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Einträge vom Januar 2010

Weiter bilden ohne Lebenslanges Lernen?

29. Januar 2010 · von frankmackay · Keine Kommentare

Weiter bilden ohne Lebenslanges Lernen?

Seit 1999 schreibt ein elektronisches Feuilleton Team aus Berlin an der Berliner Gazette.
Wöchentlich erreicht den heimischen Briefkasten per Mail eine neue oder weitere Perspektive zum aktuellen Jahresmotto. In den letzten Jahren kleidete man die Themen Arbeit, Gemeinschaft oder auch das Wasser in ein schriftsprachliches Protokoll mit Menschen, die den Horizont weiten. Für 2010 lautet das Thema „Bildung“ mit der Leitfrage:

„Wie koennen wir uns immer weiter bilden ohne lebenslang lernen zu muessen?“

Dabei soll über einen aus der Wirtschaft geprägten Begriff der Bildung hinausgegangen werden – den „Fehler“ vom Pranger holen!
Im ersten Bildungsprotokoll der Berliner Gazette vom 13.1.2010 unterscheidet die Choreographin Heike Henning lernen und sich bilden durch das Tempo, wie diese Prozesse ablaufen.

„Sich bilden bedeutet ueber lange Zeit etwas reifen zu lassen, es dringt durch andere Kanaele ein und schafft eine gewisse Selbstgewissheit und Gelassenheit mit sich in der Welt.“

Illustriert wird dies mit der Präsenz des Körpers bei der Empfindung bestimmter anatomischer Regionen und damit auch einer Selbstvergewisserung einer eigenen Identität. Christian Neuner-Duttenhofer vom GreenCampus steckt in der Ausgabe vom 19.1. seine Koordinaten: Meisterschaft, Konzentration, Presencing und De-organisation mit seinem Interesse am Lernen ab. Anregend sind seine kurzen Hinweise auf den Wandel des Lernens aufgrund von Erfahrungen hin zu einer direkten Wahrnehmung und Aktualisierung der eigenen Zukunftsmöglichkeiten. Im aktuellen Protokoll vom 27.1. weißt David Grubbs auf Bildungsunterschiede zu den USA hin und sieht die größte Herausforderung in der digitalen Welt sich auf „ein einzelnes Thema lange genug zu konzentrieren.“

An die Protokolle schließen sich Links zu den Autoren, deren Tätigkeitsorten oder weiteren Theorieerläuterungen. Zum Schluss einer jeden Rundmail folgen noch Veranstaltungshinweise – meist für Berlin…

Sind wir also gespannt, welche Bildungsdebatte diese mediale Plattform spinnt und geben die Einladung der Berliner Gazette weiter:

Wir laden ProjektemacherInnen aus allen Sektoren der gesellschaftlichen Innovation [[Sub-]Politik, Oekonomie, Technologie, Kunst, Wissenschaft, etc.] dazu ein, Antworten auf unsere Leitfrage zu geben und so die Bildungsdebatte um neue Perspektiven zu erweitern.

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Tags: Kunst/ Kultur

Selbständige Schule – neue Lernkulturen?

10. Januar 2010 · von Miller · 1 Kommentar

Selbständige Schule – neue Lernkulturen?

Seit 15 Jahren wird über die Großbaustelle „Selbstständige Schule“ oder auch „Eigenverantwortliche Schule“ in Deutschland diskutiert. Richtig vorangekommen ist man selten, (von ein paar Vorzeige-Modellversuchen abgesehen) zu Unterschiedliches wird darunter verstanden. Da zeigen sich technokratisch-autoritäre Modelle wie demokratische unter dem gleichen Label. Was man in Hessen wirklich will, steht noch in den Sternen. Wohl offizielles Regierungsprogramm von CDU/FDP – aber was heißt das schon praktisch gewendet?

Sind wirklich neue Lernkulturen, demokratische Beteiligung der Schüler und Eltern gemeint? Gibt es eine grundlegende Reform des Prüfungswesens, weg vom Bulimielernen, hin zur Lernnachhaltigkeit? Ist der Schulleiter Teil des Kollegiums und vornehmlich pädagogischer Motor? Wie gestalten sich die Reformspielräume für ein Kollegium, wie wird das finanziert? Lernerrollen für Lehrer – systematische und zeitintensive Lehrerfortbildung? Fragen über Fragen – was kommt 2010 aus Wiesbaden?

