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Einträge vom März 2009

Bildungsserver Hessen: Einfach peinlich

31. März 2009 · von frankmackay · 12 Kommentare

Bildungsserver Hessen: Einfach peinlich

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Tags: Abitur · Gymnasium

Mathematikpannen & Witz im Landesabitur 2009

28. März 2009 · von Miller · 7 Kommentare

Mathematikpannen & Witz im Landesabitur 2009

In Hessen wird zurzeit das Landesabitur geschrieben: am 20. März eröffnete Biologie im 1. Bildungsweg den schriftlichen Reigen, gestern war Mathematik dran und das mit handfesten Pannen.
Da wird im Grundkurs Mathematik schon mal ein t mit einem x und ein + mit einem – Zeichen  verwechselt mit fatalen Auswirkungen auf die ( Nicht)- Lösbarkeit der Aufgabe. Im Leistungskurs funktionierte der alternative Weg einfach nicht. Solche Pannen sind peinlich, aber eben nicht in jedem nur denkbaren Fall auszuschließen – sonst wäre es eben keine Pannen.

Die meisten SchulleiterInnen und Kollegien haben souverän reagiert, die Pannen vor der Abitureröffnung korrigiert und für einen reibungslosen Ablauf gesorgt, so z.B. das Rebein-Gymnasium in Hanau (damit nicht immer Frankfurter Schulen erwähnt werden). An einigen Schulen war jedoch die Pannenhilfe nicht schnell genug oder es wurde mitgeschlafen. Dort haben Schüler selbstverständlich ein Recht auf Wiederholung der Abiprüfung. Bei einer eindeutigen Benachteiligung ist dies von Schülern / Eltern beim Schulleiter ggf. beim Ministerium direkt anzuzeigen. Dafür braucht man kein Jurastudium, sondern es genügt der gesunde Menschenverstand.

Zum gesunden Menschenverstand gehört aber auch der Witz. Der fehlte bisher leider  im Abi, soll hier aber stellvertretend nachgeholt werden:

Ein Religionslehrer, ein Physiklehrer und ein Mathelehrer stehen auf einem brennenden Hochhaus. Der einzige Ausweg besteht in einem großen Sprung auf das benachbarte 3-Stock tieferliegende Hochhaus mit einem Swimmingpool auf dem Dach. Der Religionslehrer sagt: Ich spring als erster, habe den göttlichen Beistand. Kurzes Stoßgebet gen Himmel und ein großer Sprung –leider verfehlt und schneller Fall in die unendliche Tiefe des Todes. Der Physiker zieht seinen Taschenrechner, rechnet wild, berechnet  Winkel und Absprungdynamik, peilt die Flugkurve und rechnet erneut. Dann springt er und landet sicher mitten im Pool. Der Mathematiker, beeindruckt von seinem verwandten Kollegen, zieht seinen Taschenrechner, rechnet wild, peilt, rechnet erneut. Dann springt er —— und steigt und steigt und steigt. Was war passiert? VORZEICHENFEHLER! Genau wie im gestrigen Abitur.
(Hat mir in dieser Version ein junger Referendar erzählt – solltet ihr ähnliche Witze kennen, bitte in Blog schreiben.)

Zum Schluss noch ein Hinweis auf das Potenzial von Videos und Unterricht (dank you tube ist vieles möglich), Mathematikunterricht mal anders. Mathe, Gedichte und Witz mit Prof. Ebeling, Uni Hannover, 6 Min. Online-Video.

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Tags: Abitur · Gesamtschule · Gymnasium

Bildungsstandards in der gymnasialen Oberstufe – ein erstes Gesamtkonzept

26. März 2009 · von Miller · 6 Kommentare

Bildungsstandards in der gymnasialen Oberstufe – ein erstes Gesamtkonzept

Und manchmal gibt es doch unerwartet Bewegung:

Ein in sich schlüssiger Entwurf von Bildungsstandards in der gymnasialen Oberstufe liegt in Hessen im 2. Bildungsweg vor und könnte als bundesweite Blaupause auch für den 1. Bildungsweg orientierend wirken. Der Entwurf für 14 Fächer (!) und für fächerübergreifende Projekte in einem überschaubaren Heft (98 Seiten) fand im rechtlichen Beteiligungsverfahren die Zustimmung des mitbestimmungspflichtigen Landesstudierendenrats und könnte jetzt in Hessen gelten. Eine dreijährige Entwicklungszeit, unter starker Beteiligung der Praktiker vor Ort, käme so zum Abschluss und Initiativen vielfältiger Ausgestaltung einer verbesserten Unterrichtsqualität könnten richtungsgebend arbeiten. Insgesamt lassen sich die einzelnen Funktionen und Wirkungen von verbindlichen Bildungsstandards folgendermaßen zusammenfassen:

