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Einträge vom März 2009

Textanalyse – notwendiges Handwerkszeug für intelligentes Leben

11. März 2009 · von Miller · 7 Kommentare

Textanalyse – notwendiges Handwerkszeug für intelligentes Leben

Sobald wir sprechen oder schreiben, produzieren wir Texte. Wie versuchen uns zu verständigen; wir wollen mit Worten, Sätzen und Lauten in der Regel Sinn entfallen. Täglich nutzen wir Texte – in der Schule, im Beruf, in der Freizeit, in der Öffentlichkeit. Das lateinische Wort textus bedeutet Gewebe, Geflecht. Wir texten oder „weben“, stellen Verknüfungen her, kombinieren, gehen einer Sache auf den Grund, erforschen Ursache und Wirkung, stellen Funktionszusammenhänge her etc.

Die Textanalyse soll klären, was der Text beansprucht, bezweckt oder beim Leser bewirken will (Inhaltsanalyse) und wie diese Inhalte/Gedanken sprachlich gestaltet sind (Sprachana­lyse).
Inhalt und Sprachform können analytisch getrennt werden; tatsächlich handelt es sich aber um eine festgefügte Einheit: Durch eine bestimmte Sprachform (u. a. Wahl der Textsorte, des Sprachstils) erhält der Inhalt seinen Ausdruck. Ausgangspunkt für eine Textanalyse kann sowohl der „Inhalt“ als auch die verwendete „sprachliche Gestaltung“ sein.Textanalyse Sachanalayse SprachanalyseInhaltsanalyse

Grundsätzliche Gesichtspunkte sind:

  • Welche Ziele und Absichten lassen sich aus dem Textinhalt und dem Textaufbau erkennen?
  • Welche Wirkungen sollen beim Leser erreicht werden?
  • Welche Wirkungen werden wahrscheinlich tatsächlich erzielt?

Im Einzelnen kann genauer gefragt werden nach:

  1. Welche Bedeutung hat die Überschrift? Welche Erwartungen sollen geweckt werden?
  2. Passen Textinhalt und Textsorte zueinander? Welche Beziehung oder Diskrepanz kann fest­gestellt werden?
  3. In welcher Absicht werden inhaltliche Schwerpunkte gesetzt? Wie ist die Informationswahl gestaltet? Werden die Absichten und Hintergründe einer bestimmten Auswahl vom Autor explizit genannt oder bleiben diese verschleiert? Wo ist der Text ausführlich oder knapp, konkret oder abstrakt, genau oder vage gehalten?
  4. Ist die Darstellung der Sachverhalte oder der Sachlage korrekt? Liegt eine bewusste Irre­führung des Lesers vor?
  5. Liegt eine klare Textgliederung vor? Welche Wirkung soll durch eine bestimmte Anord­nung des Textes erreicht werden?
  6. Ist der Text sachlogisch weitgehend einwandfrei? Z. B. der Zusammenhang von These – Begründung, angeführte Argumente – Schlussfolgerung. Sind die angeführten „Begründungen“ auch tatsächlich nachvollziehbare „Gründe“?
  7. Welche Rolle spielen Vergleiche, Beispiele, Bezug und Verweis auf „Autoritäten“?
  8. Ist der Text zielgruppenbezogen formuliert?
  9. Gibt es einen Unterschied zwischen Autorenintention und Textintention? Nicht immer stimmt das, was der Autor sagen wollte, mit dem überein, was er tatsächlich gesagt hat.

Sprachanalyse

Grundsätzliche Gesichtspunkte sind:

  • Welche Textsorte liegt vor? Welches „Sprachmaterial“ wird verwendet um die Inhalte, Gedanken und Absichten umzusetzen?
  • Welche Wirkung soll durch eine bestimmte sprachliche Gestaltung erreicht werden? Welche sprachlich-rhetorischen Mittel sind erkennbar?

Im Einzelnen kann gefragt werden nach:

