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Abituraufgaben der letzten Jahre in Hessen?!!

8. Februar 2012 · von frankmackay · 1 Kommentar

Abituraufgaben der letzten Jahre in Hessen?!!

Vom Bildungswirt seit fast 4 Jahren gefordert und nun seit 4 Monaten kostenlos und für jeden zugänglich: Mathematikaufgaben der hessischen Abiturjahrgänge 2007 bis 2011.
Die Münchner WP Wissensportal GmbH mit ihrem Angebot: http://www.abiturloesung.de/abitur/Hessen macht es möglich!

„Unter www.abiturloesung.de können sich nun auch Schüler aus Hessen online auf die schriftliche Abiturprüfung im Fach Mathematik vorbereiten. Hierzu steht eine große Sammlung von über 180 Abituraufgaben zum Abruf bereit. Neu hinzugekommen sind die Abituraufgaben der Jahre 2007 bis 2011 aus Hessen. Damit ist der Zugang zu den Prüfungsaufgaben via Internet keine unerfüllte Forderung mehr.“

Pressemitteilung, 17.10. 2011

Der Bildungswirt gratuliert zu diesem deutlichen Schritt.

„Traditionelle Schulen […] werden hart dafür kämpfen, dass der Übergang zum netzbasierten Bildungssystem nur langsam oder gar nicht vorankommt […]“

FAZ, 8.2.2012, D. Gelernter: Hausfrauen, Polizisten – jeder ist als Lehrer geeignet. (Artikel nicht online)

Wenn es weiterhin den Kultusministerienbürokratien nicht gelingt, eine angemessene Abiturvorbereitung zu gewährleisten, welche durch soziale (Internet) Netze aufgebaut werden kann, ist jeder freie, schnelle und digitale Material- und Informationsabruf folgerichtig.

Diese Debatte setzt sich zwischen digital und analog, zwischen Holzmedien-Kopierern und Scannern fort und führt zu einer Konzentration der alten Medien (Stark Verlag als erfolgreicher Anbieter von Abiturvorbereitungunsbüchern gehört seit August 2011 zur weltweit umsatzstärksten Verlagsgruppe Pearson), welche mit Schulbuchtrojanern drohen oder Kultusministerien zu ihren Erfüllungsgehilfen machen.

 

Wenn nun(!) die etablierten Bildungsmedienverlage eine offene(!) Lösung „Digitale Schulbücher“ auf der didacta 2012 präsentieren, so ist dies für Lehrer und Schüler ein erster transparenter Schritt, für einen schnellen Vergleich zwischen verschiedenen Bildungsmedien, aber offen?

Offene Angebote sind abiturloesung.de oder Freie Bildungsmedien, denn „wenn „kreative Zerstörer“ gegen die Anwälte des Machterhalts obsiegen, nahmen Fortschritt und Wohlstand ihren Lauf.“ FAZ, 29.1.2012, S. 46, So sind wir reich geworden

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Tags: Abitur verkauft · Bildung

Verkauf von Abituraufgaben – CDU: echt „ätzend“

20. April 2010 · von Miller · 5 Kommentare

Verkauf von Abituraufgaben – CDU: echt „ätzend“

In Deutschland 2010 wird „Abitur geschrieben“ – für die Ministerial-Organisatoren ist das ein monopolisierter hoheitsstaatlicher Akt der Durchführung von Landesprüfungen, für die Schülerinnen und Schüler eine enorme Leistunganstrengung, eine Pflichterfüllung, ein Kampf um Punkte, manchmal auch mit Angstschweiß und Tränen verbunden.


Diese schriftlichen Abiturprüfungen sind z.B. in Hessen gerade abgeschlossen und z.B. in Baden-Württemberg und Bayern noch voll im Gange. Nach Abschluss dieser „Prüfungskampagnen“ stellen sich jedes Jahr neu die brennenden Fragen:

* Was passiert mit den verbrauchten Abituraufgaben?

* Warum werden diese nicht im Internet veröffentlicht, für jedermann kostenfrei zugänglich?

* Warum werden die Aufgaben mit Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln/Steuern finanziert und anschließend an private Verlage für ein paar Euro verkauft?

Die Ministerien bleiben eine schlüssige Antwort schuldig, verstecken sich hinter einem „Urheberrecht“, das sie zum Monster künstlich aufbauen und gleichzeitig, wie eine mystische Monstranz vor sich hertragen. Die herbeigespielten Argumente sind dürftig und im Kern alle widerlegt, dennoch geht eine Politik der Abschottung weiter, ziehen die Ministerien ihre selbstreferenziellen Kreise.

Was sagen dazu unsere Volksvertreter in den Landtagen?
Werfen wir einen aktuellen Blick, z.B. nach Hessen. Im Kulturpolitischen Ausschuss des Landtags wurde am 25.Februar 2010 die Frage erneut behandelt. Hier einige Auszüge aus der öffentlichen Debatte und kurze Kommentierungen durch den Bildungswirt:

