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Was der hessischen Bildungspolitik fehlt (2)

12. März 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Was der hessischen Bildungspolitik fehlt (2)

Aufwachen, hören – solide didaktisch-pädagogische Forschungsergebnisse wahrnehmen und verstehen

Den Kindern und Jugendlichen eine faire Chance — neue Lernkulturen, den Groove spüren!

Behindernde Bürokratie abbauen, Mut zum Experiment

Die Zeit ideologischer Betonköpfe sollte endgültig vorbei sein, sonst wird die Idee der Selbständigen Schule ein kompletter Rohrkrepierer.

Übrigens: Heute ist der erste Prüfungstag im hessischen Landesabitur, traditionell erfolgt die Eröffnung mit dem Fach Deutsch. Den Abiturgestressten, insbesondere den Schülerinnen und Schülern wünscht der Bildungswirt gute Nerven, kluge Ideen und Erfolg. Verbrauchte Abiturprüfungen sollten selbstverständlich kostenfrei im Internet veröffentlicht werden. Die nächste Abiturientengeneration steht schon in den Startlöchern und freut sich auf leicht zugängliches Lernmaterial. Das könnte doch auch in einen Kultusministerium begriffen werden, dazu braucht man nicht einmal Abitur.

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Kulturpolitischer Ausschuss im hessischen Landtag

24. Februar 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Kulturpolitischer Ausschuss im hessischen Landtag

Die Einladung zur 16. Sitzung des Kulturpolitischen Ausschusses.

Ankündigung Kulturpolitischen Ausschuss 25.2.2010 - anklicken

Große Anfrage  der Fraktion DIE LINKE  betreffend Verkauf der Rechte am Landesabitur

Im Bildungswirt wurde der Verkauf des Landesabiturs immer wieder aufgegriffen.

Man wird sehen, inwieweit die Landesregierung lernfähig ist und die Zeichen der Zeit versteht. Das Internet mit entsprechender Computertechnologie ist die bedeutendste Revolution der Neuzeit. Warum will man diese Potenziale nicht auf allen Ebenen ausnutzen? Eine großzügige Veröffentlichung von Lernmaterialien – selbstverständlich auch von allen verbrauchten Prüfungen – gehört zum Mindesstandard der Unterstützung von Bildungsanstrengungen.

Im Kulturpolitischen Ausschuss werden die Positionen der fünf Lantagsparteien deutlich werden.

Übrigens: Was sagen eigentlich die Lehrerverbände und Elternvereine in der Sache?

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Landesabitur-Vorbereitung: „Wünsche euch allen dann viel Glück, wenn ihr zentral mit mir leidet“

2. Februar 2010 · von tango · 3 Kommentare

Landesabitur-Vorbereitung: „Wünsche euch allen dann viel Glück, wenn ihr zentral mit mir leidet“

Oder: Kann man ein schriftliches Landesabitur im Fach Deutsch sinnvoll vorbereiten?

Chaos, Orientierungslosigkeit, Fremdbestimmung sind drei Größen, die bei der bisherigen Vorbereitung auf das Landesabitur in Deutsch eine herausgehobene Rolle spielten. Dies kann man an einem „Hilferuf“ aus dem Netz und den entsprechenden „Ratschlägen“ aus den Niederungen des Schulalltags recht gut nachvollziehen. Die Netz gestützten „Abi-Vorbereitungs-Tipps lassen sich unter www.deutschboard.de/topic,2954,-abivorbereitung-deutsch-gk,-hessen.html im dortigen Forum im Original abrufen. Auch wenn man bei vielem, was dort prüfungsgeplagte Oberstufenschüler schreiben, schmunzeln muss, spiegelt sich darin mangelhaftes Coaching durch ihre Lehrer sowie mangelnde Transparenz und fehlender Support durch Ministerium und Schulverwaltung wider. Im Folgenden möchte ich einige aussagekräftige Beiträge punktuell kommentiert vorstellen und daran exemplarisch verdeutlichen, woran das derzeitige zentrale Prüfungswesen krankt und welche „zentralen“ Alternativen es gäbe.

Aber schauen wir uns in einem Rückblick den durchaus lobenswerten Versuch eines Schülers an, aus den Fachnebeln aufzutauchen und hilfreiche Tipps für eine sinnvolle Vorbereitung auf das zentrale Deutsch-Abitur zu bekommen. Am 08.01.2008 wird der Reigen mit einem Hilferuf von babelfish eröffnet:

Im März stehen ja bei uns in Hessen die schriftlichen Abiklausuren an…
Ich habe Deutsch als drittes Prüfungsfach gewählt und wollte jetzt mal hören, ob es hier noch andere „Leidensgenossen“ gibt!
Wie bereitet ihr euch auf die Prüfung vor?
Was lernt ihr über die einzelnen Werke, die im Unterricht behandelt wurden?
Ich finde eine zentral gestellte Aufgabe im Fach Deutsch irgendwie besonders schwierig, weil ich mir vorstellen kann, das gerade bei den ganzen Büchern, die man ja besprechen soll, sehr unterschiedliche Schwerpunkte gewählt werden. Und der Lehrplan ist dabei ja auch nicht gerade eine besonders große Hilfe…
Ich freu mich über eure Meinungen/Erfahrungen!

Schon in der ersten Antwort wird pädagogische Hilflosigkeit kolportiert, wenn der hilfsbereite Barium bedauernd feststellt:

Unser Deutschlehrer hat den gesamten Deutsch-GK (wird sind ungefähr 25 Leute) dazu überredet, Deutsch mündlich zu machen (ja, es klang am Ende recht bedrohlich, Deutsch schriftlich zu machen!)… Also kann ich dir leider nur sagen, wie ich mich auf mein Mündliches im Juni vorbereite.

