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Die Evolution frisst ihre Kinder

14. Juli 2008 · von Leo · Keine Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

Es war einmal ein gutes Fabelwesen, das nannte sich die Evolution. Eine biologische Rasse entwickelt sich demnach auf natürlichem Wege immer weiter, vermischt sich fleißig mit anderem, damit sie besser wächst und gedeiht – Reinrassiges verblödet oder verschwindet.
Dieses wunderbare System der Bestenauslese funktionierte und funktionierte bis zu jenem Tag, vielleicht war es ein hessischer Land-Tag, den wir wohl besser den LRS-Tag nennen: Durch einen unerklärlichen Übertragungsfehler in der Genetik gebar die Evolution ein ungewolltes, fast artfremdes Kind: die Evaluation.
Es wurde der Mutter alsbald weggenommen, der Vater blieb ein Gerücht, den Unterhalt übernahm deshalb der Staat. Als Baby aufgewachsen in noblen Elfenbeinheimen, betreut von sorgfältig ausgesuchten Behörden, kam das Kind schließlich in die Schule. Während es in der Grundschule noch leidlich gut ging, machte es nach der Förderstufe, frühreif wie es war, überall mit Jungs rum und drohte plötzlich zu verwahrlosen. Die Gefahr wurde schnell gebannt: Unser großes Kind galt fortan als vorbildlich betreut. Kein Amt, kein Minister zögerte, sich dieses Kindes eine Weile anzunehmen, es galt nunmehr als hochbegabt, sein Wissensdurst wuchs ins Unermessliche: Es fragte, frug und frug und alle antworteten mit wahrer Engelsgeduld: Schön, was unser Kind schon alles weiß!

Sollte das Kind deshalb auf eine elitäre Privatschule? Nein, man entschied sich dagegen und beließ es auf dem öffentlich-rechtlichen Gymnasium. Und es frug und frug. Alsbald wusste es nicht mehr, wen es fragen sollte und fing daher an, die Antworten gleich selbst zu geben und redete also mit niemandem mehr. Unser Kind wurde nun für lange Zeit auf eine berühmte Insel verbannt, wo es von Fabelwesen vom Stamme der Seligen geheilt werden sollte. Aber auch dort frug es vor sich hin und brabbelte die Antworten – bis zu jenem Tag, an dem es einmal probeweise einen Landgang unternehmen durfte. Dort traf unser inzwischen großes Kind nach ganz kurzer Zeit seine inzwischen graue, uralte Mutter. Die Mutter stutzte und fletschte ihre riesigen Zähne. Unser Kind aber glotzte ängstlich und fragte:
Aber Großmutter, … ?

(Fortsetzung folgt)

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