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Abitur verkauft – eine 2. Nachlese

20. August 2008 · von Miller · 4 Kommentare

Abitur verkauft – eine 2. Nachlese

In „Skandal: Landesabitur verkauft“ (Beitrag vom 4. Juni) analysierte ich den ungewöhnlichen Sachverhalt hessischer Bildungspolitik. Zusätzlich wurde eine klare Forderung an den neuen Minister gestellt:

„Für alle hessischen Schülerinnen und Schüler wird gewährleistet:
Kostenfreier Zugang zu allen zentralen Prüfungsaufgaben (mit Lösungshinweisen!) via Internet. Dies gilt für die gymnasiale Oberstufe genauso wie für den Haupt- und Realschulbereich.“ …

„Herr Banzer, korrigieren Sie diese dicken Fehler im HKM. Hessen als „Bildungsland Nr.1″ ist kein Kiosk, der Prüfungssonderangebote an privat verscherbelt. Schüler, Eltern und Lehrer werden Ihnen die notwendige Korrektur danken.“

In „Abitur verkauft – eine 1. Nachlese“ (Beitrag vom 16. Juni) dokumentierte ich die Antworten von SPD, GEW und VBE.

Inzwischen gibt es weitere Reaktionen:
Die FDP-Fraktion im hessischen Landtag antwortete:

Sehr geehrter Herr Dr. Miller,
vielen Dank für Ihre Mail an Frau MdL Henzler zu dem Beitrag auf www.bildungswirt.de bzgl. des Verkaufs der Prüfungsaufgaben des Landesabiturs. Uns liegen dazu keine näheren Informationen vor. Wir werden dies prüfen. Ihre Forderung nach einem kostenfreien Zugang zu zentralen Prüfungsaufgaben für alle Bildungsgänge werden wir in unsere internen Beratungen aufnehmen.

Die Grünen im hessischen Landtag antworteten am 19. August:

Sehr geehrter Herr Miller,
im Auftrag des bildungspolitischen Sprechers unserer Fraktion, Mathias Wagner, darf ich Ihnen anbei die Kleine Anfrage zusenden, die er betreffend des Verkaufs der Abiturprüfungsaufgaben bzw. der Zugänglichkeit aller zentralen Prüfungsaufgaben gestellt hat.

Kleine Anfrage
des Abg. Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
betreffend Zugänglichkeit aller zentralen Prüfungsaufgaben

Vorbemerkung:
Seit September 2007 sind die Beispielaufgaben und Prüfungsaufgaben des hessischen Landesabiturs vergangener Jahre nicht mehr Teil des Internetauftritts zum Landesabitur. Den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, die zum Abitur führen wurden die im Landesabitur 2007 verwendeten Prüfungsaufgaben aller Unterrichtsfächer lediglich als CD zur Verfügung gestellt. Auch die Aufgaben der zentralen schriftlichen Abschlussarbeiten für die Bildungsgänge der Hauptschule und der Realschule werden nicht im Internet veröffentlicht. Somit ist eine kostenfreie, standortunabhängige und leichte Zugänglichkeit der Übungsmaterialien nicht gegeben. Das Kultusministerium verweist auf seinen Seiten auf die Möglichkeit, die einschlägigen Veröffentlichungen über den Buchhandel zu beziehen.
Ich frage die Landesregierung:

1. Aus welchen Gründen stellt die Landesregierung die Beispiel- und Prüfungsaufgaben zu den zentralen Abschlussprüfungen und zum Landesabitur nicht kostenlos im Internet zur Verfügung?

2. Wie begegnet die Landesregierung dem Vorwurf, dass diese Aufgaben, die unter Einsatz öffentlicher Mittel entwickelt wurden, durch diese Entscheidung dem öffentlichen Zugriff entzogen sind?

3. Welche Maßnahmen hat die Landesregierung getroffen, um zu gewährleisten, dass dennoch alle Schülerinnen und Schüler, die sich auf ihre Abschluss- oder Abiturprüfung vorbereiten, kostenfreien und unkomplizierten Zugang zu den Aufgaben erhalten?

4. Werden allen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, die zum Abitur führen, auch die im Landesabitur 2008 verwendeten Prüfungsaufgaben aller Unterrichtsfächer als CD zur Verfügung gestellt? Falls nein, warum nicht?

5. Werden allen Schulen, die Hauptschul- oder Realschulabschlussprüfungen durchführen, ebenfalls die bisher verwendeten Prüfungsaufgaben aller Unterrichtsfächer als CD zur Verfügung gestellt? Falls nein, warum nicht?

6. Wie sind die Rahmenbedingungen der Nutzung gestaltet? Wie viele Exemplare wurden den Schulen jeweils zur Verfügung gestellt? Dürfen die CDs vervielfältigt und an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben werden? Welche Restriktionen gibt es für die Nutzung und Weitergabe der Daten?

7. Welche Einnahmen hat die Landesregierung bei den Verlagen erzielt bzw. erzielt sie weiterhin, die auf Grundlage der hessischen Abiturprüfung Übungsmaterialien entwickelt haben, die nun im Buchhandel angeboten werden? (Bitte differenzieren nach Verlagen, Jahren und Einnahmearten)

8. Gibt es nach Kenntnis der Landesregierung auch Verlage, die auf Grundlage der hessischen zentralen Abschlussprüfungen für Haupt- und Realschulen Übungsmaterialien entwickelt haben oder entwickeln wollen, die im Buchhandel angeboten werden?

9. Falls ja, welche Einnahmen hat die Landesregierung bei den Verlagen erzielt bzw. erzielt es weiterhin, die auf Grundlage der hessischen zentralen Abschlussprüfungen für Haupt- und Realschulen Übungsmaterialien entwickelt haben, die nun im Buchhandel angeboten werden? (Bitte differenzieren nach Verlagen, Jahren und Einnahmearten)

10. Sind alle Schulen kostenlos mit diesen von Verlagen erstellten Übungsmaterialien versorgt worden und falls ja, in welchem Umfang? Falls nein, warum nicht?

Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) schweigt bisher. Es wäre für ihn ein leicht lösbares Problem – keine umständlichen oder auch geschmeidig weichgespülten Ausreden von Amtsjuristen und Pressesprechern mehr – sondern konkretes Handeln im Interesse der zukünftigen Aiturienten und Lehrer. In der Sache ist der Bildungswirt gern behilflich!

PS. Die Fraktion „Die Linke“ im hessichen Landtag schweigt zur Sache trotz dreimaliger Nachfrage – Gründe unbekannt! Von einer angeblich „neuen politischen Kraft“ ist hier nichts zu spüren. Und die Lehrerverbände? Nichts Neues, sie sind offensichtlich mit sich selbst beschäftigt.

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