Da stellt sich die Frage: Warum raten Lehrer von einer schriftlichen Prüfung ab? Ist sie auch für Lehrer zu wenig transparent und berechenbar? Gibt es zu wenig allgemein akzeptierte Qualitätskriterien, um Leistung (eventuell auch schulübergreifend) nachvollziehbar zu beurteilen? Oder hat man schlichtweg keine Lust zum Korrigieren?
Dann kommt eine sehr strukturierte, aber nicht immer effiziente Methode, um Breitenwirkung zu erzielen – nach dem Motto: Ich schieße breite Salven in die Luft und hoffe, dass der eine oder andere Vogel zu Boden geht:

Ich gehe deduktiv vor:
1.) Epochenwissen auffrischen
2.) Sekundärliteratur zum besprochenen Werk lesen
3.) Schulnotizen in meinem Heft zum Werk lesen (nicht immer empfehlenswert!)
4.) Primärliteratur – das Werk lesen (nochmals oder überhaupt einmal?)
5.) so viel und gleichzeitig so kurz wie möglich das Wichtigste notieren
Wenn ich das mit allen Epochen / Werken gemacht habe, kann ich mich auf Vergleichsaspekte konzentrieren (Epochenumbrüche, Epochenvergleiche, Personen vergleichen…). Dazu hol ich mir dann das rote Starkbuch „Abitur 2008 Deutsch“ und schau mir einige Beispielaufgaben und Prüfungen an.

Schon ganz clever; doch stellt sich dann die Frage: Warum nicht gleich mit dem „Starkbuch Abitur 2008 Deutsch“ beginnen und sich den Rest schenken?
Aber hören wir gleich, was babelfish auf die Nachfrage, wie er sich vorbereite, antwortet:

Jaaa, wenn ich das so genau wüsste…
Im Moment arbeite ich meine Ordner von vorne bis hinten, bzw. die Zusammenfassungen, die ich mir für die Klausuren geschrieben hatte, durch und versuche eine Zusammenfassung zu schreiben. Nebenbei lese ich nochmal „Don Carlos“ und danach „Der Sandmann“ (weil das schon so lange her ist, als wir es behandelt haben und ich den Sandmann, glaub ich, auch nie ganz gelesen habe… ). Außerdem habe ich mir von Klett Abi-Wissen kompakt „Deutsch Literaturgeschichte/Epochen“ gekauft, wo ich dann immer parallel etwas zu den Epochen nachlese.

Also auch hier: Orientierungslosigkeit im Prüfungsuniversum. Immerhin ereilt ihn dank prüfungsdidaktischer Unklarheit sein schlechtes Gewissen, denn er hat offensichtlich den „Sandmann“ nicht gelesen – oder kann sich wenigstens nicht dran erinnern. Das spricht nicht gerade für Nachhaltigkeit. Da scheint es offensichtlich keine Brücke zwischen dieser düsteren spätromantischen Erzählung und der Lebenswirklichkeit heutiger junger Menschen mehr zu geben, obwohl doch Illusion, Verblendung, Fremd- und Selbsttäuschung in ihrem Erfahrungsbereich eine Rolle spielen dürften. Aber es gibt vor dieser schaurigen Deutschprüfung offenbar kein Entrinnen:

Ich würde Deutsch auch lieber mündlich machen, aber da ich Chemie/Mathe als LKs gewählt habe, darf ich nicht mein Wunschfach Physik schriftlich machen, sondern musste mich zwischen Deutsch und Geschi entscheiden – Da war dann Deutsch das geringere Übel, was die schriftliche Prüfung angeht…

Welch schreckliches Licht wirft dies auf Deutsch – oder gar Geschichte. Da wird die scheinbare Berechenbarkeit der Naturwissenschaften (klare Themenabgrenzung, kleinschrittige Vorgehensweise, scheinobjektive Fachlogik ohne viel Bewertungsspielraum) sprach- und problemorientierter Mehrdeutigkeit vorgezogen. Hierzu passt auch die Dämonisierung der Deutschprüfung durch den Lehrer:

Was hat euch euer Lehrer denn Schauriges über die schriftliche Prüfung erzählt?

Darauf Barium, dessen Lehrer schon leidlich desillusioniert erscheint:

Unser Lehrer meinte, dass wir mündlich ein doch recht starker Kurs seien und blöd wären, schriftlich zu machen, da es überaus schwierig sei, ins Zweistellige zu kommen. Das hat er mit einem Beispiel untermalt: eine Klausur kam mit 14 Punkten in den Ringtausch und wurde nach Ringkorrektur mit 8 Punkten bewertet – tja!

Wie kann das sein? Hatte da einer die falsche Brille auf? Gab es keine verbindlichen und allgemein akzeptierten Qualitätskriterien? Oder wollte man nur einmal dem Kollegen zeigen, wo der Hammer hängt?
Statt auf eine individuell motivierte, zukunftsorientierte Aneignung von Tradition und Kultur zu setzen herrscht offenbar aller Orten Fremdbestimmung und Lehrplanzwang.

Am schwierigsten fällt mir irgendwie, zu entscheiden, was ich mir zu den Büchern aufschreibe… Da gibt es schließlich so viele Aspekte, die man behandeln könnte – welche sind die für’s Kultusministerium wichtigen?!

Dieser Satz ist verräterisch! Es ging und geht eben nicht darum, was für den Lerner wichtig – also „behaltenswert“ – ist, sondern eher herauszubekommen, was Deutschlehrer, Prüfer, Kultusministerium und andere Bildungskontrolleure in tiefgefrorenen Pädagogenmänteln von einem hören wollen.

Unsere Deutschwerke:
– Don Carlos, Der Sandmann, Woyzeck, Effi Briest, Faust I
Lass mich raten – bei dir auch?

