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Hessische Bildungspolitik: FDP und Grüne im Interview beim Bildungswirt

16. Januar 2009 · von Miller · 5 Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

Der Bildungswirt stellt hessischen Bildungspolitikern sieben Fragen vor der Landtagswahl am 18.01.2009. Hier die Antworten von Dorethea Henzler (FDP) und Mathias Wagner (GRÜNE) .

dorothea-henzler-fdp mathias-wagner-gruene Bildquellen: Die Internetseiten der Kandidaten.
Miller: 1. Was hat für Ihre Partei oberste bildungspolitische Priorität?

Henzler (FDP) Die FDP will die Qualität des Unterrichts verbessern und die individuelle Förderung jedes Schülers stärken. Dafür wollen wir den Schulen die notwendigen Rahmenbedingungen durch mehr Personal und mehr Finanzmittel sowie durch mehr Eigenverantwortung geben. Wir fordern eine 105%ige Lehrerversorgung an allen Schulen verbunden mit der Möglichkeit für die Schulen, davon 20 % in Geld zu erhalten, damit neben Lehrkräften je nach Bedarf auch Sozialpädagogen, Psychologen und sonstige Kräfte für eine gezielte Förderung und Unterstützung der Schüler eingestellt werden können. Wir setzen uns auch für den zügigen Ausbau von Ganztagsschulen und –angeboten ein, denn diese ermöglichen mehr Bildungschancen unabhängig vom Elternhaus. Für eine bessere Vorbereitung auf die Schule fordert die FDP, das dritte Kindergartenjahr in ein verpflichtendes Vorschuljahr in Landeszuständigkeit für alle Fünfjährigen umzuwandeln. Die Kinder sollen in diesem Jahr durch eine altersgerechte Pädagogik besser als bisher auf die Schulen vorbereitet werden. So erhalten alle Kinder gleiche Chancen am Schulstart.

Wagner (Grüne): Es ist Zeit für einen neuen Aufbruch für Hessens Schulen. Die Schritte, die gegangen werden müssen, um im Schulsystem mehr Qualität zu erreichen, sind bekannt. Gute Schulen werden vor Ort gemacht, daher muss die einzelne Schule in ihrer Arbeit für den einzelnen Schüler und die einzelne Schülerin in den Mittelpunkt gerückt werden. Unsere Schulen brauchen endlich Freiräume und Entwicklungsmöglichkeiten in pädagogischer, personeller, finanzieller und organisatorischer Hinsicht. Konkret bedeutet das unter anderem eine bessere Personal- und Sachausstattung, kleinere Klassen, mehr Zeit zum Lernen und zur individuellen Förderung durch Ganztagsangebote. Wir GRÜNE wollen den Schulen ihren Weg nicht von oben vorschreiben, sondern wir stehen für Schulreformen von unten.
Wir wollen wieder mehr in Bildung investieren, denn die Zukunft unserer Kinder muss uns etwas wert sein. Mit einem Maßnahmenpaket wollen wir für einen neuen Aufbruch an Hessens Schulen sorgen. Erster Baustein ist die Erhöhung der Landesausgaben für die Schulen um 300 Millionen Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre. Damit wollen wir mehr individuelle Förderung mit zusätzlichen Lehrerinnen und Lehrern in kleineren Klassen erreichen. Zweiter Baustein ist ein auf zehn Jahre angelegtes drei Milliarden Euro Investitionsprogramm zur Sanierung der Schulgebäude in Hessen. Zurückgehende Schülerzahlen werden wir in allen Schulformen nicht für Einsparungen im Bildungsbereich nutzen, sondern zur Qualitätsverbesserung, u.a. durch eine flexible Schuleingangsphase und kleinere Klassen. Zu einer besseren Schüler-Lehrer-Relation trägt auch die von uns GRÜNEN geplante 105-prozentige Lehrerversorgung bei. Zudem wollen wir es in den kommenden fünf Jahren der Hälfte der weiterführenden Schulen auf freiwilliger Basis ermöglichen, sich zu Neuen Schulen weiterzuentwickeln, die nach dem Vorbild des PISA-Siegerlandes Finnland längeres gemeinsames Lernen bis zum Ende der Mittelstufe ermöglichen.

