Der Bildungswirt

Bildung Schule Kultur Wirtschaft

Der Bildungswirt header image 4

Einträge gespeichert als 'Literatur / Film'

Kapitalismus – eine Weltreligion?

8. April 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Kapitalismus – eine Weltreligion?

Die aktuelle Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise setzt Themen auf die Tagesordnung, die noch vor 6 Monaten tabu waren: Verstaatlichung der Banken, strenges Reglement der Finanzmärkte, neue Bankenaufsicht, neue System- und Wertfragen. Die Leitfragen heißen: Welche Maßnahmenpakete sind am besten geeignet, das Gemeinwohl durchzusetzen? In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Oder doch: Wie sozialisieren wir die gigantischen Verluste mit Hilfe einer enormen Staatsverschuldung und garantieren die privaten Gewinne der Investoren für die Zukunft?

Der Gott des Geldscheins scheint überall angebetet, alle anderen Götter weitgehend abgeschafft. Der Volksatheismus hat längst seine neuen Tempel des permanten Konsumrausches international gefunden. Soll dagegen ein Kraut gewachsen sein? Gibt es wirkliche Alternativen? Ratlosigkeit im Weltinnenraum des Kapitals? Wird die tieferliegende ökologische Fundamentalkrise in ihren vielfältigen Dimensionen begriffen? Gibt es Lebensqualitätssteigerungen trotz oder wegen einer Konsumstagnation? Welche Maßstäbe sollen gelten – kollektiv und individuell?

Der erste Blogger mit Nobelpreis, Paul Krugmann, formuliert einige Gedanken hier in zwei Videos:

Fragen, die selbstverständlich auch fächerübergreifend in die Schule gehören. Wo sind die vorzeigbaren Projekte?

Obamas Ersatzkapitalismus genügt sicher nicht zur Krisenbewältigung.

[Weiter hier... →]

Tags: Allgemein · Bildung · Gymnasium · Interviews · Literatur / Film · Vorbilder

Schulverweigerer: Unser allerbestes Jahr

6. April 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Schulverweigerer: Unser allerbestes Jahr

No school. No work. No responsibilities. Just three films a week.
Die Schule als Albtraum wird vom 16-jährigen Sohn Jesse abrupt beendet und in einem außergewöhnlichen Deal mit Vater David besiegelt: „Ich will, dass du jede Woche mit mir drei Filme anschaust. Ich suche sie aus. Das ist die einzige Form von Ausbildung, die du bekommst“.
Der kanadische Filmkritiker und Journalist David Gilmour hat mit “The Film Club“ 2007 (in der seltsamen deutschen Übersetzung: „Unser allerbestes Jahr“ 2009, das drei Jahre dauerte) einen Bestseller über seine „Vater-Sohn-Beziehung“ vorgelegt. Es ist ein unterhaltsamer, witzig und locker geschriebener „Bildungsroman“, der 60 Jahre Filmgeschichte als Projektionsfolie für intensive Vater-Sohn-Gespräche nutzt, eine „Biografie“ der ganz besonderen Art. Ob Truffauts Sie küssten und sie schlugen ihn oder Psycho, Der Exorzist, Rosemarys Baby, Der letzte Tango von Paris, Der Pate, Rocky, Für eine Handvoll Dollars, Dirty Harry, Internal Affairs, Das Gesetz bin ich, Out of Sight, Calahan, Chungking Express und 100 andere mehr, es geht um eine wundervolle Vater-Sohn-Zeit und nebenbei um die allmähliche Verfertigung des eigenen ästhetischen Urteils beim Sehen. „Wir redeten über die sechziger Jahre, über die Beatles (zu oft, aber Jesse war geduldig), über schlechtes Trinken und gutes Trinken, dann wieder über Rebecca („Meinst du, sie macht Schluss mit mir?“), über Hitler, Dachau, Richard Nixon, Untreue, Truman Capote, die Mojave-Wüste, Suge Knight, Lesben, Kokain, Heroin Chic, die Backstreet Boys (meine Idee), Tattoos, Johnny Carson, Tupac (seine Idee), Sarkasmus, Hanteltraining, Penisgröße, französische Schauspieler und e.e.cummings. Was für eine Zeit (…). Das Leben war da, gleich neben mir auf dem Sofa.“ (S.118)
Väter, lest dieses brillante Buch und ihr habt einen besseren Zugang zu euren Söhnen. Ministerialbeamte, seht mehr bedeutsame Filme und überlegt intensiv, was wirklich in der Schule noch verordnet werden sollte.