Da braucht man wirklich nicht lange zu raten! Außer in der hessischen Erwachsenenbildung kommt bundesweit keine zentrale Deutschprüfung ohne eine verbindliche Leseliste aus, auf der sich die üblichen Verdächtigen finden, mal ausgetauscht, mal neu gemischt, mal von anderen Bundesländern abgekupfert.
Aber weiter geht’s, denn jetzt wird’s wieder konkret:

Ich arbeite aus den Büchern heraus:
– den Inhalt
– die Personen (+ Gefüge) und wofür sie stehen (Epochen, Tugenden etc.)
– Motive im Werk und wie sie verarbeitet sind (z. B. Wahnsinnsstationen im Sandmann oder wo überall das Augenmotiv vorkommt)
– Epochenmerkmale: wieso das Werk typisch für diese Epoche ist
– Schmückungswissen (!) zum Werk, zur Epoche und zum Autor (kommt laut Lehrer immer gut in der Prüfung ), z. B. wie das Werk aufgenommen wurde und heute wird.

Also, kurz, all das, was im kompakten Abi-Wissen bei einschlägigen Schulbuchverlagen zu den in Frage kommenden Werken schon gut aufbereitet und vorverdaut zur Verfügung steht – und keine selbständige Auseinandersetzung mit dem Werk mehr erfordert. Sehr gelungen ist auch der Ausdruck „Schmückungswissen“; klingt wie „unbedeutende, aber effektvolle Schaumschlägerei“. Egal wie das Produkt schmeckt, Hauptsache die Verpackung ist bunt und gefällt!

Vielleicht hilft aber auch ein bisschen Zocken: Z.B. alles auf die „Lyrik-Karte“ setzen!

Puuuuh, vielleicht spezialisier ich mich auch einfach auf Gedichte und hoffe darauf, dass auf jeden Fall Lyrik drankommt, bei der man kein Wissen über die Bücher braucht!
Aber im Ernst… Ich lese ja wirklich gerne, die meisten Bücher find ich auch wirklich interessant, ich mag sogar Don Carlos, aber Klausuren darüber zu schreiben finde ich trotzdem schrecklich.

… oder die „mathematische Vorbereitungsvariante“: Angewandte Wahrscheinlichkeitsrechnung, wie sie verdo empfiehlt:

Also mein Lehrer hat was gesagt, dass ein Teil der Bücher von den nächsten 13ern nicht mehr gelesen werden muss. Hab grad mal nachgeschaut und dabei das hier gefunden: http://lernarchiv.bildung.hessen.de/sek_ii/deutsch/abiturpruefung/index.html. D.h. Wir sind die letzten, die über Don Karlos und Effi Briest schreiben können. Und da die beiden letztes Jahr nicht dran waren, könnte ich mir gut vorstellen, dass etwas davon dran kommt. (Würd mich freuen, weil das die 2 Bücher sind, die mir noch am besten gefallen haben und ich noch halbwegs logisch find). Außerdem sieht man da auch, dass fürs nächste Jahr die Lyrik der Klassik wegfällt, womit auch das gut bei uns noch dran kommen könnte. Da bin ich mir aber net so sicher. Unser Lehrer meinte auch, wenn Gedichtvergleich dann Klassik – Expressionismus oder Romantik – Expressionismus, aber nicht Klassik – Romantik. Is aber nur ne Vermutung.

… aber auch RexV’s Vertrauen auf die Wiederkehr des Immergleichen könnte vor der Macht pädagogischer Verharrungskräfte durchaus erfolgreich sein:

Ich habe mich in Deutsch lediglich auf den Aufgabenvorschlag mit den Epochen (also Romantik – Expressionismus) konzentriert…
Wird schon klappen… ich hab mir auch auf www.stern.de die Übungsaufgaben für letztes Jahr runtergeladen und da kam immer nur Vergleich Romantik und Expressionismus dran. So wird es zu 99% auch dieses Jahr wieder sein
Wenn ich mir vom Stark Verlag die Aufgaben ansehe, dann gibt es keinen einzigen anderen Vergleich

Immerhin ist Zauberwürfel mit seinem Prüfer auf der richtigen Spur:

Mein Examensprüfer stand auch immer voll darauf, wenn man Bücher kennt, die ähnliche Themen beinhalten.
(…) Es reicht ja, wenn man Autor und Werk sowie groben Inhalt bzw. halt gleiche, wiederkehrende Motive nennen kann á la „Das Motiv xyz kommt bei Faust I vor, Parallelen lassen sich im Hiob- Buch in der Bibel oder im Werk von Schulzemeiermüller „ABCD“ finden. ….“
Stichpunkt Transferwissen und breites Wissensspektrum anderer Werke. Viel Glück!!

Leider aber auch hier nur als Vorbereitungs-Tipp: Fertiggerichte aus der Dose ohne nachhaltige Sättigung:

ich hab mir, als wir die lektüren gelesen haben, schon jeweils lektüreschlüssel geholt und die nochmal ordentlich durchgearbeitet;
genauso halt epochenwissen und „theorie“wissen zu textanalysen
viel hab ich für deutsch aber nicht gemacht, und es ist auch schon fast fünf jahre her

Traurig ist auch babelfishs Angst vor Kreativaufgaben, die eigentlich etwas Auflockerung ins ewig gleiche, knochentrockene Deutsch-Prüfungsformat bringen könnten:

Was mir ja auch ein bisschen Angst macht, ist diese Kreativaufgabe, die bei Deutsch jetzt immer dabei ist… So ein Schwachsinn!

Oh Schreck, oh Graus! Diesem Aufgabentyp liegt eigentlich ein guter Gedanke zugrunde: Durch eine „Gestaltende Interpretation“ oder eine „rollengebundene Perspektive“, durch Neu- oder Umgestaltungen von Texten, kurz: durch einen selbständigen Schaffensprozess, könnte nicht nur eine rein kognitive, sondern auch eine empathische Form von Text- oder Problemverständnis zum Ausdruck gebracht werden. Wenn aber unkreative Lehrer in einem immer gleichen Unterrichtsablauf so etwas nicht vermitteln, kann sich auch kein Schüler für solche Aufgaben begeistern.
Doch hier kann Barium babelfishs Ängste schnell zerstreuen:

Kreativaufgaben sind ja Mono- und Dialoge, Briefe oder eine Stellungnahme. Ich finde also nicht, dass man sich da soooo einen Kopf zu machen braucht, wenn man sich im Vorfeld eine Meinung bildet und die Personen gut kennt.