  • Standards als Anstoß für Unterrichtsverbesserung und Schulqualität
  • Standards als Ausgangspunkt fachlicher und fachübergreifender Kommunikation
  • Standards als Motor kollegialer Kooperation und weiterer Professionalisierung
  • Standards als diagnostische Bezugsgröße für individuellen Förderbedarf
  • Standards als Referenzsystem zur Vergleichbarkeit von Leistungen der Schulen, des jeweiligen Lernstandes und der entsprechenden Abschlüsse.

Bisher hatte das Ministerium das Ergebnis unter Verschluss gehalten, jetzt stehen die Bildungsstandards für die Öffentlichkeit im Netz, dazu noch ein Begleitbrief – „Bildungsstandards, Kompetenzen und neue Lernkulturen“ – der die Hintergründe der Debatte und Fragen aus Schulen, Wissenschaft und Verbänden beantwortet. Im Begleitbrief heißt es pointiert:
„Die Lehrenden sind die entscheidenden Träger dieser Bildungsreform insofern, dass sie diesen Transformationsprozess hin zu einer Subjektorientierung/ Lernerzentrierung stützen. „Die Verantwortung für die Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen bis hin zur Ausarbeitung eines Schulcurriculums wird stärker an die Schulen zurückgegeben, aber nicht unbedingt an den einzelnen Lehrer, sondern beispielsweise an Fachteams. (…) Die Lehrkräfte sollten eine klare Vorstellung darüber entwickeln können, welche Chancen auf kürzere und auf lange Sicht mit der Stärkung ihrer professionellen Rolle in der Arbeit mit Bildungsstandards verbunden sind. Vor allem aber müssen ihnen Handlungsgerüste angeboten werden, die Sicherheit vermitteln und eine erfolgreiche Nutzung von Standards gewährleisten.“ („Klieme –Gutachten“, 2003, S.51).
Lernende sind in der Lage, selbständig zu denken.
In dieser Verantwortung eingebettet können Bildungsstandards einen sinnvollen Beitrag zur Qualitätsverbesserung des Unterrichts leisten. Daran misst sich die Alltagstauglichkeit für die Lernenden in besonderem Maße.“

Der Entwurf gliedert sich in drei Teile, besticht in seiner Diktion und Prägnanz:

In Teil I werden fünf fächerübergreifende Kompetenzen und zugeordnete Standards in Korrespondenz mit der klassischen Leitidee einer umfassenden Bildung entwickelt. Tradition und Innovation sind durchaus vereinbar.

In Teil II werden im Rahmen der vierzehn angebotenen Fächer vor allem fachbezogene Kompetenzen und Standards formuliert. Diese tragen den besonderen Anforderungen der jeweiligen Fachgebiete Rechnung und zeigen zusätzlich fächer- bzw. fachbereichsübergreifende Vernetzungsmöglichkeiten auf, z. B. argumentativ-kommunikative Kompetenzen, interkulturelle bzw. interdisziplinäre Kompetenzen.
Die unterschiedliche Tiefe in der stofflich-inhaltlichen Darlegung innerhalb der Kompetenzbereiche berücksichtigt die jeweilige Spezifik eines Fachs. So sind klare inhaltliche Festlegungen auch im Rahmen eines Kompetenzkonzepts unverzichtbar: in den Gesellschaftswissenschaften im Sinne gesellschaftlich weit gehend konsensualer Hintergrundannahmen, in den Naturwissenschaften bzw. Mathematik im Sinne eines gesicherten Forschungsstandes. Hingegen kann im Bereich der Sprachen stärker auf inhaltliche Festlegungen verzichtet werden, da der kompetente Spracherwerb und Sprachgebrauch selbst Inhalt und Medium zugleich darstellt. Im Rahmen des Kompetenzkonzepts gilt als Richtschnur für alle Fächer exemplarisches Arbeiten.

