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Die Crux mit den Bildungsstandards (6) – Innovationen jetzt!

18. Dezember 2008 · von Miller · 4 Kommentare

Die Crux mit den Bildungsstandards (6) – Innovationen jetzt!

Umsetzung und Ausgestaltung von Bildungsstandards vor Ort

Forum Demographischer Wandel

Knapp gefasste Bildungsstandards werden in Arbeits- und Neugierplänen an den Schulen, in den einzelnen Klassen ausgestaltet. Das beginnt mit qualifizierten Minderheiten, die bezahlte Entwicklungsarbeit leisten und wird im Laufe des Arbeits- und Kommunikationszesses zur zentralen Gelenkstelle der didaktischen Community vor Ort. Diese Entwicklungsfinanzierung für eine grundlegende Unterrichtsverbesserung muss in die selbstverantwortlichen Schulen gesteckt werden und nicht in die Schulverwaltung. Mindestens 50% der Stellen im Ministerium und in den Schulämtern sind mittelfristig überflüssig. Selbstverständlich können nicht alle Schulen gleich hohe Qualität entwickeln, deshalb werden herausragend produktive Schulen (Größe, Know-how, Engagement) besonders unterstützt und als Referenzpunkte mit Gütesiegel entwickelt. Die anderen können an den Ergebnissen kostenfrei partizipieren. Entwicklungspartnerschaften werden besonders vergütet. Das reale Geld (und nicht fiktives Spielgeld auf ministerialen SAP –Verrechnungskonten) muss also vorwiegend vor Ort fließen. Rechenschaftspflicht und Dokumentation der Ergebnisse, auch im Internet, versteht sich von selbst.

Die Zeit der Bremser in der Bildungsverwaltung sollte auslaufen. Deutschland braucht Innovation, auch in der Bildungsverwaltung mit mutigen Kultusministern, die – wenn schon auf das Förderalismusprinzip gepocht wird – dieses auch für qualitative und zügige Reformen nutzen. Weitere Zeitverzögerung über wissenschaftliche Gutachten zu den Gutachten der Gutachten gilt es abzuwehren. Es ist fast alles erforscht, um eine grundlegende Richtungsentscheidung für eine veränderte Pädagogik inklusive einer neuen Prüfungsdidaktik zu treffen. Der Rest ist qualitative Begleitforschung.
Noch einmal: Die entscheidende Energieträger sind weniger die Wissenschaft(en) des Elfenbeinturms und deren Heiligtum empirischer Verfahrensfragen, sondern die durchaus wissenschaftlich geschulten Praktiker vor Ort, mit großen didaktischen Werkzeugkisten und situativem Feingespür ausgestattet, die tatsächlich eine qualitative Schulreform täglich im Unterricht gestalten können und sollen. Bildungsstandards sind dabei eine wesentliche Referenzgröße. Das aktive Gestalten-Wollen kann den Lehrern und Schülern niemand abnehmen. Im Zweifel sollte man sich immer wieder an Montaigne und seinen pädagogischen Grundsatz erinnern und an Nietzsche, den großen Skeptiker. Er erklärt ergänzend, „inwiefern auch im Guten das Halbe mehr sein kann als das Ganze.“

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Bildungsstandards, Kompetenzen – Crux (5)

15. Dezember 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Bildungsstandards, Kompetenzen – Crux (5)

In Crux (1) wurden Bildungsstandards als flexible Voodooformeln mit großem Beliebtheitswert im historischen Rückblick erklärt und der Zielkorridor für eine ernsthafte Debatte ausgeleuchtet. Crux (2) diskutierte die Sinnhaftigkeit und Plausibilität des Kompetenz- und Standardbegriffs.
In Crux (3) und Crux (4) fragten wir nach Leistungen von Bildungsstandards, nach unterschiedlichen Wissensarten und fächerübergreifenden Kompetenzbereichen.

In Crux (5) werden – in einer grafischer Darstellung – die drei Felder von fachspezifische Standards durch alle drei Fachbereiche, z.B. der gymnasialen Oberstufe angeboten.

A) Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch ,…)

B) Mathematik und Naturwissenschaften (Mathe, Biologie, Chemie, Physik, Informatik)

C) Gesellschaftswissenschaften (Politik und Wirtschaft, Geschichte, Ethik, Philosophie, …)


Instrumentelle und sprach-kommunikative Kompetenzen werden in allen drei Fachbereichen, d.h. auch in allen Einzelfächern zentrale Orientierung sein. Sie sind jeweils vernetzt mit den spezifisch inhaltlichen Dömanen (Content).
Im Vorgriff auf die in ab Januar 2009 veröffentlichten knappen Fachstandards (ausgewiesene Kompetenzen, die errreicht werden sollen) einige Beispiele zur Illustration:

sprachlich-kommunikative Kompetenzen:
– Differenz von Gesagtem und Gemeintem beschreiben und an kurzen Texten herausarbeiten
– einen bewussten Wechsel der Sprachebenen in fiktionalen und nicht-fiktionalen Texten analysieren (z.B. Witz, Polemik)
– eigene Texte sprachlich optimieren und Wirkungsabsichten prüfen

literarisch-kulturelle Kompetenzen:
– einen Text kreativ umgestalten
– Symbolik in der Bild- und Filmsprache zur Deutung heranziehen
– literarische Text seit der Aufklärung im Hinblick auf Ich-Bild, Ich-Identität und Krise des Ich analysieren.

Strukturprägend sind diese Standards mit den reflektierten Aufgabentypen und dem Operatorenrad verknüpft. Desweiteren soll innerhalb der Fächer selbstverständlich auch der Aufbau von überfachliche Kompetenzen bei Schülern gefördert werden.(vgl.  Crux 3 und 4).
Fachstandards sollten nicht länger als 3-4 Seiten pro Fach sein. In der Kürze und Prägnanz liegen ihre steuernde Funktion. 40 – 50 Seiten pro Fach (im Duktus von KMK-Vorgaben unter Berücksichtigungen der vorvorgestrigen Papiere) sind zum Scheitern verurteilt, d.h. weitgehend wirkungslos wie die alten Lehrpläne. Auch gut organisierte Jubelveranstaltungen werden diese Praxislücken nicht wegreden können. Illusionsblasen werden einfach ganz unspektakulär platzen und die Karawanen ziehen weiter – auf zum nächsten Irrtum.

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Nationaler Bildungsgipfel, Milliarden und Zen

17. Oktober 2008 · von Miller · 5 Kommentare

Nationaler Bildungsgipfel, Milliarden und Zen

Wenn der Bildungsgipfel am 22.10. keine traurige Lachnummer werden will, so bedarf es konkreter Beschlüsse mit klaren Zielen, Zeitplänen und solider finanzieller Unterfütterung. Dies dürfte jedem einigermaßen erfahrenden Menschen unmittelbar einleuchten.

Schwebend dem Gipfel entgegen, Miller 2008

Schwebend dem Gipfel entgegen, Foto: Miller 2008

Die bisher zirkulierenden bildungspolitischen Papiere aus der KMK, aus Ministerien und Lobbyverbänden lassen allerdings wenig Erfreuliches ahnen: Formelkompromisse, Wortakrobatik, Bund-Länder-Gezänk, Fassadenbeschlüsse, Aussitzen, wenig Konkretes. Dies hängt mit der grundsätzlichen Werthaltung vieler professioneller „Verantwortungsträger“ gegenüber der jungen Generation zusammen. Im Grunde interessieren Personen von 0 bis 23 Jahren nicht wirklich. Wenn diese Haltung, dieser eingewurzelte Habitus nicht geknackt wird – die nächste Bundestagswahl, Landtagswahl kommt bestimmt und die Mehrheit der über 50-Jährigen bedenke noch einmal gründlich, über welche Zukunft sie entscheiden – scheinen bildungspolitische Fortschritte im Interesse der jungen Generation nicht möglich.

Wir haben kein Analyseproblem und kein Erkenntnisproblem – seit vielen Jahren ist die chronische Unterfinanzierung im Schul- und Hochschulbereich genauso bekannt wie klare Alternativen zu schlechter Lehre – sondern ein Megaproblem der nicht eingeleiteten Handlungen mit großer Vision. Wir haben es mit einem bürokratischen Politikertypus zu tun, der kumuliert in der Variante: hohe verbale Offenheit und Wortakrobatik bei gleichzeitig ausgeprägter Handlungsstarre.