Deutschunterricht wäre nicht Deutschunterricht, wenn man nicht auch den kreativen Teil zur langweiligen Routine verkommen lassen könnte.

Fazit: Gegen diese stofffixierte Orientierungslosigkeit und Fremdbestimmung, die bestenfalls in „Bulimielernen“ endet, hilft nur, sich bei „gelaufenen“ Abituren aus anderen Bundesländern schlau zu machen. Denn oft werden nicht nur die Leselisten, sondern auch die Prüfungsideen zeitlich versetzt „ausgetauscht“ oder variiert. Dazu hilft es, den Service des Bildungswirt in seiner rechten Spalte unter der Rubrik „Abituraufgaben“ zu nutzen. Ansonsten gibt es – wie schon im zitierten Forum richtig erkannt – die einschlägigen Abihilfen der Schulbuchverlage, die auch auf die jeweiligen Landes-Leselisten abgestimmt sind.
Hilfreich zur Prüfungsvorbereitung wäre es, wenn schon verbrauchte Prüfungen für Nachfolgegenerationen (z.B. im Netz) frei zugänglich gemacht und an Schulen zu Übungszwecken eingesetzt würden. Einstweilen befinden sich einige „verbrauchten“ Prüfungen CDs an Schulen – was auch nicht jedem bekannt ist.

Eine moderne kompetenzorientierte Prüfungsdidaktik im Fach Deutsch sähe allerdings anders aus: Sie müsste z.B. zulassen, dass Schüler individuell Erarbeitetes mit zentralen Vorgaben vernetzen können.

Wie aber könnten kompetenzorientierte Prüfungen in Deutsch künftig aussehen? Hier ein paar Kriterien, die individuellem Arbeiten und einer konsequenten Subjektorientierung Rechnung tragen:

a) selbst gewählte Vergleichsmöglichkeiten zur vorgegebenen Problematik / Thematik

b) Um- und Neugestaltung von Texten nach bestimmten Kriterien

c) Herausarbeitung von Bezügen zwischen unterschiedlichen Materialsorten

d) selbständige Wahl einer passenden Bearbeitungsmethode oder eines Untersuchungsschwerpunkts

e) reflektierte Wahl einer wirkungsorientierten und adressatenbezogenen Darstellungsform

f) Beurteilung eines Problems/ Sachverhalts nach hergeleiteten Prüfkriterien

g) Herausarbeitung von Strukturen und Prinzipien – punktuell nötiges Spezial- und Sonderwissen kann dabei als Entlastung zur Verfügung gestellt werden

h) Konzentration auf Prozesse und Lösungsstrategien

i) selbständige/ begründete Komplexitätserweiterung bzw. –reduktion bei der Suche nach Lösungswegen

j) Gegenwartsbezüge und Zukunftsfähigkeit.

Entschließt man sich dazu, eher Strukturen, Zusammenhänge und die jeweilige Fachlogik in den Vordergrund einer Prüfung zu rücken und damit den Abfrageduktus zu überwinden, werden Leselisten und detaillierte Stoffkataloge überflüssig. Geeignete Aufgabentypen und Beispielaufgaben könnten schließlich diese Kriterien konkretisieren und in Form neuer Lernkulturen den Unterrichtsalltag verändern. Schüler und Lehrer müssten für solche Ansätze gewonnen und bei diesen Umstellungsprozessen begleitet werden.
Zentrale Prüfungen wären dann erst wirklich sinnvoll, transparent und akzeptabel.

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Kostenlos versus Copyright

28. November 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Kostenlos versus Copyright

oder: Welche Regeln braucht der Marktplatz Internet?”
Die Suchmaschine Google streitet sich mit Autoren und Verlagen. Die Schriftsteller werfen dem Unternehmen vor, Bücher ohne Erlaubnis fürs Internet zu digitalisieren. Die Verleger verlangen einen fairen Anteil an den Werbeerlösen von Suchmaschinen, Portalen und Dienste-Anbietern. Aber auch untereinander streiten Autoren und Verlage über die Zweitverwertung von Texten und Fotos.
Es geht ums Urheberrecht der Kreativen und das Leistungsschutzrecht der Medienwirtschaft. Und darauf haben private wie kommerzielle Internetgemeinde nur eine Antwort: Altes Denken müsse man nicht noch gesetzlich schützen. Und die Verlage kontern, da habe sich ein Kartell im Internet gebildet.
Darüber diskutierten aktuell im “Wortwechsel”:
Konstantin Neven DuMont, Vorstand der Unternehmensgruppe M. DuMont-Schauberg;
Michael Konken, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes;
Thomas Mosch, Geschäftsleitung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien;
Jens Seipenbusch, Vorstandsvorsitzender der Piratenpartei Deutschland

Zuhören und selbst denken sind heute erstauliche Kompetenzen, die es zu fördern gilt.
Weitere Hintergrundmaterialien zur Kontroverse um den „Heidelberger Appell“ finden sich hier

Kostenfreie Veröffentlichung von verbrauchten Abiturprüfungen wäre hierzu eine untergeordnete Debatte. Die Copyrightfrage ist weitgehend gelöst. Kostenlos und doch Akzeptanz des Copyrights – einfach kreativ zusammendenken und handeln.

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Wie löscht das HKM einen Feueralarm?

21. November 2009 · von frankmackay · 1 Kommentar

Wie löscht das HKM einen Feueralarm?

