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Der Frankfurter Theoretiker Ulrich Oevermann ist 70 – Glückwunsch!

28. Februar 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Der Frankfurter Theoretiker Ulrich Oevermann ist 70 – Glückwunsch!

Ulrich Oevermann, der Frankfurter Gesellschaftstheoretiker, Soziologe, Sozialpsychologe und professionelle Hochschullehrer alter Schule ist heute 70 Jahre geworden. Er ist einer der wenigen mit eigenständigem Gedanken und großem Forschungsgebiet: Objektive Hermeneutik.
Vereinfacht formuliert: Jede menschliche Handlung läßt sich als TEXT formulieren und in der Tiefe analysieren. Offensichtliche Sinnkonstruktionen mit oft unübersehbaren Folgen,  verborgener Sinn können entschlüsselt werden. Welt ist Text/Zeichen/Spur und dadurch zugänglich.

Das Manifest der objektiv hermeneutischen Sozialforschung gibt einen Einblick in die Forschungstätigkeit.

Oevermann engagiert sich auch für das bedingungslose Grundeinkommen und die Zukunft der Arbeitsgesellschaft. Er ist Gegner der “neuen” Hochschulreform als eine Ausdrucksform verbetriebswirtschaftlicher Lehre und Forschung.

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Tags: Bildung · Bildungsgipfel · Dunkelkammer · Kunst/ Kultur · Wirtschaft

Weiter bilden ohne Lebenslanges Lernen?

29. Januar 2010 · von frankmackay · Keine Kommentare

Weiter bilden ohne Lebenslanges Lernen?

Seit 1999 schreibt ein elektronisches Feuilleton Team aus Berlin an der Berliner Gazette.
Wöchentlich erreicht den heimischen Briefkasten per Mail eine neue oder weitere Perspektive zum aktuellen Jahresmotto. In den letzten Jahren kleidete man die Themen Arbeit, Gemeinschaft oder auch das Wasser in ein schriftsprachliches Protokoll mit Menschen, die den Horizont weiten. Für 2010 lautet das Thema “Bildung” mit der Leitfrage:

“Wie koennen wir uns immer weiter bilden ohne lebenslang lernen zu muessen?”

Dabei soll über einen aus der Wirtschaft geprägten Begriff der Bildung hinausgegangen werden – den “Fehler” vom Pranger holen!
Im ersten Bildungsprotokoll der Berliner Gazette vom 13.1.2010 unterscheidet die Choreographin Heike Henning lernen und sich bilden durch das Tempo, wie diese Prozesse ablaufen.

“Sich bilden bedeutet ueber lange Zeit etwas reifen zu lassen, es dringt durch andere Kanaele ein und schafft eine gewisse Selbstgewissheit und Gelassenheit mit sich in der Welt.”

Illustriert wird dies mit der Präsenz des Körpers bei der Empfindung bestimmter anatomischer Regionen und damit auch einer Selbstvergewisserung einer eigenen Identität. Christian Neuner-Duttenhofer vom GreenCampus steckt in der Ausgabe vom 19.1. seine Koordinaten: Meisterschaft, Konzentration, Presencing und De-organisation mit seinem Interesse am Lernen ab. Anregend sind seine kurzen Hinweise auf den Wandel des Lernens aufgrund von Erfahrungen hin zu einer direkten Wahrnehmung und Aktualisierung der eigenen Zukunftsmöglichkeiten. Im aktuellen Protokoll vom 27.1. weißt David Grubbs auf Bildungsunterschiede zu den USA hin und sieht die größte Herausforderung in der digitalen Welt sich auf „ein einzelnes Thema lange genug zu konzentrieren.“

An die Protokolle schließen sich Links zu den Autoren, deren Tätigkeitsorten oder weiteren Theorieerläuterungen. Zum Schluss einer jeden Rundmail folgen noch Veranstaltungshinweise – meist für Berlin…

Sind wir also gespannt, welche Bildungsdebatte diese mediale Plattform spinnt und geben die Einladung der Berliner Gazette weiter:

Wir laden ProjektemacherInnen aus allen Sektoren der gesellschaftlichen Innovation [[Sub-]Politik, Oekonomie, Technologie, Kunst, Wissenschaft, etc.] dazu ein, Antworten auf unsere Leitfrage zu geben und so die Bildungsdebatte um neue Perspektiven zu erweitern.

