Der Bildungswirt

Bildung Schule Kultur Wirtschaft

Der Bildungswirt header image 1

Erwartungen – Entscheidungen oder Bahntickets bei Ebay…

4. August 2008 · von frankmackay · 1 Kommentar Artikel drucken Artikel drucken

Entdecken Sie Deutschland und Europa zu bahntastischen Preisen und profitieren Sie von der exklusiven Kooperation zwischen DB und eBay. Vom 1. bis zum 10. August hat die Deutsche Bahn jeden Tag ab 0 Uhr ein neues bahntastisches Angebot für Sie! Lassen Sie sich überraschen und nutzen Sie diese Gelegenheit, Freunde und Verwandte zu besuchen.

Sagt die Bahn. Enttäuschte Ebayer schreiben:

Betrug! Erst Versteigerung und dann sofort Kauf billiger! ABZOCKE! FINGER WEG“ Oder „Abzocke! zuerst teuer versteigern, dann den gleichen Artikel zum Festpreis-„

Was ist passiert?
Am ersten Tag gab es Bahntickets ab 1€ und einige Verkäufe wurden mit weit über 100€ für 2 Tickets bezahlt. Nun gab es 2 Tage später 2 Fahrkarten für 66€ bzw. einen Tag später 4 Fahrkarten für 111€. Dies hatte die Bahn auf Ebay angekündigt.

 

Ich habe selbst 2 Fahrkarten für 76€ gekauft. Gehöre ich zur Gruppe der enttäuschten Nichtleser? Nein, denn ich fahre hin und wieder zum regulären Bahncard Preis nach Berlin und zahle für hin und zurück: 107€! Das macht einen Gewinn von 31€

Die Aktion wird nicht nur die Marketingabteilung von Bahn, Ebay und weiteren Onlinehändler beeindrucken, nein auch die psychologische Fakultät. Denn bei „3-2-1-Meins!“ können Entscheidungstheorien und Verhaltensökonomik überprüft werden.
Nehmen wir die Prospect Theory: „Menschen fürchten Verlust mehr, als sie Gewinn begrüßen. […] Überschätzen der eigenen Kenntnisse und des Verständnisses. […] Eine einmal eingenommene Position wird nicht gerne aufgegeben. […] Menschen wenden unverhältnismäßig viel Zeit für kleine und unverhältnismäßig wenig für große Entscheidungen auf. […] Bedauern über einen Verlust bringt nichts ein, aber es wird viel Zeit darauf verwendet.“

Was bedeutet dies für die bahntastische Ebay Auktion?
Wer gar keine Bahncard hat, der gewinnt auch bei weit über 100€, wenn sein Reiseziel angemessen weit entfernt ist. Überschätzt haben sich vielleicht einige Spekulanten, die ihre Tickets – einzeln – gleich wieder bei Ebay verkaufen wollen (Ebay freut sich trotzdem über die Provision). Der Punkt der kleinen und großen Entscheidungen muß wohl nicht weiter kommentiert werden, denn welche Sparmaus hat nicht bereits entdeckt, dass sein Höchstgebot in „normalen“ Shops günstiger war und zuvor hat man viele Auktionen geprüft und abgewartet. Das Bedauern (aber auch andere Anteilnahmen) scheinen in diesem Blog und mittlerweile über 100 Kommentaren Ausdruck zu finden.

Bis bald im ICE! „Und was haben Sie geboten??“

UPDATE: Spiegel Online, hat sich nun auch der Sache angenommen. Nun wird die Verbraucherzentrale bemüht und aus der Gewinn-Verlustrechnung werden Rechtsfälle und wehe es gibt Ebay-AGBs nur für die Bahn! Im Forum von Spiegel Online wird dem Redakteur nun Nichtleserschaft vorgeworfen…

Kategorien: Dunkelkammer · WEb 2.0 · Wirtschaft

1 Antwort bis jetzt ↓

Hinterlasse ein Kommentar