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Mathematikpannen & Witz im Landesabitur 2009

28. März 2009 · von Miller · 7 Kommentare

Mathematikpannen & Witz im Landesabitur 2009

In Hessen wird zurzeit das Landesabitur geschrieben: am 20. März eröffnete Biologie im 1. Bildungsweg den schriftlichen Reigen, gestern war Mathematik dran und das mit handfesten Pannen.
Da wird im Grundkurs Mathematik schon mal ein t mit einem x und ein + mit einem – Zeichen  verwechselt mit fatalen Auswirkungen auf die ( Nicht)- Lösbarkeit der Aufgabe. Im Leistungskurs funktionierte der alternative Weg einfach nicht. Solche Pannen sind peinlich, aber eben nicht in jedem nur denkbaren Fall auszuschließen – sonst wäre es eben keine Pannen.

Die meisten SchulleiterInnen und Kollegien haben souverän reagiert, die Pannen vor der Abitureröffnung korrigiert und für einen reibungslosen Ablauf gesorgt, so z.B. das Rebein-Gymnasium in Hanau (damit nicht immer Frankfurter Schulen erwähnt werden). An einigen Schulen war jedoch die Pannenhilfe nicht schnell genug oder es wurde mitgeschlafen. Dort haben Schüler selbstverständlich ein Recht auf Wiederholung der Abiprüfung. Bei einer eindeutigen Benachteiligung ist dies von Schülern / Eltern beim Schulleiter ggf. beim Ministerium direkt anzuzeigen. Dafür braucht man kein Jurastudium, sondern es genügt der gesunde Menschenverstand.

Zum gesunden Menschenverstand gehört aber auch der Witz. Der fehlte bisher leider  im Abi, soll hier aber stellvertretend nachgeholt werden:

Ein Religionslehrer, ein Physiklehrer und ein Mathelehrer stehen auf einem brennenden Hochhaus. Der einzige Ausweg besteht in einem großen Sprung auf das benachbarte 3-Stock tieferliegende Hochhaus mit einem Swimmingpool auf dem Dach. Der Religionslehrer sagt: Ich spring als erster, habe den göttlichen Beistand. Kurzes Stoßgebet gen Himmel und ein großer Sprung –leider verfehlt und schneller Fall in die unendliche Tiefe des Todes. Der Physiker zieht seinen Taschenrechner, rechnet wild, berechnet  Winkel und Absprungdynamik, peilt die Flugkurve und rechnet erneut. Dann springt er und landet sicher mitten im Pool. Der Mathematiker, beeindruckt von seinem verwandten Kollegen, zieht seinen Taschenrechner, rechnet wild, peilt, rechnet erneut. Dann springt er —— und steigt und steigt und steigt. Was war passiert? VORZEICHENFEHLER! Genau wie im gestrigen Abitur.
(Hat mir in dieser Version ein junger Referendar erzählt – solltet ihr ähnliche Witze kennen, bitte in Blog schreiben.)

Zum Schluss noch ein Hinweis auf das Potenzial von Videos und Unterricht (dank you tube ist vieles möglich), Mathematikunterricht mal anders. Mathe, Gedichte und Witz mit Prof. Ebeling, Uni Hannover, 6 Min. Online-Video.

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Neues Abitur in Hessen?

24. März 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Neues Abitur in Hessen?

Oder nur neues Regelungsgestrüpp für die gymnasiale Oberstufe und das Abitur?

Brandaktuell gibt es auf der Homepage des Hessischen Kultusministeriums einen Entwurf einer Gesamt-Abiturverordnung. Das nennt sich jetzt: „Oberstufen- und Abiturverordnung (OAVO) Stand 19.03.2009“ und soll Ende 2009/ Anfang 2010 in Kraft gesetzt werden. Der Geltungsbereich soll Gymnasien, berufliche Gymnasien, Schulen für Erwachsene, Oberstufen von Gesamtschulen und externe Nicht-Schülerprüfungen umfassen.

Die geneigte Leserin sagt sich da: Warum nicht?
Wenn’s dem Fortschritt dient. Wenn Interessen und Lebenssituationen von vielen Menschen besser berücksichtigt werden. Wenn Bürokratie eingedämmt wird und ein knapp gefasster Text hervorkommt. Wenn eine Gesamtverordnung mit klaren Vorteilen aufwarten kann. Warum nicht?
Indes reibt sich die geneigte Leserin die Augen:
Was ist das für ein aufgepumptes Paragraphen-Machwerk? (104 Seiten). Dann fällt ihr immer noch entspannter Blick auf die Synopse des GANZEN. Prima, kurz einen Überblick (5 bis 10 Seiten), eine Gesamtschau gewinnen, bevor es in die Details geht. Schlagartig verdunkelt sich ihr Blick: 210 Seiten (!) Synopse, ein primitiv aufgelisteter Detailvergleich jedes einzelnen Paragraphen, jeder einzelnen Formulierung und kein Überblick, keine argumentative Darlegung der Nützlichkeit des neuen Vorhabens.
Welche Zauberlehrlinge waren dort am Werk?
Der neuen Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) kann man das noch nicht anlasten, jedoch sollte sie ab jetzt genau hinsehen, was „ihr Ministerium“ so alles zu einem Gesamten meint verwursten zu müssen. Das letzte Wort kann das aus Wiesbaden nicht gewesen sein.

Was dazu wohl der geneigte Leser meint?

OAVO und Synopse stehen zum Download auf der HKM-Homepage zur Verfügung.