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Tags: Berufsschule · Bewusstsein · Bildung · Gesamtschule · Grundschule/Kindergarten · Gymnasium · Unterricht · Vorbilder

Kafka und moderne Pädagogik

7. Januar 2010 · von Miller · Keine Kommentare

Kafka und moderne Pädagogik

oder Schule, Mütter und Evaluationsagenturen
Wenn irgendein anscheinend vom Leben unbeleckter Knirps mit vollgestopfter Schultasche in der staatlich verordneten Gehirnerweiterungsmanege von nahezu unermüdlichen, nur das Beste wollenden pädagogischen Vorturnern monatelang ohne Unterbrechung systematisch belehrt würde, unentrinnbar begleitet von gierigen aalglatten Evaluationsagenturen mit immer neuen Aufgabensettings, Testreihen und auf jedes Detail fixierten Videoaufzeichnungen seiner mühevollen, aber erfolgsgetäfelten Genese, er, der Knirps, geschmacksneutrale Antidepressiva jeden Morgen schluckend , Zähne zusammenbeißend zu immer noch größeren, fast unglaublichen Leistungssteigerungen sich antreiben lassend, ständig begleitet vom immer wieder neu anschwellendem Beifallsklatschen der Professoren mit den grünen Gläsern und den extensiven Bildungsstandards in alleswissenden gestempelten Dokumenten verpackt, er, der Candide, unter heftigen Leibschmerzen sich krümmend, sich den schon völlig verwirrten Kopf haltend — ja, vielleicht eilte dann eine junge Mutter, begleitet von vielen anderen, in die angsteinflößende Anstalt des öffentlichen Rechts, risse alle Türen des pädagogischen Grauens auf und riefe das: Halt! unbeeindruckt von vordergründig trüben Blicken einer nicht genau zu identifizierenden Schulmasse.

Da es aber nicht so ist; ein freudestrahlender Götterfunken-Jüngling wie naturgegeben die frische freie Luft des Lernangebots einatmet, selbst in tiefere Gefilde mit seinem ganz eigenen Rhythmus eintauchend; hingebungsvoll unterstützt von an der Sache und dem Jüngling gleichermaßen interessierten weitblickenden Pädagogen; die großzügig angelegte, in animierende Farbenspiele getauchte bahnbrechende Architektur des Gebäudes geradezu zu Lernexperimenten, Dialogen und vielfältigen Kooperationen einlädt, gleichzeitig Rückzugsbereiche für Schüler und Lehrer mit individuellen Gestaltungsmöglichkeiten ausweist; die vorbildliche Teamarbeit schon beim Betreten dieses wunderbaren Gebäudes jedem Beobachter buchstäblich ins Auge springt; der Direktor sich in fast schon übermenschlicher Aufopferung um die bestmöglichen Rahmenbedingungen des Lernens, um „Geschichte und Eigensinn“, um Tradition und Innovation kümmert; Wissenschaftler nicht nur ihre geschliffenen Gläser auf eine breite Palette unterschiedlicher Farbfilter hin prüfen, sondern in einer weltoffenen und wertsensiblen Haltung ständig auf Interdisziplinarität und west-östliche Perspektivwechsel bedacht sind, auch nicht zu schade, in brenzligen Situationen, die Ärmel aufkrempelnd, selbst in die Schülermanege zu steigen und, falls notwendig, auch Hausmeister zu peinlichster Achtsamkeit für Schülerbelange zu ermahnen; der Schüler, der Jüngling, der Knirps geradezu wertgeschätzt wird, dass professionelle Pädagogen jedes Jahr von neuem, durch diesen von der Gesellschaft finanzierten Traumberuf, mit der nachwachsenden Generation zusammen arbeiten und lernen dürfen — da dies so ist, liegen viele junge Mütter in wattebepolsterten Hängematten, ihr ganz eigenes Mantra murmelnd, in einem rätselhaften Traum versinkend, das Gesicht vornüber gebeugt, mit schweren Tränen in ihren Augenwinkeln, die sie nicht wirklich bemerken.

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Tags: Bewusstsein · Bildung · Kunst/ Kultur · Unterricht