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Generation Praxisschock – Lehrerbeobachtungen

1. November 2008 · von Leo · Keine Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

In der FR vom 27.10.08 beklagt ein gerade pensionierter Lehrer den in neuerer Zeit zunehmend schwelenden Generationenkonflikt innerhalb der Lehrerschaft.
In der Tat werden Junglehrer/innen zunehmend komplexer, theoretischer und damit wirklichkeitsferner ausgebildet. Dies wiederum befördert alle Varianten des vielzitierten Praxisschocks. Nicht mehr das ja schon während der Ausbildung immer wieder trainierte „Auftreten vor der Klasse“ macht Neulingen zunehmend zu schaffen, sondern der Wegfall eines bisher sorgsam gehegten Schonraumes gerade innerhalb einer latent missgünstigen Kollegenschaft.
Während die bis zum 2. Examen allenfalls vorsichtig geäußerte Kritik an diesem oder jenem neuen, wirklich unfähigen Referendar oft gar nicht bei dem Betreffenden ankam, prasselt bei der ersten richtigen Arbeitsstelle nunmehr der geballte Zorn der Platzhirsche auf die Neulinge nieder: autoritär im Unterricht, konservativ-unpolitisch, obrigkeitshörig. Wichtigtuer, Schaumschläger, Egomanen, Menschenverachter und was die Junglehrerschelte so alles sonst noch mit sich bringen mag.
Dabei ist alles viel einfacher: Nicht weil sie angeblich faul sind oder zu viel Freizeit haben, gelten ältere Lehrer inzwischen zunehmend als gesellschaftlich inkompatibel. Nein, das ideologische, autistische und wenig alltagstaugliche Gehabe einer womöglich 1977 und/oder 1990 auch noch schwer traumatisierten Generation von Berufsbeamten ist es, was den meisten Nicht-Lehrern seit langem auf alle guten Geister geht. Diese unsere Abneigung überträgt sich sodann schnell auch auf alle möglichen Neulinge, die sich partout keine mitgebrachten Hörnchen abstoßen wollen.. Ja, liebe „Generation Hornochsen“, auch bei euch glänzt nicht alles, was goldig sein soll: BauchBartGlatze statt BauchBeinePo, damit geht s doch schon los. Die Rotweinflasche bei Sonnenaufgang, Kettenraucher auf dem Schulgelände, Klamotten aus der Altkleidersammlung, der ewige Volvo-Diesel-Stinker oder das Uralt-Wohnmobil mit 15l Durchschnittsverbrauch auf dem Lehrerparkplatz – tolle Vorbilder für unsere lieben Kleinen. Der Lederwesten-Opa hat euch alle gleich lieb, bis zuletzt, das ist wohl wahr.
Nun, die nachrückenden Junglehrer danken also pflichtschuldigst namens sämtlicher Bildungsstudien und sämtlicher Steuerzahler (auch der inzwischen pensionierten) für die erbrachte, nur ganz leicht schieftürmige Dienstleistung der seit den Siebzigern erfolgreich implementierten Bildungsbürokratie – DANKE, DANKE, DANKE.

Kategorien: Berufsschule · Bewusstsein · Bildung · Dunkelkammer · Gesamtschule · Gymnasium · Unterricht · Vorbilder

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