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Plug & Play

13. März 2009 · von Heinrich Siebziger · 2 Kommentare

Plug & Play

„Plug & Play“ – Das Zauberwort der Medienwelt im Umgang mit dem multifunktionalen, auch kulturellen Angebot unserer Tage. –
Aber wie ist es mit der zeitraubenden und aufreibenden Unterrichtsvorbereitung der Pädagogen bestellt?
Die dafür vermeintlichen Schlüssel sind Schubladen, gefüllt mit Lernmaterial aus vergangenen referendarischen, studentischen oder schulischen Zeiten, das per se nur dazu geeignet ist, Lernprozesse bei Lernenden und bei Lehrenden auf starre Strecken zu führen oder in einem Verschiebebahnhof enden zu lassen.
Wer auf geraden Strecken fährt, läuft Gefahr die Geschwindigkeit zu steigern, kann vorbeieilende Details nicht definieren und kann sie schon gar nicht verarbeiten oder darauf reagieren.
Was macht der Reisende in diesem Fall? – Er isst und trinkt, holt die Spielkonsole hervor, unterhält sich – vielleicht ungebeten – mit den Mitreisenden oder schläft eine Weile. Im Verschiebebahnhof kommt dann zu den schon genannten Beschäftigungen noch eine große Verunsicherung hinzu.
Eigentlich wollte ich etwas zur Unterrichtsvorbereitung und zum Unterricht ausführen und bin schnurstracks in einer metaphorischen Schublade gelandet.

Schon in den 50er Jahren hat man versucht, verstaubte Schubladen einer unsäglichen Zeit zu entrümpeln. Einige Schubladen hat man dabei übersehen. In den verbleibenden blieben Stoffpläne. Lehrpläne? – Nein, Stoffpläne. In der Sexta obligatorisch dieser Stoff, in der Untertertia jener, in der Oberstufe dann Goethe, Shakesspeare, Ovid. Die inhaltliche Auswahl wurde nicht unwesentlich von Vorkenntnissen des Pädagogen aus seiner Jugendzeit (s.o.), von Vorlieben, Erfahrungen und den besagten Schubladen mitbestimmt. Man fühlte sich an ministeriellen Vorgaben gebunden und führte sie zu seiner Entschuldigung als Berechtigungsnachweis an.
Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost … immer wieder verwenden und nach dem Prinzip „Plug & Play über den Schülerinnen und Schülern ausbreiten. Die Folgen? – siehe Metapher oben.

In den 70er Jahren kam dann ein Professor aus Marburg (Prof. Klafki ), der vom damaligen Kultusminister Ludwig von Friedeburg (SPD) und seiner Staatssekretärin Hildegard Hamm-Brücher (FDP)beauftragt, von Emanzipation der Schüler von Zwängen und für Bereitschaft zur Eigenverantwortung und Kreativität in Schule, Beruf, Familie und Freizeit sprach.

Es führt hier zu weit, diese Aufbruchstimmung für Schüler und Lehrer im Detail und fachbezogen zu beschreiben. Aber eines wurde klar: Die Fachdidaktik ging neue Wege, nicht immer auf geraden Strecken, sondern auch mit Weichen, Kreuzungen und Kurven ausgestattet, endete sie jedoch nie im Verschiebebahnhof. Wer ins Schleudern kam, waren Lehrer mit Schubladendenken.
Jetzt hieß es Unterrichtsstrategien entwickeln bzw. von Schülerinnen und Schülern entwickeln zu lassen, kritisch zu hinterfragen, Alternativen zu entwickeln und auf andere Lernbereiche zu übertragen. Das ging natürlich nicht ohne Unterrichtsmaterial, auf das man zurückgreifen konnte oder in neuem Lernmaterial vorfand. Es wurde aber nicht vorgegeben sondern unter didaktischen Gesichtspunkten ausgewählt und zugeordnet. Das förderte Motivation und Lernvermögen sowie Befähigung zu eigenverantwortlichem Handeln bei Lehrern und Schülern.

Dem didaktisch und methodisch Planenden standen damals aber noch nicht die Mittel heutiger Unterrichtstechnologien, wie z.B. PC und Internet zur Verfügung.

In Wiesbaden wurde das HIBS (= Hessisches Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung) ins Leben gerufen, das in enger Kooperation mit dem Kultusministerium arbeitete. Die neuen Rahmenrichtlinien wurden von Fachleuten und solchen, die sich für kompetent hielten wie auch von ausgewiesenen Laien diskutiert. Die RRL wurden zur Erprobung an die Schulen mit viel Papieraufwand geschickt, (punktuell) auch erprobt und auf Veranstaltungen diskutiert. In dieser Vorlaufphase waren noch am wirksamsten Veranstaltungen des HILF (Hessisches Institut für Lehrerfortbildung) und Besuche von „Fachmoderatoren an Hessischen Gesamtschulen“ ( in den 70er Jahren auf 120 integrierten und additiven Gesamtschulen in Hessen angewachsen). Es lässt sich sicher nachvollziehen, wie zeitintensiv, kostenintensiv und wie umständlich diese Vorgehensweise war.
Die Resultate waren recht bescheiden, scheiterte das Vorgehen oft an ideologischen, parteipolitischen Grabenkämpfen und nicht zuletzt an schwerfälligen, uneinsichtigen und wenig lernbereiten Kollegien. Vielerorts fiel man wieder zurück in die „Schubladenpädagogik“ vergangener Tage.

