Der Bildungswirt

Bildung Schule Kultur Wirtschaft

Der Bildungswirt header image 4

Unistreik: „Sachbeschädigung“ und „12 Fakten und Irrtümer über den Protest“

10. Dezember 2009 · von Miller · 3 Kommentare

Unistreik: „Sachbeschädigung“ und „12 Fakten und Irrtümer über den Protest“

Kurzbesuch in der J.W.Goethe-Universität:
Eine beeindruckend schöne Uni, fleißige, zielstrebige, teils lachende Studierende warten in den Fluren auf die nächste Veranstaltung, sitzen in der Mensa oder in der Vorlesung, organisieren Alternativveranstaltungen oder eilen über den Campus. Wenig Spannung in der Luft. Dann der Blick auf die sog. „Sachbeschädigungen“, gar „Vandalismusschäden“ im Casino? Nach Medienberichten mindestens 200.000 Euro?

Wie immer hängt vieles vom Blickwinkel ab. Vorher war nichts – jetzt ist etwas.
Vorher kahle weiße Wände – jetzt Farbe, Botschaften, Graffitis, studentische Suchprozesse nach Ausdruck. Z.B. dies: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen Raum“. Da ist zweifellos was dran, würde auch lächelnd Adorno zugeben. Oder : „Denken geht auch ohne Geld“ – wer kann da ernsthaft widersprechen? Dazu Graffitis in Kunstnähe – warum nicht?

Folgende Assoziation kommen auf:

a) Sachbeschädigung?  Gut, wer das so sieht: Studierende richten ein Spendenkonto ein, um die Schäden unter fachmännischer Aufsicht eines geprüften Malermeisters selbst zu beseitigen. Geschätzte Kosten: ca. 20.- 30.000 Euro, etwa 10-15% der offiziellen Summe in den Medienberichten

b) Man sieht das als Bereicherung und Lebendigkeit im Casino: Studierende und Unibeschäftigte stimmen ab. Ergibt sich eine klare Mehrheit, dass alles bleiben soll, wird zusätzlich eine „Optimierungsgruppe  Unikunst“ installiert. Ziel: Die Uni lebt, nicht die Uni brennt. Studierende und Unipräsident Müller-Esterl sind zur Aussöhnung bereit.

Die Räumungsbilder gehören zur Historie einer bewegten Universität. Medienberichte Bildungsstreik Frankfurt gehören zum geistigen Verdauungsprozess.

Charmante Studierende reichen heute Flugblätter: 12 Fakten und Irrtümer über den Protest“

Irrtum 1:
Der Asta lenkt den Protest und ist verantwortlicher Ansprechpartner für alle im Rahmen des Protests durchgeführte Aktionen.

Die Protestbewegung hat eine basisdemokratische Struktur. Entscheidungen werden im Rahmen der für jeden zugänglichen Plena getroffen. Die Stimme eines ASTA-Mitglieds zählt dabei genauso viel, wie die eines jeden anderen in der Protestbewegung.

Irrtum 2:
Die Räumung des Casinos verlief friedlich und ohne Polizeigewalt.

Es liegt eine Fülle an Material in Form von Videos, Fotos, Augenzeugenberichten und dokumentierte Krankenhauseinlieferungen mit Attesten vor, die das Gegenteil beweisen.

Irrtum 3:
Die mit dem Protest verbundene Besetzung hat hauptsächlich Lehrveranstaltungen blockiert.

Das Lehrprogramm wurde mit über 70 Workshops bereichert, die zum Teil gemeinsam mit Dozenten_innen gestaltet wurden. Was blockiert wurde, war die sonst übliche kommenzielle Vermietung der Räume an Wirtschaftsunternehmen, wie z.B. in der letzten Woche die Commerzbank.

(…)

Irrtum Nr. 5:
Der Präsident sucht den Dialog.

Herr Müller-Esterl versucht vielmehr jegliche Kritik zu ersticken. Die angeblichen Kommunikationsversuche sind nichts als geschickt inszenierte Aufführungen für die Öffentlichkeit. Unliebsame Studierende werden durch Polizeimaßnahmen und Exmatrikulationsdrohungen erpresst. Ein Dialog mit dem Messer am Hals ist kein Dialog.

(…)

Näheres erfährt man sicher über Twitter, StudiVz und Facebook.

[Weiter hier... →]

Tags: Allgemein · Bewusstsein · Bildung · Uni · WEb 2.0