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Einträge vom April 2009

Wenn Gott Facebook beitritt

24. April 2009 · von frankmackay · 1 Kommentar

Wenn Gott Facebook beitritt

god_ist_facebook_beigetreten-die-information-findet-dich
Link: http://www.facebook.com/home.php?#/pages/God/21493359802
Dann sieht dies so aus! Dem Facebook Nutzer erinnerte ein kleiner Hinweis, der Gruppe God beizutreten. Warum bekam er den Hinweis? Einige seiner Freunde waren bereits in der Gruppe mit im Moment 1.415.698 Mitgliedern. Ist dies ein Zeichen des Wandels des Internets? Wo man bisher Informationen suchte, findet mich die Information jetzt selbst. Wo ist die Schule mit ihrem Angebot für Schüler in Facebook oder einem anderen sozialen digitalen Netz? E-Learning Plattformen an Schulen leben nur von Abschottung.

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Tags: WEb 2.0

Neuwagen für Schüler?

23. April 2009 · von Leo · Keine Kommentare

Neuwagen für Schüler?

Tja, das war einmal – als Papa seinem Filius noch den Uralt-Zweitwagen von Mama oder der älteren Schwester zur bestandenen Führerscheinprüfung schenken konnte.
Seit es die sogenannte Umweltprämie bis auf die Titelseiten des Boulevards gebracht hat, soll es ja auch für den gepflegten Gymnasiasten dann doch lieber ein kleiner Neuer sein, der „hält dann ja auch noch übers Studium“ – genau. Auch Hartz IV-Empfängern und anderen Bedürftigen dürfe der Neuwagen nicht länger verwehrt bleiben, so die Meinung mancher Regierungspolitiker. Kein Wunder, erhält der ebenfalls bedürftige Staat ja über die Mehrwertsteuer sogar mehr, als er bei der Prämie zu zahlen hat.
Was einst als Abgesang eines trällernden Bundespräsidenten belächelt wurde, scheint sich zum echten Wahlkampfschlager zu mausern: Aber der Wagen, der rollt. Wolfsburg und Rüsselsheim gelten als Hauptprofiteure eines in der jüngeren Politik-Geschichte wohl einmaligen PR-Coups, der ja ursprünglich und angeblich auf einen gewissen Herrn Glos zurückgehen soll.
Dabei ist alles so einfach: Wer kurz vor Weihnachten seine Runde durch die Autohäuser der Kleinwagenhersteller drehte, war erstaunt über Rabatte von um die 20 % auf alle Arten von Lager- und Bestellfahrzeugen, also satte 2000-3000 Euro bei Klein- und Kleinstwagen. Zum Beispiel wurde der Citroen C1 Advance noch mit 7490 € beworben, im neuen Frühjahrsprospekt liegt er bereits bei 8490 €. Damit haben sich die Franzosen einen schönen Batzen von der deutschen Prämie abgeschnitten. Bereits Mitte Januar begann sich der Waffenstillstand in der Rabattschlacht abzuzeichnen: „Nur noch auf Lagerfahrzeuge, ja im Sondermodell ist ja schon ein Nachlass“, so die Ausflüchte der Verkäufer. Einen Tag nach zunächst noch vagen Verkündigung der Verschrottungsprämie ging bereits gar nichts mehr: „Lieferprogramm – wird schwierig! Euro 5? Keine Ahnung. Ja, die Nachfrage ist eben jetzt höher. Aber wir hätten da noch ein Lagerfahrzeug –günstig und: Äh, haben Sie vielleicht ein Fahrzeug zu verschrotten?“ Na klar, Herr Auto- Kommissar!
Nachdem der Massenansturm innerhalb von drei Monaten nunmehr fast eine Million zumeist noch gut fahrbereite Fahrzeuge in den Schredder oder nach Kasachstan gebracht hat, konstatiert der aufmerksame Autointeressent derzeit folgenden Zustand:
Beim Schrotthändler sind inzwischen 150 Euro fällig (statt 250 zu bekommen wie noch im Sommer 2008); der Restwert des Altfahrzeugs, anfangs noch echte Schrotthobel für 500 Euro, inzwischen Tendenz auf über 1000 Euro steigend, geht dabei ebenfalls flöten; Rabatte gibt es fast keine mehr; Fahrzeuge dafür vor allem als Ladenhüter (auch „Jahreswagen“ genannt). Den Ärmsten („Bildungsverlierer“) wird zudem mit windigen Klein-Krediten (neudeutsch Leasing) der letzte Cent aus der Tasche gezogen: „Die Zinsen sind ja gerade so niedrig“ Das stimmt, vor allem für die Händler und deren Banken. Die Regierung steht glänzend da, vor allem bei Automobil-Angestellten ab 3000 netto aufwärts und Autohäusern, beides nicht besonders klassisches SPD-Klientel. Derweil steuert die angeblich oppositionelle, postliberale FDP in den Umfragen auf 18 plus X.
Wenn kümmert es im Lande der Autokanzler, dass Opel nicht eine Büroklammer selbst kauft, ohne in den USA zu fragen? Was soll es, dass Musterknabe Daimler noch mit 20% drin hängt bei Chrysler, dessen Haupteigner ein „Finanzinvestor“ namens Cerberus ist? Wer stört sich daran, dass VW seit Jahren EU-Recht ignoriert und Neu-Eigner Porsche im Herbst die Finanzkrise mit aufgemischt hat?
Also liebe Schüler, lieber Harry Klein: Lasst euch vom Alten dann doch lieber den Alten schenken, denn ab 2010 steigen die Preise für Altautos wieder schön an (es gibt dann ja fast keine Altwagen z.B. für Schüler mehr), der Schrotthändler zahlt wieder, die alten Rabatte kommen ebenfalls zurück -und die Zinsen für den Kredit sind immer noch niedrig. Denn eines ist jetzt schon klar: Eine heruntergewirtschaftete Automobilindustrie lässt sich eben nicht so leicht abwracken wie die Ersparnisse der kleinen Leute von nebenan.