Miller: 2. Sehen Sie einen Unterschied zwischen Bildung und Ausbildung? Wenn ja, welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Henzler (FDP) Das staatliche Schulsystem soll jungen Menschen sowohl eine umfassende Bildung zukommen lassen als auch ihre Ausbildungsreife sicherstellen. Schüler müssen deshalb stärker in die Lage versetzt werden, sich selbstständig Wissen zu erarbeiten und eigenständig nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Das Lernen von Fakten kann daher nur noch ein Teil der schulischen Arbeit sein. Genauso wichtig ist das Kennen und Benutzen der Neuen Medien. Auch der Lehrer soll in diesem Zusammenhang seine Rolle vom „Belehrenden“ hin zum Moderator und Lernberater für die Schüler ändern und seine Unterrichtsgestaltung darauf ausrichten. Damit Schule eine umfassende Bildung aller Schüler ermöglichen kann, muss sie zu einem Ganstagsbetrieb ausgebaut werden, denn so bietet sie die Möglichkeit über den reinen Fachunterricht hinaus auch interessante Bildungs- und Freizeitangebote zu unterbreiten.

Wagner (Grüne): Seit Wilhelm von Humboldt ist mit dem Wort Bildung auch das Moment der Selbständigkeit, also des Sich-Bildens der Persönlichkeit verbunden. Während Erziehung eher äußere Steuerungsimpulse der Persönlichkeitsentwicklung meint, bezieht sich Bildung wesentlich auf Prozesse und Ergebnisse der individuellen Verarbeitung und Aneignung. Im Gegensatz zu Ausbildung bzw. Berufsbildung ist Bildung nicht unmittelbar an ökonomische Zwecke gebunden. Häufig jedoch ist der Erwerb allgemein bildender Abschlüsse, insbesondere des Abiturs, Voraussetzung für den Zugang zu gut bezahlten Berufen. Wenn sich Bildung jedoch auf Ausbildung beschränkte, wäre das das Aus für Bildung in einem umfassend verstandenen Sinne.

Miller: 3. Soll Unterricht und Studium für die Lernenden auch in Zukunft kostenfrei sein, d.h. durch Steuermittel finanziert werden?

Henzler (FDP): Die FDP tritt für ein kostenloses staatliches Schulsystem ein, dessen Qualität sie konsequent ausbauen will. Daneben setzen wir uns auch für eine angemessene Finanzierung des Privatschulwesens in Hessen als qualitative Bereicherung des Schulsystems ein. Da die Diskussion um Studiengebühren eine große Unruhe gebracht hat, hat die FDP beschlossen, dass in der 18. Legislaturperiode keine Studiengebühren für das Erststudium eingeführt werden sollen.