Abg. Barbara Cárdenas (Die Linke):
(…) Das erste landesweit einheitliche Abitur startete in Hessen im Frühjahr 2007 (erster Bildungsweg) sowie im Herbst 2007 (zweiter Bildungsweg). Damit verbunden war die Abschaffung des bisher üblichen dezentralen schriftlichen Abiturs an jeder Einzelschule, bei dem die Fachlehrerinnen und Fachlehrer die Aufgaben für ihren jeweiligen Kurs erstellten. Frühzeitig dokumentierte das Hessische Kultusministerium deshalb im Internet die Hintergründe der Entscheidung und entwickelte Musteraufgaben für alle Fächer. Als Service konnten Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern die Aufgaben vom hessischen Bildungsserver kostenfrei downloaden. In einer Nacht- und Nebelaktion des Hessischen Kultusministeriums wurden später jedoch alle bisherigen Abituraufgaben ohne stichhaltige Begründung wieder aus dem Internet genommen. Gleichzeitig wurden die Prüfungsaufgaben an private Verlage verkauft. Aus der Sicht dieser ein lukratives Geschäft, vor allem, wenn bei fest kalkulierbarer Nachfrage – die nächste Abi-Generation klopft schon an die Tür – gezielte Angebote unterbreitet werden können. Der damalige Landesschulsprecher kommentierte den Skandal denn auch präzise und poentiert: „Es kann nicht sein, dass eine Kommission aus Lehrern auf Kosten des Steuerzahlers Prüfungs- und Übungsaufgaben erstellt, die das Kultusministerium dann an einen Verlag verscherbelt und die wir uns für viel Geld zurückkaufen müssen.“ Genauso verhält es sich aber bis zum heutigen Tage: Ohne jedwede stichhaltige Begründung – geschweige denn Notwendigkeit – hat das Land, und es tut dies weiterhin, die zentralen Prüfungsaufgaben, für die es jährlich bis zu 2,5 Millionen € an Personalkosten ausgibt, gegen eine Verwaltungskostenpauschale von 100 € pro Aufgabenset an private Verlage verkauft. Unsere Forderung ist daher: weiterhin kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben mit Lösungshinweisen sowohl für die gymnasiale Oberstufe als auch für den Haupt- und Realschulbereich, am liebsten natürlich per Internet.

Die Volksvertreterin hat sich mit der Materie eingehend beschäftigt, die dargebotenen Informationen sind korrekt; wo sie recht, hat sie recht. Was soll hier sachlogisch eingewendet werden?

Abg. Mario Döweling (FDP):
(…) „ Ein Abiturplaner mit Abituraufgaben vom Cornelsen Verlag kostet 9,95 €. Ich glaube, 9,95 € sind nicht wirklich die Welt. Wenn sich ein Schüler das kaufen will, dann ist das, denke ich, okay. Es gibt daran eigentlich nichts mehr zu kritisieren. Frau Ministerin Henzler hat dies voll und ganz erklärt. Ich muss sagen: Ihre Große Anfrage und vor allen Dingen Ihre Quelle, die Sie da benennen, nämlich eine ominöse Internetquelle, entbehrt irgendwie jeglicher Grundlage.“

Ja, was kann von diesem Volksvertreter anders erwartet werden, als dass er seiner FDP-Ministerin beispringt? Die Abiturienten müssen zwangsweise diese Abiturplaner kaufen, da es keine Internetveröffentlichungen gibt. Das bringt den Verlagen hunderttausende Euro in die Kasse. Nur, ist der Volksvertreter den Verlagen oder den Schülern und Eltern verpflichtet?
Die „ominöse Internetquelle“ ist öffentlich und kostenfrei zugänglich, heißt Bildungswirt und wird umfangreich, auch von Parteien und Organisationen, genutzt. Zudem beinhaltet die Internetseite die derzeit umfangreichste Recherche und Dokumentation zu diesem Thema, Kategorie: „Abitur verkauft“; alle Aussagen sind mehrfach geprüft und abgesichert. Dem Abgeordneten fehlt offensichtlich die nötige Sachkompetenz. Die regelmäßige Nutzung der „ominöse Internetseite“, auch für Abgeordnete kostenfrei, könnte Abhilfe schaffen.

Abg. Dr. Norbert Herr (CDU):
(…) Es wäre wohl ein bisschen unzumutbar, wenn man die ganzen Vorschläge kontrollieren und feststellen wollte, wo ein Urheberrecht besteht oder nicht. Insofern ist das das richtige Verfahren. Die Nutzungsrechte sind auch geregelt – ein Mustervertrag. Das Entscheidende ist eigentlich, dass es keine Lösungs- und Beratungshinweise gibt. Genau da liegt das Benutzerrisiko. Ein Schüler, der das kauft, kann überhaupt nicht sicher sein, dass er das Richtige trifft. Da müsste er zufällig genau das haben; und das ist eben nicht gegeben. Der Mut zur Lücke besteht also. Die inhaltliche Verantwortung obliegt den Verlagen. Das ist für den Nutzer ganz entscheidend. Es besteht keine Notwendigkeit, etwas zu tun. Das ist Meterware. Ich habe allein für meine Fächer mindestens noch 1 m zu Hause stehen – für Leistungskurse, Grundkurse und das nur für zwei Fächer, und zwar von Baden-Württemberg und Bayern. Jetzt haben Sie selbst gesagt, die anderen Bundesländer hätten dies auch, sodass ich dies also eigentlich alles kaufen müsste. Wenn ich das als Schüler alles „reingezogen habe“, dann bin ich fit und habe von vornherein 15 Punkte. Dann brauche ich eigentlich gar nichts mehr zu machen. Aber dazu ist keiner in der Lage. Das ist doch völlig weltfremd. Man muss also den Mut zur Lücke haben.

Der Volksvertreter scheint etwas verwirrt. Der Schüler soll ein „Benutzerrisiko“ im wahrsten Sinne des Wortes in Kauf nehmen, obwohl dem Land die Originallösungen kosten- und urheberrechtsfrei vorliegen? Er will den Schülern ungeprüfte „Meterware“ zumuten? Den „Mut zur Lücke“ hat der Abgeordnete bei sich selbst vielleicht zu wörtlich genommen?

