Der Bildungswirt

Bildung Schule Kultur Wirtschaft

Der Bildungswirt header image 4

Einträge vom Oktober 2008

Alle Kids sind VIPs – Bertelsmann entdeckt Integration

16. Oktober 2008 · von frankmackay · 1 Kommentar

Alle Kids sind VIPs – Bertelsmann entdeckt Integration

In diesen Tagen startet Bertelsmann die Aktion „Alle Kids sind VIP´s„, denn:

An deutschen Schulen besteht Handlungsbedarf: Internationale Studien zeigen, dass der Bildungserfolg in Deutschland wie in kaum einem anderen Land von der Herkunft abhängt. Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien erzielen bei gleicher Intelligenz und Kompetenz niedrigere Schulabschlüsse als einheimische Schüler und ihre Aussichten auf eine qualifizierte Berufsausbildung sind nur halb so groß wie bei einheimischen Jugendlichen. Deutschland braucht neue Wege, um allen Kids faire Chancen einzuräumen und den sozialen Zusammenhalt zu stärken.

Es folgt der Aufruf an Schüler, Eltern, Lehrer, Schulen um „eine Idee für ein Projekt zu entwickeln, wie man an ihrer Schule Integration verbessern kann.“ Dazu gibt es einige Preise und Stars unterstützen, das Projekt. Als Aussgangspunkt kann dieses Mind-Map dienen (bitte anklicken):

Wie könnt ihr mit dem, was ihr am besten könnt, Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien helfen, sich besser in Deutschland zurechtzufinden? Was könnt ihr gemeinsam machen (z. B. Hausaufgaben, Musik, Sport)? Wie könnt ihr es schaffen, dass keiner Außenseiter ist? Dass jeder Schüler dieselben Chancen hat und niemand zurückbleibt? Macht, was immer ihr wollt. Einsendeschluss für das Projekt: 09. Januar 2009

Man darf gespannt sein, welche Projekte angestoßen werden. Es muss allerdings die Frage nach der Nachhaltigkeit gestellt werden, den wenn „Popstars“ gehen, dann ist schneller wieder Schatten…
Im Unterschied zu vielen anderen Projekten (Bsp. Bundesarbeitsministerium) aus dem Integrationsbereich ist die „Antragsschwelle“ erfreulicherweise gering, ein Kontaktformular und schon kann es losgehen.

Für das Projekt hat sich Bertelsmann die Medienagentur Plantage (Homepage: hübsche s/w-Ästhetik) aus Berlin gesucht.

Weitere Seiten, die auf das Integrationsprojekt verweisen: Lehrer-Online, JochenEnglish und der Blog der dritten Generation.

Abschlussfrage: Warum machen die Stars von Aggro-Berlin nicht mit?

[Weiter hier... →]

Tags: Berufsschule · Bildung · Gesamtschule · Gymnasium · Hauptschule · Vorbilder

Abitur verkauft – 6. Nachlese

15. Oktober 2008 · von Miller · 2 Kommentare

Abitur verkauft – 6. Nachlese

Das letzte schriftliche Abitur in Hessen wurde im April 2008 abgeschlossen. Bis heute gibt es:

keine Veröffentlichung der Prüfungsaufgaben im Internet

– keine zugesagten CDs im 1. Bildungsweg

– keine zugesagten CDs im 2. Bildungsweg (obwohl die Master-CD seit Monaten vorliegt)

– keine Beantwortung der parlamentarischen Anfrage der Grünen durch die Landesregierung

 

Wiesbaden hüllt sich in Schweigen. Man braucht offenbar sieben Monate für eine CD-Produktion. Im Copy-Shop an der Ecke funktioniert das in 48 Stunden! Wer will dieses Schneckentempo der jungen Generation, den Eltern und Lehrern vor Ort erklären?

Gleichzeitig spricht man auf jeder pädagogischen Fachtagung, jedem Symposium von den neuen „Unterstützungssystemen“ und den neuen „Supportstrukturen“ im Bildungsland Hessen. Hessen ist inzwischen bundesweit nicht Vorreiter, sondern Schlusslicht in der Abitur-Dokumentation!