Wagner (Grüne): Grundsätzlich sprechen wir uns für die Kostenfreiheit aller Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungsangebote aus, um Kindern und Jugendlichen unabhängig von den finanziellen Verhältnissen ihres Elternhauses gute Lern- und Bildungschancen zu ermöglichen. Allerdings hat im vorschulischen Bereich die Erfüllung des Rechtsanspruchs auf Betreuung – also die Schaffung zusätzlicher Plätze – für uns Vorrang vor der Ausdehnung der Kostenfreiheit.
Wir unterstützen lebensbegleitendes Lernen. Besonderer Förderung bedürfen Personen, die sonst keine Möglichkeiten haben, sich beruflich oder allgemein weiterzubilden. Dies gilt auch für Rückkehrer in das Berufsleben und für ältere Menschen. Das Nachholen aller Schulabschlüsse muss möglich sein. Dazu bedarf es des Ausbaus entsprechender Strukturen, gerade auch der Schulen für Erwachsene. Die Pluralität der Angebote und die Gebührenfreiheit staatlicher Bildungsabschlüsse sind dabei zu erhalten.
Wir GRÜNE stehen im Hochschulbereich für die Entwicklung guter Studienbedingungen und für eine gerechte Teilhabe an Bildung ohne Rücksicht auf die finanziellen Möglichkeiten des Elternhauses. Wir haben bei der Abschaffung der Studiengebühren eine führende Rolle gespielt. Damit haben wir dazu beigetragen, eine große Zugangshürde zu den Hochschulen zu beseitigen. Die CDU verfolgt wie auch ihr Wunschkoalitionspartner FDP mittelfristig weiter die Einführung von Studiengebühren. Weil Studiengebühren aber sozial ungerecht und bildungspolitisch falsch sind, müssen sie abgeschafft bleiben. Wir GRÜNE garantieren, dass es mit uns weiter keine Studiengebühren geben wird.

Miller: 4. Was halten Sie von den beiden Thesen:
a) Das Gymnasium ist die moderne Volksschule des 21.Jahrhunderts und
b) Wir brauchen in Zukunft eine signifikant höhere Abiturientenquote.

Henzler (FDP): Die FDP will alle drei Bildungsgänge Haupt-, Realschule und Gymnasium und deren Abschlüsse in ihrem Profil stärken und die Anschlussfähigkeit in den jeweils nächst höheren Bildungsgang für Schüler sicherstellen. So wird eine Ausbildung nach Neigung und Begabung erhalten und das Vertrauen in die Qualität aller drei Bildungsgänge gestärkt. Gleiches gilt für das Abitur und den Hochschulzugang. Wir wollen gewährleisten, dass nicht nur der Weg über das Gymnasium hin zum Abitur bzw. zum Studium führt, sondern dass dieser Weg auch über den Bildungsgang Hauptschule offen steht. Schüler sollen nach jedem Bildungsabschluss ermuntert werden, weiter zu lernen und den nächst höheren Abschluss anzustreben. Auch über berufliche Bildungsgänge muss ein Hochschulzugang für bestimmte Fachrichtungen ermöglicht werden. Wir sind der Auffassung, dass durch diese Anschlussfähigkeit in unserem Bildungssystem durch gezielte Aus-, Fort- und Weiterbildung der Fachkräftemangel in einzelnen Branchen besser bekämpft und die Qualifikation der jungen Menschen insgesamt stärker erhöht werden kann, als durch eine allgemeine Erhöhung der Abiturientenquote.

Wagner (Grüne): Sehr viele Eltern – die Tendenz ist weiter steigend – entscheiden sich nach der Grundschulzeit dafür, ihr Kind aufs Gymnasium zu schicken, auch unabhängig davon, ob die Grundschule eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen hat oder nicht. Dies stellt das Gymnasium vor neue Aufgaben, denn es muss der zunehmenden Heterogenität seiner Schülerschaft gerecht werden und ihr Potenzial umfassend entwickeln. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, für die Lehrerinnen und Lehrer geeignete Rahmenbedingungen und ein leistungsfähiges Unterstützungssystem benötigen.
Bislang hängen in Hessen die Bildungschancen immer noch viel zu stark von der sozialen Herkunft der Kinder und Jugendlichen ab. Das wollen wir ändern. Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Kein Kind darf zurückgelassen werden. Gute Bildung ist für das einzelne Kind und die Entfaltung seiner Persönlichkeit ebenso wichtig wie für die wirtschaftliche und technologische Entwicklung unseres Landes. Nur wenn es uns gelingt, alle Fähigkeiten zu entwickeln, ist unser Land zukunftsfähig. Wir brauchen mehr Abiturientinnen und Abiturienten und wir brauchen ein leistungsfähiges und leistungsförderndes Bildungssystem, das auch nach dem Schulabschluss nicht aufhört, sondern lebensbegleitende Angebote vorhält. Für den gleichzeitigen Erwerb eines Abiturs und einer Berufsausbildung werden wir verbesserte Möglichkeiten schaffen. Zudem wollen wir die Hochschulen in die Lage versetzen, in den kommenden Jahren tatsächlich mehr Studierende aufzunehmen. Nur so können wir die Bildungsbeteiligung und auch die chancengerechte Teilhabe an Bildung erhöhen, einem Mangel an hoch qualifizierten Fachkräften entgegenwirken und verhindern, dass sich die angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt durch Verdrängungseffekte weiter verschärft.