Abg. Brigitte Hofmeyer (SPD):
(…) Wir sehen, dass die Abiturienten nicht die Möglichkeit haben, sich einfach und kostenlos auf die Prüfungen vorzubereiten. Die Praxis aus dem Jahr 2007 hat auch gezeigt, dass man die Prüfungen durchaus ins Internet stellen könnte. Frau Ministerin Henzler, entgegen Ihrer Ausführungen eben und auch der Aussagen von Experten liegen uns Aussagen vor, die besagen, dass ca. 80 % der Materialien frei von Urheberrechten sind und dass diese somit auch im Internet für alle zugänglich sein könnten. Das belegt wie gesagt auch die Tatsache, dass das bis zum September 2007 so möglich war. Was ebenso ein wenig zu bedauern ist, ist die Aussage der Landesregierung, dass den Schulen selbstverständlich alle Materialien zur Verfügung gestellt würden. Aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage, die ein Jahr zuvor vonseiten der Landesregierung gegeben wurde, wird aber deutlich, dass diese Aufgaben den Schulen nur auf zwei CDs zur Verfügung gestellt werden und dass diese auch noch dem Kopierschutz unterliegen. Daher kann sich jeder vorstellen, dass es in der Praxis überhaupt nicht möglich ist, dies an die Schülerinnen und Schüler einfach so weiterzugeben. Die Praxis zeigt dann auch, dass diese natürlich in die Buchhandlungen gehen und sich das entsprechend erwerben müssen.

Die Volksvertreterin hat sich mit der Materie beschäftigt und die Problematik erkannt. Es fehlt ergänzend nur die Aussage, dass – für die Schüler entscheidend – Aufgabenstellungen und Lösungshinweise/Erwartungshorizonte im Kultusministerium schon vorliegen und copyrightfrei sind. Einer Veröffentlichung steht also nichts im Wege. ‚Der 80% – Orientierungswert zu den verwendeten Materialien ist korrekt; dieser kann mit wenig Aufwand auf 95% gesteigert werden.

Abg. Mathias Wagner (Grüne):
(…) Der erste Punkt ist die Frage: Wie gehen wir als Staat eigentlich mit Werken um, die mit Steuergeldern erstellt worden sind? Würde daraus nicht auch folgen, dass die Öffentlichkeit ein Anrecht darauf hat, dass diese Materialien, die mit dem Geld der Bürgerinnen und Bürger erstellt worden sind, auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen? – Ich finde, dass dies eine sehr legitime und berechtigte Frage ist. Wir diskutieren auch in anderen Politikbereichen die Frage: Welches Anrecht haben die Bürgerinnen und Bürger darauf, dass Verwaltungshandeln transparent ist und dass von Verwaltungen erstellte Leistungen auch tatsächlich für die Bürgerinnen und Bürger zugänglich sind. Ich finde, diese Frage kann man hier ohne Schärfe diskutieren, und diese ist auch interessant. Wenn natürlich Belange des Urheberrechts dem entgegenstehen, ist dies selbstverständlich auch zu berücksichtigen. Aber der grundsätzliche Gedanke, dass Abiturprüfungen, nachdem sie geschrieben worden sind, die mit öffentlichen Geldern erstellt worden sind, auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen müssten, finde ich jetzt nicht so ungewöhnlich, wie das zum Teil einige Vorredner dargestellt haben.

Der Volksvertreter hat sich mit der Materie beschäftigt und stellt angemessen kluge Fragen. Die Art des Fragens legt die Vermutung nahe, dass er für Transparenz und die Veröffentlichung der Abituraufgaben eintreten will. Fragen des Urheberrechts, hier angewendet auf das Streitobjekt, sind ihm weniger geläufig. Was fehlt sind jedoch klare eigene Antworten und Forderungen an die Landesregierung.

Abg. Barbara Cárdenas (Die Linke):
(…) Ich finde es sehr wichtig, was gesagt worden ist, dass Schülerinnen und Schüler nämlich ein Recht darauf haben, dass öffentlich erstellte und bezahlte Leistungen auch frei zugänglich sind. Ich denke, dass DIE LINKE an diesem Punkt wieder darauf hinweisen kann, dass es richtig ist, auch wieder zu sagen, dass es in der Regel in letzter Zeit sehr stark darum geht, Kosten zu sozialisieren, aber Gewinne zu privatisieren. Das ist ein Beispiel dafür, wo wir das wieder nachweisen können. – Ich bedanke mich.
(Abg. Hans-Jürgen Irmer (CDU): ätzend!)

Die Volksvertreterin weist auf eine bekannte Aussage der Linken zu Kosten und Gewinne hin, deren Evidenz im vorliegenden Fall nicht leicht von der Hand zu weisen ist. Nur was meint der CDU-Abgeordnete mit seinem Einwort-Zwischenruf oder Abschlusskommentar: „ätzend“? Findet der Volksvertreter es ätzend, das die Kosten sozialisiert und die Gewinne privatisiert werden? Will er der Abgeordneten von der Linken beipflichten, sozusagen in blitzartiger Eingebung tieferer Erkenntnis? Oder meinte er die Abgeordnete persönlich oder ihre Danksagung zum Schluss? Wäre Letzteres der Fall, hätte der Ausschussvorsitzende energisch eingreifen und den CDU-Abgeordneten zur Ordnung rufen müssen.