Gegenwärtig sind auf zwei Ebenen neue Denkansätze zu beobachten.
Zum einen wurde durch die Gründung des Instituts für Qualitätsentwicklung
(- verbesserung?, -wahrung?, -kontrolle?)
an den Auftrag des HIBS aus den 70er und 80er Jahren (unbewusst?) angeknüpft und durch die Entwicklung von Bildungsstandards fortgeführt.
Zum anderen sollen die einzelnen Schulen breiteren Entscheidungsfreiraum erhalten.

Hierin liegt die große Chance aber auch die Verpflichtung einer Neuorientierung.
Der Hebel muss dabei m.E. in der Lehrerausbildung und in der Schule angesetzt werden.
Die Lehrerausbildung müsste grundsätzlich an den Hochschulen und Universitäten positioniert und dort neben der Fachausbildung frühzeitig in die Arbeitswelt eingeführt werden. Bereits dort lassen sich berufliche Fehleinschätzungen und Fehlentwicklungen vermeiden, dagegen pädagogische Begabungen fördern sowie Motivation und Offenheit für Neues nutzen. In Ansätzen ist dies auf dem Gebiet der Musiklehrerausbildung bereits seit 1986 an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellenden Kunst Praxis mit von Mentoren begleitenden Unterrichtssequenzen und einer Lehrprobe als Teil des 1. Staatsexamens.
Exkurs:
In einer Pressemitteilung von heute, dem 13.03.2009, wird vom Beginn einer grundlegenden Reform der Lehrerausbildung berichtet, die solchen Notwendigkeiten Rechnung tragen soll.
Wenn dabei, wie vorgesehen, die Lehramtsstudiengänge auf 6 Semester (Bachelor) bzw.
4 Semester (Master) angelegt werden, sollte überprüft werden, ob die Eingangsvoraussetzungen hierfür vergleichbar sind und den fachlichen Anforderungen genügen. Nur so kann m.E. einem „circulus vituosus“ begegnet werden, der kaum dazu geeignet wäre, die fachlichen Qualitäten angehender Pädagogen mit deren didaktisch-methodischer Qualifizierung in Einklang zu bringen und zu optimieren.

Schulen sollten bei der Entwicklung von Schulprofilen im Bereich der Unterrichtsplanung nicht alleine gelassen werden und Unterstützung durch das IQ erwarten sowie sich der Errungenschaft unserer technisierten Welt bedienen können.
Hierzu bietet das Internet mit der Vielfalt von Vernetzung eine nicht zu unterschätzende Chance, aus dem Schubladendenken herauszuführen, die lange unterschätzen Fähigkeiten unserer Schülerinnen und Schüler und auch der Lehrerinnen und Lehrer zu nutzen und neue Zugangsmöglichkeiten zu motivierenden Lernprozessen bei Schülern und Lehrern in Gang zu setzen.
Dies kann ganz besonders durch begleitende Maßnahmen, z.B. durch Einbeziehen des Internet geschehen, in dem beispielhaft Materialien und Informationen abgerufen werden können. Hier wird eine Plattform für Schulbuchverlage geschaffen. Hier können Vertreter aus Wirtschaft, Kultur oder Geistes- bzw. Naturwissenschaften über Beraterverträge Beiträge einbringen. Darüber hinaus lassen sich zusätzlich unzählige weitgreifende und erweiternde Informationen aus dem Internet beschaffen, wobei die Initiative primär von den Schülerinnen und Schülern ausgehen kann und sich die Tätigkeit des Pädagogen auf handwerkliche Hilfestellung bei jüngeren Jahrgängen und auf Beratung beschränken sollte.

Die Nutzung dieser Chancen und eine flächendeckende Einrichtung von Ganztagsschulen können zu einer Effizienzoptimierung beitragen. Es wäre sogar denkenswert, nach Interessenlage in Arbeitsgruppen jahrgangs- und schulformübergreifend, was ja bereits schon lange in Schulorchestern, Schulchören und anderen AGs praktiziert wird, vorzugehen und dort den „Chatroom“ und ganz allgemein das Internet als Informationsquelle zu nutzen und auszuwerten.
Warum sollte sich dies alles nicht positiv auf eine neue Pisa-Studie auswirken?

Aus dem eingangs erwähnten, scheinbar alles vereinfachenden „Plug&Play“- Begriff kann mit pädagogischem Anspruch nach dem Motto „Pluggen Sie noch oder playen Sie schon“ eine segensreiche Einrichtung mit ungeahnten Perspektiven werden.

Die EZB (=Europäische Zentralbank) hat jetzt, als das Kind bereits in den Brunnen gefallen war, einen „Ethikberater“ berufen, der die Banken beraten und sie auf ethische Prinzipien und Notwendigkeiten hinweisen soll.
Im Prinzip ist diese Einrichtung, wenn auch auf einer anderen Ebene, mit der schulischen Situation vergleichbar.
Für einen neuen didaktischen und methodischen Ansatz für die Schulen ist es noch nicht zu spät, aber höchste Zeit!

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Textanalyse – notwendiges Handwerkszeug für intelligentes Leben

11. März 2009 · von Miller · 7 Kommentare

Textanalyse – notwendiges Handwerkszeug für intelligentes Leben

Sobald wir sprechen oder schreiben, produzieren wir Texte. Wie versuchen uns zu verständigen; wir wollen mit Worten, Sätzen und Lauten in der Regel Sinn entfallen. Täglich nutzen wir Texte – in der Schule, im Beruf, in der Freizeit, in der Öffentlichkeit. Das lateinische Wort textus bedeutet Gewebe, Geflecht. Wir texten oder „weben“, stellen Verknüfungen her, kombinieren, gehen einer Sache auf den Grund, erforschen Ursache und Wirkung, stellen Funktionszusammenhänge her etc.