Das Buch: David Gilmour, Unser allerbestes Jahr. Roman. Deutsch von Adelheid Zöfel. Frankfurt: S. Fischer Verlag 2009. 256 S., 18,95 € www.fischerverlage.de  Weitere Infos unter:
http://www.ndrkultur.de/feuilleton/buecher/nbunser100.html
http://blog.literaturwelt.de/archiv/david-gilmour-unser-allerbestes-jahr/

Welch dürftige Kost ist dagegen in deutschen Schulen 2009 zu finden. Verordnete vergreiste Leselisten als Zwangsbeglückungsprogramme für die gymnasiale Oberstufe. Gute Filme sind weitgehend exkommuniziert, zu Niederungen und zur Privatsache erklärt. Es wundert geradezu, dass es nicht mehr Schulverweigerer gibt. Vielleicht zählen wir nur falsch: Massenhaft geistige Verweigerung bei körperlicher Anwesenheit?

PS. Öfter mal Deutsche Bahn fahren rentiert sich. In Mobil 03/2009 gab es den exklusiven Vorabdruck des 1. Kapitels und ein Interview mit dem Autor.

[Weiter hier... →]

Tags: Bewusstsein · Bildung · Kunst/ Kultur · Literatur / Film · Vorbilder

Deutschland: Vielschichtige Geschichtsbilder

20. März 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Deutschland: Vielschichtige Geschichtsbilder

Die Bundesrepublik Deutschland wird 60, die Mauer ist durch Massenproteste und einen gewieften Einheitskanzler Kohl vor 20 Jahren gefallen. Im Jubel des ganzen Jahres 2009 (ja wo laufen denn die jubelnden, heiteren, befreiten Menschen in Ost und West?) wird nebenbei 1945-49 vergessen. „Mein Deutschland“ heißt die große Serie in der ZEIT, die gestern gestartet wurde.

Was der Bildungswirt dazu u.a. meint, lesen Sie hier.
Der Politapparatschik Günter Schabowski stammelte am 09.Nov. 1989 zur Maueröffnung: „Das trifft nach meiner Kenntnis  … ist sofort, unverzüglich.“ Die ZEIT meint doch, dass er „Weltgeschichte“ geschrieben hätte. Mit Verlaub, 3 Tage später wäre ein anderer SED-Betonkopf gekommen … Der Treppenwitz-Geschichtsgestalter kommt zur späten Einsicht: „Letztlich hatte der Mauerfall neben seinem weltverändernen Impuls auch den Beton in einem Parteikopf bersten lassen – in meinem eigenen.“ Immerhin. In den nächsten Monaten werden vielschichtige Versionen der Geschichte auf uns niederrieseln. Auch Bert Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“ könnte mal wieder herausgezogen werden.

Aufgabe: Untersuchen Sie das dargebotene Bildmaterial. Schreiben Sie Ihre Ergebnisse in den Kommentar.

[Weiter hier... →]

Tags: Allgemein · Bewusstsein · Bildung · Literatur / Film · Unterricht

Kinder, Kreativität und Kneipengespräche

28. Februar 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Kinder, Kreativität und Kneipengespräche

In – „Von der kindlichen Neugier und was die Schule verstehen sollte (1 und 2)“ – hatte ich das nahezu unerschöpfliche Kreativitätspotenzial von Kindern näher beleuchtet. Die Essenz des dargestellten kindlichen Entdeckergeistes, die
Phantasie im Überschwang wird in vielfältigen Gesprächen in der Kneipe geteilt; Eltern schildern immer neue Varianten von Spielen, Einfällen und Kombinationen ihrer Kinder. Fast alle sind sich einig, dass ihre Kleinen ständige Neuschöpfer sind (von der Nachahmung zur Innovation), sie schon deshalb geliebt werden sollten, aber dass auch alles soooooo anstrengend ist und man sich immer wieder von der ganzen Belastung überfordert fühlt. Doch das gemeinsame Liebesgrundgefühl verkraftet eben eine ganze Menge, die schon erschöpfte Mutter bzw. der genervte Vater wächst dann regelmäßig über sich hinaus und bringt neue harmonische Energie ein.

