistische Motive sind, aber ich wandel gerne zwischen Lernwelten und anderen Niederschlägen. Dabei gar zu beobachten, wie sich die demokratische Öffentlichkeit im Web emanzipiert oder auch nicht und den aktuellen medienjournalistischen Spielstand zwischen S. Niggemeier und H. M. Broder zu verfolgen oder auch zu kommentieren. Das wäre ein Anfang für den ständigen Wechsel zwischen Klick und Lese- sowie Erfahrensfreude.

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