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Einträge vom Januar 2009

Bildung und Gastronomie (2)

30. Januar 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Bildung und Gastronomie (2)

oder Eltern, Schüler, Lehrer und Schuldzuschreibungen

In der Kneipe gibt es manchmal persönlich wütend vorgetragene Ausfälle gegen Lehrer, derbe Sprache einer kochenden Volksseele. Gerhard Schröders Wort von den Lehrern als »faule Säcke« klingt dagegen eher harmlos. Insgesamt mündet diese zugespitzte Kritik schnell in ein allgemeines Lamento: »Hör mir auf mit Schule, da kann man eh nichts machen, da müssen meine Kinder eben durch, die Lehrer sitzen am längeren Hebel.«
Schulfrust schlägt um in kurzatmige Wut und verharrt dann in ratloser Lähmung. Nach übereinstimmender Meinung ist das schulische Sorgenkind Nr. 1 Mathematik. Angstbesetzt scheuen die Schüler Mathematik wie der Teufel das Weihwasser. Die reinste Geisteswissenschaft, die Zwillingsschwester der Logik, verkommt durch unfähige Mathelehrer zum Horrorfach. Jede andere Berufsgruppe würde sich schämen angesichts solcher systematischen Misserfolge.

Und umgekehrt zeigt sich bei manchen Lehrern in der Kneipe folgende Grundstimmung: »Alles, den ganzen Bullshit, womit die Eltern nicht mehr zurechtkommen, wo die Gesellschaft insgesamt gefragt wäre, kriegen wir vor die Tür gekippt. Die Elternhäuser versagen, schicken uns ihre fernsehsüchtigen, durchgeknallten Bälger und stellen noch Ansprüche. Oft komme ich mir vor wie der Dompteur in der Zirkusmanege. Der Lärmpegel in der Schule geht richtig an die Nerven, oft habe ich Kopfschmerzen, wenn ich nach sechs Stunden Schule nach Hause komme.«
Vertreter solcher gegenläufigen Ansichten reden nicht miteinander, ignorieren sich, sofern sie überhaupt voneinander wissen. Niemand will sich in der Kneipe seinen eigenen guten Ort der Kommunikation und Entspannung selbst kaputtmachen. Die Antennen für potenziell massive Störungen sind bei allen feinfühlig justiert.
Ja, was tun? Vielleicht den Elternführerschein für alle? Lernort Kneipe?

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Bildung und Gastronomie (1)

29. Januar 2009 · von Miller · Keine Kommentare

Bildung und Gastronomie (1)

oder schwache Bio-Leistungen, Lehrer und Rotwein

Ein Biologie-Lehrer sitzt etwas zerknirscht mit einem Glas spanischem Rotwein (vollmundig, drei Jahre im Eichenfass gelagert) allein in der Ecke unserer Kneipe. Auf meine Nachfrage, wie die persönlichen Aktien so stehen, erzählt er von einer ernüchternden Studie zum Leistungsstand von Abiturienten:
500 Studienanfänger an den Universitäten Dortmund und Münster mit den Studiengängen Primarstufe Sachunterricht Naturwissenschaften/Technik und Biologie Sekundarstufe I haben zwischen 1995 und 2000 an einem einfachen kurzen schriftlichen Test zur biologischen Grundbildung teilgenommen. Der Schwierigkeitsgrad der Anforderungen bewegte sich auf dem Niveau der Sekundarstufe I bis 10. Klasse. Ergebnis: nur 8 (!) von 500 haben den Test bestanden, das sind 1,6% (!). Noch schockierender wird das Ergebnis, wenn man berücksichtigt, dass 55% der Studentinnen und Studenten vorher einen Leistungskurs Biologie bis zum Abitur belegt hatten und ihnen positive Leistungen attestiert wurden (mittlere Note 3+). Neun Jahre Biologieunterricht hatten offensichtlich noch nicht einmal »Gedächtnisspuren« hinterlassen.
Eine schallende Ohrfeige für das deutsche Schulsystem, meint er, so könne es nicht weitergehen. Die vorherrschende Instruktionspädagogik habe total versagt, da können sich Lehrer, Schulen und Kultusministerien nicht herausreden.
Ich lade ihn zu einem zweiten Glas Rotwein ein, das bringt ihn vorübergehend wieder ins Lot.

