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GEW: Der Bildungswirt wird Staatssekretär

7. Juli 2008 · von Miller · 1 Kommentar Artikel drucken Artikel drucken

Das Fußball-Sommermärchen ist kaum zu Ende, da fallen einige Klein-Funktionäre der GEW in ein tiefes Sommerloch, suchen nach heißen Themen, konstruieren wilde Geschichten, erfinden giftige Schlagzeilen, um offensichtlich ihrer hessischen Freizeit-Depression zu entgehen.
Sie haben auch Dr. Millers Blog, alias Bildungswirt, entdeckt und gleich verlinkt. Dafür besten Dank! Soweit, so gut! Der sog. „Hausbesuch in Dr. Millers Blog“ führte allerdings nicht zu Kommentaren /Diskussionen direkt zu den veröffentlichten Beiträgen im Blog, sondern in sicherer Deckung zum alten Druck in der privaten Hauspostille mit GEW-Logo. (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft – Bezirksverband Mittelhessen, Info-Brief Nr. 19 der Fachgruppe Erwachsenenbildung vom 19.6.2008). Der Einstieg ist bezeichnend:

Seit Tagen wurden wir darauf aufmerksam gemacht. Wir sollten mal den Artikel über den neuen Kultusminister lesen. Anbiedernd. Hofschranzenprosa. Ja, das haben wir Leute sagen hören.
Also haben wir Dr. Miller, eingestandenermaßen ein bisschen voreingenommen, auf seiner Homepage besucht.“

Super Druck-Nummer: Der anonyme Schreiber (Selbstbezeichnung: „Herausgeber“) schwindelt einfach mal dreist in die Runde und versteckt sich hinter dem „Leute sagen hören“. Ein Lehrstück für den „seriösen“ GEW-Journalismus.

Zu meinen Beiträgen zum Dalai-Lama-Besuch kommentieren die GEW-Anonymen (1, 2 oder 3 Personen?):

„Koch auf dem Schulhof
Wichtiger als der Befund der Anbiederei sind uns hier die Darstellungshaltung und die Perspektive. Dr. Millers Blick auf eine politische Kontroverse ist der des Schulhofvoyeurs, der 31 aus sicherer Entfernung den Großen beim Streit zuschaut und gespannt darauf wartet, was der ganz Große (das ist dann in der Tat das anbiederische Moment im Text) tut. Wir müssen uns das Subjekt, das Unterlegte des Textes als kleinen Jungen in kurzen Hosen, mit Colalutscher in der Hand, Stofftier im Ranzen und mit offenem Mund vorstellen. Aus dieser Perspektive resultiert das Unkalkulierte und im besten Sinn Naive dieses Textes, der dadurch auch den vermeintlich ganz Großen auf das Format eines Schulhofschlägers ‚schrumpft’. Der große, der erwachsene Miller sieht das mit offenen Augen: „alles personale Oberfläche“, und muss es dennoch aufschreiben, lässt den kleinen über den großen Miller siegen. Wenn das Hofschranzenliteratur ist, dann allein der Intention nach. Ihr Vollzug ist so widerborstig, so wenig geschmeidig, so unprofessionell im Blick auf Zweckrationalität, dass man sie eher für eine Parodie auf Schmeichelei und Speichelleckerei halten könnte. Dämlich und ärgerlich ist der Text da, wo der große Miller über den kleinen siegt: im Wort „Winkelinterpretationen“. Das Wort mobilisiert Affekte gegen den Juristen, und diese Affekte sind in Deutschland weniger plebejisch als reaktionär. Der „Winkeladvokat“, der in das Wort eingeblendet ist, ist ein Wort von oben, nicht von unten. Der Winkeladvo- kat verhindert den gewünschten kurzen Prozess, besteht auf Verfahrensregeln, die die „Dinge“ statt des Delinquenten auf die lange Bank schieben, er verlangsamt, er verhindert die fällige Entscheidung, er macht Umstände, er ist lästig, er behindert die Entscheidungen der allein Befugten, der Elite. Er steht für die Langsamkeit und Sicherheit des Rechts; seine Wendigkeit, seine Haarspaltereien, seine Tricks dienen auf paradoxe Weise der Trägheit der Massen. Der Winkeladvokat steht für alles, was die „Eliten“ an Demokratie und Recht verachten und hassen.“

Wauuuh, das war ein Pfund, nur wozu? Welch verborgener Sinn? Was hat das mit meinen zwei Beiträgen zu tun? Ja, so ein bißchen ‚Sigmund Freud für Arme‘ mit dem Winkeladvokat zusammengerührt, dazu noch mit dem angeblichen Hass der Eliten auf die Demokratie gewürzt – alle Achtung, das ist preisverdächtig!

Zu meinen Beiträgen G8/G9-eine schräge Debatte kommentieren die GEW-Anonymen:

„Bewerbung bei Banzer?
Peinlich sind die Lobhudeleien für einen Politiker, der einstweilen nicht viel mehr als diskussionsbedürftige Pläne hat: Er zeige „hohe Flexibilität“ und „pragmatischen Realismus“. Da würden wir eher sagen: Schau’n wir mal. Aber wie auch immer: Hohe Flexibilität und pragmatischer Realismus sind ja nicht nur bei Politikern nützliche und wünschenswerte Eigenschaften. Peinlicher ist, wie Dr. Miller sich den Kopf des Ministers zerbricht. Ganze neun Maßnahmen, meint Miller, muss der Minister nach den Sommerferien anpacken, und Dr. Miller legt sie ihm fein säuberlich aufgelistet vor, damit auch keine verloren oder vergessen geht. Das kann man schon als Bewerbungsschreiben für die Position des Staatssekretärs verstehen; darunter wird es Dr. Miller kaum noch tun.“
(…) Dr. Miller hat es ja schon stellvertretend für Herrn Banzer angekündigt, scharf auf seine „Leistungsfähigkeit“ und „Lernbereitschaft“ befragen lassen. Da können sich Herrn Dr. Millers Kolleginnen und Kollegen beim HKM und beim IQ jetzt schon freuen! „

