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Politisch neu wählen und der freundlich unkalkulierbare Hesse

7. November 2008 · von Miller · 10 Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

Ein kurzer, heftiger Wahlkampf bis zum 18. Januar steht in Hessen bevor. Um die Gunst des Wahlvolks, die freundlich unkalkulierbaren Hessinnen und Hessen, bewerben sich die Spitzenkandidaten Mani Schaub (SPD), Roland Koch (CDU), Tarek Al-Wazir (Grüne), Jörg-Uwe Hahn (FDP) und Willi van Ooyen (Die Linke). Keine Partei im Fünf- Pateien-System kann sich sicher sein, dass ihre Kandidaten, ihre Programmatik und ihre politische Rhetorik am Wahltag die ersehnten Stimmen einfahren. Gesteuerte Meinungsumfragen und das tatsächliche Wahlergebnis waren in Hessen immer schon zwei Paar Schuhe.

Nur CDU und die Linke schließen sich wechselseitig aus. Ansonsten ist nur klar, dass diesmal ausgeschlossen wird, dass man im politischen Farbenspiel nichts ausschließt. Immerhin! Klar dürfte auch sein, dass der Hesse an sich keine deutsche graue Grummelgriesgram-Politik gebrauchen kann. Er braucht aber auch keinen Rückgriff auf amerikanisches Gestammel vom Schlage „all is nice, beautiful, wonderful, I like it, I love you with fast food, coke and icecream, enjoy your meal ..“ Nein, ein amerikanischer Konformismus der Sprechblasen- und Esskultur braucht in Europa niemand. Zurzeit von Amerika lernen, nicht nur von der Lichtgestalt Obama, könnte heißen: mehr Begeisterung in der Politik, Demokratie wagen. Oder wie es die 106-jährige Amerikanerin Ann Nixon Cooper als Geheimnis ihres langen Lebens sagt: „Dont worry, be happy und immer eine dicke Lippe riskieren.“ Der Hesse an sich ist dafür empfänglich von Heppenheim über Frankfurt bis Eschwege.

In der Bildungs- und Schulpolitik sollte vor allem eins von allen Parteien besser verstanden werden: 20.000 Lehrerinnen und Lehrer gehen in den nächsten Jahren in die verdiente Pension. Deshalb brauchen wir endlich eine neue Strategie der Personalgewinung und der innovativen Lehrerausbildung. Auf den Lehrer kommt es an – ein Loblied auf die pädagogische Vernunft, die das 21. Jahrhundert im Blickfeld hat.

Nachtrag am 8.November: Aus dem Hut gezaubert: Thorsten Schäfer-Gumbel als neuer unbekannter SPD-Spitzenkandidat. Opferkandidat und doch politisches Talent? Mehr dazu in den Kommentaren.

Kategorien: Allgemein · Bildung · Vorbilder

10 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Micha // 7 Nov 2008 um 16:14

    Na, da bin ich ja mal gespannt ob du mit Mani Schaub recht behältst. Vielleicht schafft er es die Brüche in der SPD mit kleinen Brücken zu über bauen…

  • 2 Hugo K. // 7 Nov 2008 um 21:53

    Wer ist denn bitte Mani Schaub???

    Aber wenn er die SPD zum Wahlsieg führen sollte (was derzeit bezweifelt werden MUSS), dann werden die Genossinen und Genossen vor dem Podium wohl lauthals „Mani, Mani, Mani!!!“ skandieren.

    In diesem Sinne:
    Alles Mani oder was

    bzw.

    Auf in die Manimania

  • 3 Miller // 7 Nov 2008 um 23:12

    @Hugo K.
    Im Hessenjournal wurde jetzt auch offiziell darüber spekuliert. Andrea Ypsilanti wird sich morgen entsprechend äußern. Die SPD kommt um einen Personenwechsel an der Spitze gar nicht vorbei, will sie nicht völlig chancenlos ins Rennen gehen. Die SPD-Führungsriege wird die Verdienste von Ypsilanti loben und gleichzeitig den Wechsel vollziehen. Ypsilanti wird sich im „Interesse der Partei“ und der Parole „Koch muss weg“ einsichtig geben.
    Zur Person:Manfred Schaub (Mani Schaub) bisher in ganz Hessen nur Insidern bekannt. Bürgermeister von Baunatal, Vorsitzender der SPD Nordhessen. War im Schattenkabinett von Ypsilanti als Innenminister vorgesehen. Dank aktiver Medienwelt wird der Bekanntheitsgrad schnell wachsen; in den nächsten Tagen überall Interviews, Portraits etc. Und ein Video bei you tube ist eh fällig. Die Palette neuer Internetmöglichkeiten wird die SPD schnell lernen müssen.

  • 4 Hugo K. // 8 Nov 2008 um 01:29

    Danke für die Antwort!