Ein bundesweiter Überblick in Sachen Abiturprüfungen wird in den nächsten Tagen im Bildungwirt zu lesen sein.

[Weiter hier... →]

Tags: Abitur · Abitur verkauft · Berufsschule · Dunkelkammer · Gymnasium · Literatur / Film · Unterricht · Wirtschaft

1. Blogger erhält Nobelpreis für Wirtschaft – Paul Krugman

14. Oktober 2008 · von Miller · Keine Kommentare

1. Blogger erhält Nobelpreis für Wirtschaft – Paul Krugman

Der international bekannte amerikanische Ökonom, Paul Krugman erhält den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaft. Der regelmäßige Blogger, der Kolumnist in der New York Times spricht politisch Klartext: Er geißelt vor allem die völlig verfehlte Wirtschafts- und Sozialpolitik der USA und des Präsidenten Georg W. Bush. Er zeigt immer wieder in seinen Blog-Beiträgen, dass die soziale Ungleichheit politisch von den Konservativen gewollt ist. Die Titel heißen z.B. „Stranded in Suburbia, Don’t Cry for Me, America oder Trouble with Trade“. Ein breites Publikum feiert ihn als politisch-ökonomischen „Pop-Star“, der den Neo-Liberalismus in die Schranken weist,d.h. vor allem die blinde Herrschaft der Finanzmärkte brechen will. Seine Vision: ein gerechtes Amerika der sozialen Marktwirtschaft mit geregelter Globalisierung.

Die Akademie würdigte die Arbeit des Preisträgers: «Er hat die separaten Forschungszweige über den internationalen Handel und die Wirtschaftsgeographie zusammengeführt», die bisher anerkannte „Theorie der komperativen Kostenvorteile“ essenziell weiterentwickelt.

Auch die FAZ würdigt den Vordenker, den Visionär Paul Krugman. Es schreibt der Herausgeber, Frank Schirrmacher, höchstpersönlich! Irgendwie ist ein neuer milder und kritischer Geist in ein Stockwerk der FAZ eingezogen. „Ein deutscher bürgerlicher Liberalismus, der auf sich hielte, sähe in diesem Nobelpreisträger seine Zukunft.“

Also, liebe Blogger: Ihr seid alle potenziell preisverdächtig. Es muss doch nicht immer gleich Alfred Nobel sein und 1 Million Euro auf’s Konto. Vielleicht geht auch etwas dazwischen: ein paar grüne Scheine, Ruhm und Ehre, nicht nur in der Blogosphäre.

[Weiter hier... →]

Tags: Abitur · Bildung · Gesamtschule · Hauptschule · Literatur / Film · Vorbilder · WEb 2.0 · Wirtschaft

Reich-Ranicki, Heidenreich und die Blogosphäre

13. Oktober 2008 · von Miller · 1 Kommentar

Reich-Ranicki, Heidenreich und die Blogosphäre

MRR verteilte ein paar ordentliche Watschen an die Fernsehmacher, geißelte die grenzenlose Flachheit der Programme (nur Arte und ein bisschen 3Sat lobte er), war offensichtlich auf der falschen Veranstaltung, spürte vor seiner verbal-affektiven Entladung stundenlang den harten Holzstuhl, quälte sich in seinem Hirn mit dem dargebotenen „preisgekrönten Niveau“, schaute ungeduldig mehrfach auf die Uhr, kann es nicht mehr aushalten und findet doch nicht den optimalen Abgang.

Die Situation wurde vorher vergeigt. Er wusste, das er den Preis „für sein Lebenswerk“ erhalten sollte. Warum sagte er den Machern, wortgewaltig wie üblich, nicht einfach: Jungs, hört mal zu: Kein schlääächtes Buch, keinen schlääächten Film und kein eeeeeewiges Warten. Nehmt mich als ERSTEN dran, damit ich auch als Erster wieder gehen kann. Mein alter Leib diktiert zwischen durch meinem junggebliebenen Kopf, wann es genug ist.