Miller: 5. Zahlreiche Analysen und Gutachten zur unzureichenden Lehrerbildung (Ausbildung, Fortbildung, Weiterbildung) sind seit Jahren bekannt. Was soll in den nächsten Jahren geändert werden?

Henzler (FDP): Die Lehrerausbildung muss stärker berufsvorbereitend und praxisorientiert gestaltet werden. Bereits in der ersten Ausbildungsphase, dem Studium, soll der Praxisanteil erhöht werden. Die FDP hat in der vergangenen Legislaturperiode einen Gesetzentwurf zu Veränderungen im Vorbereitungsdienst vorgelegt mit dem Ziel, die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst zu entlasten, damit sie mehr Zeit für die Unterrichtsvor- und –Nachbereitung haben. Die FDP setzt sich darüber hinaus dafür ein, dass vor der Zulassung zur zweiten Ausbildungsphase, dem Vorbereitungsdienst, der spätere Dienstherr die Eignung der Bewerber für das Lehramt durch eine Eignungsprüfung durch das Amt für Lehrerbildung feststellt. Denn nur die für dien Lehrerberuf am besten geeigneten Kandidaten sollen zum Vorbereitungsdienst zugelassen werden. Nur so kann die Qualität des Lehrerberufs sichergestellt werden.

Wagner (Grüne): Wir wollen die Fortbildung und das Unterstützungssystem für Lehrerinnen und Lehrer verbessern. Die Aufgaben der Lehrerinnen und Lehrer und die an sie gestellten Erwartungen sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Wir werden daher ein leistungsfähiges Unterstützungssystem für unsere Schulen schaffen, um durch Qualifizierung der Lehrerinnen und Lehrer sowie Einbeziehung anderer Professionen den Anforderungen an Schule gerecht werden zu können. Konkret werden wir
• die Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung ausbauen und stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen orientieren. Das unsinnige, bürokratische und auf tiefem Misstrauen basierende Sammeln von Fortbildungspunkten schaffen wir ab;
• die bisherigen Unterstützungsleistungen der Staatlichen Schulämter und kommunalen Schulträger in regionalen Bildungsbüros zusammenfassen und ausbauen (z.B. im Bereich der Schulsozialarbeit und des schulpsychologischen Dienstes) und so den Schulen Unterstützung aus einer Hand liefern. So kommt die Vernetzung zwischen Jugendhilfe und Schule einen entscheidenden Schritt voran;
• Derzeit vorhandene Reibungsverluste und unklare Zuständigkeiten zwischen den staatlichen Schulämtern, dem Institut für Qualitätsentwicklung und dem Amt für Lehrerbildung abbauen.
Auch die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern wollen wir verbessern. Das Berufsbild von Lehrerinnen und Lehrern hat sich erheblich gewandelt. Sie sind nicht nur mit anspruchsvollen pädagogischen Aufgaben, sondern auch mit gestiegenen gesellschaftlichen Anforderungen konfrontiert. Daher kommt ihrer Ausbildung großes Gewicht zu, denn sie legt den Grundstein
für gute Schulen. Die Landesregierung hat in der Lehrerbildung mit ihrer „Reform“ in den Schulen, Universitäten und Studienseminaren Chaos angerichtet. In einem ersten Schritt werden wir hier die notwendigen Korrekturen vornehmen. Dazu gehören für uns eine Entschlackung der Ausbildungsmodule, die Reduzierung der Arbeitsbelastung der Lehrerinnen und Lehrer im Vorbereitungsdienst (LiV) sowie ihrer Ausbilderinnen und Ausbilder und die Stärkung der Rolle der Mentorinnen und Mentoren. In einem zweiten Schritt werden wir im Dialog mit allen Beteiligten über die künftige Struktur der Lehrerbildung beraten. Dabei sind insbesondere die Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse, die Rolle der Staatsexamina und die schulformbezogene Ausbildung zu diskutieren.