Vorsitzender Abg. Dr. Michael Reuter (SPD):
Vielen Dank. – Die Verfahren in den beiden genannten Bundesländern – Brandburg und Sachsen-Anhalt – werden im Protokoll nachgereicht. Frau Ministerin, wollen wir so verfahren? (Ministerin Dorothea Henzler: Ja!) – Okay, dann bedanke ich mich. Im Folgenden fasst der Ausschuss den Beschluss: KPA/18/14 – 25.02.2010 Der Kulturpolitische Ausschuss hat die Antwort der Landesregierung zur Großen Anfrage besprochen. (einvernehmlich) Das Ministerium sagt weitere Informationen zu.(Schluss des öffentlichen Teils; es folgt der nicht öffentliche Teil)

Die Debatte wird mit Sicherheit fortgesetzt, das nächste Abitur kommt bestimmt. Die Forderung nach kostenfreiem Zugang zu den verbrauchten Abituraufgaben im Internet bleibt in allen Bundesländern auf der Agenda.

Peinlich bleibt, dass die sog. „Qualitätsjournalisten“ bisher dieses Thema verdrängen, gleichwohl jedes Jahr mehr als 300.000 Schülerinnen und Schüler direkt betroffen sind. Indirekt betroffen sind Eltern, Lehrer und die Fachöffentlichkeit. Die Zuständigen der Lehrerausbildung an allen deutschen Universitäten haben offiziell keinen Zugang zu den Aufgaben. Eine Prüfungsdidaktik-Debatte findet nicht statt.

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Was der hessischen Bildungspolitik fehlt (2)

12. März 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Was der hessischen Bildungspolitik fehlt (2)

Aufwachen, hören – solide didaktisch-pädagogische Forschungsergebnisse wahrnehmen und verstehen

Den Kindern und Jugendlichen eine faire Chance — neue Lernkulturen, den Groove spüren!

Behindernde Bürokratie abbauen, Mut zum Experiment

Die Zeit ideologischer Betonköpfe sollte endgültig vorbei sein, sonst wird die Idee der Selbständigen Schule ein kompletter Rohrkrepierer.

Übrigens: Heute ist der erste Prüfungstag im hessischen Landesabitur, traditionell erfolgt die Eröffnung mit dem Fach Deutsch. Den Abiturgestressten, insbesondere den Schülerinnen und Schülern wünscht der Bildungswirt gute Nerven, kluge Ideen und Erfolg. Verbrauchte Abiturprüfungen sollten selbstverständlich kostenfrei im Internet veröffentlicht werden. Die nächste Abiturientengeneration steht schon in den Startlöchern und freut sich auf leicht zugängliches Lernmaterial. Das könnte doch auch in einen Kultusministerium begriffen werden, dazu braucht man nicht einmal Abitur.

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Kulturpolitischer Ausschuss im hessischen Landtag

24. Februar 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Kulturpolitischer Ausschuss im hessischen Landtag

Die Einladung zur 16. Sitzung des Kulturpolitischen Ausschusses.

Ankündigung Kulturpolitischen Ausschuss 25.2.2010 - anklicken

Große Anfrage  der Fraktion DIE LINKE  betreffend Verkauf der Rechte am Landesabitur

Im Bildungswirt wurde der Verkauf des Landesabiturs immer wieder aufgegriffen.

Man wird sehen, inwieweit die Landesregierung lernfähig ist und die Zeichen der Zeit versteht. Das Internet mit entsprechender Computertechnologie ist die bedeutendste Revolution der Neuzeit. Warum will man diese Potenziale nicht auf allen Ebenen ausnutzen? Eine großzügige Veröffentlichung von Lernmaterialien – selbstverständlich auch von allen verbrauchten Prüfungen – gehört zum Mindesstandard der Unterstützung von Bildungsanstrengungen.

Im Kulturpolitischen Ausschuss werden die Positionen der fünf Lantagsparteien deutlich werden.

Übrigens: Was sagen eigentlich die Lehrerverbände und Elternvereine in der Sache?

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Kostenlos versus Copyright

28. November 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Kostenlos versus Copyright

oder: Welche Regeln braucht der Marktplatz Internet?”
Die Suchmaschine Google streitet sich mit Autoren und Verlagen. Die Schriftsteller werfen dem Unternehmen vor, Bücher ohne Erlaubnis fürs Internet zu digitalisieren. Die Verleger verlangen einen fairen Anteil an den Werbeerlösen von Suchmaschinen, Portalen und Dienste-Anbietern. Aber auch untereinander streiten Autoren und Verlage über die Zweitverwertung von Texten und Fotos.
Es geht ums Urheberrecht der Kreativen und das Leistungsschutzrecht der Medienwirtschaft. Und darauf haben private wie kommerzielle Internetgemeinde nur eine Antwort: Altes Denken müsse man nicht noch gesetzlich schützen. Und die Verlage kontern, da habe sich ein Kartell im Internet gebildet.
Darüber diskutierten aktuell im “Wortwechsel”:
Konstantin Neven DuMont, Vorstand der Unternehmensgruppe M. DuMont-Schauberg;
Michael Konken, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes;
Thomas Mosch, Geschäftsleitung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien;
Jens Seipenbusch, Vorstandsvorsitzender der Piratenpartei Deutschland

Zuhören und selbst denken sind heute erstauliche Kompetenzen, die es zu fördern gilt.
Weitere Hintergrundmaterialien zur Kontroverse um den „Heidelberger Appell“ finden sich hier

Kostenfreie Veröffentlichung von verbrauchten Abiturprüfungen wäre hierzu eine untergeordnete Debatte. Die Copyrightfrage ist weitgehend gelöst. Kostenlos und doch Akzeptanz des Copyrights – einfach kreativ zusammendenken und handeln.

