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Wie löscht das HKM einen Feueralarm?

21. November 2009 · von frankmackay · 1 Kommentar

Wie löscht das HKM einen Feueralarm?

Stell dir vor, du schreibst dein Mathe-Abitur, der Schulfeueralarm geht los, deine Arbeit wird eingesammelt. Dann kämpfst du mit Bildungsbehördenmauern um die Bewertung des Vorfalls und um die Wertung deiner Mathe- Leistungen. Im Zeitalter von Bürgerjournalismus ,Blogs-Foren-Chats-Communities,  suchst du mit satirischer Aufarbeitung um Unterstützung und dann bekommst du Post aus der Bildungsbehördenzentrale mit dem Hinweis, dass du keine Rechte hast und Anweisungen befolgen …

Auf das Kommando "Feuer" werfen sich die Kinder auf den Bauch, bei "Wind" halten sie sich an etwas oder jemandem fest... (Kindergartenspiel)

Auf das Kommando "Feuer" werfen sich die Kinder auf den Bauch, bei "Wind" halten sie sich an etwas oder jemandem fest... (Kindergartenspiel)

Bildungsbehördliche Korrespondenzen in diesem Fall nicht in Gänze zu veröffentlichen, widerspricht dem gesunden Menschenverstand, denn bei diesem Text:

Sie haben sich mit einer Eingabe an mich gewandt und letztlich darum gebeten, bei der Wiederholung der abgebrochenen Abiturarbeit analog zum Verfahren im Landesabitur Mathematik bei den Gymnasien im März / April dieses Jahres die erste Arbeit zu korrigieren und zu bewerten und nach der Wiederholung die bessere der beiden Arbeiten in das Prüfungsergebnis einzubeziehen. Dies ist aus vielerlei Gründen nicht möglich. Meine Begründung entnehmen Sie bitte dem in der Anlage beigefügten Schreiben, das gleichlautend auch an das Abendgymnasium Frankfurt geschickt wurde.

Braucht die geneigte Leserschaft die Anlage! Danke ins Dachgeschoss!
(Es grüßt Frankmackay aus Berlin)

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Deutschunterricht: Sprache und Vernunft 2009 – drei kreative Stunden

25. September 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Deutschunterricht: Sprache und Vernunft 2009 – drei kreative Stunden

Da in der Berliner Republik, nicht nur im Bundestags-Wahlkampf 2009, ein Strom von Gefasel und gestanzten Textbausteinen medial in ohrenbetäubender Weise abgesondert wird, könnte man fast annehmen, Sprache und Vernunft hätten nichts mehr miteinander gemein. Angesichts eines polit-technokratischen Neu-Sprechs aus – „wir haben die Kraft“, „wir halten Wort“, „wir sind die Mitte“ bis hin zu „Nullwachstum“, „Rettungsschirm“ und „Abwrackprämie“, „die Reform der Reform der Reform“, die „kontinuierlichen Strukturentwicklungsprozesse“, „die Rentendämpfungs- und Lohnanpassungsformeln“, alles aus „fester Überzeugung ohne Wenn und Aber“ und „zunächst einmal wollen wir den Wählerinnen und Wählern danken“, „den Menschen draußen im Land“- lohnt sich ein Moment der Besinnung, der Erinnerung, als Sprache und Vernunft noch göttlich zusammen gedacht wurden.

Im Berlin von 1766 veröffentlichte Johann Peter Süßmilch seine Sprachursprungstheorie. In der Vorrede komprimiert er die Essenz: „Mein ganzer Beweis beruhet auf wenigen Sätzen und lasset sich leicht einsehen. Mein erster Satz ist: Die Sprache ist das Mittel, zum Gebrauch der Vernunft zu gelangen, ohne Sprache oder andre gleichgültige Zeichen ist keine Vernunft (…) Wer also Werke des Verstandes will hervorbringen, der muss sich im Gebrauch der Sprache befinden. Der zweite Satz ist: Die Sprache oder der Gebrauch der lautbaren Zeichen ist ein Werk des Verstandes, und zwar eines sehr großen und vollkommenen Verstandes, der alle Zwecke übersehen und der das ganze Sprachgebäude nach selbigen einrichten können, welches aus Vollkommenheit der Ordnung der Sprache unleugbar erhellet: Folglich hat derjenige, welcher die Sprache gebildet hat, sich schon im Gebrauch einer Sprache befinden müssen. Könnte der Mensch für den Erfinder angenommen werden, so müsste er sich schon vor der Erfindung der Sprache in dem Gebrauch der Sprache befunden haben, der Mensch müsste ohne Sprache klug und vernünftig gewesen sein, welches doch als unmöglich erwiesen ist. Daher bleibt uns nichts als der göttliche Verstand übrig.“