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Aktuelle Lehrerdebatte bei Telepolis

28. Januar 2009 · von frankmackay · Keine Kommentare

Aktuelle Lehrerdebatte bei Telepolis

Warum wird von den Schulfächern Mathematik und den Naturwissenschaften Anwendungsbezug verlangt, nicht jedoch vom Deutschunterricht?

Telepolis ein  „Medium für Lehrer“? Die Angst geht um!
Mein Hinweis auf die Debatte von Christian Gapp und Axel Krommer zum Thema: Warum wird von den Schulfächern Mathematik und den Naturwissenschaften Anwendungsbezug verlangt, nicht jedoch vom Deutschunterricht?

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Selbstreflexionen eines Lehrers (1)

25. Januar 2009 · von Miller · 1 Kommentar

Selbstreflexionen eines Lehrers (1)

Kein Lehrer kann angesichts der deutschen Bildungskrise seine Hände in Unschuld waschen und behaupten, er habe damit nichts zu tun. Eine ausführliche biografische Selbstreflexion des Lehrers – von der bewussten Berufswahl bis zur täglichen Unterrichtsgestaltung – steht deshalb unabweisbar auf der Tagesordnung. Im Rahmen einer professionellen Selbstreflexion sollten mindestens die folgenden 16 Fragen zur Diskussion stehen:

1. Warum bin ich überhaupt Lehrer geworden?
2. Wie bereite ich Unterricht vor?
3. Wie gehe ich mit sogenannten Planungsfehlern im Unterricht um?
4. Von welchen Alltagstheorien und wissenschaftlichen Konzepten bin ich beeinflusst?
5. Wie gehe ich mit sogenannten schwierigen Schülern um?
6. Welche Fragetechniken und Methoden bevorzuge ich?
7. Wie lange halte ich Stille im Unterricht aus?
8. Welche Reaktionsmuster bis hin zu leiblichen Lust- und Unlust- oder auch Bedrohungsgefühlen spüre ich bei mir selbst?
9. Vor was schrecke ich zurück?
10. Wie komme ich mit chaotischen Zuständen zurecht?
11. Von wem fühle ich mich wann provoziert?
12. Wo liegen bei mir tiefe, vielleicht auch diffuse Ängste?
13. Wie gehe ich mit Spontaneität im Unterricht um?
14. Leide ich unter Konkurrenzangst im Kollegium?
15. Habe ich Angst, den Lehrplan, die Bildungsstandards nicht zu erfüllen?
16. Schotte ich mich ab gegenüber Fremdem und Neuem (z.B. »alles alte Hüte, soll wieder das Rad neu erfunden werden?«)

Nehmen wir uns z.B. Frage Nr. 6 vor: »Welche Fragetechniken und Methoden bevorzuge ich?« Wie könnte vertiefend eine biografische Selbstreflexion des Lehrers (und zum Selbsttest der Eltern in modifizierter Form) aussehen? Zuerst: Welche Art von W-Fragen (wer, was, wann, warum, wozu, wie) stelle ich den Schülern in bestimmten Situationen, vor welchem Hintergrund? Handelt es sich um eine bewusste/ unbewusste (?) Fragetechnik oder um eine grundsätzliche geistige Haltung zu unbekannten Sachverhalten und Annahmen? Bin ich selbst mitlernendes Wesen in komplexen Problemstellungen, oder stelle ich im Wesentlichen Schein-Fragen und will wissen, ob es noch jemand weiß? Dafür gibt es dann Belohnungen – Noten, Gummibärchen, Fleißbildchen, Fassadenlächeln, die richtige
Antwort vorausgesetzt! Der Lehrer weiß natürlich wie immer die richtige Antwort. Es wird nicht wirklich gefragt, sondern abgefragt! Nur, brauchen Schüler diese weitverbreitete schultypische Fragerei? Ich will eine kurze Antwort wagen: Schüler brauchen grundsätzlich keine pädagogisch kleingehackte Kost, sie brauchen keinen vorgekauten Brei für Minderbemittelte. So ist Schule oft genug systematische Unterforderung, pädagogische Weichspülung von real sperrigen Bildungsgütern. Dies gilt für die ›Kleinen‹ der Grundschule genauso wie für die ›Großen‹ des Gymnasiums. Lernende brauchen die tatsächliche Herausforderung, das sperrige Gut, den Aufbruch ins Ungewisse. Sie entscheiden, wohin die Reise geht; kein Kapitän des Lernens kann ihnen diese Entscheidung inklusive der Irrungen und Wirrungen abnehmen. Schon Herr Keuner (der Denkende), die berühmte Kunstfigur bei Brecht, antwortet auf die Frage: »An was arbeiten Sie?« – »Ich bereite meinen nächsten Irrtum vor.« Und doch gibt es immer wieder die berechtigte Hoffnung, aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen. Ein guter Lehrer stellt sich diese Fragen der Selbstreflexion – ohne narzisstische Kränkungen – und fragt weiter und weiter. Er versucht im Unterricht intelligent und kreativ zu handeln. Er ist Profi in Sachen Bildung.