In Teil III werden Aufgabentypen, Operatoren und Beurteilungsmodule als Ausdruck von Bildungsstandards im Unterricht festgelegt, um für die Studierenden /Oberstufenschüler mehr Unterrichtstransparenz und Orientierung zu garantieren. Die Bildungsstandards ersetzen in ihrer Leitfunktion die bisher existierenden Rahmenpläne/ Lehrpläne. Die Alltagstauglichkeit für Studierende/ Lernende zeigt sich vor allem im souveränen Umgang mit unterschiedlichen Aufgabentypen und deren Wandlung in konkrete Aufgaben. Die Lernenden sind Mitgestalter des Unterrichts und können mithilfe des Operatorenrads selbständig sinnvolle Aufgaben generieren. Selbstverständlich sollen erwachsene Studierende (und im Prinzip auch jeder Oberstufenschüler im Gymnasium) Bildungsstandards lesen; sie sind nicht so geheimnisvoll, dass Schüler sie nicht verstehen könnten.
3 bis 4 Seiten pro Fach genügen zur Orientierung. Hieraus entwickeln sich Neugier- und Arbeitspläne, die an den Schulen, im konkreten Unterricht unter allen Beteiligten diskutiert und ausgehandelt werden. Die Freiheit des forschenden Geistes, auch von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die notwendige Arbeitshaltung und Selbstdisziplin sind eben nicht durch „Zwangsbeglückungen“ in Form kleinkarierter Detailvorschriften bzw. verordneter Leselisten zu erreichen. Der Mensch ist ein emotionales und lachendes Wesen und kein kognitiver Maschinenkrüppel.

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Tags: Abitur · Bildung · Bildungsstandards · Dunkelkammer · Gymnasium · Unterricht

Neues Abitur in Hessen?

24. März 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Neues Abitur in Hessen?

Oder nur neues Regelungsgestrüpp für die gymnasiale Oberstufe und das Abitur?

Brandaktuell gibt es auf der Homepage des Hessischen Kultusministeriums einen Entwurf einer Gesamt-Abiturverordnung. Das nennt sich jetzt: „Oberstufen- und Abiturverordnung (OAVO) Stand 19.03.2009“ und soll Ende 2009/ Anfang 2010 in Kraft gesetzt werden. Der Geltungsbereich soll Gymnasien, berufliche Gymnasien, Schulen für Erwachsene, Oberstufen von Gesamtschulen und externe Nicht-Schülerprüfungen umfassen.

Die geneigte Leserin sagt sich da: Warum nicht?
Wenn’s dem Fortschritt dient. Wenn Interessen und Lebenssituationen von vielen Menschen besser berücksichtigt werden. Wenn Bürokratie eingedämmt wird und ein knapp gefasster Text hervorkommt. Wenn eine Gesamtverordnung mit klaren Vorteilen aufwarten kann. Warum nicht?
Indes reibt sich die geneigte Leserin die Augen:
Was ist das für ein aufgepumptes Paragraphen-Machwerk? (104 Seiten). Dann fällt ihr immer noch entspannter Blick auf die Synopse des GANZEN. Prima, kurz einen Überblick (5 bis 10 Seiten), eine Gesamtschau gewinnen, bevor es in die Details geht. Schlagartig verdunkelt sich ihr Blick: 210 Seiten (!) Synopse, ein primitiv aufgelisteter Detailvergleich jedes einzelnen Paragraphen, jeder einzelnen Formulierung und kein Überblick, keine argumentative Darlegung der Nützlichkeit des neuen Vorhabens.
Welche Zauberlehrlinge waren dort am Werk?
Der neuen Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) kann man das noch nicht anlasten, jedoch sollte sie ab jetzt genau hinsehen, was „ihr Ministerium“ so alles zu einem Gesamten meint verwursten zu müssen. Das letzte Wort kann das aus Wiesbaden nicht gewesen sein.

Was dazu wohl der geneigte Leser meint?

OAVO und Synopse stehen zum Download auf der HKM-Homepage zur Verfügung.

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Tags: Abitur · Berufsschule · Bildung · Gesamtschule · Gymnasium

Hide aways zur Chillout-Zone mit Relax-Treatments

23. März 2009 · von frankmackay · 4 Kommentare

Hide aways zur Chillout-Zone mit Relax-Treatments

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Diesen Flyer bekam ich gleich nach der Geburt meines Sohnes im Krankenhaus. Viel spannender, sowie inspirierender finde ich die Bilder und Reiseberichte von „Siljas Reisen“ und den Möglichkeiten mit kleinen Menschen die Welt zu entdecken – ohne Shuttleservice vor der Hoteltür.