Miller: 6. Das Konzept der „Selbstverantwortlichen Schule“ – eigene Rechtsfähigkeit, Budget- und Personalhoheit, pädagogische Gestaltungsspielräume – wird in Hessen seit Jahren diskutiert. Besonders große Berufsschulen und Gymnasien sind daran interessiert.
a) Soll dieses Konzept zeitnah in der Fläche umgesetzt werden?
b) Erfolgt eine Vollfinanzierung durch den Staat?

Henzler (FDP): Die FDP hat als einzige Partei ein ausführliches Konzept für die eigenverantwortliche Schule vorgelegt. Wir fordern, dass die Schulen zukünftig ein Budget führen und selbstständig Personal einstellen dürfen und ihre Schulorganisation und den Unterrichtsbetrieb eigenverantwortlich gestalten. In einem ersten Schritt fordern wir dafür eine 105 %ige Lehrerversorgung in Form eines Budgets für alle Schulen mit der Möglichkeit, dass die Schulen davon bis zu 20 % in Geldmitteln zur eigenverantwortlichen Verfügung erhalten können. Den Modellversuch „Selbstverantwortung Plus“ für mehr Eigenverantwortung der beruflichen Schulen hat die FDP maßgeblich vorangetrieben. Grundsätzlich fordern wir, dass dieser Modellversuch zügig fortgesetzt wird und darüber hinaus auch weitere Schulen aller Bildungsgänge, die sich dies zutrauen, in die Eigenverantwortung entlassen werden sollen. Wir wollen die eigenverantwortliche Schule nicht von oben verordnen, sondern sie soll sich von unten an den einzelnen Schulen entwickeln. Über die unverändert hohe finanzielle Ausstattung mit staatlichen Mitteln hinaus sollen eigenverantwortliche Schulen zusätzlich eigene Einnahmen machen dürfen und selbstständig Ausgaben tätigen.

Wagner (Grüne): Das Modellprojekt „Selbstverantwortung plus“ wollen wir fortführen und weiterentwickeln. Die Ergebnisse und Möglichkeiten des Modells an derzeit 17 beruflichen Schulen in Hessen werden wir als Gestaltungsoption allen Schulen zur Verfügung stellen. Diejenigen Schulen, die sich zu diesen Schritten hin zu mehr Selbstverantwortung entschließen, erhalten die dafür notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen und die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen.
Gute Schulen werden vor Ort gemacht. Wir wollen den einzelnen Schulen vertrauen und ihnen etwas zutrauen. Eine Verbesserung der Qualität, des Lernumfelds für die Schülerinnen und Schüler und des Arbeitsplatzes Schule braucht mehr Freiheit und Eigenständigkeit und weniger Bürokratie und Gängelung. Wir wollen in enger Zusammenarbeit mit den Schulen diese von unnötigen Vorgaben der Kultusbürokratie befreien.
Voraussetzung für Selbstständigkeit von Schule ist die Verlässlichkeit der Politik hinsichtlich der pädagogischen Zielsetzungen, der Unterstützung für die Schulen und der Bereitstellung personeller und finanzieller Ressourcen, denn die Gesamtverantwortung für Schule und Bildung verbleibt beim Staat. Wir werden die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Schulen im Rahmen der erhöhten Selbstständigkeit ihre Aufgaben erfüllen können. Auch werden die Schulen mehr Budgetverantwortung erhalten. Die Schulen sollen über den Einsatz der Sachmittel und über die Verwendung der Personalmittel stärker selbst entscheiden können. Die scharfe Trennung zwischen Sach- und Personalmitteln wird überwunden.
Wir werden in einen Dialogprozess mit den an Schule Beteiligten darüber eintreten, welche pädagogischen, personellen und organisatorischen Freiheiten sie zur weiteren Qualitätsverbesserung ihrer Schule brauchen. Unser Grundsatz dabei lautet: Klarheit über die zu erreichenden Ziele, größtmögliche Freiheit bei dem Weg dorthin, Überprüfung der Ergebnisse. Die Schulen entscheiden in eigener Verantwortung auf der Basis ihres Schulprogramms über Unterrichtsorganisation und Unterrichtsgestaltung. Keine Schule
wird gezwungen, diesen Weg zu gehen, aber die Schulen, die es wollen, erhalten die Möglichkeit dazu.

