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Das Vergnügen mit der pädagogisch-gastronomischen Vernunft

26. April 2011 · von Miller · Keine Kommentare

Das Vergnügen mit der pädagogisch-gastronomischen Vernunft

Es ist ein Vergnügen, dieses Büchlein zu lesen. Sprachlich auf hohem Niveau und dennoch gut verständlich beschäftigt sich Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft mit den „heißen Eisen“ der Bildungspolitik und lässt nichts aus: Schüler, Lehrer, neue Lernkulturen, Schulreform, Bürokratie und buntes Stimmengewirr. Aber nicht nur Kritisches wird geliefert, auch Alternativen bis hin zu praktischen Tipps werden formuliert. Besonders amüsant ist der ständige Szenenwechsel, vom Bildungsgeschehen zur Kneipe als eine der bedeutendsten sozialen und kulturellen Institutionen des gesellschaftlichen Lebens und zurück. Kneipe als Ort, von dem Schule lernen kann, verblüffend und doch immer nachvollziehbar.
Michael Miller, Lehrer, Erwachsenenbildner, Kneipenbesitzer, Musiker, Blogger, IQ-Mitarbeiter und Schulbuchautor gibt mit dieser 185 Seiten zählenden Schrift den Lesenden Mehrfaches: vergnügliches Lesen und zum Nachdenken Anregendes, Kritik und Lösungsansätze und letztlich – zumindest mir – einen etwas anderen Zugang zum Bildungsgeschehen. ISBN 978-3-837-05476-7. (DS),

Quelle: Dieter Staudt, in: GEW-Berufsschul-Insider Hessen O1/2011

 

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Vor der Bildung – frei nach Kafka

5. März 2010 · von tango · 1 Kommentar

Vor der Bildung – frei nach Kafka

Vor der Bildung steht ein Ministerialbeamter. Zu diesem Ministerialbeamten kommt ein Schüler aus einem sozialen Brennpunkt und bittet um Zutritt zur Bildung. Aber der Ministerialbeamte sagt, dass er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Schüler überlegt und fragt dann, ob er also etwas später werde eintreten dürfen. „Es ist möglich“, sagt der Ministerialbeamte, „jetzt aber nicht.“ Da das Tor zur Bildung offen steht wie immer und der Ministerialbeamte beiseite tritt, bückt sich der Schüler, um durch das Tor in das Innere zu sehen. Als der Ministerialbeamte das merkt, lacht er und sagt: „Wenn es dich so lockt, versuche es doch trotz meiner Verfügung hineinzugehn. Merke aber: Ich bin mächtig. Und ich bin nur der unterste Ministerialbeamte. Von Saal zu Saal stehn aber Referatsleiter und Ministerialdirigenten, einer mächtiger als der andere. Schon den Anblick des dritten Ministerialbeamten kann nicht einmal ich mehr ertragen.“

Solche Schwierigkeiten hatte der Schüler aus einem sozialen Brennpunkt nicht erwartet; Bildung soll doch jedem und immer zugänglich sein, denkt er, aber als er jetzt den Ministerialbeamten in seinem Doppelreiher genauer ansieht, seine zackigen Bügelfalten, sein Hoheitszeichen am Revers und seine verbittert nach unten gezogenen Mundwinkel, entschließt er sich, doch lieber zu warten, bis er die Erlaubnis zum Eintritt bekommt. Der Ministerialbeamte gibt ihm ein Schulbänkchen und lässt ihn seitwärts von der Tür sich niedersetzen. Dort sitzt er Tage und Jahre. Er macht viele Versuche, eingelassen zu werden, und ermüdet den Ministerialbeamten durch seine Bitten. Der Ministerialbeamte stellt öfters kleine Verhöre mit ihm an, fragt ihn über seine Vornoten aus und über auswendig Gelerntes, es sind aber teilnahmslose Fragen, wie sie gelangweilte Bildungsinspektoren stellen, und zum Schlusse sagt er ihm immer wieder, dass er ihn noch nicht einlassen könne. Der Schüler, der sich für seine Bildungsreise mit viel Faktenwissen ausgerüstet hat, verwendet alles, und sei es noch so lehrplangemäß, um den Ministerialbeamten zu bestechen. Dieser hört sich zwar alles an, aber sagt dabei: „Ich höre mir nur alles an, damit du nicht glaubst, etwas versäumt zu haben.“ Während der vielen Jahre beobachtet der Schüler den Ministerialbeamten fast ununterbrochen, er vergisst die anderen Ministerialen, und dieser erste erscheint ihm das einzige Hindernis für den Zugang zur Bildung. Er verflucht den unglücklichen Stillstand, in den ersten Jahren rücksichtslos und laut, später, als er älter wird, döst er nur noch teilnahmslos vor sich hin. Er wird pubertär, und, da er in dem jahrelangen Studium der Verwaltungsvorschriften auch die Ärmelschoner an den Hemdsärmeln des Ministerialbeamten entdeckt hat, bittet er auch die Ärmelschoner, ihm zu helfen und den Ministerialbeamten umzustimmen. Schließlich wird seine Innenbeleuchtung schwach und er weiß nicht, ob sein Geist wirklich trüber wird oder ob ihn nur seine Trägheit täuscht. Wohl aber erkennt er jetzt im Dunkel einen Glanz, der verheißungsvoll aus der Türe zur Bildung bricht.