Und Elke Heidenreich? haut in der FAZ von heute mit der verbalen Bratpfanne richtig zu: „unfähiges, unzumutbares Gestammel …endloser Unsinn, …wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich“. Einfach eine „grottendumme Veranstaltung“. Ihre ganze Sensibilität, ihr gewohnter Charme, ihr Differenzierungsvermögen blockierten am Samstag/Sonntag. Einfach die blanke Wut gegen die „verknöcherten Bürokarrieristen“ und die klatschenden, sattcool-selbstgefälligen Mitmacher. Nur der „Lichtblick“ MRR und seine Preisverweigerung rettete ihren versauten Abend.

Und wie geht’s weiter in der Matrix? Keiner steigt wirklich ganz aus, alle beruhigen sich wieder und viele stellen fest: Recht hatten sie mit ihrer Grundsatzkritik und doch ist nicht alles so schlecht, wie sie meinen. In Besinnung erinnern sie sich an Goethes Faust Vorspiel auf dem Theater – die alte Auseinandersetzung um Kunst, Kultur und Unterhaltung, Kommerz – zwischen dem Direktor, dem Dichter und der lustigen Person. Und wie sagt die lustige Person so treffend: (…)“Greift nur hinein ins volle Menschenleben/ Ein jeder lebt’s, nicht vielen ist’s bekannt/ Und wo ihr’s packt, da ist’s interessant./ In bunten Bildern wenig Klarheit/ Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit/ So ist der beste Trank gebraut/ Der alle Welt erquickt und auferbaut“ (…)

Weitere Links oder die Blogosphäre tobt – und wird sich auch wieder beruhigen:

Rivva (Blogsuchmaschine), Handelsblatt, FAZ u. Elke Heidenreich, DWDL.de (Das Medienmagazin), S. Niggemeier, Spreeblick, Medienlese, Miriam Meckel (sehr ausführlich)

[Weiter hier... →]

Tags: Allgemein · Bildung · Literatur / Film · Vorbilder · WEb 2.0 · Wirtschaft

Reich-Ranicki bei ZDF-Gala: Hirnlos durch die mediale Hemissphäre

12. Oktober 2008 · von Miller · Keine Kommentare

Reich-Ranicki bei ZDF-Gala: Hirnlos durch die mediale Hemissphäre

Skandale gehören selbstverständlich auch zum medialen System; manchmal platzt einen überspannten Subjekt einfach der Kragen ob der organisierten Hirnlosigkeit. Und schon rechnen die Interpreten die Rendite: "Gerechnet hat sich der Adrenalinschub in dieser ansonsten vollkommen beliebigen Preisabwurfparade nun sowohl für Reich-Ranicki als auch für Gottschalk selbst. Wie die ZDF-Verantwortlichen noch in der Nacht mitteilen ließen, werde man an einem Format arbeiten, in dem der Bücherpapst und der Quotenzampano gemeinsam übers Medium reflektieren werden. Aber mal ganz ehrlich, welche Inhalte könnten da ausgetauscht werden?" (Spiegel Online, 12.10.) Oder war vieles geistreicher um die Ecke gedacht, als es RR mit klassisch-literarischem Kopf verstehen konnte? Kleine Aussetzer der sensiblen Wahrnehmung aufgrund überflutender Reizspektakel? Wie dem auch sei:

Keiner kann aus der Quoten-Paranoia aussteigen. Auch der Chef-Kritiker ist "log in", es gibt in dieser Matrix keinen Ausstieg. Selbst der Aussteiger wird noch medial wieder ins Bild gesetzt. Der große Alte zeigt Kante, das ist man von ihm gewohnt, nur das ändert nichts am System und den immanenten Spielregeln. Die einzige Chance der großen Besinnung könnte in der großen Verweigerung bestehen. Als Test: einen Tag den Stecker ziehen, alles schwarz; kein Bild, kein Ton, keine Interviews, keine Reportagen, einfach mediales Nirgendwo!

Wie wäre es mit dem 11.11., dem Beginn des Narrenspiels?!
Schulen haben selbstverständlich auch frei – auch pädagogisch gesteuerte Kommunikation braucht eine echte Auszeit.

[Weiter hier... →]

Tags: Allgemein · Bildung · Dunkelkammer · Vorbilder · Wirtschaft

ZDF-Dokumentation 37 Grad: Lehrer – immer am Limit (??)