Die Textanalyse soll klären, was der Text beansprucht, bezweckt oder beim Leser bewirken will (Inhaltsanalyse) und wie diese Inhalte/Gedanken sprachlich gestaltet sind (Sprachana­lyse).
Inhalt und Sprachform können analytisch getrennt werden; tatsächlich handelt es sich aber um eine festgefügte Einheit: Durch eine bestimmte Sprachform (u. a. Wahl der Textsorte, des Sprachstils) erhält der Inhalt seinen Ausdruck. Ausgangspunkt für eine Textanalyse kann sowohl der „Inhalt“ als auch die verwendete „sprachliche Gestaltung“ sein.Textanalyse Sachanalayse SprachanalyseInhaltsanalyse

Grundsätzliche Gesichtspunkte sind:

  • Welche Ziele und Absichten lassen sich aus dem Textinhalt und dem Textaufbau erkennen?
  • Welche Wirkungen sollen beim Leser erreicht werden?
  • Welche Wirkungen werden wahrscheinlich tatsächlich erzielt?

Im Einzelnen kann genauer gefragt werden nach:

  1. Welche Bedeutung hat die Überschrift? Welche Erwartungen sollen geweckt werden?
  2. Passen Textinhalt und Textsorte zueinander? Welche Beziehung oder Diskrepanz kann fest­gestellt werden?
  3. In welcher Absicht werden inhaltliche Schwerpunkte gesetzt? Wie ist die Informationswahl gestaltet? Werden die Absichten und Hintergründe einer bestimmten Auswahl vom Autor explizit genannt oder bleiben diese verschleiert? Wo ist der Text ausführlich oder knapp, konkret oder abstrakt, genau oder vage gehalten?
  4. Ist die Darstellung der Sachverhalte oder der Sachlage korrekt? Liegt eine bewusste Irre­führung des Lesers vor?
  5. Liegt eine klare Textgliederung vor? Welche Wirkung soll durch eine bestimmte Anord­nung des Textes erreicht werden?
  6. Ist der Text sachlogisch weitgehend einwandfrei? Z. B. der Zusammenhang von These – Begründung, angeführte Argumente – Schlussfolgerung. Sind die angeführten „Begründungen“ auch tatsächlich nachvollziehbare „Gründe“?
  7. Welche Rolle spielen Vergleiche, Beispiele, Bezug und Verweis auf „Autoritäten“?
  8. Ist der Text zielgruppenbezogen formuliert?
  9. Gibt es einen Unterschied zwischen Autorenintention und Textintention? Nicht immer stimmt das, was der Autor sagen wollte, mit dem überein, was er tatsächlich gesagt hat.

Sprachanalyse

Grundsätzliche Gesichtspunkte sind:

  • Welche Textsorte liegt vor? Welches „Sprachmaterial“ wird verwendet um die Inhalte, Gedanken und Absichten umzusetzen?
  • Welche Wirkung soll durch eine bestimmte sprachliche Gestaltung erreicht werden? Welche sprachlich-rhetorischen Mittel sind erkennbar?

Im Einzelnen kann gefragt werden nach:

  1. Welcher Kommunikationszusammenhang, welcher Kontext liegt vor? Dasselbe Wort kann in verschiedenen Kontexten sehr Unterschiedliches bedeuten. Immer sind die Textteile und die sprachlichen Mittel auf das Textganze zu beziehen.
  2. Welche Sprache wird verwendet: Fachsprache – Gruppensprache – Sondersprache? Um­gangssprache – Standardsprache (Hochdeutsch)? Amtsdeutsch? Werbesprache?
  3. Lassen sich Stilbrüche erkennen? Wortschatz, Wortwahl, Modewörter, Fremdwörter, Wort­neuschöpfungen? Leerformeln, Phrasen, „Plastikwörter“?
  4. Welche Absicht ist mit einem bestimmten Sprachstil verbunden? Welche Bedeutung haben zentrale Begriffe, Definitionen, rhetorische Mittel?
  5. Welche rhetorischen Mittel werden eingesetzt, z. B. Metapher, Vergleich, Übertreibung, Umschreibung, Beschönigung, Appell, Anspielung, Steigerung, Gegensatz, Nachdruck, Beispiel, Zitat, Wortspiel, Ausruf, Scheinwiderspruch, Scheinfrage, …
  6. Welche Satzarten – Aussagesatz, Fragesatz, Befehlssatz – werden verwendet? Kurze/ lange Sätze? Haupt-/Gliedsätze, verschachtelte Sätze?
  7. Welcher Satzbau liegt vor? Abweichungen von der Norm? Verwendung von Indikativ, Kon­junktiv und Imperativ?
  8. Liegt eine monologische oder dialogische Sprechweise vor? Wie ist der Leserbezug gestal­tet? Welche Funktion haben das „ich“, das „du“, das gemeinsame „wir“ oder das unpersönliche „man“ und „es“?