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Die FDP hat alle Chancen …

5. November 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Die FDP hat alle Chancen …

Verkehrte Welt im hessischen Landtag oder Kultusministerium? Teil 3

oder: Was heißt im „Abiturstreit“, Vernunft auf der Höhe der Zeit aktiv zu gestalten?

Was ist Sinn der Schule? Um was geht es bei den ganzen „komplexen Schulübungen“ inklusive aller Prüfungen? Es geht um die Zukunft unserer Jugend, um deren Fähigkeiten, Wissen und Lernmotivation, um deren Chancen einer optimalen Persönlichkeitsentwicklung, um deren aktive Teilhabe am öffentlichen Leben, um deren Engagement für eine streitbare Demokratie. Alle anderen Belange sind hier unterzuordnen. Auch die Lehrerinnen und Lehrer, auch die Beamten der Schulverwaltung haben nur deshalb ihre Jobs, stehen in „Amt und Würden“, weil es diese Kinder und Jugendlichen gibt und nicht umgekehrt. Das wird allzu gern vergessen.

Die großzügige Veröffentlichung von Unterrichtsmaterialien (verbrauchte Landesprüfungen sind ein Teil davon!) soll dazu dienen, die Schülerinnen und Schüler zur selbständigen Nutzung dieser Angebote anzuregen. Lernprozesse sind immer individuell und setzen die Bereitschaft des Lernenden voraus. Umgekehrt muss die Schulverwaltung alles daran setzen, diese Prozesse der Selbstorganisation und Motivation zu fördern. Eine Veröffentlichungspraxis von Landesprüfungen im Internet – kostenfrei und für jedermann zugänglich – ist hier auf der Höhe der Zeit. Auch die interessierte Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, was denn in den Schulen konkret vor sich geht, wie z.B. Landesprüfungen aussehen.

Wer berät die Kultusministerin in diesen Fragen?
Bisweilen hat man den Eindruck, dass eine konfuse „Beratung“ durch ein CDU-dominiertes Ministerium stattfindet. Oder spielt die SPD noch eine Nebenrolle? Mit den Ideen – Freiheit, Wettbewerb unter fairen Bedingungen, Förderung von Selbständigkeit, Aufbruch in die eigenverantwortliche Schule – alles politischer Wille der FDP – hat das bisher wenig zu tun. „Neid und Diffamierung“ schlugen der Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) in den ersten 2 bis 3 Monaten im neuen Amt entgegen. „Die Politikerin ärgert sich über mangelnde Unterstützung in dem bisher ausschließlich von SPD- und CDU-Politikern geführten Ministerium.“ (FAZ, 25.04.2009) Jetzt aber schlägt die Stunde der FDP; sie könnte ein eigenes Profil entfalten.

Schön war´s!

Schön war´s!

Was wäre der Ministerin zu raten?
Am besten, Dorothea Henzler eröffnete selbst einen fortschrittlichen „Abi-Blog“ mit allen Aufgaben, Materialien und Lösungen. Dazu Lernangebote auf dem neusten Stand in ansprechender Präsentation, Service-Hotline, regelmäßige Infobriefe an Schulen, Eltern, Schüler, Persönliches als freie Demokratin an die engagierte Internet begeisterte Jugend etc.

Dorothea Henzler als erste Kultusministerin in Deutschland mit eigenem Blog! Das wäre eine FDP-Antwort, die Zeichen setzen würde. Schüler, Lehrer, Eltern und Medien würden es ihr danken.
Wie sagte so schön Blogger Fuchs: „Frau Henzler übernehmen Sie: Geben Sie die Aufgaben frei.“

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Verkehrte Welt im hessischen Landtag oder Kultusministerium? Teil 2

1. November 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Verkehrte Welt im hessischen Landtag oder Kultusministerium? Teil 2

oder der müßige Streit um die verbrauchten Abiturprüfungsaufgaben

In Teil 1 wurde der aktuelle Streit zum Verkauf des Landesabiturs in seiner bildungspolitischen und historischen Dimension näher beleuchtet. 2008 hatten die Grünen eine kleine Anfrage, 2009 die Linken eine Große Anfrage im Landtag eingebracht. Dazu wurden die ersten Antworten der Landesregierung (Sept. 2009) auf ihre Angemessenheit hin kommentiert. In Teil 2 wird diese notwendige, analytisch sensible Arbeit fortgesetzt. Detaildarstellungen und Kommentierungen sind hier immer wieder sinnvoll:

© mad-max / PIXELIO

© mad-max / PIXELIO

Frage 14. Wie beurteilt und bewertet die Landesregierung rechtlich den im Artikel „Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage“ unter Punkt 2 dargestellten Sachverhalt (bitte mit Begründung)?
„Bei der Dokumentation von Prüfungen ist zu unterscheiden in; a) Aufgabenstellungen, b) Material, also Texte, Bilder, Grafiken und c) Lösungen, Hinweise, Bewertungsmaßstäbe. Für a) und c) gibt es kein Copyright, da Aufgaben und Lösungen von Lehrerinnen und Lehrern im hessischen Schuldienst erstellt und in der Regel durch Deputatstunden (Unterrichtsentlastung) vergütet wurden. A) und c) könnten für alle Fächer kostenfrei und problemlos im Internet zur Verfügung gestellt werden. Der Schüler hat zeit- und ortsungebunden ein Recht darauf, zu erfahren, was von ihm im ‚öffentlichen Prüfungsakt’ verlangt wird.“

Antwort 14: „Die Rechte an den isolierten Aufgabenstellungen und den von Landesbediensteten erstellten Lösungshinweisen liegen beim Land Hessen und können insoweit ohne Verletzung fremder Urheberrechte zugänglich gemacht werden.“

Große Einigkeit: Die Ministerin stimmt zu, dass das Land Hessen hier frei entscheiden, sprich alles im Internet kostenfrei veröffentlichen könnte. Dann kommt der „Haken“.