Prinzipiell ist Politik in Not aber handlungsfähig. Ein 400- Milliarden- Rettungspaket allein in Deutschland in einer Woche zu schnüren, um das Bankensystem zu stabilisieren, war durchaus eine Meisterleistung. (Ähnliches bei unseren europäischen Nachbarn). „Alle sind bereit in der Bildungsrepublik, Bildung für alle, Wohlstand für alle“.(Bundeskanzlerin Merkel im Gipfel-Vorab-Video, Sept.2008)

Und jetzt beim nationalen Bildungsgipfel? Wäre man souverän genug, die „Formelkompromiss-Papiere“ einfach in den Papierkorb zu werfen und ein konkretes 100 Milliarden-Bildungsprogramm mit gewichteten konkreten Zielen bis 2016 zu beschließen. (In meiner Kritik an Zöllner „Nationaler Bildungsgipfel und Milliardenforderungen“ hatte ich dazu Konkretes angedeutet).
Nehmen wir als weitere Illustration drei Punkte:

      Hochschulbereich: Wenn der Wissenschaftsrat erneut ein seriöse Rechnung vorlegt und 1,1 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich zur Verbesserung der Lehre fordert, so gibt es da nichts mehr zu relativieren, sondern nur ohne eingebaute Fallstricke zu beschließen und tatkräftig anzugehen. Bei wachsenden Studierendenzahlen beläuft sich dieses Teil-Programm bis 2016 auf 13-15 Milliarden.

      Wenn wir uns seit vielen Jahren über die zunehmende Bewegungsarmut und damit der erschreckenden Zunahme von Fettleibigkeit schon im Kindergarten und in der Schule wundern (die Datenlage ist erdrückend, die Milliarden-Folgekosten absehbar), so müssen wir eine zügige Ausbildung von 50.000 Bewegungsassistenten (1.Staffel) und deren Einsatz in der Schule, im Kindergarten vorantreiben.

      Wenn wir wirklich neue Lernkulturen wollen, müssen wir die überkommene Prüfungsdidaktik (auch beim Zentralabitur der einzelnen Bundesländer) einer gründlichen Revision unterziehen und die Lehrerbildung neu denken. Persönlichkeiten braucht die Schule, keine ferngesteuerten Modulrealisierer, Erbsenzähler und Paragraphenreiter. Bei dieser Haltung geht es mehr um Geist und weniger ums Geld! Wer Bildungsstandards auf der Höhe der Zeit will, muss die jämmerlichen KMK-Vorlagen seit 2003/2004 und die hilflosen sog. „Implementierungsversuche“ stoppen. Mit neuen Lernkulturen (und einem Aufbruch in die Selbstverantwortliche Schule) hat das fast nichts zu tun. Alternativen gibt es. Wer will, der findet Wege, wer nicht will, der findet Begründungen (warum alles nicht geht). Vertrauen gewinnen, heißt auch wahrhaftige Aussagen machen, den Betroffenen zuhören und sie ernsthaft beteiligen. Ohne Aufbruchbewegung von unten läuft gar nichts. Die KMK kann dies nicht leisten, zu schwerwiegend sind die seit vielen Jahren produzierten Rohrkrepierer.

Noch ein unkonventioneller  Vorschlag zum Schluss: Wenn der nationale Bildungsgipfel eben kein absurdes Theater werden will, so muss er sich in durchaus heiterer Gelassenheit gründlich neu besinnen. Die „Verantwortungsträger“, die Journalisten, die Kameraleute könnten sich, wenigstens kurzfristig, aus ihren starren Ritualen und Zuständigkeitsabgrenzungen befreien, ten jin – Denken verbreiten, Bewusst-Sein spüren und mit dem großen OOOMMMM beginnen.

