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Vorbilder:Beamtentätigkeit und grandioser Erfolg

29. Juli 2008 · von Miller · Keine Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

„Schüler brauchen Vorbilder“ – schallt es ständig durch die deutsche Pädagogik und die bildungsinteressierten Medien. „Ja, wo laufen sie denn?“ könnte man in deutscher Komiker-Tradition fragen. Flick, Ackermann, Esser – offensichtlich weniger geeignet; Merkel, Beckstein / Steinmeier, Beck – vier Fragezeichen; Pop-Stars, TV-Moderatoren, Spitzensportler – schon eher, aber mit doch sehr begrenzter Reichweite, Philosophen von Rang – wer, zu sperrig oder unbekannnt; ja was bleibt da noch?
Oder wollen wir es doch, ganz allgemein, mit den „Intellektuellen“ versuchen? „Der Intellektuelle muss sich aufregen können – und soll doch so viel politische Urteilskraft haben, dass er nicht überreagiert. Was ihm seine Kritiker – von Max Weber und Schumpeter bis Gehlen und Schelsky – entgegenhalten, ist immer wieder der Vorwurf der ,sterilen Aufgeregtheit‘ und des ,Alarmismus‘. Von diesem Vorwurf darf er sich nicht einschüchtern lassen.“ – meinte jüngst Habermas, sich seine kritischen Rolle in der Vergangenheit besinnend. Sind viele Intellektuelle nicht doch im Laufe der Jahre zu TUIs (im Brechtschen Sinne) mutiert? Vielleicht versuchen wir es doch – wider erwarten – mit einem guten Beamten?

Da befördert einer Aktengold aus dem Dunkeln ins Helle , beobachtet, forscht, seziert und kombiniert – und das mit grandiosem Erfolg. Die Rede ist von einem Vorzeigebeamten mit ausgewiesenem Berufsethos und hoher Selbstverpflichtung: „Für mich hat sie immer darin bestanden, mehr zu tun, als verlangt wird. Meine Leute waren auch so. Da hat keiner auf die Uhr geschaut.“ Seine Bilanz: Korruptionssysteme aufgedeckt, gegen Untreue, illegale Absprachen und Bestechung erfolgreich vorgegangen, Dutzende von Managern verhaftet. Geldstrafen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro wurden durch seine Initiative verhängt, ganz zu schweigen von zusätzlichen Einnahmen durch die Finanzämter. Der Beamten-Held heißt Hans Bredel , jetzt Kommissar außer Dienst. „Wirtschaft, Bauämter, Stadtparlamente – eine Ausgeburt der Korruption?“ (Die Zeit, 29.Mai 2008). Warum hat der Mann noch nicht das Bundesverdienstkreuz der Extraklasse?

Klar bestimmbare Wirtschaftssektoren und Korruptionssysteme sind neugierig machender Stoff aus dem prallen Leben, ausgezeichnetes Anschauungsmaterial für die Schule, z.B. im Fach Politik und Wirtschaft. Angestrebte Bildungsstandards bzw. Kompetenzstandards:
„Der Schüler kann sozioökonomische Zusammenhänge in verschiedenen Aktionsfeldern analysieren und beurteilen“:
Ableitung (1): „Geldgier und Lust an der Macht beschreiben und erörtern können“
Ableitung (2): „ Visionen und konkrete Vorschläge zur Auflösung ‚systemischer Sachzwänge’ und personale Habitusstrukturen in der Wirtschaft entwickeln können“.

Obama: „Yes, we can!“ – schallt’s über den Teich.

PS. Da sage mir keiner mehr etwas gegen Beamte. Und demnächst gibt es den Vorbild-Lehrer als deutschen Berufsbeamten. Wodurch wird er sich wohl auszeichnen?

Kategorien: Allgemein · Bildung · Bildungsstandards · Dunkelkammer · Unterricht · Vorbilder · Wirtschaft

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