Aber man sieht als ständiger Beobachter vereinzelt an den Kneipentischen, im Verhalten der Kinder, im Blick, in der Geste Anzeichen des »Dramas des begabten Kindes« (A. Miller). Angegriffene Kinderseelen, verängstigte Augen, aggressives Verhalten, schon bevor sie in die Grundschule kommen. Überforderte Eltern, die aus Scham (»was könnte der Nachbar von uns denken?«) ihre Überforderung mit suggestiven Sprüchen der Stärke übertünchen und nicht zum notwendigen Ruf nach einer ›organisierten Elternschule‹ ansetzen. Persönliche Kraft und Einsicht reichen nicht zum Aufbruch. Einige erstarren in Stummheit, blicken mit geballter Leere ins Bierglas, während das Kind, schon unruhig, auf dem Stuhl hin und her rutschend, vor dem leeren Glas Cola sitzt und nervös wartet, was weiter passiert.

Kindesmißhandlungen als Tabuthema

Manchmal kommt bei Stammgästen sogar ein Tabuthema auf den Tisch, man kennt es zumindest vom Hörensagen: Hunderttausende Kinder in Deutschland (oder doch 2 Millionen mit ungeklärter Dunkelziffer?) sind verwahrlost, sexuell missbraucht, grün und blau geschlagen, psychisch gestört, systematisch vernachlässigt – der alltägliche Terror in der Kleinfamilie. Viele Eltern sind überfordert, kommen mit ihrem eigenen Leben nicht (mehr) zurecht. Hilflosigkeit schlägt um in blinde Aggression. Auch sadistische Verhaltensweisen finden ihr Betätigungsfeld: systematischer Liebesentzug, Nahrungsentzug, Isolationshaft und vielfältige Foltermethoden. Da wird mal die brennende Zigarette auf der Kinderstirn ausgedrückt, da wird mal das Kind halb totgeschlagen, zu Tode ›geschüttelt‹ oder einfach gleich in den Wäschetrockner gesteckt, am besten im Mülleimer entsorgt. Wer’s überlebt, sich als Kind durchkämpft, sich geschickt anpasst, auf den wartet oft ein kollektives Schicksal: rasant wachsende Kinderarmut in Deutschland als einem der reichsten Länder der Welt!

Chronisch unterversorgte Jugendämter sind zu oft machtlos – zu wenig Personal, zu wenig alternative Kinderhäuser zur Regeneration der Geschädigten, zu wenig finanzielle Spielräume. Verantwortliche Politiker schauen weg, retten sich in schwülstige Reformrhetorik voller Folgenlosigkeit. Dann kommen diese gepeinigten Sechsjährigen in die Grundschule, und alles soll besser werden? Schule in der bisherigen Form ist mit diesen komplexen Problemen strukturell überfordert und der einzelne Lehrer allemal. Auch die ganz besonders engagierte und erfahrene Vorzeigelehrerin kann die Schärfe der Probleme nur etwas mildern, lösen kann sie diese nicht.

[Weiter hier... →]

Tags: Allgemein · Bewusstsein · Bildung & Gastronomie · Grundschule/Kindergarten · Literatur / Film · Vorbilder

Alles neu im Abitur!

22. Februar 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Alles neu im Abitur!

„Ich bin die Abrissbirne für die deutsche Seele“ – alles glänzt so schön neu; passt sicher auch auf die „verstaubte“ pädagogische Luft, meint nicht nur Peter Fox.
Zuerst aber einige Lockerungsübungen für aufgeschlossene Ministerialräte,  Schulaufsichtsbeamte und Fachkommissionen zur Vorbereitung der Prüfungsaufgaben für das Abitur 2010!

Video 1: Peter Fox, Alles neu with Lyrics

Video 2: Peter Fox, Stadtaffe

Aufgaben
1. Schau und genieße! Etwas klickt immer im Kopf und in den Beinen.

2. Analysiere die beiden Videos hinsichtlich verwendeter Sprache, musikalischer Qualität und filmisch-ästhetischer Präsentation. Schreibe einen Kommentar für den Blog.