Schematischer Aufbau einer Textanalyse

  • Nennung von Autor, Titel, Erscheinungsort und -jahr, Bezugsrahmen der Untersuchung
  • Kurze Zusammenfassung des Inhalts, zentrale Aussagen
  • Erste Einschätzung der Textintention, der zentralen Absicht des Textes
  • Analyse einzelner Textteile und Bezug auf das Textganze hinsichtlich Inhalt und verwendeter Sprache
  • Auswertung der Analyse – Bewertung der Ergebnisse
  • ggf. Darlegung des eigenen Bewertungsmaßstabes
  • ggf. Lösungsvorschläge, Alternativen

aus: Michael Miller, Texte formulieren lernen

WICHTIG: Die Textanalyse bereitet meist eine tiefergehende Textinterpretation vor. Oft genug fließen beide im praktischen Vollzug ineinander.

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Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht

6. März 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht

An vielen Schulen und in zahlreichen Abschlussprüfungen – vor allem im Fach Englisch, zum Teil auch in Französisch und Spanisch – wird eine alte, sehr sinnvolle Aufgabenform neu entdeckt: die Sprachmittlung. Sinn einer Sprachmittlung ist es, jemandem wesentliche Aspekte aus einem gesprochenen oder geschriebenen Text zu vermitteln, dessen Sprache er nicht versteht; d.h., den wesentlichen Inhalt, das Wichtige oder für den anderen Interessante aus einem deutschen Text sinngemäß – also in der Regel nicht wörtlich übersetzt – in Englisch wiederzugeben. Oder auch umgekehrt: Wesentliches aus einem englischen Text sinngemäß auf Deutsch zusammenzufassen.

Konkretes Beispiel gefällig?

Welchen konkreten Anwendungsbezug Sprachmittlung haben kann, soll im Folgenden eine Sprachmittlungsaufgabe verdeutlichen, die sich auf den Zornausbruch des damaligen Trainers von Bayern München, Giovanni Trapattoni, auf der berühmten Pressekonferenz am 10. März 1998 bezieht. Auch hier gilt es aus einer – allerdings nicht eindeutig zu bestimmbaren – Fremdsprache in sinnvolles Deutsch zu vermitteln:

Aufgabe: Fassen Sie zusammen, was Trapattoni sagt und was er eigentlich meint.

Giovanni Trapattonis Rede:
„Sind Sie bereit?
Stellen mir die Fragen, wenn hören o verstehen schlecht meine Wörter, bitte. Es gibt im Moment in diese Mannschaft, oh, einige Spieler vergessen ihnen Profi was sie sind. Ich lese nicht sehr viele Zeitung, aber ich habe gehört viele Situationen.

Erstens. Wir haben nicht offensiv gespielt. Es gibt keine deutsche Mannschaft spiel offensiv und die Name offensiv wie Bayern. Letzte Spiel hatten wir in Platz drei Spitzen: Elber, Jancka und dann Zickler. Wir mussen nicht vergessen Zickler. Zickler ist eine Spitzen mehr, Mehmet e mehr Basler. Ist klar diese Wörter, ist möglich verstehen, was ich hab‘ gesagt? Dann. Offensiv, offensiv ist wie machen in Platz.

Zweite. Ich habe erklärt mit diese zwei Spieler: Nach Dortmund brauche vielleicht Halbzeit Pause. Ich habe auch andere Mannschaft gesehen in Europa nach diese Mittwoch. Ich habe gesehen auch zwei Tage de Training.

Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sei … sehen was passieren in Platz. In diese Spiel es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer! (…)“ (ohne Gewähr)
(Den Rest bitte selbst raushören und sprachmitteln … viel Spaß)

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Alles neu im Abitur!

22. Februar 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Alles neu im Abitur!

„Ich bin die Abrissbirne für die deutsche Seele“ – alles glänzt so schön neu; passt sicher auch auf die „verstaubte“ pädagogische Luft, meint nicht nur Peter Fox.
Zuerst aber einige Lockerungsübungen für aufgeschlossene Ministerialräte,  Schulaufsichtsbeamte und Fachkommissionen zur Vorbereitung der Prüfungsaufgaben für das Abitur 2010!

Video 1: Peter Fox, Alles neu with Lyrics

Video 2: Peter Fox, Stadtaffe

Aufgaben
1. Schau und genieße! Etwas klickt immer im Kopf und in den Beinen.

2. Analysiere die beiden Videos hinsichtlich verwendeter Sprache, musikalischer Qualität und filmisch-ästhetischer Präsentation. Schreibe einen Kommentar für den Blog.

3. Produziere ein eigenes Video zu Schule, lernen, Lernförderung und Lernbehinderung.

4. Hast du überhaupt zu gar nichts Lust, bleib‘ im Bett, schlaf‘ weiter und nerve nicht deine Mitmenschen.

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Abitur 2009 – 2011 in Deutschland (2)

16. Februar 2009 · von Miller · 13 Kommentare

Abitur 2009 – 2011 in Deutschland (2)

In Abitur in Deutschland (1) formulierte ich einleitend am 26. Oktober 2008: Von einem der auszog, professionelle Suchmaschinen bediente, Abiture (Abiturkonzeptionen, Abituraufgaben und Abiturlösungen) suchte, Vergleiche anstellte und 2008 das Fürchten lernte.
Nehmen wir an, dass ein junger unerschrockener Abiturient ins Netz tief eindringt und sich richtig schlau machen will. Sein Ziel: angemessene Abiturvorbereitung, bundesweite Transparenz und Überblick zu den gestellten Erwartungen. Was ist sein Ergebnis? Welcher Service wird ihm geboten? Was ist los in der Bildungsrepublik Deutschland?

Die ministerial geschaffene Unübersichtlichkeit und die sehr unterscheidlich ausgeprägte Regelungswut (oder Sehnsucht) erschweren den Durchblick. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Was hat sich 2009 geändert und wie sieht der Ausblick „Abitur 2011″ aus?

