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Bernhard Bueb – Allmachtsphantasien aus der Mottenkiste

8. September 2008 · von Miller · 6 Kommentare

Bernhard Bueb – Allmachtsphantasien aus der Mottenkiste

Die Republik diskutiert ernsthaft über Bildung; Bund und Länder bereiten sich auf den nationalen Bildungsgipfel vor, die Bundeskanzlerin reist bildungsbeflissen durchs Land (reisen soll bekanntlich bilden) und Massenblätter lancieren ihre Positionen und pädagogischen Lieblinge. Die FAZ – wie könnte es anders sein – puscht den Disziplinmatador und ehemaligen Internatsleiter Bernhard Bueb. „Deutschlands strengster Lehrer“ (die Bildzeitung über Bueb) wiederholt, was er seit Jahren vertritt in neuem Gewand. Aus der Buebschen Mottenkiste wird im Jahr 2006 zuerst Lob der Disziplin hervorgeholt und jetzt, im September 2008, mit dem neuen Buch Von der Pflicht zu führen. Neun Gebote der Bildung nachgeladen.

Warum nicht gleich 10 Gebote, in Stein gemeißelt, vom Bueb-Moses-Internat zur erzieherischen Heilung der deutschen Jugend? In L.d.D. waren noch Entgleisungen zu lesen wie „Die Menschen klären, die Sachen stärken“ (Bueb, 10. Aufl., S. 164). Korrekt heißt es selbstverständlich bei Hartmut v. Hentig: „Die Menschen stärken, die Sachen klären“. Der Freudsche Versprecher (von Autor und Lektor!) läßt tief blicken. Besonders peinlich ist diese Entgleisung auch deshalb, weil Bueb zuvor explizit von Hentig hervorhebt. „Der große Unruhestifter in Sachen Bildung und Erziehung der Nachkriegszeit und Nestor pädagogischer Theorie und nachdenkender Praxis, Hartmut von Hentig, hat es verdient, schon wegen seiner genialen Formel zur Beschreibung der Tätigkeit aller Lehrer und Erzieher in den pädagogischen Olymp aufzusteigen.“(S.164). Dann diese fundamentale Patzer! Von dort ist es nicht weit zur neuen Verpackung: Alle Macht den Schulleitern! , so der FAZ-Vorabdruck aus den neun Geboten.

Erziehung ist für Bueb wesentlich Führung und Gefolgschaft, immer mit den besten Absichten, versteht sich von selbst. Ansonsten tischt Bueb Binsenweisheiten und oberflächlichen bildungspolitischen Konsens auf. „Kinder und Jugendliche brauchen gestaltete Gemeinschaften.“ Dissens bricht bei klugen Pädagogen jedoch sofort auf, wenn er ständig betont „unter Führung von Erwachsenen.“ Bueb fordert die Ganztagsschule – wer inzwischen eigentlich nicht? Dann kommt die spezielle Buebsche Variante: „Als wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Ganztagsschule gilt, dass dieselben Erwachsenen, die morgens unterrichten, nachmittags als Partner im Spiel auftreten – nämlich die Lehrer.“ Fürchterlich. Dann gäbe es für Schüler kein Entrinnen mehr: die durchgeplante Lehrerschule als überwachendes Erziehungs-Gesamtprogramm. Der eingepasste Lehrer als 7.00 bis 17.00-Arbeitnehmer für die Erziehungsanstalt der Zukunft?
Und das soll der Ausweg aus der „Erziehungs- und Bildungskrise“ sein? Mit Bueb zurück in die Führungszukunft?

Wir brauchen stattdessen starke selbstverantwortliche Schulen (sprich: Schulgemeinden aus Lehrer, Schüler, Eltern und Schulleiter mit demokratischer Schul- und Lernkultur) mit Personal- Budget- und Programmhoheit. Wir brauchen die Auflösung bürokratisch-ministerialer Gängelungen (da hat Bueb im Grundsatz recht), die schnelle Beseitigung der Überregulierungen im Schulalltag. Muss deshalb das Berufsbeamtentum für Lehrer abgeschafft werden? Ein alter Vorschlag, den Bueb erneut aufwärmt und glaubt, dass sich die Lehrer dafür selbst einsetzen müssten. Wo lebt der Mann?
Nehmen wir einmal an, dass die Lehrer tatsächlich sagen würden: Warum nicht? – so schlage ich vor: Als Pilotprojekte sollten zuerst die Kultusministerien und Schulämter dienen; denn Führung heißt Vorbild sein für mehr Flexibilität, Kreativität und Zivilcourage. Das wäre der Praxistest der Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit zur beamtenrechtlichen Reform. Gut, dass wir uns noch unseres eigenen Verstandes bedienen und diesen nicht beim Pförtner, pardon „Führer“, abgeben. Von dem einstigen Reformpädagogen Bernhard Bueb ist nicht mehr viel geblieben.

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