Antwort 14: „Dies betrifft jedoch lediglich Prüfungsarbeiten, die ohne jeden Bezug auf Texte oder sonstige Materialen, an denen Rechte Dritter bestehen, gestellt wurden. Der weit überwiegende Anteil von Prüfungsaufgaben beinhaltet jedoch fremde Texte oder sonstige Materialien, auf die sich die Fragen
bzw. Aufgabenstellungen beziehen. Eine Veröffentlichung der Aufgabenstellung ohne Materialien und lediglich mit Lösungshinweisen würde ein unvollständiges und verfälschtes Bild der Prüfungsaufgaben abgeben und wäre damit zur Vorbereitung auf das Landesabitur nicht geeignet.“

Leider falsch oder sagen wir besser: lückenhaft von „Beratern“ informiert worden. Es gibt nur ganz selten „isolierte Aufgabenstellungen“. Aufgabenstellungen beziehen sich i.d.R. auf Material/Texte, die wiederum frei sind oder mit geringem Aufwand frei gegeben werden können. Eine Veröffentlichung ohne Materialien steht deshalb gar nicht zur Diskussion.

Frage 15. Wie beurteilt und bewertet die Landesregierung rechtlich den im Artikel „Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage“ unter Punkt 3 dargestellten Sachverhalt (bitte mit Begründung)? „Kommen wir zum heiklen Punkt: b) Material. Hier gilt es zu unterscheiden zwischen kostenfreiem und in der Regel frei verwendbarem Material einerseits und kostenpflichtigem und zustimmungsabhängigem Material andererseits. Diese Copyright- Prüfung kann durch alle Fächer ohne großen Arbeitsaufwand durchgeführt werden, vorzugsweise bei den 12 genannten Fächern (1. und 2. Staffel). Exemplarisch will ich das an einigen Fächern zeigen. Der Grundsatz gilt: Alle Texte, die älter als 70 Jahre sind, können von jedermann frei verwendet werden, unterliegen also keinem Copyright! Aus der vorgeschriebenen Leseliste im Fach Deutsch folgt, dass fast alle Texte copyrightfrei sind, z.B. Goethe, Schiller, Fontane, Büchner…
Analog gilt das für Texte in Geschichte und Latein zu 95%. Besondere Schlauberger kommen allerdings auf die ‚Geschäftsidee’ zu sagen: Ja, die Texte sind copyrightfrei, aber nicht mein Layout. Dann nimmt man eben den Text, bastelt sich in 10 Minuten sein eigenes Layout und schon ist das Problem gelöst. In den Fächern Mathematik, Chemie und Physik ist das Copyright marginal. Fast alles ist von den Lehrerinnen und Lehrern selbst erstellt, z.B. Formeln, Symbolketten, einfache Grafiken, Versuchsbeschreibungen. Zusätzlich gibt es – wie jetzt schon üblich – netzveröffentlichte Handreichungen.“

Antwort15: Es trifft zu, dass Urheberrechte nach § 64 Urheberrechtsgesetz siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers erlöschen. Dass dies – wie in dem zitierten Internetartikel beschrieben – für „fast alle Texte“ in den Abiturprüfungsarbeiten im Fach Deutsch und Latein zutreffen soll, sodass diese keinerlei
Einschränkungen durch Rechte Dritter unterliegen, ist jedoch nicht zutreffend. Dies trifft für alle weiteren mehr als 40 Fächer im Landesabitur zu.

„Es trifft zu …“ – genau, so sehen wir das auch. Leider fehlt hier im Weiteren von der Landesregierung ein nachvollziehbares Argument. Zu Deutsch und Copyright siehe oben in der Frage. Die Regierung hat dem nichts entgegenzusetzen. Goethe, Schiller, Fontane, Büchner…grüßen copyrightfrei. Ansonsten empfehle ich Seneca, Plinius oder Cicero lesen – ca. 2000 Jahre alte Texte, copyrightfrei, einfach immer wieder erhellend, für jedermann verfügbar.

Antwort 15: „Die vorgeschlagene Copyright-Prüfung würde einen erheblichen Aufwand erfordern, indem die Quellen und Texte der unterschiedlichen Aufgabenvorschläge für jedes Fach einzeln urheberrechtlich geprüft werden müssten. Der damit verbundene Aufwand steht in keiner vernünftigen Relation im Vergleich zu der derzeit gewählten Bereitstellung von Aufgaben an den Schulen.“

Leider auch falsch. Lösungen hatten wir schon vor über 1 Jahr angeboten: pragmatisch, schnell, kostengünstig. Von „erheblichem Aufwand“ kann keine Rede sein. Und zur sog. „vernünftige Relation“ – einfach praxisfremd, vgl. Kommentar zu Antwort 9, Teil 1.

