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Referendariat und Heißluftballon

2. Dezember 2008 · von Miller · 1 Kommentar Artikel drucken Artikel drucken

Nein, heute kein abgewogener Artikel, keine neue Infos, sondern „nur“ eine kleine Impression, die Anerkennung des Besonderen als Besonderheit.
Dunkelheit, ich verlasse die hessische Zentrale der Lehrerbildung, Bahnhofsviertel, mäßige Beleuchtung, Großstadtlärm. Vor mir laufen zwei junge Männer, Lehrer der Zukunft, das sich aus den Gesprächsfetzen erschließen lässt. Sagt der eine zum anderen: „Das Methodengewäsch hab ich manchmal satt. Zu meiner nächsten Lehrprobe miete ich mir einen riesigen Heißluftballon, schwebe dann über dem Schulhof ein und seile mich elegant ab. Das gibt mein Einstieg in die Stunde.“ Schallendes Gelächter vor mir, schmunzeln in meinem Gesicht, in Zukunft also nicht mehr das abgenudelte Methodenköfferchen, sondern gleich die ganz große Trickkiste. Die beiden in Lehrpoben-Phantasien Schwelgenden biegen ab und ein Gedankenblitz malt mir die Szene weiter aus: Der adrenalingeladene Ballonfahrer landet, hat wieder festen Boden unter den Füßen, während der Ausbilder, den Kopf geneigt und an seiner Brille nestelnd, ihn fragt: „Junger Mann, was haben Sie sich dabei gedacht?“ Und der junge Mann antwortet: „Fragen Sie mich nicht, was ich mir dabei gedacht habe, sondern sagen Sie, wie es bei Ihnen angekommen ist.“ “ Haben wir diese Art von Feed-back-Kultur nicht bei Ihnen im Kommunikationstraining gelernt?“ Ja, das unerschöpfliche Potenzial der Lehrerrollen …

Kategorien: Bildung · Unterricht · Vorbilder

1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 fuchs // 3 Dez 2008 um 21:44

    Zusätzlicher Einwurf aus der Refrendariats-Praxis:

    Während die einen sechs Wochen eine Lehrprobe von 90 Minuten vorbereiten, mehren sich die Stimmen, die einfach nur noch „stinknormalen Unterricht“ in den Unterrichtsbesuchen abhalten. Die Hospitation bei anderen Lehrern (und den Ausbildern) hat nämlich fast immer nichts anderes geboten!!! Und wer will schon an der (traurigen) Realität vorbeileben…

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