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„Glück“ im Bildungsland Nr.1 ?

28. Juli 2008 · von Miller · 1 Kommentar Artikel drucken Artikel drucken

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Hessen als Trendsetter für Bildungsfragen ? Moderne hessische Berufsschulen – transformiert in Kompetenzzentren des lebenslangen Lernens – als „Speerspitze der Bewegung“? Glück gehabt – Schüler in Hessen zu sein?

Noch ist es nicht so weit.
Die Leuchtturm-Schule steht in Baden-Württemberg, heißt Willy-Hellpach-Schule – eine moderne Berufsschule mit Wirtschaftsgymnasium- und ist wirklicher Trendsetter im wahrsten Sinne des Wortes. Selbst das Fach „Glück“ wird ins offizielle Schulcurriculum aufgenommen und das mit großem Zuspruch.

„Mit dem Unterrichtsfach `Glück` wird der Versuch unternommen, den Schülern Bildung im ursprünglichen Sinn zu vermitteln. Ziel ist die Förderung von persönlicher Zufriedenheit, Selbstsicherheit, Selbstverantwortung und sozialer Verantwortung“, sagt Direktor Ernst Fritz-Schubert. Dabei geht es in dem Pilotprojekt nicht darum, das Negative auszumerzen, sondern das Positive zu verstärken. Die Jugendlichen sollen empfänglich für Glücksmomente sein und sich Wege für ihr eigenes dauerhaftes Glück suchen können. Glücklich sein ist ein psychologisches Bedürfnis wie Essen ein körperliches.
Das gilt für Schüler und Lehrer gleichermaßen. Längst hat die Wissenschaft bewiesen, dass Gesellschaften mit wachsendem Reichtum nicht unbedingt glücklicher werden. Dazu gehört wesentlich mehr. Etwa Selbstachtung, Einfühlungsvermögen, Freundschaft, Liebe, Spiritualität, Humor und Optimismus. Diese Ingredienzien des Glücks kann man lernen.

Die Willy-Hellpach-Schule ist bisher die einzige Schule in Deutschland, die sich mit dem „Lernziel glücklich sein“ in dieser Form auseinandersetzt. Sie bietet das Fach „Glück“ sowohl an der zweijährigen Berufsfachschule Wirtschaft (dort erwerben Hauptschüler die mittlere Reife) als auch am dreijährigen Wirtschaftsgymnasium (hier ist der Abschluss das Abitur) an.“ (Homepage der Schule, Juli 2008)

Wer will, kann an dieser Schule auch einen stark leistungsorientierten Weg der besonderen Fach-Ausbildung gehen.
„Seit dem Schuljahr 2003/2004 geht die Willy-Hellpach-Schule einen ungewöhnlichen Weg. Sie ermöglicht durch die Kooperation mit der Young-Business-School besonders leistungsstarken und leistungswilligen Schülerinnen und Schülern neben dem Besuch des Wirtschaftsgymnasiums das Studium der Wirtschaftswissenschaften. Nach dem Prinzip „Lust an der Leistung“ nehmen zur Zeit 5 Schülerinnen bzw. Schüler neben dem normalen Unterrichtspensum die Herausforderung an, weitere 12 – 15 Stunden wöchentlich den Vordiplomstoff der Fernuniversität Hagen zu bearbeiten. Trotz heftiger Kritik – wegen der vermeintlichen Überforderung – hält die Schule an diesem Konzept fest. Der Erfolg bestätigt den eingeschlagenen Weg. Im Schuljahr 2004/05 konnten wir mit der Ausgabe des Abiturzeugnisses einem Schüler und einer Schülerin das Vordiplomzeugnis überreichen.“(Homepage der Schule, Juli 2008)

Die Frage bleibt: Wann gibt es Unterrichtsfächer wie „Glück“ und „Lebenskunst“ als Perspektive an hessischen Berufsschulen oder Gymnasien? Wann werden wirklich neue „Bildungsstandards“ gesetzt? Die von allen hessischen Landtagsfraktionen begrüßten Reformprojekte SV-plus Berufsschulen und Initiative Hessencampus könnten hier sicher noch einiges dazu lernen. Die Zeit ist reif, „Schule neu denken“ (v. Hentig) offensichtlich erst am Anfang.

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1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 Maria // 27 Okt 2008 um 17:18

    Unterrichtsfächer „Glück“ und „Lebenskunst“ an hessischen Schulen? Eine Fata Morgana? Warum nicht? Sollte in einer Woche die hessiche Regierung wechseln, sagen wir vielleicht „Glück“ gehabt, das andere werden wir sehen. Eine grüne Kultusministerin braucht auf jeden Fall viel Glück, Mut und Klugheit, damit sich überhaupt etwas bewegt. Schulstrukturen sind hart wie Beton.

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