Von München bis Flensburg und Berlin wird das hohe Lied auf Bildungsstandards, Kompetenzorientierung und selbstgesteuertes Lernen  gesungen; korrespondierend setzen die bildungspolitisch Verantwortlichen auf die gepriesene ‚ Selbstverantwortliche Schule‘,  auf das Engagement der Schulgemeinde – Schüler, Lehrer, Eltern. Das Abitur – inzwischen in 15 Bundesländern zentral gestellt – gilt immer noch als Aushängeschild, als Gipfel des deutschen Schulwesens. Gerade deshalb bedarf es dringender Korrekturen beim Zentralabitur, wenn man auf der Höhe der pädagogisch-didaktischen Diskussion sein will.
Machen wir uns das am SchlüsselFach Deutsch näher klar, schauen wir uns etwas in Hessen, NRW und Niedersachsen 2008 bis 2011 um.
Die verordneten Pflichtlektüren, Willkürlisten der Vor-Vorgestrigen, die für neue Lehrer von Altlehrern und deren Altlehrern gemacht wurden, lassen für subjektive Präferenzen der Lernenden kaum eine Option offen. In Hessen z.B. schrieb das Kultusministerium für das Landesabitur 2007 und 2008 (Unterricht der gymnasialen Oberstufe) folgende Lektüre zwingend vor: Lyrik der Klassik und Romantik; Schiller: Don Carlos; Hoffmann: Der Sandmann; Büchner: Woyzeck und Briefe; Fontane: Effi Briest, Kafka: Kurze Prosa; Gedichte des Expressionismus; Dürrenmatt: Die Physiker; Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen (nur im Leistungskurs); Kafka: Die Verwandlung (nur im Leistungskurs); Frisch: Homo faber (nur Leistungskurs). Zusätzlich wird für die im »Abschlussprofil des Leistungskurses geforderte größere literarische Belesenheit« erwartet: Brecht: Leben des Galilei; Eichendorff: Das Marmorbild; Th. Mann: Buddenbrooks. Nach zahlreichen Protesten von Lehrern und Eltern wird Dürrenmatt: Die Physiker und Eichendorff: Das Marmorbild wieder gestrichen und gleichzeitig das Abschlussprofil des verbindlichen Unterrichtsinhalts »Reflexion über Sprache« gesetzt. Dazu gehört dann unter anderem – »Das Zusammenwirken von psychischen, sprachlichen, ästhetischen, situativen und normativen Faktoren beim Austausch von Sachverhalten und Informationen erkennen und analysieren, Formen sprachlicher Beeinflussung und manipulativen Sprachgebrauchs erkennen«, aber auch »schriftlich orthographisch und grammatikalisch normgerecht formulieren«.

Schüler und Lehrer geraten unter unnötigen Dauerstress durch diese reglementierenden Erlasse. Das Leseprogramm wird im Stakkato durchgenommen und in die sogenannte Freizeit der Schüler abgedrängt. Von Lehrerseite heißt es dann: »Im Unterricht haben wir dazu nur begrenzt Zeit, wir Lehrer können nichts dafür, das wird vom Ministerium vorgegeben« – Paradebeispiele für Motivationskiller durch abstrakte Autoritäten. Verschärfend kommt noch hinzu:

Literatur nach 1960? Fehlanzeige! 50 Jahre literarische Blackbox: junge deutsche und internationale Autoren sind de facto in der Schule exkommuniziert. Für 2009 und 2010 muss es dann eine neue ministerielle Willkürliste geben, da fast alles in den Schulen und spezifischen Internetseiten schon durchgekaut wurde und die gähnende Langeweile kaum zu unterdrücken sein wird. Im alten Schema verstrickt, würde das dann beispielsweise bedeuten, dass man Fontanes Effi Briest eben durch Irrungen, Wirrungen ersetzt und Schillers Don Carlos durch Die Räuber etc.pp.
In der Tat, es ist für jedermann im Internet nachzulesen: Für das Landesabitur 2009 gelten neu: Lyrik der Klassik gestrichen; Gedichte des Expressionismus durch Lyrik des Expressionismus ersetzt; statt Schillers Don Carlos nicht, wie ich vermutete, Die Räuber, sondern Maria Stuart; statt Fontanes Effi Briest nun Irrungen und Wirrungen; Dürrenmatts: Die Physiker ersatzlos gestrichen; ebenso Frischs: Homo faber und Schillers: Über die ästhetische Erziehung des Menschen. Der große Rest von 2007 bleibt weiter verpflichtend vorgeschrieben. Wer soll diese Willkür begreifen? Warum verschwindet die hochgeschätzte »Effi« jetzt in der Mottenkiste? Noch zwei Jahre zuvor meinte man in weitblickender »abendländischer Tradition« diese Lektüre den Schülern aufs Auge drücken zu müssen. Warum werden Dürrenmatt und Frisch gleich mit erledigt? Fragen über Fragen. Die Verantwortlichen im Ministerium schwimmen in dürren Begründungen, ahnen um den brüchigen Grund, wollen aber an der Pflichtlektüre festhalten, komme, was da wolle. In ihrer Verzweiflung klammern sie sich an ihre beschwörenden Rechts-Voodoo-Sätze wie: »Verpflichtung der Lehrkraft: Jede prüfende Lehrkraft ist verpflichtet, sich gründlich mit dem Inhalt der fachspezifischen Lehrpläne auseinanderzusetzen (§27 (2) VOGO/BG)« und »Grundlage sind die verpflichtend zu behandelnden Inhalte des Lehrplans«.