Das waren noch Zeiten! Gott und Logik. Fast wäre man geneigt auszurufen: Herr, warum hast du uns verlassen? Medien als Systemselbstläufer errichten den nächsten (realen und virtuellen) Turmbau zu Babel, ohne es selbst noch zu bemerken. „Die schwarze Milch der Frühe“ (Celan) versteht dann keiner mehr.

Aufgaben/ Fragen
1. Notieren Sie ihren ersten Eindruck zur verwendeten Sprache im  Wahlkampf der Parteien.

2. Sammeln Sie “Textbausteine” aus politischen Reden/Interviews , die (fast) immer passen, d.h. zu jeder Gelegenheit eingesetzt werden können. Recherchieren Sie im Netz arbeitsteilig in verschiedenen Medien.

3. Entwerfen Sie eine Kurzrede zu einen politischen Thema und verwenden Sie solche “Textbausteine”. Tragen Sie diese im Kurs vor.Wenn möglich, drehen Sie ein Video für “You tube” – sachlich, heiter, satirisch, zynisch …?

4. Diskutieren Sie Alternativen zu diesem weitverbreiteten “politischen” Jargon.

5. Wie interpretieren Sie  die Achse – Gott, Logik, Sprache – ?

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Mehr Geld für Bildung

29. Juni 2009 · von frankmackay · 2 Kommentare

Mehr Geld für Bildung

Die FDP schaut der NPD auf die Finger!

Wer schaut bei der FDP hin?

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Gerüchte und Geflüster zum Bildungswirt

15. Juni 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Gerüchte und Geflüster zum Bildungswirt

paulweberdasgerucht

Paul Weber: Das Gerücht 1943/1953; Quelle: A. Paul Weber – Museum

Der Bildungswirt ist ein unabhängiger, überparteilicher, aber manchmal parteiisch engagierter Blog, wenn es denn sein muss!

Doch Menschen brauchen offensichtlich Sozialklatsch, dazu gehören auch Gerüchte und Geflüster. Fast könnte man meinen, dass dies eine anthropologische Konstante sei, für viele Situationen als sozialer Kitt brauchbar, flexibel einsetzbar, aber auch bis zur Denunziation von Gegnern ausbaubar mit dosierten emotionalen Erregungsstufen und Zornpotenzialen.

Als der Bildungswirt über die schräge Debatte um das Abitur G8/G9 2008 berichtete und den damaligen Kultusminister Banzer als Krisenmanager verhalten lobte, vermuteten einige gar ein geschickt eingefädeltes CDU-U-Boot oder den Undercover-Agenten, den es zu enttarnen galt. Der Bildungswirt werde demnächst Staatsekretär, so die phantasiereiche Gerüchteküche.

Als schon ein Monat später, im Juni 2008, die Artikel-Serie „Landesabitur verkauft“ mit dem Skandalvorwurf an die CDU-Landesregierung startete, war die Welt für die ständigen Entlarver qua Amt wieder in Ordnung. Der Bildungswirt – kein CDU-Mitglied oder U-Boot. Hingegen machte die Kleine Anfrage der Grünen im hessischen Landtag zum Verkauf des Landesabiturs alles nicht besser. Verwirrung brach aus. Der Bildungswirt mache gemeinsame Sache mit den Grünen, wo doch SPD-Nähe bis zu Frau Ypsilanti vermutet wurde. Im öffentlichen Wohnzimmer des Bildungswirts, im Frankfurter Nordend, kehre doch einige Parteiprominenz regelmäßig ein. Was nun?

Ein Bericht über die Wahlkampfveranstaltung Jürgen Banzer (CDU) – Mathias Wagner(Grüne) galt dann doch als die sich andeutende Verdichtung einer Jamaika-Koalition, falls es mit Schwarz-Gelb nicht reichen sollte. Der Bildungswirt hatte wie im Fußball für 3: 3 unentschieden votiert, trotz klarem Platzvorteil für die Grünen in ihrer Hochburg Frankfurt. Alles suspekt. Darüber hinaus gaben alle Parteien (außer der CDU) im Wahlkampf dem Bildungswirt ein Interview. Alle Schubladen zur geistigen Orientierung schienen zu klemmen.