3. Produziere ein eigenes Video zu Schule, lernen, Lernförderung und Lernbehinderung.

4. Hast du überhaupt zu gar nichts Lust, bleib‘ im Bett, schlaf‘ weiter und nerve nicht deine Mitmenschen.

[Weiter hier... →]

Tags: Abitur · Berufsschule · Bewusstsein · Bildung · Dunkelkammer · Gesamtschule · Gymnasium · Hauptschule · Literatur / Film · Unterricht · Vorbilder

Schiller, Wallenstein und deutsche Bildungspolitik

3. Februar 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Schiller, Wallenstein und deutsche Bildungspolitik

Friedrich Schiller – der verspätete Stürmer und Dränger, der Pathosgeschwängerte, der Revolutionsangefixte und doch beigebogene Vertreter der Weimarer Klassik – lässt seinen Wallenstein ausrufen:

Nicht was lebendig, kraftvoll sich verkündet,
Ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz
Gemeine ists, das ewig Gestrige,
Was immer war und immer wiederkehrt,
Und morgen gilt, weil’s heute hat gegolten!
Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht,
Und die Gewohnheit nennt er seine Amme.
Weh dem, der an den würdig alten Hausrat
Ihm rührt, das teuerste Erbstück seiner Ahnen!
Das Jahr übt eine heiligende Kraft,
Was grau für Alter ist, das ist ihm göttlich.
Sei im Besitze, und du wohnst im Recht,
Und heilig wird’s die Menge dir bewahren.

Kreative Übung: Wenden Sie die Wallenstein-Aussage auf die deutsche Bildungspolitik an. Wäre z.B. das „Konzept der selbstverantwortlichen Schule“ etwas, das „sich kraftvoll verkündet“, was wäre der „würdig alte Hausrat“? Oder Lug, Trug und Verstellung, soweit das Auge blicket?

Zur weiteren Einstimmung hier noch eine besondere Variation des Literarischen Quartetts: Schiller, Schiller, Schiller,Ideal und Wirklichkeit streben weit auseinander …

Wenn Sie einige Zeit und Mühe aufwenden wollen: Erarbeiten Sie sich den Kontext der Wallenstein-Rede. Verschaffen Sie sich einen schnellen Überblick (Wikipedia oder Kindlers Literatur Lexikon). Wer sind die Gegner, die »ewig Gestrigen«? Wie urteilt Schiller über seine literarische Hauptfigur? Hätte Schiller eine Handlungsalternative für seine Tragödie gehabt? Warum muss zwingend zwischen dem historischen und dem literarischen Wallenstein unterschieden werden?

[Weiter hier... →]

Tags: Abitur · Bildung · Dunkelkammer · Gesamtschule · Gymnasium · Kunst/ Kultur · Literatur / Film · Unterricht

SchulVerwaltung Hessen/Rheinland-Pfalz: Geheimtipp

23. Januar 2009 · von frankmackay · 1 Kommentar

SchulVerwaltung Hessen/Rheinland-Pfalz: Geheimtipp

Bernd Frommelt, Min. Dir. a. D., ist Präsident der Gesellschaft zur Förderung Pädagogischer Forschung e.V.
und Herausgeber der Zeitschrift für Schulleitung und Schulaufsicht in Hessen und Rheinland-Pfalz.

Er schreibt dort im aktuellen Heft 2/2009:

Schließlich noch ein „Geheimtipp“: an verborgenem Ort veröffentlicht Michael Miller sein „Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft“. Der Autor – Vater von fünf Kindern, Lehrer, Kneipier, Musiker , promovierter Philosoph – bietet in herzerfrischendem, mitunter flapsigem Duktus eine kenntnisreiche, kluge und bildungsgesättigte tour d´horizon durch alle die Themenfelder, die gegenwärtig Gegenstände der „großen“ politischen Debatte, aber eben auch der Diskussionen am Stammtisch sind. Und am „Stammtisch“ setzt er an, macht erfrischend konstruktive Vorschläge – Vorschläge für „Bildungsstandards für Lehrer“, für „Neue Lernkulturen und einsichtige Aufgabentypen“, wettert gegen Bürokratieauswüchse und „wortklingelnde Reformrhetorik“, um mit einer – mit seiner – überraschend ernsten, fundiert begründeten Vision eines anzustrebenden Gesellschaftsmodells, in dem „Ökologie, Ökonomie, Kreativität, Spiel, Effizienz und globale Verantwortung“ „in Anerkennung der Differenzen“ immer wieder zueinander finden, zu enden.
Das schlanke pfiffig aufgemachte Buch – von Gedankensprüngen hin und wieder ein wenig überfrachtet, zwischen Zitaten aus „Hoch“- und „Trivial“kultur mäandernd – eignet sich für alle, die für den überfälligen Diskurs über die Zukunft unseres Bildungswesen phantasievolle Anregungen bedürfen und „schräge Blicke“ auf die Verhältnisse schätzen – für „aufgeklärte Stammtische“ beispielsweise.