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Tags: Dunkelkammer · Feuchtgebiete

Übungsstunde: Reflexionen eines freien Geistes (1)

22. April 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Übungsstunde: Reflexionen eines freien Geistes (1)

Vergiss einfach mal dein Fach, deine Rolle, deinen Standardauftrag:
Nutze die Zeit zum Nachdenken, z.B. darüber: “Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung.” (Dieter Hildebrandt,  deutscher Kabarettist)

Suche dir Zitate und schreibe einen Kommentar, entfalte eine Idee, vernetze, wozu du Lust hast, durchbrich den sprachlosen Zustand. 10% ist Inspiration, 90% Transpiration, also Arbeit, Suche nach der angemessenen Begrifflichkeit, nach den zündenden Metaphern.

Fordere die Lehrerin/ den Lehrer auf, dir/ euch die Zeit im Unterricht zu geben, Raum zu schaffen. Fordere den Lehrenden auf, selbst zu schreiben, sich der „Hier-und-Jetzt-Anforderung“ (was Lehrer besonders gern tun – Tests, Prüfungen, Übungen) selbst zu stellen.
Jeder ist auch Lernender, manchmal vertauschen sich die Rollen.
Lehrer geht mit gutem Beispiel voran, Jugend bracht Vorbilder – oder etwa nicht?

