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Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht

6. März 2009 · von Miller · 2 Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

An vielen Schulen und in zahlreichen Abschlussprüfungen – vor allem im Fach Englisch, zum Teil auch in Französisch und Spanisch – wird eine alte, sehr sinnvolle Aufgabenform neu entdeckt: die Sprachmittlung. Sinn einer Sprachmittlung ist es, jemandem wesentliche Aspekte aus einem gesprochenen oder geschriebenen Text zu vermitteln, dessen Sprache er nicht versteht; d.h., den wesentlichen Inhalt, das Wichtige oder für den anderen Interessante aus einem deutschen Text sinngemäß – also in der Regel nicht wörtlich übersetzt – in Englisch wiederzugeben. Oder auch umgekehrt: Wesentliches aus einem englischen Text sinngemäß auf Deutsch zusammenzufassen.

Konkretes Beispiel gefällig?

Welchen konkreten Anwendungsbezug Sprachmittlung haben kann, soll im Folgenden eine Sprachmittlungsaufgabe verdeutlichen, die sich auf den Zornausbruch des damaligen Trainers von Bayern München, Giovanni Trapattoni, auf der berühmten Pressekonferenz am 10. März 1998 bezieht. Auch hier gilt es aus einer – allerdings nicht eindeutig zu bestimmbaren – Fremdsprache in sinnvolles Deutsch zu vermitteln:

Aufgabe: Fassen Sie zusammen, was Trapattoni sagt und was er eigentlich meint.

Giovanni Trapattonis Rede:
„Sind Sie bereit?
Stellen mir die Fragen, wenn hören o verstehen schlecht meine Wörter, bitte. Es gibt im Moment in diese Mannschaft, oh, einige Spieler vergessen ihnen Profi was sie sind. Ich lese nicht sehr viele Zeitung, aber ich habe gehört viele Situationen.

Erstens. Wir haben nicht offensiv gespielt. Es gibt keine deutsche Mannschaft spiel offensiv und die Name offensiv wie Bayern. Letzte Spiel hatten wir in Platz drei Spitzen: Elber, Jancka und dann Zickler. Wir mussen nicht vergessen Zickler. Zickler ist eine Spitzen mehr, Mehmet e mehr Basler. Ist klar diese Wörter, ist möglich verstehen, was ich hab‘ gesagt? Dann. Offensiv, offensiv ist wie machen in Platz.

Zweite. Ich habe erklärt mit diese zwei Spieler: Nach Dortmund brauche vielleicht Halbzeit Pause. Ich habe auch andere Mannschaft gesehen in Europa nach diese Mittwoch. Ich habe gesehen auch zwei Tage de Training.

Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sei … sehen was passieren in Platz. In diese Spiel es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer! (…)“ (ohne Gewähr)
(Den Rest bitte selbst raushören und sprachmitteln … viel Spaß)

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2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Rainer Jung // 10 Mrz 2009 um 20:10

    Hier habe ich eine interessante Anregung für eine Aufgabe zur Sprachmittlung gefunden, die einmal nicht die sonst übliche Zusammenfassung wesentlicher Aspekte eines deutschsprachigen Textes in englischer Sprache (oder umgekehrt) einfordert.
    Am 20. Januar 2008 hielt Barack Obama seine Antrittsrede als 44. amerikanischer Präsident in Washington. Z.B. unter folgendem Link kann man die ganze Rede (in Englisch) abrufen:

    http://www.cnn.com/2009/POLITICS/01/20/obama.politics/index.html

    Dazu findet sich deutscher Sprache eine kommentierende Zusammenfassung unter dem Stichwort: „Was Obama in seiner Rede wirklich meinte“, die unter dem folgenden Link abgerufen werden kann:

    http://www.rp-online.de/public/article/politik/ausland/663610/Was-Obama-mit-seiner-Rede-wirklich-meinte.html

    Nun zur Aufgabe:
    Vergleichen Sie das englische Original mit der deutschen Zusammenfassung (bzw. Interpretation, denn ein „interpreter“ ist nicht nur ein Übersetzer, sondern immer auch ein Interpret!):
    Was ist angemessen wiedergegeben, was nicht?
    Was sollte wie geändert werden?

    Sie können aber auch Ihnen wichtige Aspekte jedes x-beliebigen englischsprachigen Beitrags im Netz für andere auf Deutsch zusammenfassen und kommentieren (statt wörtlich zu übersetzen) und haben so „Sprachmittlung“ sinnvoll angewandt.

  • 2 Miller // 12 Mrz 2009 um 20:42

    Danke für das recherchierte Unterrichtsmaterial und die Aufgabenstellungen. Das können m.E. Englischlehrer gut einsetzen, ersparen sich einige Mühen der Unterrichtsvorbereitung.
    Das Gute tun ist die eine Sache, darüber sprechen und publik machen die andere.

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