Dann im Januar 2009 ein Bericht über die rote IG-Metallveranstaltung zur Bildungspolitik mit dem Hauptredner Ludwig von Friedeburg, dem hessischen Kultusminister von 1969-1974, dem bis heute roten Tuch für die CDU. Klarer Fall: Großes Lob für Friedeburg, ob seiner argumentativen Frische und Klarheit, eindeutig alles SPD unterwandert.

Im April 2009 brachte dann die Partei Die Linke eine Große Anfrage zum Verkauf des Landesabiturs in den hessischen Landtag ein. Darin wird explizit mehrfach auf Bildungswirt –Texte Bezug genommen. Igitt, der Bildungswirt bei diesen „Schmuddelkindern“, mit denen spielt doch keiner. Falsch. Bildungsfragen kennen keine parteipolitischen starren Grenzen, deshalb brauchen alle fünf Parteien den offenen Dialog. Was haben die Linken gemacht? Sie bedienten sich einer öffentlichen Quelle: www.bildungswirt.de,

die allen anderen Parteien auch bekannt ist. Und das ist gut so, meint nicht nur Klaus Wowereit. Zusätzlich zum allgemeinen parteipolitischen Geflüster scheine es auch noch  eine Liaison des Bildungswirts mit der Piratenpartei zu geben, so zu sagen mit dem linksradikalen Flügel der FDP: Freiheit und informationelle Selbstbestimmung für ALLE! Deshalb kann es nur konsequent heißen: Anker hoch und Leinen los, Schluss mit den Spiegelfechtereien.

Das neueste Geflüster zum Bildungswirt-Blog und zum Buch von Michael Miller: „Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft. Alle reden von Schule – was ist zu tun?“ kleidet sich in folgende zwei Fragen:

a) Ist das o.g. Buch eine private Veröffentlichung eines hessischen Lehrers im Rahmen seiner Meinungsfreiheit oder das Ergebnis einer wissenschaftlichen Forschung im Rahmen seiner dienstlichen Tätigkeit im Institut für Qualitätsentwicklung des Hessischen Kultusministeriums (HKM)?

b) Ist die o.g. Internetseite eine private Veröffentlichung eines hessischen Lehrers oder eine vom Institut für Qualitätsentwicklung oder vom HKM geförderte oder genehmigte Seite?

Dazu gibt der Bildungswirt bereitwillig brandaktuell Auskunft:

a) An diesem Buch wurde intensiv geforscht, alles ausführlich recherchiert, die neuesten Erkenntnisse der Didaktik und Hirnforschung berücksichtigt und eine anschauliche Darstellung von neuen Lernkulturen versucht. Zusätzlich wurde das favorisierte wissenschaftliche Verfahren gastronomisch unter Einbeziehung von einschlägigen Experten gefiltert. Die Forschungsergebnisse wurden selbstverständlich kostenfrei dem IQ und dem HKM als bekannte Akteure des Bildungssystems zur Verfügung gestellt. HKM und IQ wiederum bedankten sich und bekräftigten noch einmal  Artikel 5 GG als besonders hohes Gut, das es jederzeit zu respektieren gelte.

b) Der Bildungswirt ist als Blog im Netz eine öffentliche kostenfreie Informationsquelle. Gern kann der Link Hintergrundbühne aufklärend benutzt werden. Von „hessischem Lehrer“ oder HKM und IQ steht dort nichts, Geflüster bahnen sich aber dennoch ihren Weg. Allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass das HKM den Blog (wer will, das Blog) mit monatlich 5000.-Euro unterstützt, wenn noch drei weitere Bildungsinsider als regelmäßige Gastblogger mit Beiträgen erhellend im Interesse der öffentlichen Meinungsbildung mitwirken. Die aktuelle Artikel-Serie zu „Computerspielen“ von Tobias Bevc wurde besonders im HKM aufmerksam gelesen.