Nun hat er nicht mehr lange. Vor seinem Abschluss sammeln sich in seinem Kopfe alle Erfahrungen der ganzen Zeit zu einer Frage, die er bisher an den Ministerialbeamten noch nicht gestellt hat. Er winkt ihm zu, da er seinen erstarrenden Geist kaum noch aufrichten kann. Der Ministerialbeamte muss sich tief zu ihm hinunterneigen, denn der Größenunterschied hat sich sehr zu Ungunsten des geduckten Schülers verändert. „Was willst du denn jetzt noch wissen?“ fragt der Ministerialbeamte, „bist du noch immer wissbegierig?“ „Alle streben nach Bildung“, sagt der Schüler, „wieso kommt es dann, dass in den vielen Jahren niemand außer mir Einlass verlangt hat?“ Der Ministerialbeamte erkennt, dass der Schüler schon an seinem Ende ist, und, um sein verlöschendes Gehirn noch zu erreichen, brüllt er ihn an:“ Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Zugang war nur für dich und deine Entwicklung bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.“

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Meisterdenker Habermas ist 80!

18. Juni 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Meisterdenker Habermas ist 80!

Lieber Jürgen Habermas,
Gratulation zum biblischen Alter und zu einem augenscheinlich gelungenen Leben.

Die international auf Sie gesungenen Lobeshymnen sind unüberhörbar und die ZEIT erblickt in Ihnen gar die neue „Weltmacht“. Selbst Obama als alte Weltmacht ist beeindruckt und will kontrafaktisch an der Idee der kommunikativen Vernunft zukünftig festhalten, auch wenn man dies in China, im Sudan oder im Iran noch anders sieht. Die iranische Bloggerszene übt in der gegenwärtigen Staatskrise die Guerillataktik des „herrschaftsfreien Dialogs“.

Dennoch, lieber Herr Habermas, die kommunikative Vernunft endet i.d.R. im Vorhof der Macht. Und die „Diktatur des Sitzfleisches“ bricht in homersches Gelächter aus ob dieser Narren. Immerhin: Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Das motiviert mich jeden Tag von Neuem, gegen die Überwucherungen der paranoiden Systeme anzukämpfen, sagen wir besser: ein Schnippchen zu schlagen, damit immer wieder Frischluftströme für die Lebenswelten entstehen.

Gern lade ich Sie in mein öffentliches Wohnzimmer im Frankfurter Nordend ein. Habermas-Oberseminar konnte ich es nicht nennen, deshalb habe ich mich abgekürzt für ODYSSEE entschieden.
Shake-Hands und beste Grüße vom Bildungswirt

PS. Kleinere Irrtümer Ihrerseits zur Medienkraft und Wirksamkeit des Internets wollen wir heute nicht diskutieren. Champagner und Schnittchen für alle heißt das Gebot der Stunde.

Abschließend noch ein Blitzlicht für den Meister des gepflegten Salons:
Frankfurt, heute 17 Uhr, unsere gemeinsame Stadt, Willy-Brandt-Platz, Europäische Zentralbank, Demo der Bildungsstreikenden – Polizeiaufgebot als ob die Wandalen und Hunnen gleichzeitig anrücken würden. Man spürte sozusagen kontrafaktisch den herrschaftsfreien Dialog.

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Übungsstunde für freie Geister (2)

17. Juni 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Übungsstunde für freie Geister (2)

Die Lösung

Nach dem Aufstand am 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbandes
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, dass das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch doppelte Arbeit
Zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte einfach ein Anderes?