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Tags: Kunst/ Kultur

Kafka und moderne Pädagogik

7. Januar 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Kafka und moderne Pädagogik

oder Schule, Mütter und Evaluationsagenturen
Wenn irgendein anscheinend vom Leben unbeleckter Knirps mit vollgestopfter Schultasche in der staatlich verordneten Gehirnerweiterungsmanege von nahezu unermüdlichen, nur das Beste wollenden pädagogischen Vorturnern monatelang ohne Unterbrechung systematisch belehrt würde, unentrinnbar begleitet von gierigen aalglatten Evaluationsagenturen mit immer neuen Aufgabensettings, Testreihen und auf jedes Detail fixierten Videoaufzeichnungen seiner mühevollen, aber erfolgsgetäfelten Genese, er, der Knirps, geschmacksneutrale Antidepressiva jeden Morgen schluckend , Zähne zusammenbeißend zu immer noch größeren, fast unglaublichen Leistungssteigerungen sich antreiben lassend, ständig begleitet vom immer wieder neu anschwellendem Beifallsklatschen der Professoren mit den grünen Gläsern und den extensiven Bildungsstandards in alleswissenden gestempelten Dokumenten verpackt, er, der Candide, unter heftigen Leibschmerzen sich krümmend, sich den schon völlig verwirrten Kopf haltend — ja, vielleicht eilte dann eine junge Mutter, begleitet von vielen anderen, in die angsteinflößende Anstalt des öffentlichen Rechts, risse alle Türen des pädagogischen Grauens auf und riefe das: Halt! unbeeindruckt von vordergründig trüben Blicken einer nicht genau zu identifizierenden Schulmasse.

Da es aber nicht so ist; ein freudestrahlender Götterfunken-Jüngling wie naturgegeben die frische freie Luft des Lernangebots einatmet, selbst in tiefere Gefilde mit seinem ganz eigenen Rhythmus eintauchend; hingebungsvoll unterstützt von an der Sache und dem Jüngling gleichermaßen interessierten weitblickenden Pädagogen; die großzügig angelegte, in animierende Farbenspiele getauchte bahnbrechende Architektur des Gebäudes geradezu zu Lernexperimenten, Dialogen und vielfältigen Kooperationen einlädt, gleichzeitig Rückzugsbereiche für Schüler und Lehrer mit individuellen Gestaltungsmöglichkeiten ausweist; die vorbildliche Teamarbeit schon beim Betreten dieses wunderbaren Gebäudes jedem Beobachter buchstäblich ins Auge springt; der Direktor sich in fast schon übermenschlicher Aufopferung um die bestmöglichen Rahmenbedingungen des Lernens, um „Geschichte und Eigensinn“, um Tradition und Innovation kümmert; Wissenschaftler nicht nur ihre geschliffenen Gläser auf eine breite Palette unterschiedlicher Farbfilter hin prüfen, sondern in einer weltoffenen und wertsensiblen Haltung ständig auf Interdisziplinarität und west-östliche Perspektivwechsel bedacht sind, auch nicht zu schade, in brenzligen Situationen, die Ärmel aufkrempelnd, selbst in die Schülermanege zu steigen und, falls notwendig, auch Hausmeister zu peinlichster Achtsamkeit für Schülerbelange zu ermahnen; der Schüler, der Jüngling, der Knirps geradezu wertgeschätzt wird, dass professionelle Pädagogen jedes Jahr von neuem, durch diesen von der Gesellschaft finanzierten Traumberuf, mit der nachwachsenden Generation zusammen arbeiten und lernen dürfen — da dies so ist, liegen viele junge Mütter in wattebepolsterten Hängematten, ihr ganz eigenes Mantra murmelnd, in einem rätselhaften Traum versinkend, das Gesicht vornüber gebeugt, mit schweren Tränen in ihren Augenwinkeln, die sie nicht wirklich bemerken.

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Tags: Bewusstsein · Bildung · Kunst/ Kultur · Unterricht

Hauptschüler als Leistungsträger der Gesellschaft – wirklich gewollt?

22. Dezember 2009 · von tango · Keine Kommentare

Hauptschüler als Leistungsträger der Gesellschaft – wirklich gewollt?

Unter der Leitung der Schauspielerin Barbara Englert und mit Unterstützung des hessischen Kinderschutzbundes sowie des Offenen Kanals Offenbach realisierten Hauptschüler einer SchuB-Klasse der Frankfurter Innenstadtschule eine Aufführung von Schillers Don Carlos.