11. Oktober 2008 · von Miller · 3 Kommentare

ZDF-Dokumentation 37 Grad: Lehrer – immer am Limit (??)

Der angebliche Alltag der Lehrer war am 07. Oktober 22.15 filmerischer Gegenstand der ZDF- „37 Grad“-Dokumentation „Immer am Limit – Lehrer und ihr harter Job“. (Link zur ZDF-Mediathek)


Die Filmemacher Katharina Gugel und Ulf Eberle montieren eine Realität aus der Perspektive der Lehrer. (In der Sendung davor ging es unter dem Titel „Schwere Last auf schmalen Schultern“ um die Schülerperspektive an einem G8-Gymnasium.) Der Lehrer-Film wurde im Vorfeld breit in den Medien angekündigt, zum Teil empfohlen, bevor er tatsächlich gesehen wurde. Und nach der Sendung? Was haben wir gesehen? Wo sind die Rezensionen, die Lobeshymnen oder auch Verrisse? – weitgehend ein großes Schweigen im Medienwald. Der Bildungswirt will einige Facetten näher beleuchten.

Zuerst gebührt dem ZDF und den Filmemachern sicher Dank, dass sie das Thema „Schule und Lehrerarbeit“ zurzeit verstärkt in die öffentliche Debatte bringen. Allerdings werden dabei immer wieder Eulen nach Athen getragen: Wer glaubt eigentlich noch, dass Lehrer einen Halbtagsjob haben und nachmittags auf dem Tennisplatz stehen? Selbst der Kioskbesitzer an der Ecke weiß, dass Lehrer einen anstrengenden Beruf mit hoher Stressbelastung haben. Das ist auch der Grund, warum die große Mehrheit der Bevölkerung selbst nicht diesen Beruf ausüben wollte.

Die Hauptkritik am „Lebensort Schule“ formulieren in der Reportage die Gesamtschullehrerin Charlotte Hornbostel aus Bad Hersfeld und ihr Kollege Jürgen Liefke aus Duisburg Neumühl in weitgehender Übereinstimmung mit den längst bekannten Urteilen / Vorurteilen in der Bevölkerung:
zu große Klassen, verhaltensauffällige und unmotivierte Kinder, Dauerhektik, Überlastung, Burn-out-Gefährdung, Zunahme der bürokratischen Verwaltungsarbeiten, kaum individuelle Förderung von Schülern möglich. Bei vielen Zuschauern könnten dadurch eher Sehnsüchte nach der verlorenen Disziplin und der Ruf nach Härte hervorgerufen werden. (Im ZDF-Forum zeigen sich erste Spuren). Verunsicherung bei Lehrern und Eltern produzieren schnell den Wunsch nach klarer Orientierung durch Führung.

Filmisch kommen O-Töne zur Unterrichtsmisere:
„Ich bin jetzt echt frustriert“, sagt Charlotte Hornbostel. Ein Satz, den die Lehrerin häufig sagt. Und Jürgen Liefke korrigiert bis Mitternacht Klassenarbeiten, bereitet sich vor (so der Film), kommt mit dem Lehrplan (wie die Kollegin) nicht durch und „muss wieder Schüler bändigen oder unmotivierte ermutigen.“ Sie sind beide überzeugte Lehrer – von den Filmemachern betitelt als „Lehrer aus Leidenschaft“. Liefke meint auch: „Das ist es doch, warum wir an diesem Beruf hängen: Dass wir etwas bei den Kindern bewirken können.“ Hornbostel bestätigt ansonsten bekannten Alltags-Geschichten: „Ganz schlimm ist es nach dem Wochenende“. „Dann sprechen die nur noch in ihrer Computersprache und haben jede Menge Aggressionen angestaut.“ (Wirklich? Eine eigene Computersprache?)

