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Minister-Erkenntnisse 2008 zur eigenverantwortlichen Schule – Erhellendes nebenbei

30. September 2008 · von Miller · Keine Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

„Ich will versuchen, sie ein wenig zu bespaßen“ (…)

1. Die „finanziellen Ressourcen sind zu wenig“, es wird „neue Verteilungsdiskussionen geben“ und „mit der demografischen Rendite allein“,(…) „ wird nicht der Bedarf zu decken sein“.

2. „Albträume von Politikern“– „Macht nach unten abgeben zu müssen“, d.h. die Zügel loslassen und nicht durch die Hintertür wieder einführen, denn „auch ein goldener Zügel ist ein Zügel“.

3. „Beim Aufbau neuer Kompetenzstrukturen haben wir offensichtlich ein Zuviel an Verwaltungsstrukturen und Kontrollstrukturen reingegeben“.

4. Der Begriff der eigenverantwortlichen Schule sollte besser in selbständige Schule gewandelt werden. „Denn Schulen sind nicht eigenverantwortlich, sondern der Gesellschaft gegenüber verantwortlich“.

5. Die Budgethoheit sollte bei denen liegen, die dies „am klügsten verwalten und effizient einsetzen können“, und das sind die Schulen vor Ort.

6. „Juristische Selbstständigkeit ist nicht für jeden Schultyp der 2000 Schulen geeignet, hier müssen wir noch intensiv diskutieren.“

(aus dem Vortrag des Staatsministers Jürgen Banzer am 29. September 2008: Fachtagung des HKM, IQ und AfL Eigenverantwortung in der Praxis. Was brauchen eigenverantwortliche Schulen in Hessen?
Der gelungene Einstieg hatte etwas von der Tiefe eines Karl Valentin im Sinne von – nehmt euch nicht immer ganz so ernst – , womit der Redner sicher richtig lag. Bleibt zu hoffen, dass sich die Politiker von ihren Albträumen schnell erholen und in heiteren Tagträumen den Weg zur ‚Selbständigen Schule’ ebnen. Auch bei der juristischen Selbständigkeit, sprich Rechtsfähigkeit, liegt der Minister goldrichtig. Lassen wir doch z.B. die Grundschulen damit in Ruhe, beginnen aber endlich bei den Berufschulen, Gymnasien und großen Gesamtschulen (auf freiwilliger Basis). Geredet worden ist in den letzten 3 Jahren genug, Taten sind gefragt.

Als lockere Assoziation will ich noch eine fast 100-jährige literarische Textstelle hinzufügen: (…) „Eingewurzelte Rechte und Überlieferungen der Trägheit widerstanden jeder Neuerung. Findet man ängstliche Philister und arbeitsscheue Brotsitzer dort, wo die Kunst ihre Stimme erheben soll, so gibt es keinen Aufschwung mehr, sondern nur noch bürgerliche Pflichten. Da welkt die Blüte, da verkümmert der Traum, da muss der freigeborene Geist gegen alle Dämonen der Kleinlichkeit und Mittelmäßigkeit in Waffen stehen, oder er wird niedergeschlagen.“
aus: Jakob Wassermann, Das Gänsemännchen, 1912/1914)

Link: Pressemitteilung des HKM

Kategorien: Berufsschule · Bildung · Bildungsgipfel · Dunkelkammer · Gesamtschule · Gymnasium · Unterricht

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