Als kleine Selbstprüfung für dynamisch-flexible Gipfelteilnehmer schlage ich das Gespräch zwischen Tao-kwang und einem Zen-Meister vor.
Zen-Anekdote
Tao-kwang, ein buddhistischer Philosoph, kam zu einem Zen-Meister und fragte: »Mit welcher Haltung sollte einer sich in der Wahrheit üben?«
Der Zen-Meister antwortete: »Es gibt keinen Geist, der in Haltung zu bringen wäre, noch irgendeine Wahrheit, in der man sich üben könnte.«
»Wenn es keinen Geist gibt, der zu erziehen, noch eine Wahrheit, die zu üben wäre, warum hast du dann täglich eine Versammlung von Mönchen um dich, die Zen studieren und sich in der Wahrheit
üben?«

Der Meister antwortete: »Ich habe nicht einen Zoll Raum zu vergeben, wo sollte ich eine Versammlung von Mönchen unterbringen? Ich habe keine Zunge, wie wäre es mir möglich, andere zu veranlassen, zu mir zu kommen?«
Der Philosoph rief aus: »Wie kannst du mir eine solche Lüge ins Gesicht sagen?«
»Wenn ich keine Zunge habe, um andere zu unterweisen, wie wäre es mir möglich, eine Lüge auszusprechen?«
Worauf Tao-kwang verzweifelt ausrief: »Ich kann Eurer Rede nicht folgen.«
»Ich verstehe mich selbst ebenso wenig«, schloß der Zen-Meister.
(Verfasser unbekannt, Aus: Michael Miller 2008, Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft, S. 93)

 

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Der gute Lehrer…

8. Oktober 2008 · von Miller · 2 Kommentare

Der gute Lehrer…

… in Ergänzung zu den 10 Prüfsteinen eines guten Unterrichts .

Miller 2007, Lehrerrollen - Erwartungen, Visionen. Aus Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft 2008
Miller 2007, Lehrerrollen – Erwartungen, Visionen. Aus: Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft 2008

Der gute Lehrer ist vornehmlich nicht mehr reduzierter Fachexperte (»Wissensvermittler«) mit dem Nürnberger Trichter im Gepäck, sondern vor allem Initiator, Berater und Organisator von neuen Lernkulturen. Wenn es komplexe Aufgabenstellungen auf schwierigem Gebiet erfordern, kann auch alle zwei Monate der pointierte Lehrervortrag (Vorlesungscharakter) zum neuesten Forschungsstand gehalten werden. Der gezielte Lehrervortrag ist eine Methode unter vielen. Aktives Zuhören, Mitschriften und anschließend vertiefende Erörterungen gehören zwingend ab der 7. Klasse ins feste Repertoire. Das Ziel der gemeinsamen Sache, die bisher zurückgelegten Wege bedürfen der wiederholenden Reflexion in der Gruppe.
Des Weiteren gibt es andere wichtige Lehrerrollen: immer mal wieder Moderator und Entertainer sein, der angenehme Atmosphären schafft. Einfaches Kriterium: Wenn es in einem Unterricht über längere Zeit nichts zu lachen gibt, läuft etwas total falsch! Die dicke Luft ist dann buchstäblich zu riechen. Vergessen wird vom Lehrer: Der Mensch ist ein emotionales und lachendes Wesen und kein kognitiver Maschinenkrüppel.

(Textauszug: Michael Miller 2008, Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft . Alle reden von Schule, was ist zu tun, S. 57)

Weitere Links: Vortrag Dr. Miller – Führungskräfte in der eigenverantwortlichen Schule – Neue Lernkulturen 16.11.2007

http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb04/download/Rauin_Studierverhalten.pdf
Bei Prof. Rauin, Uni Frankfurt, wäre zugespitzt zu fragen: Hat er mit seiner aufwendigen Lehrerstudie Recht oder will wer nur geschickt provozieren? Der Bildungswirt wird demnächst solche Fragen und mögliche Antworten prüfen.

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Bildungswirt zelebrierte ein öffentliche Lesung im Odyssee Kult: „Der Mensch ist ein emotionales und lachendes Wesen und kein kognitiver Maschinenkrüppel“

1. Oktober 2008 · von frankmackay · Keine Kommentare

Bildungswirt zelebrierte ein öffentliche Lesung im Odyssee Kult: „Der Mensch ist ein emotionales und lachendes Wesen und kein kognitiver Maschinenkrüppel“

In der gut besuchten Kneipe im Frankfurter Nordend stellte der Bildungswirt – alias Dr. Michael Miller – am Samstagabend sein bildungspolitisches Buch vor:Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft. Alle reden von Schule – was ist zu tun? Ansichten eines Kneipenbesitzers.
Zum Einstieg entfachte er ein buntes Feuerwerk aus Helmut Kohl, der Matrix-Trilogie (blaue und rote Pille), Goethe, Schiller und Medea, bevor er dann in mehr geordneten Bahnen zur Analyse des schulpolitischen Waterloo kam: „rasender Stillstand bei eingebildeter Beweglichkeit“.