Miller: 7. Das Landesabitur wird jährlich mit ca. zwei Millionen Entwicklungskosten (öffentliche Steuergelder) von Lehrerkommissionen erstellt. Die verbrauchten Prüfungsaufgaben wurden 2007 und 2008 an private Verlage verkauft und ca. zehntausend Euro Einnahmen erzielt. Soll diese Regelung beibehalten werden oder besteht Aussicht darauf, dass die verbrauchten Prüfungsaufgaben mit Lösungen für jedermann kostenfrei im Internet 2009 einsehbar sind?

Henzler (FDP): Für die FDP muss in erster Linie gewährleistet sein, dass alle Schüler an ihrer Schule kostenfreien Zugang zu den Prüfungsaufgaben für das Landesabitur der Vorjahre haben. Dafür werden wir uns einsetzen. Darüber hinaus halten wir den Verkauf der Abituraufgaben für Schulbuchverlage für vertretbar, wenn die Einnahmen daraus zur Verbesserung des hessischen Schulsystems verwendet werden.

Wagner (Grüne): Wir halten die Praxis der CDU-Landesregierung, die bereits verwendeten Prüfungsaufgaben an private Verlage zu verkaufen und den Schülerinnen und Schülern nur noch einen sehr begrenzten kostenfreien Zugriff darauf zu gewähren, für fragwürdig. Die Antworten der Landesregierung auf unsere diesbezügliche parlamentarische Anfrage haben uns nicht überzeugt. Wir setzen uns dafür ein, dass die Prüfungsaufgaben kostenfrei im Internet zugänglich gemacht werden.

Vielen Dank für die Interviews.

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5 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Ullrich // 17 Jan 2009 um 17:02

    Die Standpunkte von vier Parteien habe ich im Bildungswirt gelesen. Was ist mit der CDU?
    Bei der FDP, sollte sie an die Macht kommen, wird man dann genau hinsehen, was gesagt und was getan wird. Ich bin gespannt auf die selbstverantwortliche Schule und die 105% Lehrerzuweisung in der Praxis. Aber auch SPD, Grüne und Linke haben in einigen Punkten vernünftige Ansichten. Kann da die ideologische Parteipolitik nicht etwas mehr herausgehalten werden. Die einen verstehen, dass die Hauptschule keiner mehr will und die anderen geben ihren Wunsch nach einer Einheitsschule auf. Sie wäre eh nicht durchsetzbar.

  • 2 Boris // 19 Jan 2009 um 17:20

    Die Wahl ist vorbei. Die SPD zieht sich in den Keller zurück, die CDU freut sich verhalten im Erdgeschoss, die Linke sitzt im kleinen Nebengebäude, die Grünen frohlocken im 1.Stock und die FDP thront im 2.Stock. Sie ist die große Siegerin und sitzt wieder gewichtig am Regierungstisch.Ich bin gespannt, was Frau Henzler mit der FDP an Bildungspolitik gestaltet. 105%Lehrerzuweisung, eigenverantwortliche Schule, Qualitätsverbesserung im Unterricht, individuelle Förderung etc. Von den Grünen kann man eine harte Oppositionspolitik erwarten. Herr Wagner hat sich auch im Bildungswirt klar geäußert.