Zusätzliche Fördermittel sind bei der Bertelsmann-Stiftung und dem Europäischen Sozialfond beantragt. Die Chancen stehen gut, dass für 2010 positive Bescheide ergehen, ähnlich wie solche, die wir von Finanzdienstleistern oder dem  Finanzamt kennen.

Nach all den Gerüchten und Einflüsterungsversuchen bleibt verlässlich festzuhalten:

Der Bildungswirt ist ein unabhängiger, überparteilicher, aber manchmal parteiisch engagierter Blog, wenn es denn sein muss!

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Abitur verkauft (10)- Große Anfrage der Linken

8. Mai 2009 · von Miller · 5 Kommentare

Abitur verkauft (10)- Große Anfrage der Linken

Wer steht im hessischen Landtag wie ein Fels in der Brandung? Welche Partei -  CDU, Linke, FDP, Grüne, SPD - engagiert  sich besonders in Fragen einer gerechte Bildungspolitik? Wer sorgt für Transparenz und Aufklärung? Was leistet die neue Ministerin? Die 100 Tage “Eingewöhnung” im Kultusminsterium sind vorbei. Was leistet die Regierung, was leistet die Opposition?
Das Thema Abitur verkauft beschäftigt uns jetzt schon ein volles Jahr, da bisher im Kultusministerium keine sinnvolle Lösung gefunden wurde, im Gegenteil. Was ist der neueste Stand?

Die Fraktion DIE LINKE  hat am 06.April 2009 eine “Große  Anfrage betreffend Verkauf der Rechte am Landesabitur” in den hesssichen Landtag eingebracht. Sie schreiben als Problemaufriss:
“Im Oktober 2008 hatte sich die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit einer Kleinen Anfrage betreffend der Zugänglichkeit zu zentralen Prüfungsaufgaben (Drucks. 17/522) an die Landesregierung gewandt. Die Antworten
derselben liegen inzwischen vor, sind jedoch zum einen reichlich unbefriedigend und zeugen zum anderen von einem naiv-fragwürdigen Umgang mit der einschlägigen Rechtsmaterie. So behauptet der ehemalige Kultusminister Banzer (CDU) beispielsweise, die Abituraufgaben könnten durch das Ministerium nicht im Internet veröffentlicht werden, weil sie Zitate von urheberrechtlich geschützten Werken enthielten, deren allgemeine Zugänglichmachung durch § 53 des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urhebergesetz, UrhG) verboten sei. Deshalb sei die Veröffentlichung aller Prüfungsaufgaben unmöglich. Diese Aussage hält einer juristischen Prüfung keineswegs stand und ist bezüglich ihres Wahrheitsgehaltes als falsch anzusehen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Land Hessen 2 bis 2,5 Mio. € pro Jahr für die Erstellung zentraler Prüfungsaufgaben ausgibt, hiernach jedoch lediglich “für die Bereitstellung der verwendeten Abituraufgaben eines Jahres eine Verwaltungskostenpauschale in Höhe von 100 € pro Aufgabenset (3 Aufgaben)” von den entsprechenden Verlagen erhält, nicht akzeptabel: Das Land hat aus dem Verkauf eines Wertes in Höhe von 2 bis 2,5 Mio. € im Jahr 2007 4.400 € und im Jahr 2008 5.700 € eingenommen – und diesen somit mit jeweils durchschnittlich rund 99,8 v.H. “Verlust” verkauft.”
Dann folgen 22 konkrete Fragen an die Landesregierung (vgl. Große Anfrage). Man darf auf die Antworten gespannt sein. Die bisherige Position der CDU-Alleinregierung wird nicht zu halten sein. Sustanziell hatte ich das im Beitrag Abitur verkauft (9)- zur Copyrightfrage dargelegt.

Die Linken hatten meine Recherchen und Positionen zum Großteil wörtlich in Ihre Anfrage aufgenommen. Sie hatten mich vorher gefragt, so wie ich allen 5 Parteien im Landtag bei der Lösung des Problems meine Mithilfe angeboten hatte. Die CDU hatte sich als “Strategie” das große Schweigen ausgedacht, wegschauen, Übungsstundendemonstration in der “Diktatur des Sitzfleisches”. SPD und Grüne haben sich weitgehend die Position des Bildungswirts zu eigen gemacht und ihren entsprechenden Parteilfilter eingebaut. Prima, Hauptsache wir ziehen im Interesse der Schülerinnen und Schüler, der Eltern, letztlich auch im Interesse der Lehrerinnen und Lehrer an einem Strang. Auch die GEW Hessen hat sich durch Vorstandbeschluss Ende 2008 dieser Position angeschlossen:

Es bleibt die berechtigte, seit vielen Monaten bekannte Forderung:
“Für alle hessischen Schülerinnen und Schüler wird gewährleistet:
Kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben (mit Lösungshinweisen!) via Internet. Dies gilt für die gymnasiale Oberstufe genauso wie für den Haupt- und Realschulbereich.”