Neben Leseproben sprach Miller immer wieder frei, bildreich erläuternd zu „von der kindlichen Neugier zum gelangweilten Schüler“, vom „Lernen als Konstruktionen im Kopf und Vorfreude im Leib“ bis hin zur Notwendigkeit von „Bildungsstandards für Lehrer“. Das Personal in der Schule sei der entscheidende Faktor, um qualitativ hochwertige Lernprozesse zu initiieren und Lernerfolge zu garantieren. Er schrieb den Lehrern ins Stammbuch, „dass der Mensch ein emotionales und lachendes Wesen und kein kognitiver Maschinenkrüppel sei“ und dass mit der „Individualität eines jeden Schülers“ behutsam umgegangen werden muss. „Wichtigen Bildungsfragen nachspüren“ heißt bei ihm auch, „das Ohr am Puls der Kneipenkommunikation zu haben.“ Der gehobene Stammtisch sei besser als sein Ruf und „politische Entscheidungen werden oft genug im kleinen Kreis in der Kneipe gefällt“. Er geißelte die ineffiziente Instruktionspädagogik, die Mythen und Legenden der Unterrichtsoptimierung und rief zu vielfältigen Lernkulturen auf. Das Prüfungswesen, z.B. das Landesabitur mit angestrebt hochwertigem Kompetenzprofil müsste neu bedacht werden. Das Publikum hatte genügend zu lachen und zu schmunzeln, insbesondere als die hohe Kunst des Bedenkentragens der Bürokraten plastisch zur Sprache kam. Insgesamt ein kurzweiliger, runder Abend und das bei einem eher trockenen Thema wie Schulpolitik. Abschließend zitierte Miller die weise Meinung von Jean Paul: „Was alles Böses gegen das Bier bei Philosophen gesagt wird, gilt nicht bei mir.“ Kleine Grüppchen diskutierten noch bis Mitternacht.

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Bildungsstandards, Kompetenzen – Crux (4)

16. September 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Bildungsstandards, Kompetenzen – Crux (4)

Fortsetzung von Crux (3)
Kurzbeschreibung der fächerübergreifenden Kompetenzbereiche

I. Personale Kompetenzen / Selbstkompetenzen

Personale Kompetenzen beinhalten: Wirksame Werthaltungen erkennen, eigene Werthaltungen und Arbeitstugenden entwickeln, sich über Werte diskursiv austauschen, mit Differenzen umgehen können, sich selbst und andere anerkennen und schätzen und ggf. Krisen allein oder mithilfe anderer bewältigen lernen .

Lernprozesse selbst müssen deutlich stärker zum Gegenstand von Bildung werden: Einschätzung des eigenen Lernstandes und der Lernmotivation, Beurteilung von Lehrangeboten, Organisation von Zeit, Ort und Tempo des eigenen Lernens, Entwicklung von Lernstrategien, Einschätzung von Erfolg/Misserfolg des Lernergebnisses.

 II. Soziale Kompetenzen

Das sozial-kulturelle Leben allgemein und die Arbeits- und Wissenschaftsorganisation der Gesellschaft insbesondere erfordern Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Fähigkeit zur Teamarbeit und Kooperation. Ohne derartige soziale Kompetenzen ist eine „reine Fachkompetenz“ nur begrenzt nutzbar. Der Mensch ist zuallererst ein gesellschaftliches Wesen. Soziale Kompetenzen sind daher unverzichtbar.