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SchulVerwaltung Hessen/Rheinland-Pfalz: Geheimtipp

23. Januar 2009 · von frankmackay · 1 Kommentar

SchulVerwaltung Hessen/Rheinland-Pfalz: Geheimtipp

Bernd Frommelt, Min. Dir. a. D., ist Präsident der Gesellschaft zur Förderung Pädagogischer Forschung e.V.
und Herausgeber der Zeitschrift für Schulleitung und Schulaufsicht in Hessen und Rheinland-Pfalz.

Er schreibt dort im aktuellen Heft 2/2009:

Schließlich noch ein „Geheimtipp“: an verborgenem Ort veröffentlicht Michael Miller sein „Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft“. Der Autor – Vater von fünf Kindern, Lehrer, Kneipier, Musiker , promovierter Philosoph – bietet in herzerfrischendem, mitunter flapsigem Duktus eine kenntnisreiche, kluge und bildungsgesättigte tour d´horizon durch alle die Themenfelder, die gegenwärtig Gegenstände der „großen“ politischen Debatte, aber eben auch der Diskussionen am Stammtisch sind. Und am „Stammtisch“ setzt er an, macht erfrischend konstruktive Vorschläge – Vorschläge für „Bildungsstandards für Lehrer“, für „Neue Lernkulturen und einsichtige Aufgabentypen“, wettert gegen Bürokratieauswüchse und „wortklingelnde Reformrhetorik“, um mit einer – mit seiner – überraschend ernsten, fundiert begründeten Vision eines anzustrebenden Gesellschaftsmodells, in dem „Ökologie, Ökonomie, Kreativität, Spiel, Effizienz und globale Verantwortung“ „in Anerkennung der Differenzen“ immer wieder zueinander finden, zu enden.
Das schlanke pfiffig aufgemachte Buch – von Gedankensprüngen hin und wieder ein wenig überfrachtet, zwischen Zitaten aus „Hoch“- und „Trivial“kultur mäandernd – eignet sich für alle, die für den überfälligen Diskurs über die Zukunft unseres Bildungswesen phantasievolle Anregungen bedürfen und „schräge Blicke“ auf die Verhältnisse schätzen – für „aufgeklärte Stammtische“ beispielsweise.

Michael Miller, Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft – Alle reden von Schule – was ist zu tun? Norderstedt 2008

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Wünschelruten in der Bildungspolitik

21. Januar 2009 · von Miller · 4 Kommentare

Wünschelruten in der Bildungspolitik

In Hessen sind die politischen Würfel gefallen, in einigen Tagen liegt sicher ein „zukunftsweisender Koalitionsvertrag CDU/FDP“ vor, am neuen Regierungstisch nehmen neue und alte Köpfe Platz. Auch in den Ministerien werden einige Stühle gerückt; nicht unerheblich, wer die Ministerialdirigenten-Riege stellt. Die bildungspolitische Programmatik der Regierungspartner scheint kompatibel, die Schlüsselbegriffe wie Schulvielfalt (viergliedriges Schulsystem) erhalten, G8/G9 flexibel gestalten, mehr Lehrer einstellen, Ganztagsschulen ausbauen, selbstverantwortliche Schule entwickeln, fördern und fordern, Schulsanierungen voranbringen etc. sind mehrheitsfähig ausgependelt. Nur zwischen den Wünschen, Träumen, Absichten einerseits und den tatsächlich praktischen Umsetzungen, den konkreten Ausgestaltungen vor Ort andererseits klafft ein tiefer Spalt, auf dem bildungspolitisch verminten hessischen Gelände allemal. Ohne differenziertes Know-how und spürbare Begeisterung für eine neue Schulpolitik, ohne „Bürger-Engagement vor Ort“ läuft fast gar nichts. Dann ist Wiesbaden bisweilen so weit weg wie Wladiwostok. Selbst ein großer Geldregen und mehr Lehrer an den Schulen werden dann einfach unverbindlich, emotionslos und effektlos hingenommen.