Der Streit hat bundespolitische Bedeutung, da in keinem Bundesland bisher eine wirklich gute Lösung der Transparenz von verbrauchten Abituraufgaben gefunden wurde. Vgl. dazu auch meine beiden  Beiträge  “Abitur in Deutschland”.

Gespannt kann man sein, was jetzt die FDP tut. Die neue Ministerin Dorothea Henzler (FDP) hat es in der Hand, die 100 Tage  Schonzeit/Eingewöhnungszeit im Amt  sind abgelaufen. Ich wünsche ihr einen klaren analytischen Blick und viel Erfolg in der Lösung des Problems. Lösungsoptionen liegen vorbereitet auf dem Tisch. Es fehlt nur noch der politische Wille.

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Neuwagen für Schüler?

23. April 2009 · von Leo · Keine Kommentare

Neuwagen für Schüler?

Tja, das war einmal – als Papa seinem Filius noch den Uralt-Zweitwagen von Mama oder der älteren Schwester zur bestandenen Führerscheinprüfung schenken konnte.
Seit es die sogenannte Umweltprämie bis auf die Titelseiten des Boulevards gebracht hat, soll es ja auch für den gepflegten Gymnasiasten dann doch lieber ein kleiner Neuer sein, der „hält dann ja auch noch übers Studium“ – genau. Auch Hartz IV-Empfängern und anderen Bedürftigen dürfe der Neuwagen nicht länger verwehrt bleiben, so die Meinung mancher Regierungspolitiker. Kein Wunder, erhält der ebenfalls bedürftige Staat ja über die Mehrwertsteuer sogar mehr, als er bei der Prämie zu zahlen hat.
Was einst als Abgesang eines trällernden Bundespräsidenten belächelt wurde, scheint sich zum echten Wahlkampfschlager zu mausern: Aber der Wagen, der rollt. Wolfsburg und Rüsselsheim gelten als Hauptprofiteure eines in der jüngeren Politik-Geschichte wohl einmaligen PR-Coups, der ja ursprünglich und angeblich auf einen gewissen Herrn Glos zurückgehen soll.
Dabei ist alles so einfach: Wer kurz vor Weihnachten seine Runde durch die Autohäuser der Kleinwagenhersteller drehte, war erstaunt über Rabatte von um die 20 % auf alle Arten von Lager- und Bestellfahrzeugen, also satte 2000-3000 Euro bei Klein- und Kleinstwagen. Zum Beispiel wurde der Citroen C1 Advance noch mit 7490 € beworben, im neuen Frühjahrsprospekt liegt er bereits bei 8490 €. Damit haben sich die Franzosen einen schönen Batzen von der deutschen Prämie abgeschnitten. Bereits Mitte Januar begann sich der Waffenstillstand in der Rabattschlacht abzuzeichnen: „Nur noch auf Lagerfahrzeuge, ja im Sondermodell ist ja schon ein Nachlass“, so die Ausflüchte der Verkäufer. Einen Tag nach zunächst noch vagen Verkündigung der Verschrottungsprämie ging bereits gar nichts mehr: „Lieferprogramm – wird schwierig! Euro 5? Keine Ahnung. Ja, die Nachfrage ist eben jetzt höher. Aber wir hätten da noch ein Lagerfahrzeug –günstig und: Äh, haben Sie vielleicht ein Fahrzeug zu verschrotten?“ Na klar, Herr Auto- Kommissar!
Nachdem der Massenansturm innerhalb von drei Monaten nunmehr fast eine Million zumeist noch gut fahrbereite Fahrzeuge in den Schredder oder nach Kasachstan gebracht hat, konstatiert der aufmerksame Autointeressent derzeit folgenden Zustand:
Beim Schrotthändler sind inzwischen 150 Euro fällig (statt 250 zu bekommen wie noch im Sommer 2008); der Restwert des Altfahrzeugs, anfangs noch echte Schrotthobel für 500 Euro, inzwischen Tendenz auf über 1000 Euro steigend, geht dabei ebenfalls flöten; Rabatte gibt es fast keine mehr; Fahrzeuge dafür vor allem als Ladenhüter (auch „Jahreswagen“ genannt). Den Ärmsten („Bildungsverlierer“) wird zudem mit windigen Klein-Krediten (neudeutsch Leasing) der letzte Cent aus der Tasche gezogen: „Die Zinsen sind ja gerade so niedrig“ Das stimmt, vor allem für die Händler und deren Banken. Die Regierung steht glänzend da, vor allem bei Automobil-Angestellten ab 3000 netto aufwärts und Autohäusern, beides nicht besonders klassisches SPD-Klientel. Derweil steuert die angeblich oppositionelle, postliberale FDP in den Umfragen auf 18 plus X.
Wenn kümmert es im Lande der Autokanzler, dass Opel nicht eine Büroklammer selbst kauft, ohne in den USA zu fragen? Was soll es, dass Musterknabe Daimler noch mit 20% drin hängt bei Chrysler, dessen Haupteigner ein „Finanzinvestor“ namens Cerberus ist? Wer stört sich daran, dass VW seit Jahren EU-Recht ignoriert und Neu-Eigner Porsche im Herbst die Finanzkrise mit aufgemischt hat?
Also liebe Schüler, lieber Harry Klein: Lasst euch vom Alten dann doch lieber den Alten schenken, denn ab 2010 steigen die Preise für Altautos wieder schön an (es gibt dann ja fast keine Altwagen z.B. für Schüler mehr), der Schrotthändler zahlt wieder, die alten Rabatte kommen ebenfalls zurück -und die Zinsen für den Kredit sind immer noch niedrig. Denn eines ist jetzt schon klar: Eine heruntergewirtschaftete Automobilindustrie lässt sich eben nicht so leicht abwracken wie die Ersparnisse der kleinen Leute von nebenan.