Bertolt Brecht, 1953

Die DDR ist eingemeindet, wen interessiert da noch der Aufstand vom 17.Juni 1953? Die Integration ist abgeschlossen, blühende Landschaften, soweit die Brille hält. Jetzt wird ab 2009 und zukünftig so lange gewählt, bis uns das Ergebnis in Gesamtdeutschland passt. Wollt ihr die Große Koalition? Genau, so geht’s weiter im Land.

Lösen Sie sich auf oder kommentieren Sie z.B. im Bildungswirt. Was meint hier das Volk?

DDR-Propaganda-Material von 1953

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Die Superlehrer und Sat1

16. Juni 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Die Superlehrer und Sat1

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Fernsehen, Sat1, gestern, 20.15 – startete die neue Serie „Die Superlehrer“, die sich als Teil des neuen pädagogischen Montagabend-Programms versteht. Praktische Lebenshilfe für gestrandete Jugendliche soll angeboten werden. „Ich will kein Hartz-IV-Empfänger werden“ – das ist Marvins erklärtes Ziel und sein Ansporn, doch noch einen Hauptschulabschluss zu machen. Genau wie 15 andere Jugendliche zwischen 16 und 22 Jahren nimmt auch er am Sat.1-Dokutainment-Projekt teil. Vier Lehrer und eine Sozialpädagogin wollen die Jugendlichen in nur 14 Wochen an ihr Ziel bringen: den wertlosen Hauptschulabschluss und damit auch eine größere Chance, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Um was geht’s eigentlich? Weiter hier…

Regeln_fuer_die_Superlehrer_Sat1

Aus der Vorstellung des Projekts (pdf).

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Opium und Champagner für alle

17. Mai 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Opium und Champagner für alle

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Friedrich Schiller suchte den beglückenden Rausch. „Ich kann mich nicht mit mir selbst versöhnen“, stellte er fest und gab sich den Drogen hin, auch der ständigen Arbeitsdroge der Dichtung. Nicht nur die Ode an die Freude, auch Das Lied von der Glocke rauscht noch heute durch die Gassen. Oder ist doch schon alles verstummt?

Lutz Görner, der große Rezitator, die lyrische Stimme Deutschlands, bringt Schiller hautnah zum Klingen, entlockt ihm neue, bisher weitgehend unbekannte Seiten.
„Ich denke, es lohnt sich für Sie, denn wir müssen uns heutzutage noch einmal auf neue Weise diesem Schiller nähern, der anders als Goethe immer wieder missbraucht wurde und der diesen Missbrauch auf Grund seiner Werke teilweise auch zuließ.“ (Lutz Görner)
Ab 03. September beginnt in Jena seine große „Schillerreise“. Am 31.10.2009 ist er in Frankfurt. Weitere Auftritte hier

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Gewalt und Bildungsniveau an Schulen?

11. Mai 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Gewalt und Bildungsniveau an Schulen?

Gewalt an Schulen ist ein großes Thema, die Suche nach dem Bildungsniveau – ja wo steckt es denn? –  ein noch größeres. Man kann sicher sagen: BILDUNGS-NIVEAU, das Dauerthema.

Die mündliche Rede, zumal die satirisch-beißende, ist dem normalen schriftlichen Text hier überlegen. Das Video ist tatsächlich eine tolle Errungenschaft und Dank Web 2.0 lässt es sich schnell in einen Blog einbauen.

Schauen wir doch, was Satiriker Georg Schramm zu diesen beiden Themen für ein Feuerwerk der Sprache und des Geistes entfacht. Vergleichen Sie mit Ihren eigenen Schulerfahrungen.

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Tags: Bewusstsein · Bildung · Dunkelkammer · Literatur / Film · Unterricht

Relaxed in education & mission

17. April 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Relaxed in education & mission

Ferien sind unterrichtsfreie Zeit, Besinnungszeit, Metareflexion, was wie warum erreicht wurde oder auch misslang. Ferien bedeuten auch Seele baumeln lassen, relaxed im Liegestuhl, Bücher stöbern, Unterrichtseinheiten und Filme sichten, Schreibtisch ordnen, Musik hören….

Die gute Lehrerin, der gute Lehrer versucht geistigen Raum zu schaffen, immer wieder auch mal hinter dem Beat -lay back – in den Arbeitsprozess, in die Improvisation einzusteigen, d.h. zuhören und spüren, wohin die Reise im Unterricht geht. Zwischendurch vielleicht einmal für den eigenen Groove Grover Washington hören?

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