Die neue Regierung wird wohl noch längere Zeit mit der zauberkräftigen Wünschelrute herumlaufen und z.B. die Anziehungskräfte und Ausstrahlungen der Hauptschule suchen. Ihr partieller Irrglaube verhindert den realistischen Blick: Längst sind viele Hauptschüler fortgelaufen, haben die Eltern mit den Füßen abgestimmt: Hauptschule ade. Der Aufbruch in ein zweigliedriges allgemeinbildendes Schulsystem – Gymnasium und Neue Schule (Gesamtschulen und Verbundschulen mit Varianten) – wird sich mittelfristig als historischer Kompromiss in Deutschland durchsetzen.

Aber auch die Opposition läuft ordentlich mit der Wünschelrute durchs Land. Zitternd schlägt der verborgene Goldschatz – „Eine Schule für alle“ – aus und wenn man gräbt bleibt Sand, auf den es sich nur sehr begrenzt bauen lässt. Bei der kleinen, sich noch selbst suchenden Linkspartei schlagen die Quellenspürer um in „Einheitsschule“ und Zwangsbeglückung für alle. Da helfen auch keine Dementis. Das politische Gespür und die Differenzierungsleistung des Volkes sind meist feiner als Politiker vermuten. Auch SPD und Grüne, gleichwohl sie im Grunde die Zweigliedrigkeit akzeptieren, erreichen mit ihrer Wünschelrute des gemeinsamen Lernens bis Klasse 10 nur die eigenen Anhänger. Nach 40-jährigem Kampf ist die Gesamtschule/ Gemeinschaftsschule in Hessen (wie auch immer die Wortakrobatik aussehen mag) nicht gescheitert, aber doch auf sehr begrenzter Reichweite vermessen. Der Platzhirsch, der Liebling ist das Gymnasium; auch hier hat die Bevölkerung längst mit den Füßen abgestimmt. Das Gymnasium ist die moderne Volksschule des 21. Jahrhunderts, das erfolgreiche Gymnasium garantiert am besten einen zukünftig angenehmen Status in der Gesellschaft und legt wesentliche Netze einer Bildung als angestrebte Selbstverwirklichung. Das Faktum der systematischen Ausgrenzung und Aussonderung vieler Kinder und Jugendlichen bleibt als Stigma (Tenorth-Interview) trotz alledem. Eine neue, erfolgreiche und heitere Unterwanderungsstrategie der aktuellen Schulpolitik ist jedoch noch nicht gefunden worden. Mit der Wünschelrute wird es nicht funktionieren, schon eher mit einer innovativen Internetpolitik, die die Zeichen und neuartigen Pfade einer komplexen Wissensgesellschaft verstanden hat. Bis dahin halten wir uns an Eichendorffs traditionsmächtige Wünschelrute von 1835:

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort.
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

Was könnte eine neue Dingpolitik sein? Das Dichterwort allein wird’s nicht richten können.

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„Die Klasse“ im Chat – das Filmereignis 2009?

20. Januar 2009 · von frankmackay · 2 Kommentare

„Die Klasse“ im Chat – das Filmereignis 2009?

Kinoeintrittskarte: Die Klasse

Der französische Film Die Klasse von Laurent Cantet (in deutscher Fassung) läuft aktuell in den Kinos. Als Buchvorlage diente Entre les murs (Zwischen den Mauern) des Französischlehrers Francois Begaudeau; er spielt im Film selbst die Hauptrolle. Im letzten Jahr preisgekrönt mit der goldene Palme in Cannes, von ttt empfohlen und ndr.kultur.de meint „…von einem Lehrer, der die Schlacht der Bildung schlägt.“ Naja …
Pädagogen, Eltern und einige Schüler strömen in die Kinohallen, so auch wir.

F.M.: So eben noch im Film „Die Klasse“ nun im Chat?
Außer schlecht angezogene Lehrer im Film UND im Kino… Wie gefiel er dir?