Bildung ist wesentlich Angebot:

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ (Sokrates, griechischer Philosoph)

„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.“ (Galileo Galilei, Naturwissenschaftler)

„Was wird das Ergebnis sein von dem, was ich heute tue, was ich morgen tun werde – was wird das Ergebnis meines ganzen Lebens sein? Anders ausgedrückt wird die Frage so lauten: Wozu lebe ich? Wozu begehre ich? Wozu handele ich? (Leo Tolstoi, Schriftsteller)

„Phantasie ist wichtiger als Wissen.“ (Albert Einstein, Naturwissenschaftler)

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Tags: Abitur · Übungsstunde · Bewusstsein · Bildung · Dunkelkammer · Unterricht

Relaxed in education & mission

17. April 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Relaxed in education & mission

Ferien sind unterrichtsfreie Zeit, Besinnungszeit, Metareflexion, was wie warum erreicht wurde oder auch misslang. Ferien bedeuten auch Seele baumeln lassen, relaxed im Liegestuhl, Bücher stöbern, Unterrichtseinheiten und Filme sichten, Schreibtisch ordnen, Musik hören….

Die gute Lehrerin, der gute Lehrer versucht geistigen Raum zu schaffen, immer wieder auch mal hinter dem Beat -lay back – in den Arbeitsprozess, in die Improvisation einzusteigen, d.h. zuhören und spüren, wohin die Reise im Unterricht geht. Zwischendurch vielleicht einmal für den eigenen Groove Grover Washington hören?

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Der 2008er – ein Innovativer Qualitätswein ?

14. April 2009 · von Heinrich Siebziger · 3 Kommentare

Der 2008er – ein Innovativer Qualitätswein ?

In einem Kommentar des Bildungswirts vom 16.03.2009 zu meinem Artikel Plug & Play vom 13.03.2009 wurde ich gebeten „ knackig und pointiert nachzulegen“. Dies will ich gerne tun. Ob „knackig und pointiert“ möchte ich dem Leser überlassen. Ich hingegen will versuchen, mich informativ wie auch provokativ zu äußern.

Worin liegt der Unterschied im Hinblick auf Auftrag und Inhalt zwischen dem Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung (HIBS) des vergangenen Jahrhunderts und dem Institut für Qualitätsentwicklung (IQ) des neuen Jahrhunderts?
Vordergründig erkenne ich im IQ lediglich eine Neuauflage des HIBS, eine sinnvolle, weil aktualisierende Weiterführung einer vor 40 Jahren begonnenen Bildungsplanung. Man muss allerdings feststellen, dass der ursprünglich positive Ansatz einer didaktischen Neuorientierung in den vergangenen Jahrzehnten etwas ermüdete, vielleicht auch verdrängt wurde und der sog. „Schubladenpädagogik“ (siehe mein Beitrag „Plug & Play) wieder mehr Raum bot, nicht zuletzt durch die immer stärker zunehmenden physischen und psychischen Belastungen der Pädagogen.

Was unterscheidet Qualitätsentwicklung von Bildungsplanung?
Ich meine, Qualitätsentwicklung kann nur auf der Basis standardisierter Unterrichtsziele, wie sie der Rahmen pädagogischer Planung in den RRL bereits beschrieben hat und vorgibt, angesiedelt sein und auf dieser Grundlage zielorientiert und effizient arbeiten.
Da die Bildungsstandards die Grundlage für Unterrichtsplanung und Lernerfolgskontrolle werden sollen, lohnt es sich, die Neuorientierung hessischer Bildungspolitik der 70er Jahre vergleichend heranzuziehen, um Übereinstimmendes, Ähnliches, Unterschiedliches oder gar Gegensätzliches aufzuzeigen, um Damaliges und Heutiges in Frage zu stellen, zu variieren, zu bestätigen oder gar verzichtbar zu machen.

Maxime hessischer Bildungsplanung der 70er Jahre waren Allgemeine und Fachdidaktische Lernzielbeschreibungen mit nachrangiger inhaltlicher, stoffbezogener Unterrichtsplanung.

