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Reich-Ranicki, Heidenreich und die Blogosphäre

13. Oktober 2008 · von Miller · 1 Kommentar

Reich-Ranicki, Heidenreich und die Blogosphäre

MRR verteilte ein paar ordentliche Watschen an die Fernsehmacher, geißelte die grenzenlose Flachheit der Programme (nur Arte und ein bisschen 3Sat lobte er), war offensichtlich auf der falschen Veranstaltung, spürte vor seiner verbal-affektiven Entladung stundenlang den harten Holzstuhl, quälte sich in seinem Hirn mit dem dargebotenen „preisgekrönten Niveau“, schaute ungeduldig mehrfach auf die Uhr, kann es nicht mehr aushalten und findet doch nicht den optimalen Abgang.

Die Situation wurde vorher vergeigt. Er wusste, das er den Preis „für sein Lebenswerk“ erhalten sollte. Warum sagte er den Machern, wortgewaltig wie üblich, nicht einfach: Jungs, hört mal zu: Kein schlääächtes Buch, keinen schlääächten Film und kein eeeeeewiges Warten. Nehmt mich als ERSTEN dran, damit ich auch als Erster wieder gehen kann. Mein alter Leib diktiert zwischen durch meinem junggebliebenen Kopf, wann es genug ist.

Und Elke Heidenreich? haut in der FAZ von heute mit der verbalen Bratpfanne richtig zu: „unfähiges, unzumutbares Gestammel …endloser Unsinn, …wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich“. Einfach eine „grottendumme Veranstaltung“. Ihre ganze Sensibilität, ihr gewohnter Charme, ihr Differenzierungsvermögen blockierten am Samstag/Sonntag. Einfach die blanke Wut gegen die „verknöcherten Bürokarrieristen“ und die klatschenden, sattcool-selbstgefälligen Mitmacher. Nur der „Lichtblick“ MRR und seine Preisverweigerung rettete ihren versauten Abend.

Und wie geht’s weiter in der Matrix? Keiner steigt wirklich ganz aus, alle beruhigen sich wieder und viele stellen fest: Recht hatten sie mit ihrer Grundsatzkritik und doch ist nicht alles so schlecht, wie sie meinen. In Besinnung erinnern sie sich an Goethes Faust Vorspiel auf dem Theater – die alte Auseinandersetzung um Kunst, Kultur und Unterhaltung, Kommerz – zwischen dem Direktor, dem Dichter und der lustigen Person. Und wie sagt die lustige Person so treffend: (…)“Greift nur hinein ins volle Menschenleben/ Ein jeder lebt’s, nicht vielen ist’s bekannt/ Und wo ihr’s packt, da ist’s interessant./ In bunten Bildern wenig Klarheit/ Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit/ So ist der beste Trank gebraut/ Der alle Welt erquickt und auferbaut“ (…)

Weitere Links oder die Blogosphäre tobt – und wird sich auch wieder beruhigen:

Rivva (Blogsuchmaschine), Handelsblatt, FAZ u. Elke Heidenreich, DWDL.de (Das Medienmagazin), S. Niggemeier, Spreeblick, Medienlese, Miriam Meckel (sehr ausführlich)

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