  • 3 Claudi // 19 Jan 2009 um 23:02

    Nicht vergessen werden sollte, dass 39% der Bürgerinnen und Bürger überhaupt nicht zur Wahl gingen, dazu nochmal 3% ungültige Stimmen. Demnächst der freie Fall der Glaubwürdigkeit. Gibt es Alternativen? In der ostdeutschen Ländern soll es teilweise nur 45-50% Wahlbeteiligung geben. Die Politier geben sich wahrscheinlich auch mit 40% zufrieden.

  • 4 stand up for your rights // 20 Jan 2009 um 18:08

    Die FDP dürfte unter einen enormen Legitimationsdruck geraten. Ob Henzler und Hahn das durchstehen? Jedenfalls hat die FDP eine Chance sich zu profilieren. Sollte Banzer Kultusminister bleiben, so muss er sich in der Frage der eigenverantwortlichen Schule richtig bewegen. Henzler hat sich hier eindeutig geäußert.
    @Boris
    Schönes Bild mit den politischen Stockwerken. Ob die Grünen im 1.Stock in sechs Monaten noch frohlocken?
    @Ullrich
    Ja, die CDU würde mich auch interessieren. Hat der Bildungswirt die CDU vernachlässigt?

  • 5 Bildungswirt // 20 Jan 2009 um 20:54

    @ Kommentare
    Unser Blog ist unabhängig und überparteilich auch wenn wir manchmal parteiisch sein müssen.(vgl. Hintergrundbühne) Selbstverständlich haben wir auch die CDU angesprochen; konkret: den bildungspolitischen Sprecher, Herrn Irmer. Vier Landtagsparteien haben sich dem Interview gestellt, die CDU nicht. Das ist einzig die Entscheidung der CDU. Offensichtlich wollte sie einen leisen Wahlkampf machen, nur keine Pannen. Dies ist ihr eingeschränkt gelungen. Auf Dauer wird die pragmatische diskursoffenere Haltung eines Herrn Banzer erfolgversprechender sein und neue junge CDU-Köpfe rücken nach. Wieviel das inhaltlich wert sein wird – mal sehen?
    Die SPD hatte sich komplett selbst zerlegt, das ist ausführlich in den Medien besprochen worden. Ob sie mit Herrn Schäfer-Gümbel Perspektiven hat, ist alleinige Sache der SPD. In dieser Partei wird hinter den Kulissen diskutiert, dass die Schwarte kracht. Ein „Weiter so“ würde sie unter 20% drücken.
    Die konkrete Oppositionspolitik der Grünen und der Linken wird sich an konkreten Zielen und Maßnahmen messen lassen müssen.
    Die FDP steht sicher unter einem Legitimationsdruck, sie hat jedoch eine riesige Chance sich zu profilieren., wenn sie z.B. 105%-Lehrerzuweisung und eine staatlich vollfinanzierte eigenverantwortliche Schule durchsetzt.
    „Kann da die ideologische Parteipolitik nicht etwas mehr herausgehalten werden?“ – ich fürchte nein. Zu stark sind die Parteien in ihrem Denkmustern gefangen.
    Wahlbeteiligung: Geringe Wahlbeteiligung und verstärkt ungültige Stimmen sind in der Tat ein großes Problem einer lebendigen Demokratie. Sie zeugen von großer Unzufriedenheit dieser Bürger und stellen der Politik die Glaubwürdigkeitsfrage. Wahrhaftige Politiker haben wir sicher zu wenig; der Sprachdreschmaschinen-Code nimmt leider zu.

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