Allgemeine Lernziele ließen sich definieren durch
– den Erwerb von Kenntnissen
– die Aneignung von Fertigkeiten
– die Ausbildung von Fähigkeiten
– den Nachweis einer Befähigung
– die Qualifizierung zu Transferleistungen unter fächerübergreifenden Aspekten.
Die Lernprozesse wurden begünstigt durch Förderung von Kreativität, Spontaneität und Offenheit im Rahmen der sich entwickelnden Emanzipation wie auch durch Schaffung bzw. Nutzung und Steigerung von Motivation.

Fachbezogene Lernzielbeschreibungen finden sich in den RRL der jeweiligen Unterrichtsfächer und bilden dort zugleich die Grundlagen für die jeweiligen Lernerfolgskontrollen.
An dieser Stelle will ich versuchen, drei Ziele, die für mehrere Fächer Geltungsanspruch erheben, exemplarisch darzustellen und sie fachübergreifend zu formulieren. Fachbezogene Lernzielbeschreibungen lassen sich jeweils von dort ableiten.

Lernziele waren zum Beispiel:
– das Bewusstsein für kommerzielle Angebote schärfen und Fertigkeiten zur konstruktiven Kritik entwickeln können (Bezugsfächer u.a.: GL, D, Ku, Mu,).
– Verfahren zum analytischen Umgang mit sprachlich-literarischen bzw.
künstlerisch-literarischen Angebote entwickeln und qualifiziert damit umgehen
können. (Bezugsfächer: D, Fremdsprachen, Mu, Ku,).
– Fachspezifische Qualifikationen erwerben, um sich mit Problemen der technisierten Welt auseinandersetzen zu können. (Bezugsfächer u.a.: Ph, M, Mu,).

Nach einer Vorlaufphase gingen die RRL–Entwürfe der Sekundarstufe I zur Erprobung an die Schulen. Die Rahmenrichtlinien wurden auf Fachkonferenzen, auf Lehrgängen diskutiert und den verschiedenen Gremien, wie Landeselternbeirat, den Verbänden und den politischen Parteien, vorgestellt.
In öffentlichen Diskussionen, Podiumsdiskussionen, TV-Sendungen und Talkshows ging es zum Teil heftig zur Sache. Besonders die Fächer Deutsch und Gesellschaftslehre gerieten in den Focus der Öffentlichkeit.
Selbst exotische Fächer wie Musik blieben in den oft ideologisch geführten Diskussionen und Stellungnahmen nicht verschont. So tauchte überraschenderweise eines Tages im Leitartikel der FAZ der Titel „Mut zum Singen“ auf. Darin wurde behauptet, dass Singen im Musikunterricht nach den RRL Musik – Sekundarstufe I nicht mehr vorgesehen sei. Der Chefredakteur der FAZ musste allerdings in einer Diskussionsrunde gestehen, dass er die RRL Musik nicht gelesen habe und einer Fehlinformation aufgesessen war. Der Leitartikel wurde in einer späteren Ausgabe der FAZ relativiert. Der kritischen Einlassung des Hessischen Sängerbundes konnte vom HKM dadurch begegnet werden, dass der Vorsitzende der Fachgruppe Musik für die Erstellung der Rahmenrichtlinien Musik – Sekundarstufe I ein langjähriger Chorleiter und Träger der Silbernen Ehrennadel des Hessischen Sängerbundes sei. Jeder musste inzwischen erkannt haben, dass aus dem Fach „Singen“ im „Singsaal“ bereits in den 20er Jahren das Fach „Musik“ entstand und seither im „Musikraum“ stattfindet.
Der Umgang mit Musik wird auf den drei Ebenen „Instrumentale, Vokale und Mediale Musikausübung“ sowohl produktiv-kreativ als auch reproduktiv praktiziert. Die Auseinandersetzung mit allen Erscheinungsformen und Wirkungsweisen von Musik vollzieht sich durch Rezeption wie durch Reflexion.