Ramba: Erstes unreflektiertes Feedback: Bei den Lehrern würde ich als Schülerin auch irgendwann ausrasten.

F.M.: Ja, irgendwie dürftige Pädagogen und warum machen sie diesen Stoff? Naja, wenigstens stellten die Schüler hin- und wieder noch Fragen, die etwas mit „Lernen“ zu tun hatten!!!

Ramba: Die Klasse, die dargestellt wurde, war keine Klasse, wie man sie sich klischeehaft als „Problemklasse“ vorstellt und sollte doch eine sein. Aber warum?

Ramba: Die Schüler haben Interesse gezeigt an dem, was sie im Unterricht durchgenommen haben. Das hat sich zum Beispiel daran gezeigt, dass sie hinterfragt haben, was sie lernen mussten. -> Warum müssen wir diese Konjugationsform kennen? So spricht doch kein Mensch.

Ramba: Wer so interessierte Schüler hat, der sollte ihnen nicht mit komischen Aufgaben kommen wie: Schreibt eure Gefühle auf in einem Selbstporträt…

F.M.: Ja, irgendwie sehr merkwürdig diese Selbstporträts, aber vielleicht als autobiographischer Ansatz nicht ganz auszuschließen…, nur der Lehrer erklärt nicht, warum er es macht. Der Sinn bleibt aussen vor.

Ramba: Ich glaube, ich bin mit der Erwartung in den Film gegangen, dass man die Probleme sieht, denen ein Lehrer „heutzutage“ gegenübersteht. Dabei ist das eher ein Film, der zeigt, welche Probleme die Schüler haben, wenn sie sich so hilflosen Lehrern gegenüber sehen, von denen man den Eindruck hat, sie wissen auch nicht so richtig, was sie wollen.

F.M.: Naja, am Schluss kicken sie zusammen Fußball und Suleyman, der „Problemschüler“, ist wohl in seinem Dorf in Mali abgeschoben worden …

Ramba: Ja, das ist auch seltsam. Irgendwie plätschert der Film ja so dahin, ist aber aufgrund der ewigen Diskussionen, die zu nichts führen, im Klassenzimmer und in den Lehrerkonferenzen wirklich anstrengend. Und dann zum Schluss kicken Schüler und Lehrer fröhlich miteinander, Suleyman wird gar nicht mehr thematisiert und auch der Kinozuschauer ist froh, dass endlich Ferien sind.

F.M.: Angenehm fand ich die Schülerin am Ende, die ihrem Lehrer sagte, sie habe nichts gelernt – dafür hätte ich als Lehrer, auch an deutschen Schulen, viel Verständnis, denn es bleibt unklar, was die Schülerin denn hätte lernen sollen, der Lehrer war völlig hilflos und konnte ihr nicht weiterhelfen.

F.M.: Die klassische Frage nach Bildung – gehts um das Lernen lernen oder um Plattentektonik, Eizellen, chemische Reakionen…

Ramba: Was bleibt ist ein Gefühl, dass der Film etwas vermitteln wollte, was er nicht vermitteln konnte…


Filmtrailer:

und Kritik .

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Made in Germany, made in Hessen

17. Januar 2009 · von Miller · 2 Kommentare

Made in Germany, made in Hessen

Die Republik schaut morgen gespannt auf Hessen und die Qual der Wahl. TV-total ab 18.00, was guckst du? Unentschlossene, zitternde Stimmungsbarometer, Meinungsbrei und doch wird der kleine Mann mit seinen Alltagssorgen und -wünschen sein großes Hooooouuuuukkk sprechen, das anschließend die Häuptlinge in der Elefantenrunde besprechen. Wählen gehen und dann gucken! Und was denn? Selbstverständlich das RICHTIGE. Vielleicht kann man parallel Kaya Yanar, dem talentierten Comedian, dem „Was-guckst-du-Typen“ mit der Multikulti-Reflexionsbrille über die Schulter sehen und schon mal seine Lachmuskeln aktivieren. Synchronisationsprobleme gibt es offensichtlich nicht nur in der Politik. Hier ein Ausschnitt aus seinem neuen Programm: Made in Germany.

Was er zur morgigen Hessenwahl sagt, weiß ich nicht. Ich lege ihm mal in den Mund: Lebbe un Comedy gehn weiter, Parteien gehn unter oder flach durch die Mitte.

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