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SPD: Mein Gott Walter

1. April 2009 · von Miller · Keine Kommentare

SPD: Mein Gott Walter

Die Story ist in Grundzügen bekannt: Die hessische SPD hatte die Chance die Regierung Koch abzulösen, zerlegte sich aber kurz vorher lieber selbst. Der 03. November 2008 wird in die Parteigeschichte eingehen. Viele Akteure, angeblich Profis, Netzwerker, Zauberlehrlinge und Hinterzimmer-Pokerspieler waren am Werk. Jürgen Walter gehörte zu den Akteuren der 1. Reihe.

Böse Stimmen meinten gar, dass Walter Kochs bester Mann gewesen sei. Zusammen mit Dagmar Metzger, Carmen Events und Silke Tesch bildete er den erlauchten 4er Club. Je nach politischer Zuschreibung oder dem erreichten Euphorisierungs- und Verletzungsgrad wurde und wird heute noch gesprochen von: die Rebellen, Aufrechten, Abweichler, Bande, Verräter, Schweine, Lügner …

In der Medienberichterstattung zeigen sich die Sympathien bis heute in den bewusst verwendeten semantischen Ketten. Wer von Rebellen und Aufrechten spricht, sieht selbstverständlich in einem Bündnis mit der Linken ein „Desaster“, warnt vor dem Niedergang Hessens. Und umgekehrt: Wer von Verrätern  spricht, sieht vor allem die verpasste Chance, den schwarzen Koch in die Wüste schicken zu können.
Das laufende Parteiordnungsverfahren endete für Jürgen Walter vorläufig mit dem Urteil: Kein Parteiausschluss, aber Ruhen der Mitgliedsrechte für 2 Jahre. In zwei Wochen gibt es das Urteil des SPD-Parteigerichts schriftlich. Walter kündigte jedoch an, dass er jeden Kompromiss ablehnen werde. Nur ein Freispruch komme für ihn in Frage, notfalls gehe er durch alle Instanzen bis zum Bundesverfassungsgericht.

