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„Die Klasse“ im Chat – das Filmereignis 2009?

20. Januar 2009 · von frankmackay · 2 Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

Kinoeintrittskarte: Die Klasse

Der französische Film Die Klasse von Laurent Cantet (in deutscher Fassung) läuft aktuell in den Kinos. Als Buchvorlage diente Entre les murs (Zwischen den Mauern) des Französischlehrers Francois Begaudeau; er spielt im Film selbst die Hauptrolle. Im letzten Jahr preisgekrönt mit der goldene Palme in Cannes, von ttt empfohlen und ndr.kultur.de meint „…von einem Lehrer, der die Schlacht der Bildung schlägt.“ Naja …
Pädagogen, Eltern und einige Schüler strömen in die Kinohallen, so auch wir.

F.M.: So eben noch im Film „Die Klasse“ nun im Chat?
Außer schlecht angezogene Lehrer im Film UND im Kino… Wie gefiel er dir?

Ramba: Erstes unreflektiertes Feedback: Bei den Lehrern würde ich als Schülerin auch irgendwann ausrasten.

F.M.: Ja, irgendwie dürftige Pädagogen und warum machen sie diesen Stoff? Naja, wenigstens stellten die Schüler hin- und wieder noch Fragen, die etwas mit „Lernen“ zu tun hatten!!!

Ramba: Die Klasse, die dargestellt wurde, war keine Klasse, wie man sie sich klischeehaft als „Problemklasse“ vorstellt und sollte doch eine sein. Aber warum?

Ramba: Die Schüler haben Interesse gezeigt an dem, was sie im Unterricht durchgenommen haben. Das hat sich zum Beispiel daran gezeigt, dass sie hinterfragt haben, was sie lernen mussten. -> Warum müssen wir diese Konjugationsform kennen? So spricht doch kein Mensch.

Ramba: Wer so interessierte Schüler hat, der sollte ihnen nicht mit komischen Aufgaben kommen wie: Schreibt eure Gefühle auf in einem Selbstporträt…

F.M.: Ja, irgendwie sehr merkwürdig diese Selbstporträts, aber vielleicht als autobiographischer Ansatz nicht ganz auszuschließen…, nur der Lehrer erklärt nicht, warum er es macht. Der Sinn bleibt aussen vor.

Ramba: Ich glaube, ich bin mit der Erwartung in den Film gegangen, dass man die Probleme sieht, denen ein Lehrer „heutzutage“ gegenübersteht. Dabei ist das eher ein Film, der zeigt, welche Probleme die Schüler haben, wenn sie sich so hilflosen Lehrern gegenüber sehen, von denen man den Eindruck hat, sie wissen auch nicht so richtig, was sie wollen.

F.M.: Naja, am Schluss kicken sie zusammen Fußball und Suleyman, der „Problemschüler“, ist wohl in seinem Dorf in Mali abgeschoben worden …

Ramba: Ja, das ist auch seltsam. Irgendwie plätschert der Film ja so dahin, ist aber aufgrund der ewigen Diskussionen, die zu nichts führen, im Klassenzimmer und in den Lehrerkonferenzen wirklich anstrengend. Und dann zum Schluss kicken Schüler und Lehrer fröhlich miteinander, Suleyman wird gar nicht mehr thematisiert und auch der Kinozuschauer ist froh, dass endlich Ferien sind.

F.M.: Angenehm fand ich die Schülerin am Ende, die ihrem Lehrer sagte, sie habe nichts gelernt – dafür hätte ich als Lehrer, auch an deutschen Schulen, viel Verständnis, denn es bleibt unklar, was die Schülerin denn hätte lernen sollen, der Lehrer war völlig hilflos und konnte ihr nicht weiterhelfen.

F.M.: Die klassische Frage nach Bildung – gehts um das Lernen lernen oder um Plattentektonik, Eizellen, chemische Reakionen…

Ramba: Was bleibt ist ein Gefühl, dass der Film etwas vermitteln wollte, was er nicht vermitteln konnte…


Filmtrailer:

und Kritik .

Kategorien: Berufsschule · Bewusstsein · Bildung · Dunkelkammer · Literatur / Film

2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Lea Kaufmann // 29 Jan 2009 um 12:00

    Die durch die Hölle gehen

    Na, da bin ich aber froh, dass es noch jemanden gibt, dem es erging wie mir. Ich würde vorschlagen: wer den Film noch nicht gesehen hat, unbedingt reingehen! Und wer es bis zum Ende aushält, bekommt zur Belohnung etwa 150 Kardinalfehler par excellence geboten. Eigentlich ein MUSS für alle angehenden Lehrer. Nach dem Motto: Alles, was ein Lehrer falsch machen kann.
    Der Film-Dienst schrieb dazu:“… man geht mit dem Lehrer François durch die Hölle.“ Aber sein wir doch mal ehrlich: schluffig, unmotiviert, phantasie- und sprachlos, pupertär gekränkt (du sollst aber nicht Du zu mir sagen … und überhaupt, ich darf eben was, was du nicht darfst …), frontal, unspontan, nicht wirklich etwas sinnvolles, lebenstaugliches anbietend … so einen Lehrer wünscht man doch nicht einmal dem nervigen, vorlauten Kind seiner Nachbarin. Ich sage dazu: „Die durch die Hölle gehen – Kinder in den Fängen überforderter Lehrer und mittelalterlicher Schulstrukturen und Lehrmethoden.

  • 2 Nadja // 29 Jan 2009 um 21:24

    Ich stimme Lea im Grundsatz zu; nur der Lehrer kann grundsätzliche Sozialisationshintergründe der Schüler nicht verändern/beeinflussen.
    Man fragt sich jedoch, ob die Jury in Cannes verstanden hat, was sie da mit der goldenen Palme auszeichnete?

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