Zur Umsetzung fachspezifischer Lernziele wurden vom HIBS für die konkrete Unterrichtsvorbereitung Unterrichtsmaterialien entwickelt und zur Verfügung gestellt, die exemplarisch zu verstehen und austauschbar waren. Die Materialien waren schüler- und handlungsorientiert angelegt und zogen den Unterrichtenden selbst in den Lernprozess ein. Fachdidaktische und methodische Entscheidungen mussten somit situationsbedingt und fachkompetent getroffen werden, Entscheidungen, die über das in den Unterrichtmaterialen exemplarisch Angebotene hinausgehen konnten oder auch mussten.

Die heutigen Mitarbeiter in Gremien ministerieller Auftraggeber zur Entwicklung von Bildungsstandards sollten prüfen,
– ob sich Bildungsstandards und Rahmenrichtlinien überhaupt vergleichen lassen,
– ob sich Bildungsstandards und RRL durchgehend oder punktuell vergleichen lassen oder sich doch in entscheidenden Punkten von einander absetzen
– ob beide Ansätze deckungsgleich sind
– ob Bildungsstandards aus den RRL Nutzen ziehen können

Hier die Frage des Heinrich Siebziger:
Bringen die Bildungsstandards etwas Neues, oder sind sie
„Alter Wein in neuen Schläuchen“ und werden als
Innovativer Qualitätswein
angeboten?

Ich muss bekennen:
Die Frage des „Heinrich 70er“ impliziert die Absicht, aus der Sicht der Siebzigergeneration die Diskussion unter den „2009ern“ über die Bildungsstandard zu beleben, die heutige Generation zu motivieren, sachbezogen und konstruktiv kritisch, aber auch ideologiefrei zu diskutieren, die Bildungsstandards voranzubringen und für die Schulen umsetzbar zu machen.

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Tags: Bewusstsein · Bildung · Bildungsgipfel · Bildungsstandards · Unterricht

Dreamteam Deutschland: Osterrede 2009

11. April 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Dreamteam Deutschland: Osterrede 2009

Es gibt bedeutende Reden von Spitzenpolitikern aus dem Dreamteam, die einfach immer aktuell bleiben, ob zum Osterhasen, Christkind oder zur Fasnacht. Überzeugen Sie sich selbst!

Bis zur Bundestagswahl werden wir noch zahlreiche Varianten solcher Spitzenleistungen hören. Frauen und Männer schenken sich dabei nichts.

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Tags: Bewusstsein · Dunkelkammer · Vorbilder

Kapitalismus – eine Weltreligion?

8. April 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Kapitalismus – eine Weltreligion?

Die aktuelle Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise setzt Themen auf die Tagesordnung, die noch vor 6 Monaten tabu waren: Verstaatlichung der Banken, strenges Reglement der Finanzmärkte, neue Bankenaufsicht, neue System- und Wertfragen. Die Leitfragen heißen: Welche Maßnahmenpakete sind am besten geeignet, das Gemeinwohl durchzusetzen? In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Oder doch: Wie sozialisieren wir die gigantischen Verluste mit Hilfe einer enormen Staatsverschuldung und garantieren die privaten Gewinne der Investoren für die Zukunft?

Der Gott des Geldscheins scheint überall angebetet, alle anderen Götter weitgehend abgeschafft. Der Volksatheismus hat längst seine neuen Tempel des permanten Konsumrausches international gefunden. Soll dagegen ein Kraut gewachsen sein? Gibt es wirkliche Alternativen? Ratlosigkeit im Weltinnenraum des Kapitals? Wird die tieferliegende ökologische Fundamentalkrise in ihren vielfältigen Dimensionen begriffen? Gibt es Lebensqualitätssteigerungen trotz oder wegen einer Konsumstagnation? Welche Maßstäbe sollen gelten – kollektiv und individuell?

Der erste Blogger mit Nobelpreis, Paul Krugmann, formuliert einige Gedanken hier in zwei Videos:

Fragen, die selbstverständlich auch fächerübergreifend in die Schule gehören. Wo sind die vorzeigbaren Projekte?