Stell dir vor, du schreibst dein Mathe-Abitur, der Schulfeueralarm geht los, deine Arbeit wird eingesammelt. Dann kämpfst du mit Bildungsbehördenmauern um die Bewertung des Vorfalls und um die Wertung deiner Mathe- Leistungen. Im Zeitalter von Bürgerjournalismus ,Blogs-Foren-Chats-Communities,  suchst du mit satirischer Aufarbeitung um Unterstützung und dann bekommst du Post aus der Bildungsbehördenzentrale mit dem Hinweis, dass du keine Rechte hast und Anweisungen befolgen …

Auf das Kommando "Feuer" werfen sich die Kinder auf den Bauch, bei "Wind" halten sie sich an etwas oder jemandem fest... (Kindergartenspiel)

Auf das Kommando "Feuer" werfen sich die Kinder auf den Bauch, bei "Wind" halten sie sich an etwas oder jemandem fest... (Kindergartenspiel)

Bildungsbehördliche Korrespondenzen in diesem Fall nicht in Gänze zu veröffentlichen, widerspricht dem gesunden Menschenverstand, denn bei diesem Text:

Sie haben sich mit einer Eingabe an mich gewandt und letztlich darum gebeten, bei der Wiederholung der abgebrochenen Abiturarbeit analog zum Verfahren im Landesabitur Mathematik bei den Gymnasien im März / April dieses Jahres die erste Arbeit zu korrigieren und zu bewerten und nach der Wiederholung die bessere der beiden Arbeiten in das Prüfungsergebnis einzubeziehen. Dies ist aus vielerlei Gründen nicht möglich. Meine Begründung entnehmen Sie bitte dem in der Anlage beigefügten Schreiben, das gleichlautend auch an das Abendgymnasium Frankfurt geschickt wurde.

Braucht die geneigte Leserschaft die Anlage! Danke ins Dachgeschoss!
(Es grüßt Frankmackay aus Berlin)

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Bildungsstreik – Bulimielernen – eine kleine Nachlese zum 17.11.2009

19. November 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Bildungsstreik – Bulimielernen – eine kleine Nachlese zum 17.11.2009

Demo-Stimmen und Statements:

Willkommen in der Bildungsfabrik

Bildung zu teuer? Was kostet Dummheit?

Wir brauchen dringend kleinere Klassen

Wir sehen unsere Freunde leiden. Die pauken jeden Tag bis abends und sind kaum noch zu sehen

Jeder Lehrer meint, sein Thema sei das Wichtigste

Bildung statt Burnout

Lebst du noch oder studierst du schon?

10 Jahre Bologna – Bolognese für alle!

Seit Bologna leiden wir unter dem Bulimielernen und Knockout-Prüfungen

Betreten der Uni verboten! Eltern zahlen für ihre Kinder!

Wir fordern die substanzielle Anerkennung der Arbeit der Lehrkräfte, mehr gut ausgebildete Lehrkräfte und eine Entlastung hier und heute. Vorgesehenen Langzeitarbeitskonten sind ein Hohn. Wer, wie CDU und FDP im Bund, auf 24 Milliarden Euro Steuereinnahmen verzichte, der dürfe im Land nicht sagen, es ist kein Geld da. (Jochen Nagel, GEW-Vorsitzender Hessen)

Wir arbeiten an einer stetigen Verbesserung der Rahmenbedingungen. Vor diesem Hintergrund habe ich kein Verständnis für den Lehrerstreik .Für das Schuljahr 2009/2010 seien 1000 Lehrerstellen zusätzlich geschaffen, die Eingangsklassen deutlich verkleinert und Ganztagsangebote ausgebaut worden. Eine Verringerung der Lehrverpflichtung sei angesichts der wirtschaftlichen und finanziellen Situation schlichtweg nicht zu finanzieren. (Hessische Kultusministerin Dorothea Henzler, FDP)

Sagt der eine Esel zum anderen: Hast du aber lange Ohren.
Studenten bräuchten klare Signale, dass es die verabredeten Korrekturen bei der neuen Studienstruktur gebe. Viele bildungspolitische Reden machten noch nicht gute Bildungs- und Wissenschaftspolitik. (Bundesbildungsministerin Annette Schavan, CDU)

Die Vorlesungssäle sind überfüllt, und das Geld wird in Marmorböden statt in Bibliotheken gesteckt.

Gegen Leistungsterror und Lernfabriken

Wir jagen von einer Veranstaltung zur nächsten, hier die Anwesenheitspflicht erfüllen, dort noch ein paar Leistungspunkte abgreifen. Immer an der Grenze zur Überdosis Stoff, immer ohne Zeit, sich ernsthaft mit etwas zu beschäftigen.

Statt Freiheit der Lehre gibt es an den Hochschulen vor allem Leistungsdruck, überquellende Lehrpläne und unübersichtliche Prüfungsordnungen.

Freiheit auch für Lernkaninchen

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Die FDP hat alle Chancen …

5. November 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Die FDP hat alle Chancen …

Verkehrte Welt im hessischen Landtag oder Kultusministerium? Teil 3

oder: Was heißt im „Abiturstreit“, Vernunft auf der Höhe der Zeit aktiv zu gestalten?

Was ist Sinn der Schule? Um was geht es bei den ganzen „komplexen Schulübungen“ inklusive aller Prüfungen? Es geht um die Zukunft unserer Jugend, um deren Fähigkeiten, Wissen und Lernmotivation, um deren Chancen einer optimalen Persönlichkeitsentwicklung, um deren aktive Teilhabe am öffentlichen Leben, um deren Engagement für eine streitbare Demokratie. Alle anderen Belange sind hier unterzuordnen. Auch die Lehrerinnen und Lehrer, auch die Beamten der Schulverwaltung haben nur deshalb ihre Jobs, stehen in „Amt und Würden“, weil es diese Kinder und Jugendlichen gibt und nicht umgekehrt. Das wird allzu gern vergessen.

Die großzügige Veröffentlichung von Unterrichtsmaterialien (verbrauchte Landesprüfungen sind ein Teil davon!) soll dazu dienen, die Schülerinnen und Schüler zur selbständigen Nutzung dieser Angebote anzuregen. Lernprozesse sind immer individuell und setzen die Bereitschaft des Lernenden voraus. Umgekehrt muss die Schulverwaltung alles daran setzen, diese Prozesse der Selbstorganisation und Motivation zu fördern. Eine Veröffentlichungspraxis von Landesprüfungen im Internet – kostenfrei und für jedermann zugänglich – ist hier auf der Höhe der Zeit. Auch die interessierte Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, was denn in den Schulen konkret vor sich geht, wie z.B. Landesprüfungen aussehen.