Frage 16. Wie beurteilt und bewertet die Landesregierung rechtlich den im Artikel „Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage“ unter Punkt 4 dargestellten Sachverhalt (bitte mit Begründung)? „Kommen wir zum verbleibenden kleinen Kern des kostenpflichtigen Problems. Autoren und Verlage werden in Bezug auf das Copyright verzerrt wahrgenommen und falsch eingeschätzt. Autoren und Verlage haben kein Interesse an Konflikten mit staatlichen Institutionen. Sie haben Interesse an Kooperation, an Werbung für den eigenen Namen und ihre Produkte und selbstverständlich immer an Geschäften. Schulbuchverlage erfüllen eine wichtige Unterstützungs- und Begleitfunktion für Unterricht, sind hoch kooperativ, flexibel und gesprächsbereit. Die Autoren sind in der großen Mehrheit selbst Lehrerinnen und Lehrer im Schuldienst und Hochschuldienst (oder Pensionäre). Ein geschicktes staatliches Management bindet sie in längerfristige Entscheidungen ein und sorgt für eine Win-Win-Situation. Oft erhält man kostenfrei (oder für einen kleinen symbolischen Obolus) Abdruckrechte für Texte, Bilder, Grafiken, wenn selbstverständlich die Quelle und „mit freundlicher Genehmigung des XY-Verlages“ genannt wird. Schulbuchverlage haben ein hohes Interesse daran, dass ihre Produkte an den Schulen vor Ort im Gespräch sind und auch immer wieder bestellt werden. Grundsätzlich gilt die gleiche Einschätzung zu kooperativem Verhalten auch bei großen Medien wie zum Beispiel der FAZ, der FR, der ZEIT oder dem HR, wenn z.B. auf aktuelle Berichterstattung zurückgegriffen wird. Die Abdruckrechte für „typische Zeitungsartikel“ zu erhalten, eingesetzt z.B. im Fach Politik und Wirtschaft, ist wirklich kein ernsthaftes Problem. Zudem gibt es die Möglichkeit, über eine geringfügige, einmalige Jahreszahlung pauschal Abdruckrechte für „aktuelle Berichterstattungen“ und die Verwendung zum Abiturzweck zu erhalten. Flexible Amtsjuristen könnten mit der VG-Wort Verträge/Pauschalen über die Nutzungsrechte aushandeln, zumal die Textlänge im Abitur in der Regel nicht 900 Worte übersteigen darf. Auf Einzelnachweise wird dann im Vorfeld verzichtet; nach dem Abitur kann Bilanz gezogen werden. Insgesamt dürften sich die Zusatzkosten für Dokumentation und Präsentation auf nicht mehr als 1% (ein Prozent!) der öffentlichen Gesamtkosten belaufen.“

Antwort16: Der Abschnitt aus dem zitierten Artikel beruht auf Mutmaßungen, die einer rechtlichen Bewertung nicht zugänglich sind. Es ist nicht richtig, dass die Autoren der geschützten Fremdtexte selbst „Lehrerinnen und Lehrer im Schuldienst oder Hochschuldienst (oder Pensionäre)“ sind, sodass es ohne
Weiteres möglich sei, „kostenfrei (oder für einen kleinen symbolischen Obolus)“ die erforderlichen Rechte für Veröffentlichungen zu erhalten. Das Spektrum der Materialien ergibt sich aus den unterschiedlichsten Quellen (Zeitschriften, Zeitungen, Fach- und Lehrbücher aus dem Schul- und Hochschulbereich
u.a.), sodass für jede einzelne Quelle die Rechte geprüft und ggf. die Genehmigung eingeholt werden müsste. Der damit verbundene personelle und finanzielle Aufwand steht in keiner vernünftigen Relation im Vergleich zu der derzeit gewählten kostenfreien Bereitstellung von Aufgaben.

„Der Abschnitt aus dem zitierten Artikel beruht auf Mutmaßungen, die einer rechtlichen Bewertung nicht zugänglich sind.“ Bitte keine Ablenkungsmanöver. Es geht nicht um „Mutmaßungen“, sondern um reichlich praxisnahe Erfahrungen, wie man Probleme löst. Will die Landesregierung etwa behaupten, dass die erfahrungsbezogene Einschätzung des Bildungswirts aus der Luft gegriffen sei: „Autoren und Verlage haben kein Interesse an Konflikten mit staatlichen Institutionen. Sie haben Interesse an Kooperation, an Werbung für den eigenen Namen und ihre Produkte und selbstverständlich immer an Geschäften. Schulbuchverlage erfüllen eine wichtige Unterstützungs- und Begleitfunktion für Unterricht, sind hoch kooperativ, flexibel und gesprächsbereit.“??
Welche eigenen „Mutmaßungen“ stellt die Landesregierung dann an? „Das Spektrum der Materialien ergibt sich aus den unterschiedlichsten Quellen …“ – das bestreitet niemand, denn es entspricht der Aussage des Bildungswirts. Falsch ist jedoch, dass man die Genehmigung für jedes einzelne Material bei immer neuen Eigentümern einholen muss. Ein Beispiel: Allein mit Materialien von Suhrkamp und Cornelsen (enge Verlagspartnerschaft) könnte man große Teile des Landesabiturs abdecken. Aber keine Angst: Die Verlage öffnen gern ihre Pforten; „Autoren und Verlage haben kein Interesse an Konflikten mit staatlichen Institutionen.“ Vgl. ausführlich die Aussagen in Frage 16. „Win-win-Situationen“ sollte man nicht unbedacht verspielen.

