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Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft

13. August 2008 · von Miller · 2 Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

Das neue Buch vom Bildungswirt ab 20. August 2008 im Buchhandel

Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft
Alle reden von Schule – was ist zu tun? Ansichten eines Kneipenbesitzers

Alle waren in der Schule, alle reden mit – und das ist gut so! Kontroverse Meinungen, unterschiedliche Erfahrungen, andere Wahrnehmungen – wie könnte es anders sein?
Zahlreiche Bildungsberichte und Ratschläge zum schulpolitischen Waterloo gibt es alle Jahre wieder, durch viele Schwarz-weiß-Brillen gesehen und gleichzeitig als buntes Stimmengewirr vorgetragen: aufgeregt, mahnend, unterkühlt, marktschreierisch, beschwichtigend, beschwörend, aufrüttelnd und fast immer mit einem Quäntchen Wahrheit gewürzt: Ja, die Verwahrlosung der Sitten und die Eskalation der Gewalt an Schulen stoppen, der Vergreisung der Lehrerschaft entgegenwirken, die Lehrerausbildung neu regeln, den Beamtenstatus von Lehrern abschaffen, die Eltern an ihre erzieherischen Aufgaben erinnern, Milliarden Euro zusätzlich in Bildung investieren.
Aber das realpolitische Tohuwabohu zieht einfach weiter, verläuft sich im Hamsterrad der vielen länderspezifischen Zuständigkeiten und Abhängigkeiten: rasender Stillstand bei eingebildeter Beweglichkeit. Auffällig wenig wird über konkrete Pädagogik vor Ort geredet, insbesondere über den Kern der Sache: das didaktische Kunsthandwerk des Lehrers und die Gründe, warum Schüler so wenig Sinnvolles lernen.

Lob der pädagogisch-gastronomischen Vernunft beschäftigt sich mit den »heißen Eisen« der Bildungspolitik und unterzieht sie einem ständigen Szenenwechsel. Wichtigen Bildungsfragen nachspüren heißt auch, das Ohr am Puls der Kneipenkommunikation zu haben. Die Kneipe als eine der bedeutendsten sozialen und kulturellen Institutionen des gesellschaftlichen Lebens wird präsentiert als Ort, von dem die Schule lernen kann.

Inhaltsverzeichnis (pdf)

Leseprobe 1
Auszug aus Kapitel 2: Von der kindlichen Neugier zum gelangweilten Schüler

Die Mehrheit der Schüler hat Angst vor schlechten Noten, im schlimmsten Fall vor dem »Sitzenbleiben«. Sie verspüren am eigenen Leib den Leistungsdruck mit vielfältigen nervösen Störungen. Langsam, ganz langsam, aber todsicher breitet sich das schulische Krebsgeschwür aus: Demotivation, mangelndes Interesse an der Sache, gähnende Langeweile!
Der Lehrer will den Schüler aufs Leben zielgerichtet vorbereiten, ihn qualifizieren (deshalb der ganze Aufwand und Stress für alle Beteiligten), er will natürlich selbstredend nur das Beste, das Allerbeste. Nur genau das bekommt der Lehrer nicht! Das Beste wird mit den Freunden geteilt oder für sich behalten; in der Schule will der Schüler die Langeweile überstehen, die eigene Anstrengung wird dabei auf ein kalkuliertes Minimum herabgekühlt. Man ist erfinderisch, man wird zum Aufspüren immer neuer Nischen der Arbeitsentlastung geradezu gezwungen. Je nach Lehrer wechselt das Interesse, das Engagement, die Fassade, die Art des Mitspielens, das geistige Ausklinken bei einigermaßen regelmäßiger körperlicher Anwesenheit. Mindestens 40% der Stunden werden sinnlos abgesessen, auf die lange Dauer der Schulzeit wird man als Schüler wie ein Profiboxer »hart im Nehmen«. (Sollten Sie Zweifel an der angegebenen Prozentzahl haben, fragen Sie zuerst Ihre Kinder! Dann fragen Sie Lehrer in entspannter Atmosphäre, z.B. in der Kneipe, nach der Zahl der fehlgeschlagenen Unterrichtsstunden! Sollten Sie immer noch Zweifel haben, so besorgen Sie sich neueste wissenschaftliche Studien zur Unwirksamkeit des Unterrichts, z.B. im Fach Mathematik. Bedenken Sie zusätzlich, dass sich empirisch forschende Wissenschaftler ungern festlegen, alles immer hochkomplex sei, heterogen, unübersichtlich, nicht nach allen Seiten abgesichert und deshalb unbedingt weiter geforscht werden müsste. Auf die dann doch veröffentlichten Ergebnisse können Sie in aller Ruhe und Gelassenheit noch mal 10% draufschlagen!).
Was viele Lehrer als Überforderung der Kinder durch hochqualifizierten Unterricht deuten und entsprechend bei Versagen mit schlechten Noten quittieren, ist in Wahrheit strukturelle Unterforderung durch verordnete Passivität des Gehirns. Unser Gehirn ist dafür nicht geschaffen, die Schüler schalten auf Sparflamme. Die lineare Verkündungspädagogik schafft in besonderem Maße die geistige Unterforderung und affektive Unterkühlung und steht im offenen Widerspruch zur Evolutionsgeschichte des Menschen als hocheffizientes, aktives, spielendes und emotionsgeladenes Wesen.

Leseprobe 2
Auszug aus Kapitel 4: Lernen: Konstruktionen im Kopf und Vorfreude im Leib (pdf)

Bestellung: ISBN 978-3-8370-5476-7, Paperback, 188 Seiten, € 16,90

Internetbuchhändler, z.B.: Libri.de , Books on Demand , Amazon.de, Hugendubel

Kategorien: Abitur · Bildung · Bildungsgipfel · Bildungsstandards · Literatur / Film · Vorbilder · Wirtschaft

2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Herbert Klein // 19 Aug 2008 um 11:10

    Das klingt ja spannend. Bei meinen beiden Schulkindern habe ich auch oft den Eindruck, dass in der Schule eine „strukturelle Unterforderung durch verordnete Passivität des Gehirns“vorliegt. Die Pädagogen sollten sich hier etwas Neues einfallen lassen.

  • 2 P.Schramm // 25 Aug 2008 um 00:05

    Das verlinkte Inhaltsverzeichnis läßt einen kritischen Blick ahnen. „Vom der kindlichen Neugier zum gelangweilten Schüler“ etc. Mich interessiert im 10. Kapitel „Operator, we need solutions“, wie das konkret aussieht und auf jeden Fall, was die Pädagogik von der Kneipe lernen kann? Die Leseproben waren schon ganz gut. Wir dazu noch etwas mehr im Blog veröffentlicht?

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