Wer berät die Kultusministerin in diesen Fragen?
Bisweilen hat man den Eindruck, dass eine konfuse „Beratung“ durch ein CDU-dominiertes Ministerium stattfindet. Oder spielt die SPD noch eine Nebenrolle? Mit den Ideen – Freiheit, Wettbewerb unter fairen Bedingungen, Förderung von Selbständigkeit, Aufbruch in die eigenverantwortliche Schule – alles politischer Wille der FDP – hat das bisher wenig zu tun. „Neid und Diffamierung“ schlugen der Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) in den ersten 2 bis 3 Monaten im neuen Amt entgegen. „Die Politikerin ärgert sich über mangelnde Unterstützung in dem bisher ausschließlich von SPD- und CDU-Politikern geführten Ministerium.“ (FAZ, 25.04.2009) Jetzt aber schlägt die Stunde der FDP; sie könnte ein eigenes Profil entfalten.

Schön war´s!

Schön war´s!

Was wäre der Ministerin zu raten?
Am besten, Dorothea Henzler eröffnete selbst einen fortschrittlichen „Abi-Blog“ mit allen Aufgaben, Materialien und Lösungen. Dazu Lernangebote auf dem neusten Stand in ansprechender Präsentation, Service-Hotline, regelmäßige Infobriefe an Schulen, Eltern, Schüler, Persönliches als freie Demokratin an die engagierte Internet begeisterte Jugend etc.

Dorothea Henzler als erste Kultusministerin in Deutschland mit eigenem Blog! Das wäre eine FDP-Antwort, die Zeichen setzen würde. Schüler, Lehrer, Eltern und Medien würden es ihr danken.
Wie sagte so schön Blogger Fuchs: „Frau Henzler übernehmen Sie: Geben Sie die Aufgaben frei.“

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Verkehrte Welt im hessischen Landtag oder Kultusministerium? Teil 2

1. November 2009 · von Miller · 3 Kommentare

Verkehrte Welt im hessischen Landtag oder Kultusministerium? Teil 2

oder der müßige Streit um die verbrauchten Abiturprüfungsaufgaben

In Teil 1 wurde der aktuelle Streit zum Verkauf des Landesabiturs in seiner bildungspolitischen und historischen Dimension näher beleuchtet. 2008 hatten die Grünen eine kleine Anfrage, 2009 die Linken eine Große Anfrage im Landtag eingebracht. Dazu wurden die ersten Antworten der Landesregierung (Sept. 2009) auf ihre Angemessenheit hin kommentiert. In Teil 2 wird diese notwendige, analytisch sensible Arbeit fortgesetzt. Detaildarstellungen und Kommentierungen sind hier immer wieder sinnvoll:

© mad-max / PIXELIO

© mad-max / PIXELIO

Frage 14. Wie beurteilt und bewertet die Landesregierung rechtlich den im Artikel „Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage“ unter Punkt 2 dargestellten Sachverhalt (bitte mit Begründung)?
„Bei der Dokumentation von Prüfungen ist zu unterscheiden in; a) Aufgabenstellungen, b) Material, also Texte, Bilder, Grafiken und c) Lösungen, Hinweise, Bewertungsmaßstäbe. Für a) und c) gibt es kein Copyright, da Aufgaben und Lösungen von Lehrerinnen und Lehrern im hessischen Schuldienst erstellt und in der Regel durch Deputatstunden (Unterrichtsentlastung) vergütet wurden. A) und c) könnten für alle Fächer kostenfrei und problemlos im Internet zur Verfügung gestellt werden. Der Schüler hat zeit- und ortsungebunden ein Recht darauf, zu erfahren, was von ihm im ‚öffentlichen Prüfungsakt’ verlangt wird.“

Antwort 14: „Die Rechte an den isolierten Aufgabenstellungen und den von Landesbediensteten erstellten Lösungshinweisen liegen beim Land Hessen und können insoweit ohne Verletzung fremder Urheberrechte zugänglich gemacht werden.“

Große Einigkeit: Die Ministerin stimmt zu, dass das Land Hessen hier frei entscheiden, sprich alles im Internet kostenfrei veröffentlichen könnte. Dann kommt der „Haken“.

Antwort 14: „Dies betrifft jedoch lediglich Prüfungsarbeiten, die ohne jeden Bezug auf Texte oder sonstige Materialen, an denen Rechte Dritter bestehen, gestellt wurden. Der weit überwiegende Anteil von Prüfungsaufgaben beinhaltet jedoch fremde Texte oder sonstige Materialien, auf die sich die Fragen
bzw. Aufgabenstellungen beziehen. Eine Veröffentlichung der Aufgabenstellung ohne Materialien und lediglich mit Lösungshinweisen würde ein unvollständiges und verfälschtes Bild der Prüfungsaufgaben abgeben und wäre damit zur Vorbereitung auf das Landesabitur nicht geeignet.“

Leider falsch oder sagen wir besser: lückenhaft von „Beratern“ informiert worden. Es gibt nur ganz selten „isolierte Aufgabenstellungen“. Aufgabenstellungen beziehen sich i.d.R. auf Material/Texte, die wiederum frei sind oder mit geringem Aufwand frei gegeben werden können. Eine Veröffentlichung ohne Materialien steht deshalb gar nicht zur Diskussion.