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Tags: Vorbilder

Deutschland: Vielschichtige Geschichtsbilder

20. März 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Deutschland: Vielschichtige Geschichtsbilder

Die Bundesrepublik Deutschland wird 60, die Mauer ist durch Massenproteste und einen gewieften Einheitskanzler Kohl vor 20 Jahren gefallen. Im Jubel des ganzen Jahres 2009 (ja wo laufen denn die jubelnden, heiteren, befreiten Menschen in Ost und West?) wird nebenbei 1945-49 vergessen. „Mein Deutschland“ heißt die große Serie in der ZEIT, die gestern gestartet wurde.

Was der Bildungswirt dazu u.a. meint, lesen Sie hier.
Der Politapparatschik Günter Schabowski stammelte am 09.Nov. 1989 zur Maueröffnung: „Das trifft nach meiner Kenntnis  … ist sofort, unverzüglich.“ Die ZEIT meint doch, dass er „Weltgeschichte“ geschrieben hätte. Mit Verlaub, 3 Tage später wäre ein anderer SED-Betonkopf gekommen … Der Treppenwitz-Geschichtsgestalter kommt zur späten Einsicht: „Letztlich hatte der Mauerfall neben seinem weltverändernen Impuls auch den Beton in einem Parteikopf bersten lassen – in meinem eigenen.“ Immerhin. In den nächsten Monaten werden vielschichtige Versionen der Geschichte auf uns niederrieseln. Auch Bert Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“ könnte mal wieder herausgezogen werden.

Aufgabe: Untersuchen Sie das dargebotene Bildmaterial. Schreiben Sie Ihre Ergebnisse in den Kommentar.

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Tags: Allgemein · Bewusstsein · Bildung · Literatur / Film · Unterricht

Bildungsgipfel und Bildungsleere

16. März 2009 · von Miller · 5 Kommentare

Bildungsgipfel und Bildungsleere

Manchmal erinnert man sich gerne an alte Zeiten. Manche Artgenossen, sagen wir gutgläubige Menschen, meinen gar, dass man aus der Geschichte lernen könnte – die Bildung also voranschreite, es sogar zur Weiter-Bildung komme. Die weniger Gutgläubigen meinen eher: Es geht nicht um Bildung, sondern um  WEITER und WEITER oder die galoppierende Bildungsleere. Bei BildungspolitikerInnen weiß man noch nicht so genau, wohin sie gehören, was sie denn selbst ohne ihre Berater meinen.

Erinnern wir uns doch gemeinsam:

„Unerlaubtes Fehlen in der Schule sei  nicht erlaubt. “ (Sprecher eines Kultusministeriums 2008). Da springt einem doch die geballte Geisteskraft ins Auge….mehr dazu im Video:

Und als Blogger-Übung für Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen: Schreib‘ doch deinen Kommentar in den Blog oder dreh dein eigenes Video für die Blogosphäre.

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Tags: Bewusstsein · Bildung · Bildungsgipfel

Plug & Play

13. März 2009 · von Heinrich Siebziger · 2 Kommentare

Plug & Play

„Plug & Play“ – Das Zauberwort der Medienwelt im Umgang mit dem multifunktionalen, auch kulturellen Angebot unserer Tage. –
Aber wie ist es mit der zeitraubenden und aufreibenden Unterrichtsvorbereitung der Pädagogen bestellt?
Die dafür vermeintlichen Schlüssel sind Schubladen, gefüllt mit Lernmaterial aus vergangenen referendarischen, studentischen oder schulischen Zeiten, das per se nur dazu geeignet ist, Lernprozesse bei Lernenden und bei Lehrenden auf starre Strecken zu führen oder in einem Verschiebebahnhof enden zu lassen.
Wer auf geraden Strecken fährt, läuft Gefahr die Geschwindigkeit zu steigern, kann vorbeieilende Details nicht definieren und kann sie schon gar nicht verarbeiten oder darauf reagieren.
Was macht der Reisende in diesem Fall? – Er isst und trinkt, holt die Spielkonsole hervor, unterhält sich – vielleicht ungebeten – mit den Mitreisenden oder schläft eine Weile. Im Verschiebebahnhof kommt dann zu den schon genannten Beschäftigungen noch eine große Verunsicherung hinzu.
Eigentlich wollte ich etwas zur Unterrichtsvorbereitung und zum Unterricht ausführen und bin schnurstracks in einer metaphorischen Schublade gelandet.

