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Neuwagen für Schüler?

23. April 2009 · von Leo · Keine Kommentare

Neuwagen für Schüler?

Tja, das war einmal – als Papa seinem Filius noch den Uralt-Zweitwagen von Mama oder der älteren Schwester zur bestandenen Führerscheinprüfung schenken konnte.
Seit es die sogenannte Umweltprämie bis auf die Titelseiten des Boulevards gebracht hat, soll es ja auch für den gepflegten Gymnasiasten dann doch lieber ein kleiner Neuer sein, der „hält dann ja auch noch übers Studium“ – genau. Auch Hartz IV-Empfängern und anderen Bedürftigen dürfe der Neuwagen nicht länger verwehrt bleiben, so die Meinung mancher Regierungspolitiker. Kein Wunder, erhält der ebenfalls bedürftige Staat ja über die Mehrwertsteuer sogar mehr, als er bei der Prämie zu zahlen hat.
Was einst als Abgesang eines trällernden Bundespräsidenten belächelt wurde, scheint sich zum echten Wahlkampfschlager zu mausern: Aber der Wagen, der rollt. Wolfsburg und Rüsselsheim gelten als Hauptprofiteure eines in der jüngeren Politik-Geschichte wohl einmaligen PR-Coups, der ja ursprünglich und angeblich auf einen gewissen Herrn Glos zurückgehen soll.
Dabei ist alles so einfach: Wer kurz vor Weihnachten seine Runde durch die Autohäuser der Kleinwagenhersteller drehte, war erstaunt über Rabatte von um die 20 % auf alle Arten von Lager- und Bestellfahrzeugen, also satte 2000-3000 Euro bei Klein- und Kleinstwagen. Zum Beispiel wurde der Citroen C1 Advance noch mit 7490 € beworben, im neuen Frühjahrsprospekt liegt er bereits bei 8490 €. Damit haben sich die Franzosen einen schönen Batzen von der deutschen Prämie abgeschnitten. Bereits Mitte Januar begann sich der Waffenstillstand in der Rabattschlacht abzuzeichnen: „Nur noch auf Lagerfahrzeuge, ja im Sondermodell ist ja schon ein Nachlass“, so die Ausflüchte der Verkäufer. Einen Tag nach zunächst noch vagen Verkündigung der Verschrottungsprämie ging bereits gar nichts mehr: „Lieferprogramm – wird schwierig! Euro 5? Keine Ahnung. Ja, die Nachfrage ist eben jetzt höher. Aber wir hätten da noch ein Lagerfahrzeug –günstig und: Äh, haben Sie vielleicht ein Fahrzeug zu verschrotten?“ Na klar, Herr Auto- Kommissar!
Nachdem der Massenansturm innerhalb von drei Monaten nunmehr fast eine Million zumeist noch gut fahrbereite Fahrzeuge in den Schredder oder nach Kasachstan gebracht hat, konstatiert der aufmerksame Autointeressent derzeit folgenden Zustand:
Beim Schrotthändler sind inzwischen 150 Euro fällig (statt 250 zu bekommen wie noch im Sommer 2008); der Restwert des Altfahrzeugs, anfangs noch echte Schrotthobel für 500 Euro, inzwischen Tendenz auf über 1000 Euro steigend, geht dabei ebenfalls flöten; Rabatte gibt es fast keine mehr; Fahrzeuge dafür vor allem als Ladenhüter (auch „Jahreswagen“ genannt). Den Ärmsten („Bildungsverlierer“) wird zudem mit windigen Klein-Krediten (neudeutsch Leasing) der letzte Cent aus der Tasche gezogen: „Die Zinsen sind ja gerade so niedrig“ Das stimmt, vor allem für die Händler und deren Banken. Die Regierung steht glänzend da, vor allem bei Automobil-Angestellten ab 3000 netto aufwärts und Autohäusern, beides nicht besonders klassisches SPD-Klientel. Derweil steuert die angeblich oppositionelle, postliberale FDP in den Umfragen auf 18 plus X.
Wenn kümmert es im Lande der Autokanzler, dass Opel nicht eine Büroklammer selbst kauft, ohne in den USA zu fragen? Was soll es, dass Musterknabe Daimler noch mit 20% drin hängt bei Chrysler, dessen Haupteigner ein „Finanzinvestor“ namens Cerberus ist? Wer stört sich daran, dass VW seit Jahren EU-Recht ignoriert und Neu-Eigner Porsche im Herbst die Finanzkrise mit aufgemischt hat?
Also liebe Schüler, lieber Harry Klein: Lasst euch vom Alten dann doch lieber den Alten schenken, denn ab 2010 steigen die Preise für Altautos wieder schön an (es gibt dann ja fast keine Altwagen z.B. für Schüler mehr), der Schrotthändler zahlt wieder, die alten Rabatte kommen ebenfalls zurück -und die Zinsen für den Kredit sind immer noch niedrig. Denn eines ist jetzt schon klar: Eine heruntergewirtschaftete Automobilindustrie lässt sich eben nicht so leicht abwracken wie die Ersparnisse der kleinen Leute von nebenan.