Was sehen wir als Zuschauer noch?
Einen biederen, hausbackenen Unterricht, gelangweilte Schüler! Wie könnte es anders sein? Wir bekommen allerlei Symptome von „Konflikt und Störung“ vorgeführt und gleichzeitig wenig Reflexionsfähigkeit und innovative Unterrichtsansätze der Lehrer gezeigt. Im Gegenteil: Der instruktionspädagogische Häppchenunterricht wird von den Schülern durch weitgehendes Desinteresse und erhöhten Lärmpegel kommentiert. Liefke meint, dass man den Lärmpegel aushalten müsse, man gewöhne sich dran. Mit einer sinnvollen Lernatmosphäre hat das jedenfalls nichts zu tun. Prüfsteine für einen guten Unterricht werden weitgehend (unbewusst?) ignoriert bzw. nicht gewusst.
Die Schüler finden Liefke haben trotzdem sehr nett, da „er ein offenes Ohr auch für private Probleme hat, man mit ihm reden klann“. Erst beim „Überstundenprogramm“ – dem zusätzlichen Theaterspiel gelingt im Ansatz eine Mischung aus Ernsthaftigkeit, Spaß und unterrichtlicher Substanz. Leider viel zu kurz. Über das pädagogisch- didaktische Kunsthandwerk, die notwendige professionelle Handlungskompetenz des Lehrers, erfahren wir fast nichts.

Was sehen wir noch?
Schulleiter Ulrich Stockem, selbst Burn-out-erfahren, macht sich Sorgen um den Gesundheitszustand von Liefke und monologisiert über die Gefahren. Wenn Liefke nichts an seinem Arbeitsstil ändere, dann prophezeit ihm der Rektor spätestens in fünf Jahren einen Herzinfarkt oder ähnliche Katastrophen. Begleitendes zartes Kopfnicken und Händeschütteln, das war’s. Mit einem Gespräch, im wahrsten Sinne des Wortes, hatte das nichts zu tun! Auch dem Kameramann fällt da nichts mehr ein.
Dann eine unsägliche Gesamtkonferenz der Lehrer: Man bestätigt gegenseitig, dass man den Kanal voll habe und das Ende der Fahnenstange erreicht sei. Der Schuleiter versteht sich als tonangebendes Sprachrohr und fordert zum Meinungsbild/ zur Abstimmung auf, wobei er zuerst die Hand hebt, damit auch jeder wisse, welches Zeichen für die anwesende Kamera zu geben sei. Peinlich!

Szenenwechsel: Hornbostel liegt beim Arzt auf der Untersuchungspritsche: Seit einem Jahr spürt die junge Lehrerin die Daueranspannung auch körperlich: „Manchmal hat sie Ohrensausen, Herzrasen, oft kann sie nicht schlafen, und der Bauch drückt. „Beginnendes Burn-out-Syndrom“, diagnostiziert ihr Arzt und mahnt dringend zu mehr Auszeiten. (Liebe Filmemacher, so platt geht dieses Thema nicht in den Kasten)

Hornbostel, Liefke und Stockem sind subjektiv engagiert, nur das allein garantiert keinen qualitativen Sprung zur Lösung der Schulmisere. Auch den ebenso engagierten Filmemachern gelingt nur bedingt ein wirklich sensibles filmerisches Röntgenauge auf Schulwirklichkeiten. Man beteiligt sich an der Verdoppelung der schlechten Realitätsausschnitte und leistet unfreiwillig Vorschub zu deren Zementierung.

PS:Burn-out-Bekämpfung: „Die Erfolge sind am besten, wenn die Hilfestellung im Frühstadium erfolgt, etwa in einer Supervisionsgruppe, also einer Kollegengruppe unter Leitung eines Psychotherapeuten, die sich beispielsweise einmal wöchentlich trifft. Reicht dies nicht aus, sollte eine Einzel-Psychotherapie in Erwägung gezogen werden. Leider werden psychotherapeutische Hilfen aus Scham oder Stolz oft nicht oder viel zu spät aufgesucht. Eine fachgerechte Psychotherapie wird von den Kassen bezahlt,“ so die Filmemacher. Da stimme ich überein.
Professionelles Handlungswissen für den erfolgreichen Unterricht sollte allerdings im Zentrum der individuellen und kollektiven Anstrengung in der Schule stehen und nicht der „Methoden-Schnellkurs“ oder die „Antistress-Nachmittagsschulung“. Für Lehramts-Studierende sollte frühzeitig als grundsätzliche biografische Selbstreflexion gelten: Ist das wirklich meine erste Berufswahl? Denn es gibt auch andere attraktive Berufe. Und für weit blickende Schulleiter gilt: Die bewusste Personalauswahl ist die beste Garantie für die Wirksamkeit von sog. Maßnahmen zur Personalentwicklung. Die Schülerinnen und Schüler hätten das verdient.