Schon in den 50er Jahren hat man versucht, verstaubte Schubladen einer unsäglichen Zeit zu entrümpeln. Einige Schubladen hat man dabei übersehen. In den verbleibenden blieben Stoffpläne. Lehrpläne? – Nein, Stoffpläne. In der Sexta obligatorisch dieser Stoff, in der Untertertia jener, in der Oberstufe dann Goethe, Shakesspeare, Ovid. Die inhaltliche Auswahl wurde nicht unwesentlich von Vorkenntnissen des Pädagogen aus seiner Jugendzeit (s.o.), von Vorlieben, Erfahrungen und den besagten Schubladen mitbestimmt. Man fühlte sich an ministeriellen Vorgaben gebunden und führte sie zu seiner Entschuldigung als Berechtigungsnachweis an.
Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost … immer wieder verwenden und nach dem Prinzip „Plug & Play über den Schülerinnen und Schülern ausbreiten. Die Folgen? – siehe Metapher oben.

In den 70er Jahren kam dann ein Professor aus Marburg (Prof. Klafki ), der vom damaligen Kultusminister Ludwig von Friedeburg (SPD) und seiner Staatssekretärin Hildegard Hamm-Brücher (FDP)beauftragt, von Emanzipation der Schüler von Zwängen und für Bereitschaft zur Eigenverantwortung und Kreativität in Schule, Beruf, Familie und Freizeit sprach.

Es führt hier zu weit, diese Aufbruchstimmung für Schüler und Lehrer im Detail und fachbezogen zu beschreiben. Aber eines wurde klar: Die Fachdidaktik ging neue Wege, nicht immer auf geraden Strecken, sondern auch mit Weichen, Kreuzungen und Kurven ausgestattet, endete sie jedoch nie im Verschiebebahnhof. Wer ins Schleudern kam, waren Lehrer mit Schubladendenken.
Jetzt hieß es Unterrichtsstrategien entwickeln bzw. von Schülerinnen und Schülern entwickeln zu lassen, kritisch zu hinterfragen, Alternativen zu entwickeln und auf andere Lernbereiche zu übertragen. Das ging natürlich nicht ohne Unterrichtsmaterial, auf das man zurückgreifen konnte oder in neuem Lernmaterial vorfand. Es wurde aber nicht vorgegeben sondern unter didaktischen Gesichtspunkten ausgewählt und zugeordnet. Das förderte Motivation und Lernvermögen sowie Befähigung zu eigenverantwortlichem Handeln bei Lehrern und Schülern.

Dem didaktisch und methodisch Planenden standen damals aber noch nicht die Mittel heutiger Unterrichtstechnologien, wie z.B. PC und Internet zur Verfügung.

In Wiesbaden wurde das HIBS (= Hessisches Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung) ins Leben gerufen, das in enger Kooperation mit dem Kultusministerium arbeitete. Die neuen Rahmenrichtlinien wurden von Fachleuten und solchen, die sich für kompetent hielten wie auch von ausgewiesenen Laien diskutiert. Die RRL wurden zur Erprobung an die Schulen mit viel Papieraufwand geschickt, (punktuell) auch erprobt und auf Veranstaltungen diskutiert. In dieser Vorlaufphase waren noch am wirksamsten Veranstaltungen des HILF (Hessisches Institut für Lehrerfortbildung) und Besuche von „Fachmoderatoren an Hessischen Gesamtschulen“ ( in den 70er Jahren auf 120 integrierten und additiven Gesamtschulen in Hessen angewachsen). Es lässt sich sicher nachvollziehen, wie zeitintensiv, kostenintensiv und wie umständlich diese Vorgehensweise war.
Die Resultate waren recht bescheiden, scheiterte das Vorgehen oft an ideologischen, parteipolitischen Grabenkämpfen und nicht zuletzt an schwerfälligen, uneinsichtigen und wenig lernbereiten Kollegien. Vielerorts fiel man wieder zurück in die „Schubladenpädagogik“ vergangener Tage.

Gegenwärtig sind auf zwei Ebenen neue Denkansätze zu beobachten.
Zum einen wurde durch die Gründung des Instituts für Qualitätsentwicklung
(- verbesserung?, -wahrung?, -kontrolle?)
an den Auftrag des HIBS aus den 70er und 80er Jahren (unbewusst?) angeknüpft und durch die Entwicklung von Bildungsstandards fortgeführt.
Zum anderen sollen die einzelnen Schulen breiteren Entscheidungsfreiraum erhalten.