Oberaffengeil! Wie sauber ihr wieder recherchiert habt und das alles viel schneller als die FAZ, die FR oder das Szeneblatt Journal Frankfurt. Selbst die Blogosphäre schlief. Unverzeihlich. Ich will euch sagen, wie es wirklich war:
Banzer besuchte mich am 10. Juni, nach meinem fünften G8/G9-Beitrag, persönlich in meiner Kneipe. Als ehemaliger volksnaher Landrat mit Kneipenkultur-Erfahrung bot er mir nach dem 2. Bier den Posten des M-Büro-Leiters an. Den mußte ich natürlich ablehnen, genau wie ihr es vorher schon gewusst habt. Beim 3. Bier bot er mir den Staatssekretär-Posten an, Staatssekretär Jakobi wolle eh in den Ruhestand. Das hielt ich derzeit für nicht angemessen und bat um Bedenkzeit. Beim 5. Bier bot er mir seinen Posten als Kultusminister feil. Alles wäre ihm zu stressig, zuviel Miesepeter-Gesichter, Klugscheißer und Aktendeckelbürster, überhaupt habe er mit dem Posten des Justizministers genug zu tun und Roland solle sich einen anderen Ausputzer suchen. Ich war nicht erfreut, bat um Bedenkzeit bis zum 24. Dezember und lud ihn zum 6. Bier ein. Danach hatten wir Wichtigeres zu besprechen. Leider kann ich euch das nicht erzählen, absolutes Schweigen vereinbart.
Eins noch: Im HKM und IQ wird – auf meine Anregung hin (ihr habt es wieder vorher gewusst) – an sog. „internen Lernbereitschafts-Tests“ mit speziellen Evaluationsbögen gearbeitet. Sicher werdet ihr darüber im nächsten GEW-Brief berichten.

Die GEW-Anonymen kommen zu folgender abschließenden Bewertung:

„Fasst man Dr. Millers Blog auf seine Appellfunktion hin zusammen, sagt sein Text: Jürgen Banzer, seien Sie keine „Memme“ wie ihre Amtsvorgängerin, seien Sie keine Frau, sei ein Mann, sei ein Panzer, mach dein Ministerium platt, und dann hole mich und meine Freunde, daran ist nicht vorbeizukommen, und alles wird gut, man muss nur auf die guten Ratschläge meines externen Sachverstandes hören!“

(…) „Ihm (Miller) fehlt die Kälte, das besonnene Kalkül des Höflings. Rhetorische Feinstaubbelästigung ist von ihm nie zu befürchten. ICH HEIßE MILLER und Frankfurt ist DIE WERKSTATT ALLER GROßEN INDIVIDUEN.“

Man kann euren heißen Phantasien kaum noch folgen. Kleiner Einspruch: „… die Werkstatt vieler großer Individuen.“ Okay? Und ich empfehle euch selbstverständlich bei Banzer als die wahren Sachverständigen, wie konnte ich das bisher nur vergessen? Fürs „Plattmachen“ hol ich mir vorher selbstverständlich euren besonderen Rat, damit auch nichts schief geht. Sollte ich Karin Wolff treffen, werde ich Sie nett von euch grüßen. Ihr habt euch immer so für die ehemalige Kultusministerin und das Staatliche Schulamt in Gießen engagiert, ehrlich!

Freundliche Grüße
Euer Bildungswirt

PS. Der Bildungswirt ist seit fast 30 Jahren Mitglied der GEW. Ich beabsichtige nicht – trotz der massiven Angriffe, Beleidigungen und Falschmeldungen von einigen Klein-Funktionären – aus der Organisation auszutreten. Ich weiß um die Mehrheit engagierter Kolleginnen und Kollegen in der GEW für die ein „Ehrenkodex“ auch am Arbeitsplatz selbstverständlich ist. Ich weiß um viele Lehrer, Eltern und Oberstufen-Schüler, die im neuen Schuljahr im Bildungswirt-Blog, z.B. zum nationalen Bildungsgipfel, zu Bildungsstandards, zu neuen Lernkulturen oder zum Landesabitur 2009 gern lesen werden. Vielleicht werden sie geradezu herausgefordert (auch durch Funktionärsübergriffe) selbst zu bloggen und Gegenöffentlichkeit zu organisieren. Den GEW-Landesvorsitzenden, Jochen Nagel, hatte ich freundlich über den GEW-Gossen-Journalismus einzelner Klein-Funktionäre informiert und um Korrektur gebeten. Meine Einschätzung: Solch ein Verhalten ist der GEW unwürdig und insgesamt organisationsschädlich. Es liegt nun an ihm.
Ich wünsche erholsame Ferien für alle.

Kategorien: Allgemein · Bildung · Dunkelkammer

1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 A. Neubauer // 16 Jul 2008 um 12:25

    Was geht in diesen GEW-Koepfen vor? Ich habe nicht ganz verstanden, was sie ueberhaupt wollen. Die Kneipengeschichte mit dem Minister ist amuesant.
    Seit Juni lese ich den Bildungswirt. Die Galaxietexte sind ein guter Leserservice. Mich interessiert, was ihr noch alles zum Landesabitur schreibt, vor allem zum Abitur 2009.Was ist aus dem Verkauf der Pruefungsaufgaben geworden?

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