In anderen Bundesländern sieht es kaum besser aus: In NRW z.B. war für das Abitur 2008 gesetzt: Lessing: Emilia Galotti; Fontane: Irrungen und Wirrungen; Gegenwartsliteratur bis 1960: Lyrik der Nachkriegszeit 1945-1960 (nur für Grundkurs) und Bernhard Schlink: Der Vorleser. Für den Leistungskurs: Lyrik des Barock. Für das Abitur 2009 und 2010 Schiller: Don Carlos, dann mal wieder Fontane: Effi Briest; Büchners Dantons Tod. Gegenwartsliteratur: Lyrik der Nachkriegszeit 1945-1960, aber Schlink: Der Vorleser wird gestrichen und dafür mal Christa Wolf: Kassandra unter Einbeziehung der Frankfurter Poetik-Vorlesungen gesetzt. Für das Abitur 2011 bleibt Schillers Don Carlos, bei Büchner wird zu Woyzeck gewechselt und mit Schnitzlers Traumnovelle garniert. Als „Gegenwartsliteratur“ wird Wolfgang Koeppens Tauben im Gras hervorgeholt und Kassandra wieder abgesetzt. Dazu wird  progressiv „Liebesgedichte in Romantik und Gegenwart (1980-2010)“ verordnet. Für den Leistungskurs wird aber auf die Liebeslyrik mit „Schwerpunkten in den Epochen Barock, Romantik (unter Einbezug von Heine) und in der zweiten Hälfte des 20.Jhs.“ bestanden. Welch fortgesetzte Willkür von Bürokraten, Zwangsbeglückungsprogramm für die deutsche Jugend!

In  Niedersachsen ticken die Uhren wiederum ganz anders. Im Abitur 2009 werden verbindlich drei thematische Schwerpunkte gesetzt: „1. Literaturkritik, 2. Natur und Transzendenz in der Romantik, 3. Soziales Drama.“ Dann erfolgt eine extrem kleinschrittige Festlegung der verbindlichen Lektüre. Beim Schwerpunkt „Literaturkritik“ müssen alle „Die Besten 2004, Klagenfurter Texte“ lesen, dazu werden die Seitenzahlen, z.B. S. 232-237 oder 255-258 bestimmt. Im 2. Schwerpunkt werden gar einzelne Gedichte festgelegt, z.B. Eichendorffs ‚Wünschelrute‘. Für den LK selbstverständlich (?) Karoline von Gründerode und Heinrich von Kleist. Im Schwerpunkt 3: Hauptmann: Die Ratten und Horvath: Geschichten aus dem Wiener Wald. Für das Abitur 2011 sieht man das aber alles wieder anders. Die thematischen Schwerpunkte heißen dann: „1. Deutsche Sprache der Gegenwart, 2. Heinrich von Kleist, 3. Wissen und Verantwortung.“ Im 3. Schwerpunkt wird als verbindliche Lektüre festgelegt: Dürrenmatt: Die Physiker, Ibsen: Ein Volksfeind, Helmut Schmitt – einer seiner vielen „Zeit“-Artikel und als Krönung J.W. Goethe: Der Zauberlehrling. Mit dem „Zauberlehrling“ und dem Nicht-abstellen-Können der Breimaschine werden zu einem Ministerium ungeahnte paralelle Spuren erkennbar, zum Glück nicht interpretativ abiturrelevant. Bertolt Brecht – Lob des Lernens, Lob des Zweifels – wird abschließend für den Leistungskurs zur verbindlichen Lektüre erklärt; der Grundkurs wird davon „befreit“, wer braucht da schon Brecht? „Fragen eines lesenden Arbeiters“ von B.B. sollte man deshalb für alle auf die Internetseiten des deutschen Bildungsservers stellen.

Tiefer nachdenken könnten alle Bildungsinteressierten auch mal über die obligatorische ministeriale Setzung für das Abitur 2009: »Über das Verhältnis von Sprechen, Denken und Wirklichkeit nachdenken: Sprachkritik, Sprachskepsis, Sprachnot (Grund- und Leistungskurs)«. Diese Prüfung sollte auch für Ministerialbeamte und die untere Schulaufsicht eingeführt werden mit Veröffentlichung der Ergebnisse im Internet! Des Weiteren kann niemand mit guten Argumenten erklären, warum im Abitur 2008 »Strukturen der Sprache als System und Funktion ihres Gebrauchs in Texten und Kommunikationssituationen: Rhetorik – öffentliche Rede« noch verpflichtend gesetzt, aber in Hessen für 2009 und 2010 gestrichen wird. Sind öffentliche Kommunikationssituationen nicht mehr von Bedeutung? Warum werden grundlegende Themen wie »Spracherwerb und Sprachentwicklung« nur für den Leistungskurs gesetzt? Ministeriale Willkür, so weit das Auge reicht.

Für Abiturregelungen und Abituraufgaben in Deutschland habe ich eine spezielle Blogroll (rechte Spalte im Bildungswirt) zusammengestellt. Viel Spaß beim Abi-Surfen.