Frage 17. Wie beurteilt und bewertet die Landesregierung rechtlich den im Artikel „Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage“ unter Punkt 7 dargestellten Sachverhalt (bitte mit Begründung)? „Das Ministerium vertritt in diesem Fall einen seltsam verengten Begriff von Öffentlichkeit bzw. von „öffentlichem Zugriff“. Dem gegenüber muss betont werden, dass eine schul- und bildungspolitische Öffentlichkeit aus Schülern, Lehrern, Eltern, lokalen Schulträgern, universitärer Fachöffentlichkeit und den Medien besteht. Mit zwei CDs pro betroffener Schule (oder eine CD für einen besonders privilegierten Journalisten) kann das nicht geleistet werden. Das angemessene Medium ist das Internet.“
Antwort 17: „Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen.“

Wie bitte? Denkfehler im System oder einfach plumpe Verweigerung? Die Antwort zu Frage 1 passt nicht zur Frage 17. Die Öffentlichkeit wird ausgeschlossen.

Frage 20. Wie plant die Landesregierung zu gewährleisten, dass zukünftig jede hessische Schülerin und jeder hessischer Schüler verbindlich in Besitz der notwendigen Prüfungs- und Übungsaufgaben kommt, was laut zahlreichen Schülerhinweisen aktuell nicht der Fall ist?
Antwort 20: „Auf die Antwort zu Frage 9 wird verwiesen.“

Verweigerungshaltung ist auch eine Antwort. Sie trägt jedoch nicht lange.

Frage 21. Wie bewertet die Landesregierung in Anbetracht der Kosten-Nutzen-Relation (Nutzen: ca. 10.000 Euro öffentliche Mehreinnahmen bisher; Kosten: aufgrund von Kopiernotwendigkeiten gestiegene Personal- und Sachkosten, Landesabitur ist nicht mehr frei zugänglich und somit sozial selektiver geworden, Schüler müssen Geld für gute Abiturvorbereitung ausgeben, den Steuerzahlern ist jährlich ein „Schaden“ bzw. „Verlust“ in Höhe von 2 bis 2,5 Millionen Euro entstanden) die Entscheidung zur Veräußerung des Landesabiturs und ist sie bereit, diese binnen welcher Frist zu revidieren?

Antwort 21: Die Abituraufgaben stehen Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern an hessischen Schulen kostenfrei zur Verfügung. Dieses Verfahren stellt auch aus Sicht der Landesregierung das gegenwärtig günstigste Verfahren dar. Deshalb ist derzeit nicht daran gedacht, dieses Verfahren zu modifizieren.

(Die Antwort der Landesregierung wurde von Kultusministerin Dorothea Henzler am 20.08.2009 unterschrieben und am 08.September 2009 im Landtagsinformationssystem veröffentlicht )

Die unendliche Geschichte kann man nur beenden, wenn man das Buch zuklappt und ein neues Spiel beginnt. Eine freie Demokratin kann den freien Zugang zu Aufgaben, Materialien und Lösungen gewährleisten und damit Transparenz und „Bildung als Bürgerrecht“ herstellen.

(Jeder Kritiker sollte selbstverständlich auch bereit sein, konstruktive und effiziente Lösungen anzubieten. Neben den zahlreichen Angeboten der Problemlösung , beschäftigt sich Teil 3  genau mit dieser Aufgabe: Was heißt im „Abiturstreit“, Vernunft auf der Höhe der Zeit aktiv zu gestalten? Erscheint in Kürze.)

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„Frau Kultusministerin Henzler, geben Sie die Aufgaben frei“

30. Oktober 2009 · von fuchs · 1 Kommentar

„Frau Kultusministerin Henzler, geben Sie die Aufgaben frei“

Hier der Gastbeitrag von Blogger Fuchs

liebe VOLKSVERTRETER des landes hessen in wiesbaden,

nie war es so leicht positive schlagzeilen zu produzieren und (alle) menschen glücklich zu machen. GEBT DIE AUFGABEN FREI!!!! die schülerinnen und schüler haben genug mit dem älterwerden, erstem liebesglück und -enttäuschung, selbstbehauptung und selbstentwicklung, schlechten lehrern und sinnfreien lehrplänen, prüfungsstress, etc. zu tun, da brauchen sie keine zusätzlichen und doch so leicht vermeidbaren administrativen hürden. GEBT DIE AUFGABEN FREI!!!! es gehört zu den großen stärken des menschen, dass er vergeben kann. und auch den abitur-fauxpas wird man vergeben und vergessen, vielleicht später sogar mal darüber lachen. also nur mut: GEBT DIE AUFGABEN FREI!!!!!!

und falls es irgendjemand doch noch nicht verstanden hat:
– die (erstellung der) abituraufgaben werden ohne kommerzielles interesse durch ÖFFENTLICHE MITTEL finanziert.
– die aufgaben sollen JEDEM zugänglich sein
– das internet ist DAS medium der gegenwart und zukunft und besitzt faktisch keinerlei zugangsbeschränkungen (24/7 ONLINE)
– es gibt keine trifftigen gründe die aufgaben nicht ins netz zu stellen (nur abwehrreflexe oder verzögerungstaktiken)

ALSO MACHT ES EUCH UND UNS LEICHT: GEBT DIE AUFGABEN ENDLICH FREI!!!!!!!!

es gibt nichts gutes, außer man tut es.
was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.

hessen sollte diese chance, den anspruch “bildungsland nr.1″ zu sein, nicht leichtfertig versäumen. viel gutes kam seit der landtagswahl noch nicht aus dem hkm.

frau henzler, übernehmen sie!!!!

GEBEN SIE DIE AUFGABEN FREI!!!!

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