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Gorleben wird leben – der Unruh 2.Teil

28. November 2008 · von Leo · Keine Kommentare

Gorleben wird leben – der Unruh 2.Teil

Wie bereits erwähnt, entwickeln sich in jedem Salzstock – sogar in „jungfräulichen“ wie in Gorleben – erhebliche Fortpflanzungaktivitäten, die das ganze Gebilde des so genannten Forschungslagers nach wenigen Jahrzehnten undicht werden lassen. Gerade noch rechtzeitig also, um vergreiste, mit Müll reich gewordene Ex-Kommandierende und deren Schergen an diversen Forschungsendlagern ihr verdientes Erbe verzehren zu lassen. Während sich die wackeren Zonenrandenkel mit verseuchtem Grundwasser, wertlosen Gutshöfen, Leukämieraten und Polizeiknüppeln beschäftigen, wird es auch für die anderen Enkel am Starnberger See langsam unruhig. Erste Anzeichen dafür ließen sich bereits aus den beunruhigten Stellungnahmen so genannter Betreiberfirmen herauslesen. Nun, wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zum Prophet:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,576304,00.html

So kommt dann zum nicht mehr jungfräulichen Bergwerk auch noch ein väterlicher Erzengel dazu, der seinen Wahlkreis zudem mitten im Atomklo hat. Dass der Engel früher manch Dolch im Gewande des Landesvaters trug, schon vergeben und vergessen. Schnell die Aufsicht verstaatlichen, der Bund wird es schon richten: Yes, he can! Frei übersetzt: Hey Boss, ich brauch mehr Geld.
Also raus mit den 126 000 Fässern? Wieder einmal auf der Suche nach dem geeigneten Standort Deutschland, wer macht diesmal das Geschäft?
Vielleicht mal dahin, wo es schön hart und wasserfest ist? Granit, genau. Wie wäre es mit Mittelbau-Dora? Ganz in der Nähe der Asse, bestens erschlossen, sehr ruhig und idyllisch am Harz gelegen, dazu noch im Osten: bestens subventioniert, keine aufsässigen Anwohner – was will man mehr?

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Gorleben wird leben – von wegen Ruh‘