Er beruft sich im Kern auf die Gewissensfreiheit des Abgeordneten und auf eine theoretisch hergeleitete liberale Position aus dem England des 18. Jahrhunderts. Im hessischen Landesabitur 2007 wurde dieses Spannungsverhältnis von Gewissensfreiheit und Fraktionsdisziplin (inklusive der mitgedachten Mehrheitsbeschlüsse einer Partei) schon antizipiert. Es gehört jetzt schon zum Treppenwitz der hessischen Schulgeschichte, dass Jürgen Walters bemühter Ideenhimmel und das daraus abgeleitete Verhalten schon in der Abitursprüfung „Politik und Wirtschaft“ 2007 thematisiert wurden, bevor er nur daran dachte. Der Treppenwitz ist eben manchmal doch schneller als die Wirklichkeit.

Der freundlich unkalkulierbare Hesse an sich ist immer schon schlauer gewesen, als die Medien meinten. Zwischendrin zeigt er dies auch durch sein Wahlergebnis. Parteien können sich darauf nur bedingt verlassen. Das 5-Parteien-System ist faktisch durchgesetzt, auch dafür hat der freundlich unkalkulierbare Hesse gesorgt. Es ist in der Politik wie bei den Bauern. Eine „dicke Kartoffel“ wirft man nicht einfach weg; für Walter wird es faktisch auf einen Freispruch hinauslaufen, die entsprechenden Formelkompromisse werden sich finden. Ob er selbst lernfähig ist, die tiefen Wunden von Hessen-Süd verstehen will und die besonders sensible Reintegration der Partei mit TSG vorantreiben kann, ist eine andere Frage. Wer nur an die Tröge der Macht mit beliebigen Themen und aufgeblasenen Marketingsprüchen will – alles anders, weiter, weiter, auf uns ist Verlass – wird vom Wähler zurückgepfiffen.

Jürgen Walter hat noch ein anderes Problem: Er ist politiksüchtig („ich vermisse die Politik“), er braucht die Droge Macht, wenn möglich in der SPD. Wenn nicht, wird er wohl mit Wolfgang Clement und ein paar Getreuen eine neue Partei gründen müssen. Von links winkt dann Oskar Lafontaine und von rechts Jürgen Walter der sterbenden Mutter SPD zu.

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Das Zeitalter des Rhizom

5. März 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Das Zeitalter des Rhizom

Wer über das Rhizom – das dynamisch pulsierende Wurzel-Denkgeflecht ohne Hauptader – systematisch und strukturiert schreiben will, steckt schon in der Falle traditioneller Logik. Die geordnete Darstellungsform zwingt zum Baum, zur Hierarchie, zur Klassifikation, zum Entweder-Oder, zur „0 -1 – Entscheidung“. Sie verfehlt ihren schwer fassbaren „Gegenstand“, verbirgt mehr als sie enthüllt.

Das Rhizom selber kann die unterschiedlichsten Formen annehmen, von der verästelten Ausbreitung in alle Richtungen an der Oberfläche bis zur Verdichtung in Knollen, Knoten, Denkschleifen und Neuschöpfungen. Es kann im Plural auch der unendlich tiefe und ausgedehnte Kaninchenbau des WWW sein. Ein Rhizom kann an jeder beliebigen Stelle gebrochen und zerstört werden, es wuchert entlang seiner eigenen oder anderen Linien weiter.
Jede Vielheit, die mit anderen durch an der Oberfläche verlaufende unterirdische Stängel verbunden werden kann, so dass sich ein Rhizom bildet und ausbreitet, nennen wir Plateau. Gilles Deleuze und Felix Guattari – die Rhizomatiker par exzellence – setzten solche, ähnliche und verfremdete Sätze schon vor 30 Jahren in die Welt. Ihr Denken sprengt alle gewohnten Zuordnungen, irritiert, fordert vom Leser selbst „Rhizom machen“, was ich hiermit tue und nach Belieben zitiere, montiere, konnektiere, erweitere. Schöpfe oder stirb! (Oder heb’ das oder auf.)

1000 Plateaus – wie geschmeidiger, nicht mehr eindämmbarer Bambus – sind wahrscheinlich die Horrorvision des Kleingärtners mit den abgezirkelten Beeten. Von Deleuze/Guattari dauerte es noch einmal einen Wimpernschlag der jüngeren Weltgeschichte, bis Google und Wikipedia, um im Zeitalter des Rhizom mit voller Wucht anzukommen
Mehr dazu im FREITAG

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