Obamas Ersatzkapitalismus genügt sicher nicht zur Krisenbewältigung.

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Schulverweigerer: Unser allerbestes Jahr

6. April 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Schulverweigerer: Unser allerbestes Jahr

No school. No work. No responsibilities. Just three films a week.
Die Schule als Albtraum wird vom 16-jährigen Sohn Jesse abrupt beendet und in einem außergewöhnlichen Deal mit Vater David besiegelt: „Ich will, dass du jede Woche mit mir drei Filme anschaust. Ich suche sie aus. Das ist die einzige Form von Ausbildung, die du bekommst“.
Der kanadische Filmkritiker und Journalist David Gilmour hat mit “The Film Club“ 2007 (in der seltsamen deutschen Übersetzung: „Unser allerbestes Jahr“ 2009, das drei Jahre dauerte) einen Bestseller über seine „Vater-Sohn-Beziehung“ vorgelegt. Es ist ein unterhaltsamer, witzig und locker geschriebener „Bildungsroman“, der 60 Jahre Filmgeschichte als Projektionsfolie für intensive Vater-Sohn-Gespräche nutzt, eine „Biografie“ der ganz besonderen Art. Ob Truffauts Sie küssten und sie schlugen ihn oder Psycho, Der Exorzist, Rosemarys Baby, Der letzte Tango von Paris, Der Pate, Rocky, Für eine Handvoll Dollars, Dirty Harry, Internal Affairs, Das Gesetz bin ich, Out of Sight, Calahan, Chungking Express und 100 andere mehr, es geht um eine wundervolle Vater-Sohn-Zeit und nebenbei um die allmähliche Verfertigung des eigenen ästhetischen Urteils beim Sehen. „Wir redeten über die sechziger Jahre, über die Beatles (zu oft, aber Jesse war geduldig), über schlechtes Trinken und gutes Trinken, dann wieder über Rebecca („Meinst du, sie macht Schluss mit mir?“), über Hitler, Dachau, Richard Nixon, Untreue, Truman Capote, die Mojave-Wüste, Suge Knight, Lesben, Kokain, Heroin Chic, die Backstreet Boys (meine Idee), Tattoos, Johnny Carson, Tupac (seine Idee), Sarkasmus, Hanteltraining, Penisgröße, französische Schauspieler und e.e.cummings. Was für eine Zeit (…). Das Leben war da, gleich neben mir auf dem Sofa.“ (S.118)
Väter, lest dieses brillante Buch und ihr habt einen besseren Zugang zu euren Söhnen. Ministerialbeamte, seht mehr bedeutsame Filme und überlegt intensiv, was wirklich in der Schule noch verordnet werden sollte.

Das Buch: David Gilmour, Unser allerbestes Jahr. Roman. Deutsch von Adelheid Zöfel. Frankfurt: S. Fischer Verlag 2009. 256 S., 18,95 € www.fischerverlage.de  Weitere Infos unter:
http://www.ndrkultur.de/feuilleton/buecher/nbunser100.html
http://blog.literaturwelt.de/archiv/david-gilmour-unser-allerbestes-jahr/

Welch dürftige Kost ist dagegen in deutschen Schulen 2009 zu finden. Verordnete vergreiste Leselisten als Zwangsbeglückungsprogramme für die gymnasiale Oberstufe. Gute Filme sind weitgehend exkommuniziert, zu Niederungen und zur Privatsache erklärt. Es wundert geradezu, dass es nicht mehr Schulverweigerer gibt. Vielleicht zählen wir nur falsch: Massenhaft geistige Verweigerung bei körperlicher Anwesenheit?

PS. Öfter mal Deutsche Bahn fahren rentiert sich. In Mobil 03/2009 gab es den exklusiven Vorabdruck des 1. Kapitels und ein Interview mit dem Autor.

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