Hierin liegt die große Chance aber auch die Verpflichtung einer Neuorientierung.
Der Hebel muss dabei m.E. in der Lehrerausbildung und in der Schule angesetzt werden.
Die Lehrerausbildung müsste grundsätzlich an den Hochschulen und Universitäten positioniert und dort neben der Fachausbildung frühzeitig in die Arbeitswelt eingeführt werden. Bereits dort lassen sich berufliche Fehleinschätzungen und Fehlentwicklungen vermeiden, dagegen pädagogische Begabungen fördern sowie Motivation und Offenheit für Neues nutzen. In Ansätzen ist dies auf dem Gebiet der Musiklehrerausbildung bereits seit 1986 an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellenden Kunst Praxis mit von Mentoren begleitenden Unterrichtssequenzen und einer Lehrprobe als Teil des 1. Staatsexamens.
Exkurs:
In einer Pressemitteilung von heute, dem 13.03.2009, wird vom Beginn einer grundlegenden Reform der Lehrerausbildung berichtet, die solchen Notwendigkeiten Rechnung tragen soll.
Wenn dabei, wie vorgesehen, die Lehramtsstudiengänge auf 6 Semester (Bachelor) bzw.
4 Semester (Master) angelegt werden, sollte überprüft werden, ob die Eingangsvoraussetzungen hierfür vergleichbar sind und den fachlichen Anforderungen genügen. Nur so kann m.E. einem „circulus vituosus“ begegnet werden, der kaum dazu geeignet wäre, die fachlichen Qualitäten angehender Pädagogen mit deren didaktisch-methodischer Qualifizierung in Einklang zu bringen und zu optimieren.

Schulen sollten bei der Entwicklung von Schulprofilen im Bereich der Unterrichtsplanung nicht alleine gelassen werden und Unterstützung durch das IQ erwarten sowie sich der Errungenschaft unserer technisierten Welt bedienen können.
Hierzu bietet das Internet mit der Vielfalt von Vernetzung eine nicht zu unterschätzende Chance, aus dem Schubladendenken herauszuführen, die lange unterschätzen Fähigkeiten unserer Schülerinnen und Schüler und auch der Lehrerinnen und Lehrer zu nutzen und neue Zugangsmöglichkeiten zu motivierenden Lernprozessen bei Schülern und Lehrern in Gang zu setzen.
Dies kann ganz besonders durch begleitende Maßnahmen, z.B. durch Einbeziehen des Internet geschehen, in dem beispielhaft Materialien und Informationen abgerufen werden können. Hier wird eine Plattform für Schulbuchverlage geschaffen. Hier können Vertreter aus Wirtschaft, Kultur oder Geistes- bzw. Naturwissenschaften über Beraterverträge Beiträge einbringen. Darüber hinaus lassen sich zusätzlich unzählige weitgreifende und erweiternde Informationen aus dem Internet beschaffen, wobei die Initiative primär von den Schülerinnen und Schülern ausgehen kann und sich die Tätigkeit des Pädagogen auf handwerkliche Hilfestellung bei jüngeren Jahrgängen und auf Beratung beschränken sollte.

Die Nutzung dieser Chancen und eine flächendeckende Einrichtung von Ganztagsschulen können zu einer Effizienzoptimierung beitragen. Es wäre sogar denkenswert, nach Interessenlage in Arbeitsgruppen jahrgangs- und schulformübergreifend, was ja bereits schon lange in Schulorchestern, Schulchören und anderen AGs praktiziert wird, vorzugehen und dort den „Chatroom“ und ganz allgemein das Internet als Informationsquelle zu nutzen und auszuwerten.
Warum sollte sich dies alles nicht positiv auf eine neue Pisa-Studie auswirken?

Aus dem eingangs erwähnten, scheinbar alles vereinfachenden „Plug&Play“- Begriff kann mit pädagogischem Anspruch nach dem Motto „Pluggen Sie noch oder playen Sie schon“ eine segensreiche Einrichtung mit ungeahnten Perspektiven werden.

Die EZB (=Europäische Zentralbank) hat jetzt, als das Kind bereits in den Brunnen gefallen war, einen „Ethikberater“ berufen, der die Banken beraten und sie auf ethische Prinzipien und Notwendigkeiten hinweisen soll.
Im Prinzip ist diese Einrichtung, wenn auch auf einer anderen Ebene, mit der schulischen Situation vergleichbar.
Für einen neuen didaktischen und methodischen Ansatz für die Schulen ist es noch nicht zu spät, aber höchste Zeit!

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Tags: Bildung · Dunkelkammer · Gesamtschule · Unterricht