Der Prozess der Aneignung des auch für Oberstufenschüler sperrigen Theaterstücks wurde in einem „Making of“ von den Schülern selbst dokumentiert, ebenso wie die Erstellung eines Bühnenbildes, der Kostüme, die musikalische Begleitung am Klavier, Fechteinlagen, Konzentrations- und Bewegungsübungen. Zwei Frankfurter Tageszeitungen berichteten unter dem Titel Abiturstoff für Hauptschüler bzw. Die Macht des Don Carlos ausführlich über diese enorme Leistung vom ersten Erlesen bis zur kompletten Aufführung in nur 19 Tagen. Dies zeigt, dass Hauptschüler zu Leistungsträgern der Gesellschaft werden könnten, wenn man Potenziale wirklich ausschöpfen wollte und Hauptschule bzw. Schule insgesamt folgendermaßen verändern würde:

  • Schüler erarbeiten sich etwas mit allen Sinnen, nicht nur auf ihrem Stuhl sitzend und frontal den Input erwartend
  • Sie sind nicht an die statische Architektur eines Raumes gebunden, sondern der Raum wird Teil der Lernarchitektur, der sich den Erfordernissen und Zielen angepasst (beim Projekt ermöglichte die freie Natur oder ein großer Raum Bewegung und Expression)
  • Sie haben Zeit, an etwas dranzubleiben, bis sie ein eigenes Ergebnis sehen, statt in einer Massenabfertigung im 45-Minutentakt Stoff eingehämmert zu bekommen nach dem Motto Friss oder stirb
  • Sie genießen ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuwendung (durchaus auch in Form von konstruktiver Kritik)
  • Sie können, ja müssen kooperieren, um Erfolge zu genießen
  • ihr Selbstbewusstsein wird durch Bestätigung und Erfolg gestärkt, statt durch Sanktionen geschwächt
  • Man traut ihnen auch große und schwierige Leistungen zu, statt eigene Erwartungen schon vorab herunterzuschrauben
  • Man anerkennt sie als Subjekte gemeinsamen Lernens und Arbeitens, ohne die kein Ergebnis zustande kommen kann, statt in ihnen nur Objekte für reproduzierte Lernleistungen zu sehen
  • Man hilft ihnen, damit sie es selber können.

Daraus ergeben sich folgende Fragen zu pädagogischen Konsequenzen:

Warum werden solche Erkenntnisse, die in erfolgreichen Projekten gewonnen werden, trotzdem nie in der Fläche umgesetzt?

Warum werden solche Projekte zwar medial, oft sogar politisch gefeiert, aber nie zur alltäglichen Praxis?

Etwa, weil während dieser Zeit ja gar kein Englisch- oder kein Mathematikunterricht stattfände?

Nein, keineswegs, denn wer auf diese andere Art erfolgreich lernt und dadurch Selbstvertrauen gewinnt, hat seinen Kopf auch für andere Lernleistungen geöffnet, sofern diese nicht wieder nach alter Trichterart den Rückschritt einleiten.

Vielleicht hat man aber auch gar kein Interesse daran, die nötigen Konsequenzen zu ziehen, dann müsste nämlich die Hauptschule als Restschule schließen, denn Don Carlos wäre plötzlich für alle be-greifbar und das Gymnasium würde über Nacht zur Regelschule der Gegenwart!

Die oft ausgemusterten Hauptschüler würden plötzlich zu wirklichen Leistungsträgern, nicht diejenigen, die durch riskante Unternehmungen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten, der dann, weil sie dafür selten die Verantwortung übernehmen, von den eigentlichen Leistungsträgern der Gesellschaft wieder bereinigt werden muss.

All denjenigen, die dieses Theaterprojekt ermöglicht und begleitet haben, vor allem aber den jungen Hauptschülern, ohne die dieses Projekt nicht erfolgreich hätte sein können, gebührt Dank.

Vielleicht finden solch positiven Ergebnisse und Erkenntnisse irgendwann einmal Eingang in eine flächendeckende pädagogische Qualitätsentwicklung, die diesen Namen auch verdient!