[Weiter hier... →]

Tags: Bildung · Dunkelkammer · Gesamtschule · Gymnasium · Literatur / Film · Unterricht · Vorbilder

Wladimir Kaminer – Autorschaft & Vaterschaft

10. Oktober 2008 · von frankmackay · Keine Kommentare

Wladimir Kaminer – Autorschaft & Vaterschaft

In „Salve Papa“ geht es in vielen Geschichten um die Schule. Wie finden Sie das deutsche Schulsystem?

Wladimir: Die Geschichten sind auf der einen Seite natürlich komisch, auf der anderen Seite war es für mich eine ernsthafte Entdeckung. Nicole hat ihr erstes Schuljahr auf dem Gymnasium mit einem Anti-Mobbing-Projekt begonnen. Ich habe ihren Lehrer gefragt, wieso, die kennen sich doch alle untereinander noch gar nicht. Das helfe später, sagt er, wenn sie sich kennenlernen. Ein Anti-Mobbing-Projekt mit einander Fremden, das ist im Grunde genommen eine visionäre Art zu unterrichten, die ich sehr unterstütze.

aus FAZ – 4.10.2008 – Papa schreibt das so oder so auf

[Weiter hier... →]

Tags: Dunkelkammer · Gymnasium · Kunst/ Kultur · Unterricht · Vorbilder

Der gute Lehrer…

8. Oktober 2008 · von Miller · 2 Kommentare

Der gute Lehrer…

… in Ergänzung zu den 10 Prüfsteinen eines guten Unterrichts .

Miller 2007, Lehrerrollen - Erwartungen, Visionen. Aus Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft 2008
Miller 2007, Lehrerrollen – Erwartungen, Visionen. Aus: Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft 2008

Der gute Lehrer ist vornehmlich nicht mehr reduzierter Fachexperte (»Wissensvermittler«) mit dem Nürnberger Trichter im Gepäck, sondern vor allem Initiator, Berater und Organisator von neuen Lernkulturen. Wenn es komplexe Aufgabenstellungen auf schwierigem Gebiet erfordern, kann auch alle zwei Monate der pointierte Lehrervortrag (Vorlesungscharakter) zum neuesten Forschungsstand gehalten werden. Der gezielte Lehrervortrag ist eine Methode unter vielen. Aktives Zuhören, Mitschriften und anschließend vertiefende Erörterungen gehören zwingend ab der 7. Klasse ins feste Repertoire. Das Ziel der gemeinsamen Sache, die bisher zurückgelegten Wege bedürfen der wiederholenden Reflexion in der Gruppe.
Des Weiteren gibt es andere wichtige Lehrerrollen: immer mal wieder Moderator und Entertainer sein, der angenehme Atmosphären schafft. Einfaches Kriterium: Wenn es in einem Unterricht über längere Zeit nichts zu lachen gibt, läuft etwas total falsch! Die dicke Luft ist dann buchstäblich zu riechen. Vergessen wird vom Lehrer: Der Mensch ist ein emotionales und lachendes Wesen und kein kognitiver Maschinenkrüppel.

(Textauszug: Michael Miller 2008, Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft . Alle reden von Schule, was ist zu tun, S. 57)

Weitere Links: Vortrag Dr. Miller – Führungskräfte in der eigenverantwortlichen Schule – Neue Lernkulturen 16.11.2007

http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb04/download/Rauin_Studierverhalten.pdf
Bei Prof. Rauin, Uni Frankfurt, wäre zugespitzt zu fragen: Hat er mit seiner aufwendigen Lehrerstudie Recht oder will wer nur geschickt provozieren? Der Bildungswirt wird demnächst solche Fragen und mögliche Antworten prüfen.

[Weiter hier... →]

Tags: Bewusstsein · Bildung · Bildungsgipfel · Bildungsstandards · Uni · Unterricht · Vorbilder