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Julia Klöckner rechnet mit den professionellen Schmierfinken ab

3. Mai 2009 · von Miller · 1 Kommentar Artikel drucken Artikel drucken

Eine Frau sieht rot. Nein, im Gegenteil? Sie ist politisch schwarz, couragiert und denkt laut nach. Julia Klöckner, CDU-Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz, sortiert aktuell die Medienlandschaft der Berliner Republik, insbesondere die professionellen „Schmierfinken“. Sie fasst ein heißes Eisen ein: Hinterlist, Opportunismus, Schleimerei, Sensationsgeilheit von Hauptstadtjournalisten.

„Jeder kennt jeden, jeder braucht jeden – und einige brauchen sich eben mehr. Die treffen sich dann zu Kamingesprächen. Mitunter werden daraus passable Zweckbeziehungen. Nicht unbedingt fürs Leben, aber doch für die Legislatur. Im Habitus sind gestresste Hauptstadtjournalisten und der gehetzte Bundestagsabgeordnete oft kaum zu unterscheiden: Termine, Anrufe, Absprachen, Hintergrundgespräche, Empfänge – das ganz normale Grundrauschen einer „nervösen Zone“ Nichts löst so starke Panikattacken aus wie dessen plötzliches Verstummen. Nicht mehr mittendrin, sondern nur dabei. Ein Albtraum.“

Klöckner will das Amalgam aus Politik und Medien, die Mediendemokratie analysieren, den Kampf um Deutungsmacht und Einfluss auf wichtige politische Entscheidungen ausleuchten. Ob ihr das gelingt? Sie wirft bestimmten „Schmierfinken“, der „Medienmeute“ „Lust am Krawall“ vor. Ihre eigene Semantik greift nassforsch in die Diffamierungskiste. Sie unterscheidet drei Typen:
„Der Quäler“(Typ 1), immer auf Sensation und Enthüllung aus. Er will entlarven, nicht verstehen oder erklären. Politiker sollen in den Medien, am besten im Fernsehen, vorgeführt werden. Der Journalisten-Inquisitor will nach oben: Starjournalist als Hansdampf-in-allen-Berliner-Gassen- Medien-und-Hinterzimmern-die-ultimative-Story-am Hacken-und-immer-weiter.
„Der Schleimer“(Typ 2) will einfach nur zuhören, nickt beim Gespräch immer freundlich, will „nur“ berichten, was er als Infos erfahren hat.“Der trickreiche Schleimer dagegen baut ein perfides Netz aus Gefälligkeiten und Aufmerksamkeiten auf, für das er allerdings eines Tages den Preis verlangt.“
„Der Kompetente“(Typ 3) versteht sein Handwerk, ist souverän, interessiert, schreibt eben qualifizierte Beiträge, aus denen bisweilen auch Politiker lernen können.

Nächsten Monat erscheint das Buch von Julia Klöckner: „Schmierfinken: Politiker über Journalisten“. Sicher interessanter als vieles andere, was von Volksvertretern in ihrem Neusprech so abgesondert wird. Allerdings über die platte Zuschreibung – „Medien erzeugen erst die Hinterzimmerpolitik, die sie kritisieren“ – sollte sie noch einmal in Ruhe nachdenken. Ein Vorabdruck kann im Cicero 05/2009 nachgelesen werden. Zu welchen „Berliner Schmierfinken“ würde Cicero zugeordnet werden? Darüber schweigt sie. Immerhin wird sie offen von Cicero unterstützt.
Auf ihrer Internetseite meint sie zu ihren besonderen Stärken:

„Ich liebe es zu lachen. Ich denke, ich habe einen gesunden Humor, der mir schon so manche schwere Situation erträglich und stressvolle Momente aufgelockert hat. Humor gibt Distanz und entkrampft. Da ist viel Wahres dran. Andererseits bin ich Winzertochter und als solche kernig und belastbar. Mich haut so schnell nichts um. Und ich empfinde mich als flexibel, konsequent und lebensfroh.“

In ihrem Blog beim Focus schreibt sie aktuell:

Abwrack-Prämie ist schlechter als ihr Ruf
Da haben wirs: Da ist der kleine Hyundai mit 662 Prozent-Verkaufssteigerung der große Gewinner der Abwrack-Prämie. So hatte ich mir das als Parlamentarierin nicht gedacht. Erstens sollten wir mit unseren Steuergeldern unsere Produktion unterstützen. Die Kleinwagen sind meist importiert.(…)“

Na, da deutschtümmmmmmelt es ganz ordentlich. Raus mit den Asiaten? Deutsche – schützt eure Arbeitsplätze!
Den gesunden Humor und ihrer Lieblings-Weißwein wird sie im Jahr 2009 besonders brauchen. Wäre Klöckner als aufstrebende CDU-Frau nicht in Berlin oder Rheinland-Pfalz könnte sie in Hessen bei der CDU zur programmatischen Erneuerung bzw. zur Mehltaubeseitigung aktiv beitragen.Vielleicht eine „Abwrackprämie“ in der Politik einführen? Prognose für Julia Klöckner: demnächst Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

UPDATE:

Das Buch „Schmierfinken – Politiker über Journalisten“ stammt nicht von Frau Klöckner, Herausgeber sind Maybrit Illner und Hajo Schumacher. (Hinweis von Frau Klöckner selbst)

Kategorien: Allgemein · Dunkelkammer · WEb 2.0

1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 Frank Mackay // 28 Mai 2009 um 22:10

    Wer twittert ist bereits ein Schmierfink: http://twitter.com/JuliaKloeckner ?!?

    #Bundesversammlung Blauen Stimmzettel, Stimmkarte abgeholt, in Kabine Köhler angekreuzt und den Umschlag in die Urne geworfen.

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