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Seraphim Sax – Bach trifft Tango, Jazz und Blues

9. Oktober 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Seraphim Sax – Bach trifft Tango, Jazz und Blues

Freuen Sie sich auf ein außergewöhnliches Konzert. Die Westfälischen Saxophoniker laden zur Premiere ihrer neuen Kirchenbespielung. Mit „Seraphimsax – Bach in concert II“ wollen die zehn Musiker/innen wieder Barock und Jazz stimmig verbinden.
Basis von „Seraphimsax – Bach in concert II“ sind Johann Sebastian Bachs Oster- und Himmelfahrtsoratorium, zwei ebenso filigrane wie eindrucksvolle Orchester- und Chorwerke, die heute nur selten aufgeführt werden. Sorgfältig arrangiert für neun Saxophone plus Kesselpauken / Perkussion, ziehen schon sie eine Spannbreite von
stimmgewaltiger großer Besetzung bis zum intimen Trio. Dabei strahlen die Sopransaxophone wie Trompeten, Tenorsaxophone übernehmen samtig die Bratschen und die Baritonsaxophone tuckern wie ein Fagott – die Wandlungsfähigkeit des Saxophons macht es möglich.
Erweitert werden die Originalkompositionen durch Jazz-Stücke, die Akkordfolgen oder Melodien der barocken Werke aufnehmen. Johann Sebastian Bach trifft so auf Jazz, Tango und Blues. „Viele erstaunt das nahtlose Einfügen der zeitgenössischen Stücke“, so Andreas Bootz, Arrangeur und Kopf der Westfälische Saxophoniker „doch in Bachs
Werken finden sich typische Jazzfolgen ebenso wie Funk oder popmusikalische Themen. Es ist, als wenn der barocke Meister viele der heutigen Musikformen in Grundzügen schon in seine Musik aufgenommen hat – und das vor über 200 Jahren.“
Viel sei ausnotiert, aber natürlich gebe es Improvisationsteile, in denen die Solisten nach Akkordvorgaben frei spielen.
Das ähnliche Konzept hatte schon vor einigen Jahren bei den Kirchenbespielungen „Magnifisax“ (Bach) und „Gloriasax“ (Vivaldi) der Westfälischen Saxophoniker für Furore gesorgt. Nach ca. 50 Kirchenbespielungen in ganz Deutschland (und auf dem Balkan) wurde es ruhiger um die Gruppe, nach einjähriger Vorbereitung folgt nun die dritte
Premiere.
Neun ostwestfälische Saxophonisten mit Wurzeln in der Klassik wie im Jazz spielen bei Seraphimsax zusammen. Kern des Ensembles ist Bielefeld, wenn auch Gütersloher, Verler und Wertheraner mitspielen. „Mit solch einem Konzept setzt man sich leicht zwischen alle Stühle und bei den Proben ist Anpassungsvermögen gefordert, um einen gemeinsamen Klangkörper herzustellen: Denn klassisch ausgebildete betonen Melodien oft anders als Jazzer.“
Aber die Arbeit habe sich gelohnt: „Bach hat eine enorm lebendige, moderne und ergreifende Musik geschrieben – und genau das wollen wir zeigen.“

Ergebnis: ein lebendiges Barock-Happening auf Basis der Bachschen Meisterwerke
Konzertdauer ca. 75 Minuten, keine Pause
Aktuell in der neuen St. Nicolai-Kirche in Frankfurt, Rhönstraße/ am Zoo
Sonntag, 25.Oktober 2009, 18 Uhr
Eintritt 14,- (10.-) Euro

Jugendliche Nachahmer, auch etwas für die Schule. Klassik mit Leib und Seele, modern interpretiert!

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Tags: Allgemein · Bewusstsein · Bildung · Kunst/ Kultur

Opium und Champagner für alle

17. Mai 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Opium und Champagner für alle

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Friedrich Schiller suchte den beglückenden Rausch. “Ich kann mich nicht mit mir selbst versöhnen”, stellte er fest und gab sich den Drogen hin, auch der ständigen Arbeitsdroge der Dichtung. Nicht nur die Ode an die Freude, auch Das Lied von der Glocke rauscht noch heute durch die Gassen. Oder ist doch schon alles verstummt?

Lutz Görner, der große Rezitator, die lyrische Stimme Deutschlands, bringt Schiller hautnah zum Klingen, entlockt ihm neue, bisher weitgehend unbekannte Seiten.
“Ich denke, es lohnt sich für Sie, denn wir müssen uns heutzutage noch einmal auf neue Weise diesem Schiller nähern, der anders als Goethe immer wieder missbraucht wurde und der diesen Missbrauch auf Grund seiner Werke teilweise auch zuließ.” (Lutz Görner)
Ab 03. September beginnt in Jena seine große “Schillerreise”. Am 31.10.2009 ist er in Frankfurt. Weitere Auftritte hier

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Relaxed in education & mission

17. April 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Relaxed in education & mission

Ferien sind unterrichtsfreie Zeit, Besinnungszeit, Metareflexion, was wie warum erreicht wurde oder auch misslang. Ferien bedeuten auch Seele baumeln lassen, relaxed im Liegestuhl, Bücher stöbern, Unterrichtseinheiten und Filme sichten, Schreibtisch ordnen, Musik hören….

