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Bildung in Deutschland 2008 – harte Fakten

1. Juli 2008 · von Miller · Keine Kommentare Artikel drucken Artikel drucken

  1. Der enge Zusammenhang zwischen sozialem Status der Herkunftsfamilie und den erworbenen Kompetenzen ist in Deutschland besonders ausgeprägt. Mit einem höheren sozioökonomischen Status gehen bis zu dreimal geringere Hauptschul- und bis zu fünfmal höhere Gymnasialbesuchsquoten einher.
  2. Bei über 3,4 Millionen oder 23% der Kinder lag das Einkommen der Familien unter der Armutsgefährdungsgrenze. Diese "Risikolage" heißt nichts anderes als eine deutliche Verschlechterung der Bildungschancen.
  3. Kinder aus Akademikerfamilien nehmen bei gleichen Abiturnoten häufiger ein Studium auf als aus nichtakademischen Elternhäusern.
  4. 80.000 Jugendliche verlassen pro Jahr die Schule ohne Abschluss. Mindestens 50% der Hauptschüler mit Abschluss haben trotz Abschluss keine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Die "Risikogruppe" in den Warteschleifen des Übergangssystems (vor allem an Berufssschulen) beläuft sich jährlich auf mindestens 250.000 junge Leute.
  5. In den Warteschleifen haben 60% der Jugendlichen einen Migrationshintergrund. Es gibt den engen Zusammenhang von Migrationshintergrund, Hauptschule, Übergangssystem der Berufsschule und Arbeitslosigkeit.
  6. Geschlechtsspezifische Disparitäten: Mädchen und junge Frauen werden im Bildungsbereich immer erfolgreicher, neue Problemlage bei Jungen. Junge Männer mit Migrationshintergrund gelten als besonders gefährdet.
  7. Die Übergänge nach der Grundschule auf das Gymnasium steigen, die Übergange auf die Hauptschule sinken. Inzwischen gehen in elf Ländern über 50% der Schülerinnen und Schüler nach der vierten Jahrgangsstufe zum Gymnasium über. (Große Ausnahme Bayern und Baden-Württemberg).
  8. Die Berufsschule hat sich stark gewandelt: nur noch 43% der Berufsschüler befinden sich im "dualen Ausbildungssystem", 40% im Übergangssystem (Warteschleifen) und 17% im Schulberufssystem (z.B. Wirtschaftsgymnasium)
  9. Studiennachfrage bleibt zu gering, nur 37% Studienanfängerquote. Im Vergleich dazu: Schweden 76%, Finnland 73%, USA 64%.
  10. Der direkte Übergang aus der Berufsausbildung in die Hochschulen liegt unter 1%. Der sog. Dritte Bildungsweg (qualifizierte Bewerber ohne schulische Studienberechtigung) ist in Deutschland weitgehend versperrt, ganz im Gegensatz zum Ausland, z.B. der Schweiz.
  11. Entgegen der öffentlichen Rhetorik von der Bedeutung der Weiterbildung und des lebenslangen Lernens nehmen die Weiterbildungsbudgets drastisch ab. Die Ausgaben der Bundesagentur für Arbeit für berufliche Weiterbildung gingen zwischen 1999 und 2005 um 70% zurück (von 7,8 Milliarden Euro auf 2,3 Milliarden). Bei den Unternehmen sanken die Ausgaben für betriebliche Weiterbildung um 16% (von 9,4 Milliarden Euro auf 7,9 Milliarden).
  12. 143 Milliarden Euro wurden 2006 für Bildung ausgegeben., das sind 15 Milliarden mehr als 1995. Jedoch: Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt sank jedoch von 6,9% im Jahr 1995 auf 6,2% im Jahr 2006. Die Bildungsausgaben sind also unterproportional zum Wirtschaftswachstum gestiegen und liegen unterhalb dem OECD-Durchschnitt.
  13. Bildungs- und Betreuungsangebote für Kinder unter 3 Jahre sind immer noch mangelhaft. Um allein eine Versorgungsquote von nur 35% zu erreichen , sind jährlich rund 70.000 Arbeitsplätze in Kindertagesstätten neu zu schaffen.
  14. Drohender Lehrermangel und Überalterung der Kollegien: 60% der Lehrer sind über 50 Jahre alt; die große Pensionierungswelle und der einhergehende Lehrermangel sind seit Jahren sichtbar.

Wer sich tiefer einarbeiten will, dem sei empfohlen:
a) Bildung in Deutschland 2008, Pressemitteilungen
b) Zusammenfassung und Kommentierung Bildung 2008 auf dem Blog NachdenkenSeiten
c) bei sehr viel Zeit und Forscherinteresse: den Bildungsbericht 2008 im Original lesen und wer dann noch einen sehr pfiffigen Kommentar zur Einstimmung sucht, dem empfehle ich die Berliner Zeitung vom 13.06.2008. Harald Jähner: Dieses schlaue Land ist einfach zu blöd.

Und immer weiter, dem nationalen Bildungsgipfel im Oktober entgegen …

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