23. November 2008 · von Leo · Keine Kommentare

Gorleben wird leben – von wegen Ruh‘

Überall Ruh in Deutschland: Ruh über dem Bildungsgipfel, Ruh in Hessen und – nach dem kurzzeitigen Aufheulen des Castor-Gegenwindes – ist jetzt auch über den Wendländer Wipfeln erst wieder einmal Ruh eingekehrt. Ruhe in Frieden, deutsches Atomklo!
Die aufgeweckten Kleinen aus den Anti-AKW-Elternhäusern wollten ja wieder einmal wissen, was da so vor sich ging im erdverwachsenen Niedersachsen. Was sagt der Lehrer? Fragt Papi, das reicht. Aber halt! War da nicht doch noch was Neues zwischen Harz und Emsland? Ein kleines Salzbergwerk, das nicht aufhört, den Eindringlingen weiterhin Widerstand zu leisten? Richtig, die Asse im Industriegebiet zwischen Salzgitter und Buschhaus bei Helmstedt, die Tochter aus gutem Hause, Stiefschwester des bösen DDR-Morsleben. Jahrzehnte war Ruh und jetzt das: Auferstanden aus Ruinen, der Salzstock löst sich auf! 126000 Fässer in 500 –750 m Tiefe, das Grundwasser ist bedroht, die Immobilienpreise im Sinkflug.
Angeblich läge die Undichtigkeit an dem alten Bergwerk, in das die Fässer eingelagert wurden, im jungfräulichen Gorleben sei indes alles besser, so der Leiter des Instituts für Endlagerforschung der TU Clausthal-Zellerfeld noch vor 2 Monaten in der Braunschweiger Zeitung.
http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/7534512/artid/9113368

Leider hat er wohl vergessen, dass diese dicke Salzschicht thermische Eigenschaften entwickelt, die jede Thermoskanne irgendwann zum Platzen bringt. Dazu kommt die Wasserlöslichkeit von Salz, was zu Rissen und Verschiebungen führt. Auch ein Salzstock pflanzt sich fort. Also von wegen Ruh überall – auch Gorleben wird leben, und das schon bald!

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Generation Praxisschock – Lehrerbeobachtungen

1. November 2008 · von Leo · Keine Kommentare

Generation Praxisschock – Lehrerbeobachtungen

In der FR vom 27.10.08 beklagt ein gerade pensionierter Lehrer den in neuerer Zeit zunehmend schwelenden Generationenkonflikt innerhalb der Lehrerschaft.
In der Tat werden Junglehrer/innen zunehmend komplexer, theoretischer und damit wirklichkeitsferner ausgebildet. Dies wiederum befördert alle Varianten des vielzitierten Praxisschocks. Nicht mehr das ja schon während der Ausbildung immer wieder trainierte „Auftreten vor der Klasse“ macht Neulingen zunehmend zu schaffen, sondern der Wegfall eines bisher sorgsam gehegten Schonraumes gerade innerhalb einer latent missgünstigen Kollegenschaft.
Während die bis zum 2. Examen allenfalls vorsichtig geäußerte Kritik an diesem oder jenem neuen, wirklich unfähigen Referendar oft gar nicht bei dem Betreffenden ankam, prasselt bei der ersten richtigen Arbeitsstelle nunmehr der geballte Zorn der Platzhirsche auf die Neulinge nieder: autoritär im Unterricht, konservativ-unpolitisch, obrigkeitshörig. Wichtigtuer, Schaumschläger, Egomanen, Menschenverachter und was die Junglehrerschelte so alles sonst noch mit sich bringen mag.
Dabei ist alles viel einfacher: Nicht weil sie angeblich faul sind oder zu viel Freizeit haben, gelten ältere Lehrer inzwischen zunehmend als gesellschaftlich inkompatibel. Nein, das ideologische, autistische und wenig alltagstaugliche Gehabe einer womöglich 1977 und/oder 1990 auch noch schwer traumatisierten Generation von Berufsbeamten ist es, was den meisten Nicht-Lehrern seit langem auf alle guten Geister geht. Diese unsere Abneigung überträgt sich sodann schnell auch auf alle möglichen Neulinge, die sich partout keine mitgebrachten Hörnchen abstoßen wollen.. Ja, liebe „Generation Hornochsen“, auch bei euch glänzt nicht alles, was goldig sein soll: BauchBartGlatze statt BauchBeinePo, damit geht s doch schon los. Die Rotweinflasche bei Sonnenaufgang, Kettenraucher auf dem Schulgelände, Klamotten aus der Altkleidersammlung, der ewige Volvo-Diesel-Stinker oder das Uralt-Wohnmobil mit 15l Durchschnittsverbrauch auf dem Lehrerparkplatz – tolle Vorbilder für unsere lieben Kleinen. Der Lederwesten-Opa hat euch alle gleich lieb, bis zuletzt, das ist wohl wahr.
Nun, die nachrückenden Junglehrer danken also pflichtschuldigst namens sämtlicher Bildungsstudien und sämtlicher Steuerzahler (auch der inzwischen pensionierten) für die erbrachte, nur ganz leicht schieftürmige Dienstleistung der seit den Siebzigern erfolgreich implementierten Bildungsbürokratie – DANKE, DANKE, DANKE.