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KIM-Studie 2008:Kinder und Medien, Computer und Internet

13. Februar 2009 · von Miller · Keine Kommentare

KIM-Studie 2008:Kinder und Medien, Computer und Internet

Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland
Herausgeber: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Febr. 2009

Die repräsentative KIM-Studie erfasst den gesamten Medienumgang von Kindern, also Fernsehen, Radio, MP3, Lesen, Computer, Internet und Handy. Weiter werden Themeninteressen, Freizeitverhalten, Medienbindung und Vorbilder erfragt. Die Besonderheit der KIM-Studie ist, dass auch die Haupterzieher, in der Regel die Mütter, mit einem schriftlichen Fragebogen einbezogen werden. Somit können ergänzend zu den Angaben der Kinder Informationen zur Mediennutzung der Haupterzieher, zu deren Einstellungen und zum Medienverhalten in der Familie erfasst werden.

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / KIM-Studie 2008 / www.mpfs.de

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / KIM-Studie 2008 / www.mpfs.de

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Mit zunehmendem Alter ändern sich die Interessen der Kinder. Vor allem die Medienthemen „Computer“, „Computerspiele“, „Handy“ und „Kino/Filme“ werden vermehrt interessant, auch „Kleidung/Mode“, „Musik“ und „Musikstars/Bands“ werden wichtiger. Am deutlichsten verlieren bei älteren Kindern die Themen „Schule“ und „Tiere“.Im Vergleich zur KIM-Studie 2006 zeigen Kinder 2008 weniger Interesse für Kino und Filme, Stars aus Musik, Film und Fernsehen sowie für die Themen „Technik“, „fremde Länder“ und „Autos“. Dagegen begeistert das Thema „Internet“ zunehmend mehr Kinder.

Kinder kommen heute ganz selbstverständlich mit Computern in Kontakt. In 88 Prozent der Haushalte, in denen 6- bis 13-Jährige leben, gibt es mindestens einen Computer oder Laptop. Ein Viertel der Kinder hat ein eigenes Gerät zur Verfügung, sei es in Form eines speziellen Kindercomputers (12 %) oder in Form eines gewöhnlichen Computers, wie ihn auch Erwachsene benutzen (15 %). Entsprechend weisen mehr als drei Viertel (78 %) der Kinder Erfahrungen im Umgang auf (Nutzung zumindest selten). Mädchen (76 %) zählen zu einem etwas geringeren Anteil als Jungen (80 %) zu den Nutzern. Und während bei den 6- bis 7-Jährigen jedes zweite Kind zumindest selten einen Computer nutzt, gehört der Computer bei nahezu allen 12- bis 13-Jährigen zum Alltag (95 %). Im Vergleich zu 2006 stagniert der Anteil der Kinder mit Computererfahrung. Die Befürchtung, dass schon die Jüngsten in immer stärkerem Maße mit dieser Technologie in Berührung kommen, scheint also unbegründet. Da es selbst für den spielerischen Umgang gewisser kognitiver und motorischer Fertigkeiten bedarf, scheint hier eine mehr oder weniger natürliche Grenze gesetzt zu sein.

Wenn Computer in der Schule genutzt werden, dann ist dies bei 46 Prozent der Kinder im Fach Deutsch, 43 Prozent bestätigen dies für den Mathematikunterricht. Mit Abstand folgen Fremdsprachen (35 %), Sachkunde (23 %), Erdkunde (19 %), Biologie (17 %) und Informatik (16 %). Interessanterweise geben Jungen in Mathematik (47 %, Mädchen:38 %), Sachkunde (26 %, Mädchen: 19 %) und Erdkunde (24 %, Mädchen: 15 %) eine intensivere Nutzung an, in den restlichen Fächern liegen die Geschlechter gleichauf.
Betrachtet man den Computereinsatz nach Altersgruppen, werden die Unterschiede zwischen Grundschülern und Schülern weiterführender Schulen und der damit verbundene erweiterte Fächerkanon deutlich. Computereinsatz im Mathematikunterricht spielt besonders für die Schulanfänger eine Rolle, bei den Sprachen und den naturwissenschaftlichen Fächern kommt er verstärkt bei den ab-10-Jährigen zum Einsatz. Im Deutschunterricht geht der Computereinsatz nach der Grundschule dagegen deutlich zurück.

Jenseits des Fachbezugs stellt sich die Frage, welche konkreten Anwendungen mit dem Computer in der Schule im Mittelpunkt stehen. Betrachtet man hier die Tätigkeiten, die mindestens einmal pro Woche von den Kindern in der Schule ausgeübt werden, dann steht die Nutzung von Lernprogrammen an der Spitze (66 %). Recherchen im Internet (58 %) stehen ebenso häufig auf dem Programm wie das Schreiben von Texten (55 %). Weniger verbreitet ist das konkrete Lernen einer Software wie Word oder Powerpoint (36 %) oder die Durchführung von Berechnungen mittels des Computers (33 %). 16 Prozent erstellen einmal pro Woche oder häufiger eine Präsentation oder ein Referat.

Anmerkung: Die Computernutzung in der Schule ist nach Fächern und Intensität noch sehr unterschiedlich entwickelt. Trotz einiger Fortschritte besteht noch erheblicher Handlungsbedarf. Nicht eindeutig ist aus der Studie die tatsächlich Intensität nachgewiesen. Eine Nutzung von mindestens einmal in der Woche würde bedeuten, dass die Schule faktisch den Computer und das Internet als Lernmedien ignoriert. Einfache Modellrechnung: 30-35 Std. Unterricht pro Woche  – unterstellte Computernutzung 1-2 Std. würde eine ca. 5% Nutzungsdauer ergeben. Ein Armutszeugnis.

Kostenfreier Download der KIM-Studie 2008 unter : www.mpfs.de

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