III. Kommunikative Kompetenzen

Kommunikative Kompetenzen sind grundlegend: das Know-how des Sprechers und das Know-that des Interpreten. Sprach- und Kommunikationspraktiken, Lebensformen und Weltbilder sind unaufhebbar miteinander verwoben. Verstehensleistungen und Verständigung als existenzielle menschliche Fähigkeiten bedeuten die Ausbildung immer neuer Vorverständnisse, Horizonterweiterungen und Perspektivübernahmen zu (neuen) „Weltansichten“. Kommunikative Zeichen als Wert zu verstehen heißt sie als Artikulation einer Differenz bewusst wahrnehmen und selbst wiederum kreativ anwenden.

IV. Methodisch-instrumentelle Kompetenzen

Gemeint sind Fähigkeiten, sich Neues zu erschließen, auszuwählen, zu bewerten und anzuwenden. Dabei geht es auch um den systematischen Aufbau von Routinehandlungen und eines Methodenrepertoires, die fächerübergreifend gelten. Lernstrategien, Lerntechniken und Formen der Informationsorganisation rücken ins Blickfeld, um Erkenntnisprozesse zu erleichtern und abzusichern.

V. Erweiterte Fachkompetenzen

Im Kern geht es um die Verknüpfung von „intelligentem“ inhaltlichen Wissen mit der Fähigkeit zu dessen Anwendung. Kompetenzen in der nationalen Verkehrssprache Deutsch und internationalen Verkehrssprache Englisch sind hierzu ebenso unverzichtbar wie eine anwenderorientierte IT-Kompetenz und eine weitgehend fachunabhängige Grundlage logischen Denkens. Komplexe Problemlösungen erfordern immer wieder interdisziplinäre Herangehensweisen und Prüfung unterschiedlicher „Fachlogiken“ und Hintergrundannahmen. Im Zusammenhang mit problemlösendem Denken kommt dem exemplarischen Lernen und der Medienkompetenz eine besondere Bedeutung zu.

Mit der Darlegung dieser fünf fächerübergreifenden Kompetenzen soll hier mit Nachdruck betont werden, dass es sich aus Gründen der Veranschaulichung um eine rein analytische Trennung handelt. In der Förderung der Kompetenzen im Unterricht werden fließende Übergänge die Regel sein, insbesondere beim engmaschigen Netz von personalen, sozialen und kommunikativen Kompetenzen, vereinigt in der sich entwickelnden Persönlichkeit des Lernenden.

Die systematische Förderung dieser fünf allgemeinen fächerübergreifenden Kompetenzen bei den Lernenden in der alltäglichen Unterrichtspraxis bedeutet nichts anderes als die weiter ausdifferenzierte Umsetzung des öffentlichen Bildungsauftrages in der gymnasialen Oberstufe:

1. Entfaltung der Persönlichkeit fördern

2. Studierfähigkeit und Weiterbildungsfähigkeit entwickeln

3. Fähigkeit zur Mitgestaltung des demokratischen Gemeinwesens stärken.

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Bildungsstandards, Kompetenzen – Crux (3)

15. September 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Bildungsstandards, Kompetenzen – Crux (3)

In Crux (1) wurden Bildungsstandards als flexible Voodooformeln mit großem Beliebtheitswert im historischen Rückblick erklärt und der Zielkorridor für eine ernsthafte Debatte ausgeleuchtet. Crux (2) diskutierte die Sinnhaftigkeit und Plausibilität des Kompetenz- und Standardbegriffs. Crux (3) und Crux (4) schließen hier an, fragen nach Leistungen von BS, nach unterschiedlichen Wissensarten und Kompetenzbereichen.

Was leisten Bildungsstandards?
„Wenn es gelingt, Bildungsstandards so zu gestalten, dass sich in ihnen eine Vision von Bildungsprozessen abzeichnet, eine moderne ´Philosophie´ der Schulfächer, eine Entwicklungsperspektive für die Fähigkeiten von Schülern, dann können die Standards zu einem Motor für die Steigerung der Bildungsqualität von Schulen werden“, meint der Bildungsforscher E. Klieme. Recht hat er – wenn es gelingt!? Den grundlegenden Trend des lebensbegleitenden Lernens gilt es zu erfassen und sicherzustellen, dass die Betroffenen zu Beteiligten werden (können).

