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Neues Abitur in Hessen?

24. März 2009 · von Miller · 2 Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

Oder nur neues Regelungsgestrüpp für die gymnasiale Oberstufe und das Abitur?

Brandaktuell gibt es auf der Homepage des Hessischen Kultusministeriums einen Entwurf einer Gesamt-Abiturverordnung. Das nennt sich jetzt: „Oberstufen- und Abiturverordnung (OAVO) Stand 19.03.2009“ und soll Ende 2009/ Anfang 2010 in Kraft gesetzt werden. Der Geltungsbereich soll Gymnasien, berufliche Gymnasien, Schulen für Erwachsene, Oberstufen von Gesamtschulen und externe Nicht-Schülerprüfungen umfassen.

Die geneigte Leserin sagt sich da: Warum nicht?
Wenn’s dem Fortschritt dient. Wenn Interessen und Lebenssituationen von vielen Menschen besser berücksichtigt werden. Wenn Bürokratie eingedämmt wird und ein knapp gefasster Text hervorkommt. Wenn eine Gesamtverordnung mit klaren Vorteilen aufwarten kann. Warum nicht?
Indes reibt sich die geneigte Leserin die Augen:
Was ist das für ein aufgepumptes Paragraphen-Machwerk? (104 Seiten). Dann fällt ihr immer noch entspannter Blick auf die Synopse des GANZEN. Prima, kurz einen Überblick (5 bis 10 Seiten), eine Gesamtschau gewinnen, bevor es in die Details geht. Schlagartig verdunkelt sich ihr Blick: 210 Seiten (!) Synopse, ein primitiv aufgelisteter Detailvergleich jedes einzelnen Paragraphen, jeder einzelnen Formulierung und kein Überblick, keine argumentative Darlegung der Nützlichkeit des neuen Vorhabens.
Welche Zauberlehrlinge waren dort am Werk?
Der neuen Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) kann man das noch nicht anlasten, jedoch sollte sie ab jetzt genau hinsehen, was „ihr Ministerium“ so alles zu einem Gesamten meint verwursten zu müssen. Das letzte Wort kann das aus Wiesbaden nicht gewesen sein.

Was dazu wohl der geneigte Leser meint?

OAVO und Synopse stehen zum Download auf der HKM-Homepage zur Verfügung.

Kategorien: Abitur · Berufsschule · Bildung · Gesamtschule · Gymnasium

2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 swift // 24 Mrz 2009 um 20:29

    In der Operatorenliste zum Fach Politik/Wirtschaft (PoWi), in der die Verben, mit deren Hilfe Abituraufgaben erstellt werden, näher erläutert werden, findet sich unter „vergleichen“ folgende Definition:

    „auf der Grundlage von Kriterien Sachverhalte problembezogen gegenüberstellen, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Teil-Identitäten, Ähnlichkeiten, Abweichungen oder Gegensätze herauszufinden“.

    Das darf man dann wohl auch von einer ministeriellen Synopse erwarten, nämlich dargestellt zu bekommen, wo im künftigen Abitur Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Teil-Identitäten etc. mit dem bisherigen bestehen. Denn als künftiger Abiturient ist man doch daran interessiert, was auf einen in der Oberstufe zukommt. Man kann darüber hinaus erwarten, dass gerade die, die von Schülern substanzielle Vergleiche fordern, diese auch selbst kompetent anstellen können und wollen. Was aber sieht man statt dessen? Eine Synopse bestehend aus nackten Gegenüberstellungen mit Streichungen und neuen (alten?) Formulierungen.
    Erkenntniswert für den interessierten Laien gleich Null!
    Da kann man nur sagen: Ungenügend! Setzen!

  • 2 Kristof // 25 Mrz 2009 um 01:23

    Der geneigte Leser meint: erschlagend! Inhaltlich möchte ich mich mit dem Werk jedenfalls nicht auseinandersetzen. Genauso gut könnte man von mir verlangen ein nicht alphabetisch geordnetes Nachschlagewerk zu verwenden. Wozu ein PDF bereitstellen, wenn auf die grundlegenden Funktionen verzichtet wurde? – Von Lesezeichen/Hyperlinks vom Inhaltsverzeichnis zum jeweiligen Abschnitt keine Spur.

    Die Synopse ist dagegen regelrecht euphorisierend. Selbstverständlich nur aus Sicht des programmierenden Informatikers, der es gewohnt ist, überarbeiteten Quellcode mit dem Original in eben dieser Art und Weise zu betrachten bzw. den originalen Quellcode mit einer sog. Diff-Datei, die ähnlich der o.g. Synopse aufgebaut ist, zu patchen. Mehr als ein Patch ist es wohl auch nicht… eher sogar ein Patchwork, ein Flickenteppich…

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