    Habe mich nun aber ohnehin schon weiergehend informiert:

    1. Stadt Baunatal stellt seinen Bürgermeister vor
    http://www.baunatal.de/ls00/015.aspx

    2. Köpfe der SPD
    http://www.spd.de/menu/1731942/

    Übrigens wird jetzt überall in den Medien spekuliert:

    3. TAZ: „Anti-Ypsilanti“
    http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/der-anti-ypsilanti/

    4. ZEIT:
    http://www.zeit.de/dpa/2008/11/7/iptc-bdt-20081107-443-dpa_19482898.xml

    5. N-TV:
    http://www.n-tv.de/1050188.html

    In diesem Sinne:
    „Mani, das wird dein schwerstes Spiel!“

  • 5 fuchs // 8 Nov 2008 um 01:37

    Hier ein paar Links, um Mani besser kennenzulernen:

    http://www.baunatal.de/ls00/015.aspx

    http://www.spd.de/menu/1731942/

    Und die neuesten Infos in den Medien:

    http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/der-anti-ypsilanti/

    http://www.zeit.de/dpa/2008/11/7/iptc-bdt-20081107-443-dpa_19482898.xml

    http://www.n-tv.de/1050188.html

  • 6 Frank Mackay // 8 Nov 2008 um 16:10

    Schäfer-Gümbel ist es nun!

    Er ist seit 2004 Vorsitzender der Sozialistischen Bildungsgemeinschaft Hessen e. V – Wieviel % er am 18.1.08 erreichen wird?

    http://www.schaefer-guembel.de

  • 7 Miller // 8 Nov 2008 um 16:57

    Unterholz-Taktik der SPD
    Andrea Ypsilanti gibt wie erwartet auf, zu groß der Imageverlust, zu tief der Graben in der SPD und dazu schlechte Umfragewerte. Dann war klar, dass nur ein Nordhesse wie Mani Schaub überhaupt für die SPD etwas politisches Land gutmachen könnte. Aber jetzt Thorsten Schäfer-Gümbel? Wie ist diese Unterholz-Taktik innerhalb einer Wahlkampf-Strategie zu verstehen? Auf den ersten Blick überhaupt nicht, auf den zweiten vielleicht so: Man glaubt weder an sich noch an die Möglichkeit gegen Roland Koch ein realistische Chance zuhaben. Jetzt muss entweder ein junger oder sehr alter Verbrauchskandidat für 3 Monate her (die vorgedachte Niederlage wird angenommen, der Opferkandidat später gewürdigt, abgesichert, entschädigt). Dann muss in den nächsten 2 Jahren die SPD sich neu formieren. Und da bleibe ich bei meiner Einschätzung: Mani Schaub wird kommen. Allerdings unter einer Voraussetzung: Die SPD entwickelt ein reflektiertes Selbstverständnis, was sie überhaupt noch in Hessen bewegen will. Alternativ kann sie ja auch für 5-10 Jahre abtauchen und auf grobe politische Fehler der Gegenseite hoffen. Manchmal klappt auch diese Zufall-Würfelpolitik.
    Pardon, dass ich mich mit M.S. jetzt geirrt hatte. In der hessischen Gemengenlage passiert das einfach, denn der freundliche Hesse an sich ist eben unkalkulierbar

  • 8 fuchs // 8 Nov 2008 um 20:03

    Schaub hätte es auch werden sollen, aber er wollte es nur machen, wenn er gleichzeitig auch den landesvorsitz in der SPD bekommt. da ypsilanti den aber nicht abgeben wollte, wurde nun jemand (aus dem ypsilanti-lager) gewählt, der auch ohne vorsitz bereit war zu kandidieren.

    naja, die CDU muss sich schon dumm anstellen (z.b. koch aufstellen), damit sie das verlieren..

  • 9 Miller // 8 Nov 2008 um 20:26

    @fuchs
    Warten wir ab, was noch alles an neuen Spekulationen auf den Tisch kommt. Vielleicht ist der neue Kandidat Schäfer-Gumbel neben Opferkandidat doch ein politisches Talent, das sich ganz wacker schlägt. Immerhin hat er schon eine Internetseite, die über dem Durchschnitt der Landtagsabgeordneten liegt und You tube ist bei ihm auch kein Fremdwort. Im Wahlkampf wird man sehen, ob er den Charme des gehobenen Verwaltungsangestellten mit politischer Zusatzausbildung abstreift und Politikbegeisterung wenigstens in Ansätzen ausstrahlt. Die Themen werden die gleichen sein wie vorher, jedoch kommt es auf die Gewichtung an, z.B. in der Schulpolitik oder Energiepolitik.
    Bei Roland Koch irrst du dich. Er scheint die politische Riege der CDU haushoch zu überragen; ohne ihn läuft nicht viel.

  • 10 Maria // 9 Nov 2008 um 22:13

    Herr Schäfer-Gumbel wird nicht der hessische Obama, aber Herr Koch auch nicht. In der Schulpolitik würde ich von den Parteien gern ein völlig neues Lehrerbild sehen – was sollen sie wirklich können? In den nächsten drei Monaten bleibt hoffentlich eine Schlammschlacht aus. Oder sind schon Detektive auf Schwachstellen des politischen Gegners angesetzt?

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