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Altmeister Ludwig von Friedeburg im aktuellen bildungspolitischen Gespräch

8. November 2009 · von Miller · Keine Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

Bernd Frommelt als Präsident der Gesellschaft zur Förderung Pädagogischer Forschung und Prof. Eckhard Klieme vom DIPF, auf deutscher Seite maßgeblich für die internationale Schulleistungsstudie PISA verantwortlich, luden unter dem Titel Sozialwissenschaftliche Forschung und Bildungspolitik zum alljährlichen Bildungspolitischen Gespräch nach Frankfurt. Altmeister Ludwig von Friedeburg, lange Zeit Direktor des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt und hessischer Kultusminister (1969-74) konnte für den Diskurs mit Vertretern empirischer Bildungsforschung gewonnen werden.

Eine hochkarätige Podiumsdiskussion am DIPF lockte am 02.11.2009 über 100 Besucher aus den pädagogischen Zünften.

Komplettiert wurde das Podium durch die Bildungsforscher Prof. Helmut Fend und Prof. Klaus Klemm. Unter Moderation von Prof. Heinz Elmar Tenorth führten die Experten aus Wissenschaft und Politik eine zwischendurch lebhafte Debatte: In welchem Verhältnis stehen Bildungsforschung und Bildungspolitik? Braucht die Bildungspolitik die Forschung?  „Zu grundsätzlichen strukturpolitischen Fragen, etwa der Empfehlung eines bestimmten Schulsystems, kann die Bildungsforschung keine Handlungsanweisungen geben“, brachte es Klieme illusionslos auf den Punkt. Allerdings habe „ die empirische Bildungsforschung zum Bereich der Schulpraxis sehr viel beizutragen. Das wird zu wenig wahrgenommen. Hier können Politik und Verwaltung häufiger auf die Forschung zurückgreifen.“ Das DIPF als Einrichtung für Forschung sowie Service- und Beratungsleistungen übernehme dabei im Spannungsfeld zwischen Bildungspolitik und Bildungsforschung eine Schnittstellenfunktion. Von Friedeburg stimmte mit Klieme überein, dass die bildungspolitischen Entscheidungen letztlich immer von der Politik gefällt und gegen alle widerstreitenden Interessengruppen durchgesetzt werden müssen. Im Gegenzug will von Friedeburg die Forscher nicht aus der Verantwortung nehmen und forderte die wissenschaftliche Gemeinschaft auf, ihre umfassenden Forschungsergebnisse auch gegen die Politik deutlicher auf den Tisch zu bringen.


Wissenschaftler und ihre zahlreichen Gutachten können auch immer wieder mißbraucht werden, ja sie stehen in der Gefahr, nützliche Hofnarren-Funktionen zu erfüllen. Über den Fortgang der Bildungsreform entscheiden in erster Linie gesellschaftliche Machverhältnisse und nicht pädagogische Einsichten, so Friedeburg. Über diese grundsätzliche Einschätzung war man sich auf dem Podium einig. Normative Entscheidung unterliegen immer gesellschaftlichen Machtdiskursen. Die Schulpolitik ist dabei nur ein Handlungsfeld, das immer noch in Deutschland vorherrschende viergliedrige selektive Schulsystem eine Ausdrucksform. Zum  Blick in die Zukunft des deutschen Schulwesens kam es nicht. Nach gut zwei Stunden war das erweitere Familientreffen der Pädagogik vorbei. Mangels Sekt, Selters und Häppchen (Sparprogramm beim DIPF?) kam es auch nicht zu den sozial wichtigen informellen Gesprächen unter den Zuhörern, sondern die Individuen verschwanden in Eile in der Weite der Stadt.

Kategorien: Bewusstsein · Bildung · Bildungsgipfel · Vorbilder

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