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Ferienzeit: Das Sommermärchen geht weiter

2. Oktober 2008 · von Leo · Keine Kommentare

Ferienzeit: Das Sommermärchen geht weiter

Hinaus in den deutschen Herbst, das Sommermärchen geht weiter
– mit freundlicher Unterstützung des Bernd Eichinger-Komplexes –

Hey, gestern waren wir mit unserem Lehrer im Kino, um einen Märchenfilm anzuschauen. Der Lehrer wollte eine Zusammenfassung vom Film.
Lest mal, was ich geschrieben hab:

In fernen ländern gab es einmal viele böse menschen.
darüber empörte sich die tochter eines früheren tangospielers, der sich später als pfarrer verkleidet hatte. tochter gudrun war also wütend und zog in die weite, weite welt hinaus, um etwas gegen die bösen menschen zu unternehmen, die da im tv kleine asiatische jungs verbrannt hatten. unterwegs traf gudrun weitere coole typen, die auch etwas gegen die ungerechtigkeit im tv unternehmen wollten. Besonders cool war der andy, in den sie sich sogleich verliebte. Die 5 freunde hatten eine tolle zeit mit obercoolen klamotten, geilen autos und vielen neuen freunden, die ihnen beim kuchen backen halfen.
Schließlich kamen alle in eine große ferne stadt, in der angeblich ein schlimmer zauberer wohnen sollte. Der böse zauber bestand darin, dass die menschen durch den kauf einer gefährlichen zeitung ihren verstand verlieren würden. manche waren danach so böse verzaubert, dass sie sogar unschuldige studenten mit der pistole erschossen, nur, weil diese sich zum schlafen hinter einen alten VW gelegt hatten oder im sportpalast mit fröhlichen ravern eine große parade mit asiafood und vielen roten fahnen gefeiert hatten.
gudrun und ihre 5 freunde wollten also den faulen zauber stoppen und legten deshalb überall feuer und bomben. Manchmal starben dabei auch menschen, das waren wohl die bösen helfer des zauberers.
der zauberer bakam angst und holte sich gruppe von helfern aus der galaxis, der anführer der außerirdischen war früher mal unter falschem namen auf der erde gewesen und hat dann zuletzt in einem bunker einen hund vergiftet. (das hat mir mein freund karl erklärt, der schon die letzte folge gesehen hat)
jetzt war der jedenfalls wieder da und wollte dem bösen zauberer helfen. gemeinsam waren die beiden so stark, dass gudrun und ihre 5 freunde fliehen mussten. Bei sindbad und seinen seeräubern konnten sie sich zum glück verstecken. Die frauen aus der gruppe mussten sich dafür aber nackt ausziehen, damit ihre bewacher auch ein wenig spaß hatten. alles war so lustig, dass sogar mit pistolen in die luft geschossen wurde.
nach einer weile kamen die freunde gut erholt wieder nach deutschland und wurden leider vom zauberer und seinen außerirdischen, von denen einer früher mal schön singen konnte, schnell gefangen und eingesperrt.
natürlich mussten die 5 freunde durch sindbad befreit werden, was der lufthansa echt viel geld einbringen sollte. Irgendwie hat das dann aber nicht geklappt und gudrun und ihre freunde waren plötzlich tot. Da sie aber vorher mit außerirdischen telefoniert haben, glaube ich, dass sie nur weggebeamt worden sind. Was aus gudrun, andy, sindbad, dem zauberer und den außerirdischen geworden ist, erfahren wir wohl erst in der nächsten folge.