  1. Welcher Kommunikationszusammenhang, welcher Kontext liegt vor? Dasselbe Wort kann in verschiedenen Kontexten sehr Unterschiedliches bedeuten. Immer sind die Textteile und die sprachlichen Mittel auf das Textganze zu beziehen.
  2. Welche Sprache wird verwendet: Fachsprache – Gruppensprache – Sondersprache? Um­gangssprache – Standardsprache (Hochdeutsch)? Amtsdeutsch? Werbesprache?
  3. Lassen sich Stilbrüche erkennen? Wortschatz, Wortwahl, Modewörter, Fremdwörter, Wort­neuschöpfungen? Leerformeln, Phrasen, „Plastikwörter“?
  4. Welche Absicht ist mit einem bestimmten Sprachstil verbunden? Welche Bedeutung haben zentrale Begriffe, Definitionen, rhetorische Mittel?
  5. Welche rhetorischen Mittel werden eingesetzt, z. B. Metapher, Vergleich, Übertreibung, Umschreibung, Beschönigung, Appell, Anspielung, Steigerung, Gegensatz, Nachdruck, Beispiel, Zitat, Wortspiel, Ausruf, Scheinwiderspruch, Scheinfrage, …
  6. Welche Satzarten – Aussagesatz, Fragesatz, Befehlssatz – werden verwendet? Kurze/ lange Sätze? Haupt-/Gliedsätze, verschachtelte Sätze?
  7. Welcher Satzbau liegt vor? Abweichungen von der Norm? Verwendung von Indikativ, Kon­junktiv und Imperativ?
  8. Liegt eine monologische oder dialogische Sprechweise vor? Wie ist der Leserbezug gestal­tet? Welche Funktion haben das „ich“, das „du“, das gemeinsame „wir“ oder das unpersönliche „man“ und „es“?

Schematischer Aufbau einer Textanalyse

  • Nennung von Autor, Titel, Erscheinungsort und -jahr, Bezugsrahmen der Untersuchung
  • Kurze Zusammenfassung des Inhalts, zentrale Aussagen
  • Erste Einschätzung der Textintention, der zentralen Absicht des Textes
  • Analyse einzelner Textteile und Bezug auf das Textganze hinsichtlich Inhalt und verwendeter Sprache
  • Auswertung der Analyse – Bewertung der Ergebnisse
  • ggf. Darlegung des eigenen Bewertungsmaßstabes
  • ggf. Lösungsvorschläge, Alternativen

aus: Michael Miller, Texte formulieren lernen

WICHTIG: Die Textanalyse bereitet meist eine tiefergehende Textinterpretation vor. Oft genug fließen beide im praktischen Vollzug ineinander.

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Kulturtipps – von Blue notes bis Latino Groove im März

10. März 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Kulturtipps – von Blue notes bis Latino Groove im März

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Für Kurzentschlossene in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet

Blue notes of love am Freitag, 13.03., um 20 Uhr im Gallus Theater

Jazz und Gedanken über die Liebe. Eine musikalisch-literarische Frauen- und Männer-Revue von und mit Hans-Peter Schupp & Marcus Rüdel

„Aus Sicht der Frauen war der Mann oben. Früher. Dann sahen und drehten sich die Frauen um. Sie nannten es Emanzipation. Ab da waren die Männer unten durch. Nicht mehr benötigt, allenfalls, um Getränkekisten heimzutragen. Trinken durften sie nur noch in Kneipen. Alle anderen Dinge nahmen die Frauen in die Hand, und die Männer konnten zusehen, wie sie kamen, die Frauen. Falls sie nicht kamen, gingen sie und kamen. Woanders. Sie kamen auch mit der Frage: Wozu ein Mann, wenn es auch zwei tun oder drei bzw. warum überhaupt ein Kerl? Und die Männer fragen sich so viele Nächte ihres Lebens am Äquator des unverstandenen Geschlechts, der Bar: Was um alles in der Welt haben Frauen, das ein Mann noch braucht, der eigentlich schon alles hat?(…)“

Drei mal Leben am Sa., 14.03. und Fr., 20.03. im Freien Schauspiel eine Komödie für 4 Personen von Yasmina Reza, Regie: Reinhard Hinzpeter

Informationen zu der literarisch-musikalischen Revue blue notes of love und den Link zu einem kleinen Trailer:  www.hpschupp.de , dort unter > Lesungen und dann unter > blue notes of love

ODER  auch:

Südamerikanische Musik und Lebensgefühl mit Sergio Alvarez Y Amigos
Bosanova, Rumba, Chachacha, Bolero, Cumbia, …

Freitag,  20. März  – 20 Uhr

im Odyssee Kult, Weberstraße 77  Frankfurt/Nordend

Reservierungen: 069 – 90500995

Der Bildungswirt wird auch da sein!

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Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht

6. März 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht

An vielen Schulen und in zahlreichen Abschlussprüfungen – vor allem im Fach Englisch, zum Teil auch in Französisch und Spanisch – wird eine alte, sehr sinnvolle Aufgabenform neu entdeckt: die Sprachmittlung. Sinn einer Sprachmittlung ist es, jemandem wesentliche Aspekte aus einem gesprochenen oder geschriebenen Text zu vermitteln, dessen Sprache er nicht versteht; d.h., den wesentlichen Inhalt, das Wichtige oder für den anderen Interessante aus einem deutschen Text sinngemäß – also in der Regel nicht wörtlich übersetzt – in Englisch wiederzugeben. Oder auch umgekehrt: Wesentliches aus einem englischen Text sinngemäß auf Deutsch zusammenzufassen.

Konkretes Beispiel gefällig?