Die gute Lehrerin, der gute Lehrer versucht geistigen Raum zu schaffen, immer wieder auch mal hinter dem Beat -lay back – in den Arbeitsprozess, in die Improvisation einzusteigen, d.h. zuhören und spüren, wohin die Reise im Unterricht geht. Zwischendurch vielleicht einmal für den eigenen Groove Grover Washington hören?

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Schulverweigerer: Unser allerbestes Jahr

6. April 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Schulverweigerer: Unser allerbestes Jahr

No school. No work. No responsibilities. Just three films a week.
Die Schule als Albtraum wird vom 16-jährigen Sohn Jesse abrupt beendet und in einem außergewöhnlichen Deal mit Vater David besiegelt: „Ich will, dass du jede Woche mit mir drei Filme anschaust. Ich suche sie aus. Das ist die einzige Form von Ausbildung, die du bekommst“.
Der kanadische Filmkritiker und Journalist David Gilmour hat mit “The Film Club“ 2007 (in der seltsamen deutschen Übersetzung: „Unser allerbestes Jahr“ 2009, das drei Jahre dauerte) einen Bestseller über seine „Vater-Sohn-Beziehung“ vorgelegt. Es ist ein unterhaltsamer, witzig und locker geschriebener „Bildungsroman“, der 60 Jahre Filmgeschichte als Projektionsfolie für intensive Vater-Sohn-Gespräche nutzt, eine „Biografie“ der ganz besonderen Art. Ob Truffauts Sie küssten und sie schlugen ihn oder Psycho, Der Exorzist, Rosemarys Baby, Der letzte Tango von Paris, Der Pate, Rocky, Für eine Handvoll Dollars, Dirty Harry, Internal Affairs, Das Gesetz bin ich, Out of Sight, Calahan, Chungking Express und 100 andere mehr, es geht um eine wundervolle Vater-Sohn-Zeit und nebenbei um die allmähliche Verfertigung des eigenen ästhetischen Urteils beim Sehen. „Wir redeten über die sechziger Jahre, über die Beatles (zu oft, aber Jesse war geduldig), über schlechtes Trinken und gutes Trinken, dann wieder über Rebecca („Meinst du, sie macht Schluss mit mir?“), über Hitler, Dachau, Richard Nixon, Untreue, Truman Capote, die Mojave-Wüste, Suge Knight, Lesben, Kokain, Heroin Chic, die Backstreet Boys (meine Idee), Tattoos, Johnny Carson, Tupac (seine Idee), Sarkasmus, Hanteltraining, Penisgröße, französische Schauspieler und e.e.cummings. Was für eine Zeit (…). Das Leben war da, gleich neben mir auf dem Sofa.“ (S.118)
Väter, lest dieses brillante Buch und ihr habt einen besseren Zugang zu euren Söhnen. Ministerialbeamte, seht mehr bedeutsame Filme und überlegt intensiv, was wirklich in der Schule noch verordnet werden sollte.

Das Buch: David Gilmour, Unser allerbestes Jahr. Roman. Deutsch von Adelheid Zöfel. Frankfurt: S. Fischer Verlag 2009. 256 S., 18,95 € www.fischerverlage.de  Weitere Infos unter:

http://www.ndrkultur.de/feuilleton/buecher/nbunser100.html

http://blog.literaturwelt.de/archiv/david-gilmour-unser-allerbestes-jahr/

Welch dürftige Kost ist dagegen in deutschen Schulen 2009 zu finden. Verordnete vergreiste Leselisten als Zwangsbeglückungsprogramme für die gymnasiale Oberstufe. Gute Filme sind weitgehend exkommuniziert, zu Niederungen und zur Privatsache erklärt. Es wundert geradezu, dass es nicht mehr Schulverweigerer gibt. Vielleicht zählen wir nur falsch: Massenhaft geistige Verweigerung bei körperlicher Anwesenheit?

PS. Öfter mal Deutsche Bahn fahren rentiert sich. In Mobil 03/2009 gab es den exklusiven Vorabdruck des 1. Kapitels und ein Interview mit dem Autor.

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