Vgl. auch Evolution frisst …

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Tu Felix

12. August 2008 · von Leo · Keine Kommentare

Tu Felix


Alles fing damit an, dass vor 6 Wochen der vormalige Medizinflüchtling Felix aus Wien anruft und mich fragt, ob ich ihm beim Umsiedeln helfen könnt. Also gut. Die Gefahr, Kollegen oder gar Vorgesetzte zu treffen, erschien relativ gering, immerhin.
Diesmal ganz ohne Sommerloch (vulg. los wochos), in wahrer Hetz zwischen EM-Dauerregen, regierungsfreien Zonen, Haiderland und Katzenschändern (nein, nicht der Josef F.), kompliziert und spannend das alles, obwohl – kein allzu weites Land, das Land der Berge. Schnelle Wege, gutes Essen, liebe Menschen – meistens jedenfalls. So z.B. die Grüne Umweltdezernentin Sima. Sie hat das Jahrzehnte währende Wiener Hundekot-Problem mit feschen Parolen fast gelöst: Nimm ein Sackerl für mein Gackerl! Sind dir 36 Euro Wurst? Dagegen kommt nicht einmal mehr die Kronenzeitung an. Sima also wieder gut.
Um es kurz zu machen, wir haben uns ebenfalls wacker geschlagen: Nachdem die Türken diesmal bereits weit vor Wien vernichtet worden waren, mussten wir uns nur noch den Stierkämpfern beugen – Schwamm drüber – man muss auch jönne könne (Ja, ein Rheinländer war auch dabei). Der Umzug in die neue Hans Hölzl – Gasse beim Rennbahnweg ging sich ohne Blessuren aus und Felix lud uns anschließend zum Ausflug ins Waldviertel ein. Schlimm! Nicht nur beim Gusenbauer war da schon nix mehr los, auch die Wachauer Heurigen hatten es sich in sich: Recht dürftig ausgsteckt, überkam mich alsbald wieder Lust auf die Wiener Kaffeehäuser mit ihren ewigen Strudeln samt Häferlkaffee.
Bereits vor der ersten Lokalität ein Anblick des Grauens: Ein freilaufender Kampfhund erwartet die frohgemuten Großstädter, links ein abgerissenes altes Wahlplakat der letzten Anti-Ausländer-Wahl: Daham statt Imman – BZÖ oder so ähnlich. Tapfer auf die Zähne gebissen und am Hund vorbei das nächste Lokal angesteuert. Der Parkplatz voller Schlaglöcher, dem Achsbruch nahe. Der Wirt ist da und bedauert, heute nur Wurst anbieten zu können. Debreziner, Käsekrainer, Burenwurst oder Leberkäs. Da hätten wir auch daham in Wien bleiben können. Wie der dritte und letzte Versuch endete, erspare ich uns, vielleicht erinnert sich noch jemand an Monsieur Brel und seine Karottenköpfe…
Nun also wieder daheim statt daham. Die Zeit zur Wiederherstellung der Arbeitskraft des Berufsbeamten wurde aufrichtig genutzt und man ist wieder um eine Erfahrung reicher: Beim Bildungswirt ist’s immer noch am schönsten.