Lebensbegleitendes Lernen wird zum Schlüssel individueller Lebenschancen als auch zum Leitbild einer Wissensgesellschaft. Problemlösung als Grundmotiv immer neuer Wissensproduktion kreiert die Notwendigkeit von Folgewissen (z.B. Folgeabschätzung beim Einsatz von technischen Systemen, experimenteller Verfahren oder politischen Maßnahmen), von vernetztem Wissen bei zukünftig immer größerer Bedeutung von interdisziplinärer Zusammenarbeit und von Meta-Wissen zur Bewältigung der nahezu unendlichen Informations- und Wissensmengen. Hermeneutische Kompetenz und Internetkompetenz erfüllen dabei Schlüsselfunktionen eines kulturellen Kapitals der einzelnen Subjekte.

Aus dieser grundsätzlichen Bestimmung ergeben sich für die gymnasiale Oberstufe ( als auch für die Erwachsenenbildung) fünf fächerübergreifende Kompetenzbereiche mit jeweils zugeordneten fächerübergreifenden Standards, die unterschiedliche Lernausgangslagen und Potenziale der Lernenden berücksichtigen sollen.

Kommunikative Kompetenzen, Personale Kompetenzen, Soziale Kompetenzen, Methodisch-instrumentelle Kompetenzen, Soziale Kompetenzen

Eine kurze Beschreibung der fächerübergreifenden Kompetenzbereiche erfolgt in Crux (4). Innerhalb dieser Bereiche werden einzelne Bildungsstandards im Sinne des Dreiklangs von Wollen , Können, Wissen entwickelt.

Neben diesen überfachlichen Kompetenzen und Standards sind die jeweiligen Fachkompetenzen und Fachstandards für die einzelnen Fächer zu entfalten, z.B. Englisch, Deutsch, Mathematik, Biologie, Politik und Wirtschaft.
In den nächsten Wochen erfolgen dazu im Bildungswirt Vorschläge mit dem Titel: Bildungsstandards konkret. Zur Praktikabilität und Wirksamkeit sollten Fachstandards knapp formuliert werden, d.h. nicht mehr als 3 bis 4 Seiten pro Fach! Das ist die eigentliche Kunst didaktischer Steuerung. So kann gewährleistet werden, dass Lehrer, Schüler und Eltern tatsächlich verstehen können, worum es geht. Die konkrete Ausgestaltung obliegt den selbstverantwortlichen Schulen in sog. Arbeits- und Neugierplänen. Hier können subjektive Lernpräferenzen, situative und historische Besonderheiten effizient eingebracht werden. Staatliche Detail- Vorgaben und Gängelungen sind hier überflüssig, kontraproduktiv für kreative Lernprozesse.

Allerdings: Standards im Umfang von 40 bis 50 Seiten pro Fach (die jetzigen vorherrschend verschrobenen und unreflektierten KMK-Vorgaben) werden das gleiche Schicksal erleiden wie die alten Lehrpläne. Sie werden in der Unterrichtspraxis weitgehend ignoriert, entfalten kaum Wirksamkeit und dümpeln in verstaubten Ecken. Als banale Rettungsanker werden dann sog. Kerncurricula nachgeschoben (hört sich immer gut an: Curriculum und Kern) und Settings von Aufgabentypen, die die eigentliche Steuerungsfunktion übernehmen werden. Bildungsstandards werden so als Seifenblasen momenthaft aufscheinen.

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Bildungswirt liest pädagogisch-gastronomische Vernunft

12. September 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Bildungswirt liest pädagogisch-gastronomische Vernunft

Öffentliche Lesung im Odyssee Kult

Der Bildungswirt alias Dr. Michael Miller liest aus seinem neuen Buch „Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft – Alle reden von Schule – was ist zu tun?“

Er beschäftigt sich mit den »heißen Eisen« der Bildungspolitik und unterzieht sie einem ständigen Szenenwechsel. Wichtigen Bildungsfragen nachspüren heißt auch, das Ohr am Puls der Kneipenkommunikation zu haben. Die Kneipe als eine der bedeutendsten sozialen und kulturellen Institutionen des gesellschaftlichen Lebens wird präsentiert als Ort, von dem die Schule und der nationale Bildungsgipfel lernen können.

Wo? Odyssee Kult, Weberstr.77 Frankfurt-Nordend
Reservierungen:Tel. 069- 90500995

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