Michael Miller, Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft – Alle reden von Schule – was ist zu tun? Norderstedt 2008

[Weiter hier... →]

Tags: Allgemein · Bewusstsein · Bildung · Bildungsstandards · Literatur / Film

„Die Klasse“ im Chat – das Filmereignis 2009?

20. Januar 2009 · von frankmackay · 2 Kommentare

„Die Klasse“ im Chat – das Filmereignis 2009?

Kinoeintrittskarte: Die Klasse

Der französische Film Die Klasse von Laurent Cantet (in deutscher Fassung) läuft aktuell in den Kinos. Als Buchvorlage diente Entre les murs (Zwischen den Mauern) des Französischlehrers Francois Begaudeau; er spielt im Film selbst die Hauptrolle. Im letzten Jahr preisgekrönt mit der goldene Palme in Cannes, von ttt empfohlen und ndr.kultur.de meint „…von einem Lehrer, der die Schlacht der Bildung schlägt.“ Naja …
Pädagogen, Eltern und einige Schüler strömen in die Kinohallen, so auch wir.

F.M.: So eben noch im Film „Die Klasse“ nun im Chat?
Außer schlecht angezogene Lehrer im Film UND im Kino… Wie gefiel er dir?

Ramba: Erstes unreflektiertes Feedback: Bei den Lehrern würde ich als Schülerin auch irgendwann ausrasten.

F.M.: Ja, irgendwie dürftige Pädagogen und warum machen sie diesen Stoff? Naja, wenigstens stellten die Schüler hin- und wieder noch Fragen, die etwas mit „Lernen“ zu tun hatten!!!

Ramba: Die Klasse, die dargestellt wurde, war keine Klasse, wie man sie sich klischeehaft als „Problemklasse“ vorstellt und sollte doch eine sein. Aber warum?

Ramba: Die Schüler haben Interesse gezeigt an dem, was sie im Unterricht durchgenommen haben. Das hat sich zum Beispiel daran gezeigt, dass sie hinterfragt haben, was sie lernen mussten. -> Warum müssen wir diese Konjugationsform kennen? So spricht doch kein Mensch.

Ramba: Wer so interessierte Schüler hat, der sollte ihnen nicht mit komischen Aufgaben kommen wie: Schreibt eure Gefühle auf in einem Selbstporträt…

F.M.: Ja, irgendwie sehr merkwürdig diese Selbstporträts, aber vielleicht als autobiographischer Ansatz nicht ganz auszuschließen…, nur der Lehrer erklärt nicht, warum er es macht. Der Sinn bleibt aussen vor.

Ramba: Ich glaube, ich bin mit der Erwartung in den Film gegangen, dass man die Probleme sieht, denen ein Lehrer „heutzutage“ gegenübersteht. Dabei ist das eher ein Film, der zeigt, welche Probleme die Schüler haben, wenn sie sich so hilflosen Lehrern gegenüber sehen, von denen man den Eindruck hat, sie wissen auch nicht so richtig, was sie wollen.

F.M.: Naja, am Schluss kicken sie zusammen Fußball und Suleyman, der „Problemschüler“, ist wohl in seinem Dorf in Mali abgeschoben worden …

Ramba: Ja, das ist auch seltsam. Irgendwie plätschert der Film ja so dahin, ist aber aufgrund der ewigen Diskussionen, die zu nichts führen, im Klassenzimmer und in den Lehrerkonferenzen wirklich anstrengend. Und dann zum Schluss kicken Schüler und Lehrer fröhlich miteinander, Suleyman wird gar nicht mehr thematisiert und auch der Kinozuschauer ist froh, dass endlich Ferien sind.

F.M.: Angenehm fand ich die Schülerin am Ende, die ihrem Lehrer sagte, sie habe nichts gelernt – dafür hätte ich als Lehrer, auch an deutschen Schulen, viel Verständnis, denn es bleibt unklar, was die Schülerin denn hätte lernen sollen, der Lehrer war völlig hilflos und konnte ihr nicht weiterhelfen.

F.M.: Die klassische Frage nach Bildung – gehts um das Lernen lernen oder um Plattentektonik, Eizellen, chemische Reakionen…

Ramba: Was bleibt ist ein Gefühl, dass der Film etwas vermitteln wollte, was er nicht vermitteln konnte…


Filmtrailer:

und Kritik .

[Weiter hier... →]

Tags: Berufsschule · Bewusstsein · Bildung · Dunkelkammer · Literatur / Film