Frage 15. Wie beurteilt und bewertet die Landesregierung rechtlich den im Artikel „Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage“ unter Punkt 3 dargestellten Sachverhalt (bitte mit Begründung)? „Kommen wir zum heiklen Punkt: b) Material. Hier gilt es zu unterscheiden zwischen kostenfreiem und in der Regel frei verwendbarem Material einerseits und kostenpflichtigem und zustimmungsabhängigem Material andererseits. Diese Copyright- Prüfung kann durch alle Fächer ohne großen Arbeitsaufwand durchgeführt werden, vorzugsweise bei den 12 genannten Fächern (1. und 2. Staffel). Exemplarisch will ich das an einigen Fächern zeigen. Der Grundsatz gilt: Alle Texte, die älter als 70 Jahre sind, können von jedermann frei verwendet werden, unterliegen also keinem Copyright! Aus der vorgeschriebenen Leseliste im Fach Deutsch folgt, dass fast alle Texte copyrightfrei sind, z.B. Goethe, Schiller, Fontane, Büchner…
Analog gilt das für Texte in Geschichte und Latein zu 95%. Besondere Schlauberger kommen allerdings auf die ‚Geschäftsidee’ zu sagen: Ja, die Texte sind copyrightfrei, aber nicht mein Layout. Dann nimmt man eben den Text, bastelt sich in 10 Minuten sein eigenes Layout und schon ist das Problem gelöst. In den Fächern Mathematik, Chemie und Physik ist das Copyright marginal. Fast alles ist von den Lehrerinnen und Lehrern selbst erstellt, z.B. Formeln, Symbolketten, einfache Grafiken, Versuchsbeschreibungen. Zusätzlich gibt es – wie jetzt schon üblich – netzveröffentlichte Handreichungen.“

Antwort15: Es trifft zu, dass Urheberrechte nach § 64 Urheberrechtsgesetz siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers erlöschen. Dass dies – wie in dem zitierten Internetartikel beschrieben – für „fast alle Texte“ in den Abiturprüfungsarbeiten im Fach Deutsch und Latein zutreffen soll, sodass diese keinerlei
Einschränkungen durch Rechte Dritter unterliegen, ist jedoch nicht zutreffend. Dies trifft für alle weiteren mehr als 40 Fächer im Landesabitur zu.

„Es trifft zu …“ – genau, so sehen wir das auch. Leider fehlt hier im Weiteren von der Landesregierung ein nachvollziehbares Argument. Zu Deutsch und Copyright siehe oben in der Frage. Die Regierung hat dem nichts entgegenzusetzen. Goethe, Schiller, Fontane, Büchner…grüßen copyrightfrei. Ansonsten empfehle ich Seneca, Plinius oder Cicero lesen – ca. 2000 Jahre alte Texte, copyrightfrei, einfach immer wieder erhellend, für jedermann verfügbar.

Antwort 15: „Die vorgeschlagene Copyright-Prüfung würde einen erheblichen Aufwand erfordern, indem die Quellen und Texte der unterschiedlichen Aufgabenvorschläge für jedes Fach einzeln urheberrechtlich geprüft werden müssten. Der damit verbundene Aufwand steht in keiner vernünftigen Relation im Vergleich zu der derzeit gewählten Bereitstellung von Aufgaben an den Schulen.“

Leider auch falsch. Lösungen hatten wir schon vor über 1 Jahr angeboten: pragmatisch, schnell, kostengünstig. Von „erheblichem Aufwand“ kann keine Rede sein. Und zur sog. „vernünftige Relation“ – einfach praxisfremd, vgl. Kommentar zu Antwort 9, Teil 1.

Frage 16. Wie beurteilt und bewertet die Landesregierung rechtlich den im Artikel „Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage“ unter Punkt 4 dargestellten Sachverhalt (bitte mit Begründung)? „Kommen wir zum verbleibenden kleinen Kern des kostenpflichtigen Problems. Autoren und Verlage werden in Bezug auf das Copyright verzerrt wahrgenommen und falsch eingeschätzt. Autoren und Verlage haben kein Interesse an Konflikten mit staatlichen Institutionen. Sie haben Interesse an Kooperation, an Werbung für den eigenen Namen und ihre Produkte und selbstverständlich immer an Geschäften. Schulbuchverlage erfüllen eine wichtige Unterstützungs- und Begleitfunktion für Unterricht, sind hoch kooperativ, flexibel und gesprächsbereit. Die Autoren sind in der großen Mehrheit selbst Lehrerinnen und Lehrer im Schuldienst und Hochschuldienst (oder Pensionäre). Ein geschicktes staatliches Management bindet sie in längerfristige Entscheidungen ein und sorgt für eine Win-Win-Situation. Oft erhält man kostenfrei (oder für einen kleinen symbolischen Obolus) Abdruckrechte für Texte, Bilder, Grafiken, wenn selbstverständlich die Quelle und „mit freundlicher Genehmigung des XY-Verlages“ genannt wird. Schulbuchverlage haben ein hohes Interesse daran, dass ihre Produkte an den Schulen vor Ort im Gespräch sind und auch immer wieder bestellt werden. Grundsätzlich gilt die gleiche Einschätzung zu kooperativem Verhalten auch bei großen Medien wie zum Beispiel der FAZ, der FR, der ZEIT oder dem HR, wenn z.B. auf aktuelle Berichterstattung zurückgegriffen wird. Die Abdruckrechte für „typische Zeitungsartikel“ zu erhalten, eingesetzt z.B. im Fach Politik und Wirtschaft, ist wirklich kein ernsthaftes Problem. Zudem gibt es die Möglichkeit, über eine geringfügige, einmalige Jahreszahlung pauschal Abdruckrechte für „aktuelle Berichterstattungen“ und die Verwendung zum Abiturzweck zu erhalten. Flexible Amtsjuristen könnten mit der VG-Wort Verträge/Pauschalen über die Nutzungsrechte aushandeln, zumal die Textlänge im Abitur in der Regel nicht 900 Worte übersteigen darf. Auf Einzelnachweise wird dann im Vorfeld verzichtet; nach dem Abitur kann Bilanz gezogen werden. Insgesamt dürften sich die Zusatzkosten für Dokumentation und Präsentation auf nicht mehr als 1% (ein Prozent!) der öffentlichen Gesamtkosten belaufen.“

Antwort16: Der Abschnitt aus dem zitierten Artikel beruht auf Mutmaßungen, die einer rechtlichen Bewertung nicht zugänglich sind. Es ist nicht richtig, dass die Autoren der geschützten Fremdtexte selbst „Lehrerinnen und Lehrer im Schuldienst oder Hochschuldienst (oder Pensionäre)“ sind, sodass es ohne
Weiteres möglich sei, „kostenfrei (oder für einen kleinen symbolischen Obolus)“ die erforderlichen Rechte für Veröffentlichungen zu erhalten. Das Spektrum der Materialien ergibt sich aus den unterschiedlichsten Quellen (Zeitschriften, Zeitungen, Fach- und Lehrbücher aus dem Schul- und Hochschulbereich
u.a.), sodass für jede einzelne Quelle die Rechte geprüft und ggf. die Genehmigung eingeholt werden müsste. Der damit verbundene personelle und finanzielle Aufwand steht in keiner vernünftigen Relation im Vergleich zu der derzeit gewählten kostenfreien Bereitstellung von Aufgaben.