Welchen konkreten Anwendungsbezug Sprachmittlung haben kann, soll im Folgenden eine Sprachmittlungsaufgabe verdeutlichen, die sich auf den Zornausbruch des damaligen Trainers von Bayern München, Giovanni Trapattoni, auf der berühmten Pressekonferenz am 10. März 1998 bezieht. Auch hier gilt es aus einer – allerdings nicht eindeutig zu bestimmbaren – Fremdsprache in sinnvolles Deutsch zu vermitteln:

Aufgabe: Fassen Sie zusammen, was Trapattoni sagt und was er eigentlich meint.

Giovanni Trapattonis Rede:
„Sind Sie bereit?
Stellen mir die Fragen, wenn hören o verstehen schlecht meine Wörter, bitte. Es gibt im Moment in diese Mannschaft, oh, einige Spieler vergessen ihnen Profi was sie sind. Ich lese nicht sehr viele Zeitung, aber ich habe gehört viele Situationen.

Erstens. Wir haben nicht offensiv gespielt. Es gibt keine deutsche Mannschaft spiel offensiv und die Name offensiv wie Bayern. Letzte Spiel hatten wir in Platz drei Spitzen: Elber, Jancka und dann Zickler. Wir mussen nicht vergessen Zickler. Zickler ist eine Spitzen mehr, Mehmet e mehr Basler. Ist klar diese Wörter, ist möglich verstehen, was ich hab‘ gesagt? Dann. Offensiv, offensiv ist wie machen in Platz.

Zweite. Ich habe erklärt mit diese zwei Spieler: Nach Dortmund brauche vielleicht Halbzeit Pause. Ich habe auch andere Mannschaft gesehen in Europa nach diese Mittwoch. Ich habe gesehen auch zwei Tage de Training.

Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sei … sehen was passieren in Platz. In diese Spiel es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer! (…)“ (ohne Gewähr)
(Den Rest bitte selbst raushören und sprachmitteln … viel Spaß)

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Das Zeitalter des Rhizom

5. März 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Das Zeitalter des Rhizom

Wer über das Rhizom – das dynamisch pulsierende Wurzel-Denkgeflecht ohne Hauptader – systematisch und strukturiert schreiben will, steckt schon in der Falle traditioneller Logik. Die geordnete Darstellungsform zwingt zum Baum, zur Hierarchie, zur Klassifikation, zum Entweder-Oder, zur „0 -1 – Entscheidung“. Sie verfehlt ihren schwer fassbaren „Gegenstand“, verbirgt mehr als sie enthüllt.

Das Rhizom selber kann die unterschiedlichsten Formen annehmen, von der verästelten Ausbreitung in alle Richtungen an der Oberfläche bis zur Verdichtung in Knollen, Knoten, Denkschleifen und Neuschöpfungen. Es kann im Plural auch der unendlich tiefe und ausgedehnte Kaninchenbau des WWW sein. Ein Rhizom kann an jeder beliebigen Stelle gebrochen und zerstört werden, es wuchert entlang seiner eigenen oder anderen Linien weiter.
Jede Vielheit, die mit anderen durch an der Oberfläche verlaufende unterirdische Stängel verbunden werden kann, so dass sich ein Rhizom bildet und ausbreitet, nennen wir Plateau. Gilles Deleuze und Felix Guattari – die Rhizomatiker par exzellence – setzten solche, ähnliche und verfremdete Sätze schon vor 30 Jahren in die Welt. Ihr Denken sprengt alle gewohnten Zuordnungen, irritiert, fordert vom Leser selbst „Rhizom machen“, was ich hiermit tue und nach Belieben zitiere, montiere, konnektiere, erweitere. Schöpfe oder stirb! (Oder heb’ das oder auf.)

1000 Plateaus – wie geschmeidiger, nicht mehr eindämmbarer Bambus – sind wahrscheinlich die Horrorvision des Kleingärtners mit den abgezirkelten Beeten. Von Deleuze/Guattari dauerte es noch einmal einen Wimpernschlag der jüngeren Weltgeschichte, bis Google und Wikipedia, um im Zeitalter des Rhizom mit voller Wucht anzukommen
Mehr dazu im FREITAG

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Alles neu im Abitur – 2.Teil

3. März 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Alles neu im Abitur – 2.Teil

Neben bilingualen Prüfungsaufgaben in 5 Fächern -zurzeit Englisch und Französisch nur im Fach „Politik und Wirtschaft“ – soll es auch Videoausschnitte und Fotomontagen als Ausgangsmaterial geben. Ministeriale glauben, dass man 2011 soweit sein könnte. Da keimt die Hoffnung auf …

Aufgabe: Analysieren Sie das Video „Affenservice“. Schreiben Sie einen Kommentar für ein Kulturmagazin.

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