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Guter Unterricht und reflektierte Aufgabentypen

25. November 2008 · von Miller · 7 Kommentare

Guter Unterricht und reflektierte Aufgabentypen

Die Frage nach dem guten Lehrer ist immer gleichzeitig eine Frage von grundsätzlich gelebten Unterrichtsprinzipien (10 Prüfsteine für guten Unterricht) und einer kompetenzorientierten Operationalisierung vor Ort. Im Unterrichtsalltag zeigen sich professionelle Routinen und pädagogisches Geschick in der Gestaltung von vielfältigen Lernkulturen, die vor allem ihren Ausdruck in reflektierten Aufgabentypen finden. Eine konsequente Subjektorientierung und damit eine Abkehr von vorgefertigter Instruktionspädagogik schaffen für den Lernenden Spielräume für eine organisierte Spurensuche und subjektive Wahlentscheidungen. (Subjektive Didaktik) Lernen ist subjektive Konstruktion, schwingender Resonanzraum und Interaktivität.

Folgende Kriterien sollten sowohl im Unterrichtsalltag als auch bei der Erstellung zentraler Prüfungsaufgaben mit kompetenz-orientiertem Profil den Rahmen bilden:

1. selbst gewählte Vergleichs- und Andockmöglichkeiten zur vorgegebenen Problematik/ Thematik (fachspezifisch und fächerübergreifend)

2. Um- und Neugestaltung von Texten nach bestimmten Kriterien (vorgegeben oder selbst gewählt, Spiel mit Textsorten)

3. Herausarbeitung von Bezügen zwischen unterschiedlichen Materialsorten (Texte, Bilder, Filmsequenzen, Grafiken, Tabellen)

4. selbständige Wahl einer passenden Bearbeitungsmethode oder eines Untersuchungsschwerpunkts (aspektorientiert und arbeitsteilig)

5. reflektierte Wahl einer wirkungsorientierten und adressatenbezogenen Darstellungsform (Reflexion von Inhalt und Medium)

6. Beurteilung eines Problems/ Sachverhalts nach hergeleiteten Prüfkriterien (Konkurrenz von Prüflogiken, Geltungsansprüchen)

7. Herausarbeitung von Strukturen und Prinzipien (Vermeidung eines Abfrageduktus; punktuell nötiges Spezial- und Sonderwissen kann dabei als Entlastung vom Lehrenden zur Verfügung gestellt werden)

8. Konzentration auf Prozesse und Lösungsstrategien (Ergebnisse als Ausgangspunkt für weitere Herausforderungen)

9. selbständige und begründete Komplexitätserweiterung bzw. -reduktion bei der Suche nach Lösungswegen ( Akzeptanzkriterien und Priorisierungen)

10. Gegenwartsbezüge und Zukunftsfähigkeit (Gestaltungsauftrag, Antizipationsfähigkeit, existenzielle Inhalte, Förderung bzw. Brechung durch Geschichte und Tradition).

Mithilfe eines Operatorenrades (Verben mit Handlungs-Aufforderungscharakter) können Lernende zunehmend selbständig eigene Aufgabenstellungen generieren und bearbeiten.

Das „Lernen selbst lernen“ ist pointiert nicht Methode, sondern wertsensible und weltoffene Haltung des Subjekts, das sich neugierig mit „sperrigen Bildungsgütern“ beschäftigt und Lösungen findet. Offenheit von Aufgabentypen und subjektive Umgestaltungswünsche der Lernenden akzeptieren, heißt als Lehrender, sich bewusst zu verabschieden von primitiven Input-Output-Vorstellungen und rigiden Zeittakten einer linearen Pädagogik.

Operatorenrad zur Aufgabengenerierung, Miller 2007

PS. Eine Prüfungsdidaktik, die auf der Höhe der Zeit sein will (z.B. die jährliche Gestaltung des Zentralabiturs), müsste zuerst selbstkritisch reflektieren, wo sie steht. Der vorherrschend instruktionspädagogische Impetus, die sich wiederholenden Zwangsbeglückungsprogramme für Jugendliche wie z.B. verordnete Leselisten oder fortgesetzte Stoffhuberei bedürfen einer grundlegenden Revision.< –>

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Tags: Abitur · Berufsschule · Bewusstsein · Bildung · Gesamtschule · Gymnasium · Unterricht · Vorbilder