„Der Abschnitt aus dem zitierten Artikel beruht auf Mutmaßungen, die einer rechtlichen Bewertung nicht zugänglich sind.“ Bitte keine Ablenkungsmanöver. Es geht nicht um „Mutmaßungen“, sondern um reichlich praxisnahe Erfahrungen, wie man Probleme löst. Will die Landesregierung etwa behaupten, dass die erfahrungsbezogene Einschätzung des Bildungswirts aus der Luft gegriffen sei: „Autoren und Verlage haben kein Interesse an Konflikten mit staatlichen Institutionen. Sie haben Interesse an Kooperation, an Werbung für den eigenen Namen und ihre Produkte und selbstverständlich immer an Geschäften. Schulbuchverlage erfüllen eine wichtige Unterstützungs- und Begleitfunktion für Unterricht, sind hoch kooperativ, flexibel und gesprächsbereit.“??
Welche eigenen „Mutmaßungen“ stellt die Landesregierung dann an? „Das Spektrum der Materialien ergibt sich aus den unterschiedlichsten Quellen …“ – das bestreitet niemand, denn es entspricht der Aussage des Bildungswirts. Falsch ist jedoch, dass man die Genehmigung für jedes einzelne Material bei immer neuen Eigentümern einholen muss. Ein Beispiel: Allein mit Materialien von Suhrkamp und Cornelsen (enge Verlagspartnerschaft) könnte man große Teile des Landesabiturs abdecken. Aber keine Angst: Die Verlage öffnen gern ihre Pforten; „Autoren und Verlage haben kein Interesse an Konflikten mit staatlichen Institutionen.“ Vgl. ausführlich die Aussagen in Frage 16. „Win-win-Situationen“ sollte man nicht unbedacht verspielen.

Frage 17. Wie beurteilt und bewertet die Landesregierung rechtlich den im Artikel „Abitur verkauft – 9. Nachlese und die Copyrightfrage“ unter Punkt 7 dargestellten Sachverhalt (bitte mit Begründung)? „Das Ministerium vertritt in diesem Fall einen seltsam verengten Begriff von Öffentlichkeit bzw. von „öffentlichem Zugriff“. Dem gegenüber muss betont werden, dass eine schul- und bildungspolitische Öffentlichkeit aus Schülern, Lehrern, Eltern, lokalen Schulträgern, universitärer Fachöffentlichkeit und den Medien besteht. Mit zwei CDs pro betroffener Schule (oder eine CD für einen besonders privilegierten Journalisten) kann das nicht geleistet werden. Das angemessene Medium ist das Internet.“
Antwort 17: „Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen.“

Wie bitte? Denkfehler im System oder einfach plumpe Verweigerung? Die Antwort zu Frage 1 passt nicht zur Frage 17. Die Öffentlichkeit wird ausgeschlossen.

Frage 20. Wie plant die Landesregierung zu gewährleisten, dass zukünftig jede hessische Schülerin und jeder hessischer Schüler verbindlich in Besitz der notwendigen Prüfungs- und Übungsaufgaben kommt, was laut zahlreichen Schülerhinweisen aktuell nicht der Fall ist?
Antwort 20: „Auf die Antwort zu Frage 9 wird verwiesen.“

Verweigerungshaltung ist auch eine Antwort. Sie trägt jedoch nicht lange.

Frage 21. Wie bewertet die Landesregierung in Anbetracht der Kosten-Nutzen-Relation (Nutzen: ca. 10.000 Euro öffentliche Mehreinnahmen bisher; Kosten: aufgrund von Kopiernotwendigkeiten gestiegene Personal- und Sachkosten, Landesabitur ist nicht mehr frei zugänglich und somit sozial selektiver geworden, Schüler müssen Geld für gute Abiturvorbereitung ausgeben, den Steuerzahlern ist jährlich ein „Schaden“ bzw. „Verlust“ in Höhe von 2 bis 2,5 Millionen Euro entstanden) die Entscheidung zur Veräußerung des Landesabiturs und ist sie bereit, diese binnen welcher Frist zu revidieren?

Antwort 21: Die Abituraufgaben stehen Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern an hessischen Schulen kostenfrei zur Verfügung. Dieses Verfahren stellt auch aus Sicht der Landesregierung das gegenwärtig günstigste Verfahren dar. Deshalb ist derzeit nicht daran gedacht, dieses Verfahren zu modifizieren.

(Die Antwort der Landesregierung wurde von Kultusministerin Dorothea Henzler am 20.08.2009 unterschrieben und am 08.September 2009 im Landtagsinformationssystem veröffentlicht )

Die unendliche Geschichte kann man nur beenden, wenn man das Buch zuklappt und ein neues Spiel beginnt. Eine freie Demokratin kann den freien Zugang zu Aufgaben, Materialien und Lösungen gewährleisten und damit Transparenz und „Bildung als Bürgerrecht“ herstellen.

(Jeder Kritiker sollte selbstverständlich auch bereit sein, konstruktive und effiziente Lösungen anzubieten. Neben den zahlreichen Angeboten der Problemlösung , beschäftigt sich Teil 3  genau mit dieser Aufgabe: Was heißt im „Abiturstreit“, Vernunft auf der Höhe der Zeit aktiv zu gestalten? Erscheint in Kürze.)

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