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Die Evolution frisst ihre Kinder

14. Juli 2008 · von Leo · Keine Kommentare

Die Evolution frisst ihre Kinder

Es war einmal ein gutes Fabelwesen, das nannte sich die Evolution. Eine biologische Rasse entwickelt sich demnach auf natürlichem Wege immer weiter, vermischt sich fleißig mit anderem, damit sie besser wächst und gedeiht – Reinrassiges verblödet oder verschwindet.
Dieses wunderbare System der Bestenauslese funktionierte und funktionierte bis zu jenem Tag, vielleicht war es ein hessischer Land-Tag, den wir wohl besser den LRS-Tag nennen: Durch einen unerklärlichen Übertragungsfehler in der Genetik gebar die Evolution ein ungewolltes, fast artfremdes Kind: die Evaluation.
Es wurde der Mutter alsbald weggenommen, der Vater blieb ein Gerücht, den Unterhalt übernahm deshalb der Staat. Als Baby aufgewachsen in noblen Elfenbeinheimen, betreut von sorgfältig ausgesuchten Behörden, kam das Kind schließlich in die Schule. Während es in der Grundschule noch leidlich gut ging, machte es nach der Förderstufe, frühreif wie es war, überall mit Jungs rum und drohte plötzlich zu verwahrlosen. Die Gefahr wurde schnell gebannt: Unser großes Kind galt fortan als vorbildlich betreut. Kein Amt, kein Minister zögerte, sich dieses Kindes eine Weile anzunehmen, es galt nunmehr als hochbegabt, sein Wissensdurst wuchs ins Unermessliche: Es fragte, frug und frug und alle antworteten mit wahrer Engelsgeduld: Schön, was unser Kind schon alles weiß!

Sollte das Kind deshalb auf eine elitäre Privatschule? Nein, man entschied sich dagegen und beließ es auf dem öffentlich-rechtlichen Gymnasium. Und es frug und frug. Alsbald wusste es nicht mehr, wen es fragen sollte und fing daher an, die Antworten gleich selbst zu geben und redete also mit niemandem mehr. Unser Kind wurde nun für lange Zeit auf eine berühmte Insel verbannt, wo es von Fabelwesen vom Stamme der Seligen geheilt werden sollte. Aber auch dort frug es vor sich hin und brabbelte die Antworten – bis zu jenem Tag, an dem es einmal probeweise einen Landgang unternehmen durfte. Dort traf unser inzwischen großes Kind nach ganz kurzer Zeit seine inzwischen graue, uralte Mutter. Die Mutter stutzte und fletschte ihre riesigen Zähne. Unser Kind aber glotzte ängstlich und fragte:
Aber Großmutter, … ?

(Fortsetzung folgt)

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Stunde Null am Seine-Ufer

24. Juni 2008 · von Leo · Keine Kommentare

Stunde Null am Seine-Ufer

Einen lesenswerten Hilferuf widmet die Süddeutsche Zeitung dem Niedergang der deutschen Kneipenkultur in der französischen Hauptstadt Paris.

Voll innerer Anteilnahme beklagt der Autor die fortschreitende Zerrüttung des Pariser Nachtlebens vor dem Hintergrund immer neuer, massenweise auftretender libanesischer, nordafrikanischer, afghanischer, indischer und sogar russischer Gastronomen an der Seine.
Ausgerechnet! Wenn es wenigstens zivilisierte Völker wären …
Und gleichzeitig stürbe die deutsche Ess- und Trinkkultur aus. Würde doch nunmehr der letzte deutsche Wirt über den Rhein zurückgeworfen.
(In Malle und Co. wird trotz schwerer Verluste hingegen noch tapfer gekämpft!)
Auch der Vormarsch fremdländischer Plastik-Biere konnte nicht gestoppt werden: Pas de Bit? Wenn das nur wüsste le président.
Früher, vor 50 Jahren, „unter dem Schlagschatten des Krieges“ sei doch alles viel weniger schlimm gewesen. Genau.
Woher rührt also die jetzige Reinheitsphobie? Ist es das Wiedererstarken deutscher Fußballer, der Charme unserer Kanzlerin, die neue hessische Landtagsmehrheit oder das Umfragetief von Kurt Beck? Wir wissen es nicht, aber eines ist klar: Am deutschen Tresen will die Welt wohl nichts mehr genesen. Diese Welt hat keine Angst mehr von uns. Danke Frankreich, denn du bist Deutschland!

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